H.P. Lovecraft - Die Ratten im Gemäuer

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Sagota.

  • Erste Geschichte unseres Leseprojektes:


    In diesem Thread dreht sich alles um die Geschichte „Die Ratten im Gemäuer“ von H.P. Lovecraft.

    Die Geschichte erschien erstmals 1924 im Magazin „Weird Tales“ unter dem englischen Originaltitel „The Rats in the Walls“. Sie gehört noch nicht zu Lovecrafts späteren Werken rund um den Cthulhu-Mythos und wird eher der klassischen Schauerliteratur zugeordnet.


    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ratten_im_Gemäuer

  • So, ich hab mir die Geschichte heute mal vorlesen lassen (Youtube), das ging ziemlich flott. Als Auftakt für ein Halloween-WE war es in Ordnung.

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    Von denen brauchen wir hier ein paar, auch wenn das nicht meiner Bewertung der Geschichte entspricht.

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Ich habe mir diese Geschichte heute auch vorlesen lassen (von Spotify) :entsetzt: Ich gehe jetzt schlafen... und habe bestimmt Albträume. :angst:Ich fand das schon mega gruselig mit den Ratten in den Gemäuern und den alten Ruinen im Untergrund.


    :boah:

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Ich bin etwas verwirrt.

    Erstmal muss ich sagen, dass ich den Ich-Erzähler gut fand, auch glaubhaft. Ich mochte es, wie die Geschichte langsam mit dieser Ahnenforschung aufgebaut wird und man nach und nach immer mehr über die Familie und das Anwesen erfährt.


    Sobald er dann aber in dem Haus wohnt, dreht die Erzählung und mir ging dann alles viel zu schnell. Jahrelang wurde in dem Haus geforscht, aber sie finden sofort den Eingang unter dem Altar? Und dann sehen sie die Leichenberge und wissen sofort im Detail, was da passiert ist; welchen Zeitaltern welche Leichen zuzuordnen sind – Engländer, Römer, Vormenschen, … Super, da hat er ja offenbar die richtigen Experten dabei gehabt, die sowas ohne nähere Untersuchung mit bloßem Auge erkennen können. 8o Auch wenig überzeugend, dass unser Protagonist der Katze ins Dunkle nachläuft, obwohl er vorher schon Angst dort unten hatte.


    Der Name der Katze hat mich auch sehr gestört. Ja, ich weiß, früher hat man seine schwarzen Katzen so genannt, aber heutzutage tut es mir irgendwie weh, das zu lesen. Als Kind kannte ich auch einen Kater, von dem ich bis ins Jugendalter dachte, er hieße „Moor“, bis ich den Namen mal geschrieben gesehen habe…


    Aber am merkwürdigsten fand ich das Ende: da steht „“während mein eigener Kater mir an die Kehle sprang und sie zerfleischte“. Äh, dann ist man doch tot?! :/


    Trotz der vielen Unstimmigkeiten, die vielleicht auch in der Kürze der Geschichte begründet sind, fand ich sie gut lesbar, etwas gruselig und auch interessant. Ich hätte tatsächlich gerne mehr über das erfahren, was sich dort unten abgespielt hat, auch wenn gerade der Fakt, dass wir nur Andeutungen bekommen, es umso unheimlicher macht, weil viel der eigenen Fantasie überlassen ist.

  • Ich habe mich überhaupt nicht gewundert, dass die das alles wussten :D Die waren ja vorher schon da drin, nur nicht im zweiten unteren Gewölbe :D


    Der Name der Katze hat mich auch sehr gestört. Ja, ich weiß, früher hat man seine schwarzen Katzen so genannt, aber heutzutage tut es mir irgendwie weh, das zu lesen.

    Diesbezüglich wurde ich von meinem Mann schon vorgewarnt, dass das die ganze Zeit so sein wird. Aber ich muss auch jedes Mal Luft holen.

    Aber am merkwürdigsten fand ich das Ende: da steht „“während mein eigener Kater mir an die Kehle sprang und sie zerfleischte“. Äh, dann ist man doch tot?! :/

    Den Teil mit "und sie zerfleischte" gab es bei Spotify nicht. Da endet der Satz mit "während mein eigener Kater mir an die Kehle spang." Im Englischen Original steht "with my own cat leaping and tearing at my throat."

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Aber am merkwürdigsten fand ich das Ende: da steht „“während mein eigener Kater mir an die Kehle sprang und sie zerfleischte“. Äh, dann ist man doch tot?! :/

    Den Teil mit "und sie zerfleischte" gab es bei Spotify nicht. Da endet der Satz mit "während mein eigener Kater mir an die Kehle spang." Im Englischen Original steht "with my own cat leaping and tearing at my throat."

    Ah, danke. Das klingt beides viel logischer. Und schon zeigt sich, wie viel Unterschied eine Übersetzung machen kann. Ich lese momentan das eBook "Das erzählerische Gesamtwerk" in der Übersetzung von Andreas Fliedner und Alexander Pechmann von 2021.

  • Ja, zerfleischen wäre etwas seltsam gewesen. :/

    Ich finde die Spotify-Version sehr angenehm zu hören (eigentlich bin ich ja kein großer Hörbuch-Hörer), aber momentan bin ich oft zu müde für richtiges Lesen. :saint: Daher habe ich mir das eBook der dt. Fassung gar nicht gekauft und probiere es mit Hörbuch und englischer Fassung.


    Das Ende fand ich aber trotzdem etwas verwirrend. Also mir ist klar, dass er (wie scheinbar seine Vorfahren schon) den Captain aufgefressen hat, während seine Katze ihn versucht hat wegzuzerren (oder was auch immer) und er dann in der Psychatrie gelandet ist. Nebenan saß ja dann noch einer der Leute, die unten dabei waren, aber er durfte nicht mit ihm reden. Aber wo sind die anderen dieser "Expedition" abgeblieben?

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Ich bin jetzt auch durch und habe etwas gemischte Gefühle bei dieser Kurzgeschichte.
    Sehr angenehm finde ich den Schreibstil. Man merkt sofort, in welcher Zeit die Geschichte spielt und dass man damals sich schon bei weniger gruselte, als es heutzutage der Fall ist. Ich finde sie gar nicht gruselig. Das ist der heutigen Zeit geschuldet, in der man Dank Hollywood doch schon ganz schön abgebrüht ist.
    Sonst schließe ich mich eurer Ansicht an. Auch für mich kam das Ende etwas schnell, aber es ist auch nur eine Kurzgeschichte. Irgendwie scheint der Wahnsinn, und wahrscheinlich wohl auch die Halluzinationen in der Familie vererbt worden zu sein.
    Über den Namen der Katze bin ich auch gestolpert. Politisch korrekt ist etwas anderes. Da hat man einen kleinen Ausblick darauf, wie die Ansichten zur Zeit der britischen Kolonialzeiten war. Ich finde es aber gut, dass der Name trotz aller Brisanz nicht geändert wurde. Es hätte die Geschichte verfälscht.

  • Es hätte die Geschichte verfälscht.

    Inwiefern? Für die Geschichte war der Name der Katze ja völlig irrelevant.

    Ich habe wirklich gemischte Gefühle dabei. Vor einigen Jahren hätte ich noch entschieden dafür plädiert, alles so zu lassen wie im Original. Inzwischen sehe ich das etwas anders, da solche Wörter Menschen verletzen. Es gibt sicher viele ältere Geschichten, in denen diese Begriffe ihre Berechtigung haben, z.B. Tom Sawyer (hab ich selbst nie gelesen, aber was man so hört..). Aber wenn es wirklich egal ist, kann man es eigentlich auch ändern. Zumal wir (ich) ja hier von einer Übersetzung sprechen - und eine Übersetzung nimmt sich sowieso immer Freiheiten heraus (siehe "zerfleischte" Kehle). Andererseits will ich ja auch wissen, wie Lovecraft es geschrieben hat. Also ich bin wirklich zwiegespalten.

  • Über den Namen der Katze bin ich auch gestolpert. Politisch korrekt ist etwas anderes. Da hat man einen kleinen Ausblick darauf, wie die Ansichten zur Zeit der britischen Kolonialzeiten war. Ich finde es aber gut, dass der Name trotz aller Brisanz nicht geändert wurde. Es hätte die Geschichte verfälscht.

    Es hätte vor allem das Bild von H. P. Lovecraft verfälscht: Lovecraft war Rassist, Antisemit, misogyn und xenophob.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Ich habe heute Mittag meinen Histo beenden können und gegen Abend dann die Lovecraft-Story "Ratten im Gemäuer"...


    Ich habe ja geschrieben, dass es für mich ein re-read ist: Vor sage und schreibe fast einem halben Jahrhundert :huh:;) habe ich "Ctulhus Geistergeschichten" gelesen - und fand sie damals extrem spannend.

    Auch der Schreibstil war für mich sehr interessant; da andersartig und auch zuweilen mit Fremdwörtern versehen (ich glaube, wegen H.P. Lovecraft habe ich mir damals ein Wörterbuch angeschafft: Ich mag es nämlich üüüüberhaupt nicht, Wörter zu lesen, die ich nicht kenne bzw. (noch schlimmer!) deren Bedeutung ich nicht kenne....


    Es war interessant, "Die Ratten im Gemäuer" zu lesen, aber Grusel kam bei mir kaum auf (im Gegensatz zu damals ^^). Der Name der Katze hat auch mich irrititert - auch wenn ich mich freute, dass unser Mr. de Poer 2 Bedienstete und 7 Katzen hatte, als er in sein altes Familienstammhaus zurückkehrte:

    Die Schreibweise mutete irgendwie nostalgisch an; besonders wenn es um Sätze ging, warum irgendwas dann doch Erwähnung finden sollte. Erinnern konnte ich mich an überhaupt nix - soviel zu meinem "literarischen Gedächtnis" (na ja, ganz so miese ist es nicht, was die letzten 20 Jahre betrifft, aber dies liegt wirklich sehr lange zurück....


    Es bleibt ein ganz kleiner schaler Beigeschmack bei mir zurück, da der Text insgesamt doch recht antiquiert auf mich wirkt. Dennoch staune ich und finde es auch toll, dass Lovecraft zeitlos zu sein scheint: Die teure Gesamtausgabe bestätigt da meinen Verdacht, dass er noch immer gerne gelesen wird...

    "Bücher sind meine Leuchttürme" (Dorothy E. Stevenson)

  • Zank :
    sandhofer hat es genau getroffen, was ich mit verfälscht meinte. Die damalige Zeit war nun einmal rassistisch. Das erkennst du auch an der Geschichte der britischen Kolonialpolitik. Es ist auch ein großer Unterschied zwischen Büchern, die in der damaligen Zeit spielen (hier wäre so ein Name ein absolutes No Go!) und Büchern, die tatsächlich damals geschrieben wurden. Diese Bücher erzählen nicht nur eine Story, sondern sie spiegeln auch den jeweiligen Zeitgeist wieder, genau wie die heutigen Bücher den jetzigen Zeitgeist widerspiegeln. Die damalige Zeit war nun mal leider geprägt von Rassismus und Unterdrückung anderer. In unseren heutigen Augen ist das ein Ding der Unmöglichkeit, aber damals war es normal. Ein geänderter Name oder andere zeitgemäßere Änderungen wären dann keine Übersetzung mehr sondern eher eine Neuauflage, da sie eben diese Sicht auf die damalige Zeit ändern. Das ist der Grund, warum ich dann lieber das englische Original lese, wenn mich ein Buch wirklich interessiert. Dann würden auch nicht solche Patzer wie die zerfleischte Kehle passieren.

  • Ich habe übrigens auch die Übersetzung von Fliedner. Ist schon interessant, wie die unterschiedlichen Übersetzer das handhaben. Dabei frage ich mich allerdings auch, wie Spotify, Audible und co mit Büchern umgehen. Werden sie eins zu eins übernommen, oder werden sie geändert, um das Hörerlebnis zu verbessern bzw. ein breiteres Publikum zu erreichen? Ich selber höre keine Hörbücher, da ich bei den wenigen Gelegenheiten festgestellt habe, dass mich die Geschichte nicht so gefangen nimmt wie ein richtiges Buch. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich die Story zu schnell entwickelt , dass was fehlt.
    Hört jemand von euch Hörbücher? Welche Erfahrungen habt ihr?

  • Es hätte vor allem das Bild von H. P. Lovecraft verfälscht: Lovecraft war Rassist, Antisemit, misogyn und xenophob.

    Okay, das ist ein Argument! Über Lovecraft selbst habe ich mich noch nicht informiert. Allerdings habe ich im Kopf, dass gerade du ihn im alten Diskussionsthread eher verteidigt hast. (Nicht, dass Lovecraft frei von Rassismus wäre, aber dass man alles im Spiegel der Zeit sehen müsse und auch von den Figuren nicht auf den Autor schließen dürfe.)


    Ein geänderter Name oder andere zeitgemäßere Änderungen wären dann keine Übersetzung mehr sondern eher eine Neuauflage, da sie eben diese Sicht auf die damalige Zeit ändern.

    Naja, ich lese die "vollständige Neuübersetzung". Da würden mich gewisse Anpassungen nicht wundern. Im Gegensatz z.B. zur Sammelausgabe des Festa-Verlags, die explizit mit "ungekürzten, unverfälschten Übersetzungen" wirbt.

  • Ein geänderter Name oder andere zeitgemäßere Änderungen wären dann keine Übersetzung mehr sondern eher eine Neuauflage, da sie eben diese Sicht auf die damalige Zeit ändern.

    Ich finde bei sowas sollte es ggf. nur kommentierte Ausgaben geben, damit der Lesende ggf. das Kommentar dazu lesen "muss", warum diese Worte nicht verwendet werden. Eine gewisse Reflektion seitens der Verlage diesbezüglich fände ich wünschenswert. Aber es gibt leider kaum "Zwangs"-kommentierte Bücher.

    Werden sie eins zu eins übernommen, oder werden sie geändert, um das Hörerlebnis zu verbessern bzw. ein breiteres Publikum zu erreichen? Ich selber höre keine Hörbücher, da ich bei den wenigen Gelegenheiten festgestellt habe, dass mich die Geschichte nicht so gefangen nimmt wie ein richtiges Buch. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich die Story zu schnell entwickelt , dass was fehlt.
    Hört jemand von euch Hörbücher? Welche Erfahrungen habt ihr?

    Also eigentlich sehe ich das wie du, mir fehlt beim Hörbuch meistens etwas. Allerdings habe ich mich bei Lovecraft für eine Mischung aus englischer Ausgabe und Spotify-Hörbuch entschieden. Was du hier ansprichst, ist m.E. der Unterschied zwischen Hörbuch und Hörspiel - ein Hörspiel wird verändert und an den Hörenden angepasst, ein Hörbuch sollte m.E. einfach nur vorgelesen werden. Ich habe das bei Lovecraft aber nur stellenweise überprüft, um festzustellen, ob ich dem Spotify-Hörbuch da beim Vorlesen vertrauen kann.

    "Ich muß dich mit Gewalt ernähren!" sagte Homunkoloss, "Du schläfst nicht mehr. Du wäscht dich nicht. Du stinkst wie ein Schwein." "Ist mir doch egal", sagte ich trotzig, "Hab keine Zeit, muß lesen" (c) Walter Moers, aus "Stadt der träumenden Bücher"

  • Unsere vollständige Neuübersetzung geht gar nicht richtig auf den Autor ein. Es steht zwar am Anfang eine Zusammenfassung über sein Leben von Pellmann, aber auch nur, was er wann gemacht hat. Von Lovecrafts Intoleranz und Rassismus ist nichts zu erkennen. Es steht drin, dass er sogar einige Jahre mit einer Jüdin zusammen war. Irgendwie passt das nicht 🧐

  • Von Lovecrafts Intoleranz und Rassismus ist nichts zu erkennen. Es steht drin, dass er sogar einige Jahre mit einer Jüdin zusammen war. Irgendwie passt das nicht 🧐

    Hmm, auch Juden könnten Rassisten sein...

    Bücher sind Magie zum Mitnehmen.

  • Es steht drin, dass er sogar einige Jahre mit einer Jüdin zusammen war.


    Hmm, auch Juden könnten Rassisten sein...

    Lovecraft war kein Jude. Und ja, seine Frau (er war verheiratet mit ihr) war Jüdin. Noch dazu aus der Ukraine. Vermutlich haben die Schwierigkeiten, die das Paar zusammen hatte, Lovecrafts Antisemitismus und Xenophobie erst so richtig getriggert.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)