Das Übel der Übersetzungen

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Es gibt 113 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Voyageur.

  • Ich muß wirklich sagen, mich würde mal eine Seite freuen oder eine Institution oder eine Gesellschaft oder was weiß ich, die über die Integrität der Übersetzungen wachte.


    Zwei Beispiele: Ich habe eine 2 bändige Ausgabe der Werke Oscar Wildes von Hanser, aber meine Freundin sagte mir schon, die auch die englischsprachige Originalausgabe hat, daß diese Ausgabe teilweise völlig frei erfunden, sinnentstellend, den Sinn ins Gegenteil verkehrend ist. Gut, bei englischen Texten kann ich das vielleicht noch nachprüfen.


    Im moment lese ich gerade mit großer Freude die Dramen Molieres. Zum Beispiel heute den Tartuffe. Als ich heute ein bißchen surfte, landete ich auf der Seite einer Rudolf Steiner Gesellschaft. Die führten ein nettes Zitat aus dem Tartuffe an, mit Quellenangabe. Nur in meiner Reklamausgabe steht es nicht. Natürlich ist es eine andere Übersetzung sein, aber es müßte wenigstens ahnbar sein, auf welches gemeinsame Original sich denn die Stelle bezieht. Nicht heraus zu finden, die Szene scheint frei erfunden zu sein.


    All das macht mich wild. Eine "besonders gelungene" Übersetzung ist zwar ganz nett, aber wichtig ist doch in erster Linie, daß eine Übersetzung den Textsinn des Originals einfach rechtschaffen wiedergibt. Ein Übersetzer muß kein Künstler sein, er muß nicht einmal besonders intelligent sein, er muß nur die Sprache kennen und einfach rechtschaffen übersetzen.


    In diesem Sinne würde ich es mir wünschen, daß eigenmächtige, sinnentstellende, frei erfunden "Übersetzungen" strafrechtlich verfolgt würden und mit einer Haftstrafe nicht unter zwei Jahren geahndet würden. Und man sollte solche Übersetzer öffentlich an den Pranger stellen.


    Im Nachwort zum Tartuffe der Reklamausgabe steht eben auch, daß verschiedene Regisseure etc., sich in der Interpretationen jegliche Freiheiten des Textes heraus nehmen ( die im französichen Originaltext natürlich nicht stehen), die sie sich mit einem deutschen Originaltext nie heraus nehmen würden. Ich rufe nach der Polizei!


    Gruß Martin


    P.S Mein Posting enthält Ironie, was man im Internet immer dazu sagen muß. Auf Wunsch teile ich auch mit, an welchen Stellen.

  • Hallo allerseits
    Hallo Marlino



    Ich muß wirklich sagen, mich würde mal eine Seite freuen oder eine Institution oder eine Gesellschaft oder was weiß ich, die über die Integrität der Übersetzungen wachte.


    Es gibt Leute, die sich Lektoren nennen. Ihre Aufgabe ist es, (literarische) Übersetzungen zu prüfen. Auf Richtigkeit, Rechtschreibung, Stil .... Es liegt an den Verlagen, solche Lektoren zu beschäftigen. Und auch da gibt es sicher welche, die ihre Arbeit gut oder weniger gut machen, vielleicht auch manchmal ein wenig abhängig von der Zeit, die ihnen bleibt und der Bezahlung.


    Zitat

    Zwei Beispiele: Ich habe eine 2 bändige Ausgabe der Werke Oscar Wildes von Hanser, aber meine Freundin sagte mir schon, die auch die englischsprachige Originalausgabe hat, daß diese Ausgabe teilweise völlig frei erfunden, sinnentstellend, den Sinn ins Gegenteil verkehrend ist. Gut, bei englischen Texten kann ich das vielleicht noch nachprüfen.


    Ich kenne Deine zitierten Bücher nicht, aber bist Du sicher, dass Deine Freundin die Inhalte besser verstehen und überprüfen kann (und Du auch) als der/die Übersetzer?


    Zitat

    Im moment lese ich gerade mit großer Freude die Dramen Molieres. Zum Beispiel heute den Tartuffe. Als ich heute ein bißchen surfte, landete ich auf der Seite einer Rudolf Steiner Gesellschaft. Die führten ein nettes Zitat aus dem Tartuffe an, mit Quellenangabe. Nur in meiner Reklamausgabe steht es nicht. Natürlich ist es eine andere Übersetzung sein, aber es müßte wenigstens ahnbar sein, auf welches gemeinsame Original sich denn die Stelle bezieht. Nicht heraus zu finden, die Szene scheint frei erfunden zu sein.


    Schreib doch mal an die Rudolf Steiner Gesellschaft und erfrage das entsprechende französische Zitat. Und dann können wir doch munter vergleichen, wer hier wie frei zitiert, übersetzt und versteht ....



    Zitat

    All das macht mich wild. Eine "besonders gelungene" Übersetzung ist zwar ganz nett, aber wichtig ist doch in erster Linie, daß eine Übersetzung den Textsinn des Originals einfach rechtschaffen wiedergibt. Ein Übersetzer muß kein Künstler sein, er muß nicht einmal besonders intelligent sein, er muß nur die Sprache kennen und einfach rechtschaffen übersetzen.


    Du scheinst Dich ja mit dem Übersetzen gut auszukennen. "Nur die Sprache kennen" .... Es gibt viele Leute, intelligente und weniger intelligente, die mit solchen Dingen ihre Schwierigkeiten haben.


    Zitat

    In diesem Sinne würde ich es mir wünschen, daß eigenmächtige, sinnentstellende, frei erfunden "Übersetzungen" strafrechtlich verfolgt würden und mit einer Haftstrafe nicht unter zwei Jahren geahndet würden. Und man sollte solche Übersetzer öffentlich an den Pranger stellen.


    Ich denke mal dies ist eine der Stellen mit Ironie. Glaube mal, dass Übersetzer, die "frei erfundene" Übersetzungen abliefern, keinen zweiten Auftrag bekommen, jedenfalls sicherlich nicht vom selben Verlag.
    Wo ich aber immer für bin: Wenn Du eine Originalausgabe und eine Übersetzung hast und beurteilen kannst, ob ein Fehler vorliegt, so mahne die entsprechende Stelle beim Verlag an. Sag, dass Du keine Lust hast, falsche Dinge zu lesen ... den Verlagen ist es schon wichtig, Bücher zu verkaufen.


    Zitat

    Im Nachwort zum Tartuffe der Reklamausgabe steht eben auch, daß verschiedene Regisseure etc., sich in der Interpretationen jegliche Freiheiten des Textes heraus nehmen ( die im französichen Originaltext natürlich nicht stehen), die sie sich mit einem deutschen Originaltext nie heraus nehmen würden. Ich rufe nach der Polizei!


    no comment



    Zitat

    Gruß Martin


    P.S Mein Posting enthält Ironie, was man im Internet immer dazu sagen muß. Auf Wunsch teile ich auch mit, an welchen Stellen.


    Gruß


    Daniela



    Edit: Ich habe mal das Zitategewirr aufgedröstelt :winken: LG nimue

    bitte wühlt bei booklooker mal in meinen Angeboten (elahub) - ich verkaufe für die Katzenhilfe Göttingen :) -

    Einmal editiert, zuletzt von nimue ()

  • Liebe Daniela,


    glaube mir, ich verstehe von diesen Dingen wirklich sehr wenig. Es würde mich außerordentlich freuen, wenn hier jemand schriebe, der mehr von diesen Dingen verstünde als ich. Es geht ja auch nicht um ein intellektuelles Verstehen, es geht um Sprachbeherrschung fremdländischer Sprachen, und da bin ich nun mal eine ausgesprochene Niete ( obwohl mein Englisch noch halbwegs passabel ist).


    Übersetzungen sind Vertrauenssache. Nun bin ich aber grundsätzlich kein sehr vertrauender Mensch. Die Auffassung: Der Lektor wirds schon richten, überzeugt mich eben nicht so recht.


    Und ist es nicht so, daß bei manchem Klassiker dann auch mal irgend so eine Übersetzung von einem Grafen von Hammel aus dem Jahre 18 hundert-schieß-mich-tot nachgedruckt wird, obwohl die vielleicht völlig steif und maniriert ist, und das Original vielleicht gar nicht?? Und wen interessiert da schon ein Lektor? Ich bin überzeugt: Harry Potter wird bestimmt hervorragend übersetzt, aber das ist ja auch ein Geschäft, wen interessiert schon der "Nachdruck" irgend eines Klassikers, den sowieso nur 499 Leute lesen?


    Wiegesagt: Wissendere Menschen als ich sind gerne dazu aufgerufen, mehr zu diesem Thema zu sagen.


    Gruß Martin

  • Jede Übersetzung ist zwangsläufig eine Interpretation. Ob die nun gut oder schlecht ist... nun... wer kann das beurteilen, wenn er das Original nicht kennt und die Sprache nicht beherrscht? Ich denke da natürlich immer sofort an die Unterschiede in den Übersetzungen des Herrn der Ringe von Carroux und Krege. Beide gehen vom gleichen Original aus und kommen zu teilweise völlig anderen Ergebnissen.


    Es fällt auch auf, dass "Massenware" oft schlampig übersetzt ist. Manchmal sind es nur kleine Fallen, in die die Übersetzer tappen (Cellphone => Telefonzelle, um nur ein Beispiel zu nennen). Manchmal hat man aber fast den Eindruck, der Text sei nur durch eine Übersetzungs-Software gejagt worden. So geschehen beim 8. Resident-Evil-Buch...

  • Hallo zusammen!


    Das leidige Übersetzungsproblem ... Hatten wir nicht schon mal einen Thread? (Allerdings nicht zum Problem des Übersetzens von Klassikern ... )


    Übersetzungen sind etwas äusserst Komplexes, und ich habe grösste Hochachtung vor den Damen und Herren, die sowas machen, meist für ein besseres Taschengeld. (Aber leben davon sollte man trotzdem!)


    Wilde mit seinen hinterfutzigen Wortspielen, Molière, der auch kein Haar besser ist ... Gerade die Komischen, Leichten sind schwer zu übersetzen.


    Insofern möchte ich schon behaupten, dass ein Übersetzer ein Künstler sein muss und hochintelligent. Er muss nicht "nur" (nur?! - Mein Gott: Das sind u.U. ein paar 10'000 Vokabeln je in Ausgangs- und in Zielsprache!) die Sprache kennen, sondern auch die Zeit (der Handlung, des Autors, seine eigene ... ) und gerade bei Klassikern einen breiten Hintergrund an Wissen haben: klassische griechische Mythologie, antike und moderne Geschichte etc. etc.


    Last but not least verlange ich von einem guten Übersetzer mehr als nur die Wiedergabe des puren Wortsinns. Sprachmelodie und -rhythmus des Originals will ich haben (oder eine gute Begründung dafür, warum ich sie nicht habe!), die Wortspiele, die u.U. neu erfunden werden müssen, dialektale Unterschiede (die z.B. im englischen Roman vieles be- und andeuten können) will ich haben, etc. etc.


    Grüsse


    Sandhofer


    PS. Kann elahub oder ein Moderator im Beitrag von gestern 22.07 Uhr die quotes richtig stellen? Das sieht zwar :geil: aus, aber ich verstehe kein Wort ... :smile:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)


  • Jede Übersetzung ist zwangsläufig eine Interpretation. Ob die nun gut oder schlecht ist... nun... wer kann das beurteilen, wenn er das Original nicht kennt und die Sprache nicht beherrscht? Ich denke da natürlich immer sofort an die Unterschiede in den Übersetzungen des Herrn der Ringe von Carroux und Krege. Beide gehen vom gleichen Original aus und kommen zu teilweise völlig anderen Ergebnissen.


    Krege und Carroux ist schon so ein Fall für sich, ein großteil der Deutschen besitzt (wahrscheinlich) die Krege-Übersetzung und
    ist damit auch ganz glücklich. Wer jedoch dem Englischen mächtig ist wird feststellen dass Carroux HdR-Fassung einfach genauer
    und näher am Original liegt (was daran liegen könnte das die Dame tatsächlich mit Tolkien sprach bevor sie zu übersetzen began).



    Für andere Länder ist es sicherlich auch kein Kinderspiel deutsche Literatur zu übersetzen. Ich denke da nur an Bücher von
    dem sprachgewaltigen T. Mann. Beispielsweise kann ich mich auch überhaupt nicht mit englischsprachigen Version von Kafkas
    "Verwandlung" anfreunden.


    MfG
    Bergman


  • Das leidige Übersetzungsproblem ... Hatten wir nicht schon mal einen Thread? (Allerdings nicht zum Problem des Übersetzens von Klassikern ... )


    Doch, hier: Übersetzungsböllerthread


    Zitat

    Insofern möchte ich schon behaupten, dass ein Übersetzer ein Künstler sein muss und hochintelligent. Er muss nicht "nur" (nur?! - Mein Gott: Das sind u.U. ein paar 10'000 Vokabeln je in Ausgangs- und in Zielsprache!) die Sprache kennen, sondern auch die Zeit (der Handlung, des Autors, seine eigene ... ) und gerade bei Klassikern einen breiten Hintergrund an Wissen haben: klassische griechische Mythologie, antike und moderne Geschichte etc. etc.


    Last but not least verlange ich von einem guten Übersetzer mehr als nur die Wiedergabe des puren Wortsinns. Sprachmelodie und -rhythmus des Originals will ich haben (oder eine gute Begründung dafür, warum ich sie nicht habe!), die Wortspiele, die u.U. neu erfunden werden müssen, dialektale Unterschiede (die z.B. im englischen Roman vieles be- und andeuten können) will ich haben, etc. etc.


    Das kann ich nur unterschreiben.


    Ich finde es auch sehr ärgerlich, wenn der Charme des Originals in der Übersetzung verlorengeht, Sprichwörter, die im Deutschen auch existieren, aber in etwas anderer Form, falsch wiedergegeben werden (wie "Sie halten hier die Festung" für "you hold the fort here" :rollen: ), sowas wie Kringels Telefonzelle ...


    Aber man darf auch nicht vergessen, dass Übersetzer häufig unter großem Zeitdruck arbeiten müssen. Und was die Qualifikation angeht, hat Sandhofer die Anforderungen schon sehr schön zusammengefasst.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Ich finde Übersetzer grundsätzlich bewundernswert. Gerade Übersetzungen z.B. von Shakespeare. Ich habe noch kein Original von ihm gelesen, weil ich mir das nicht zutraue, aber von den Übersetzungen bin ich begeistert.
    Wie kann man ein Stück so übersetzen, dass der Inhalt und Sinn bleibt, die Wortspiele bleiben und die Sprache auch noch so genial klingt.. :anbet: :anbet:


    LG, Elica

    Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.

  • Hallo allerseits


    Vielen Dank für die Aufdröselei meines Zitatengewirrs erstmal :redface: :winken:


    Martin, wie wär's wenn Du jetzt mal mit ein paar Beispielen aufwarten würdest? Nur damit wir mal wissen, worüber wir reden ....


    Wenn Du der Ansicht bist Übersetzen sei Vertrauenssache - bei welcher Arbeit, die ich von anderen machen lassse (n muss) ist das nicht so? Ich muss überall darauf vertrauen, dass der Tischler, Schlachter, Gärtner seine Arbeit gut macht. Und ich nehme an, dass wenn solche Arbeiten von Auszubildenden oder Anfängern erledigt werden, da jemand ist, der sie abnimmt.


    Schmeckt mir das Brot zweimal nicht, gehe ich danach zu einem anderen Bäcker, so einfach ist die Sache.


    Beim Übersetzen ist es ähnlich. Wenn der Auftraggeber zufrieden ist mit der Arbeit, wird er den/die Übersetzer/in wieder beschäftigen, wenn nicht dann nicht. Somit ist ein natürliches Interesse vorhanden, gute Arbeit abzuliefern.


    Und deswegen: Hast Du gravierende Fehler entdeckt, dann melde sie beim Verlag!


    Es nützt nichts, hier nicht nachprüfbare Behauptungen aufzustellen, nach Polizei und ähnlichen Einrichtungen zu rufen und dann eben denen, die überwachen, nicht zu vertrauen ....


    Dann bleibt eben nur die Möglichkeit, alle Bücher im Original zu lesen und wenn das nicht geht, sich auf deutsche Literatur zu beschränken.


    :eis:


    Daniela



    P.S. - Meine Rede ist nicht ganz so hart gemeint, wie sie sich vielleicht anhört, aber ich mag es nicht, wenn ohne einen einzigen Nachweis wilde Behauptungen aufgestellt werden und nachher heißt es "Ich habe von diesen Dingen ja keine Ahnung".


    P.P.S - Einen schönen Tag allerseits - ich gehe jetzt in der Nachbarschaft mit (mehr oder weniger) allen Nachbarn frühstücken, dann trinken, essen, essen, Kaffeetrinken ...... hoffentlich hört der Regen bald auf :))

    bitte wühlt bei booklooker mal in meinen Angeboten (elahub) - ich verkaufe für die Katzenhilfe Göttingen :) -


  • Meine Rede ist nicht ganz so hart gemeint, wie sie sich vielleicht anhört, aber ich mag es nicht, wenn ohne einen einzigen Nachweis wilde Behauptungen aufgestellt werden und nachher heißt es "Ich habe von diesen Dingen ja keine Ahnung".


    Liebe Daniela,


    Dein Posting ist wirklich ganz entzückend. Schon dieses "meine Rede", aber dann auch noch daß Dein strenger Verweis mir gegenüber "nicht ganz" so hart gemeint gewesen sei. Wirklich entzückend.


    Ich nehme aus diesem Thread mit, daß in diesem unseren Lande in Punkto Übersetzungen wirklich alles in Ordung ist. Ich hatte - ehrlich gesagt - meine Zweifel, aber gegenüber solche geballter Sachkompetenz strecke ich meine Waffen.


    Gruß Martin

  • Hallo!


    Ich nehme aus diesem Thread mit, daß in diesem unseren Lande in Punkto Übersetzungen wirklich alles in Ordung ist. Ich hatte - ehrlich gesagt - meine Zweifel, aber gegenüber solche geballter Sachkompetenz strecke ich meine Waffen.


    Alles ist sicher nicht in Ordnung - aber ohne konkrete Beispiele hängt so eine Diskussion ziemlich in der Luft ...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Interessantes Thema. Auf das "Problem" von Übersetzungen bin ich neulich bei einer Leserunde im Klassikerforum zu "Rot und Schwarz" gestoßen, bei der die drei Teilnehmer drei verschiedene Übersetzungen lasen. Im Lauf der Leserunde sind wir darauf gestoßen, dass die Übersetzungen (insgesamt gibt es wohl mehr als 20) teilweise recht stark voneinander abweichen, manchmal fehlen die Zwischentitel, einem Übersetzer war die Sprache zu knapp, so dass er sie etwas ausgeschmückt hat, ein dritter hat ganz frei mit "Rot ODER Schwarz" übersetzt...Fand ich einerseits interessant, andererseits aber auch frustrierend, weil mir (außer halbwegs bei Englisch) die Kenntnisse fehlen, die Originale zu verstehen und ich somit auf Übersetzungen angewiesen bin.


    Liebe Grüße
    Manjula

  • Das wundert mich, daß die "Der Herr der Ringe"-Übersetzung von Wolfgang Krege noch nicht erwähnt wurde. Sowas Schlechtes habe ich noch nie gelesen und am meisten ärgert mich, daß man nur noch diese als Paperback bekommt. Ebenso verhält es sich mit den Hörbüchern, es ist nichts mehr in den alten Übersetzungen zu bekommen :grmpf: Selbst meine Mutter hat es frustriert in die Ecke geworfen, bis ich ihr meine alte Paperback-Ausgabe mitgebracht habe.
    Da schließ ich mich Marlino an...der Übersetzer gehört eingesperrt oder der Verantwortliche beim Verlag.
    Wenn gewünscht, liefere ich da gern Zitate nach.


    Und weil Valentine mich da heut so hübsch drauf aufmerksam gemacht hat:


    "Was, Mr Tolkien macht sie ticken?"


    Leider habe ich das englische Original (noch) nicht, also auch keinen Vergleich, allerdings finde ich diesen Satz auch sehr niedlich, hat irgendwie was :breitgrins:

    LG Gytha<br /><br />&quot;Dieses Haus sei gesegniget&quot;

  • Die Krege-Übersetzung hat ihre eigenen Thread :breitgrins: . Oder nahezu. Auf jeden Fall wurde (und wird) sie irgendwo hier im Forum ausgiebigst diskutiert - oder sollte ich sagen: in der Luft zerrissen?

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • tztz...hätt ich mir ja eigentlich denken können :redface: "g" und dann fällt mir eben auch noch auf, daß es in diesem Thread auch schon erwähnt wurde...ähem...ich sollte mal meine Brille putzen gehen und den richtigen Thread suchen :redface:

    LG Gytha<br /><br />&quot;Dieses Haus sei gesegniget&quot;

  • Ich bilde mir ein, meine HdR-Hörbuchversion sei noch die Carroux-Übersetzung, die mir im übrigen nicht gefällt (ich gehöre zur Krege-Liebhaber-Minderheit)...

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Hallo, bin neu, stolpere eigentlich im Moment nur in der Fülle der Themen rum und deshalb vermutlich hier im Schnee von gestern. Aber da mich dieses Thema interessiert und auch häufig ärgert gebe ich, als ersten Versuch, etwas von meinem Senf in diesem alten thread dazu.


    Wesentlich älter als der Eco, aber präzise die Problematik der unendlichen Irrwege aufzeigend:
    Judith Macheiner: Übersetzen
    Eichborn Verlag, Die andere Bibliothek, Herausgeber H.M.Enzensberger


    Und das Kapitel "Übersetzen als darstellende Kunst" aus
    Dieter E.Zimmer: Deutsch und anders - die Sprache im Modernisierungsfieber
    Sachbuch rororo


    Und nun weiter beim Versuch eines Überblicks im Literaturschock

  • Apropos Wolfgang Krege... :grmpf:


    Der Mann hat nicht nur Herr der Ringe verhunzt sondern auch einen meiner Lieblingautoren Anthony Burgess...! :grmpf:
    (Clockwork Orange und beinahe noch schlimmer "Der Fürst der Phantome" welches leider auch einen sinnlosen Titel erhalten hat: das Buch heißt
    im Original sehr treffend Earhtly Powers... )


    Gruß,
    Conny

  • Ich habe schon lange das Lesen jedweder Übersetzungen aufgegeben und lese nur noch englische Originale. Das schenkt mich zwar in meiner Auswahl ein klein wenig ein, aber da ein Großteil aller Bücher eh in englisch verfasst sind, kann ich damit leben.
    Denn letztendlich verliert jedes Buch bei der Übersetzung, wenn auch bei einer guten deutlich weniger als bei einer schlechten. aber Verlust ist Verlust.

    Hier steht ein cleveres und inspirierendes Zitat!