Sprachliche Frage(n) - zunächst Österreicher, bitte..

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Es gibt 84 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Zank.

  • Noch viel schlimmer finde ich aber "in 2020" :grmpf:

    DAS find ich auch schrecklich, Valentine - ärgert mich jedes Mal, wenn ich es höre.

    (Ich glaub, das hat einfach damit zu tun, dass man noch weiß, woher es kommt und warum es "falsch gemacht" wird - ein Fehler ist für mich doch ein ziemlich unbefriedigender Grund für eine Sprachneuerung, auch wenn das wohl öfters so läuft, siehe Genitiv. Wenn es dann lange genug so verwendet wurde, *erinnert sich dann niemand mehr daran und es kräht kein besserwisserischer Hahn (Huhn??) wie ich mehr danach.)


    *Apropos: Ein anderes für mich nerviges gleichartiges Beispiel ist die Verwendung von

    "ich erinnere (etwas)" anstelle von "ich erinnere mich an etwas" ... :rolleyes:

    (jaaaa: "I remember...".)


    Alternative Dialektausdrücke sind da eine völlig andere Schiene - die haben ja eine eigene Sprachgeschichte und sind nicht und im Zusammenhang nie falsch -

    womit ich allerdings zuweilen ein Problem habe, ist die Anwendung "dialektkonformer" Grammatikregeln bei ansonsten hochdeutschem Duktus und Tonfall.. beginnend beim Plural "Kinderwägen" und kulminierend in alternativen Satzstellungen oder Partizipbildungen (da gibt es tolle Varianten, die ich im Dialekt echt super finde! :love:) **

    Konsistent im Dialekt ist das eine "eigene Sprache" - in Kombination mit Hochdeutsch finde ich es zuweilen ... schwierig.


    (**Ich werde nie vergessen, wie unser kleines Nachbarsmädel traurig erzählte, sie habe am Vortag vor unserer Tür gestanden und gelitten und gelitten... ^^  erst mal tat sie mir sooo leid..)

    4 Mal editiert, zuletzt von Alice ()

  • Beitrag von Alice ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht ().
  • Noch viel schlimmer finde ich aber "in 2020" :grmpf:

    DAS find ich auch schrecklich, Valentine - ärgert mich jedes Mal, wenn ich es höre.

    (Ich glaub, das hat einfach damit zu tun, dass man noch weiß, woher es kommt und warum es "falsch gemacht" wird - ein Fehler ist für mich doch ein ziemlich unbefriedigender Grund für eine Sprachneuerung, auch wenn das wohl öfters so läuft, siehe Genitiv.



    Könntest du das näher erläutern bitte, an was du dich da erinnerst? Bin neugierig. Ich sage z.B. "während 2020" aber auch "in 2020".


    Generell sind sehr sehr viele Veränderungen in der Sprache erst Fehler. Ich bin mir sicher der Sprachgebrauch aus deiner Jugend bestand schon aus Fehlern, die der Sprache von Generationen vor dir angetan wurden :)



    Ich habe schon gemerkt, dass ich vorsichtiger geworden bin beim Tippen hier und dort, nicht dass man andere Leute aufregt.. :P

  • Ich höre Österreicher sehr gern sprechen, mag es viel lieber als Bairisch. Wobei ich leider nicht alles verstehe, je nachdem, aus welcher Gegend die Sprecherin kommt.

    Aber geschrieben mag ich das nicht, das habe ich lieber dudenkonform. Also nicht "die Claudia mit dem Sackerl".


    Und ich hoffe sehr, dass sich die jetzt aktuelle Jugendsprache bitte, bitte niemals durchsetzt und in Zukunft so von allen gesprochen wird. Ischschwör!

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • Generell sind sehr sehr viele Veränderungen in der Sprache erst Fehler. Ich bin mir sicher der Sprachgebrauch aus deiner Jugend bestand schon aus Fehlern, die der Sprache von Generationen vor dir angetan wurden :)

    Sicherlich ist das so, Kritty. Ich hab oben das Beispiel mit dem Genitiv (wegen des Klaviers --> wegen dem Klavier) ja schon erwähnt - auch letztere Form ist heute "offiziell".

    Trotzdem ist die "Übergangsphase" sicherlich immer wieder unangenehm für diejenigen, die noch die (später) alte Form als richtig gelernt haben oder empfinden.


    Ich empfinde einfach "kreative Neuerungen" als so viel befriedigender.. ;) :)

    Falls die "neue" Form iwelche Vorteile bietet (auch das kann ja schon mal der Fall sein.. Beispiel ist ja unsere immer wieder vereinfachte und standardisierte Rechtschreibung..!), wäre das natürlich etwas anderes: DAS ist dann eine sinnvolle Entwicklung.

    Kein Mensch will heute noch "Brodt" schreiben.. :S


    Du fragst nach Beispielsituationen, in denen es mich stört..?!

    Das ist besonders der Fall in offiziellen Situationen (Politikerreden, Moderatoren..), bei denen ich erwarten würde, dass man sich besondere Gedanken über die Sprache macht, die man verwendet: Wenn dann jemand sagt "In 2019 war die Situation noch anders!", so fällt mir das auf.

    Einmal editiert, zuletzt von Alice ()

  • Trotzdem ist die "Übergangsphase" sicherlich immer wieder unangenehm für diejenigen, die noch die (später) alte Form als richtig gelernt haben oder empfinden.



    Das kenne ich :D

    Mir geht das oft so bei "ph" und "f", oder "ß" und "ss" .

  • Und ich hoffe sehr, dass sich die jetzt aktuelle Jugendsprache bitte, bitte niemals durchsetzt und in Zukunft so von allen gesprochen wird. Ischschwör!



    Jugendsprache ist genau das: Jugend-Sprache. Es wird sie immer geben und immer hauptsächlich von einer Hauptgruppe gesprochen werden und sich vor allem immer verändern :P Sie ist sehr wichtig für bestimmte Altersgruppen und die Nutzung derselben ist ein überraschend intelligenter Akt - solange das Switchen funktioniert. Insbesondere beim "Kietzdeutsch".


    "Ischwör" ist schon garnicht mehr so in :D Kuss aufs Auge, Ehrenfrau! Sheesh, Jugendspeak flasht mich derbe :P





    Aber gut, das ist ja garnicht Thema hier, das, glaube ich, einfach insgesamt sehr komplex und faszinierend ist..

  • *Apropos: Ein anderes für mich nerviges gleichartiges Beispiel ist die Verwendung von

    "ich erinnere (etwas)" anstelle von "ich erinnere mich an etwas" ...

    Dafür - um dem Threadtitel wieder die Ehre zu geben - vergessen Österreicher*innen auf etwas ... :)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen, wenn manche Begriffe auf die Nerven gehen. Das kann ja insbesondere bei Jugendsprache ein wenig an die Substanz gehen, wenn damit eine entsprechende Performance einher geht :D

    :lachen:


    Mindestens genauso schlimm: Manager-Denglisch :entsetzt: Das Bullshit Bingo wurde nicht umsonst erfunden.

    Ein anderes für mich nerviges gleichartiges Beispiel ist die Verwendung von

    "ich erinnere (etwas)" anstelle von "ich erinnere mich an etwas" ... :rolleyes:

    Gaaah, das mag ich auch ü-ber-haupt nicht. Das soll aber wohl auch regional schon länger üblich sein, habe ich zumindest mal gehört. Keine Ahnung, ob das stimmt.


    Alice: och, das arme Mädel hat so gelitten :herz: Ich finde ja tatsächlich "gewunken" viel schöner als "gewinkt", was ja der reinen Lehre nach richtig wäre. Und ich muss zugeben, dass ich sehr lange gar nicht wusste, dass "gewunken" falsch ist.

    Being a nerd, which is to say going too far and caring too much about a subject, is the best way to make friends I know.

    Sarah Vowell







  • Valentine : Du hast bayerische Spracherfahrung, hm..?! ^^

    (Versteht tatsächlich jeder andere, von welchem Verb die bayerische Partizipform "gelitten" stammt? ;))

  • Ich wohne ja sogar offiziell in Bayern, auch wenn wir hier weder bayerisch noch fränkisch reden ;) Aber ich bin mit bayerischen Mundartfernsehsendungen groß geworden :D

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    Sarah Vowell







  • Valentine : Du hast bayerische Spracherfahrung, hm..?! ^^

    (Versteht tatsächlich jeder andere, von welchem Verb die bayerische Partizipform "gelitten" stammt? ;))

    Ich habe es gerade gegoogelt. Ich hätte es nicht gewusst und wäre auch niemals drauf gekommen. Vielleicht auch, weil ich das Verb läuten im Allgemeinen nicht verwende. ^^

  • Das gehört bei mir auch eher zum passiven Wortschatz. Aktiv verwende ich höchstens mal, wenn es ums "Ausläuten" geht (wenn jemand aus der Kirchengemeinde verstorben ist und das dann im Gottesdienst bekanntgegeben wird, läutet man währenddessen eine Kirchturmglocke, die berühmte Totenglocke eben).

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    Sarah Vowell







  • Aha, vielleicht wird hier auch ausgeläutet, aber das habe ich noch nie gehört. Weder vom Wort noch vom Läuten her. Aber Glocken läuten, im Sinne von Kirchenglocken wäre sogar auch im aktiven Wortschatz vorhanden. Doch die Kirche spielt nur noch so eine minimale Rolle in meinem Leben, dass es fast schon wieder passiv ist. ^^

  • Sozusagen :autsch:

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    Sarah Vowell







  • ich hab erstmal ne Weile überlegen müssen, aber herinnen und heraußen sind für mich Synonyme für drinnen und draußen geworden. Und es ist mir jetzt erst aufgefallen, dass ich die auch tatsächlich verwende.


    Mundart an sich finde ich immer wahnsinnig spannend. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind überlegt habe, was Tieschel eigentlich in Hochdeutsch bedeutet. Für uns in Sachsen war das damals gleichbedeutend mit Pfanne aber es hat ewig gedauert, bis ich kapiert habe, dass es nur eine sächsische Aussprache von Tiegel ist, wo aber doch ein Tiegel gar keine Ähnlichkeit mit einer Pfanne hat.


    Seitdem faszinieren mich solche Dinge total.


    Ich merke auch, dass Zweisprachigkeit hier ein arges Problem sein kann. Ich beherrsche Englisch fließend und mir passiert es deswegen extrem oft, dass ich eine englische Floskel im Kopf habe, die sich aber partout nicht ins Deutsche übertragen lässt.


    "That's not the point" oder "That's the point" oder "Good point" sind da ganz oben auf meiner Liste. Es passiert mir dabei echt häufig, dass mein Hirn die dann einfach eins zu eins an mein Sprachzentrum schickt und mir dann in gesprochenen Diskussionen schnell ein "Guter Punkt" oder "das ist doch nicht der Punkt" herausrutscht, was im Deutschen ja einfach null Sinn ergibt bzw. anders gesagt werden würde.


    Aber es erklärt für mich, warum soviele Dinge dann in die deutsche Sprache einfließen, weil es eben einer Menge Menschen so geht. Ich vermute einfach, dass "macht Sinn" auch dazu gehört. Irgendwelchen Zweisprachlichdenkern ist das immer wieder rausgerutscht. Bäm.


    An sich finde ich Sprachentwicklung allgemein ein sehr faszinierendes Thema und auch regionale Unterschiede echt super spannend.


    Ich hab aber jedenfalls ne Weile gebraucht, bis ich kapiert habe, was mit "gelitten" gemeint war.

    ~~ noli timere messorem ~~

  • "That's not the point" oder "That's the point" oder "Good point" sind da ganz oben auf meiner Liste. Es passiert mir dabei echt häufig, dass mein Hirn die dann einfach eins zu eins an mein Sprachzentrum schickt und mir dann in gesprochenen Diskussionen schnell ein "Guter Punkt" oder "das ist doch nicht der Punkt" herausrutscht, was im Deutschen ja einfach null Sinn ergibt bzw. anders gesagt werden würde.

    Das mit dem "das ist doch nicht der Punkt" wäre mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, da wir ja auch Redewendungen wie "auf den Punkt bringen" oder "das ist der springende Punkt" verwenden.

  • "That's not the point" oder "That's the point" oder "Good point" sind da ganz oben auf meiner Liste. Es passiert mir dabei echt häufig, dass mein Hirn die dann einfach eins zu eins an mein Sprachzentrum schickt und mir dann in gesprochenen Diskussionen schnell ein "Guter Punkt" oder "das ist doch nicht der Punkt" herausrutscht, was im Deutschen ja einfach null Sinn ergibt bzw. anders gesagt werden würde.

    Das mit dem "das ist doch nicht der Punkt" wäre mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, da wir ja auch Redewendungen wie "auf den Punkt bringen" oder "das ist der springende Punkt" verwenden.

    ich weiß, aber rein von der Bedeutung her sind es verschiedene Dinge, wenn man genauer drüber nachdenkt. Nicht jedes Argument ist 'der springende Punkt' einer einer Sache. Und nicht jede Aussage bringt es auf den Punkt.

    ~~ noli timere messorem ~~

  • Es passiert mir dabei echt häufig, dass mein Hirn die dann einfach eins zu eins an mein Sprachzentrum schickt und mir dann in gesprochenen Diskussionen schnell ein "Guter Punkt" oder "das ist doch nicht der Punkt" herausrutscht, was im Deutschen ja einfach null Sinn ergibt bzw. anders gesagt werden würde.

    Ich sag das schon so im Deutschen :D Mir wäre das jetzt auch nicht abwegig oder ohne Sinn vorgekommen, eben wegen dem "auf den Punkt kommen/bringen". Wie würde das denn sonst gesagt werden?

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"