01: Anfang bis einschl. 14. August 1966/Sonntag

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Es gibt 18 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von buchregal123.

  • Hallo ihr Lieben,


    ich habe gestern den ersten Abschnitt gelesen und mit schon wieder mittendrin im Wien der 1960er Jahre. Ich habe es, glaube ich, schon zu jedem deiner Bücher geschrieben, liebe Sabina, aber ich muss es nochmal wiederholen: durch den Dialekt und deiner Beschreibung der Figuren fühlt sich für mich die Geschichte immer noch greifbarer an.


    Sag mal, die Bim, ist das die Straßenbahn? Oh weh, wenn sich Wilhelms Kollegen mit der angelegt haben :D


    Der Fischer, ach ja, das hatte ich ganz verdrängt, was das für ein widersprüchlicher Charakter ist. In dem einem Moment ist man einfach nur sprachlos und denkt, was für ein rassistischer A...., um im nächsten Moment dann anzuprangern, welche Nachteile die schwarze Mitschülerin seiner Tochter erfährt. Aber "Viecher", das geht mal entschieden zu weit :cursing: Ich bin mal gespannt, ob es zwischen Fischer und Waller irgendwann nochmal richtig krachen wird.

    Aber in diesem ersten Abschnitt muss ich Fischer zugestehen, dass er als Kieberer wirklich was auf dem Kasten hat.


    So, wir haben also einen Toten, gemäß der Stiefel deutet alles auf einen amerikanischen GI hin, während der Colonel allzu schnell jegliche Verbindung zu dem Toten von sich weist; das ist schon etwas auffällig. Wurde nicht erwähnt, der Colonel hätte den Toten persönlich gesehen? Da müssten ihm die verräterischen Stiefel doch auch aufgefallen sein.


    Im Moment habe ich noch keinerlei Verdacht oder Vermutungen, warum der GI (oder auch nicht) umgebracht wurde bzw. was es mit der geheimnisvollen Verabredung in dem Hotel Valerie auf sich haben könnte. Wobei, ein bisschen was von Spionage hat das ^^


    Der Mann in dem Gastgarten, den Wilhelm bemerkt, wie er ihn beobachtet ... ist das Zufall oder wird er noch eine Rolle spielen? Sein eigenartiger Gang ist ein gutes Wiedererkennungsmerkmal.


    Dieser Typ in der Kneipe, in der Feodor sich noch ein Bier genehmigt, war auch seltsam, aber der war eher wirklich eine Zufallsbekanntschaft, denn er konnte ja nicht wissen, dass Wilhelm an dem Abend kommen wird. Andererseits kommt er seit einigen Abenden regelmäßig ins Stadt Brünn, ein Fremder, wie es scheint.


    Das sonstige Tagesgeschehen finde ich auch sehr interessant, was damals in Österreich aktuell war; das ist für mich völlig neu und ich werde bestimmt das eine oder andere noch googeln.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Beim Lesen war ich schon ein Stück zu weit. Ich hoffe, dass ich jetzt nicht daneben liege.


    Für einen Rheinländer ist es anfangs gar nicht so leicht, den Dialekt zu lesen. Manches Mal musste ich mehrmals lesen. Doch es dauerte gar nicht lange, da hatte ich den Klang in den Ohren. Schließlich war ich schon öfter in Wien. Auf jeden Fall kommt die Atmosphäre richtig toll rüber.


    Wilhelm und seine Kollegen sind ja schon ein ganz besonderes Gespann. Wilhelm will partout seine Herkunft verschleiern. Lukaschek braucht wohl immer ein wenig länger und Fischer ist ein cleverer Ermittler mit widersprüchlichen Ansichten.


    Ein schwarzer Toter, der ungewöhnlich ist im Wien jener Zeit, aber den niemand kennen will bei den Amis. Nicht zu glauben.


    Fodor fühlt sich beobachtet. Aber warum? Der Fall ist doch gerade erst da.

  • schon wieder mittendrin im Wien der 1960er Jahre

    Das freut mich sehr, liebe Karin! So soll es sein :)


    Ja, der Fischer - für mich eine sehr spannende Person. Er ist ja, wie es noch erwähnt wird und logisch von seinem Alter her ist, in der Hitlerjugend sozialisiert worden, wie viele in dieser Zeit. Für diese Indoktrinierung hat er manchmal schon außergewöhnlich selbständige Gedanken. Aber er scheint noch mitten im Lernprozess zu sein ... Bin neugierig, wie er sich weiterentwickelt ;)


    Ein Schwarzer war damals wirklich ungewöhnlich bei uns, im Gegensatz zu Deutschland sind die Besatzer bei uns ja 1955 abgezogen. Ich (Jahrgang 1965) kannte Schwarze nur aus dem Fernsehen, bis ich einmal Anfang der Siebziger einen Onkel in Wildflecken in Deutschland besucht habe. Dort gab es eine Disco für Amis, die hauptsächlich von Schwarzen besucht wurde - ein sehr prägendes Erlebnis für mich ...


    Ansonsten sage ich nix, nix nix, will ja nichts verraten!

  • Ein Schwarzer war damals wirklich ungewöhnlich bei uns, im Gegensatz zu Deutschland sind die Besatzer bei uns ja 1955 abgezogen. Ich (Jahrgang 1965) kannte Schwarze nur aus dem Fernsehen, bis ich einmal Anfang der Siebziger einen Onkel in Wildflecken in Deutschland besucht habe. Dort gab es eine Disco für Amis, die hauptsächlich von Schwarzen besucht wurde - ein sehr prägendes Erlebnis für mich ...

    buchregal123 Das wollte ich eigentlich dir schreiben :)

  • Liebe Sabina, liebe Mitleserinnen!


    Wie schön, dass wir uns hier wieder zu einer Leserunde treffen!


    Auch ich war beim Lesen schnell wieder im Wien des Jahres 1966. Und so nach und nach kommen auch die Erinnerungen an Fodor und sein Team wieder daher. Ich gestehe, dass sich vieles in meinen Hirnwindungen tiefer vergraben hat und nicht sofort wieder abrufbar war:entsetzt:


    Und manchmal ist es richtig "schwer" zu lesen, weil so viele Vorurteile so nebenher und frontal auftauchen - war ja auch sicher so (und nachfolgende Generationen werden genau dasselbe bei uns feststellen - und ich bin Jahrgang 1967!). Ich hab auch schon komplett vergessen, wie Fischer denkt und redet. Boah... natürlich ist er ein Kind seiner Zeit. Und wenn man seine Sozialisation bedenkt, dann wird vieles verständlicher. Und ich vermute, dass viele damals einfach so "getickt" haben und dieser Umgangston völlig normal war.

    Waller spricht es eh einmal an und Fodor verschiebt auf "irgendwie", aber stellt gleichzeitig fest, dass Fischer ein intelligenter und wichtiger Teil des Teams ist. Abwarten, wie das weiter geht. Welche Vorgeschichte hat eigentlich Waller? Denn ihn nervt Fischer anscheinend am stärksten.


    Und auch die Art wie Frauen wahrgenommen wurden, wird hier wieder klar - Grete Rehor als "Laus im Pelz"... Die armen Männer... in den folgenden Jahren wurde ihr Weltbild ziemlich durcheinander gebracht:err:


    Was den Toten angeht, bin ich völlig ratlos - ich vermute mal, dass die Leute der amerikanischen Basis sehrwohl wissen, wer der Ermordete ist. Dafür war die Situation mit Colonel Rosenblum zu seltsam, zu aufgesetzt.

    Am meisten irritiert mich aber der Fundort - da gibt es wirklich viel zu viele Widersprüche. Aber ich vermute, dass sich das alles noch aufklären wird im Laufe der nächsten 300 Seiten:breitgrins:


    Aber die Zeitgeschichte, die da in Form von verschiedenen Namen auftaucht, ist sehr interessant. Ich hab Innenminister Hetzenauer gegoogelt... und damit wieder mal bestätigt bekommen, dass NSDAP-Mitglieder nach dem Krieg rasch wieder führende Positionen eingenommen haben. Wissen wir alle eh - aber es berührt mich immer wieder.


    Und jetzt freu ich mich schon auf das Weiterlesen...

    Vernunft, Vernunft...

  • Im Moment habe ich noch keinerlei Verdacht oder Vermutungen, warum der GI (oder auch nicht) umgebracht wurde bzw. was es mit der geheimnisvollen Verabredung in dem Hotel Valerie auf sich haben könnte. Wobei, ein bisschen was von Spionage hat das ^^

    Stimmt! Auch wenn ich gestehe, dass ich bis jetzt noch nicht an Spionage gedacht habe. Aber möglich wäre das schon. Und wie ist das mit dem Hotel Valerie... Haus der Kategorie A... Hotel oder Bordell? Oder eine Mischung aus beidem? Das ist mir leider nicht ganz klar....:gruebel:


    Ach ja... und da war ja auch noch der neue Stammgast im Brünn - ich bin neugierig, ob er noch eine wichtigere Rolle bekommt oder Statist im Brünn bleibt.

    Vernunft, Vernunft...

    Einmal editiert, zuletzt von ysa ()

  • Haus der Kategorie A... Hotel oder Bordell?

    Hallo! Wie schön, dass wir einander wiederlesen :) Zum Zitat: Das kann ich gleich aufklären: Kategorie A bezieht sich immer auf ein Hotel. Und es reden ja auch alle von den nun vermehrt eintreffenden internationalen Gästen usw.

    Was die Begriffe betrifft - und ich sage jetzt bewusst "Begriffe": Sie waren damals einfach üblich, auch ich bin noch damit aufgewachsen. Erst gegen Ende der Siebziger taucht in den ersten Wörterbüchern z. B. "abwertender Begriff" im Zusammenhang mit "N" (das Wort darf ich lt. Computerprogramm nicht einmal unter Anführungszeichen schreiben, habe ich gerade herausgefunden) auf, ein grundlegende Diskussion gab es aber erst in den Achtzigern, beginnenden Neunzigern. Trotzdem, denke ich, kann man ganz leicht herauslesen, wer welche gesellschaftspolitische Einstellung hat :) Es zeigt daher auch irgendwie, dass Begriffe einfach nur Begriffe sind - erlebt zum Beispiel HEUTZUTAGE bei so mancher Beisldiskussion, in der ein Rasssist dann fürchterlich abwertend die Bezeichnung "Schwarzer" verwendet. Ein großes Thema und ein sehr diffiziles.

    Übrigens freut es mich, dass dich die zeitgeschichtlichen Hinweise neugierig machen! :)

    Viel Spaß beim Weiterlesen!

  • Fodor fühlt sich beobachtet. Aber warum? Der Fall ist doch gerade erst da.

    Da bin ich auch gespannt, ob was an seinem Gefühl dran ist oder ob er gerade einfach nur etwas paranoid ist ^^


    Aber er scheint noch mitten im Lernprozess zu sein ... Bin neugierig, wie er sich weiterentwickelt

    Ich auch, bei ihm kann ich das tatsächlich auch noch nicht abschätzen.


    Ich hab Innenminister Hetzenauer gegoogelt... und damit wieder mal bestätigt bekommen, dass NSDAP-Mitglieder nach dem Krieg rasch wieder führende Positionen eingenommen haben.

    Ah geh, da war doch überall die gleiche Lumperei im Gange, egal ob Deutschland oder Österreich :cursing:


    Und wie ist das mit dem Hotel Valerie... Haus der Kategorie A... Hotel oder Bordell?

    Witzig, den gleichen Gedanken hatte ich ebenfalls :D


    Zum Zitat: Das kann ich gleich aufklären: Kategorie A bezieht sich immer auf ein Hotel. Und es reden ja auch alle von den nun vermehrt eintreffenden internationalen Gästen usw.

    Ah, tatsächlich ein Hotel ^^

    Liebe Grüße

    Karin

  • Nur noch ein kleiner Nachtrag:

    Wahrscheinlich nicht absichtlich, aber (für mich) trotzdem witzig: einen Portier Gattermeyer zu nennen amüsiert mich :err:

    Vernunft, Vernunft...

  • in Schwarzer war damals wirklich ungewöhnlich bei uns, im Gegensatz zu Deutschland sind die Besatzer bei uns ja 1955 abgezogen. Ich (Jahrgang 1965) kannte Schwarze nur aus dem Fernsehen, bis ich einmal Anfang der Siebziger einen Onkel in Wildflecken in Deutschland besucht habe. Dort gab es eine Disco für Amis, die hauptsächlich von Schwarzen besucht wurde - ein sehr prägendes Erlebnis für mich ...

    Zum Thema "Ein Schwarzer ist ungewöhnlich": Meine Mutter starb 1983 und es kamen auch einige meiner Kollegen zur Beerdigung. Einer war ein guter Freund und entsprechend innig fiel die Umarmung aus. Aber er war schwarz. Das war in unserem dörflichen Stadtteil ein Gesprächsthema für Wochen.

  • Boah... natürlich ist er ein Kind seiner Zeit. Und wenn man seine Sozialisation bedenkt, dann wird vieles verständlicher.

    Aber solche gibt es ja immer nioch zur Genüge und die sind nicht in jener Zeit sozialisiert worden.

    Was den Toten angeht, bin ich völlig ratlos - ich vermute mal, dass die Leute der amerikanischen Basis sehrwohl wissen, wer der Ermordete ist. Dafür war die Situation mit Colonel Rosenblum zu seltsam, zu aufgesetzt.

    Es wird ja wohl nicht jeder in der Basis befragt worden sein. Das ist gleich von höherer Stelle abgewiegelt worden. Wenn man da tiefer gebohrt hätte, was wohl nicht zugelassen worden wäre, dann wäre vielleicht auch etwas rausgekommen.

  • Es zeigt daher auch irgendwie, dass Begriffe einfach nur Begriffe sind - erlebt zum Beispiel HEUTZUTAGE bei so mancher Beisldiskussion, in der ein Rasssist dann fürchterlich abwertend die Bezeichnung "Schwarzer" verwendet. Ein großes Thema und ein sehr diffiziles.

    Das Schlimme ist, egal welchen Begriff man verwendet, er kann immer rassistisch rüberkommen, weil auch der Ton die Musik macht. Jeder Begriff, den ich verwende, stellt auch immer etwas Abgrenzendes dar. Eine schwierige Sache, vor allem, das es immer mehr Leute gibt, die mehr als politisch korrekt sein wollen. Um nicht anzuecken, sagt man lieber gar nichts mehr. Wenn ich da an den Shitstorm denke, bloß weil eine Politikerin gesagt hatte, dass sie als Kind gerne Indianerhäuptling geworden wäre.

  • Es wird ja wohl nicht jeder in der Basis befragt worden sein. Das ist gleich von höherer Stelle abgewiegelt worden. Wenn man da tiefer gebohrt hätte, was wohl nicht zugelassen worden wäre, dann wäre vielleicht auch etwas rausgekommen.

    Den Eindruck habe ich auch, dass ein tiefer bohren gar nicht zugelassen worden wäre.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Das Schlimme ist, egal welchen Begriff man verwendet, er kann immer rassistisch rüberkommen, weil auch der Ton die Musik macht. Jeder Begriff, den ich verwende, stellt auch immer etwas Abgrenzendes dar. Eine schwierige Sache, vor allem, das es immer mehr Leute gibt, die mehr als politisch korrekt sein wollen. Um nicht anzuecken, sagt man lieber gar nichts mehr.

    ... und damit haben die braun Angehauchten eigentlich gewonnen, weil immer mehr Begriffe als politisch unkorrekt erklärt werden, wenn sie von denen missbraucht werden.

    Liebe Grüße

    Karin

  • die mehr als politisch korrekt sein wollen

    Ganz schlimm finde ich in diesem Zusammenhang etwa auch, wenn man bei Neuauflagen in alte literarische Texte eingreift ...

    Ja, dann fällt oftmals das Authentische passend zur Entstehungszeit weg und auch die Entwicklung seither, die dadurch erkennbar wird.

    Liebe Grüße

    Karin

  • ... und damit haben die braun Angehauchten eigentlich gewonnen, weil immer mehr Begriffe als politisch unkorrekt erklärt werden, wenn sie von denen missbraucht werden.

    Irgendwie sollte man also die Strategie ändern, wenn ich auch noch nicht weiß, in welcher Form ...

  • ... und damit haben die braun Angehauchten eigentlich gewonnen, weil immer mehr Begriffe als politisch unkorrekt erklärt werden, wenn sie von denen missbraucht werden.

    Irgendwie sollte man also die Strategie ändern, wenn ich auch noch nicht weiß, in welcher Form ...

    Dazu fällt mir auch nichts ein, aber ich habe den Eindruck, dass die Spirale enden sollte.