Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 22 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Melanie Metzenthin.

  • Ein liebes Hallo in unsere kleine Runde und liebe Melanie, auch ein herzliches Hallo an dich. Ich freue mich, dass es jetzt los geht.


    Bevor ich mit dem lesen begonnen hatte, habe ich mir meine Zusammenfassung von Band 2 durchgelesen, weil ich ein wenig bange war, ob ich mich noch an alles erinnern werde.

    Aber die Befürchtung war völlig umsonst, denn ich hatte schnell wieder alles aus meinem Hinterstübchen:) nach vorne holen können. Und Melanie hat genug Rückblicke mit einfließen lassen.


    Wahnsinn wie groß die Kinder geworden sind und wie sie sich entwickelt haben. Wobei wir im Moment noch mehr von Rudi erfahren. Mir kommt es so vor als wenn er der Rebell in der Familie geworden ist. Zwischen ihm und Paul herrschen ja ordentlich Spannungen. Da ist Martha mehr oder weniger die Vermittlerin. Ich musste echt schmunzeln als sie das Gespräch mit Paul geführt hat, dass er doch Bitteschön das Aufklärungsgespräch mit den Jungs zu führen hat. Da sprach die Krankenschwester aus ihr, die gleich an alle möglichen Krankheiten und Folgen dachte.

    Gespräche, Väter mit Söhnen und Mütter mit Töchtern. Wie sich die Zeiten doch geändert haben. Ich habe damals die Aufklärung bei unserem Sohn, heute 33 Jahre, übernommen. Ich war sogar das erste Mal mit ihm Kondome kaufen:D Doch Paul hat das besagte Gespräch mit Rudi geführt und er hat die richtigen Worte gefunden. Hach, ich musste echt lachen. Aber es wirkt hoffentlich, denn so ganz ist das nicht an Rudi vorbeigegangen.

    Fredi scheint ein ruhiger Vertreter zu sein und Ella mit ihren 13 , da lasse ich mich noch überraschen, haben nicht nicht viel von ihr gelesen.


    Die Hyperinflation hat so viele in große Not gebracht, sogar bei Paul und Martha sind sämtliche Ersparnisse weg.

    Das stelle ich mir so schlimm vor ich jammere jetzt schon, wie teuer alles geworden ist. Aber das ist im Vergleich zur damaligen Zeit echt lächerlich.


    Wow, Heinrich ist jetzt Kapitän und hat das Privileg seine Familie auf seinen Fahrten mitzunehmen. Da stellte sich mir gleich die Frage, ob es für den neunjährigen Arthur keine Schulpflicht gab. Aber die Frage hat sich dann später aufgeklärt. Welche Entwicklung Li Ming gemacht hat, freut mich besonders.

    Hab dann auch noch nach dem Kantō- Erdbeben gegoogelt, dass war aber richtig schlimm. Schön das die Kapitäne der drei Schiffe zusammengehalten haben und die Politik beiseite ließen. Warum können nicht auch andere so handeln?


    Hat es wirklich diese Taten wie Vergewaltigungen, als die Franzosen im Ruhrgebiet waren, gegeben? Das scheint auch so ein Phänomen zu sein, dass der Eroberer die Feinde vergewaltigt, sie unterdrückt und misshandelt.


    Das die Freundschaft von Paul und Moritz sich so gefestigt und gehalten hat finde ich toll. Moritz ist sowieso schon immer mein heimlicher Held. Sein Bruder Joseph hat sich auch prächtig entwickelt;) gewusst wie. Vom Bordellbesitzer zum angesehenen Geschäftsmann.

    Was ich total interessant fand, war der Besuch von Paul und Moritz im Museum von Friedrich. Melanie hat es geschrieben und ich fand Friedrich seine Einstellung auch ganz schön radikal. Den Ansatz finde ich gut, doch die Vermittlung des Themas sollte Friedrich anders angehen.


    Eberhard sein Schicksal, so wie von massenhaft anderen Veteranen, ist einfach nur fürchterlich. Sie haben für das Vaterland gekämpft und werden jetzt vergessen. Sollen sogenannte Umschulung zum Korbflechter machen und bekommen dann keine Bezüge mehr. Gut das es da Martha und vor allem Moritz gibt, der gut auf Eberhard Einfluss nehmen konnte. Und Joseph wird bestimmt auch noch einiges dazu beitragen.


    Ich war richtig traurig, musste Karl sterben? So ein Infarkt war zur damaligen Zeit echt ein Todesurteil. Das die Wohnungsauflösung schlimmer als die Beisetzung war, kann ich gut nachvollziehen. Die ganzen Erinnerungen die da auf einen einströmen, können einen echt umhauen und die Trauer noch verstärken. Wirklich schade ich hab Karl immer als Stützpfeiler der Familie gesehen.


    Dr. Wehmeyer und Professor Liebknecht sind ebenfalls wieder dabei, was mir gut gefällt. Die sind auch nicht wegzudenken.


    Nicht zu vergessen Carola und die Kinder und ihre Tätigkeit als Journalistin. Gemeinsam mit Martha war sie in München um den Prozessstart zu verfolgen. Unglaublich das Hitler einen stundenlangen Monolog führen durfte.

    Lida hat früh erkannt, dass Hitler nicht gut ist. Was mich da noch interessiert, konnten einfache Bürger/in einen Antrag auf Ausweisung für nicht Deutsche stellen?

    Was mich ein wenig gewundert hat, dass man , so wie Lida und Anita damals schon zum Vegetarier geworden ist. Ich meine das wegen dem Mangel an allem, da wäre ich über jede Form von Essen dankbar gewesen.


    Nun bin ich mit meinen ersten Eindruck fertig obwohl bestimmt noch einige Details fehlen, die ich hätte erwähnen können. Aber dann artet das aus^^

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Wie schön, wieder eine Leserunde mit euch zu machen :-) - das ist hier immer mein Highlight im vertrauten Kreise.

    Doch Paul hat das besagte Gespräch mit Rudi geführt und er hat die richtigen Worte gefunden. Hach, ich musste echt lachen. Aber es wirkt hoffentlich, denn so ganz ist das nicht an Rudi vorbeigegangen.

    Fredi scheint ein ruhiger Vertreter zu sein und Ella mit ihren 13 , da lasse ich mich noch überraschen, haben nicht nicht viel von ihr gelesen.

    Ja, in der ersten Hälfte hat Rudi sehr viel Raum, aber das wird sich noch ändern - später, je älter sie werden, treten auch Fredi und Ella stärker in den Fokus.

    Hab dann auch noch nach dem Kantō- Erdbeben gegoogelt, dass war aber richtig schlimm. Schön das die Kapitäne der drei Schiffe zusammengehalten haben und die Politik beiseite ließen. Warum können nicht auch andere so handeln?

    Das Schiff Wester ist sogar als Rettungsschiff historisch belegt - natürlich mit einem anderen Kapitän. :-)

    Hat es wirklich diese Taten wie Vergewaltigungen, als die Franzosen im Ruhrgebiet waren, gegeben?

    Ja, da gab es Vergewaltigungen und Misshandlungen und später auch Todesurteile - die Franzosen waren ja noch vom 1. Weltkrieg voller Hass auf die Deutschen, weil der 1. Weltkrieg Frankreich stärker verwüstet hatte, als es später der 2. WK tun sollte (da wurden sie ja schnell besetzt und es gab kaum Bomben), sodass der 1. WK das größere Trauma für die Franzosen ist, während die Deutschen den heute fast vergessen haben, weil der 2. WK alles in den Schatten stellte. Der Hass entlud sich dann auch durch solche Taten und die wurden natürlich propagandistisch ausgeschlachtet.

    Das die Freundschaft von Paul und Moritz sich so gefestigt und gehalten hat finde ich toll. Moritz ist sowieso schon immer mein heimlicher Held. Sein Bruder Joseph hat sich auch prächtig entwickelt ;) gewusst wie. Vom Bordellbesitzer zum angesehenen Geschäftsmann.

    Was ich total interessant fand, war der Besuch von Paul und Moritz im Museum von Friedrich. Melanie hat es geschrieben und ich fand Friedrich seine Einstellung auch ganz schön radikal. Den Ansatz finde ich gut, doch die Vermittlung des Themas sollte Friedrich anders angehen.

    Moritz mag ich auch sehr gern und auch die Freundschaft zu Paul, die ja unter schlimmen Bedingungen im 1. WK geschmiedet wurde - aber beide haben sich mit ihren Narben und Einschränkungen arrangiert. Ich habe mich sehr eng an Ernst Friedrichs Autobiografie gehalten, was seine Sichtweisen anging. Die waren wirklich radikal-pazifistisch.

    Ich war richtig traurig, musste Karl sterben? So ein Infarkt war zur damaligen Zeit echt ein Todesurteil. Das die Wohnungsauflösung schlimmer als die Beisetzung war, kann ich gut nachvollziehen. Die ganzen Erinnerungen die da auf einen einströmen, können einen echt umhauen und die Trauer noch verstärken. Wirklich schade ich hab Karl immer als Stützpfeiler der Familie gesehen.

    Das ist das Problem, wenn Romanfiguren altern. Er war ja schon 67 Jahre alt und das war für die damalige Zeit schon ein ganz ordentliches Alter, zumal man beim Herzinfarkt nicht viel tun konnte.

    Unglaublich das Hitler einen stundenlangen Monolog führen durfte.

    Lida hat früh erkannt, dass Hitler nicht gut ist. Was mich da noch interessiert, konnten einfache Bürger/in einen Antrag auf Ausweisung für nicht Deutsche stellen?

    Was mich ein wenig gewundert hat, dass man , so wie Lida und Anita damals schon zum Vegetarier geworden ist. Ich meine das wegen dem Mangel an allem, da wäre ich über jede Form von Essen dankbar gewesen.

    Das, was ich über Lida Heymann geschrieben habe, ist alles korrekt - ihre Lebensgefährtin Anita Augspurg hat sogar einen eigenen Bauernhof bewirtschaften lassen - sie waren sehr ökologisch. Und Anträge, einen Ausländer, der unangenehm auffällt, ausweisen zu lassen, durfte jeder stellen - aber ob das klappte, war eine andere Frage. Auch das ist historisch belegt. Hinsichtlich des Hitler-Prozesses - das lief wirklich so ab. Hier mal die Original-Aussagen aus dem Prozess, falls es euch interessiert. Da habe ich natürlich einiges gerafft. http://www.kurt-bauer-geschich…2009/06_Hitlerprozess.pdf

  • Ja ich weiß und genau das mag ich so an deinen Büchern, deine RechercheArbeit ist immer enorm. Und wie du das dann immer einbaust ist erstklassig und spannend zu gleich. Man wird nur schlauer dadurch:)

    Danke für den Link, war interessant.

    Schmunzeln musste ich übrigens auch über Martha ihre Gedanken bezüglich auf Hitlers Stimme. Wenn ich mir Dokumentationen vom zweiten Weltkrieg anschaue, geht es mir da immer wie Martha. Auch über den Bart grübel ich jedes Mal, wie er auf die Idee gekommen ist.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Schmunzeln musste ich übrigens auch über Martha ihre Gedanken bezüglich auf Hitlers Stimme. Wenn ich mir Dokumentationen vom zweiten Weltkrieg anschaue, geht es mir da immer wie Martha. Auch über den Bart grübel ich jedes Mal, wie er auf die Idee gekommen ist.

    Als ich noch ein Kind war, gab es im 3. Programm oft diese alten deutschen Wochenschauen "vor 40 Jahren" hieß das damals. Da habe ich zum ersten Mal Hitler gesehen und nannte ihn - ehe ich wusste, wer das ist - den kleinen Schreihals. Mein Vater hat sich köstlich amüsiert und meinte, ich hätte den Mann auf Anhieb richtig eingeschätzt. Wir haben uns über den auch immer lustig gemacht. Mein Vater sagte, er hätte als Kind (Jahrgang 1932) auch ständig an Charlie Chaplin denken müssen, wenn er diesen Bart sah.

  • Hallo ihr Lieben,


    nun habe ich auch den ersten Abschnitt beendet; ich bin natürlich sehr gut in die Handlung gekommen und habe mich über das Wiedersehen mit unseren liebgewonnenen Charaktere gefreut. Auch wenn Rudis Entwicklung etwas ernüchternd ist, aber Melanie hat uns dazu ja schon in der letzten Leserunde vorgewarnt ^^


    Das Buch startet mitten in der Wirtschaftskrise und Inflation von 1923: obwohl auch die Studts ihre Ersparnisse verlieren, geht es ihnen immer noch verhältnismäßig gut, auch wenn keine teuren Weihnachtsgeschenke möglich sind, aber sie sind glücklicherweise noch weit davon entfernt, Suizidgedanken aufgrund der Auswegslosigkeit entwickeln zu müssen.

    Wir können uns das gar nicht vorstellen, innerhalb welch unglaublicher Zeit die Preise damals in die Millionen für einfachste Grundnahrungsmittel gestiegen sind.

    Umso grotesker wirkt es, wenn Rudi mit seinen Freunden um die Häuser und durch die Kneipen zieht, um das Leben in vollen Zügen und mit viel Alkohol zu genießen :rolleyes:


    Aufschlussreich ist auch die Erwähnungen der hasserfüllten Spannungen zwischen Deutschen und Franzosen, sogar Paul hat inzwischen eine starke Abneigung gegen den französischen Nachbarn. Glücklicherweise waren die Alliierten nach dem 2. Weltkrieg gescheiter und haben Deutschland eine Chance gegeben, statt uns nur spüren zu lassen, dass wir für den ganzen Schlamassel verantwortlich waren. Diese unglaublichen Reparationszahlungen oder auch das im Buch beschriebene Verhalten der Franzosen war natürlich dann Wasser auf die Mühlen der Nazis.

    Allerdings muss man dabei erwähnen, dass die Reichsgründung von 1871 in Versailles ebenfalls keine wohlüberlegte Handlung war und den Hass der Franzosen auf die Deutschen damals angeheizt hat.


    Wie man es richtig macht, zeigen dagegen die drei Kapitäne, unter ihnen Heinrich, die nach dem Erdbeben ohne Ressentiments einfach nur geholfen und dabei an einem Strang gezogen haben :thumbup:


    1923 - das Jahr des Hitlerputsches ... noch gelingt ihm nicht der Griff nach der Macht, aber Lidas und Anitas Hoffnungen, dass der Schreihals ausgewiesen werden könnte, erfüllt sich leider nicht.


    Es sind wieder diese vielen historische Details und auch die unbekannten Details, wie das schwarz-weiß-rote Toilettenpapier der Marke "Siegreich", die mich wieder begeistern.


    Dass Moritz wieder so gut ins Leben zurückgefunden hat, freut mich natürlich auch ganz besonders, auch wenn er natürlich den Vorteil hat, einen reichen Bruder zu haben, der alles für ihn tut. Aber Moritz ruht sich nicht darauf aus, sondern greift begeistert die Idee auf, anderen Kriegsversehrten eine Zukunft zu ermöglichen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit Erhard Schramm weitergehen wird.


    Karl Westphal ist tot ;(;( Es war zwar klar, dass er nicht ewig leben wird, aber lesen möchte man es trotzdem nicht. Tröstlich war ein wenig, dass alle seine Liebsten bei ihm waren und er sogar nochmal Maximilian sehen durfte.


    Rudi, tja, was will man da sagen - mich wundert es jedenfalls nicht, dass Paul ziemlich wütend ist. Marthas Abgeklärtheit dagegen verwundert mich etwas, auch wenn sie in der Vergangenheit oft genug abgeklärt reagiert hat. Aber evtl. will sie sich gar nicht allzu sehr mit dem Thema beschäftigen, nach dem Motto, das wird hoffentlich bald vorübergehen - vor allem jetzt, nachdem sie der Tod ihres Vaters so runterzieht.


    Bei Pauls Standpauke gegenüber Rudi musste ich aber auch lachen, das war herrlich :D

    Liebe Grüße

    Karin

  • Was ich total interessant fand, war der Besuch von Paul und Moritz im Museum von Friedrich. Melanie hat es geschrieben und ich fand Friedrich seine Einstellung auch ganz schön radikal. Den Ansatz finde ich gut, doch die Vermittlung des Themas sollte Friedrich anders angehen.

    Genauso geht es mir auch, ich denke auch, dass er damit zu viele Leute vor den Kopf stoßen wird, auch wenn er eigentlich recht hat.


    Das die Wohnungsauflösung schlimmer als die Beisetzung war, kann ich gut nachvollziehen.

    Das hatte dann so was endgültiges.


    Was mich ein wenig gewundert hat, dass man , so wie Lida und Anita damals schon zum Vegetarier geworden ist. Ich meine das wegen dem Mangel an allem, da wäre ich über jede Form von Essen dankbar gewesen.

    Der kleine Schreihals war ja auch Vegetarier :cursing:


    Ja, da gab es Vergewaltigungen und Misshandlungen und später auch Todesurteile - die Franzosen waren ja noch vom 1. Weltkrieg voller Hass auf die Deutschen, weil der 1. Weltkrieg Frankreich stärker verwüstet hatte, als es später der 2. WK tun sollte (da wurden sie ja schnell besetzt und es gab kaum Bomben), sodass der 1. WK das größere Trauma für die Franzosen ist,

    Das kam noch dazu.


    Hier mal die Original-Aussagen aus dem Prozess, falls es euch interessiert. Da habe ich natürlich einiges gerafft. http://www.kurt-bauer-geschich…2009/06_Hitlerprozess.pdf

    Vielen Dank für den Link, den werde ich mir in Ruhe mal durchlesen.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Wie schön, dass du so gut reingekommen bist.

    Ja, in diesem 3. Band werden einige der liebgewonnenen Figuren uns aus Altersgründen irgendwann verlassen müssen (und einen Krieg gibt es ja auch noch ... ). Aber wichtig ist mir auch, dass unsere Helden auch Spaß haben - das Leben ist ja mehr als eine Aneinanderreihung geschichtlicher Dramen, auch wenn Martha wirklich großes Pech hat, in welche Zeiten sie hineingeboren wurde. Zum Glück weiß sie das noch nicht.


    Aufschlussreich ist auch die Erwähnungen der hasserfüllten Spannungen zwischen Deutschen und Franzosen, sogar Paul hat inzwischen eine starke Abneigung gegen den französischen Nachbarn. Glücklicherweise waren die Alliierten nach dem 2. Weltkrieg gescheiter und haben Deutschland eine Chance gegeben, statt uns nur spüren zu lassen, dass wir für den ganzen Schlamassel verantwortlich waren. Diese unglaublichen Reparationszahlungen oder auch das im Buch beschriebene Verhalten der Franzosen war natürlich dann Wasser auf die Mühlen der Nazis.

    Allerdings muss man dabei erwähnen, dass die Reichsgründung von 1871 in Versailles ebenfalls keine wohlüberlegte Handlung war und den Hass der Franzosen auf die Deutschen damals angeheizt hat.

    Ja, das hat sich hochgeschaukelt - 1871 machte den Anfang. Der Friedensvertrag von Versailles selbst war aber noch nicht mal das Hauptproblem. Das Hauptproblem war dann tatsächlich die völkerrechtswidrige Ruhrbesetzung. Das Rheinland war ja schon besetzt, aber es gab eben auch noch einen Teil, der unbesetzt war - und nicht besetzt werden durfte. Die Engländer und Amerikaner haben auch Protest erhoben, aber die Belgier und Franzosen hat das nicht geschert. Das wiederum gab den Deutschen das Gefühl, doppelt ungerecht behandelt zu werden. Der Einmarsch der Franzosen und Belgier war das eine, aber dass Amerikaner und Engländer zwar sagten, dass das völkerrechtswidrig ist, aber nichts dagegen taten, während GB im 1. WK Deutschland den Krieg erklärte, weil Deutschland durch das neutrale Belgien marschierte und es besetzte, um Frankreich anzugreifen, aber jetzt wird nichts getan, das wird so hingenommen, das war wirklich bitter. Und das raubte den Deutschen auch das Vertrauen in Verträge.

    1925 hat Stresemann als kluger Politiker dann dieses Problem gelöst - nachdem er zunächst schon mal die Währungsreform in die Wege geleitet hat. Das war der Vertrag von Locarno. https://de.wikipedia.org/wiki/Vertr%C3%A4ge_von_Locarno

    Das Problem war, dass Hitler diese Verträge später kündigte und von Diplomatie keine Ahnung hatte - wie man schon daran sieht, dass er einen Putsch versucht, während andere Leute erst mal die Hyperinflation beseitigen wollen. Hätte Hitler damals Erfolg mit dem Putsch gehabt, wäre er vermutlich schnell wieder abgesägt worden, weil er die Hyperinflation nicht hätte beseitigen können - dazu fehlte ihm der Überblick - wie in so vielen Dingen.

    Wie man es richtig macht, zeigen dagegen die drei Kapitäne, unter ihnen Heinrich, die nach dem Erdbeben ohne Ressentiments einfach nur geholfen und dabei an einem Strang gezogen haben :thumbup:

    Ja, das funktionierte auch noch - der Einsatz der Weser ist ja, wie ich schon weiter oben schrieb, historisch belegt.

    Rudi, tja, was will man da sagen - mich wundert es jedenfalls nicht, dass Paul ziemlich wütend ist. Marthas Abgeklärtheit dagegen verwundert mich etwas, auch wenn sie in der Vergangenheit oft genug abgeklärt reagiert hat. Aber evtl. will sie sich gar nicht allzu sehr mit dem Thema beschäftigen, nach dem Motto, das wird hoffentlich bald vorübergehen - vor allem jetzt, nachdem sie der Tod ihres Vaters so runterzieht.


    Bei Pauls Standpauke gegenüber Rudi musste ich aber auch lachen, das war herrlich :D

    Marthas Abgeklärtheit muss man sich auch mit ihrer Vorgeschichte erklären - sie weiß ja, was so üblich war in den ärmsten Kreisen, in denen sie aufgewachsen ist und wie junge Männer ticken. Hauptsache, Rudi passt auf, dass kein "Malheur" passiert. Paul ist da vermutlich energischer. Man wird später noch erfahren, warum.

  • Liebe Melanie, liebe Mitleserinnen...


    Mittlerweile hab ich auch den ersten Abschnitt gelesen. Ich hab länger gebraucht, weil ich das Buch erst verspätet abholen konnte.

    melanie Danke für das Buch!


    Ich hatte ja zu Beginn Bedenken, ob ich mich noch an alles oder zumindest an alles wichtige aus den vorangegangenen Büchern erinnern kann, aber Melanie macht es einem ja richtig leicht, sofort wieder den Anscchluss zu finden. Rückblenden und Hinweise erleichtern alles und aktivieren die Erinnerungen.


    Auch diesmal finde ich die Hinweise auf die aktuelle politische Lage überaus interessant - ich gebe zu, dass ich mich da nicht wirklich auskenne (und somit einige Zeit damit verbringe im net nachzulesen:) Seit wann gibt es eine Impfung gegen Polio - tatsächlich erst 1960;(....)

    Gibt es eigentlich auch Statistiken zur Selbstmordrate in diesen Jahren, die so viele Menschen wirtschaftlich ruiniert haben und ihnen alles genommen haben, was sie sich ein Leben lang erarbeitet haben?


    Was das Anti-Kriegsmuseum angeht muss ich mich erst schlau machen - ich vermute, auch das hat es tatsächlich so gegeben. Ich finde den Gedanken faszinierend, dass sich damals Menschen so gegen all diese Verherrlichung gestellt haben, die ja trotz allem noch immer weit verbreitet war.


    1 Dollar = 631 Milliarden Mark.... das kann man sich gar nicht vorstellen....


    Mir gefällt natürlich auch Marthas Sensibilität, mit der sie zum Beispiel mit Erhard Schramm umgeht - nicht alle, die helfen wollen, sind so!


    Und dann ist da noch die Geschichte um Rudi... der entwickelt sich ja sehr selbständig. Sicherlich in eine Richtung, die von seinen Eltern nicht gerade gut geheißen werden kann. Marthas Reaktion ist zumindest cool.

    Ich fürchte... ich wäre nicht so ruhig und überlegt geblieben...


    Auf alle Fälle bin ich wieder gut in diese Geschichte gekommen...


    Und jetzt freu ich mich auf die Diskussionen... die sind ja immer interessant!:)

    Vernunft, Vernunft...

  • Die Hyperinflation hat so viele in große Not gebracht, sogar bei Paul und Martha sind sämtliche Ersparnisse weg.

    Das stelle ich mir so schlimm vor ich jammere jetzt schon, wie teuer alles geworden ist. Aber das ist im Vergleich zur damaligen Zeit echt lächerlich

    Das hab ich mir auch gedacht: heute sind die Probleme im Vergleich zu damals richtig lächerlich. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn auf einmal alle Ersparnisse weg wären, ein ganzes Leben, das man sich aufgebaut hat, nicht mehr finanzierbar und alles weg... weil Politik etc andere Interessen verfolgen....


    Hab dann auch noch nach dem Kantō- Erdbeben gegoogelt, dass war aber richtig schlimm.

    Auch etwas völlig unbekanntes für mich! Lesen bildet ungemein!;)


    Dass Du Karl sterben lassen hast liebe Melanie Metzenthin finde ich jetzt nicht so nett von Dir...

    Wenigstens konnten sich seine Kinder von ihm verabschieden und wenigstens hat Heinrich Max mit reingeschmuggelt. Das fand ich wirklich klug von ihm.



    Das Schiff Wester ist sogar als Rettungsschiff historisch belegt - natürlich mit einem anderen Kapitän.

    Das ist total interessant - da muss ich jetzt gleich wieder recherchieren. Danke für den Hinweis!

    Vernunft, Vernunft...

  • Hinsichtlich des Hitler-Prozesses - das lief wirklich so ab. Hier mal die Original-Aussagen aus dem Prozess, falls es euch interessiert. Da habe ich natürlich einiges gerafft. http://www.kurt-bauer-geschich…2009/06_Hitlerprozess.pdf

    Danke für diesen Hinweis - das muss ich mir wirklich in Ruhe zu Gemüte führen!


    Es läuft wie auch in den vorangegangenen Leserunden mit Dir Melanie Metzenthin - so viel zusätzliche Infos und alles zusammen extrem interessant! Danke!

    Vernunft, Vernunft...

  • Ich freue mich auch, dass du dabei bist. DagEcks hat sich gemeldet, dass sie im Augenblick aufgrund eines Trauerfalls nur langsam zum Lesen kommt. Also sind wir alle an Bord.


    Gibt es eigentlich auch Statistiken zur Selbstmordrate in diesen Jahren, die so viele Menschen wirtschaftlich ruiniert haben und ihnen alles genommen haben, was sie sich ein Leben lang erarbeitet haben?

    Statistiken dazu habe ich nicht gefunden, soll aber sehr weit verbreitet gewesen sein. Es gab ja kein soziales Netz wie heute. Wer nicht selbst vorgesorgt hatte, landete im Armenhaus. Es gab zwar eine Rentenversicherung, aber man musste 30 Jahre eingezahlt haben, um dann mit 70 (!) eine Rente zu bekommen. Arbeitslosenversicherung wurde erst 1927 eingeführt.

    Was das Anti-Kriegsmuseum angeht muss ich mich erst schlau machen - ich vermute, auch das hat es tatsächlich so gegeben. Ich finde den Gedanken faszinierend, dass sich damals Menschen so gegen all diese Verherrlichung gestellt haben, die ja trotz allem noch immer weit verbreitet war.

    Ich habe mich da von seiner Autobiografie inspirieren lassen. Die ist wirklich lesenswert, daraus habe ich die Beschreibung des Museums, was da ausgestellt war und wie er selbst so dachte und argumentierte, gezogen. https://www.amazon.de/Vom-Frie…icht-ebook/dp/B00GH0AOVW/

    Dass Du Karl sterben lassen hast liebe Melanie Metzenthin finde ich jetzt nicht so nett von Dir...

    Wenigstens konnten sich seine Kinder von ihm verabschieden und wenigstens hat Heinrich Max mit reingeschmuggelt. Das fand ich wirklich klug von ihm.

    Na ja, er ist immerhin 67 Jahre alt geworden. Mein Opa starb 1976 mit 69 Jahren am Herzinfarkt - für die Zeit ist Karl also durchaus noch lange dabei gewesen, vor allem, wenn man sich auch überlebt, dass er ja nicht immer gesund gelebt hat.

    Und Äffchen Maximilian hat es auch gut bei Heinrich - da kommt er dann auch noch mal um die Welt ;-)

    Das ist total interessant - da muss ich jetzt gleich wieder recherchieren. Danke für den Hinweis!

    Die Weser (nach dem Fluss, ich hatte mich oben vertippt), habe ich in einer Broschüre des Norddeutschen Lloyd gefunden. Ich habe hier mal einen kleinen Screenshot mit der Information angehängt.

  • auch wenn Martha wirklich großes Pech hat, in welche Zeiten sie hineingeboren wurde. Zum Glück weiß sie das noch nicht.

    Das ist echt ein Segen, sonst könnte man schon vorher verzweifeln, wenn man wüsste, was auf einen zukommt.


    Hätte Hitler damals Erfolg mit dem Putsch gehabt, wäre er vermutlich schnell wieder abgesägt worden, weil er die Hyperinflation nicht hätte beseitigen können - dazu fehlte ihm der Überblick - wie in so vielen Dingen

    Der hatte echt so einen Dusel, wie er sich all die Jahre durchlaviert hat und immer mächtiger wurde. Auch sein "Glück" bei all den Attentatsversuchen.


    Ich hatte ja zu Beginn Bedenken, ob ich mich noch an alles oder zumindest an alles wichtige aus den vorangegangenen Büchern erinnern kann, aber Melanie macht es einem ja richtig leicht, sofort wieder den Anscchluss zu finden. Rückblenden und Hinweise erleichtern alles und aktivieren die Erinnerungen.

    Ja, das hat Melanie wieder super gemacht.


    Und Äffchen Maximilian hat es auch gut bei Heinrich - da kommt er dann auch noch mal um die Welt

    Das freute mich auch sehr, dass Maximilian nochmal gut unterkommt.


    Ich habe hier mal einen kleinen Screenshot mit der Information angehängt.

    Bei dem letzten Satz muss man einfach Gänsehaut bekommen.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Wer nicht selbst vorgesorgt hatte, landete im Armenhaus. Es gab zwar eine Rentenversicherung, aber man musste 30 Jahre eingezahlt haben, um dann mit 70 (!) eine Rente zu bekommen. Arbeitslosenversicherung wurde erst 1927 eingeführt.

    Für uns heute sind das unvorstellbare Zustände, mit denen die Menschen irgendwie zurecht kommen mussten.

    Rente mit 70? Wie war die Lebenserwartung damals? Karl ist ja "nur" 67 geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lebenserwartung wesentlich höher war!

    Konnte sich so eine Rentenversicherung überhaupt jemand leisten?

    Vernunft, Vernunft...

  • Konnte sich so eine Rentenversicherung überhaupt jemand leisten?

    Die Rentenversicherung war staatlich sogar vorgeschrieben - jeder Arbeiter (Angestellte noch nicht, das kam erst später) - war schon wie heute Pflichtmitglied. Das gab es noch in keinem anderen Land auf der Welt. Man hat dann später wegen der Lebenserwartung den Renteneintritt auf 65 für Männer und Frauen gesenkt, erst Adenauer hat nach dem Krieg den Renteneintritt für Frauen auf 60 gesenkt. Dann gab es für Männer auch die Möglichkeit, wenn sie ihre Jahre voll hatten, abschlagsfrei mit 63 in Rente zu gehen. Die jetzigen Rentenaltererhöhungen auf 67 sind im Grunde nur eine Rentenkürzung, weil gerade Arbeiter nicht so lange durchhalten.

  • Eure Beiträge, Gedanken und Wahrnehmungen sind sehr spannend und interessant. Ich staune immer wieder wie wir die Dinge aufnehmen und verarbeiten.

    Wenn ich ehrlich bin, bin ich im Moment von Rudi etwas enttäuscht, aber wer weiß was dahinter steckt und ob in den vergangenen Jahren ein Wandel in Rudi stattgefunden hat.

    Ich wusste z.B. auch nicht das es eine Rentenmarkt gab. Oder über die Gerichtsverhandlung von Hitler und die Geschichte mit dem Richter. Und so wie odenwaldcollies schon geschrieben hat, die ganzen kleinen historischen Details sind interessant und machen die "Würze in der Suppe", wie man so schön sagt.

    Ich bin oft, so wie ysa am googeln um noch ein wenig mehr über diese Zeit zu erfahren.

    &quot; Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben , über die Sterne&quot;<br />- Thomas Carlyle

  • Ich wusste z.B. auch nicht das es eine Rentenmarkt gab.

    Da die Rentenmark auch mit RM wie Reichsmark abgekürzt wurde, wissen das viele Leute nicht. Im Nachwort des Buches erkläre ich das mit der Rentenmark und wie die Hyperinflation beendet wurde, dann noch mal etwas genauer.

  • Wenn ich ehrlich bin, bin ich im Moment von Rudi etwas enttäuscht, aber wer weiß was dahinter steckt und ob in den vergangenen Jahren ein Wandel in Rudi stattgefunden hat

    Das finde ich wirklich interessant! Ich bin absolut nicht von Rudi enttäuscht. Ich finde, so ein Contrapunkt zu einer perfekten Familie voller großartiger, intelligenter und netter Menschen muss einfach sein - vor allem in einer Familiengeschichte. So eine tolle Familie ist oft auch eine richtige Bürde! Aber... er wurde von diesen Menschen erzogen, sie sind sein Vorbild - deshalb bin ich überzeugt, dass er noch auf den rechten Weg zurückkehrt.

    Aber ich finde die Art seiner "Rebellion" ziemlich kreativ und mutig!

    Vermutlich sehe ich es anders, wenn es mein Sohn wäre... ;)

    Vernunft, Vernunft...

  • Ich finde, so ein Contrapunkt zu einer perfekten Familie voller großartiger, intelligenter und netter Menschen muss einfach sein - vor allem in einer Familiengeschichte. So eine tolle Familie ist oft auch eine richtige Bürde!

    Genau das ist das Problem von Rudi - es ist eine Bürde.

    Freut mich, dass du seine Rebellion kreativ findest.