Alice Hasters - Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Suse.

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    Herausgeber : hanserblau; 18. Edition (23. September 2019)
    Sprache: : Deutsch
    Broschiert : 208 Seiten
    ISBN-10 : 3446264256
    ISBN-13 : 978-3446264250


    Inhaltsangabe:


    Wer Rassismus bekämpfen will, muss Veränderung befürworten – und die fängt bei einem selbst an. „Darf ich mal deine Haare anfassen?“, „Kannst du Sonnenbrand bekommen?“, „Wo kommst du her?“ Wer solche Fragen stellt, meint es meist nicht böse. Aber dennoch: Sie sind rassistisch. Warum, das wollen weiße Menschen oft nicht hören. Alice Hasters erklärt es trotzdem. Eindringlich und geduldig beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Dabei wird klar: Rassismus ist nicht nur ein Problem am rechten Rand der Gesellschaft. Und sich mit dem eigenen Rassismus zu konfrontieren, ist im ersten Moment schmerzhaft, aber der einzige Weg, ihn zu überwinden.


    Autoreninfo:


    Alice Hasters wurde 1989 in Köln geboren. Sie studierte Journalismus in München und arbeitet u. a. für die Tagesschau und den RBB. Mit Maxi Häcke spricht sie im monatlichen Podcast Feuer&Brot über Feminismus und Popkultur. Alice Hasters lebt in Berlin.


    Meine Meinung:


    Titel: Was für ein Mensch möchtest du sein?


    Der lange Buchtitel, der einem Aufruf gleichkommt, hatte mich direkt angesprochen und so wollte ich herausfinden, ob ich so open-minded bin, wie ich mich fühle oder ob es anders um mich bestellt ist. Und Überraschung: da ist noch ganz viel Luft nach oben bei mir.


    Alice Hasters schildert aus ihrer Jugend in den 90ern, in denen auch ich groß geworden bin und schnell wurde mir beim Lesen klar, wieviel anders aufgrund der äußeren Umstände unsere Jugend war, obwohl wir beide als Deutsche in Deutschland aufgewachsen sind. Alle Medien, die ich als Kind komsumiert habe, egal ob Zeitschriften, Bücher, Filme, Serien, etc. alles war weiß geprägt. In der heutigen Zeit ist das zum Glück etwas anders, aber es ist ein Unterschied, ob man sich mit dem was einem umgibt identifizieren kann oder eben nicht.

    Die aus dem Leben gegriffenen Szenen nehmen einen schon mit, denn so etwas hat man selbst nicht erlebt. Klar war man als Teenager nicht vor Mobbing geschützt, aber dies hat einen ganz anderen Stellenwert als das was die Autorin erlebt hat.


    Als Leserin, die sich als offen und tolerant empfindet, musste ich auch schnell feststellen, dass Klischees fest in meinem Kopf verankert sind. Das was die Gesellschaft einem immer wieder zeigt, dass gilt in der eigenen Wahrnehmung auch irgendwann als gesetzt. Das ist wirklich sehr schade, weil man vieles leider nicht hinterfragt, wenn man davon nicht betroffen ist.


    Als jemand, der im Dorf aufgewachsen ist und jetzt in einer Kleinstadt lebt, kann ich Begegnungen im Alltag mit BIPoC an einer Hand abzählen. Das stimmt einen schon sehr nachdenklich.


    An die gegenderte Sprache gewöhnt man sich im Übrigen mit der Zeit. Ich empfinde es nur als logisch, dass man bei einem solchen Buch und Thema das genauso macht und nicht anders.


    Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages regelrecht weggesuchtet und kann nur sagen, dass man es unbedingt gelesen habe sollte, da es einem die Augen öffnet bezüglich seines eigenen Verhaltens.


    Fazit: Ein wichtiges Buch, welches einen großen Mehrwert für mich hat. Bitte lest es!


    Bewertung: 5ratten und :tipp:

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Alice Hasters - Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ zu „Alice Hasters - Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ geändert.
  • Hey,


    ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber heute eine alte Podcastfolge (vom 11.03.20) dazu gehört.

    Ich habe Alice Hasters sehr erfrischend und eigentlich nie mit erhobenen Zeigefinger empfunden. Das fand ich sehr angenehm.

    Sie beschreibt sehr lebendig eine Szene, in der ich mich letztens selbst erst befunden habe. Wir wohnen mittlerweile in einem Neubaugebiet und haben eine Familie auf dem Spielplatz getroffen, mit der wir ein wenig Smalltalk betrieben haben. Kurz darauf wollte ich einer anderen Nachbarin erklären mit wem ich mich unterhalten habe. Und plötzlich eierte ich herum, weil ich nicht wusste, wie ich das politisch korrekt ausdrücken sollte. Die Mutter ist schwarz, der Vater weiß und die Kinder halt eher hellbraun. Jetzt habe ich mir einfach mal die Hausnummer gemerkt, wo die besagte Familie wohnt und kann dann sagen, die Familie, die im Haus XY wohnt.


    Den Podcast habe ich in der ARD-Audiothek gefunden: Alice Hasters - Rassismus ist überall!

  • Jetzt habe ich mir einfach mal die Hausnummer gemerkt, wo die besagte Familie wohnt und kann dann sagen, die Familie, die im Haus XY wohnt.

    Das ist wahrscheinlich auch eine Lösung, wie die Autorin sie empfehlen würde, oder?


    An die, die das Buch gelesen haben: Gibt sie denn auch Empfehlungen und konkrete Tipps für "weiße Menschen" oder erzählt sie hauptsächlich von ihren Erlebnissen und ihrer Sicht?

  • Zank : Es geht in erster Linie eher um Begebenheiten, an denen der Leser aber erkennt, was man besser unterlassen sollte. So sollte man keine Fragen bezüglich der Herkunft stellen, eher wo derjenige wohne, denn nur weil jemand eine andere Hautfarbe hat, kann er ja trotzdem Deutsch sein, das eine schließt bekanntlich das andere nicht aus. Oder in der Annahme sein, dass derjenige kein Deutsch sprechen würde, da soll man natürlich normal Deutsch sprechen und nicht lauter werden, "Kinderdeutsch" sprechen oder es gleich in einer anderen Sprache versuchen. Wenn man merkt, dass derjenige kein Deutsch spricht, dann kann man ja immer noch anders die Kontaktaufnahme versuchen.


    Und selbstverständlich ist natürlich, dass man alte Begriffe wie das N- Wort und viele andere einfach nicht benutzt.


    Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt darüber zu sprechen, weil ich Angst habe die falschen Begriffe zu verwenden und das letzte was ich möchte, ist jemanden zu beleidigen oder zu diskriminieren, was dann leider in einer Art Vermeidungstaktik endet.

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • DAnke dir für die Antwort!

    Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt darüber zu sprechen, weil ich Angst habe die falschen Begriffe zu verwenden und das letzte was ich möchte, ist jemanden zu beleidigen oder zu diskriminieren, was dann leider in einer Art Vermeidungstaktik endet.

    So geht es mir auch, deshalb meine Frage, ob sie da konkrete Tipps gibt. Ich finde es richtig, dass man auf seine Sprache und sein Verhalten aufpasst und das auch hinterfragt; gleichzeitig empfinde ich es als schwer, allen Fettnäpfchen auszuweichen.

  • Konkrete Tipps gibt es keine. Man muss eher durch das Geschilderte ableiten, was man besser lässt. Ich glaube es lässt sich nicht immer vermeiden in ein Fettnäpfchen zu treten. Leider, aber ich glaube es wird durchaus bemerkt, ob man absichtlich ungeeignete Ausdrücke verwendet oder es aus Unwissenheit geschieht. Wahrscheinlich hilft nur offene Kommunikation, beispielsweise: "Ist es okay, wenn ich dies oder jenes so formuliere oder fühlst du dich unwohl damit? Oder was wäre besser geeignet?"

    &WCF_AMPERSAND"Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht am Ende&WCF_AMPERSAND" (H.M. Enzensberger)

  • Wahrscheinlich hilft nur offene Kommunikation, beispielsweise: "Ist es okay, wenn ich dies oder jenes so formuliere oder fühlst du dich unwohl damit? Oder was wäre besser geeignet?"

    Das ist natürlich super, wobei das meiste wahrscheinlich unterbewusst passiert und in der Regel ja auch keine böse Absicht dahinter steckt - wie z.B. wenn man eine schwarze Person auf Englisch anspricht statt auf Deutsch.

    Ich denke, am meisten hilft es wirklich, sich mit dem Thema zu befassen und den Leuten zuzuhören. Nur so wird man auf solche Dinge aufmerksam und kann an sich arbeiten.

  • Wahrscheinlich hilft nur offene Kommunikation, beispielsweise: "Ist es okay, wenn ich dies oder jenes so formuliere oder fühlst du dich unwohl damit? Oder was wäre besser geeignet?"

    Und dieser Gedanke führt dann mMn eher zum Schweigen.

    Darum mag ich den Umgang mit dem Rassismusthema von vielen Aktivistenseiten nicht. Es wird (unabsichtlich?) ein Graben geschaffen, den dann weiße, die vermeintlich ständig unbewusst Rassismen produzieren, durch Schweigen und Vermeiden vergrößern. Bloß keine Fehler machen! Und wie vermeide ich Fehler? Indem ich Kontakt und Kommunikation vermeide! Wer nichts sagt, kann nichts Falsches sagen, wer nichts macht, kann nichts (oder wenig) Falsches machen. Man bekommt dann Angst vor Fehlern und damit Angst vor dem Kontakt mit Menschen, die man zunehmend als "anders" wahrnimmt, man unterteilt dann eventuell Menschen in diejeingien, mit denen ich unbefangen reden und interagieren kann und diejenigen, bei denen ich möglichst keine Fehler machen sollte. Das führt nun mMn nicht gerade zu mehr Toleranz, Offenheit und einem Miteinander, sondern eher zum Gegenteil. Auf beiden Seiten. Also die Weißen haben Angst vor Fehlern und die PoC haben Angst, dass sie von Rassisten umgeben sind.


    Überhaupt nicht hilfreich ist mMn, dass sich viele Aktivisten gar nicht aktiv gegen die Vermischung von wissenschaftlichen Standpunkten zu dem Thema und "Tumblr-Standpunkten" wenden, sondern alles in einen Topf werfen. Da ist es dann genauso schlimm, aktiv jemanden auszugrenzen und zu beleidigen, wie zu Hause Gerichte aus fernen Ländern nachzukochen ("MY culture, hands off!!").

    Und so wächst dann der Graben immer mehr.


    Schwierig finde ich auch, dass neuerdings im Rassismusdiskurs verfestigt wird, dass man rassistisch ist, egal was man macht und im Gegenteil zur Intuition noch derjenige als der größte Rassist hingestellt wird, der sich am meisten bemüht aber nicht jede sprachliche Neuregelung kennt. Der andere, der echte Rassist, derjenige, der wirklich Ressentiments gegen Menschen verschiedener Kulturen hegt, ist ja nicht greifbar.

    Also ziehen sich die Bemühten immer weiter zurück und man diskutiert über Mikroaggressionen.

    Je mehr Sprachtabus es gibt, desto weniger wird der Bemühte reden, desto stummer wird er werden, desto weniger wird man mit Menschen unterschiedlichen Hintergrunds - nicht nur Rasse oder Kultur, auch sozialer Schicht, Religion/ Weltanschauung, Gesundheit etc. - diskutieren.


    Es wäre mal schön, wenn es Bücher gäbe oder Aktionen, die wieder betonen, dass WIR ALLE Menschen sind und dass und wie wir wieder zusammenkommen, wieder unbefangen miteinander kommunizieren können, ohne Ausgrenzung, Herabsetzung, aber auch ohne Angst vor Fehlern und ohne Stummheit aus Sorge, die falsche Sprache/ die falschen Begriffe zu verwenden.


    Manchmal habe ich das Gefühl, einzelne Menschen betrachten Menschen anderer "Rasse", anderer Kultur schon fast als Aliens, die so fremd sind, dass gar kein Verständnis, keine Verständigung, keine Interaktion mehr möglich ist. :(


    LG von

    Keshia

    Ich sammele Kochbücher, Foodfotos und Zitate.


    <3 Aktuelle Lieblingsbücher: "The good people" von Hannah Kent, "Plate to pixel" von Hélène Dujardin und "The elegance of the hedgehog" von Muriel Barbery.

  • Sorry, aber das ist jetzt echt Quatsch.


    1. es wäre wünschenswert, wenn Weiße mehr Angst hätten, Rassismus zu verbreiten. Wirklich wünschenswert.


    2. Niemand wird als Rassist bezeichnet, wenn er einmal unbewusst etwas rassistisches sagt. Wir wurden alle rassistisch und auch sexistisch sozialisiert. Wenn man aber nach diesem mal daran festhält und nicht einsichtig ist, dass man etwas rassistisches gesagt hat: ja, dann ist man ein Rassist.

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")


    1. Weltweite Ernteausfälle bei 2°C.
    2. Kollaps der Zivilisation bei 4°C.
    3. Unbewohnbare Erde bei 6°C.
    4. Wir riskieren 2°C in 2035.
    5. Wir riskieren 4°C in 2065.
    6. Wir riskieren 6°C in 2095.

  • Diesen Titel gibt es bei Spotify als Hörbuch. Gelesen von der Autorin. Ein weiteres Hörbuch zu dem Thema welches man auch bei Spotify finden kann, Exit Racism von Tupoka Ogette (ebenfalls von der Autorin gelesen).


    Ich gebe da Suse recht, in einem rassistischen System aufgewachsen zu sein, von dem man als weißer Mensch profitiert, heißt nicht den wichtigen Fragen aus dem Weg gehen zu müssen. Rassismus ist ein weißes Problem und kein schwarzes. Diese gefühlte Kluft der Unsicherheit ist ein richtig unangenehmes Gefühl des Ungewissen, aber nur ein Bruchteil von dem was eventuell BIPoC jeden Tag in einer sehr weißen Gesellschaft fühlen müssen. Den Unterdrückten die Karten in die Hand zu geben und ihnen zu ermöglichen die Karten zu mischen, heißt immer noch dass das Kartenspiel an sich von Weißen erfunden wurde. (Blöde Metapher, sorry). Ich will nur sagen, dass ein bisschen Unsicherheit auf unserer Seite doch das mindeste Opfer ist was wir erbringen können damit BIPoC sich in auch in Deutschland wenigstens eine Idee wohler fühlen können.


    Solche Bücher sind so wichtig. Damit wir eben nicht immer nach Amerika zeigen wenn es um die gesellschaftlichen und strukturellen Ungerechtigkeiten PoC gegenüber geht.

  • Sorry, aber das ist jetzt echt Quatsch.


    1. es wäre wünschenswert, wenn Weiße mehr Angst hätten, Rassismus zu verbreiten. Wirklich wünschenswert.

    Kommt halt wirklich darauf an, wer Rassismus wie definiert.

    Heißt Rassismus "nur", dass jemand bewusst bestimmten Menschen abwertend gegenüber steht, sie bewusst offen ausgrenzt, benachteiligt, hinter ihrem Rücken verhöhnt etc.?


    Oder heißt Rassismus, wie das heute sehr oft definiert wird, dass GERADE die Menschen, die glauben, alle gleich zu behandeln, die sich bemühen, jedem freundlich und höflich gegenüber zu stehen, die (unter anderem) "good white people" rassistisch sind, weil sie manchmal Dinge sagen, die sie als Kind so gelernt haben, die aber heute von einigen Betroffenen als verletzend empfunden werden, bspw. den alten Namen des Balkanschnitzels verwenden?


    Wenn nämlich von diesen Menschen mehr Angst hätten, sich versehenltich rassistisch zu verhalten - und nach einer Definition kann je jede PoC absolut jedes Verhalten spontan als rassistisch bezeichnen, also jederzeit von jedem (Weißen) eine Verhaltensänderung einfordern* - dann würde das halt bedeuten, dass mehr Menschen weniger mit anderen Menschen interagieren aus Angst vor Fehlern.


    Es wird bei dieser * Definition immer davon ausgegangen, dass die Person of Color sehr bemüht um gerechtes Handeln ist, also niemandem einfach so Vorwürfe macht oder Verhaltensänderungen einfordert, aber für mich ist zumindest diese Idee die perfekte Steilvorlage für Mobber. Ich kann jederzeit alles dem anderen als rassistisch vorwerfen und der muss sich dann bemühen, sich zu ändern. Also wie beim Mobbing: Warum schaust du mich so an, warum redest du so komisch, diese blaue Bluse erinnert triggert mich, weil meine verstorbene Großmutter eine ähnliche hatte, ziehe die nie wieder an. Ja, die Beispiele sind überzogen, aber so würden Mobber agieren. Wer schließt aus, dass unter Menschen, die anderen Rassismus vorwerfen, nicht auch manchmal Mobber sind und diese Idee missbrauchen?


    Schlimm finde ich persönlich die Idee, dass gerade diejenigen, die sich am meisten bemühen, sich am meisten vorwerfen lassen sollen, dass sie IMMER Rassisten bleiben werden, egal, wie sehr sie sich bemühen. Das wird bei einigen zu noch mehr Mühe, noch mehr "Unterwürfigkeit", vielleicht noch mehr Schweigen führen und bei anderen irgendwann zur Gleichgültigkeit. Wenn ich sowieso immer Rassist bleiben werde, warum sollte ich mich dann noch bemühen, könnten sie denken.


    Das Ganze Konzept entfernt mMn Menschen voneinander. Man geht dem Konflikt aus dem Weg, bevor er entsteht, man vermeidet Fehler, bevor man weiß, was Fehler sind, man wird dabei aber auch immer verkrampfter und künstlicher im Verhalten bzw. in seiner Sprache.


    Ich bin früher durch die Welt gegangen und dachte, alle Mesnchen sind im Herzen gut und jeder Erwachsene ist grundsätzlich erst mal höflich und freundlich. Dann fing ich an, über das Thema Rassismus zu lesen und jetzt frage ich mich manchmal, ob einige Menschen mich nur aufgrund meiner Hautfarbe schon für unverschämt, unterdrückerisch, vor allem ungleich halten, also niemals auf Augenhöhe und ehrlich mit mir kommunizieren würden, weil ich weiß bin. Und ja, das färbt dann teilweise meinen Umgang, der vorsichtiger und zurückhaltender wird.


    Und dann ist da wieder dieses eine Erlebnis im Bus, nachdem es Übergriffe in einem Einkaufszentrum gab, in dem viele Flüchtlinge die Zeit totschlugen. Plötzlich hieß es, lächele niemanden an, das wird als Flirtverscuh verstanden und dann wirst du eventuell belästigt. Und dann saß ich also im Bus auf langer Strecke gegenüber 3 Männern, die möglicherweise Flüchtlinge hätten sein können und weil wir uns auf diesen Dreiersitzen gegenüber saßen und man ja im Bus eher Blickkontakt vermeidet, lächelte ich sie entschuldigend an, wie man das so macht, wenn man nicht weiß, wohin mit seinen Augen. Und sie taten das gleiche. Und dann schauten wir alle sehr schnell auf den Boden. Ich, weil mir diese vermeintliche Information eingefallen war und ich nichts provozieren wollte, sie vermutlich, weil man ihnen Ähnliches gesagt hatte. In der Situation wäre ich selbst ohne Sprachbarriere nicht zu einer Erklärung oder Auflösung der Lage fähig gewesen und mir wurde erst später klar, was da passiert war, nämlich dass eine vermeintliche Information eine hohe Barriere zwischen völlig Fremden aufgebaut hatte, weil jeder Angst hatte, Fehler zu machen.

    Und genau das meine ich mit vorsichtigerem Umgang. Ohne diese Info hätte man sich einfach wie üblich verlegen angelächelt und vielleicht versucht, auf Englisch Kontakt aufzunehmen. Mit der Angst vor Fehlern vermeidet jeder die Interaktion.


    Mit der Unterstellung von Rassismus wird individuelles Kennenlernen mMn ziemlich erschwer, man fragt nichts, aus Angst, das Falsche zu fragen, sagt nichts, aus Angst, das Falsche zu sagen und überlegt, welche Tabus es im Verhalten gibt, die man vermeiden sollte. Ggf. auf beiden Seiten.


    Wenn dann noch ein Ungleichgewicht etabliert wird, bei dem einer Anschuldigungen machen kann oder Forderungen stellen und der andere sich nur entschuldigen und anpassen kann, wird die Barriere für eine unvoreingenommene, ehrliche Kommunikation noch höher, selbst wenn einzelne Menschen diese Situation gar nicht befürworten/ ausnutzen würden.


    Ich nenne mal ein persönliches Beispiel.

    Nach dem Tod meines Bruders sagte eine Kassiererin über ein Produkt, es sei "superlecker". Das war der Lieblingsausdruck meines Bruders. Mir schossen die Tränen in die Augen, aber natürlich hatte die Kassiererin nichts falsch gemacht. Nach einer gängigen Rassismusdefinition, nach der Betroffene selbst immer die Deutungshoheit über Rassismus haben, hätte ich jetzt als PoC in einer ähnlichen Situation der Frau einfach ein Fehlverhalten vorwerfen können, weil ICH mich schlecht fühlte, ohne anzuerkennen, dass SIE keinen Fehler gemacht hatte, weil sie ja gar nicht wissen konnte, was mich warum trifft. Nur weil ich mich schlecht fühlte, kann ich ja nicht von Fremden Anpassungen verlangen.

    In der Rassismusdebatte wird aber genau das manchmal unterstellt bzw. gefordert. Und da keiner verhindern kann, dass andere sich mal aufgrund seiner Äußerungen, seines Verhaltens, seines Erscheinungsbilds (Dreadlocks etc.) schlecht fühlen, kann die Lösung ja nur Kontaktminimierung sein, was eigentlich ja das Gegenteil eines umsichtigen, höflichen Miteinanders ist.


    Mir ist im Zuge meiner Recherche über das Thema schon einiges Seltsames und Besorgniserregendes passiert.

    Da war der Text, der erklärte, warum es rassistisch sei, schwarze Menschen anzulächeln und die Situation, dass ich allein einen Weg entlang ging, auf dem mir ein schwarzer Mann allein entgegen kam, ich den anlächelte und dann unwillkürlich aufhörte.

    Da war der Blog, den ich jeden Abend eine halbe Stunde las und der Texte sammelte, in denen PoC sich ziemlich drastisch über Weiße ausließen und danach der Gang über die Überführung zum EKZ, in der einige der Geflüchteten, die dort ihren Nachmittag verbrachten, immer auf dem Boden saßen und mein unbewusst schnelleres Gehen, Kopf gesenkt und der spontane Gedanke "diese Männer verachten dich jetzt für deine Hautfarbe" - und danach die Realisation, dass dieser Gedanke durch das Bloglesen ausgelöst wurde.


    Und damit die Erkenntnis, dass mich diese Texte rassistischer machen, weil ich jetzt einen Unterschied unterstelle, den ich vorher nie angenommen hätte.

    Ich versuche das zwar, bewusst zu verlernen, stoße aber immer wieder auf Diskussionen oder Texte, die das eher bestärken.
    Ich habe mcih auch schon dabei erwischt, dass ich "white people" googelte mit dem (unwillkürlichen) Gedanken, "warum soll ich mich heute hassen". Also ehrlich. Weil es immer Texte/ Blogs/ Autoren gab, die ich anfangs unglaublich extrem fand, mich dann daran gewöhnte und die Ideen teilweise annahm und dann auf weitere, drastischere Texte stieß, bis zu dem Punkt, an dem es mir ernsthaft schwer fiel, zwischen Satire und ernst gemeinten Texten zu unterschieden, weil die sich teilweise sehr nahe kamen.


    Was mir bei all dem extrem fehlt ist die Idee, dass wir alle erst mal Menschen sind und im Grunde alle nur friedlich leben wollen und Interesse aneinander und eine Kommunikation grundsätzlich möglich und gut sein sollte.

    Dagegen steht z.B. die Idee, dass interessierte Nachfargen "geistige Arbeit" sind, die man vor allem People of Color "aufzwingt".

    Demnach wäre derjenige am wenigsten rassistisch, der sich am wenigsten für seine Mitmenschen interessiert. Diese Idee kann ich zur Zeit nicht als sinnvoll annehmen.


    Ich bin jetzt tatsächlich offener für bestimmte Beleidigungen, weil ich mir dann sage, ach, ich habe das verdient, weil ich ja weiß bin. Ein Gedanke, der mir vor 10 Jahren absurd vorgekommen wäre.
    Sollte ich mal eine Workshop von Robin diAngelo mitmachen, würde ich mich vorbereiten, indem ich mir sehr bewusst mache, wie wenig ich wert bin, dass ich es verdiene, herablassend behandelt zu werden - würde ich dann im Workshop aufgefordert, zu erklären, dass meine bloße Existenz andere unterdrückt oder dass mir andere sagen sollen, was ich alles an Rassismen falsch mache oder dass ich halt in irgendeiner Weise verbal bedrängt würde, dann fiele mir dies nicht mehr schwer, weil ich nicht mehr die Haltung hätte, als gleichwertige Person dort zu sein die wie jeder andere auch Respekt verdient und ein Individuum ist. Sondern Teil der unterdrückerischen Rasse, die zurechtgestutzt werden muss.

    Das sind alles Gedanken, die ich vor dieser Lektüre weit von mr gewiesen und auch als psychisch schädlich verstanden hätte, bis ich zig Texte mit genau diesem Tenor antraf.+


    Offenbar wird heute die Idee, sich auch als Weißer gut und gleichwertig fühlen zu wollen schon als Anmaßung bzw. Gejammer verstanden.


    Das alles mit dem Disclaimer, dass ich bei vielen dieser Texte wirklich nicht weiß, ob sie ernst gemeint oder satirisch sind.


    LG von

    Keshia

    Ich sammele Kochbücher, Foodfotos und Zitate.


    <3 Aktuelle Lieblingsbücher: "The good people" von Hannah Kent, "Plate to pixel" von Hélène Dujardin und "The elegance of the hedgehog" von Muriel Barbery.

  • Ich möchte nochmals mit einer Überspitzung eines zeitlichen Ablaufs antworten, um es deutlicher zu machen. So passiert das ständig:


    A: Sagt etwas Rassistisches (weil so sozialisiert, war ja als Kind nicht so schlimm usw.)
    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.
    C: Das ist doch keine Rassistin!!!!111!

    B: Haben wir nicht gesagt.
    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.

    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.

    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.

    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.

    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.

    A: Sagt wieder etwas Rassistisches. Vermutlich das gleiche.

    B: Das ist nicht in Ordnung. Das ist rassistisch.

    A: Okay, sorry.


    A wurde wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass seine/ihre Worte rassistisch verletzen. Spätestens in der kursiven Zeile wird A zum Rassisten mit Absicht.


    Wenn man es besser weiß und es trotzdem macht: Ist. es. Rassismus.


    Das erinnert mich an die Dudes, die immer wieder ihre Freundin oder Frau vermöbeln und sich dann entschuldigen, weil sie das ja nicht so gemeint haben.


    Wenn man immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird, dass ein Wort oder eine Aussage, ein Verhalten rassistisch ist und MACHT ES DANN TROTZDEM WEITER, dann ist man ein Rassist.


    Und ich freue mich über jeden weißen Menschen, der davor Angst hat, etwas Falsches zu sagen. Warum ist das so bei machen? Ich habe keine Angst, mich im Umkreis von nicht-weißen zu bewegen und alles zu sagen, was ich will. Es ist wirklich sehr lange her, dass ich damit konfrontiert wurde, etwas rassistisches gesagt zu haben. Und als es mir gesagt wurde, habe ich darüber nachgedacht, ob was dran ist und mein Verhalten korrigiert und um Entschuldigung gebeten. Das ist wirklich sehr einfach. Warum also haben manche Menschen solche Angst, rassistisch zu sein - manche aber überhaupt nicht? Man muss keine Angst haben, wenn man den Betroffenen zuhört und dann Rücksicht nimmt. Warum krallen sich Weiße so sehr an bestimmte Worte wie das N-Wort, das Z-Wort, das K-Wort ("Abbaichbindamitaufgewachsenundalskindwardasüberhauptnichtschlümm")?

    Ich bin jetzt tatsächlich offener für bestimmte Beleidigungen, weil ich mir dann sage, ach, ich habe das verdient, weil ich ja weiß bin. Ein Gedanke, der mir vor 10 Jahren absurd vorgekommen wäre.

    Du bist hier nicht das Opfer! Bitte hör auf damit! BPoC wachsen mit einem solchen Bewusstsein seit Jahrhunderten auf!


    - Du bekommst besser eine Wohnung, weil du weiß bist.

    - Du wirst nicht auf der Straße bespuckt, weil du weiß bist.

    - Du bekommst alleine aufgrund deiner Hautfarbe eher einen Job - und der ist ziemlich sicher sogar einen besser bezahlten

    - Du wirst nicht jedes mal kontrolliert am Flughafen

    - Du wirst nicht ständig von der Polizei angehalten

    - Du wirst in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht jedes mal kontrolliert

    - Du wirst nicht von Faschisten verprügelt wegen deiner Hautfarbe


    Aber exakt DAS geschieht mit jedem einzelnen nicht-weißen Menschen täglich. Nicht in Ausnahmefällen "Ich wurde mal kontrolliert oder ich habe mal eine Wohnung nicht bekommen."

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")


    1. Weltweite Ernteausfälle bei 2°C.
    2. Kollaps der Zivilisation bei 4°C.
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    5. Wir riskieren 4°C in 2065.
    6. Wir riskieren 6°C in 2095.

  • Und noch ein Nachtrag: Auch ich musste mich vor langen Jahren mit meinem eigenen Rassismus auseinander setzen. Wir leben in einer sexistischen, rassistischen Gesellschaft und wurden (werden es immer noch) rassistisch und sexistisch sozialisiert. Auch für mich als weiße Frau war es am Anfang schwer, diesen Diskurs zu verstehen. Ja, man konnte sich gefühlt durch unglaublich viele unbedarft verwendete Begriffe schnell ins Aus schießen, der Umgangston war oft aggressiv, und ja, auch ich fühlte mich angegriffen.


    Ich verstehe also diese Abwehrreflexe: warum so laut, so schwarz-weiß, so entweder-oder? Und warum habe ich die ganze Zeit das Gefühl, mich positionieren zu müssen? Für mich sind doch einfach alle Menschen Menschen. Jeder ist gleich. Humanismus, nicht Feminismus. All Lives matter! Nicht Black lives matter!


    Doch die erhitzten Gemüter haben einen guten Grund: Es geht hier um Leben, konkret auch um Überleben, die eigene Identität.


    Ich glaube nicht, dass weiße Menschen wie ich jemals in der Lage sein werden, uns wirklich hineinzuversetzen in BPoC und ihren Kampf. Für mich war es ganz wichtig, zu verstehen: das muss ich auch nicht, um solidarisch zu sein. Ich muss nicht genau nachfühlen können, wie sich nicht-weiße Menschen fühlen, um so gut ich kann an ihrer Seite zu stehen. So wie ich auch nie wissen werde, wie sich Antisemitismus aus der Perspektive jüdischer Menschen anfühlt, und trotzdem daran arbeiten kann, nicht antisemitisch zu sein.

    "Vor ein paar Jahren hätte ich Ihnen geantwortet: Wir sind nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in der letzten Zeit so ansehe, dann muss ich antworten: Ja, ich mache mir ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie." (Ein Experte für Rechtsextremismus wird in der Dokumentation "Rechts. Deutsch. Radikal")


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