Romina Pleschko - Ameisenmonarchie

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.
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    Inhalt: In einem Wohnhaus in Wien leben die unterschiedlichsten Charaktere mit mehr oder weniger Kontakt zueinander. Das Buch gibt Einblick in deren Leben - vom Gynäkologen über seine psychisch angeschlagene Ehefrau bis zum perversen Nachbarn.


    Meine Meinung:

    Zuerst muss ich ein paar Worte zur Gestaltung des Buches verlieren, denn ich habe mich regelrecht darin verliebt. Das Cover, das Material, die Gestaltung unter dem abnehmbaren Buchumschlag, das lila Vorsatzpapier, das Lesebändchen und die immer wieder abgedruckten Federn - das Buch ist einfach wunderschön gestaltet!


    Aber nun zur Geschichte: Das Buch hat keine richtigen Kapitel, es unterteilt sich aber in viele kleine Abschnitte, die oft nur 1,5 Seiten lang sind. Jeder Abschnitt handelt von einer Person, die in einem Wiener Zinshaus lebt. Aus deren Sicht aber von einem ausstehenden Erzähler werden deren Gedanken und Lebensabläufe dargestellt.


    Die Charaktere sind sehr unterschiedlich, aber was sie alle gemein haben, ist die Melancholie, die Teil ihres Lebens ist. Wienern wird ja oft nachgesagt, dass sie melancholisch wären und einen besonders schwarzen Humor hätten. Das wird hier sehr gut wiedergegeben. Und ja was soll ich sagen - ich als Wienerin fand die Erzählungen teilweise zwar schräg und erschreckend, aber so wirklich verwundert hat mich nichts. So schlimm das klingen mag (wenn man das Buch gelesen hat, wird man wissen was ich meine), aber so sind wir Wiener irgendwie wirklich. Ob das auch für Einwohner anderer Städte zutrifft, kann ich nicht beurteilen - in gewissem Ausmaß vermutlich schon, aber dieser schwarze Humor, der hier eher unterschwellig mitspielt, ist schon so eine Wiener Eigenart.


    Zu den Charakteren, damit man ein bisschen einen Eindruck bekommt, womit man es zu tun hat:

    - Herb Senior ist ein Gynäkologe, der kurz vor seiner Pension steht. Sagen wir so, ich würde ihn mir nicht als meinen Arzt des Vertrauens aussuchen.

    - Herb Junior, der Sohn, auch Gynäkologe bevorzugt Männer und findet alles an Frauen abstoßend.

    - Magdalena, die Frau von Herb Senior, verlässt die Wohnung nicht und seit neuestem spricht sie auch nicht mehr.

    - Karin, alleinerziehende Mutter verkauft Kosmetika und ist aktiv im Elternforum

    - ein Mann Namens Klaus hat ziemlich perverse Veranlagungen

    - der Nationalratsabgeordnete der unwählbaren Partei ist das, was sein Name schon sagt


    Sie alle leben im gleichen Zinshaus. Anfangs war ich mir nicht sicher, wo die Geschichte hinführen soll bzw. ob sie überhaupt irgendwo hinführen soll. Dazu möchte ich gar nicht mehr sagen, das muss man selbst herausfinden.


    Der Schreibstil ist flüssig und hat mir sehr zugesagt. Die Autorin beschreibt mit wenigen Worten dennoch sehr detailliert die einzelnen Charaktere und deren Umfeld. Ich konnte mich in jeden einzelnen sofort hineinfühlen. Sympathie habe ich wohl bei keinem empfunden, aber eine gewisse Art von Verständnis. Obwohl die Personen alle auf ihre eigene Art befremdlich, eigenartig und einfach ungut sind (das Wort furchtbar fand ich jetzt doch zu hart), habe ich erschreckenderweise nachvollziehen können, warum sie so sind wie sie sind. Die Ursachen für ihr Verhalten werden nicht wirklich näher ausgeführt, aber ich habe einfach gespürt bzw. zwischen den Zeilen gelesen. Das macht für mich auch das Buch aus: ich konnte mich sehr gut einfühlen.


    Von mir gibt es eine klare Empfehlung für das Buch!

    :tipp: