Elisabeth Herrmann - Ravna. Tod in der Arktis

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 4 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von HoldenCaulfield.

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    Schuld verjährt nicht


    Ravna Persen, eine 16-jährige Samin aus dem dem kleinen Ort Vardø im Norden Norwegens, hat große Pläne. Sie will Polizistin werden. Also macht sie in ihrem Heimatort ein Praktikum. Ihre Kollegen Mikkel, Filip, Jonas, Hanno und Sjur nehmen die „Kleine“ nicht allzu ernst. Doch gleich an ihrem ersten Tag gibt es eine Leiche. Der samische Großgrundbesitzer Olle Trygg liegt mit zwei gezielt gesetzten Messerstichen tot auf einem Opferstein. Eindeutige Zeichen in Tryygs Stiefel und ein Strich auf dem Boden lassen Ravna sofort an einem samischen Hintergrund denken. Muss sie hier gegen ihr eigenes Volk ermitteln?

    Der sehr umstrittene,exzentrische Kommissar Rune Thor macht Ravna sofort zu seiner Partnerin. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Ermittlungsreise, die Ravna ebenfalls in Gefahr bringt.



    Schon das sehr haptisch gestaltete Cover, bei dem ich die abgebildeten Eiskristalle an den Fingerkuppen zu spüren glaube, hat mich für das Buch eingenommen.


    Ich habe schon einige Krimis und Thriller von Elisabeth Herrmann gelesen. Daher war ich etwas skeptisch, als ich über dieses Buch gestolpert bin. Kann sie mich auch mit einem Jugendbuch fesseln? Aber wie das mit Herzensprojekten, wie sie es beschreibt, so ist, die werden immer besonders und sehr gut.


    Ravna ist mir ab der ersten Seite sehr sympathisch. Ein junges Mädel, dass ins kalte Wasser geworfen wird, mutig und willensstark agiert und manchmal etwas übers Ziel hinaus schießt. Das liegt in meinen Augen aber auch stark an Chef-Lensmann Rune Thor, der sich immer mal wieder ausklinkt und Ravna einfach machen lässt. Und das macht sie, wie ich finde sehr gut. Sogar ihre männlichen Kollegen kann sie mit der Zeit für sich einnehmen.


    Elisabeth Herrmann verwebt in dieser Geschichte, die in der Dunkelheit am Rande des Nordpols im November beginnt, samische Sagen, Legenden, Mythen, Bräuche und Riten, was mir sehr gut gefallen hat, mit weltlichen Problemen, wie Kindesmissbrauch und Diskriminierung, der sich ja auch Ravna immer wieder ausgesetzt sieht. Gerade die Szenen, bei denen Ravnas Urgroßmutter Léna dabei ist, haben mir sehr gut gefallen. Eine beeindruckende Frau, die mit und für ihre Herkunft lebt.


    Für mich habe ich das Buch, bei dem die Minderheit der Samen eine große Rolle spielt, in die Kategorie „leise und eindringlich“ eingeordnet. Es kommt ohne große Actionszenen aus, hat mich trotzdem sofort gefesselt. Ich habe mir nur sehr kurze Lesepausen gegönnt, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

    Besonders gut haben mir auch die wie nebenbei in die Geschichte eingeflochtenen Beschreibungen der Gegend dort oben gefallen. Die Emotionen, die bei totaler Dunkelheit aufkommen, habe ich selbst schon erfahren und erleben dürfen.


    „Ravna – Tod in der Arktis“ würde ich persönlich nicht als Thriller bezeichnen. Eher als sehr gut geschriebenen Roman mit einer jungen Protagonistin, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Mit ihr und auch mit Rune Thor würde ich sehr gerne noch öfter auf Verbrecherjagd gehen.


    5ratten

  • Danke für die Rezension, Gaby - das klingt echt spannend und ich kann mir gut vorstellen, dass ich an dem Roman auch Freude habe. :zwinker:

    :lesen: George R.R. Martin - Sturm der Schwerter

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    Titel: Ravna - Tod in der Arktis (Band 1, Ravna Reihe)

    Autorin: Elisabeth Herrmann


    Allgemein:

    464 S.; cbj, 2021


    Zitat von Amazon

    Inhalt:

    Vardø, eine kleine Stadt weit über dem Polarkreis in der Arktis. Der Mord am reichen norwegischen Waldbesitzer Olle Trygg verstört alle, auch Ravna Persen, gerade frisch als Praktikantin bei der örtlichen Polizeidienststelle gelandet. Ravna hat keinen leichten Stand bei ihren Kollegen: Sie ist eine blutige Anfängerin, sie ist eine Frau und … sie ist Samin. Keiner nimmt sie ernst, als sie am Tatort glaubt, Hinweise auf einen samischen Hintergrund der Tat zu finden – einen Strich in der Erde. Als kurz darauf der umstrittene Kommissar Rune Thor eintrifft, um den Fall zu übernehmen, spitzen sich die Konflikte zu. Doch Ravna weiß durch ihre Urgroßmutter Léna viel über die Geheimnisse der Samen – und darüber, dass der Strich auf ein uraltes Ritual hindeutet, mit dem die Wanderseelen der Toten daran gehindert werden sollen, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Wer immer die Tat begangen hat, muss dieses Geheimnis kennen.



    Vorbemerkung:
    Ich habe schon auch ein gewisses Problem damit, das die Autorin die Geschichte der Samen so stark in den Mittelpunkt stellt. Und zwar deshalb, weil sie eben keine Samin ist. Es ist immer so eine Sache wer wessen Geschichte erzählen sollte und ich finde es nach wie vor sehr schade, das wohl auch so wenig samische Autor*innen überhaupt veröffentlicht und dann auch noch ins deutsche Übersetzt werden.


    Meine Meinung:

    Ich lese Elisabeth Herrmanns Thriller die eher an ältere Teenager, junge Erwachsene richtet, total gerne (aber so ein richtiger Jugendthriller ist es meiner Meinung nach nicht). Dann las ich die Inhaltsangabe von Ravna und joa, da hatte sie mich dann mal wieder. Keine Ahnung woher das kommt, aber mein Interesse an Samischer Geschichte ist sehr hoch und ich lese einfach gerne von dieser Thematik. Und diese spielt im Hintergrund auch eine wichtige Rolle.

    Der Thriller hat dann auch alles, was ich mir erhofft hatte eingehalten. Ravna ist einfach cool und ich mochte sie sofort, ihr neuer Chef Thor ist zwar eigentlich ein ziemliches Klischee, denn Figuren mit tragischem Schicksal findet man ja gerade in nordischen Thrillern extrem häufig. Aber ich finde das die Autorin es geschafft hat, das auch ein klein wenig zu entstauben, ich mochte wie er und Ravna miteinander interagierten. Es hat einfach total Spaß gemacht, wie die junge Samin im die Stirn bietet und der Schlagabtausch zwischen den beiden war super.^^ Auch wenn ich zugebe, das Ravna dafür dass sie nur eine Praktikantin ist, schon sehr vieles machen darf, was eher unrealistisch ist. Und auch das Ravna gleich zur Superspürnase mutiert war etwas überzogen. Ehrlicherweise hat mich das hier aber nicht so sonderlich gestört. Ich denke es kommt ja auch immer darauf an, wie eine Figur dann im gesamten erzählt wird.


    Der Mordfall war meiner Meinung nach gut konstruiert und die Lösung auch sehr schlüssig und nicht an den Haaren herbeigezogen. Im Grunde war der Mord sogar eine ziemlich logische Folgerung, zumindest wenn man in der Denkweise der Person bleibt, die ihn verübt hat. Mir hat dabei besonders gefallen, das es nicht nur glaubwürdige Verdächtige gab sondern auch, dass man bei genauem Lesen durchaus auch darauf kommen konnte, wer wirklich dahinter steckt. Ich finde es manchmal sehr nervig, wenn man am Ende einen Mörder präsentiert bekommt, auf den man gar nicht kommen konnte, weil er oder sie z.B. fast gar keine Rolle in der bisherigen Handlung spielten.


    Wenn Herrmann eines gut kann, dann ist es das schaffen von Atmosphäre. Ich hatte so sehr das Gefühl mit Ravna in Norwegen zu sein und die kurzen Tage mit zu erleben. Den harten Winter mit all seinen Tücken, aber auch die kleine Polizeistation, die Menschen und überhaupt den ganzen Ort kennen zu lernen.

    Es war schon sehr interessant, wie eigentlich Ermittlungen ablaufen können, wenn es nicht richtig hell wird. Überhaupt war ich ganz und gar in der Handlung gefangen, das war einfach ein toller Schmöker zum schön darin versinken. Das Ganze soll wohl eine Reihe werden und ich freue mich tatsächlich auch darauf, mit Ravna noch weitere Fälle zu ermitteln. Klar Empfehlung meinerseits!


    4ratten

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „Elisabeth Herrmann - Ravna– Tod in der Arktis:“ zu „Elisabeth Herrmann - Ravna. Tod in der Arktis“ geändert.
  • (Dazu gibt es noch einen 1-Beitrag-Thread in der Kinder- und Jugendliteratur, HoldenCaulfield ..)

    Wenn einer, der mit Mühe kaum

    Gekrochen ist auf einen Baum

    Schon glaubt, dass er ein Vogel wär -

    So irrt sich der. (Wilhelm Busch)

  • Alice

    Danke für den Hinweis! Bei so einem Fall aber bitte in Zukunft gleich den Link mit schicken, dann ist es einfacher die Beiträge zusammen zu führen.


    Ich finde übrigens nicht das der Roman ein Jugendbuch ist, weshalb ich das ganze bei den Krimis&Thrillern belasse :)