Tarkan Bagci - Die Erfindung des Dosenöffners

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Der 20-jährige Timur Aslan arbeitet in der Lokalredaktion einer Kleinstadtzeitung. All seine Freunde leben ein scheinbar besseres Leben und er wohnt bei sienem Vater, der sich nicht für ihn zu interesieren scheint und schreibt langweilige Artikel über Hühnerzüchter und Kegelclubs. Er will für eine große Zeitung arbeiten und ist so auf der Suche nach einer Story. Dabei trifft er die 70-jährige annette, die behauptet den Dosenöffner erfunden zu haben. Und so begibt er sich mit ihr auf eine ungewöhnliche Reise.

    Das Cover des Buches ist kein wirklicher Hingucker und lädt leider gar nicht ein das Buch zu lesen, obwohl es natürlich zum Buch passt. Das ganze Buch ist als Hardcover hochwertig produziert. Die Schriftgröße ist sehr groß (wie bei Kinderbüchern), was die Lesbarkeit erleichtert, aber wenn sie eine Spur kleiner gewesen wäre, hätte das sicher keinen gestört.

    Die Autorenbeschreibung lässt einen ganz anderen Roman erwarten, denn der Autor schreibt normal für Comedy-TV-Formate wie "Knallerfrauen". Wer in dem Buch aber Humor sucht, wird nur minimal in seinen Erwartungen erfüllt. Auch die Spannung ist nicht gerade auf hohem Niveau und trotzdem entwickelt das Buch seine eigene Dynamik und kann auch mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten.

    Das Buch regt zum Nachdenken an, ohne dabei schwermütig zu sein. Es ist relativ schnell zu lesen, auch wenn man sich auf das Thema einlässt.

    Fazit: Ganz anderes Buch als erwartet, aber trotzdem eine absolute Leseempfehlung. 5 von 5 Sternen

  • Die Geschichte hinter der Geschichte


    Timur ist mit sich, seinem Leben und der ganzen Welt unzufrieden. Er will ein ernstzunehmender Journalist werden und braucht dazu unbedingt ein Volontariat. Das fällt ihm nur leider nicht einfach so in den Schoß. Nein, er muss sich selbst bemühen – und dazu benötigt er DIE Story! Nur wo findet man die? Doch niemals in einem Kegelclub, deren Mitglieder zwischen uralt und scheintot sind, oder? Oder doch? Kann es stimmen, dass Annette ein großes Geheimnis hat? Ist sie wirklich die Erfinderin des Dosenöffners? Timur kann sich das nicht vorstellen, aber mit jedem weiteren Gespräch, das er mit Annette führt, verändert sich etwas …



    Ich hatte Schwierigkeiten, mir Timur als 20jährigen vorzustellen. Viele seiner Gedanken, Taten und Verhaltensweisen haben ihn mir vor meinem geistigen Augen zu einem gut zehn Jahre älteren Typen gemacht, der mit einer LMAA-Stimmung durchs Leben geht, noch nichts erreicht hat und alle, außer sich selbst dafür verantwortlich macht. Kurz: sympathisch war er mir nur bedingt.



    Dafür ist Annette eine Figur, die sofort mein Herz gewonnen hat! Anders als Timur sah ich nicht eine verwirrte alte Frau, sondern eine kranke Frau, deren Leben nicht immer sehr gut zu ihr war. Ihre Wünsche sind so bescheiden und so herzergreifend, dass mein Herz ganz weit aufging und sie direkt hineinschoss.



    Der kleine Twist im letzten Drittel ist stimmig und logisch. Er passt perfekt und macht die Story rund. Der Kreis schließt sich und die Geschichte erhält einen tieferen Sinn. Überhaupt gefallen mir die kleinen eingestreuten Spitzen auf so manche Menschen, Situationen und Trends. Ich konnte immer mal wieder herzhaft lachen und heftig zustimmend nicken. Zu sagen, das wäre Sozialkritik, ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber es kommt dem doch nahe.



    Im Verlauf des Buches wird Timur quasi erwachsen, hat eine Menge Lichtblicke und findet einen Weg für seine Zukunft. Er verändert sich nicht komplett – was auch sehr unglaubwürdig wäre – aber er geht sehr glaubwürdig eine Verwandlung durch, reift, entwickelt sich, kommt voran.



    Auch die meisten der anderen Figuren sind liebenswert und einzigartig. Besonders Timurs Vater gefällt mir sehr. Für mich steht er für all die Männer, die Gefühle sehr schlecht ausdrücken können und genau dadurch immer wieder über die eigenen Füße stolpern.



    Insgesamt ein schlaues Büchlein, ein liebenswertes Büchlein und eine Story, die durchaus zum Nachdenken anregen kann. Ich gebe „Die Erfindung des Dosenöffners“ vier Sterne.


    ★★★★

  • Timur ist frustriert. Er hatte erwartet mit seinem Alter schon längst viel weiter in seiner Karriere als Journalist zu sein. Stattdessen hängt er immer noch im lokalen Käseblatt seines Ortes fest und muss über Hühnerzüchter schreiben. Dabei wollte er schon längst drüben in der Hauptredaktion des Westfälischen Kuriers sitzen und über die ganz großen Themen der Welt schreiben. Um an das Volontariat zu kommen, das er so gerne machen würde, muss er erst einmal einen Artikel schreiben den jeder sofort überzeugt, dass er genau der richtige ist.


    Obwohl man ja nicht gerade sagen kann, dass es sich bei diesem Buch um eine weltbewegende Story handelt, war ich gleich von Timur und seinem Artikel gefangen genommen.

    Besonders überzeugen konnte mich der Humor. Ich liebe es wenn eine Figur so einen ungezwungenen trockenen Humor wie Timur hat. Trotzdem zeigt der Roman an gewissen Stellen den nötigen Ernst und lässt ein bisschen Tiefgründigkeit durchblicken.

    Ich war nur über Timurs Alter überrascht, das irgendwann später mal erwähnt wird. So wie er am Anfang jammert und das alle anderen ja schon viel weiter als er wären, dachte ich er sei viel älter.

    Dann fand ich ihn aber ansonsten sehr überzeugend. Seinen Hang, die Freunde vom Abitur über Instagramm und Facebook neidisch zu folgen um sich mit ihnen zu vergleichen. Dann sein mangelndes Interesse an den Menschen, über die er schreiben soll. Seinen sehnsüchtigen Blick hinüber zur Hauptredaktion, gleichzeitig aber tut er einfach zu wenig um dort auf sich aufmerksam zu machen. Lieber verlässt er sich auf jemand anderen, um an das Volontariat zu kommen.


    Annette, die irgendwann auftaucht, behauptet von sich, den Dosenöffner erfunden zu haben. Lange ist nicht klar, ob Annette nicht einfach nur eine verrückte Alte ist, die nur Lust auf ein Abenteuer hat, oder ob an ihrer Behauptung wirklich etwas dran ist. Jedenfalls lässt sich Timur auf die Geschichte ein und fängt irgendwann an, die Dinge anders zu sehen.

    Die kleine Botschaft, sich mehr um seine Mitmenschen zu kümmern weil jeder eine gute Geschichte hat, sowie der klasse Humor, machen das Buch zur richtig guten Unterhaltung.

    Tolles Debut, gerne mehr davon!


    4ratten

    Lesen ist die schönste Brücke zu meinen Wunschträumen.

    3 Mal editiert, zuletzt von nanu?! ()