02: Teil/Part 3 + 4 (The Prophet, 16)

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 22 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • Valentine

    Hat den Titel des Themas von „02: Teil/Part 3+4 (The Prophet, 16)“ zu „02: Teil/Part 3 + 4 (The Prophet, 16)“ geändert.
  • Kapitel 3 - The Prophet


    Dieses Buch ist wirklich eines, das man unbedingt im Austausch mit anderen lesen sollte. Ich habe mir gefühlt bei jeder Seite irgendwas notiert, das ich mit Euch diskutieren möchte.


    Die Begegnung mit dem ersten "neuen" Menschen, den Piranesi je getroffen hat, lässt natürlich erst einmal denken, er habe es mit "16" zu tun, aber ob das nun stimmt oder nicht, muss sich wohl erst noch zeigen.


    Auf jeden Fall kennt "der Prophet", wie Piranesi ihn ob seines Wissens nennt, die Namen und Geschichten von einigen der Toten und kann sogar die Keksdose identifizieren, aus der "vorherigen Welt", was auch immer damit gemeint ist.


    The Other aka Val Ketterley scheint er nicht sonderlich zu mögen für einen Hochstapler, Blender und Plagiator zu halten, ist im Gegenzug aber auch nicht gerade bescheiden, was seine eigenen Leistungen angeht. Woran haben sie geforscht, dass darauf Gefängnis stand? War es wirklich etwas Bedenkliches oder lebten sie in einer sehr restriktiven Gesellschafts-/Regierungsform, die keine freie Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen zuließ?


    Auf jeden Fall scheint es sich bei der Welt des "Hauses" nicht um eine postapokalyptisch umgebaute Welt zu handeln, sondern um eine Nebenwelt, die aus Ideen der normalen (?) Welt entstanden ist. Dafür verschwinden Erinnerungen der Bewohner - was mich an die Unendliche Geschichte erinnert hat.


    Apropos Erinnerungen: als der Prophet erwähnt, Piranesi habe ihm geschrieben, kommt der nicht darauf, dass es sich dann wohl um Laurence handeln müsste. Hat er das auch schon wieder vergessen oder hat er nur momentan ein Brett vorm Kopf?


    Sowohl der Prophet als auch The Other/Ketterley scheinen keinerlei Vorbehalte gegen Gewalt und gar Mord zu haben, wenn es ihren Zwecken dient. Der Prophet will 16 auf Ketterley loslassen, der wiederum ist bereit, Piranesi notfalls umzubringen (oder umbringen zu lassen), wenn er ihm gefährlich werden könnte. Clever von Piranesi, ihm unter diesen Umständen lieber nicht von der Begegnung mit dem Propheten zu erzählen. "But the Other is rather inflexible in his character. I would not go too far to say it is a fault, but it is a definite tendency" finde ich noch sehr milde ausgedrückt. Überhaupt kommt mir Piranesi manchmal etwas zu vertrauensselig und zu nett vor ... ich hoffe, das fällt ihm nicht noch irgendwann vor die Füße, falls er zwischen die Fronten irgendwelcher Alphatierchen gerät!


    Ganz baff war ich, als sich herausstellt, dass Piranesi die genannten Namen der Toten schon einmal in seinem Tagebuch erfasst hat und dass irgendwer die Numerierung der Bücher verändert hat! Wer hat daran herumgepfuscht? Er selbst? Oder löscht irgendwer immer wieder seine Erinnerungen? Und Piranesi ist schon 35? Er erschien mir die ganze Zeit sehr deutlich jünger, ich hatte ihn für einen Teenager gehalten oder maximal so um die 20.


    Die Aufzeichnungen lesen sich auf jeden Fall so, als sei Piranesi selbst aus der "normalen" Welt gekommen. Laurence (der Verdacht hat sich ja bestätigt) erscheint darin wie genau der Typ Mensch, der zu sein er Ketterley vorwirft: überheblich, selbstherrlich, manipulativ, mit einem enormen Sendungsbewusstsein, was seine Forschungen angeht. Ich habe mich auch kurz gefragt, ob Piranesi der entführte junge Mann sein könnte, der erwähnt wurde, aber das ist ja der arme James Ritter. Und ist es Absicht, dass wir den Abschnitt über Orenden nicht bis zum Ende zu lesen bekommen? Was aus dem geworden ist, wissen wir ja nicht, im Gegensatz zu Sylvia D'Agostino (die schätzungsweise wirklich im Haus gestorben ist) und James Ritter.


    Der kann einem wirklich leid tun. Und die Putzfrau auch ... örgs, was für eine Entdeckung! Hat Laurence ihn auch physisch ins Haus geschickt oder ihn lediglich unter Drogen gesetzt oder sonstwie im Geiste dorthin entsandt? Fragen über Fragen ...


    Das Haus erscheint in diesem Abschnitt immer wieder wie eine Art Gottheit, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht, nach eigenem Ermessen gibt und nimmt und dafür Vertrauen einfordert. "The House provides much food for the active and enterprising person" - das klingt doch stark nach "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott".


    Ich habe immer noch keinen blassen Schimmer, wo am Ende die Reise hingeht, aber ich finde das Buch nach wie vor sehr faszinierend.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Auf jeden Fall scheint es sich bei der Welt des "Hauses" nicht um eine postapokalyptisch umgebaute Welt zu handeln, sondern um eine Nebenwelt, die aus Ideen der normalen (?) Welt entstanden ist.

    Das ist eine spannende Theorie. Denn das Haus scheint ja irgendwie parallel zu existieren, mit (vielleicht) auch Berührungspunkten zu der "realen" Welt. Aber eine Idee zur Entstehung habe ich noch nicht.

    Das Haus als Welt ist ja schon recht "reduziert", was dafür sprechen könnte, dass es aus Ideen entstanden ist. Die Dinge, die fehlen, auf die wäre dann bei der "Kreation" gerade niemand gekommen. Wie z.B. die fehlenden Tiere.

    Aber warum dann diese Unmengen an Statuen? Verkörpern die die Menschen/die Natur, weil die "Ideen" nicht komplexer sein konnten? Aber mit den Vögeln und Fischen hat es ja geklappt ...


    Sowohl der Prophet als auch The Other/Ketterley scheinen keinerlei Vorbehalte gegen Gewalt und gar Mord zu haben, wenn es ihren Zwecken dient.

    Ich habe ohnehin das Gefühl, dass die beiden sich nicht viel nehmen, hinsichtlich Arroganz, Egozentrik und sonstiger schlechter Eigenschaften ...


    Und Piranesi ist schon 35? Er erschien mir die ganze Zeit sehr deutlich jünger, ich hatte ihn für einen Teenager gehalten oder maximal so um die 20

    Dabei ist mir dann wieder etwas eingefallen, was mir schon im ersten Teil aufgefallen war, ich da aber vergessen hatte: Da beschreibt Piranesi sich selbst in zwei Zeilen, und alle anderen sehr viel ausführlicher.

    Fällt ihm da gar nicht selbst auf, wie wenig er über sich "weiß"? Oder für wichtig hält?


    Die Aufzeichnungen lesen sich auf jeden Fall so, als sei Piranesi selbst aus der "normalen" Welt gekommen.

    Das würde ich auch so sehen. Und so, wie sich das liest, dann gehörte er ja irgendwie in dieses Laurence/Ketterly-Umfeld. Da würde es mich nicht wundern, wenn einer der beiden ihn entweder schon von dort in das Haus "geschickt" hat, um etwas zu lernen/herauszufinden, oder wenn Piranesi von sich aus entschieden hat, dort hinzugehen, weil er dort etwas finden möchte.

    Und es scheint tatsächlich so zu sein, dass man im Haus seine Erinnerungen an früher/an die reale Welt/... verliert.

    Und ich frage mich, ob das nun die "Schuld" des Hauses selbst ist, oder ob das durch seine "Kreation" bedingt ist. Entstanden aus Ideen (?), die nun in der realen Welt fehlen, und im Haus selbst immer mehr verloren gehen?

  • Sorry, Ihr Lieben, am Wochenende hatte ich irgendwie Zeit für alles außer zum Lesen und Mitschreiben :redface:

    Aber warum dann diese Unmengen an Statuen? Verkörpern die die Menschen/die Natur, weil die "Ideen" nicht komplexer sein konnten? Aber mit den Vögeln und Fischen hat es ja geklappt ...

    Sehr gute Frage!


    Mir ist gerade noch durch den Kopf gegangen, dass die Vögel und Meerestiere einen einigermaßen naturgemäßen oder wenigstens -ähnlichen Lebensraum haben, Landbewohner aber nicht so richtig :gruebel:

    Fällt ihm da gar nicht selbst auf, wie wenig er über sich "weiß"? Oder für wichtig hält?

    Auch eine berechtigte Frage. Aber man ist ja oft ziemlich blind für die eigenen Wahrnehmungsmängel oder Logikfehler.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Kapitel 4 - 16


    Ob James Ritter wohl die Zettel geschrieben hat, deren Fetzen Piranesi aus den Möwennestern holt? Was für verzweifelte Zeilen, in denen sich der Hass auf Laurence (?) mit der großen Angst mischt, den Verstand verlieren zu können, bevor sich der Schreiber der Zeilen befreien oder rächen kann. "DETERMINED TO KILL him before this happens. Before I forget why I HATE HIM." :(


    16 taucht erstmals physisch auf - und ist eine Frau, das hat mich tatsächlich überrascht. Aber wer ist dann Raphael, nach dem The Other gerufen hat? Denkt er womöglich, dass sich hinter 16 eine andere Person verbirgt als die tatsächliche? Und ich frage mich, ob die Worte von 16 wirklich verrückt machen oder ob das auch nur Mist war, den The Other Piranesi erzählt hat, um ihn zu lenken? Ist 16 so ein böser Mensch oder soll Piranesi das bloß glauben und die Bösen sind die anderen? Es ist kompliziert auf jeden Fall und ganz und gar nicht schwarzweiß.


    Ich bin immer gespannter zu erfahren, wer Piranesi wirklich ist und was sich in seiner Vergangenheit alles abgespielt hat. War er auch ein Schüler von Laurence Arne-Sayles? Oder hat er wiederum über Laurence geforscht? Das lassen zumindest die Notizen für den Vortrag auf diesem Festival vermuten. Ich glaube auch ziemlich sicher, dass er in London gelebt hat oder zumindest dort gewesen ist, der eine plötzlich aufflammende Erinnerungsfetzen klang stark nach Piccadilly Circus mit den großen Leuchtreklamen.


    Was seine Erinnerungslöcher angeht, vermute ich, dass er persönliche Erinnerungen vergessen und dafür altes Wissen aus dem Haus erhalten hat, siehe etwa seine Verwunderung, dass nicht jeder mit der Natur kommunizieren kann.


    "Transgressive Thinking" war offenbar Laurences großes Thema, ein Ausreizen jeglicher Grenzen von Forschung und Wissenschaft (haben wir hier eine subtile Anspielung auf alternative Fakten, Wissenschaftsleugner, die sich einen fachkompeteten Anstrich geben und ähnliche aktuelle Phänomene?) Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch die Erwähnung von Srinavasa Ramanujan. Den habe ich erst mal gegoogelt, weil ich den Namen nicht kannte - er war ein indisches Mathematik-"Wunderkind", ein junger Mann ohne großartige Schulbildung oder Kenntnisse in höherer Mathematik, der einen ganz instinktiven Zugang zu der Materie hatte und auf sehr hohem Niveau mathematisch arbeiten konnte.


    Er scheint das Prinzip auch darüber hinaus vollkommen ausgelebt zu haben, ohne Rücksicht auf die Grenzen, die Recht und Anstand sinnvollerweise ziehen. Egal, ob er jahrhundertealte Moorleichen(teile) für seine seltsamen Rituale benutzen will oder unsägliche Dinge mit James Ritter anstellt, er scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein und zu glauben, dass er sich einfach nehmen kann, was er will, weil er das Große und Geheime Wissen besitzt oder erlangen kann :grmpf:


    The Other scheint mehr oder weniger auf einem ähnlichen Trip zu sein, er hat ja auch schon Addedomarus (aka Addy Domarus - ich habe schon bei dessen erster Erwähnung auf einen falsch verstandenen Namen getippt!) beschworen. Und ich bin mir immer sicherer, dass er ein Wanderer zwischen den Welten ist. Wie sonst kann es sein, dass er auf Piranesis Warnung vor der Flut antwortet, er sei an dem Tag sowieso nicht im Haus.


    Dass am Ende die Tagebuchseiten fehlen, auf denen es um Ketterley ging, hat mich so gar nicht gewundert. Fragt sich bloß, wer die rausgerissen hat, Ketterley selbst, Piranesi (unter Zwang oder Drogeneinfluss?) oder jemand ganz anderes? Ich bin gespannt, ob sich aus den gefundenen Papierfetzen noch das eine oder andere rekonstruieren lässt, denn ich platze fast vor Neugier, was 2012 geschehen ist.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Mir ist gerade noch durch den Kopf gegangen, dass die Vögel und Meerestiere einen einigermaßen naturgemäßen oder wenigstens -ähnlichen Lebensraum haben, Landbewohner aber nicht so richtig :gruebel:

    Das stimmt natürlich.

  • Und ich frage mich, ob die Worte von 16 wirklich verrückt machen oder ob das auch nur Mist war, den The Other Piranesi erzählt hat, um ihn zu lenken? Ist 16 so ein böser Mensch oder soll Piranesi das bloß glauben und die Bösen sind die anderen? Es ist kompliziert auf jeden Fall und ganz und gar nicht schwarzweiß.

    In Anbetracht der Tatsache, dass The Other ja sehr wahrscheinlich nicht wirklich Piranesis Freund ist, sondern ihn vermutlich ausnutzt, würde ich alles, was er sagt, mit sehr viel Vorsicht genießen.

    Und wenn The Other ihn weiter als "Hilfskraft" behalten will, dann könnte es doch gut sein, dass 16 genau das verhindern möchte?


    Ich bin immer gespannter zu erfahren, wer Piranesi wirklich ist und was sich in seiner Vergangenheit alles abgespielt hat. War er auch ein Schüler von Laurence Arne-Sayles? Oder hat er wiederum über Laurence geforscht? Das lassen zumindest die Notizen für den Vortrag auf diesem Festival vermuten. Ich glaube auch ziemlich sicher, dass er in London gelebt hat oder zumindest dort gewesen ist, der eine plötzlich aufflammende Erinnerungsfetzen klang stark nach Piccadilly Circus mit den großen Leuchtreklamen.

    Das würde ja auch sehr gut "junction of many streets" passen.


    "Transgressive Thinking" war offenbar Laurences großes Thema, ein Ausreizen jeglicher Grenzen von Forschung und Wissenschaft (haben wir hier eine subtile Anspielung auf alternative Fakten, Wissenschaftsleugner, die sich einen fachkompeteten Anstrich geben und ähnliche aktuelle Phänomene?)

    Ich finde diese Bezeichnung "transgressive" ja ohnehin sehr spannend. Ich kannte den Begriff so noch nicht und hatte gegoogelt, aber es erst nur als linguistischen Begriff gefunden. Erst als ich nach "Transgressive Thinking" gesucht habe, kam ich zu der Definition "grenzüberschreitend, vor allem sozial akzeptierte Grenzen".

    Und da sind wir dann tatsächlich nicht mehr weit von den alternativen Fakten, finde ich.

    Versteht mich nicht falsch, nichts gegen "out of the box-thinking", aber die Art und Weise, wie in Piranesis Journal Laurence' Forschung beschrieben wird, scheint mir das hier eindeutig weiter zu gehen.


    Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch die Erwähnung von Srinavasa Ramanujan. Den habe ich erst mal gegoogelt, weil ich den Namen nicht kannte - er war ein indisches Mathematik-"Wunderkind", ein junger Mann ohne großartige Schulbildung oder Kenntnisse in höherer Mathematik, der einen ganz instinktiven Zugang zu der Materie hatte und auf sehr hohem Niveau mathematisch arbeiten konnte.

    Spannend! Auf die Idee, dass hier reale Personen zitiert werden würden, bin ich gar nicht gekommen.


    Er scheint das Prinzip auch darüber hinaus vollkommen ausgelebt zu haben, ohne Rücksicht auf die Grenzen, die Recht und Anstand sinnvollerweise ziehen. Egal, ob er jahrhundertealte Moorleichen(teile) für seine seltsamen Rituale benutzen will oder unsägliche Dinge mit James Ritter anstellt, er scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein und zu glauben, dass er sich einfach nehmen kann, was er will, weil er das Große und Geheime Wissen besitzt oder erlangen kann :grmpf:

    Könnte man vielleicht auch so ein bisschen in Richtung für "ethische Grenzen für Wissenschaft/Forschung" interpretieren?

    Zum Beispiel, wieviel Verantwortung ein Wissenschaftler für das hat, was er tut? Gibt es so etwas wie "reines Wissen", oder muss es immer in den gesellschaftlichen Kontext gesetzt werden? Und Verantwortung für die in die Forschung involvierten Menschen wie z.B. in unserem "realen" Leben Patienten, Teilnehmer an klinischen Studien, Mitarbeiter, ...

  • Tja, Laurence Arne-Sayles ist ein echtes Schätzchen... Sein Schüler Ketterley hat mehr von ihm als beide vermuten. Übrigens, Ketterley ist auch ein Name aus einem Narnia-Roman. Wer den kennt, ahnt an der Stelle wahrscheinlich schon, was sich zugetragen hat.


    Piranesi beschreibt sich ganz am Anfang als Mann von ca. 35 Jahren. Mir fällt es auch schwer, ihn als Erwachsenen zu sehen. Er ist viel zu kindlich, naiv, vertrauensselig. Für Umgebung, in der er lebt, scheint diese Entwicklungsstufe auszureichen. Ich glaube, Das Haus würde jemanden, der ihm mit Messgeräten und anderen schlauen Dingen zu Leibe rückt, einfach abstoßen.


    Valentine Den indischen Mathematiker fand ich auch interessant. Ich musste ihn nicht einmal googeln, denn in der russischen Ausgabe ist ein Glossar enthalten. Ist auch in der englischen Ausgabe eines drin? Wenn ich es lese, wird mir fast schwindlig, so viele Anspielungen, Personen, Ereignisse, Hinweise etc. gibt es in "Piranesi". Als Normal-Leser entdeckt man nie alle.

  • Tja, Laurence Arne-Sayles ist ein echtes Schätzchen... Sein Schüler Ketterley hat mehr von ihm als beide vermuten. Übrigens, Ketterley ist auch ein Name aus einem Narnia-Roman. Wer den kennt, ahnt an der Stelle wahrscheinlich schon, was sich zugetragen hat.

    Ah, danke, den hatte ich mit meinem schlechten Namensgedächtnis vergessen. In der Tat, das ist ziemlich eindeutig.


    Valentine Den indischen Mathematiker fand ich auch interessant. Ich musste ihn nicht einmal googeln, denn in der russischen Ausgabe ist ein Glossar enthalten. Ist auch in der englischen Ausgabe eines drin? Wenn ich es lese, wird mir fast schwindlig, so viele Anspielungen, Personen, Ereignisse, Hinweise etc. gibt es in "Piranesi". Als Normal-Leser entdeckt man nie alle.

    Leider hat zumindest mein englisches Paperback keines. Schade, denn das stelle ich mir wirklich sehr interessant vor.

  • In Anbetracht der Tatsache, dass The Other ja sehr wahrscheinlich nicht wirklich Piranesis Freund ist, sondern ihn vermutlich ausnutzt, würde ich alles, was er sagt, mit sehr viel Vorsicht genießen.

    Auf jeden Fall.

    Das würde ja auch sehr gut "junction of many streets" passen.

    Genau :)

    Erst als ich nach "Transgressive Thinking" gesucht habe, kam ich zu der Definition "grenzüberschreitend, vor allem sozial akzeptierte Grenzen".

    Ah, interessant - das hatte ich wiederum nicht nachgeschlagen, sondern spontan so interpretiert. Dann hat mein Bauchgefühl ja recht behalten.

    Versteht mich nicht falsch, nichts gegen "out of the box-thinking", aber die Art und Weise, wie in Piranesis Journal Laurence' Forschung beschrieben wird, scheint mir das hier eindeutig weiter zu gehen.

    Geht mir genauso. Es braucht ja immer wieder Köpfe, die über die eingefahrenen Denkmodelle hinausblicken können, aber was Laurence da betreibt, ist jenseits von Gut und Böse, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Auf die Idee, dass hier reale Personen zitiert werden würden, bin ich gar nicht gekommen.

    Nachdem er mehrmals erwähnt wurde und auch andere reale Personen erwähnt wurden (Rudolf Steiner fällt mir ein), wollte ich mal sehen, ob es ihn womöglich wirklich gab. Zunächst hatte ich ihn auch für eine erfundene Figur gehalten.

    Könnte man vielleicht auch so ein bisschen in Richtung für "ethische Grenzen für Wissenschaft/Forschung" interpretieren?

    Ja, genau darauf wollte ich hinaus.

    Übrigens, Ketterley ist auch ein Name aus einem Narnia-Roman. Wer den kennt, ahnt an der Stelle wahrscheinlich schon, was sich zugetragen hat.

    Interessant! Von Narnia kenne ich allerdings nur Teil 1 (und davon ist nicht sehr viel hängengeblieben).

    Ich musste ihn nicht einmal googeln, denn in der russischen Ausgabe ist ein Glossar enthalten. Ist auch in der englischen Ausgabe eines drin? Wenn ich es lese, wird mir fast schwindlig, so viele Anspielungen, Personen, Ereignisse, Hinweise etc. gibt es in "Piranesi". Als Normal-Leser entdeckt man nie alle.

    Schade, meine Ausgabe hat auch kein Glossar. Das wäre wirklich mal spannend gewesen.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Was mich immer wieder erstaunt: Die Studenten von Arne-Sayles haben fast alle zuerst Mathematik studiert. Mathematik ist ja nun keine Mystik. Wie konnten sich die Studenten auf die Ideen von Arne-Sayles einlassen? Wie konnte er sie überzeugen? Ich meine, so ein Mathematiker vertraut auf die Macht der Zahlen, irgendwelche phantastischen Welten gehören nicht in sein Weltbild. Trotzdem hat Arne-Sayles es geschafft, die jungen Leute "umzupolen".

  • Es ist gar nicht so selten, dass Naturwissenschaftler auch eine philosophische Ader haben. Vermutlich hat er die bei seinen Jüngern anzuzapfen verstanden.


    Plus, eventuell, die berühmten Vitaminpillen?

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • Was mich immer wieder erstaunt: Die Studenten von Arne-Sayles haben fast alle zuerst Mathematik studiert. Mathematik ist ja nun keine Mystik.

    Ich hatte gedacht, dass es vielleicht daran liegt, dass er diese Mystik wissenschaftlich "verpackt" anbietet. Er bietet ja praktisch ein "System" an, was sich erforschen lässt, und da kommt dann vielleicht der Reiz für Naturwissenschaftler.

    Aber vielleicht hat es aber auch ganz einfach nur mit den existierenden Netzwerken zu tun? Man kannte sich untereinander, man hat so über Dritte davon gehört und wollte das dann selbst sehen/herausfinden.

    Und vielleicht kann Arne-Sayles ja auch sehr überzeugend argumentieren? Wenn die persönliche Komponente ein Faktor war, dann ist spricht er vielleicht auch "un-mystische" Menschen an?

    Aber stimmt schon, es fällt auf, dass es hauptsächlich Mathematiker sind, und hier würde ich am ehesten auf den Netzwerk-Faktor tippen.

  • Es ist wahrscheinlich eine Kombination aus allem. Ich kann mir schon vorstellen, dass ein glattzüngiger Redner, der vielleicht auch noch Pioniergeist beschwört, da ordentlich was erreichen kann.

    If you don't become the ocean, you'll be seasick every day.

    Leonard Cohen





  • In diesem Abschnitt erhalten wir jede Menge neuer Erkenntnisse, aber dafür auch mindestens genauso viele neue Fragen ^^ Ich habe mir im eBook die letzten Tage so viel zu diesem Abschnitt markiert, hoffentlich verliere ich jetzt nicht den Überblick.


    Durch den ersten Abschnitt hat man den Eindruck gewonnen, dass außer Piranesi und Dem Anderen all die Jahre kein anderer lebender Mensch in Der Welt war. Und nun geben sie sich schon beinahe die Klinke in die Hand 8o


    Der Prophet: er scheint tatsächlich Arne-Sayles zu sein und ich finde ihn noch überheblicher als den Anderen. Und aus dem, was wir aus Piranesis Tagebüchern über ihn erfahren, ist er auch ein unangenehmer und manipulativer Typ, der ohne Rücksicht auf Verluste nur seine Theorien usw. bestätigen sehen möchte.

    Wer hat Arne-Sayles ein Foto von Piranesi gezeigt? Und was meint er damit, er müsse ganz proper gewesen sein, bevor ihm "das hier" passiert sei? Spricht er auf Piranesis Gedächtnisverlust an? Der Prophet und Der Andere scheinen ja zwischen den Welten problemlos wechseln zu können, aber Piranesi nicht bzw. verrät oder sagt es ihm niemand.


    Zwischendurch habe ich es für möglich gehalten, dass Piranesi tatsächlich ein Geschöpf Der Welt ist, dass er schon immer dort gelebt hat und Arne-Sayles oder Ketterly ihn zufällig getroffen haben, als sie diese Welt entdeckt haben, aber diese Fotografie, seine Tagebücher und die Erinnerungsvision auf 16s Frage, ob er Matthew Rose Sorensen sei, deuten eigentlich daraufhin, dass er auch aus unserer Welt stammt.

    Da Arne-Sayles von ihm aber nur eine Fotografie kennt, kann er keiner seiner unmittelbarer Anhänger sein, die ihn in seinen Forschungen bis zur Selbstaufgabe unterstützt haben.


    Wegen Piranesis Gedächtnisverlust: der Prophet sagt ihm, dass ein längerer Aufenthalt in dieser Welt u.a. Amnesie und einen totalen psychischen Zusammenbruch als Folge haben; das würde erklären, warum sich Piranesi an vieles nicht mehr erinnert, auch nicht an seine eigenen Tagebücher. Zwischendurch habe ich dran gezweifelt, ob er sie wirklich geschrieben hat oder ob er sie womöglich in Der Welt gefunden hat. Wir haben ja immer noch die von Piranesi gefundene Nachricht von Laurence Arne-Sayles an einen unbekannten Empfänger.

    Könnte Piranesi denn überhaupt wieder in die "normale" Welt zurück bzw. irgendwie seine Erinnerungen an sein früheres Leben zurückerhalten? Warum ist er damals überhaupt so lange in Der Welt geblieben, bis sich die Nebenwirkungen bei ihm einstellten? War das überhaupt freiwillig? Andererseits muss man sich fragen, warum Piranesi insgesamt doch so einen guten Eindruck macht, wenn lt. Arne-Sayles der arme James Ritter viel schlimmer dran war, obwohl er nicht so viel Zeit in Der Welt verbracht hat.

    Piranesi hat Arne-Sayles also vor Jahren mal in einem Brief um ein Treffen gebeten?


    Wieder habe ich den Eindruck, dass Piranesi für Den Anderen eine Art Versuchskaninchen ist - und dass die Vitamintabletten tatsächlich nur Vitamintabletten sind, die nicht für die Amnesie verantwortlich sind ^^

    Erschreckt hat mich allerdings die Bereitschaft Des Anderen, Piranesi im Notfall umzubringen oder auch 16, weil sie seiner Meinung nach böswillig ist. Obwohl ich den Eindruck habe, dass Ketterly nicht halb so kaltblütig ist, wie er sich gibt.


    16: bei ihr handelt es sich um eine Frau, aber sie scheint nicht Sylvia D'Agostini zu sein, aber es ist jemand, mit dem Arne-Sayles in Kontakt steht. Könnte es sich bei ihr um Angahard Scott handeln? Ich kann mich gerade nicht daran erinnern, dass noch mehr Frauen erwähnt wurden. Es könnte aber auch jemand sein, der bisher noch gar nicht erwähnt wurde. Ich kann nicht einschätzen, ob sie wirklich böswillig ist oder nicht, aber allmählich traue ich keinem mehr über den Weg, ob er Piranesi nicht nur für seine Zwecke einspannen will. Was bedeutet das Gerede Des Anderen, dass 16 sie beiden in den Wahnsinn schicken will? Stimmt das überhaupt oder soll damit Piranesi nur von 16 ferngehalten werden, weil sie ihm vielleicht die Wahrheit erzählen könnte? Andererseits, vielleicht würde diese Wahrheit dazu beitragen, dass Piranesi in Folge einen Zusammenbruch bekomment, nachdem Die Welt eh schon solche gefährlichen Nebenwirkungen hat.


    Nun bin ich jedenfalls gepannt, was das Zusammenstückeln der Papierschnipsel über Ketterly ergeben wird.

    Liebe Grüße

    Karin

  • Dieses Buch ist wirklich eines, das man unbedingt im Austausch mit anderen lesen sollte. Ich habe mir gefühlt bei jeder Seite irgendwas notiert, das ich mit Euch diskutieren möchte.

    Ohja, genauso geht es mir auch. Vor allem ärgert es mich gerade, dass ich jeden Abend nur wenige Seiten gelesen bekomme, teilweise verlieren sich dann die Informationen über die Tage, bis ich mit dem Abschnitt durch bin.


    Apropos Erinnerungen: als der Prophet erwähnt, Piranesi habe ihm geschrieben, kommt der nicht darauf, dass es sich dann wohl um Laurence handeln müsste. Hat er das auch schon wieder vergessen oder hat er nur momentan ein Brett vorm Kopf?

    Ich war mir nicht sicher, ob sich der Prophet auf die Nachricht vor ein paar Tagen von Piranesi bezieht oder ob Piranesi vielleicht in der früheren Welt zu ihm Kontakt aufgenommen hat und zwar wegen folgendem Satz des Propheten: "Dieser Brief, den Sie mir geschrieben haben. Ich fand, Sie klangen wie ein arroganter kleiner Scheißer. Waren Sie damals wahrscheinlich auch. Aber jetzt ... charmant. Sehr charmant." Das liest sich nach etwas, was schon länger zurückliegt.


    Clever von Piranesi, ihm unter diesen Umständen lieber nicht von der Begegnung mit dem Propheten zu erzählen.

    Ich tendiere momentan auch dazu, dass es besser ist, Dem Anderen nichts von seinen Begegnungen oder Nachrichten an 16 zu erzählen.


    Laurence (der Verdacht hat sich ja bestätigt) erscheint darin wie genau der Typ Mensch, der zu sein er Ketterley vorwirft: überheblich, selbstherrlich, manipulativ, mit einem enormen Sendungsbewusstsein, was seine Forschungen angeht. Ich habe mich auch kurz gefragt, ob Piranesi der entführte junge Mann sein könnte, der erwähnt wurde, aber das ist ja der arme James Ritter. Und ist es Absicht, dass wir den Abschnitt über Orenden nicht bis zum Ende zu lesen bekommen? Was aus dem geworden ist, wissen wir ja nicht, im Gegensatz zu Sylvia D'Agostino (die schätzungsweise wirklich im Haus gestorben ist) und James Ritter.

    Arne-Sayles ist ein furchtbarer Mensch ohne jegliche Moral. Er kommt mir wie eine Art Sektenführer vor.


    Das Haus erscheint in diesem Abschnitt immer wieder wie eine Art Gottheit, die ihren eigenen Gesetzen gehorcht, nach eigenem Ermessen gibt und nimmt und dafür Vertrauen einfordert.

    Das gefällt mir.


    Ich habe immer noch keinen blassen Schimmer, wo am Ende die Reise hingeht, aber ich finde das Buch nach wie vor sehr faszinierend.

    Mir geht es in beiden Punkten genauso.


    Auf jeden Fall scheint es sich bei der Welt des "Hauses" nicht um eine postapokalyptisch umgebaute Welt zu handeln, sondern um eine Nebenwelt, die aus Ideen der normalen (?) Welt entstanden ist. Dafür verschwinden Erinnerungen der Bewohner - was mich an die Unendliche Geschichte erinnert hat.

    Ah, das ist auch eine interessante und schlüssige Theorie.


    Fällt ihm da gar nicht selbst auf, wie wenig er über sich "weiß"? Oder für wichtig hält?

    Ja, das hat mich im ersten Abschnitt auch stutzen lassen.


    Ob James Ritter wohl die Zettel geschrieben hat, deren Fetzen Piranesi aus den Möwennestern holt?

    Das könnte gut sein, von Arne-Sayles wissen wir, dass James Ritter definitiv in Der Welt "verrückt" geworden ist. Aber geblieben ist er dort ja nicht, wenn er dann gefangen in einem Hinterzimmer gefunden wurde. Oder befand sich sein Körper in dem Zimmer und sein Verstand in Der Welt? Das hoffe ich mal nicht, denn ich möchte mir nicht vorstellen, was das für Piranesi bedeuten könnte.


    Aber wer ist dann Raphael, nach dem The Other gerufen hat?

    Ah, siehst, Raphael hatte ich ganz vergessen, obwohl ich ihn mir ebenfalls markiert hatte. Ich habe auch keine Ahnung, um wen es sich dabei handeln könnte; nicht um 16, da sie weiblich ist.


    Und ich bin mir immer sicherer, dass er ein Wanderer zwischen den Welten ist. Wie sonst kann es sein, dass er auf Piranesis Warnung vor der Flut antwortet, er sei an dem Tag sowieso nicht im Haus.

    Davon gehe ich inzwischen auch aus, dass Der Andere nur zu den Treffen in Die Welt kommt.


    Versteht mich nicht falsch, nichts gegen "out of the box-thinking", aber die Art und Weise, wie in Piranesis Journal Laurence' Forschung beschrieben wird, scheint mir das hier eindeutig weiter zu gehen.

    Ohja, den Eindruck habe ich auch, dass hier bestimmte Grenzen überschritten wurden.


    Spannend! Auf die Idee, dass hier reale Personen zitiert werden würden, bin ich gar nicht gekommen.

    Ich auch nicht - danke für den Exkurs über das Mathe-Genie, Valentine.


    Ich musste ihn nicht einmal googeln, denn in der russischen Ausgabe ist ein Glossar enthalten.

    Oh, da muss ich mal nachsehen, ob in der deutschen Ausgabe ein Glossar dabei ist.


    Was mich immer wieder erstaunt: Die Studenten von Arne-Sayles haben fast alle zuerst Mathematik studiert. Mathematik ist ja nun keine Mystik. Wie konnten sich die Studenten auf die Ideen von Arne-Sayles einlassen? Wie konnte er sie überzeugen?

    Stimmt, du hast recht! Die Mathematik taucht immer wieder auf. Ich bin echt gespannt, wie sich das Ganze auflösen wird.

    Liebe Grüße

    Karin