02 - Mitte: 189 - 439 (Diane Setterfield - Die dreizehnte Geschichte)

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Es gibt 29 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von odenwaldcollies.

  • Ich bin mittlerweile auf Seite 216. Und da kommt mir ein Gedanke, an den ich bei den ersten zwei Malen, als ich das Buch gelesen habe, gedacht habe. Wenn mich nicht alles täuscht, habe ich immer überlegt,

    Das Gespräch zwischen Hesther und dem Doktor auf S. 216 klingt ja fast danach, dass Hesther denkt, dass Adeline eine gespaltene Persönlichkeit ist. Sie spricht da von einem "Kind, das man durch die Lücken im Nebel sieht". Seht ihr das auch so? Da könnte man sich ja fragen, ob Vida Winter eher dieses Kind im Nebel ist. Momentan bin ich etwas verwirrt.

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  • S. 324 beendet - Ich kann nicht aufhören zu lesen.


    Wir wissen ja schon, dass Margaret eine Zwillingsschwester hatte. Dass sie immer wusste, da fehlt was. Sie weiß nun aber, dass ihre Schwester gestorben ist.

    Als Adeline und Emmeline getrennt werden, schaut das anders aus. Ich finde das so brutal, was Hester und der Dr. da tun. Angeblich im Namen der Wissenschaft. Ich kann ja Hester verstehen, dass sie endlich beachtet werden möchte als eine Koryphäe, für die sie sich hält. Und vielleicht ist sie das ja auch und es ist eine Schweinerei, dass sie keine echte Chance bekommt.

    Aber auf Kosten der Mädchen!!! Selbst als sie keine wissenschaftlichen Ergebnisse rausbekommen, machen sie einer Tändelei wegen weiter. Und wer weiß, wie lange das noch so gegangen wäre, hätte des Dr. Frau sie nicht in flagranti erwischt.

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  • Ich finde das so brutal, was Hester und der Dr. da tun. Angeblich im Namen der Wissenschaft. Ich kann ja Hester verstehen, dass sie endlich beachtet werden möchte als eine Koryphäe, für die sie sich hält.

    Ich nehme der Figur Hester durchaus ab, dass sie anfangs v.a. Adelines Wohl im Sinn hatte und dachte, deren "sensible" Seiten durch die Aktion herauslocken zu können. Die Sache mit dem Ehrgeiz hat sie zunächst mMn lediglich benutzt, um den Doktor zum Mitmachen zu bewegen.

    Nur ist das Ganze dann später entgleist - die beiden hätten auf die konstant extreme Reaktion der beiden Mädchen hin das "Experiment" abbrechen müssen, und ja: Allmählich waren da auch bei Hester sicherlich "zusätzliche Gründe" im Spiel.


    (Zeitweiliges Trennen ist ja auch heute eine Methode, um bei Zwillingen zu verhindern, dass sie sich zu sehr nur aufeinander beziehen oder falls die Dominanzverhältnisse zu einseitig werden. Nur, dass diese beiden schon vorher in einer extremen Situation waren...)


    Hm - meinst Du, Adeline wär eventuell Emmeline und umgekehrt?? Hmm..:/

    Oder ganz anders - DAS glaub ich dann eher nicht.


    S. 324 beendet - Ich kann nicht aufhören zu lesen.

    Da geht es Dir wie mir - hab ein bisschen gelacht - aber ich glaube, das ist ok, da wir ja seiteneingeteilt schreiben und sicherlich auch beide gerne jederzeit gedankenmäßig im Buch "zurückspringen" werden. Schon gestern hat mich ysa wieder auf eine Stelle am Anfang gebracht, die ich sonst schon wieder vergessen hätte.

  • Hm - meinst Du, Adeline wär eventuell Emmeline und umgekehrt?? Hmm.. :/

    Oder ganz anders - DAS glaub ich dann eher nicht.

    Ja, ganz anders. Zwei Stellen habe ich gefunden, wo man das annehmen könnte:


    Schon im ersten Gespräch zwischen Hester und dem Doktor sprach sie ein Kind im Nebel an.

    1. S. 216, ziemlich unten: Da spricht sie noch einmal davon.


    Später, auf S. 316, nachdem Mrs. Dunne gestorben ist, spricht Adeline selbst davon.


    Bisher glaube ich, dass Adeline eine gespaltene Persönlichkeit ist.

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  • Später, auf S. 316, nachdem Mrs. Dunne gestorben ist, spricht Adeline selbst davon.

    Ab da merkt man es daran, dass Vida Winter, Adeline (oder wer auch immer) auf einmal permanent in der Ich-Form erzählt.

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  • Ich habe bis einschl. dem Kapitel "Nach Hester" gelesen.


    Ich muss gestehen, ich war von Hester beeindruckt, wie sie souverän und ohne viel Federlesen das Regiment im Haus übernimmt und es wieder auf Vordermann bringt. Auch hat mich ihre Intelligenz beeindruckt, sie wäre bestimmt eine ehrgeizige und fähige Wissenschaftlerin geworden, wäre sie nicht als Frau auf die Welt gekommen. Daher kann ich sie nicht mal großartig verurteilen, die Menschen hinter den Zwillingen "vergessen" zu haben, als sich ihr die einmalige Chance bietet, zusammen mit dem Doktor auf wissenschaftlicher Basis zu arbeiten. Ich gestehe, mir fällt es ja selber schwer, hinter den Zwillingen menschliche und einfühlsame Wesen zu sehen.


    Dr. Maudsley ist auch schwer beeindruckt von Hester, leider zu beeindruckt, dass er sich zu der emotionalen Offenbarung hinreißen und sich von seiner Frau erwischen lässt. Wieder mal hat das Hausgespenst zugeschlagen und den Lauf der Dinge verändert. Nun verloddert wieder das ganze Haus, teilweise stärker als zuvor. Die Beschreibungen, wie das Haus und auch die Gegenstände zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehrten, haben mir sehr gut gefallen, auch wenn das Ergebnis Dreck und Verfall sind.


    Die Zwillinge zu trennen, war schon ziemlich brutal, vor allem falls Hester mit ihrer Beobachtung recht hat, dass ihr ganzes Lebenskosmos alleine durch den Zwilling geprägt sind, weil sonst kein erwachsenes Vorbild vorhanden war und ist. Andererseits kann ich die Intuition dahinter, den Mädchen auch durch andere Faktoren zu beeinflussen und ihren Horizont damit zu erweitern, nachvollziehen, jedoch haben Hester und der Doktor über die ganze Forschung die Kinder selbst vergessen und vernachlässigt.


    Richtig entsetzt hat mich Emmeline, als sie nach der Trennung die Kleider ihrer Schwester angezogen hat und so voller Wucht gegen den Spiegel gerannt ist, dass sie sich verletzt. Wobei man das so oder so sehen kann: hat sie die Sehnsucht nach ihrer Schwester zu diesem blutigen Zusammenprall dazu gebracht (Margaret fühlt sich ja von ihrem Spiegelbild auch stark an ihren Zwilling erinnert) oder wollte sie damit irgendwie die Gewalt durch ihre Schwester simulieren, die ihr "fehlt"? Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine, ich finde gerade nicht die richtigen Worte, um das zu beschreiben.


    Der Verlust des jeweils anderen ist für beide schlimm, aber dass es für Adeline so schlimm ist, hat mich dann doch überrascht. Man könnte meinen, Emmeline ist ihr Leben, ohne sie kann sie nicht sein, wenn diese aber nicht so spurt, wie sie das gerne möchte, schlägt sie sie blutig.


    Adeline scheint von Hester überhaupt nichts zu halten, aber dennoch behauptet Vida Winter/Adeline Margaret gegenüber, sie hätte sie gemocht und dass genau das Problem war. Diese Aussage hätte ich eher von Emmeline erwartet, daher war ich mir an der Stelle nicht sicher, ob vielleicht Emmeline den Brand überlebt und sich danach als Adeline ausgegeben hat. An anderer Stelle wird aber erwähnt, dass Vida Winter so wenig ist und sie bestätigt, dass das schon immer so war, was wiederum auch bei Adeline der Fall war.


    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit den Zwillingen weitergeht und ob Hester auch mittel- bzw. langfristig ihre Spuren bei ihnen hinterlassen wird. Erstaunlich finde ich auch, dass die Mädchen, die jetzt im Teenager-Alter sind und immer noch nicht richtig sprechen können, nachher wenigstens eines der Mädchen als Vida Winter so virtuos mit der Sprache umgehen kann, dass sie Leser weltweit in ihren Bann zieht.


    Fällt euch auch auf, dass Vida Winter, je weiter sie in ihrer Erzählung fortschreitet, immer mehr von ihrer Maskerade fallen lässt? Zuerst die Haarfarbe, die allmählich rauswächst, dann der Wegfall des Haarsprays, nun hat sie auch die künstlichen Wimpern weggelassen. Jedenfalls kommt es mir so vor, als ob sie mit ihrer Geschichte nicht nur ihr Innerstes offenbart, sondern auch ihr Äußeres. Ob die Geschichte allerdings stimmt, bin ich mir immer noch nicht sicher, auch die Ergebnisse von Margarets Nachforschungen eher dafür sprechen.


    Was hat es mit diesen fünf Tönen auf sich? Das war ja schon etwas gruselig und Kater Shadow hat dem ganzen die Krone aufgesetzt, dabei war es nur der Kater ^^

    Liebe Grüße

    Karin

  • Sie spricht da von einem "Kind, das man durch die Lücken im Nebel sieht". Seht ihr das auch so? Da könnte man sich ja fragen, ob Vida Winter eher dieses Kind im Nebel ist. Momentan bin ich etwas verwirrt.

    Das ist ein guter Gedanke, dass Vida Winter dieses Kind im Nebel sein könnte. In meinen Beitrag oben habe ich zwei Situationen aufgegriffen, bei einmal eher zu Emmeline, das andere Mal eher zu Adeline passen könnte. Das verwirrt mich auch gerade.


    Ich nehme der Figur Hester durchaus ab, dass sie anfangs v.a. Adelines Wohl im Sinn hatte und dachte, deren "sensible" Seiten durch die Aktion herauslocken zu können. Die Sache mit dem Ehrgeiz hat sie zunächst mMn lediglich benutzt, um den Doktor zum Mitmachen zu bewegen.

    Ja, anfangs war das bestimmt nicht die schlechteste Sache und mit den besten Absichten begonnen, aber dann haben die beiden die Mädchen und deren Befinden völlig aus den Augen verloren.


    Bisher glaube ich, dass Adeline eine gespaltene Persönlichkeit ist.

    Das könnte gut sein, ihr Verhalten ist schon ziemlich speziell.


    Mir kommt gerade ein Gedanke, auch wegen Annes Beitrag zu dem Kind im Nebel: vielleicht gibt es gar keinen Zwilling und Adeline ist so gespalten, dass sie sich das nur einbildet, warum auch immer.


    Aber das muss Blödsinn sein, Margaret hat doch den Geburtseintrag der Zwillinge mit eigenen Augen gesehen ...

    Liebe Grüße

    Karin

  • Ich bin mit dem Buch ja schon zu Ende, lese aber begeistert eure Rätseleien und Eindrücke mit. Doch ich werde mich hüten, einen eurer Gedanken zu bestätigen oder zu verneinen. Ich würde dabei nur spoilern.

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  • Ich habe bis einschl. "Ewiges Zwielicht" gelesen.


    Seit meinem letzten Beitrag hier in diesem zweiten Abschnitt sind nun einige Menschen gestorben: zuerst Isabelle, dann bringt sich Charlie um (wenn man Vida glauben kann), Mrs. Dunne (o.k., das war absehbar, sie hat doch arg abgebaut) und dann auch noch John.


    Erstmal zu Charlie: du meine Güte, in was für einem "Saustall" hat er gelebt, wobei das noch eine Beleidigung für die Schweine ist. Da muss man doch mal was gerochen haben, so dicht kann keine Tür schließen. Als Kind habe ich mit meinen Eltern in einem Mehrfamilienhaus gelebt, da hatten wir ein Stockwert höher einen Nachbarn, der hat in ähnlichen Verhältnissen gelebt, das hat man aber auch gerochen, wenn man an der Wohnungstür vorbeigegangen ist.


    Und plötzlich erzählt Vida Winter aus der Ich-Perspektive - zuerst dachte ich, ich hätte irgendwie versehentlich ein paar Seiten im e-Book vorgeblättert, weil ich plötzlich ganz überrascht war. Aber nun bekommen wir mal Adelines (?) Sicht der Dinge mit und hoppla, so weltfremd und "zurückgeblieben" ist sie überhaupt nicht. Und plötzlich kann sie auch freundlich gegenüber der Missus und John sein, wobei John gar nicht so überrascht ist, also muss er sich doch schon öfters mit ihr "normal" unterhalten haben. Nur Emmeline scheint immer noch nicht in der Lage zu sein, sich zu artikulieren bzw. lebt in ihrer eigenen Welt.


    John übernimmt die Arbeiten der Missus, die diese gesundheitlich nicht mehr ausführen kann, Hauptsache, es kommt nicht wieder ein Fremder, ein Außenseiter ins Haus und pfuscht in dem kleinen Mikrokosmos Angelfield herum.

    Außer Ambrose, den John als Hilfe ins Haus holt. Mich würde ja schon interessieren, warum sich John für den Jungen entschieden hat, während er sonst genauso strikt gegen äußere Einflüsse war? Aber das werden wir jetzt wohl nicht mehr erfahren, nachdem er tot ist.


    Aber Ambrose ... wenn das nicht mal der Name auf dem Stück Zettel ist, den Aurelius unter den Schätzen seiner Herkunft hütet. Ich tippe jetzt darauf, dass Ambrose der Vater von Aurelius ist und eine der beiden Zwillinge die Mutter, siehe die Reaktion von Vida/Adeline auf das Foto mit dem Kind mit dem Bauhelm.


    Das wäre auch ein großer Zufall, dass er ausgerechnet dann ausgesetzt wurde, als Angelfield abbrannte. Die Hütte ist zwar mehr als baufällig, aber ich tendiere immer mehr dazu, dass jemand bei dem Brand nachgeholfen hat. Aber warum? Sollte irgendein Geheimnis damit "begraben" werden? Bestand von außen die Gefahr, dass Emmeline wie ihre Mutter in eine Anstalt eingewiesen werden könnte und damit die Zwillinge getrennt würden? Ich glaube nicht, dass die beiden Mädchen das nochmal zulassen würden. Und dann diese Buchseite aus Jane Eyre in Aurelius' Erbe, eine Geschichte, in der ebenfalls versucht wird, ein Haus niederzubrennen ...

    Dafür könnte auch sprechen, dass Emmeline eben nicht bei dem Brand ums Leben gekommen ist, sondern bei ihrer Schwester im Verborgenen lebt.


    Aber warum Aurelius weggeben? War das auch ein Geheimnis, das nicht aufgedeckt werden sollte? Ist vielleicht Emmeline die Mutter? Was ist mit Ambrose geschehen?


    Die Geschichte wird immer mysteriöser und es macht immer mehr Spaß, darüber zu spekulieren :thumbup:


    Wie Adeline so virtuos mit dem Anwalt spricht und Dr. Maudsley wohl das Gefühl hat, im falschen Film zu sein, da musste ich schon grinsen ^^


    Die Geschichte von Mrs. Love und den zweimal gewendeten Fersen ist auch mysteriös, kein Wunder, dass sie beim dritten Mal, als ihr das passierte, davon überzeugt war, nun selbst sterben zu müssen.


    Als sich Margaret mit Aurelius in Angelfield verabredet und im Nebel nach ihm sucht, was war das, was da an ihr vorbeigehuscht ist? Gibt es dafür genauso eine rationale Erklärung wie beim Kater Shadow im Garten von Vida Winter?


    Dass Emmeline noch lebt, hat mich nicht sehr überrascht, damit hatte ich schon gerechnet, denn es wäre nicht das erste Mal, dass Adeline verschweigt, dass wer gestorben ist, siehe Charlie.


    Nochmal zu John und seinem Tod: war es tatsächlich kein Unfall, der zum Tod des Gärtners führte? Es ist wirklich unwahrscheinlich, dass er nicht nach der Sicherung gesehen hat, aber wer steckt dann dahinter? Außer den Zwillingen und Ambrose bleibt ja niemand mehr übrig. War es wirklich Emmeline oder doch Adeline, die sich aber daran nicht mehr erinnern kann bzw. will? Wenn es Emmeline war, warum hat sie das getan? Weil sich John im Formschnittgarten so gut mit Adeline verstanden und sie in der Schnitttechnik unterwiesen hat? Wollte Emmeline vermeiden, dass sich ihre Schwester dadurch womöglich von ihr entfernen könnte?


    Ambrose könnte es natürlich auch gewesen sein, aber wo würde sein Motiv liegen?

    In jedem Fall ist er nicht auf den Kopf gefallen und ich musste echt lachen, als Adeline ihn anraunzt, dass seine Großmutter nicht vorbeikommen müsste und er dann total cool erwidert, dass das ihm recht wäre, weil er gar keine Großmutter hat. Er scheint tatsächlich mehr zu sehen oder wahrzunehmen als die anderen, vielleicht war das auch der Grund, warum John gerade ihm vertraut und als Hilfe ins Haus geholt hat.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Achja, und wir wissen jetzt, wer für diese Töne verantwortlich ist, die Margaret in der Nacht gehört hat: das war auch Emmeline und kein Gespenst.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Da muss man doch mal was gerochen haben, so dicht kann keine Tür schließen.

    Sicherlich, aber wer? Mrs. Dunne und die Mädchen haben in ihrer eigenen Welt gelebt. John war im Haus nur in der Küche. Hester ist weg, die hatte zumindest immer gelüftet.

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  • John übernimmt die Arbeiten der Missus, die diese gesundheitlich nicht mehr ausführen kann, Hauptsache, es kommt nicht wieder ein Fremder, ein Außenseiter ins Haus und pfuscht in dem kleinen Mikrokosmos Angelfield herum. ...

    Außer Ambrose, den John als Hilfe ins Haus holt. Mich würde ja schon interessieren, warum sich John für den Jungen entschieden hat, während er sonst genauso strikt gegen äußere Einflüsse war? ..l

    In jedem Fall ist er nicht auf den Kopf gefallen und ich musste echt lachen, als Adeline ihn anraunzt, dass seine Großmutter nicht vorbeikommen müsste und er dann total cool erwidert, dass das ihm recht wäre, weil er gar keine Großmutter hat.

    John erscheint einem so ein bisschen wie der "gute Geist des Hauses", hm??


    Bei dem "Großmutter"-Ausspruch ging es mir genau wie Dir, ja. ^^


    Ich lese interessiert, wie genau Du Diane Setterfield beim Spurenlegen folgst, odenwaldcollies ! Ich fand es manchmal gar nicht einfach, da zwischen echten Spuren und leicht "übersinnlich Angehauchtem" zu unterscheiden, da sie ja manchmal auch in diese Dimension tendiert..

  • Sicherlich, aber wer? Mrs. Dunne und die Mädchen haben in ihrer eigenen Welt gelebt. John war im Haus nur in der Küche. Hester ist weg, die hatte zumindest immer gelüftet.

    Ja, das muss dann so gewesen sein, dass keiner von denen an Charlies Räumen vorbeigekommen bzw. den Geruch wahrgenommen hat, also im Fall von Mrs. Dunne, die ihm seine Mahlzeiten vor die Tür gestellt hat. Ihre Demenz war wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt schon zu weit fortgeschritten.


    John erscheint einem so ein bisschen wie der "gute Geist des Hauses", hm??

    Das gefällt mir, diese Doppeldeutigkeit :thumbup: Und ja, ich empfand ihn auch als gute Seele, schade, dass er so sterben musste.

    Ehrlich, anfangs bei Aurelius' Auftauchen kam mir in den Sinn, ob er vielleicht Johns Sohn sein könnte, weil die beiden mir in der Art ähnlich vorkamen. Aber John lebte ja auch recht einsiedlerisch, da war das eher unwahrscheinlich.


    Ich fand es manchmal gar nicht einfach, da zwischen echten Spuren und leicht "übersinnlich Angehauchtem" zu unterscheiden, da sie ja manchmal auch in diese Dimension tendiert..

    An den "übersinnlich angehauchten" Stellen werde ich aber auch jedes Mal unsicher, auch wenn sich das eine Mal als Kater Shadow und das andere Mal die nächtlichen Töne im Garten als Emmeline herausgestellt haben. Daher hoffe ich, dass es für die von Margaret gespürte "Präsenz" in Angelfield, als sie Aurelius suchte, ebenfalls eine rationale Erklärung gibt ^^

    Liebe Grüße

    Karin

  • Nun habe ich weiter bis einschl. "Dezembertage" gelesen.


    In "Versteinerte Tränen" bricht sich Adelines Trauer über Johns Tod endlich Bahn - Respekt vor Margaret, dass sie direkt kapiert, was los ist, ich hätte das nicht, ich dachte, Adeline würde vor lauter Schmerzen heulen.


    Oder sind hier neben der Trauer auch Schuldgefühle im Spiel? Noch immer wissen wir nicht, wer sich möglicherweise an der Sicherheitsverriegelung von Johns Leiter zu schaffen gemacht hat. Adeline sagt, dass es nicht Emmeline war, aber damit würden nur sie und Ambrose übrig bleiben; und Adeline hat ja, nachdem sie John gefunden hat, direkt an Emmeline gedacht, das macht man eher nicht, wenn man selbst der Täter wäre.


    Außer es war Adeline, während die Ich-Erzählerin sich in der Rolle des Kindes im Nebel sieht und nicht als Adeline; damit wären wir wieder bei Annes Überlegungen zur gespaltenen Persönlichkeit. Genauso aber könnte sie das auch auf Emmeline beziehen, dass es nicht die eigentliche Emmeline war, die die Verriegelung manipuliert hat, sondern ihr persönlicher "Dämon", um das mal so auszudrücken. Wie auch immer, ich weiß echt nicht, was ich glauben soll bzw. wem ich es zutraue.


    Die Toten kommen unter die Erde. Ich überlege jetzt lieber nicht weiter, wie Margaret es geschafft hat, dass gerade dieser Satz ihr in den Sinn kam ^^ Aber es würde zu Emmelines nächtlichen Grabtätigkeiten im Garten passen. Wenn Emmeline wirklich die Mutter von Aurelius ist, hat man ihr (ihre Schwester) ihr dann erzählt, dass ihr Sohn und vergraben wurde? Aber er wäre ja wohl eher nicht auf dem aktuellen Grundstück vergraben.

    Warum ist sich Margaret so sicher, dass Emmeline die Mutter ist? Scheinbar hat Ambrose mehr Interesse an Adeline.


    Interessant ist auch, wie Ambrose und Adeline die Rollen der Missus und von John allmählich übernehmen.


    Dass es sich bei dem Journalisten im braunen Anzug damals in Wirklichkeit um Aurelius gehandelt hat, darauf wäre ich nie gekommen, das war ziemlich clever von Margaret.


    Dass sie Aurelius mit zu Emmeline nimmt, ohne irgendwem vorher etwas zu sagen, ist ins Auge gegangen, aber durch das Fieber war sie auch nicht ganz bei sich. Eigentlich hätte sie das Treffen schon alleine wegen es gesundheitlichen Zustands absagen müssen, aber sie wollte Aurelius nicht enttäuschen.

    Aurelius ist total süß, wie er Margaret mit einem selbstgemachten Kuchen zu ihrem Geburtstag überrascht <3


    Was mich irritiert hat: kann es sein, dass Margaret und ihre Schwester siamesische Zwillinge waren? Am Anfang des Buches wurde schon mal eine Narbe oder irgendwas mit Auseinanderschneiden erwähnt, das habe ich aber nicht ganz kapiert und erstmal beiseite geschoben, aber jetzt wurde nochmal eine Narbe an Margarets Seite erwähnt, die sie an ihren Zwilling erinnert.

    Es ist schon traurig, wenn die eigene Mutter so überhaupt keinen Anteil am Geburtstag der noch lebenden Tochter nimmt und der Vater ganz heimlich kleine und einsame Feiern zu zweit für Margaret organisiert hat. Wobei es auch rührend ist, wie der Vater den Spagat versucht, sowohl der Tochter als auch der Mutter gerecht zu werden. Aber für ein Kind ist dieses Gefühl, von der Mutter ungeliebt zu sein, schon extrem hart. Natürlich ist es tragisch, dass sie eines der beiden Kinder bei der Geburt verloren hat, aber statt froh darüber zu sein, dass wenigstens ein Kind überlebt hat und gesund ist, trauert sie nur dem nach, was sie verloren hat.


    Dr. Cliftons Rezepte gefallen mir übrigens sehr gut ^^

    Liebe Grüße

    Karin

  • Wie auch immer, ich weiß echt nicht, was ich glauben soll bzw. wem ich es zutraue.

    Ist das nicht Wahnsinn, wie Diane Setterfield dieses Verwirrspiel mit uns spielt? Ich hatte noch nie eine Geschichte, wo ich mit meinen Mutmaßungen so oft falsch lag. Das ist echt mal ein Buch, wo niemand sagen kann: Wie vorausschaubar, das lag doch auf der Hand.

    Das Buch gehört ja seit Jahren zu meinen Lieblingsbüchern, aber ihre wahre Kunst, uns bis zum Letzten im Ungewissen zu lassen, weiß ich erst jetzt zu würdigen. Jetzt, wo bei mir wirklich alle Fragen geklärt sind.

    Die ersten beiden Male war ich wohl zu abgelenkt beim Lesen, dass sich mir das nicht eröffnet hat. Dieses Mal war ich beim Lesen wirklich voll dabei mit den Gedanken.

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  • Guten Abend!


    Ich bin zwar noch nicht ganz so weit - bei mir wendet Mrs. Love nocht immer die Ferse ;)

    Aber es ist wirklich extrem spannend und so viele überraschende Wendungen der Geschichte!


    Erst einmal Hester - sie hat mich schon beeindruckt. Und das vom ersten Tag an, denn sie hat sich nicht von den Zwillingen gängeln lassen! Und sie hat in allem, was sie über die Zwillinge gegenüber dem Doktor gesagt hat auch bewiesen, dass sie sehr überlegt analysiert. Den Begriff "Kind im Nebel" finde ich großartig!

    Sie hat auch den Doktor gut für ihre Zwecke und ihre Interessen eingespannt. Bemerkenswert!

    Was ihre wissenschaftliche Arbeit mit den Zwillingen angeht, da hat sie eindeutig übers Ziel hinausgeschossen! Sie hat da irgendwann vor lauter wissenschaftlichem Vergnügen, außer acht gelasen, dass die Zwillinge Menschen sind und nicht nur Beobachtungsobjekte.


    Ich gestehe, mir fällt es ja selber schwer, hinter den Zwillingen menschliche und einfühlsame Wesen zu sehen.

    Das geht mir ebenso! Die beiden scheinen unfähig, Empathie zu zeigen. Die beiden sind zwar unzertrennlich und ohnde der anderen völlig gelähmt, aber ich hab auch nicht den Eindruck, dass sie einander in einer für mich verständlichen Art "lieben". Sie brauchen einander.

    Und die Trennung der beiden war schrecklich. So klar und klug Hesters Analyse der beiden war, so falsch waren dann die Maßnahmen, die sie für nötig erachtete. Aber wissenschaftlich durchaus interessant.


    Richtig entsetzt hat mich Emmeline, als sie nach der Trennung die Kleider ihrer Schwester angezogen hat und so voller Wucht gegen den Spiegel gerannt ist, dass sie sich verletzt. Wobei man das so oder so sehen kann: hat sie die Sehnsucht nach ihrer Schwester zu diesem blutigen Zusammenprall dazu gebracht (Margaret fühlt sich ja von ihrem Spiegelbild auch stark an ihren Zwilling erinnert)

    Stimmt! Das sind zwei ganz interessante Szenen. Einerseits die (für mich) tragisch-traurige Emmeline, die ihre Schwester sucht und dann Margaret, die plötzlich in ihrem Spielgelbild ihre Schwester vermutet. Warum jetzt plötzlich? Weil sie so stark (auch emotional?) mit Vidas Zwillingsgeschichte mitlebt?

    Hatte sie solche phantastischen Momente früher auch schon?


    Fällt euch auch auf, dass Vida Winter, je weiter sie in ihrer Erzählung fortschreitet, immer mehr von ihrer Maskerade fallen lässt? Zuerst die Haarfarbe, die allmählich rauswächst, dann der Wegfall des Haarsprays, nun hat sie auch die künstlichen Wimpern weggelassen. Jedenfalls kommt es mir so vor, als ob sie mit ihrer Geschichte nicht nur ihr Innerstes offenbart, sondern auch ihr Äußeres

    Da sagst Du was! Natürlich hast Du recht! Mir fällt das allerdings erst jetzt auf, wo Du es sagst! Danke für diesen Hinweis!:daumen:


    Noch einmal zum "Kind im Nebel" - für mich war das eigentlich immer Adeline. Ich erinnere mich jedoch, dass ich beim Lesen verschiedener Szenen wirklich durcheinander gekommen bin und dann nicht mehr recht wußte, welches Verhalten für wen typisch ist. :/

    Aber ich zweifle auch daran, wer jetzt tatsächlich Emmeline/Adeline/Vida ist - wohl auch, weil dieser Zweifel in irgendeinem Umschlagtext gesät wird.


    Charlie... boah... was für eine Beschreibung! Ich hatte doch tatsächlich diesen grausigen Geruch in der Nase (was umso erstaunlicher ist, weil mir seit Corona der Geruchsinn abhanden gekommen ist - auch in der Erinnerung! Warum konnte Charlie nicht in einer Duftwolke sterben?:spinnen:)

    Wie würd ein Psychiater sein Verhalten bezeichnen?


    Und auch in diesen Kapiteln tauchen immer wieder "Gespenster" auf - in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart. Ich bin neugierig, ob das irgendwie "realistisch" aufgelöst wird.


    Überhaupt ist alles zusammen sehr rätselhaft - ich bin mir nicht sicher, ob die Personen tatsächlich so sind, wie sie hier erzählt werden. Ob Vida tatsächlich Adeline ist. Oder Emmeline? Oder?

    Dann das Geheimnis um Margaret und ihre Zwillingschwester.

    Und eigentlich auch noch das Geheimnis um die 13. Geschichte. War der Titel damals Zufall? Gibt es diese 13. Geschichte überhaupt? Lesen wir sie gerade?


    Ich liebe solche Gedankenspielereien (auch wenn ich in unschöner Regelmäßigkeit völlig falsch denke) und in einer Leserunde sind sie noch viel interessanter!

    :)

  • ob Adeline wirklich Vida Winter ist.


    Das überlege ich mir auch - aber eher weil es irgendwo in einem Umschlagtext einen Hinweis darauf gibt... ohne diesen Hinweis, hätte ich das vermutlich noch nicht gedacht!


    Ist das nicht Wahnsinn, wie Diane Setterfield dieses Verwirrspiel mit uns spielt? Ich hatte noch nie eine Geschichte, wo ich mit meinen Mutmaßungen so oft falsch lag. Das ist echt mal ein Buch, wo niemand sagen kann: Wie vorausschaubar, das lag doch auf der Hand.


    Stimmt! Da kann ich Dir nur uneingeschränkt recht geben: jedes weitere Kapitel gibt eine Antwort und stellt gleichzeitig 10 Fragen. Superspannend!

    Anne Werden bis zum Schluss alle Rätsel aufgelöst und bleiben unbeantwortete Fragen?


    Ich fand es manchmal gar nicht einfach, da zwischen echten Spuren und leicht "übersinnlich Angehauchtem" zu unterscheiden, da sie ja manchmal auch in diese Dimension tendiert..

    Stimmt - manchmal irritieren mich die "Übersinnlichkeiten" zwischendurch - aber es isteine Geschichte und damit haben auch Gespenster eine Existenzberechtigugn:S

    Und die Unterscheidung funktioniert nicht immer!

  • Anne Werden bis zum Schluss alle Rätsel aufgelöst und bleiben unbeantwortete Fragen?

    Es bleibt tatsächlich eine unbeantwortete Frage. Mehr kann ich nicht schreiben, ohne zu spoilern.

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