Sprachliche Frage(n) - zunächst Österreicher, bitte..

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 84 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Zank.

  • 😅 Hoppala, also ich meinte c). "Ich bin heraußen" heißt normalerweise übersetzt, dass man nicht in Wien ist.

  • Im Zwiebelfisch fand ich gerade bezüglich der Verwendung von "sein" im Perfekt von "sitzen" die hinreißende Bemerkung:


    "Im Süden gilt anscheinend auch der Stillstand als Bewegung." ^^:evil:

  • Heraußen habe ich noch nie gehört/gelesen - also bis jetzt.^^ In meinen Ohren klingt es herrlich falsch. Ich mag es! Ich sage schließlich auch "Ich habe kalt." - in allen Variationen!

  • "Ich bin heraußen" heißt normalerweise übersetzt, dass man nicht in Wien ist.

    Also da muss ich jetzt aber einwerfen: man kann sich auch nicht in Wien befinden und trotzdem nicht "am Land" sein ^^ Ich sitze gerade in Linz, im Vergleich zu Wien eine Kleinstadt mit 200.000 Einwohner, aber "am Land" bin ich nicht ;)


    Ich habe ja auch Linguistik studiert und bin daher sehr kritisch sozialisiert was präskriptiven Sprachgebrauch und Kategorien wie "richtig" und "falsch" angeht. Auch die Abwertung von Dialekten als Sprachen zweiter Klasse ist in diesen Kreisen sehr unbeliebt.
    In der linguistischen Grammatikforschung wird auch ganz viel mit Sprecherurteilen gearbeitet, also ein fraglicher Satz wird konstruiert und die Versuchspersonen werden einfach gefragt, ob der Satz für ihr Sprachgefühl in Ordnung kling oder nicht.


    In einem Roman würden mir "herinnen" und "heraußen" wahrscheinlich gar nicht weiter auffallen. Ich würde es aber wahrscheinlich nicht verwenden, wenn ich einen Befund schreibe oder irgendein amtliches Schreiben in der Hand habe.

    Kurz gesagt: je informeller, umso Österreichischer (auch schriftlich) - je formeller, umso eher "schönes" Standarddeutsch.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.

  • Wie marimirl glaube ich auch, dass man nördlich des Weißwurstäquators "hier draußen" sagt.

    Auch die Alemannen (Schwaben, Badener oder Schweizer) verwenden "herinnen" oder "heraußen" nicht. Und die sind dann wiederum eher westlich oder südlich des oben genannten Äquators. :D

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Mal gesamtdeutschsprachig:


    Wie geht es Euch mit dem immer häufiger verwendeten "Das macht Sinn" ??

    Gilt das inzwischen schon offiziell als "richtig" (ich setz das mal in Anführungszeichen, tári .. ;-) ) ?!

    In meinen Ohren ist das immer noch ein Anglizismus (von "that makes sense") und Dinge können für mich nur Sinn haben.

  • Alice

    Hat den Titel des Themas von „Sprachliche Frage(n) - Österreicher, bitte..“ zu „Sprachliche Frage(n) - zunächst Österreicher, bitte..“ geändert.
  • Auch wenn ich kein Ösi bin: Ich verwende "Das macht Sinn" unterdessen im Alltag, oft sogar, ohne es noch zu bemerken. In schriftlichen Texten versuche ich noch, es zu vermeiden. Aber ich denke, dass es sich als korrekt in die Sprache eingeschlichen hat.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Mir war nicht einmal bewusst, dass "Das macht Sinn." sprachlich nicht korrektes Deutsch sein sollte. Ob ich es schriftlich verwenden würde, kann ich nicht sagen, da mir ad hoc keine Situation einfallen würde, wo ich diese Formulierung im Schriftverkehr brauchen könnte.

  • Sprache ist eben ständig im Wandel und daher auch ständigem Bedeutungswandel unterworfen. Deshalb erscheint manches dann als falsch, auch wenn es im heutigen Sprachgebrauch gar nicht mehr so ist.
    Der Bedeutungswandel wird aber in der Rechtschreibung und Grammatik nicht immer mit abgebildet. Diese Veränderungen sind ja auch ein schleichender Prozess. Witzigerweise regen sich seit über 20 Jahren Journalisten über Sinn machen auf, obwohl das längst in seiner neuen Bedeutung ganz normal benutzt wird und es meiner Meinung nach einfach keinen Sinn macht ;) darüber zu meckern.


    dodo

    Das Argument ist, das etwas nicht Sinn macht (also der Sinn aktiv etwas macht) sondern Zusammenhänge Sinn ergeben, also erst in ihrer Summe Sinn konstruieren. (Der Sinn selbst also passiv ist). Ich denke das kommt auf den Blickwinkel an, ich finde man könnte nämlich auch argumentieren, das Etwas macht (also XY bleibt aktiv) den Sinn (Sinn weiterhin passiv). Deshalb finde ich die Argumentation dazu nicht logisch, weil ich den Eindruck habe, es wird von den betreffenden Personen nur auf den Sinn geschaut, nicht auf den rest des Satzes.

  • Ich habe ja auch Linguistik studiert und bin daher sehr kritisch sozialisiert was präskriptiven Sprachgebrauch und Kategorien wie "richtig" und "falsch" angeht. Auch die Abwertung von Dialekten als Sprachen zweiter Klasse ist in diesen Kreisen sehr unbeliebt.



    Aus ähnlichen Gründen geht es mir genauso, deshalb habe ich mich bisher hier auch nicht beteiligt - ganz davon abgesehen, dass ich nicht aus Österreich komme. Obwohl mich das Thema sehr interessiert.


    Ich sehe es aber überhaupt nicht gerne wenn Dialekte abgewertet oder als "falsch" bezeichnet werden, da sie eine Bereicherung für jede Sprache sind. Meistens wird das auch im gleichen Atemzug wie "die böse böse Jugend, welche die Sprache verhunzt" genannt :D


    Mir (aus Süddeutschland) wurde in der Schule sogar beigebracht, man soll die Bewegungsverben mit "sein" bilden. Ich sage auch "Heb' mal" statt "Halt mal". Aber gerade ersteres wurde mir in irgendwelchen offiziellen Texten (auch im akademischen Kontext) jetzt nie als falsch markiert. Zugegeben, die Menge der Nutzung solcher Formulierungen hielt sich in Grenzen ;).

  • Kritty

    Ich weiß noch, bei mir in der Grundschule wurde noch total gegen den Dialekt unterrichtet.
    Das hat sich erst so richtig im laufe der 90er Jahre verändert. Ich kenne aber Kommiliton*innen bei denen zu Hause nur Hochdeutsch gesprochen wurde, weil Dialekt ja nur "ungebildete" sprechen... :rolleyes:

    Ich sage glaube ich von 10 mal, bestimmt 0 mal halt mal :lachen: und garantiert ständig: Das hebt nicht, das hebt aber gut usw. Und es gab da diesen Moment, als ich "Da wo..." sagte und alles um mich herum anfing zu lachen, einfach weil man bei mir sonst echt kaum hört, das ich aus dem Schwäbischen komme. Aber ich eben solche Satzkonstruktionen trotzdem aus dem Dialekt in meine Sprache integriert habe.

  • Alice
    Finde amüsant das Du denkst, das wird erst grade eben massiv genutzt. Meine Recherche ergibt jedenfalls das es schon Anfang der 2000er ganz normal im Gebrauch war^^

    Liebe HoldenCaulfield , "Anfang der 2000" ist aus meiner Sicht nicht sonderlich lange her :breitgrins: - "gerade eben" hab ich aber übrigens nie geschrieben, lies noch mal nach.. ;)


    Mit dem Übrigen hast Du natürlich recht - Sprache lebt! :thumbup: - aber darum finde ich es ja auch so interessant, darüber Sichtweisen auszutauschen.


    Wobei ich tatsächlich überhaupt nicht darauf aus bin, Dialekte abzuwerten, Kritty - im Gegenteil, ich finde sie sowohl hochinteressant als auch oft herzerwärmend - ich glaube nur, dass sich Sprachkompetenz durch die richtige Ausdrucksweise am passenden Ort definiert (also durchaus situationsbedingt unterschiedliche Sprachvarianten zu benutzen..) und sehe aber auch die Gefahr, dabei zu sehr im eigenen Blickwinkel "gefangen" zu sein.

    Einmal editiert, zuletzt von Alice ()

  • Ich verwende alle drei :D

    "ich bin gesessen/gelegen"

    Was ist daran komisch? xD Das muss ich mir merken, damit mich meine norddeutschen Kollegen nicht wieder auslachen.

    Meinst Du nun

    a) "an Land sein" - im Gegensatz zu "auf dem Wasser sein"

    b) "im Land sein" - im Gegensatz zu "woanders sein"

    oder c) "auf dem Land" sein - im Gegensatz zu "in der Stadt sein"?

    a) und c) würd ich sagen :D "aus dem Wasser heraußen sein" würd ich auch sagen XD

    Darunter verstehe ich, dass jemand im Gefängnis war.

    Ich auch 🤣

    Ich auch


    Und jetzt zum eigentlichen Thema: Ich würd es vielleicht nicht unbedingt in einer Masterarbeit schreiben, aber in jeglichem anderen Schriftext sehr wohl. Vor allem Dichter und Schriftsteller verwenden es oft und ich benutze es auch in der österreichischen Standardsprache im mündlichen Sprachgebrauch. Das wäre für mich ein normales Standarddeutsches Wort, außer ich will besonders intelligent rüberkommen bei Masterarbeiten und so :D


    PS.: Ich bin ja Österreicherin, wohne aber in Norddeutschland. Habe diese "Sprachprobleme" ständig :D

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Aber ich eben solche Satzkonstruktionen trotzdem aus dem Dialekt in meine Sprache integriert habe.


    Ja geht mir ähnlich ;)

    Ich spreche meist Hochdeutsch, außer ich unterhalte mich mit meiner Oma - und ich falle immer öfters in den Dialekt wenn ich bei meinen Eltern bin. Aber bestimmte Konstruktionen kenne ich eben nicht anders...


    Und ich fühle mich auch nicht wohl wenn andere das beleidigen und/oder sich da entsprechend verhalten.

  • Kritty

    Ich falle manchmal in Dialekt wenn ich z.B. von meinen Eltern erzähle :lachen: und auch wenn ich mit Menschen spreche, die aus meiner alten Gegend kommen. Es gab da mal einen Vortrag in der Uni, von Michael Blume (Landesbeauftragter für Antisemitismus, Baden Württemberg,selbst Schwabe) und einen Workshop. Im Workshop haben wir diskutiert und ich melde mich, und spreche im breitesten Stuttgarter-Schwäbisch, was ich sonst grade auch an der Uni nie mache.

    Ein Dozent von mir, der mit uns nach seinem Seminar immer mal was trinken gegangen ist, und ich sind etwa gleich alt und beide in Stuttgart aufgewachsen. Das war der krasseste Aha Moment, als das raus kam, weil er plötzlich auch ein bissl im Dialekt mit mir gesprochen hat (aus Spaß) und alle um uns rum uns nur anstarrten, weil einfach niemand uns beide jemals im Dialekt hatte sprechen hören. :lachen: