Marie Lacrosse - Das Kaffeehaus. Falscher Glanz

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    „Wien ist eine Stadt, die um einige Kaffeehäuser herum errichtet ist“ – Bertolt Brecht


    Für Sophie von Werdenfels beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie muss ihren Dienst als Hofdame der Kaiserin Sisi antreten. Wohl ist ihr dabei nicht, aber sie hat keine Wahl. Leider muss sie schnell lernen, mit den Menschen am Hofe zu leben und erleben, wie Intrigen und Boshaftigkeiten die Runde machen. Vor allem die Gräfin Marie Festetics macht ihr das Leben schwer. Die Gräfin gehört zu den Favoritinnen unter den Hofdamen und steht der Kaiserin sehr nahe. Für Sophie beginnt eine schwere Zeit, in der sie lernen muss, sich zu behaupten. Ein um viele Jahre älterer Ungar macht ihr zudem auch noch den Hof. Die Frage, wie sie ihm entkommen kann, beschäftigt Sophie von Stund an. Auch dass sie ihrem Onkel im Kaffeehaus nicht mehr so zur Seite stehen kann, wie sie möchte, macht ihr schwer zu schaffen. Wie soll ihr Leben weitergehen?


    Endlich ist es soweit, das Leben im Kaffeehaus zu Wien geht weiter. Mit „Falscher Glanz“ liegt nun Band 2 dieser Trilogie vor. Um es gleich vorwegzunehmen, mir hat diese Fortsetzung sehr gut gefallen, auch wenn sie so ganz anders ist als Band 1 „Bewegte Jahre“. Während im ersten Teil der Fokus auf dem Leben von Sophie und ihre Beziehung zu Richard liegt, wird hier die Geschichte und die Geschehnisse bei Hofe geschildert. Da Sophie als Hofdame antreten muss, schildert Marie Lacrosse auch intensiv aus dem Leben an Sisis Seite.


    Die Intrigen bei Hofe hat die Autorin glaubhaft in Szene gesetzt und auch das Jahr nach der furchtbaren Tragödie von Mayerling glaubhaft dargestellt. Marie Lacrosse schildert von den Gefühlen der betroffenen Menschen, deren Trauer und entsetzten auch noch Wochen später. Auch die Kaiserin trauert natürlich. Gerade Sophie bekommt dies zu spüren und lernt die Kaiserin von einer emotionalen Seite kennen. Ich fand gerade diese Szenen mit Sophie und Sisi sehr gut. Die Kaiserin wird hier mal so ganz anders beschrieben als sonst üblich und ist nicht mit den gängigen Sissi-Filmen zu vergleichen. Mir hat diese Darstellung sehr gut gefallen. Ich habe einiges über sie erfahren, was mir so nicht bewusst war. Eindrucksvoll waren auch die Auswirkungen der Mayerling- Affaire, die hier glaubhaft geschildert werden.


    Gut gewählt finde ich den Titel „Falscher Glanz“, er spiegelt die adlige Gesellschaft Österreichs wider und passt somit wunderbar zum Inhalt des Romans. Nach außen ist die Fassade strahlend schön, aber sieht man hinter die Kulissen, sieht man, wie es wirklich ist.


    Ein weiter Handlungsstrang beschäftigt sich auch hier mit dem Leben der ärmeren Bevölkerung. Diese Szenen passen sich wunderbar in die gesamte Handlung ein und erlauben einen Blick auf die Menschen, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen.


    Auch Richard von Löwenstein hat seine Momente. An seiner Seite wird das Militär geschildert. Richard hat seine eigenen Probleme zu bewältigen, allem voran natürlich seine Heirat mit der wenig geliebten Amalie von Thurnau. Richard kann man mögen oder auch nicht. Er hat seine Eigenarten, die er auch beibehält. Auf der einen Seite beteuert er zum Beispiel immer wieder, wie sehr ihm Sophie am Herzen liegt, aber auf der anderen Seite arrangiert er sich auch mit Amalie. Wie er sich Amalie gegenüber verhält, hat mir nicht immer gefallen, aber seine Einsätze, die ihn die unzumutbaren Verhältnisse des Militärs offen legen lassen, waren wiederum gut beschrieben und ließen erkennen, dass auch in Richard ein guter Charakter stecken könnte. Es macht den Eindruck, als hätte er aus seinen Fehlern gelernt. Ich bin schon gespannt, wie er sich weiterentwickeln wird.


    Marie Lacrosse hat ein stimmiges Bild dieser Zeit wiedergegeben. Es ist ihr gelungen, eine Geschichte über die Kaiserin zu erzählen, die nicht nur die schillernde, glänzende Seite zeigt. Der Erzählstil der Autorin ist zudem bildhaft und facettenreich, ich konnte abtauchen in die Zeit der k.u.k Monarchie und habe mich wunderbar unterhalten gefühlt.


    Fazit:


    „Falscher Glanz“ ist ein wunderbarer historischer Roman, der gekonnt eine fiktive Geschichte mit dem historischen Hintergrund der k.u.k Monarchie verbindet. Die Protagonisten wirken wie mitten aus dem Leben dieser Epoche gegriffen. Sie spiegeln diese Zeit wider und zwar in allen Facetten. Ich bin schon jetzt gespannt darauf, wie es mit Sophie, Richard und dem Kaffeehaus weitergehen wird.


    5ratten:tipp:

  • Ich war gerade in derselben Zeit in einer historischen Romanbiografie literarisch "unterwegs" - in der es auch um die Aristokratie ging bzw. von ihr handelte (Alice von Battenberg, Mutter von Prinz Philip) und die Reihe von Marie Lacrosse steht auch schon eine Weile auf meiner Buchliste. Danke für Deine interessante Rezi!

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Dani79

    Hat den Titel des Themas von „Marie Lacrosse - Falscher Glanz“ zu „Marie Lacrosse - Das Kaffeehaus. Falscher Glanz“ geändert.