Kristin Harmel - Das Buch der verschollenen Namen

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    Die Dokumentenfälscherin

    Dieser historische Roman von Kristin Harmel erzählt aus der Zeit de 2. Weltkrieges von einer kleinen Stadt in Frankreich. Sie wurde zu einem Symbol des Widerstands.

    Eva, eine Studentin entkommt 19420 nur knapp aus Paris. Ihr Vater war als polnischer Jude verhafte worden. Sie kommt in den kleinen Ort Aurignon, der in der unbesetzten Zone liegt. Dort lernt sie den jungen Widerstandskämpfer Remy kennen. Eva fälscht im Auftrag der Resistance Papiere für jüdische Kinder. Aber sie möchte deren wahre Identität für nach dem Krieg bewahren. Und verschlüsselt sie in einem Buch. Doch dieses Buch bedeutet plötzlich für sie große Gefahr und Rémy verschwindet.

    Dieses Buch ist inspiriert von einer wahren Geschichte über die Résistance. Ein berührendes und beeindruckendes Leseerlebnis.


    Meine Meinung

    Von dieser Autorin habe ich bisher noch nichts gelesen. Als ich den Klappentext las, wurde ich bereits neugierig, Daraufhin habe ich die Leseprobe gelesen und gemerkt, dass mir der Schreibstil der Autorin sehr zusagt. Er ist unkompliziert, so dass keine Unklarheit im Text meinen Lesefluss zu stören vermochte. Ich war schnell in der Geschichte drinnen und konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen, auch wenn ich selbst den Krieg nie erlebt habe, dem Himmel sei Dank. Trotzdem kann ich mir die Zustände damals gut vorstellen, habe ich doch schon viel darüber gelesen. Eva tat mir leid, als ihr Vater vor ihren Augen verhaftet wurde. Zum Glück war sie nicht bei ihm, denn sonst hätte sie vielleicht nicht überlebt. Aber sich die Vorwürfe ihrer Mutter anhören zu müssen, war schon genug. Sie konnte mit ihr fliehen, auch wenn die Mutter gar nicht weg wollte. Aber Eva wusste, dass ihre Mutter sofort ebenfalls verhaftet würde, sollte sie nach Paris zurückkehren. Dass sie dem kleinen Bergdorf Aurignon im Südosten Frankreichs vielen Menschen helfen konnte, machte sie irgendwie zufrieden. Doch wie lange konnte das gutgehen? Was würde passieren, wenn die Nazis auch diesen Ort besetzen würden? All dies, und was Eva alles tat und was sie alles verkraften musste, all dies kann der Leser in diesem Buch nachlesen. Was mir jedoch fehlt, und was meiner Meinung nach in jeden historischen Roman gehört ist ein Personenverzeichnis. Ein Verzeichnis, das mir sagt. Welche dieser Personen es wirklich gegeben hat, und welche fiktiv sind. Im Klappentext steht etwas von einer wahren Geschichte einer kleinen Stadt in Frankreich. Das heißt, dass es diese Stadt (vielleicht stimmt der Name nicht, dann ist es eben eine andere Stadt) die zum Symbol des Widerstands wurde wirklich gegeben hat. Vielleicht hat es ja auch die eine oder andere im Roman erwähnte Person wirklich gegeben. Ab er wen? Das hätte ich sehr gerne gewusst. Daher muss ich leider einen Stern abziehen. Denn sowas gehört einfach in einem solchen Roman dazu. Meine Meinung! Deshalb, und obwohl das Buch von Anfang an spannend war bis zum Ende, mir gut gefallen und mich gefesselt hat, empfehle ich es zwar gerne weiter, aber vergebe nur vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.


    4ratten

    Liebe Grüße

    Lerchie

    ____________________________

    nur wer aufgibt, hat schon verloren

  • Bislang habe ich noch jedes Buch von Kristin Harmel gelesen und auch dieses Mal hat mich die Autorin nicht enttäuscht! Die Figuren gelingen ihr derart gut, dass ich schon nach wenigen Seiten das Gefühl habe, sie zu kennen und regelrecht vor meinen Augen zu sehen. In „Das Buch der verschollenen Namen“ bleibt sich die Autorin ihrem Prinzip treu und erzählt die Geschichte aus zwei zeitlichen Perspektiven - eine, die 2005 spielt, und die andere, die den allergrößten Raum einnimmt, und 1942 beginnt:


    Eva entkommt nur durch einen Zufall der Pariser Verhaftungswelle im Juli 1942 durch französische Polizeibeamte und Deutsche. Ihr in Polen geborener Vater jedoch wird mit über 13.000 Jüdinnen und Juden verhaftet und kurz darauf in Drancy interniert. Die junge Frau schafft es gemeinsam mit ihrer Mutter nach Aurignon, einem pittoresken Bergdorf im noch unbesetzten Frankreich (Freie Zone später Südzone)… Schon bald lernt sie eine Handvoll Menschen kennen, die ihr klar machen, dass sie eine Gabe hat, mit der sie das Leben anderer Menschen retten kann. So beginnt Eva, ihr Talent zu nutzen und vor allem Kindern eine neue Identität zu verschaffen. Doch ist das rechtens? Wer erzählt den Kleinsten später einmal, wer sie wirklich sind und woher sie kommen? Wer schafft die Grundlage dafür, dass sie in der Zukunft ihre Familien suchen und finden können? Eva und Rémy, mit dem sie Seite an Seite arbeitet, haben eine Idee - doch diese ist ebenso gefährlich wie ihre Fälschereien selbst…


    2005 ist Eva eine alte Dame - noch sehr rüstig und vor allen Dingen mit klaren Gedanken. Doch ihre Vergangenheit lässt sie auch nach all den Jahren nicht los. Die Tatsache, dass sie ihren Ehemann und ihren Sohn über ihr früheres Leben in Frankreich gänzlich im Unklaren gelassen hat, beschäftigt sie nach einem Artikel in der New York Times sehr stark und so fasst sie einen Entschluss: sie muss zurück nach Europa, nach sechs langen Jahrzehnten.


    Dieser Roman ist nahezu von der ersten Seite an ein Pageturner. Kristin Harmel hat es wieder einmal perfekt verstanden, die Vergangenheit mit der neueren Zeit zu verweben. Eva ist mir so sehr ans Herz gewachsen - sie ist eine beeindruckende Frau, damals wie 2005. Was sie getan hat und wofür sie nie einen Dank haben wollte… mir ist klar, dass diese Figur so nicht existiert hat, aber ich weiß eben auch, dass es solche selbstlosen Menschen gab. Menschen, die alles riskiert haben, um andere zu retten - ihr Leben und ihre Identität irgendwie zu bewahren. Das alleine ist ein hell strahlendes Licht in der dunkelsten Zeit der deutschen und europäischen Geschichte.

    Möglicherweise hat mich die Tatsache, dass ich die anderen Romane Harmes kenne, ein paar Kniffe ahnen lassen - aber das hat meiner Lesebegeisterung keinen Abbruch getan.


    „Das Buch der verschollenen Namen“ ist ein anrührendes und zugleich auch spannendes Buch! Es mag nun paradox klingen, aber dieser Roman ist für mich ein Buch, bei dem ich mich wohlfühlen konnte - trotz der schrecklichen Erlebnisse, die mitunter geschildert werden und ohnehin die ganze Zeit mit im Raum stehen. Denn etliche der Figuren sind mir ans Herz gewachsen, weil sie mir zeigen, dass es auch in schlimmsten Zeiten immer Menschen gibt, die anderen Licht und Hoffnung bringen können, die mit einem unfassbaren Mut und ihrer Aufopferung für andere einstehen und tiefste Menschlichkeit beweisen.


    Der Erzählstrang 2005 ist sehr schmal gehalten, vielleicht hätte ich mir da ein paar mehr Worte gewünscht - vor allem am Ende. Angesichts der Tatsache, dass ich diesen Roman in einem Rutsch an einem Sonntag verschlungen habe, ist das aber ein minimalster Kritikpunkt.


    5ratten

    Liebe Grüße

    Tabea

  • Plädoyer für die Hoffnung


    Das Buch der verschollenen Namen, Roman von Kristin Harmel, 384 Seiten, erschienen im Knaur-Verlag.
    Ein bewegender Roman um eine mutige junge Frau, in der Zeit des zweiten Weltkriegs.
    Die Studentin Eva Traube muss 1942 mit ihrer Mutter aus Paris fliehen, nachdem ihr Vater ein polnischer Jude verhaftet wurde. In einem unbesetzten Dorf lernt sie den Widerstandskämpfer Remy kennen. Sie schließt sich der Resistance an und fälscht zusammen mit ihm Ausweispapiere für jüdische Kinder, um ihnen bei der Flucht zu helfen. Damit ihre wahre Identität nicht verloren geht, notieren sie die wirklichen Namen verschlüsselt in einem religiösen Buch, das Buch der verschollenen Namen. Als sie verraten werden müssen sie fliehen und geraten in tödliche Gefahr.
    Kristin Harmel schrieb diesen Roman, inspiriert von einer französischen Kleinstadt, die im 2. Weltkrieg ein Symbol für den Widerstand war.
    Das Buch teilt sich in 32 aufregende Kapitel, es spielt in zwei Zeitebenen. Im Ich-Stil die Erlebnisse in der Gegenwart, in der die Protagonistin das verschollene Buch wiederentdeckt. In Rückblicken und im auktorialen Erzählstil die Geschehnisse in der Vergangenheit. Die einzelnen Kapitel sind durch Monats- und Jahresangaben gekennzeichnet, somit ist es dem Leser zu jeder Zeit möglich sich in der Zeitabfolge zurechtzufinden. Ich schätze in Büchern solche Zeitwechsel, z. B. bei Rückblicken, weil sie die Spannung und die Dynamik steigern. Fremdsprachliche Ausdrücke (polnisch, französisch) sind kursiv hervorgehoben.
    Spannend von Beginn bis Ende hat es mich mitgenommen, hat die Geschichte mich fasziniert, gefesselt und davon getragen in die Zeit, die Region und die Geschichte überhaupt. Die Zustände im Lager Drancy z.B., sind so gut beschrieben dass es mir fast den Magen umgedreht hat. An Dramatik war keine Steigerung mehr möglich, bei verschiedenen Fluchtszenarien habe ich tatsächlich die Luft angehalten. Die detaillierte Beschreibung wie die gefälschten Papiere hergestellt wurden, fand ich besonders aufschlussreich. Wie die Autorin ihre Figuren in die Handlung integriert hat, war faszinierend, so authentisch glaubhaft, dass man meint, genauso wäre es auch passiert. Der Plot dieses Buches konnte mich komplett überzeugen. Die Geschichte der französischen Resistance fasziniert mich schon länger, in dem Buch „Das letzte Licht des Tages“ hat die Autorin das gleiche Thema gewählt. Es ist ein schöner Gedanke, dass es selbst in den schlimmsten Zeiten Menschen gegeben hat, die sich selbst in Gefahr brachten um anderen zu helfen. Die dramatische Spannung endet in einem überraschenden Schluss, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Ich habe gelacht, vor allem geweint und die Lektüre genossen.
    Lieblingsfigur hatte ich keine, denn im Buch kommen so viele gute und hilfsbereite Menschen vor, einer davon z.B. Erich der deutsche Soldat, Pere Clément Pfarrer von Aurignon, Madame Traveres und allen voran natürlich Genevieve, Remy und Eva. Joseph war mir von Anfang an unsympathisch und die Mutter der Protagonistin ist mir gehörig auf die Nerven gegangen, kindisch und bockig hat sie sich benommen, jedoch am Ende hat sie wahre Größe bewiesen. Alle handelten authentisch und nachvollziehbar.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen, nicht nur an Leser die sich wie ich für die französische Resistance interessieren, eine wunderschöne, traurige Liebesgeschichte ist nämlich auch noch dabei. Unbedingt 5 Sterne.

  • Eva Traube lebt mit ihrer Familie 1942 im besetzten Paris. Nachdem ihr Vater, ein polnischer Jude, verhaftet wurde, gelingt ihr gerade noch die Flucht. Sie kommt in dem kleinen Bergdorf Aurignon unter, welches in der unbesetzten Zone liegt. Dort lernt sie Rémy kennen, der im Widerstand aktiv ist. Auch Eva schließt sich der Résistance an. Sie fälscht Papiere für jüdische Kinder. Aber sie möchte die wirkliche Identität dokumentieren und legt ein verschlüsseltes Verzeichnis an - „Das Buch der verschollenen Namen“. Doch wenn diese Aufzeichnungen den falschen Leuten in die Finger fällt, wird es zur tödlichen Gefahr. Das passiert, als sie verraten werden.


    Es ist eine berührende Geschichte und der Schreibstil der Autorin ist sehr gut zu lesen. Die Geschichte beginnt im Jahr 2005, als der 85-jährigen Eva Abrams in der Bibliothek ein Zeitungsartikel in die Finger fällt. Das Bild bringt sie zurück in die Vergangenheit und veranlasst sie, nach Frankreich zu reisen.


    Die Charaktere sind sehr gut und authentisch ausgearbeitet. In dem kleinen Ort lernt Eva den katholischen Priester le Père Clément kennen. Er ist die Schlüsselfigur, die Eva mit der Résistance und mit Rémy in Kontakt bringt. Das gefällt ihrer Mutter gar nicht, die Eva für die Verhaftung ihres Mannes verantwortlich macht. Eva kann mir ihren Fälschungen unzählige Leben retten. Sie ist eine mutige junge Frau. Aber es ist auch eine Zeit, in der man niemandem vertrauen darf.


    Es ist in Kriegszeiten gefährlich für Juden und für die, welche ihnen helfen. Doch trotz der Gefahr für ihr eigenes Leben gibt es Menschen, dich sich für andere einsetzen.


    Ich lese gerne Romane, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Mir hat diese Geschichte gut gefallen, wobei ich den Handlungsstrand der Vergangenheit interessanter fand.


    Es ist ein spannender und berührender Roman.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus: