Urlaubs-Leseinsel 2006: Speed Crime oder *Die Kuh und der Maserati*

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 43 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Nymphetamine.

  • Wer hat am besten geschrieben? 5

    1. Erendis (1) 20%
    2. HoldenCaulfield (2) 40%
    3. Saltanah (2) 40%

    [size=15pt]Eine Woche Später[/size]


    Für uns, die Autoren die hier mitgewirkt haben, ist nun eine ganze Woche voller Stress, Arbeit und Spannung bereits vergangen.
    Haben wir unser Ziel erreicht?


    Manchmal Ja, manchmal Nein.
    Aber was wir erreicht haben ist das 4 Menschen eine ganze Woche lang nicht nur zusammen an ein und der selben Geschichte gearbeitet, sondern auch eine Menge Spaß gehabt haben.
    Und das war für uns alle die Hauptsache. :smile:


    Noch ein persönlicher Dank Seitens meiner Wenigkeit ergeht an:


    [size=20pt]Saltanah
    Erendis[/size]
    und
    [size=20pt]HoldenCaulfield[/size]



    Sowie ein :bussi: an Erinye die leider nicht dabei sein konnte.






    In dem Sinne wünsche ich dem Leser gute Unterhaltung bei einem neuen, und recht turbulenten Abenteuer von Jean DuMont.


    Nymphetamine



    [hr]
    Hier gibt es eine von Saltanah aufgestellte Personenbeschreibung der Mitwirkenden Charaktere.


    [hr]
    Alle den Texten innewohnenden Urheberrechte liegen bei den einzelnen Schreibern in diesem Thread. Die Texte dürfen ohne ausdrückliche Genehmigung der Verfasser weder in Teilen noch im Ganzen kopiert, gezogen oder auf Medien jeglicher Art transferiert werden.
    Danke NtM

    Einmal editiert, zuletzt von nimue ()

  • Ich öffnete die Tür zum Café.
    Es war groß, hell und freundlich. Ich hatte mit Edmond vereinbart einen der Tische an den großen, Schaufenstergleichen, Glasflächen zu nehmen um auf ihn zu warten.
    Ich setzte mich, die Straße zu meiner Linken, und bestellte mit einem Wink zum Kellner einen kleinen Espresso und ein Rosinenbrötchen mit Butter und Konfitüre.
    Geschwind war das Runde Gebäck mit dem Messer geteilt, die Butter verteilt und mit Marillenkonfitüre gesüßt. Eine Wohltat nach all dem Stress. Bin seit 4 Uhr morgens wegen dieser Sache schon unterwegs, um 9 Uhr soll dann alles über die Bühne gehen...
    "Soll mich doch", dachte ich...meine Wenigkeit war kurz davor am letzten Bissen des Brötchens zu ersticken als ich meinen Blick in die Runde schweifen ließ und zwei Tische weiter ihn entdeckte.
    Was macht denn der hier. Nein ich musste mich täuschen, nach dem letzten mal hatte man ihn doch für 20, nein es waren sogar 25 Jahre, eingebuchtet.
    Jetzt hat auch er meinen Blick gespürt und erhebt sich von seinem Tischchen, das nur 5 Meter meinem gegenüberstand.
    Seine Schweinsäuglein saßen tief im Gesicht das von einem Stiernacken getragen wurde, er war nicht groß aber bullig, einem fetten Terrier gleich.
    "Hallo", rief er freudig aus als er sich ungefragt mir gegenübersetzte, "lange nicht gesehen".
    Ein schmieriges Grinsen huschte über seine Visage.
    "Aresi, auch hier um Milchbrötchen zu lutschen?", seine Dentalhygiene...ne, in der Armee hat er sicher gelernt das Zahnbürsten in erster Linie zum Latrinen schrubben da wahren, und erst danach, wenn das Schüsselchen blitzte man es sich in den Mund stecken konnte. Natürlich nur wenn Zeit blieb...
    "Was treibt dich hier her, dachte du bist...na ja anderweitig beschäftigt", ich war ja nett.
    "Wieso?"
    Ich vergaß immer wieder das er nur auf Befehle reagierte, an sonst den Intellekt von 20 Zentimeter Tiefkühlmöhre besaß. Aber was ich so sehen konnte, denn sein Jackett wölbte sich auf der von mir aus gesehenen rechten Seite, war er Beruflicher Natur unterwegs.
    "Ganz netten Püsterich hast du da in der Tasche", mein Gott war ich dämlich ihn darauf anzusprechen, aber das merkte ich erst später, "ne Eagle?"
    "Jup, nagelneu", er lupfte kurz das Kleidungsstück und da lugte tatsächlich ein monströser Griff hervor. Nun wusste ich auch warum französische Kriminelle nicht nur die Laune sondern auch die Körperhaltung eines 5 Tage alten Croissants hatten. Mit solch schweren Handfeuerwaffen wurde meist noch ein Gutschein für den Chiroprakt...
    "Und wenn du ganz artig bist bleibt sie auch wo sie ist", meinte er, jetzt aber ohne ein Anzeichen eines Lächelns auf seinen Lippen. "Dann bist du wohl beruflich unterwegs?" Ich war nicht nur nett und dumm sondern auch zuvorkommend.
    "Ja. Und du auch wie ich sehe."
    "Nein", meinte ich obwohl es ehr jain hätte heißen müssen. Er musste meinen Fußholster mit der kleinen Glock bemerkt haben, "du weißt dass ich keine Jobs mehr für die mache. Bin jetzt ein kleiner Beamter im Ministerium."
    Begleitet vom entblößen seiner schwarzen Zähne, tat er meine Aussage mit einem verächtlichen ,"Hmpf", ab. Ein Schnauben das einem verschnupften Stier am nächsten kam, und ja, mit einem Nasenring?


    Aresi schien es nun ganz eilig zu haben, denn er beugte sich mit ernster Mine über das Bistro- Tischchen und meinte, mit den Fingern durchs große Fenster zeigend:
    "Siehst du diesen Iveco da drüben auf der anderen Straßenseite? In dem sitzt mein Boss und richtet eine 200er Mercury auf dich. Ein Wink von mir und das kleine Fenster auf der Ladefläche klappt auf und du bist", er machte eine Bewegung mit seinen beiden Händen als wären sie zwei gleichgepolte Magneten die auseinander strebten, und blies dabei seine Wangen auf um die Wucht der Explosion zu verdeutlichen sollte sein "Boss" im Lieferwagen den Raketenwerfer abfeuern.
    "Aber was ist dann mit dir Aresi? Dann fliegst du mit in die Luft."
    Ein Schulterzucken, "Kollateralschäden."
    Entweder war er sich seiner Sache sehr sicher und er wusste etwas was ich nicht wusste, oder er hatte einfach einen verdammt miesen Boss der selbst vor dem Tot seiner eigenen Leute nicht zurückschreckte.
    "Für wen arbeitest du jetzt überhaupt, wer ist dein Boss?"
    "Sala´zar", sagte er lapidar.
    Au backe, er hatte nicht nur einen verdammt miesen Boss, er hatte den schlimmsten. Sala´zar würde den ganzen Block in die Luft jagen nur um den Typen zu töten der ihm vor 5 Minuten die Parklücke weggeschnappt hatte. Gut das ich kein Auto besitze.
    "Also was ist", mein Gegenüber wurde ungeduldig, "das Päckchen? Bitte."
    "Bitte?" Ich müsste lügen wenn ich jetzt sagen würde dass ich nicht überrascht gewesen wäre. Nein, nicht wegen dem höflichen Bitte das man ihm sicher im Knast beigebracht hatte weil ihnen die Schimpfworte ausgegangen wahren, sondern mehr wegen dem Päckchen.
    Mein Zögern verriet mich, und er wusste sofort das er richtig lag. Aber woher wusste er von ihm.
    "Wer hat dir etwas über das Päckchen erzählt?"
    "Mein Boss."
    "Und was will er damit?" Ja wirklich was wollte ein Mann wie der mit solch einem Päckchen?
    "Weis ich nicht, ich soll es nur beschaffen."
    "Ja aber weis denn dein Boss was in dem Päckchen ist? Ich meine, dass muss ein Missverständnis sein!" Das muss es, unzweifelhaft. Eine Verkettung unglücklicher Umstände.
    "Her damit, sofort." Er wurde unruhig, etwas drängte ihn...und ich wusste auch schon was.
    Es war nur eine Bewegung von der Straße her in meinem Augenwinkel, aber die reichte um mir sicher zu sein das Aresi bluffte. Denn ein kerniger Mann mit weißer Arbeitsschürze und blutverschmierten, weißen, Gummistiefeln ging auf den Lieferwagen, Marke Iveco zu und stieg auf der Fahrerseite ein, zückte einen Zündschlüssel, startete, blinkte nach links, scherte in die selbige Richtung aus und war fort...samt Aresis Boss, Panzerfaust und den Schweinehälften die -laut dem Logo des Fleischhauers auf der Hintertür des Wagens- im Inneren gehangen sein dürften. All das verfolgte ich mit einem inneren Lächeln, da ich gewusst hatte das Sala´zar nie selbst am Abzug sitzen würde. Das töten überlies er anderen.
    Ich riss mich nun, mit neuem Mut -und leichter Überheblichkeit-, vom lehren Parkplatz los um gleich daraufhin mal schwer schlucken zu müssen und zu realisieren das sich Aresi zur seiner vollen Körpergröße aufgerichtet hatte und ich nun in den funkelnagelneuen Lauf einer Dessert Eagle 5.0 blickte.
    Hoffnungs- wie auch Aussichtslos schien meine Situation nun, währe nicht just in diesem Moment...

  • Hoffnungs- wie auch Aussichtslos schien meine Situation nun, währe nicht just in diesem Moment einer der jungen Männer vom Nachbartisch einen Freudenschrei ausstoßend aufgesprungen wäre: "WOW! Leute, guckt mal, eine echte Desert Eagle! Welches Modell ist es? Ist das wirklich eine Fünfkommanuller?" Woraufhin sich auch seine Kumpels um Aresi scharten, ein Stimmgewirr von "Unglaublich!", "Ist die wirklich echt", "Also mein Onkel hat ja 2 von der Sorte uns außerdem ein ganzes Arsenal...", und "Darf ich die mal halten?"
    Unglaublich, diese Jugend von heute! Aber irgendwie verständlich, nach einer offensichtlich durchgemachten, feuchten Nacht mit viel Alkohol lagen ihre wenigen überhaupt vorhandenen Gehirnzellen im Koma und unter solchen Voraussetzungen ist Mann zu allem fähig, auch zum Selbstmord by Proxy.
    Aber ich will nicht klagen, immerhin verschafften mir die Jungs die Ablenkung, die ich benötigte. Unter dem Tisch weggeduckt, Richtung Klo gekrochen und ich hörte nur noch Aresis wütendes Brüllen, den Schmerzensschrei eines Besoffenen, und ganz leise im Hintergrund die Stimme der Cafebesitzerin, die offenbar mit der Polizei telefonierte. "Ach, wieso müssen die Klofenster der französischen Cafés immer so klein sein? Ich sollte wirklich einige Pfund abnehmen und mir endlich im nächsten Fitnesstudio eine Jahreskarte holen." Diese und ähnliche Gedanken schossen mir ducrch den Kopf während ich mich durchs Fenster quetschte.
    Wissen Sie eigentlich, wie schwierig es ist, bei einer solchen Aktion nicht auf den Kopf zu fallen? Sehr schwierig, glauben sie mir, ich spreche aus Erfahrung. Hier, sehen Sie, diese Narbe habe ich mir bei dieser Aktion geholt. An einer vermaledeiten Glasscherbe aufgeschnitten. Und wie sehr Stirnwunden bluten, das kann sich auch nur vorstellen, wer es erlebt hat. Literweise floss mir das Blut in die Augen, mein schönes, echtleinenes Taschentuch war im Nu durchgeblutet und wie mein funkelnagelneues rohseidenes Hugo Boss-Hemd aussah, davon schweige ich lieber...
    Darüber zu trauern musste ich auf eine spätere Gelegenheit verschieben, nun galt es, andere Prioritäten zu setzen. Sprich, die Beine in die Hand zu nehmen, denn schon hörte ich nicht nur Polizeisirenen sondern auch ein Stöhnen, dass eindeutig aus Aresis Kehle drang. Ohne mich umzugucken, aber im glücklichen Wissen, dass Aresi es nie schaffen würde, seine Ringerstatur durch das Toilettenfenster zu drängen, sprintete ich los, bog wahllos um verschiedene Ecken, bis ich mich, mit der Pariser Geographie eher unvertraut, hoffnungslos verirrt hatte. Die staunenden bis entsetzten Blicke der Passanten ignorierend rannte ich, bis mir viel zu schnell übelstes Seitenstechen Einhalt gebot. In einem Kellereingang sank ich keuchend, aber glücklich, Aresi und vor allem Sala´zar entkommen zu sein zu Boden. Mit normalisiertem Atem ging ich die Ereignisse des Vormittags noch mal durch: Ein Blick auf die Uhr überzeugte mich davon, dass es für das Treffen mit Edmond zu spät war; er war dafür bekannt, niemals auch nur 5 Minuten zu warten. Das aber war das kleinere Problem. Wie, ja wie nur konnte Sala´zar von dem Päckchen erfahren haben? Das Päckchen, das wohlbehütet in meiner Jackentasche verborgen wa...AAS? Meine Jacke! Die ich über den Stuhl im Café gehängt hatte!


    2. Kapitel


    Edmond näherte sich dem Café, wie immer auf die Sekunde pünktlich. "Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige" war sein Wahlspruch, und an seiner Königswürde hatte er noch nie gezweifelt. Selbstverständlich erwartete er von seinen Untertanen, wie er seine Mitmenschen liebevoll zu nennen pflegte, ein einer Majestät gegenüber angemessenes Verhalten. Entsprechend verärgert war er, als er am Café angelangt, auf eine chaotische Szene stieß: Hysterische Menschen, mehrere Ambulanzen und Polizeiautos, die Überreste einer offensichtlich ausgearteten Wirtshausschlägerei ("So früh am Morgen?") auf dem Boden des Cafés selbstverständlich zwischen den Trümmern des Mobiliars vereinzelte Verletzte, was ihm aber vor allem ins Auge fiel, halb unter einer vermeintlichen Schnapsleiche verborgen, war...

    Wir sind irre, also lesen wir!

    Einmal editiert, zuletzt von Saltanah ()

  • [...]halb unter einer vermeintlichen Schnapsleiche verborgen, war...


    ...eine Pistole. Weshalb lag unter dem Betrunkenen bitteschön eine Pistole?? Noch dazu eine nigelnagelneue Eagle? Welcher Idiot verlor denn eine neue Eagle?? Da war doch etwas faul! Unauffällig sah er sich um. Jetzt bloß keinen von den Bullen auf sich aufmerksam machen! – Zu spät. Einer von ihnen kam direkt auf ihn zu.
    „Guten Morgen der Herr. Entschuldigen sie die Unannehmlichkeiten aber ich hätte da einige Fragen an Sie bezüglich der Schlägerei.“ „Tut mir leid ich kann ihnen da leider nicht weiterhelfen, ich war hier mit jemandem verabredet und bin daher erst gerade eben eingetroffen.“ „Verstehe. Na gut halten sie sich trotzdem noch bereit. Es kann sein das wir doch noch mit ihnen sprechen wollen.“ Er tippte sich an die Mütze. Glück gehabt. Der Bulle hatte ihn nicht erkannt. Noch mal so ein Glück würde er wohl nich haben...
    Was war nun eigentlich mit der Pistole? Und wo war eigentlich Jean? Hatte der Idiot etwa die Verabredung vergessen? Edmond besah sich die Verwundeten. Doch Jean war nicht unter ihnen und auch sonst nirgends zu sehen. „Verdammt“ entfuhr es ihm. Ein paar Köpfe flogen herum und sahen ihn an. Darunter auch einer der Polizisten. (Besser gesagt einer Polizistin.) „Verflucht hübsche Frau“ dachte er noch als ihm auffiel das die Dame ihn ein wenig länger angeschaut hatte als der Rest. Hatte sie ihn erkannt? Eigentlich war sie ihm ja auch irgendwie bekannt vorgekommen. Bis auf die Roten Haare hatte sie irgendwie ausgesehen... aber das wäre schon ein verfluchter Zufall gewesen...
    Auf einem der Tische viel ihm ein kleines Päckchen auf. Dieser Idiot!!! Edmond sah sich noch einmal um. Könnte das sein das Jean das Päckchen tatsächlich hier hatte liegen lassen??
    Nein das gab es doch nicht. Jetzt hatte doch tatsächlich ein Junge das Päckchen einfach eingesteckt und spazierte damit ungesehn aus dem Cafe. Diese verdammten Taschendiebe!!
    Edmond folgte ihm und wäre beinahe noch mit der Polizistin die ihm so bekannt vorgekommen war zusammengestoßen.


    Kapitel 3


    Es war einer dieser Tage an denen man am liebsten im Bett geblieben wäre. Zumindest empfand es Seargeant Lacroix als solchen. Sie hatte heute morgen verschlafen und so war nicht einmal Zeit für einen Kaffee geblieben. Und nun auch noch diese Schlägerei gleich bei Schichtbeginn. Und natürlich hatte keiner der bisher Befragten irgendetwas bemerkt oder gesehen. Keine konnte ihr sagen wer nun eigentlich angefangen hatte. So langsam war sie am verzweifeln. Außerdem hatte sie da jemanden gesehn. Sie war sich ganz sicher den Mann zu kennen. Bloß das ihre letzte Begegnung eher unangenehm ausgefallen war. Als sie sich den Mann etwas genauer anschauen wollte war dieser jedoch verschwunden. Vielleicht hatte sie sich ja geirrt? Sie ging zu den Kollegen am Eingang, um zu fragen ob sie schon die ersten mit auf die Wache bringen sollte, um die Aussagen schriftlich aufzunehmen. Als der Mann der ihr vorhin aufgefallen war sie fast umrannte. Geistesgegenwärtig...

  • Als der Mann der ihr vorhin aufgefallen war sie fast umrannte. Geistesgegenwärtig…
    stellte sie sich dem Mann in den Weg.
    „Entschuldigen Sie, ich muss dringend…“, brachte er hektisch hervor, während er versuchte, an ihr vorbeizuschlüpfen. Doch sie verstellte ihm weiterhin hartnäckig den Weg.
    „Nicht so schnell, der Herr. Bevor ich Ihnen gestatten kann, diesen Raum hier zu verlassen, hätte ich noch ein, zwei Fragen an Sie.“
    „Aber…“
    „Nur ein paar Fragen, es wird nicht lange dauern.“
    „Ich habe jetzt keine Zeit! Ich habe gerade eben erst das Café betreten, da war alles schon geschehen. Sie selbst sind schon länger hier als ich. Sie werden also nicht ernsthaft glauben, dass ich Ihnen mit einer Aussage weiterhelfen könnte?!“
    Der Mann schien jetzt langsam die Geduld zu verlieren. Hastig sah er sich nach beiden Seiten um, so als würde er sich von den eifrig durch das Café eilenden Polizisten oder den aufgeregten und hysterischen Besuchern Unterstützung erhoffen. Doch natürlich achtete niemand auf den großen und gertenschlanken Mann, der seine Augen unter einer dunklen Sonnenbrille verbarg. Spöttisch registrierte Seargeant Lacroix, dass sich Schweißperlen auf seiner Stirn zu bilden begannen.
    „Nun, ich hätte gerne gewusst, ob ihnen auf dem Weg hierher ein verletzter Mann aufgefallen ist. Es wurden nämlich Blutspuren im Bereich des Toilettenfensters gefunden.“, wollte sie von ihm wissen.
    Sollte er sich doch zunächst in Sicherheit wiegen. Er würde noch früh genug feststellen müssen, dass sie ihn trotz Sonnenbrille und blond gefärbten Haaren sofort erkannt hatte. Und dass sie ihm noch immer misstraute. Und zwar zutiefst misstraute. „Ob er mich überhaupt erkannt hat?“, schoss es ihr durch den Kopf. Natürlich musste er sie erkannt haben. So lange lag ihre unheilvolle Begegnung nun auch noch nicht zurück. Inzwischen bestand für sie gar kein Zweifel mehr. Diese rauhe, tiefe Stimme, die ihr durch Mark und Bein fuhr. Ja, er musste es sein. Sie war froh, dass sich außer ihr noch acht ihrer Kollegen mit ihm Raum befanden. Trotz seiner dürren Gestalt hatte der Mann etwas Respekteinflößendes an sich.
    „Nein, mir ist auf dem Weg hierher überhaupt niemand begegnet.“, antwortete er, sichtlich erleichtert darüber, scheinbar doch nicht erkannt worden zu sein.
    „Niemand? Nun gut, dann will ich Ihnen mal glauben schenken.“
    „Gut. Ich hoffe, das war dann alles. Ich muss nämlich jetzt eiligst los. Wie gesagt, ich hatte eine Verabredung – es handelt sich um ein dringendes geschäftliches Gespräch. Das lässt sich nicht aufschieben.“
    Er wollte sich an Seargeant Lacroix vorbeistehlen, aber diese reagierte schnell und hielt ihn ein weiteres Mal zurück. Der Mann sah ihr verwirrt und verärgert zugleich ins Gesicht, konnte ihrem Blick jedoch nicht lange standhalten. „Was…?“, wollte er beginnen, doch sie unterbrach ihn mit einem spöttischen Lächeln:
    „Es freut mich ungemein, Sie wiederzusehen – Mr Edmond J. Winter.“


    Kapitel 4


    Er rannte und rannte durch die Gassen der Stadt, soweit die Füße ihn trugen. Er wusste nicht, was ihn dazu bewegt hatte, das Päckchen an sich zu nehmen. Er hatte noch nie etwas gestohlen, hatte nicht einmal im Traum daran gedacht. Doch gerade eben, in dem Café, nach all der Verwirrung, hatte er plötzlich einen unerklärlichen und unwiderstehlichen Drang gehabt, dieses kleine, geheimnisvolle Päckchen, das da unter all dem Chaos halb verschüttet und unbeachtet gelegen hatte, an sich zu nehmen.
    Er war scheinbar ruhig und gelassen aus dem Café spaziert, ohne jegliche Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch kaum war er außer Sichtweite gewesen, hatte er begonnen zu laufen. Und nun rannte er seit einer guten Viertelstunde ununterbrochen und ohne auf seinen Weg zu achten. Seine Lunge brannte und das Seitenstechen war kaum mehr zu ertragen. Seine Umgebung nahm er kaum noch wahr, verschwommene Umrisse säumten seinen Weg. Der Wind blies ihm ins Gesicht und nahm ihm die Luft.
    Im nächsten Moment stieß er mit dem rechten Fuß gegen ein Hindernis auf seinem Weg, kam ins Straucheln und stürzte zu Boden. Er versuchte, den Sturz mit den Händen abzufangen, was ihm jedoch nur unzureichend gelang, denn er schlug mit dem linken Knie hart auf dem Asphalt auf. Schmerz durchschoss seinen Körper und Flüssigkeit stieg ihm in die Augen. Am liebsten hätte er geschrieen. Doch dann zog etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich. Das Päckchen war aus seiner Tasche gerutscht und lag nun neben ihm. Die Verpackung war zerrissen, der Inhalt jedoch noch verdeckt. Nun übermannte ihn trotz seiner Schmerzen die Neugier und er streckte die Hand aus. Plötzlich fühlte er, wie ihm jemand auf die Schulter tippte. Langsam wandte er seinen Kopf und bekam einen gehörigen Schrecken, als er…

    :lesen: Joe Navarro - Menschen lesen

    Einmal editiert, zuletzt von Erendis ()

  • Plötzlich fühlte er, wie ihm jemand auf die Schulter tippte. Langsam wandte er seinen Kopf und bekam einen gehörigen Schrecken, als er ein Monster hinter sich erblickte. Nein, natürlich kein Monster, wie er sie sich als Kind unter seinem Bett lauernd vorgestellt hatte, sondern einen monstruös gewachsenen Mann, mindestens 2 Meter groß und genauso breit, mit bösartig glitzernden Schweinsäuglein. Und auch das hätte ihn nicht weiter erschrecken können, hätte er das Monster nicht erkannt! ARESI, der gefürchtete Schläger aus Sala'zars Stall. Bisher war er, ein kleiner, unbedeutender Taschendieb, Sala'zar und Konsorten immer erfolgreich aus dem Weg gegangen, aber jetzt war es sicher um ihn geschehen. "Her damit", brummte Aresi, und, nicht lebensmüde, reichte Edgar ihm das Päckchen. Aresi aber, feinmotorisch etwas unterbegabt, ließ es fallen, und über die Straße ergoss sich eine Papierflut. Dicht bedruckte Seiten mit dem Briefkopf des Ministeriums für Landwirtschaft und Fischereiwesen, soviel konnte Edgar gerade noch erkennen, bevor Aresi ihm - verärgert ob der eigenen Ungeschicklichkeit - den Hals umdrehte.


    Kapitel 5


    Noch immer lag ich, nicht mehr aus Erschöpfung, sondern vor Entsetzen keuchend, im Kellereingang. Wie war es bloß so weit gekommen? Was war nur schiefgegangen? Die Papiere zu kopieren und die Kopien aus dem Ministerium zu schmuggeln, hatte meinen gesamten, nicht gerade geringen Erfindungsreichtum erfordert, und mehrfach war ich nur durch schnellste Reaktionen und geradezu geniale Schlagfertigkeit der Entdeckung entkommen. Dagegen würde die Übergabe der Papiere an Edmond ein Kinderspiel sein, hatte ich naiverweise gedacht, und dann stellt sich heraus, dass Sala'zar, ausgerechnet Sala'zar von unserer Aktion wusste! Was nur bedeuten konnte, dass sich ein Verräter in unseren Reihen befand! Wer konnte das bloß sein? Wir hatten doch unseren Plan vor dem äußeren Kreis geheimgehalten, und wir im inneren Zirkel... Nein, ich konnte mir nicht vorstellen, dass einer von uns... Unmöglich!
    Aber diese Gedanken beiseite schiebend, begann ich, mich einigermaßen präsentabel zu machen. Zum Glück sah man die Blutflecken auf meinem weinroten Hemd nicht so deutlich, und meine Stirnwunde hatte schon vor einiger Zeit zu bluten aufgehört. So machte ich mich auf den Weg zurück zum Café, in der Hoffnung, das Päckchen irgendwie doch wieder in die Finger zu bekommen, oder wenigstens Edmond, alias "König" Edmond, den Arroganten wider Erwarten dort noch anzutreffen und von meinem Missgeschick berichten zu können. Toben würde er natürlich, aber es war von höchster Priorität, dass er, und mit ihm der innere Kreis informiert würde. Ich hätte ja Céline via Handy anrufen können, wäre nicht das Handy, ebenso wie das Portemonnaie - nur langsam wurde mir das gesammte Ausmaß der Tragödie bewusst - mitsamt aller Kreditkarten und meinem Personalausweis im Jackett, und damit im Café zurückgeblieben.
    An einer Bushaltestelle fand ich endlich einen Stadtplan, konnte darauf sowohl meinen jetzigen Standort, sowie den Weg zum Café finden, und machte mich langsam auf den Weg.


    Kapitel 6


    Sergeant Lacroix! Sie war es wirklich! Winter sank das Herz. Von einer Katastrophe zur nächsten! Was würde nur als Nächstes geschehen? Er war auf alles vorbereitet, dachte er schicksalsergeben. Dachte er, und wurde sofort eines Besseren belehrt, als er Jean, den Urheber des Desasters, rufen hörte:"...

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Dachte er, und wurde sofort eines Besseren belehrt, als er Jean, den Urheber des Desasters, rufen hörte:
    „Edmond, das Päckchen! Hast du das Päckchen gefunden! Ich musste es hier zurücklassen, weil…“
    Er unterbrach sich, als er sich Winters Blick einfing, der ihm signalisieren sollte, dass dieser ihn am liebsten auf der Stelle erwürgt hätte und nur das Beisein von Seargeant Lacroix ihn vor diesem Schicksal bewahrte. Winter kochte innerlich vor Wut. Am liebsten hätte er in Jeans verwirrtes Gesicht geschlagen.
    „Ein Päckchen?“, fragte da auch schon die junge Polizistin.
    Jeans erschrockener und zerknirschter Blick zeigte Winter, dass dieser seinen Fehler nun bemerkt hatte. Doch leider war es für diese Einsicht zu spät. Nun musste er, Winter, versuchen, die verfahrene Situation zu retten.
    „Ein Päckchen? Ich weiß nichts von einem Päckchen? Der Mann redet wirres Zeug, er befindet sich aber in psychologischer Behandlung, Seargeant. Wahrscheinlich hatte er irgendwo hier im Café ein Päckchen für mich versteckt, dieser verdammte Kindskopf.“ Ihm gelang ein schiefes Grinsen in Richtung Seargeant Lacroix, während er inständig hoffte, dass sein Trottel von einem Verbündeten auf diese Notlüge eingehen würde, wenn er schon das Bedürfnis ausleben musste, im ganzen Café lauthals die Existenz des Päckchens zu verkünden. Jean starrte mit verwirrtem Blick abwechselnd Winter und die Polizistin an. Gut. So wirkte er überzeugend schwachsinnig. Obwohl der Blick vermutlich nicht nur gespielt war.
    „Habt ihr hier ein Päckchen gefunden?“, rief die Polizistin einem ihrer Kollegen zu.
    „Nein, wieso? Sollten wir?“
    „Es ist die Rede von einem Päckchen, das hier versteckt sein soll. Angeblich nur ein kleines Geschenk eines geistig verwirrten an seinen Kumpel. Vielleicht wäre das Päckchen aber trotzdem auch für uns interessant…“
    Sogleich setzte die fieberhafte Suche nach einem Päckchen ein.
    Jean, der nicht wusste, dass das Päckchen vor zehn Minuten mit Begleitung zur Tür hinausgewandert war, begann zu schwitzen und blickte hilflos zu Winter. Dieser hatte bereits wieder sein schiefes Grinsen aufgesetzt und sagte zu Seargeant Lacroix gewandt:
    „Würde mich auch brennend interessieren, was sich in dem Päckchen befindet.“
    Diese hörte ihm nicht zu, sondern sprach kurz mit einem Kollegen und machte dann ein besorgtes Gesicht. Winter bekam mit, dass ein paar Straßen weiter ein Mord geschehen war und dass davon ausgegangen wurde, dass dieser mit dem Vorfall im Café von vor ungefähr einer Stunde in Verbindung stand.
    In Jeans Augen stand nun Schreck. Wusste er etwas von dem Mord.
    „Ich muss unbedingt allein mit Jean sprechen.“, durchfuhr es Winter.
    Doch die wachsamen Augen der Polizistin verfolgten jede seiner Bewegungen. Doch mitten in seine taktischen Überlegungen hinein klang eine allzu vertraute, hämische Stimme.
    „Na, wen haben wir denn da?“
    Oh nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Er wandte den Kopf – und seine Befürchtung bestätigte sich. Da stand doch tatsächlich…

    :lesen: Joe Navarro - Menschen lesen

    Einmal editiert, zuletzt von Erendis ()

  • ...sein bescheuerter Bruder. Sein dämlicher Bruder der mit 16 zur Polizei gegangen war. Aus irgendwelchen idealistischen Gründen. Die Blicke die sich Lacroix und Dominic zuwarfen zeigten ihm eindeutig das die beiden wohl schon länger miteinander schliefen. Dieses Luder ließ sich aber auch gar nichts anmerken...Ob Dominik wohl wusste? Garantiert nicht konnte er sich denken. Verdammt, verdammt...Jetzt konnten sich weder er noch Jean unauffällig entfernen. Dominik kannte sie Beide- und konnte natürlich bestätigen das Er, Edmond J. Winter war. Und er konnte auch Jean identifizieren. Klar das sein Bruder sich nun vor Lacroix aufspielen musste. Alleine schon dieses hämische Grinsen hätte er ihm am liebsten aus dem Gesicht gewischt... Er wechselte ein paar Blicke mit Jean. Einer von ihnen musste es unbedingt schaffen abzuhauen und den Inhalt des Päckchens an sich bringen.


    Kapitel 7
    Ich überlegte Fieberhaft. Was sollten oder konnten wir nun tun? Ich hatte keine Chance mehr mit Edmond zu sprechen. Dafür hatte sein Bruder Dominik mit seinem Auftauchen gesorgt. Edmond machte ein paar hektische Bewegungen mit den Augen. Sollte ich nocheinmal versuchen durch die Toilette? Aber nein diese Polizistin war ja wohl nicht dämlich. Aber wir standen immernoch verdächtig nah am Eingang... Nun es war ein Versuch wert. Ich würde zwar erstmal auf mich gestellt sein aber wie ich Edmond kannte würde er früher oder später sowiso eine Möglichkeit finden mich zu kontaktieren. Er hatte überall seine Finger im Spiel. Aber zuerst musste ich unbedingt an mein Portmonaie. Die gefälschten Ausweispapiere würden es nämlich nicht gerade vereinfachen nicht festgenommen zu werden... Doch Dominik machte uns die Sache natürlich nicht einfacher. Er schrieb bereits einen ersten Bericht und bestätigte natürlich die Aussage von der Lacroix (das Rot stand ihr recht gut wie ich fand). Und dann bot sich mir plötzlich doch noch eine- wenn auch eher ungewöhnliche Gelegenheit zu türmen die ich natürlich sofort wahrnahm, nachdem mir Edmund mit einem Zwinkern gründes Licht gegeben hatte. Einer der Kellner...

  • Einer der Kellner näherte sich unserer Gruppe. "Frau Komissarin". Typisch speichelleckende Lakaien, dieses Kellnerpack; jedermann weiß doch, dass Lacroix nur ein einfacher Sergeant ist! "Frau Komissarin", sagte er also mit einem unterwürfigen Kratzfuß, "ist dies vielleicht das Päckchen, dass Sie suchen?", und hielt eine halb zerrissene Plastiktüte hoch, in der sich eine weiche Masse befand, die an Knete erinnerte. Außerdem sah man das Ziffernblatt eines Weckers und einige aus dessen Rückseite hervortretende Drähte. "Dies habe ich nämlich gerade hinter der Theke gefunden, und gestern abend war es garantiert noch nicht da, Frau Kommissarin." Nur ein Jubelidiot grandiosen Ausmaßes konnte wohl freiwillig ein solches "Päckchen" in die Hand nehmen, das doch ganz offensichtlich...


    "Eine Bombe" schrien unisono die Polizisten auf, und Lacroix übertönte sie noch - unglaublich, welch eine Stimmgewalt in einem so zierlichen Persönchen stecken kann - "Räumt das Café!" Es folgten Chaos und mit ihm meine Chance. Schon wieder rennend, das zweite Mal innerhalb von knapp 2 Stunden - nein wirklich, ich schwöre Ihnen, sobald ich aus dem Streckverband heraus bin, werde ich anfangen zu trainieren - sprintete ich über die Straße, schaffte es gerade noch um die nächste Straßenecke, bevor die Explosion ertönte. Das ließ mich allerdings nicht langsamer werden, im Gegenteil, eine Explosion verleiht Flügel!, und so flog ich die Treppe zur nächsten U-Bahnstation hinunter, flankte über das Drehkreuz, schlüpfte zwischen den sich schließenden Türen der Bahn hindurch, und warf mich auf einen leeren Platz.
    "Immerhin brauche ich jetzt nicht mehr zu befürchten, dass meine falschen Papiere gefunden werden. Die sind zum Glück in Rauch aufgegangen", dachte ich und sinnierte darüber nach, dass jedes Übel der Welt auch etwas Gutes mit sich bringt. Ob nun Edmonds Tod (ein guter Sportler war er noch nie gewesen, und mit zunehmendem Alter wurde er immer träger) in die erste oder zweite Kategorie fiel, darüber wollte und konnte ich noch kein Urteil abgeben. Einerseits fehlte nun ein wichtiges Mitglied des Inneren Kreises, andererseits konnte er aber auch niemandem mehr erzählen, wie selten dämlich ich mich angestellt hatte. Wie hatte ich nur völlig übersehen können, dass das Café von Polizisten nur so wimmelte? Noch jetzt möchte ich mich bei dem Gedanken daran am liebsten in den Arsch beißen, aber mit einem Streckverband, wissen Sie, ist das nicht so einfach. Nun ja, ich schiebe diesen Lapsus auf die durchwachte Nacht im Ministerium, den Schreck mit Aresi, den Fall auf den Kopf und viel zu viel Gerenne zurück. Nur einen Gedanken hatte ich im Kopf, nämlich Edmond von der Katastrophe zu berichten, und als ich ihn dann wider Erwarten im Café noch sah... So etwas kann doch jedem passieren, meinen Sie nicht auch?
    Nun, wo war ich gerade? Ach ja, in der U-Bahn, wo ich über die bestehenden Alternativen nachdachte. Ideal wäre natürlich, das Paket wieder in die Finger zu bekommen, aber auch das war wohl mit der Bombe in die Luft gegangen. Oder war es das? Sagte nicht einer der Polizist, sie hätten kein Päckchen gefunden? Ja genau, das konnte nur bedeuten, dass es jemand schon vorher entwendet hatte, und dieser Jemand konnte eigentlich nur Aresi sein. Also müsste ich Aresi finden, ihm das Paket abluchsen - ihn zu überlisten wäre bei seinem IQ nun wirklich kein Problem - und es dann Celine eigenhändig zu überreichen. Ganz einfach also, wenn es da nicht ein paar kleine Hindernisse gegeben hätte. Wie ihn finden? Und zwar, bevor er Sala´zar erreichte? Und wie dann ohne Geld, Kreditkarten, Freunde oder Pass nach London gelangen? In meine Wohnung konnte ich nicht zurückkehren; zu gut kannte Dominic die Adresse. Oder sollte ich es doch riskieren? Dominic war sicher noch einige Stunden mit der Explosion beschäftigt, wenn er nicht gar - süßer Gedanke - selbst draufgegangen war, und wenn ich mich beeilte, könnte ich mich immerhin umziehen, meine Krügerrand-Sicherheitsreserve aus dem Geheimversteck holen und dann vielleicht am Besten direkt nach London fliegen. Den Großteil der Dokumente - es lebe mein fotografisches Gedächtnis - könnte ich dort rekonstruieren, nur als Beweismittel könnten wir die Information leider nicht verwenden. Ja, kein schlechter Plan, aber außer der Polizei war da ja auch noch Sala´zar, dem meine Wohnung ebenfalls bekannt war. Und der für die Schnelligkeit seiner Reaktion und seiner Schläger, naja, vielleicht mit Ausnahme von Aresi, bekannt war.
    Es schwirrte in meinem Kopf, wie der sprichwörtliche Esel stand ich zwischen den Heuhaufen, und schließlich, ich muss es gestehen, übermannte mich die Erschöpfung und ich nickte ein. Als ich, kurzfristig desorientiert, wieder erwachte...
    Aber nein, da kommt die Nurse mit meiner abendlichen Morphin-Spritze. Sie wissen vielleicht, wie müde man von Morphin wird, also muss ich für heute meine Geschichte beenden. Wenn Sie morgen wieder kommen, erzähle ich Ihnen den Rest.


    Kapitel 8


    Am nächsten Morgen, Mittwoch, dem 7. September, schlug Celine nichtsahnend die London Times auf, und verschluckte sich vor Schreck an ihren Ham and Eggs! Entsetzt las sie in riesigen Lettern:...

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • "Das war töricht von dir, dass weißt du hoffentlich?"
    "Ja Boss."
    "Was glaubst du wohl was Celine Morgen Früh in der Zeitung lesen wird -K-34h aus Labor entwendet!!-." Sala´zar schüttelte nur den Kopf über diese Miesere die Aresi jetzt wieder angerichtet hatte. Zieht ne Kanone in aller Öffentlichkeit, bringt einen jungen Taschendieb um und befindet es nicht für wert den Inhalt der, in den Papieren eingewickelt war, mitzunehmen. Er vermutete das nicht mal Celine selbst wusste welch Potenzial in diesem Stoff steckte...kriminelles Potential.
    "Weist du was uns da durch die Lappen gegangen ist? WEIST DU DAS!?" Sala´zar riss das Lenkrad gerade noch rechtzeitig herum um nicht in einen LKW zu rasen.
    "Das war eine einmalige Gelegenheit, aber jetzt wo Celine davon Wind bekommen hat wird sie sicher nicht noch einmal so ein Wagnis eingehen. Lass die anderen die Drecksarbeit machen und sei einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort... ."
    Ein tiefer Seufzer Seitens Aresis.
    "Und jetzt Boss? Was machen wir jetzt Boss?"
    "Na was wohl...du wirst heute Abend in das 23. Apartement einbrechen. Die sind nicht nur für diese Sauerei im Café verantwortlich sondern auch für diesen unnützen Mord den du begangen hast. Du steigst ein, durchsuchst die Asservatenkammer nach den Phiolen und kommst wieder raus.
    Was guckst du so dämlich?"
    Mittlerweile hatte sich der Boss wieder etwas beruhigt und jagte seinen limetten-grünen GTI mit nur 30kmh über dem zulässigen Limit Richtung Innenstadt.
    "Ich werde natürlich Christoph bescheid geben", und er zeigte sich sogar großzügig, "er wird dafür sorgen das du ohne große Probleme hinein und wieder hinaus kommst."
    Der Boss brachte jetzt sogar ein Lächeln über die Lippen.
    "Danke Boss."
    "Danke? Wofür? Bring mir die Phiolen und die Formeln und Ich werde Dier danken."
    Jetzt musste auch Aresi lachen, er war ja doch nicht so ein Wilder...sein Boss.
    "Ach ja, und versuch erst gar nicht abzuhauen und die Fläschchen alleine zu vertickern. Ich weis genau das es 3 Stück sind. 3 Phiolen und 25 Seiten dechiffrierter Code. Haben wir uns verstanden?"
    Aresi stieg das Blut in den Kopf, als hätte man ihn bei einem schmutzigen Gedanken ertappt, so dass er nur ein leises, "ja Boss", rausbrachte.
    "Ich lasse dich da vorne an der Santí raus, ich hole dich dort heute um Punkt 21:00 wieder ab. Verstanden? Samt dem Päckchen und dessen Inhalt, ok?"
    "Ok Boss. Und was machen sie Boss?"
    "Ich habe so einen Verdacht...ich glaube das ein guter Bekannter von uns Hilfe brauchen wird. Wobei er vorher sicher noch in seine Höhle zurückkriecht um seine Wunden zu lecken.."
    "Sie meinen Jean, Boss?"
    "Ja. Zwei Leute werden schon auf ihn warten wenn er Nachhause kommt. Wie gesagt, lass andere die Drecksarbeit für dich machen..."



    Kapitel 9


    "Uha!", ich schreckte mit diesem Urschrei aus meinem Dämmerzustand hoch. Ich war eingeschlafen auf einer der gelben Metallbänke in der Metrostation. Oh Gott die haben mich für einen Penner gehalten, oder warum sonst hat man mir hier zwei Zehner in die Brusttasche meines Jacketts gesteckt?
    Ich musste nun schleunigst in die Wohnung und mir mal ein paar Pflaster aufkleben, neue Klamotten anziehen und zusehen das ich noch ein Ticket für den Zug bekomme. Denn nach alle dem was heute im Café passiert ist werde ich den Teufel tun und in einem Flugzeug nach London fliegen.
    London?...Das Päckchen!! durchfuhr es mich. In meinem Taumel hatte ich ganz vergessen das all der Schlamassel nur wegen dieser Papiere verursacht wurde. Obwohl es kindisch war, wir leben in Zeiten des Internets und der Hacker und der Datenverschlüsselungen und...und...und...


    K-34h aus Pariser Versuchslabor gestohlen


    Wie eine biestige Kreatur sprang mich die Schlagzeile der Lé Monde an, die da vor mir am Stand des Zeitungsverkäufers lag. Ich überflog nur den kleinen Zusatzartikel rechts, unter einer Außenaufnahme des Institutes.


    ...Sonntag, 4. September...
    Einbruch im Obergeschoss des Universität Institutes...unbestimmte Menge eines künstlich hergestellten Toxins...
    noch nicht klassifiziert...
    näheres auf Seite 3


    Wie ist es möglich, nein, wie kann es sein das in ein und der selben Nacht zwei! Einbrüche in ein und das selbe Gebäude statt finden konnten? Ja, ich war ins Obergeschoss eingestiegen aber in einen Bürotrakt, nie hatte ich auch nur einen Fuß in eines der Sicherheitslabors gesetzt.
    Im Gegenteil. Ich hatte einfach ein Fenster ausgehebelt, war zum Schreibtisch unseres Maulwurfs gedackelt und habe das Päckchen an mich genommen. Mir wurde ja nicht einmal gesagt was drinnen steckt.
    Mhm, verrückte Welt..., dachte ich bei mir.
    Ich ging nun weiter um auf die nächste Bahn Richtung Innenstadt zu warten, ne Karte werde ich mir heute mal, ausnahmsweise, nicht lösen. Wer weis vielleicht brauche ich die 20 Scheine noch.
    Die Metro, die im 5 Minuten -Tackt fuhr, war wieder mal überpünktlich. Es tat sich nicht viel. Bis zur Rushhour war es noch ein wenig hin und Touristen waren auch kaum zu sehen. Ich nahm mir gleich einen Sitz neben der Tür und lehnte mich an eines der Fenster. Ich versuchte zu dösen...
    ...es gelang mir natürlich nicht. Ich sah mich ein bisschen um und studierte die Leute die rings um mich saßen. Ein altes Ehepaar das sich seit 10 Jahren nichts mehr zu sagen hatte, ein kleiner gedrungener Mann -breit nicht groß- in einem grauen Mantel, der versuchte zwanghaft unauffällig auszusehen. Noch drei Jugendliche die sich über den miesen Empfang ihrer Mobiltelefone ärgerten, ganz hinten war noch eine Mutter mit Kinderwagen und noch so ein Kerl -lang schlaksig in Bomberjacke- der mich dauernd anstarrte. Oder an mir vorbei, ich wusste es nicht. Ich sah mich noch mal zu dem Mantelträger um...
    Ich könnte schwören das sich die beiden kannten. Der Mantel stand auf, auch der Bomberjacken-Typ erhob sich und griff in die Innenseite seines Kleidungsstückes. Ich rutschte nervös auf meinem Sitz hin und her.
    Ich kannte weder den einen noch den anderen, ich wusste auch nicht was SIE mit der ganzen Sache zu tun hatten, waren sie es die die Bombe gelegt hatten? Das einzige was ich wusste war das sie mich in die Zange nahmen und beide sehr geschäftig in ihren Innentaschen herumfuhrwerkten. Und wie auf Kommando, und in Puncto Synchronität bekamen sie 10 Punkte von mir, jeder eine...

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  • Und wie auf Kommando, und in Puncto Synchronität bekamen sie 10 Punkte von mir, jeder
    eine
    Stichwaffe mit gefährlich scharfer Klinge zutage förderte!
    Ich überlegte verzweifelt, was zum Teufel diese Typen wohl von mir wollten und wie ich dieser vertrackten Situation gefahrlos entrinnen konnte. Nun, gefahrlos – das war wohl etwas zu viel verlangt. Schließlich schwebte ich schon jetzt in Lebensgefahr. Die Klingen wirkten wahrlich sehr scharf. Ich fühlte, dass sich Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten und in mir der übermächtige Wunsch, um Hilfe zu rufen. Doch falls ich dies täte, würde in wenigen Minuten die Polizei hier sein, was sich in meinem Falle absolut nicht als vorteilhaft erweisen würde. Nein, ich würde mir einen anderen Ausweg suchen müssen. Der Mann im grauen Mantel bückte sich ein wenig und neigte seinen Kopf, so dass sich sein Mund direkt neben meinem rechten Ohr befand. Mir wurde beinahe übel, als sein schlechter Atem in meine empfindlichen Nasenlöcher drang. Der Mann begann, nur für mich hörbar, in mein Ohr zu flüstern:
    „Gib mir das Päckchen und wir werden dir nichts tun. Gib mir das Päckchen und du bist uns ein für allemal los. Gib mir das Päckchen nicht und dein Sitz wird in wenigen Minuten rot gesprenkelt sein. Den Grund dafür kannst du dir sicherlich denken.“
    Der Mann lachte leise und hielt mir das Messer an die Halsschlagader. Der Typ mit der Bomberjacke nickte nur und grinste. Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich die beiden Männer abwechselnd an.
    „Ich… ich hab das Päckchen nicht mehr. Ich… ich habe keine Ahnung, wo es jetzt ist,“ stammelte ich verzweifelt. Die beiden Männer lachten. Diesmal war es der Bomberjacken-Typ, der flüsterte:
    „Wir wissen ganz genau, dass du dieses Päckchen hast. Und unser Boss braucht den Inhalt ganz dringend. Sei also besser klug und gib uns das Päckchen, wenn dir dein Leben lieb ist.“
    „Ich habe es nicht, verdammt noch mal! Als sie im Café begonnen haben, zu schlägern, habe ich mich aus dem Staub gemacht und das Päckchen dort vergessen. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo es jetzt sein soll. Wahrscheinlich ist es mit dem Café in die Luft geflogen,“ brachte ich mit neu gefasstem Mut hervor. Am besten, ich sagte jetzt die Wahrheit. Lügen hatte wohl keinen Zweck, denn ich hatte keine Ahnung, wie viel diese beiden Herren von dem Plan wussten. Möglicherweise wussten sie mehr als ich.
    Aus dem Augenwinkel bemerkte ich Blicke in unsere Richtung. Das ältere Ehepaar schien aufmerksam geworden zu sein, doch sie konnten die Messer von ihrem Blickwinkel aus nicht sehen. Die beiden Männer schienen die Blicke nicht zu bemerken. Sie waren anscheinend damit beschäftigt, zu überlegen, ob das, was ich gesagt hatte, der Wahrheit entsprechen konnte. Anscheinend kamen sie zu dem Ergebnis, dass dem nicht so ist, denn der Mann im Mantel schüttelte den Kopf und zischte bedrohlich:
    „Hör mal, wenn du uns das Päckchen nicht augenblicklich herausrückst, hast du ein wirkliches Problem, Junge.“


    Kapitel 10


    „Na toll, da habe ich mir ja mal wieder was eingebrockt! Wieso ist dieser vermaledeite Raum hier so verdammt unübersichtlich?!“, dachte Aresi wütend. Er irrte zwischen den Regalen der Asservatenkammer umher und wusste nicht, wo er mit seiner Suche beginnen sollte. Gerade kam er an einem Regal mit einer ganzen Reihe von Schmuckstücken vorbei, die zum Teil aus purem Gold zu sein schienen. Am liebsten hätte er eines dieser wertvollen Stücke eingesteckt, doch der Boss wäre davon sicherlich alles andere als begeistert gewesen. Äxte, Messer, Schriftstücke… Nur Phiolen waren weit und breit keine zu sehen. Verdammt, irgendwo mussten sie doch sein! Er hatte mindestens dreimal den gesamten Raum durchschritten. Aber so gründlich er sich auch umsah – nirgends eine Spur von den Phiolen. Plötzlich erstarrte er mitten im Gehen und blickte zur Tür. War da nicht ein Geräusch gewesen? Er hörte genauer hin. Schritte! Panikerfüllt duckte er sich hinter eines der hintersten Regale. Die Tür wurde geöffnet und herein kam…

    :lesen: Joe Navarro - Menschen lesen

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  • Die Tür wurde geöffnet und herein kam eine nur allzu vertraute Gestalt.
    "Und was suchst du hier, mein Lieber?", ertönte eine bekannte Stimme. "Nein, spar’ dir die Mühe zu antworten, das war eine rhetorische Frage. Selbstverständlich sind es die Phiolen, nach denen dich Sala´zar geschickt hat. Aber du suchst an der falschen Stelle; hier sind sie nie angekommen. Niemand, nicht einmal Dominic, hat gesehen, wie ich sie eingesteckt habe. Hiermit ist mein Ruhestand gesichert. Celine wird sie mir sehr gut bezahlen."
    Aresi erbleichte, versuchte sich vergebens an einer Antwort, und wurde aschfarben bei dem Gadanken daran, wie wohl Sala’zar auf die Enthüllung reagieren würde, dass Lacroix die Phiolen besaß. Sala´zar würde rasen vor Wut, und er, Aresi, würde dafür büßen müssen. Ohnmächtig sank er zu Boden.


    Kapitel 11


    Verzweifelt flüsterte ich: "Aber Sala´zar hat das Päckchen doch schon! Wieso lasst ihr mich nicht einfach in Ruhe?"
    "Von wem redest du, Freundchen? Sala´zar? Kenn' ich nicht. Unser Boss ist doch"
    "Halt’s Maul! Bist du völlig übergeschnappt?", unterbrach ihn rüde sein Kompagnon. "Wer unser Boss ist, das geht diesen Hasenfuß überhaupt nichts an! Los, her mit den Papieren! Und keine faulen Ausreden!"
    Das Messer bohrte sich tiefer in meine Haut, und ich spürte den ersten Blutstropfen an meinem Hals herabrinnen.
    Können Sie sich vorstellen, dass das Klischee wirklich stimmt? In Todesnähe läuft tatsächlich das Leben noch einmal vor Ihren Augen ab. Ich hatte das bisher für eine Lüge gehalten, aber nun weiß ich es besser. Auf diesen Wissensgewinn hätte ich in jenem Moment allerdings liebend gern verzichtet.
    Nun ja, wie Sie sehen, überlebte ich wider alle Hoffnung. Noch heute sende ich jeden Morgen ein Dankgebet an den Metrovorstand, dessen Geschäftspolicy ein rigoroses Durchgreifen Schwarzfahrern gegenüber fordert. Das ältere Ehepaar näherte sich unserer Kleingruppe, zuckte selbst beim Anblick der Stilette nicht zurück, sondern verlangte "Ihre Fahrausweise, bitte!"
    Woraufhin die beiden Knaben ihre Messer einsteckten, und eifrig ihre Hosentaschen durchsuchten. "Bitte sehr!", "Vielen Dank!", ertönte es zwei mal, und dann wendeten sie sich an mich, der ich nun leider beim besten Willen keine Fahrkarte vorweisen konnte. "Ihre Personalien", aber auch mit einem Perso konnte ich nicht dienen, so dass der nächste Schritt natürlich in einem "Dann folgen Sie uns bitte zum nächsten Polizeirevier, zwecks Feststellung ihrer Identität.", bestand.
    Vergeblich versuchten die beiden Rowdys, die Kontrolleure zur Nachsicht zu bewegen, erboten sich sogar, mir eine Fahrkarte zu kaufen, aber keine Macht der Welt hat eine Chance gegen die erbarmungslosen Kontrollanten der Pariser Metro! Nun, mich störte das nicht weiter, im Gegenteil. Zahm wie ein Lamm folgte ich ihnen, während die Schlägertypen machtlos hinter uns herschauten.


    Kapitel 12


    Ganze 5 Flics wurden benötigt, um den nicht gerade zierlich gebauten Aresi aus der Asservatenkammer zu ziehen. Der Polizeiarzt wurde hinzugerufen; er beugte sich über die leblose Gestalt, hörte Herz und Lungen ab, zog die Augenlider hoch und leuchtete mit einer Lampe in die Augen, rüttelte Aresis Schulter und schlug ihm unsanft auf die Wangen. Keine Reaktion. "Schock", konstatierte er sachlich. "Was ist geschehen, Sergeant Lacroix?"
    Während diese noch auf eine passende Antwort sann, trat Dominic aus der Asservatenkammer heraus, schaute seine Kollegin misstrauisch an und murmelte: "Das würde ich auch gerne wissen. Von welchen Phiolen sprachst du?" Aber auch darauf brauchte Lacroix keine Antwort geben, denn in diesem Moment öffnete sich die Außentür, und 2 Metrobedienstete führten einen trotz seiner offenbar teuren Kleidung leicht ungepflegt und übernächtigt wirkenden Mann herein, der nach einem Blick auf Aresi…

    Wir sind irre, also lesen wir!

    Einmal editiert, zuletzt von Saltanah ()

  • auf Lacroix zuging. "So sieht man sich wieder" kam gleich ein Kommentar von Dominik. Jean sah wirklich recht mitgenommen aus. "Na Jean was war da jetzt eigentlich die ganze Zeit los?" Er bemerkte nicht wie Lacroix in sich hineinlächelte. Sehr gut keiner hatte auch nur einen blaßen Schimmer was hier lief. Nichteinmal dieser Jean den Dominic so gut zu kennen schien. "Tja ich würde sagen das du vorläufig festgenommen bist! Bis wir wissen was hier eigentlich gespielt wird!- Komm Denise hier können wir sowiso erstmal nichts mehr ausrichten." Und damit wurde Jean erstmal abgeführt.


    Kapitel 13
    Natürlich es war wieder so klar. Kaum war er der Polizei entwischt lief er ihnen mal wieder direkt in die Arme. Ich hab nicht mal die Möglichkeit irgendjemanden anzurufen. Edmonds Einzelteile waren vermutlich immernoch unter den Trümmern des Cafes und auch sonst kam niemand in Frage. Nichteinmal ein Anwalt. Ja ich saß wirklich unglaublich in der Patsche. Zu allem Überfluss kam jetzt Dominik wieder herein. Seltsamer weise machte er ein eher säuerliches Gesicht. In der Hand hielt er ein Blatt Papier. "Tja wie es aussieht hast du zumindest was die französischen Gefängnisse angeht verdammtes Glück gehabt- gerade eben kam ein Fax von Interpol rein. Wie haben ein Auslieferungsgesuch von London- Tja du scheinst ja echt ein gefragter Mann zu sein mein lieber. Aber glaub bloß nicht das wir uns das letzte Mal gesehen haben- wir werden hier weiterermitteln und dann kommst du nach deiner Zeit in England ganz schnell wieder auf einen Besuch in Paris vorbei!" Das verstand ich nun gar nicht. Seit wann lag in England ein Haftbefehl gegen mich vor? Ich war doch noch nie dort gewesen? Was sollte ich jetzt tun? Und vorallem wer half mir gerade? Noch am selben Abend wurde ich mit einer Polizei Exkorte zum Garde de l 'est schoffiert. Dort lagen schon mehrere Zugtickets vor. Selbstverständlich würde ich nicht ohne Begleitung nach London reisen. Aber vielleicht hatte ich ja dennoch die Chance wärend der Zugfahrt zu entwischen. Eine Möglichkeit würde sich da schon ergeben. Eigentlich war ich ja auch aus schon viel brenzligeren Situationen entwischt. "Beeil dich Jean der Zug wartet nicht!" Natürlich. Dominik würde mitkommen. Eigentlich hatte ich es ja nicht anders erwartet. Das würde die Sache natürlich etwas verkomplizieren. Immernoch fragte ich mich jedoch was passieren sollte wenn wir alle erstmal in London waren. Dort bestand natürlich die erhöhte Gefahr das der Schwindel auffiel bevor ich verschwunden war. "Na los beweg dich mal!!" Tja Dominic war schon immer von der eher ungeduldigeren Sorte gewesen. Na gut. Ich lies mich also von den beiden Beamten in das Zugabteil führen. So wie es aussah waren wir nur zu viert im Abteil. Als sich der Zug kurze Zeit später in Bewegung setzte kam jedoch noch ein Herr dazu. Wie es aussah hatte er wohl auch reserviert. Ich sah wie Dominic das Gesicht verzog , er sagte jedoch nichts. Mir kam dieser Mann jedenfalls irgendwie bekannt vor. Ich konnte bloß nicht einordnen woher ich ihn kannte.
    Ich musste wohl eingedöst sein. Um mich herum war es ganz still. Auch die anderen waren wohl eingeschlafen. Sogar Dominic. Da blickte mich der Mann, der mir vorhin schon bekannt vorgekommen war an und....

  • "Komm, gehen wir", meinte er.
    Ich sah ihn nur dämlich an und machte eine Geste als wäre mir gerade ein Korb mit Eiern runtergefallen, jene die auch gestresste Dirigenten machen, fuchtelnd, energisch.
    "Du spinnst", flüsterte ich.
    "Warum?" Er stand auf und zog ganz sachte und leise Fußschellen aus der Innentasche seines Anzuges die er bähende meinen Begleitern anlegte, zu je einem Pärchen so das daraus ein konfuses Sackhüpfen würde, wenn sie denn aufwachten.
    Klick, klick und klick und ein ungeduldiges, "na kommst du endlich", zeigten mir das er es wirklich ernst meinte. Nun gut.
    Tür auf, wir raus, Tür zu. Weck wahren wir.
    Der Mann war gut, sehr gut sogar...er hatte schon öfters Jobs für Celine übernommen...
    "Was machst du hier Frank?"
    Er ist in so etwas wie eine Einmann- Spedition...
    "Sieht man das nicht? Ich arbeite."
    Er transportiert heiße Ware...
    "Und in wessen Auftrag?"
    Nein nein, er verhökert sie nicht oder so, er transportiert sie einfach nur...
    "Celine schickt mich um ein Packet abzuholen."
    Deswegen nennt man ihn in der Szene auch nur The Transporter...
    "Ach, ein Euro für jeden Satz der mit Päckchen zu tun hat. Ich muss dich aber enttäuschen. Ich habe es nicht mehr."
    Sein "offizieller" Name ist Frank Martin und auch wenn es sein Anzug nicht vermuten lassen würde ist sein Job höchst illegal...
    "Celine glaubte so etwas schon zu ahnen."
    Er wird von allerlei zwielichtigen Typen angeheuert um Drogen, Geld oder sogar auch Menschen von Punkt A nach Punkt B bringen zu lassen...
    "Es ist alles schief gegangen, Sala´zar hat Wind davon bekommen, und dann flog auch noch das ganze Café in die Luft."
    Aber damit hat er kein Problem...
    "Ich soll ja auch nicht das Päckchen sondern DICH abholen. Für was anderes werde ich nicht bezahlt."
    Regel 1. Stell keine Fragen...
    "Was mich!? Warum das?"
    Regel 2. Öffne niemals ein Packet...
    "Du sollst noch einen Job für sie erledigen."
    Regel 3. Brich eine der beiden Regeln und du bist tot...


    Kapitel 14


    Unser Gespräch wurde jäh durch das stoppen des Zuges beendet. Wir stiegen an einem kleinen Bahnhof aus und ich musste gestehen das ich nicht ohne eine leichte Belustigung dem abfahrenden Zug nachsah, bis er um die nächste Ecke gebogen war.
    Ein ,"komm steig ein", riss mich aus meinen Gedanken. Ich stieg auf der Beifahrersitz des schwarzen BMW´s ein. Frank war gerade dabei sich seine schwarzen Lederhandschuhe anzuziehen, die die er immer trug um ordentlich -sprich auf alle Eventualitäten vorbereitet- fahren zu können. Er tippte den Deckel in der Mittelkonsole an und ein kleines Nummernfeld erschien. Er tippte 6 mal auf die Tastatur und der große Wagen lies ein markiges "schnurren" seiner 235 PS vernehmen. Gleich darauf sprang auch der CD-Player an und lies die ersten Töne von Smetanas Moldau erklingen.
    Wie ich schon sagte, Frank Martin war ein eigens Kapitel für sich.


    Wir fuhren so 10 Minuten in denen keiner von uns beiden etwas sagte. Frank raste nicht, nein, das Risiko in eine Streife zu geraten und dann gefilzt zu werden war zu groß. So das er auch jetzt, zwar mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit, aber dennoch recht bedächtig fuhr.
    Ich hielt es nicht mehr aus:
    "Und, was ist das jetzt für ein Job?"
    "Sieh mich nicht an, ich gehöre nicht zu eurer Bande. Ich weis auch nicht viel darüber. Du meintest dass ein Café in die Luft flog. War es jenes wo ihr die Übergabe geplant hattet?"
    >>Du bist gerade dabei Regel Nummer 1. Zu brechen<<, wollte ich schon zu ihm sagen aber dies alles war kein Geheimnis wenn man 2 und 2 zusammenzählte.
    Mit einem, "ja", stimmte ich ihm zu, "ich habe nicht den blassesten Schimmer wer es gewesen sein konnte. Habe auch nichts mehr von der Sache gehört."
    "Das Lacroix davongekommen ist weist du schon?"
    "Ja, hat mich ja persönlich verfrachtet. Hat Celine wirklich nichts durchblicken lassen?"
    Er zuckte mit den Schultern.
    Also musste ich stur abwarten. Aber dennoch interessierte mich, "und wo sollst du mich hinbringen?"
    "Es hat geheißen ich soll dich vor deiner Wohnung absetzen."
    Ich machte auf dem Sitz eine halbe Drehung nach links und blickte Frank entgeistert an.
    "Bist du Wahnsinnig? Nebst Polizei werden da Sala´zar, unbekannte Bombenleger und der Tierschutzverein schon auf mich warten. Was denkt sich Celine eigentlich dabei, was soll ich dort überhaupt?"
    "Ich soll dir von ihr lediglich ausrichten dass du alles Nähere in der kleinen Aktentasche auf deinem Bett finden wirst. Keine Angst die Wohnung und die Gegend drum herum sind sauber."
    Also war es wieder einmal so weit, ich steckte mitten in einem Auftrag, wie in alten Zeiten...ich bin zu alt für diesen Job.


    Während wir uns so unterhielten flog eigentlich die Innenstadt von Paris nur so dahin, und es schienen mir kaum 5 Minuten vergangen zu sein zwischen meiner misslichen Lage im Zug und der vorübergehenden Freiheit in der ich jetzt am Parkplatz vor meiner Wohnung stand.
    "Ich wünsch dir alles Gute", meinte Frank während ich aus dem Wagen stieg, "und bevor ich's vergesse. Da vorne, siehst du den weißen Peugot?" Er deutete ungefähr auf die andere Straßenseite wo ein ziemliches Geschoss von einem Taxi stand. So mit Spoiler und fetten Doppelrohrauspuff.
    "Das Taxi?" Fragte ich, ich war mir ja nicht ganz sicher.
    "Ja. Das ist dein persönlicher Fahrer. Er wird bis Samstag auf dich aufpassen."
    Fahrer, Samstag? Ich ahnte böses...
    Wir verabschiedeten uns formlos, ich war ja immerhin nichts anderes als ein "Packet" für ihn. Ein Auftrag.
    Ich ging das Stiegenhaus hoch in den zweiten Stock. Steckte den Schlüssel ins Schloss und machte auf. Alles ordentlich, nichts verwüstet oder durchsucht. Ich ging zuerst mal duschen, und auch ne Toilette wäre nicht verkehrt und es sollte sich erweisen das der Gang aufs stille Örtchen ein weiser Entschluss war, denn als ich in mein Schlafzimmer kam und die abgegriffene, im Laufe der Jahre wohlbekannte, Aktentasche öffnete hätte ich vor Schreck meine Darmflora kaum unter Kontrolle halten können.
    Die Phiolen waren lokalisiert, ein simpler Raub, kaum Tote...bis wann?
    BIS WANN?
    Ich überflog nur kurz das Dokument und konnte nur noch stumm den Mund auf und zu Machen:
    ...Treffpunkt...
    ...am Samstag...
    ...21:00 Uhr CET...
    ...Rom...


    Und zusammenarbeiten soll ich mit dem Fahrer des Taxis?! Den Teufel werde ich tun ich arbeite doch nicht mit...

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  • ...irgendso einem Unbekannten Handlanger zusammen der mich wohmöglich noch in der nächsten Stunde an die Gegenseite verpfeifen würde weil diese ihm mehr Geld bot. Ich musste mir also etwas einfallen lassen wie ich diesen Typen bis Samstag am schnellsten loswerden würde.


    Kapitel 15
    Seargent Lacroix legte auf. Gerade eben war ein Anruf von Dominic gekommen. Das Vögelchen war ausgeflogen. Wie hatte dieser Idiot es nur geschafft Jean entkommen zu lassen? Schlimm genug war die Nachricht das in London gar kein Haftbefehl vorlag. Weder dort noch sonst wo auf der Insel. Sie waren reingelegt worden. Verdammt Sie hätte es wissen müssen. Er war wohl jemandem sehr wichtig... Siedend heiß viel ihr ein das sie die Phiolen immernoch in ihrem Versteckt hatte. Durch die ganze Aufregung hatte sie nicht mehr daran gedacht.
    "Tina ich gehe heute früher" rief sie der Sekretärin zu und verlies das Revier. Wegen Jean würde sie sich später ihre Gedanken machen. Momentan lief sowiso der Internationale Haftbefehl, alles andere konnte sie also getrost erstmal den Kollegen überlassen. Sie schwang sich auf ihr Motorad (selbstverständlich mit Helm) und fuhr zu einem Älteren Mietshaus aus den 40er Jahren etwas außerhalb von Paris gelegen. Dort angekommen stieg sie ab, sicherte das Motorad und ging auf den Eingang zu. Neben der Haustür sah man eine Reihe von Klingelschildern. Sie suchte kurz und betätigte dann den Klingelknopf neben einem unscheinbaren Schildchen mit der Aufschrift: "E. Sabilon" Ohne das jemand abhob wurde sie tür geöffnet. Ihre Mutter bekam selten Besuch und saß daher oft am Fenster. Sicherlich hatte sie ihre Tochter schon gesehn. "Eliza schön das du da bist!!" "Mama nicht so laut - ich hab dir doch schonmal gesagt du sollst mich Denise nennen!" "Aber Kindchen so heißt du doch nicht- Ich verstehe immernoch nicht was das ganze überhaupt soll!" Tja sie wusste schon weshalb sie die Mutter praktisch nie besuchte. Das war viel zu gefährlich. Lange konnte das eh nicht mehr so weiter gehen. Irgendwann würde sich die Mutter veraten und was dann? Aber auch um dieses Problem würde sie sich ein anderes Mal kümmern. Jetzt brauchte sie erstmal die Phiolen. Sie drängte daher in die Wohnung und verschloß die Tür. "Na was meinst du soll ich uns einen Tee machen?" Auf diese Frage hatte sie nur gewartet "Aber das kann ich doch machen, setz du dich solange in den Sessel im Wohnzimmer ich bring ihn dir dann!!" Schnell ging sie in die Küche und verschloss die Tür. Wo war die gelbe Keksdose doch gleich- ah hier auf dem Schrank. Sie holte sie herunter und öffnete sie.
    Sie wurde bleich. Darin lag statt der Phiolen nur ein einsamer weißer Zettel :


    "WIR SEHEN UNS IN ROM SÜSSE"


    keine Unterschrift, keine erkennbare Handschrift. Der Zettel war feinsäuberlich mit Schreibmaschine beschrieben- wer bitte schrieb eigentlich heute noch mit Schreibmaschine? Und wiso Rom? Was sollte sie jetzt denn bitteschön in Rom? Sie musste sich etwas einfallen lassen. Eigentlich konnte sie jetzt nicht nach Rom. Da war immer noch der Fall Jean und Dominic würde vermutlich verdacht schöpfen. Da fiel ihr etwas ein und die zückte ihr Handy um...

  • Da fiel ihr etwas ein und die zückte ihr Handy um Dominic anzurufen. Bevor sie aber dazu kam, betrat ihre Mutter die Küche und erzählte von dem netten jungen Klempner, der ihren immerzu tropfenden Wasserhahn ausgewechselt hatte, und dem sie dafür vom Italiener um die Ecke ein schönes Eis geholt hatte. "Stracciatella, Walnuss und Capuccino. Und guck mal: endlich habe ich einen Hahn, der nicht mehr tropft. Aber irgendwie fehlt mir das Geräusch. Es macht mich ganz nervös, nicht mehr das platsch - platsch - platsch zu hören."
    Wie immer war es völlig unmöglich, der Mutter Fragen zu stellen. Das heißt, fragen konnte man sie natürlich vieles, nur eine vernünftige Antwort zu bekommen, wie zum Beispiel eine Beschreibung des Klempners, das war völlig unmöglich. Die Mutter plapperte weiterhin munter drauflos, erzählte von den leckersten Eissorten, den Wasserhähnen ihres Lebens, ihren Erfahrungen mit Handwerkern (alle waren sie "jung und nett", wenn sie nicht gerade "nett und jung" waren) und natürlich dem Undank der Tochter - ihrem ständigen Lieblingsthema. Nach einer geschlagenen halben Stunde ließ sie in einem Nebensatz fallen: "Ach, übrigens, der Klempner kennt dich. Er hat extra für dich ein Buch hiergelassen."
    Sprach's, und überreichte ihrer Tochter einen "Dumont Reiseführer Rom".


    Kapitel 16


    Tina legte zufrieden lächelnd den Hörer auf. Alles lief wie geplant. Die Phiolen hatte Lacroix genau da versteckt, wo Tina sie vermutet hatte. Es gab nicht viel, was eine Sekretärin nicht über ihren Chef, oder in diesem Fall ihre Chefin, wusste. Lacroix war schon immer leicht zu durchschauen gewesen, wenn sie sich auch das Gegenteil einbildete. Für Dominic galt das übrigens auch. Als Intelligenzbolzen hatte er sich auch dieses Mal nicht erwiesen; er würde beim nächsten Personalfest einiges an hämischen Bemerkungen einstecken müssen. Verdienterweise - niemand wusste das besser als Tina, die eben das Telefonat der Kollegen aus Amiens entgegengenommen hatte. Mit kaum verholenem Lachen in der Stimme erzählte der Kommissar davon, wie Dominic, an deinen Kollegen gefesselt, vergebens versucht hatte, die Stufen herunter zum Bahnsteig zu nehmen. "Ein Haufen wild durcheinander fuchtelnder Gliedmaßen, der schrie: 'Haltet den Dieb, haltet den Dieb.' In meinem Revier würde ich so jemanden jedenfalls nicht arbeiten lassen."
    Oh ja, Tina freute sich schon auf die Kaffeepause, in der sie mal wieder ein saftiges Stück Tratsch verbreiten konnte. Die anderen Sekretärinnen würden sich revanchieren wollen, und so hatte Tina schon viele interessante Informationen erfahren, die sie fein säuberlich in ihrem Gehirn speicherte. Aber das nur ganz nebenbei.
    Wichtiger war, dass sie außer den Phiolen auch noch die Dokumente bekam. Der Norweger würde zwar die Phiolen zwar auch ohne die Papiere kaufen, aber für das Doppelpack könnte sie einige Zehntausende mehr herausschlagen. Sala'zar hatte die Papiere in die Finger bekommen, soviel hatte Aresi im Krankenhaus verraten, als er noch halb benommen aus seiner Ohnmacht erwachte.
    Sala'zar. Seufz. Ausgerechnet Sala'zar. Der würde sich als härtere Nuss erweisen als Jean und Lacroix. Beim Gedanken daran, wie geschickt sie Jean die falschen Phiolen untergeschoben hatten, kicherte sie leise in sich hinein. Fast noch genialer war die Art, wie sie Lacroix und Jean aus dem Weg, das heißt, auf den Weg nach Rom befördert hatten. The Transporter hatte ganze Arbeit geleistet. Leider konnte sie ihn nicht gegen Sala'zar einsetzen, denn die Hände machte er sich nicht schmutzig, da war er eisern. Aber es war wohl auch besser, ihn nicht weiter zu verwenden, zu groß war die Gefahr, dass er mit seiner vermeintlichen Auftraggeberin Celine Kontakt aufnehmen würde. Nein, diese Aufgabe musste Tina alleine lösen.


    Kapitel 17


    Sala´zar tobte. Schon seit vollen zwei Stunden tobte er. Sein Wutausbruch hätte einem Dreijährigen alle Ehre gemacht. Nur Kleinkinder und Sala'zar konnten sich so lange und intensiv über Lappalien aufregen.
    "Was soll das heißen? Was habt ihr gemacht? Habt ihr nicht mehr alls Tassen im Schrank? Habe ich euch nicht einen klaren Auftrag gegeben? Und was tut ihr statt dessen?"
    So ging es in leichten Variationen weiter, bis ihm schließlich die Puste ausblieb. Als Hobby-Opernsänger war des leider erst spät der Fall. Doch endlich gelang es Bertoldo, ein "Aber, Chef", einzuschieben. "Aber...

    Wir sind irre, also lesen wir!

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  • "Aber… aber wir haben alles getan, was in unserer Macht steht, Boss. Ich hab Teddy den Weg frei gemacht und…“
    Teddy?
    “Äh, Aresi meine ich natürlich, Boss.“ Bertoldo errötete ein wenig und sprach schnell weiter:
    „Auf jeden Fall haben wir alles richtig gemacht, das schwöre ich. Für solche Naturgewalten wie diese Lacroix kannst du uns unmöglich verantwortlich machen. Mit so etwas kann doch keiner rechnen! Diese Hexe!“
    Bertoldo hatte sich in Rage geredet und machte seinem Vorgesetzten nun in punkto Wut beinahe Konkurrenz.
    „Schnappt sich einfach diese verdammten Phiolen und macht sich aus dem Staub. Tedd…Aresi hat sich noch immer nicht ganz von seinem Schock erholt. Eine Frau! Von einer Frau überlistet! Wie sollen wir diese Schmach jemals verwinden?“
    “Halt doch endlich die Klappe!“ Sala’zar war doch noch eine Spur lauter. Bertoldo verstummte sofort und sah seinen Boss keuchend und mit blutrotem Gesicht an.
    „Wo warst du, als es passiert ist? Hatte ich nicht deutlich genug ausgedrückt, dass du am Eingang warten und - wenn nötig - eingreifen sollst? Aber nein, du bleibst wie vom Erdboden verschluckt, während dieses Weib seelenruhig zu Aresi in die Asservatenkammer spaziert und ihm die Phiolen unter die Nase hält! Und jetzt kommt die Frage aller Fragen… Warum in Dreiteufelsnamen hat ihr keiner diese verdammten Phiolen abgenommen?“
    “Ja, weil… weil sie… ihre Dienstwaffe bei sich hatte,“ stotterte Bertoldo.
    „Und ihr? Ich war bisher immer der Meinung, ihr wärt vernünftig genug, nie ohne Waffe aus dem Haus zu gehen? Ihr verdammten Weicheier! Notfalls müsst ihr die Waffe eben einsetzen – und das mit der Bullenbraut war ja wohl ein Notfall! Das könnte man doch durchaus als Notfall bezeichnen! Oder meinst du nicht? Häh?“ Er hatte sich jetzt wieder in Fahrt geredet und so würde es wohl noch einige Minuten weitergehen. Christoph Bertoldo stand mit gesenktem Kopf vor seinem Boss und seufzte innerlich. Manchmal war sein Job alles andere als angenehm.

    Kapitel 18


    Fluchend legte ich den Telefonhörer auf. Warum zum Teufel erhielt immer ich solch verzwickte Aufträge. Wieder einmal träumte ich davon, alles hinzuschmeißen und nach Kuba auszuwandern. Dort würde mich ganz sicher niemand von denen finden. Wie ich die Nase voll hatte von dem ganzen Pack! Und jetzt war ich wieder mittendrin und es war unwahrscheinlich, dass ich mich aus der Sache wieder heil herauswinden konnte. Also musste ich wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und mich auf dem Weg nach Rom machen.


    Celine war seltsamerweise nicht zu erreichen, was mich ganz besonders verwunderte. Schließlich wusste ich, dass sie normalerweise sehr genau darauf achtete, rund um die Uhr auf ihrem Handy erreichbar zu sein. Seltsame Dinge geschahen da in letzter Zeit. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass nichts, aber auch gar nichts mehr stimmte. Nicht zum ersten Mal stieg in mir der Wunsch auf, Edmond wäre hier. Edmond, dessen Leiche wahrscheinlich noch immer unter den Trümmern des Cafés lag, das einmal sein Lieblingsaufenthaltsort gewesen war. Wie oft hatte er dort gemütlich an seinem Kaffee genippt und dazu Zeitung gelesen, im Hintergrund leise Musik. Und wie oft hatte er SIE am Nebentisch beobachtet, ihre geschmeidigen Bewegungen, die kurzen Blicke aus den kristallblauen Augen, die sie ihm von Zeit zu Zeit zu schenken pflegte. Würde er sie jemals wiedersehen?
    Mensch Jean – jetzt bloß nicht sentimental werden, ermahnte ich mich. Jetzt musst du erstmal zusehen, dass du deinen seltsamen Chauffeur loswirst. Und wie stellst du das am besten an? Celine anzurufen, das war mein erster Gedanke gewesen, aber dies war ja momentan anscheinend nicht möglich. Edmond war im Moment wohl auch schlecht zu erreichen…
    The Transporter? Schlechte Idee, der würde sich ganz bestimmt nicht zuständig fühlen. Na gut, dann bleibt mir wohl nur noch eine Person, an die ich mich wenden kann. Und ob die so begeistert davon ist, dass ich plötzlich einen anderen Fahrer wünsche… Na ja, einen Versuch wäre es wert.
    Ich tippte also mit Fingern, die plötzlich ein Eigenleben zu führen und mir nicht so recht gehorchen zu wollen schienen, die mir wohlbekannte Nummer in mein Handy ein, hörte wie es wählte und kurz darauf das Freizeichen ertönte.
    „Ja?“, meldete sich eine Stimme.
    „Hier ist Jean DuMont. Spreche ich mit…

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  • „Hier ist Jean DuMont. Spreche ich mit…



    mit Tina?"


    Kapitel 19


    "Schwester Dana wie geht es unsrem Patienten heute?" "Nicht so besonders. Die Verletzungen heilen gut. Und auch die Gehirnerschütterung beeinträchtigt ihn kaum. Aber sein Gedächtnis macht mir wirklich Sorgen. Er hat heute Nacht schon wieder schlecht geträumt. Er schläft sehr unruhig und hat wieder geschrieen. Meinen sie nicht das wir doch einen Psychologen einschalten sollten? Vielleicht kann er ihm helfen sein Gedächtnis wiederzuerlangen." "Wir werden sehn. Schon etwas neues über irgendwelche Angehörigen oder vielleicht sogar seinen Namen?" "Nein Herr Doktor wir haben alles kontrolliert aber keine der Vermisstenanzeigen trifft auf den Patienten zu. Auch bei der Polizei gibt es keine passende Beschreibung." "Hm das könnte sich bald als Problem darstellen. Wenn wir nicht bald jemanden finden weiß ich nicht wie lange wir ihn noch bei und behalten können. Das kostet schließlich alles Geld und er hat nach wie vor keine Versicherung." Doktor Miró nickte der Schwester kurz zu und betrat dann das Zimmer des Patienten. Dieser war vor ein paar Tagen von einem Taxifahrer hier abgeliefert worden. Der Patient hatte eine Gehirnerschütterung, einen gebrochenen Arm, ein paar Schürfwunden und eine Amnesie die auch jetzt nach ein paar Tagen noch voll ausgeprägt war. Nicht einmal sein Name wollte ihm einfallen. Das einzige was sie bisjetzt wussten war das er wohl etwas schlimmes erlebt haben musste. Er wachte nachts regelmäßig schweißgebadet aus und faselte etwas von einem Päckchen und irgendetwas von einem Idioten der etwas verloren hatte.
    „Na wie geht’s uns denn heute?“ Der Doktor ging an Fenster wo sein Patient saß und hinausstarrte. „Wie soll es mir schon gehen? Ich kann mich an nichts erinnern, ich habe ständig Kopfschmerzen und wenn ich entlassen werden sollte wüsste ich nicht wohin ich gehen soll.“ „Na nun werden sie mal nicht depressiv. Wir bekommen das mit ihrem Gedächtnis schon noch hin! Morgen werden wir ihnen Dr. Keller schicken. Er ist ein Spezialist auf dem Gebiet der Amnesieforschung.“ Der Patient sah ihn skeptisch an. „Wenn sie meinen dass das etwas bringt...“
    Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wurde der Amnesiepatient von Doktor Keller aufgesucht. Schnell kamen sie ins Gespräch da der Doktor dem Patienten recht sympatisch war. – Was wohl auch daran lag das Doktor Keller eine Große Schlanke Blondine war.
    „Haben sie schon ferngesehen? Ich habe die Erfahrung gemacht das es vielen Patienten hilft sich abzulenken und das so zumindest ein paar Episoden ihres Lebens wieder kommen. Das ist zwar nur ein Anfang aber haben sie erst mal ein paar Ereignisse wieder besteht die Chance das der Rest ihres Gedächtnisses ebenfalls wieder kommt.“ „Na ja ein Versuch wäre es ja wert.“ Er schaltete also am Mittag die 12 Uhr Nachrichten ein. Nicht nur auf den Rat der Ärztin, sondern auch, weil ihm sowiso langweilig war.
    „....die Explosion eines Cafes in Paris bleibt weiterhin ungeklärt. Die Polizei hat inzwischen einen Verdächtigen Festgenommen der aber fliehen konnte. Daher bittet sie um ihre Mithilfe: Wer hat diesen Mann gesehn: ...“ es folgte ein Bild eines Blonden recht gutaussehenden Mannes in einem teuer aussehenden Anzug. Der Patient wurde blass und...

  • Der Patient wurde blass und erkannte sich selbst auf diesem Bild wieder. Explosion? Café? Da war doch etwas. Verdammt, wenn er sich doch nur erinnern könnte. Und wieso wurde ausgerechnet er verdächtigt? Er würde doch niemals… oder würde er? Sein Herz begann wild zu klopfen. Er wusste nun nicht mehr, ob er sein Gedächtnis so unbedingt wieder zurückerhalten wollte. Was für schreckliche Geschichten mochten sich hinter diesem Nebel verbergen, der sich in seinem Kopf breit gemacht hatte? Konnte es sein, dass er so grausame Verbrechen begangen hatte? Nein, niemals! Wenn er doch wenigstens seinen Namen wüsste. Aber wenn das Krankenhauspersonal Nachrichten sah, dann wussten sie nun ebenfalls Bescheid und er würde in wenigen Minuten von Polizeibeamten Besuch bekommen. Nein, das durfte er nun nicht zulassen. Solange er selbst nicht wusste, was genau geschehen war, durfte er nicht von der Polizei geschnappt werden. Er musste von hier verschwinden – und zwar sofort.

    Kapitel 20


    Tina war überrascht, Jeans Stimme zu hören.
    „Ja, Jean, was gibt es?“
    „Ich habe ein ziemlich großes Problem. Du hast bestimmt von dem Plan mit den Phiolen gehört?“ Natürlich hatte sie, sie war schließlich eine der engsten Vertrauten von Celine.
    „Klar.“
    „Nun, du weißt nicht zufällig, wo Celine abgeblieben ist? Ich hätte in dieser Angelegenheit eine wichtige Frage an sie. Wenn nicht, werde ich mir die Freiheit nehmen, dir diese Frage zu stellen.“ Selbstverständlich wusste Tina, wo Celine abgeblieben war, aber das würde sie dem jungen Mann, mit dem sie gerade sprach, ganz bestimmt nicht erzählen.
    „Nein, keine Ahnung. Konntest du sie nicht erreichen?“
    „Nee. Scheint ihr Handy ausgeschaltet zu haben. Was bei ihr ja sehr ungewöhnlich ist. Na, wenn nicht mal du Bescheid weißt, dann weiß es wohl keiner.“
    “Vielleicht ist sie ja beim Zahnarzt oder so, da kann man auch schlecht telefonieren,“ antwortete Tina.
    „Stimmt auch wieder. Aber bisher habe ich noch nie erlebt, dass sie auch nur einen Augenblick lang nicht erreichbar war.“
    „Hmm,“ machte Tina nur.
    „Nun gut, dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als dir mein Problem zu schildern. Vielleicht weißt auch du, was zu tun ist.“
    „Ich werde mein bestes tun, um dir zu helfen.“ Tina schmunzelte.
    „Das ist nett, danke,“ antwortete Jean und Tina erkannte an seiner Stimme, dass er lächelte. „Ich muss ja am Samstag mit dem Phiolen in Rom sein, was eine möglichst schnelle Abreise erfordert. Celine hat mir ein Taxi mitsamt Fahrer vor die Tür gestellt, aber ich traue dem Mann nicht. Ich weiß nicht, was es ist, aber meine Menschenkenntnis sagt mir, dass ich dem Kerl nicht über den Weg trauen sollte. Ich würde viel lieber selbst ein Taxi bestellen oder mir ein Flugzeug nehmen. Die Spesen dafür würde ich sogar selbst tragen. Denkst du, es wäre für Celine in Ordnung, wenn ich den Fahrer vor der Tür wegschicke und mich auf eigene Faust in Richtung Rom begebe?“
    Tina schwieg. Verflixt und zugenäht, darauf war sie nicht gefasst gewesen.
    „Ich meine, es wird Celine sicherlich keine Umstände machen, ich komme auch für die Kosten auf.“
    “Trotzdem wird sie wohl nicht begeistert sein. Nein, das wird sie nicht. Es kann sein, dass der Fahrer noch wichtige Informationen für dich bereithält, die deinen Auftrag betreffen. Ich würde an deiner Stelle sofort in diesen Wagen einsteigen und genau das tun, was Celine dir aufgetragen hat.“ Sie konnte nicht vermeiden, einen Anflug von Ärger in ihrer Stimme mitklingen zu lassen.
    „Celine mag es gar nicht, wenn man ihre Befehle nicht befolgt. Und ihre Schläger sind ihr treu ergeben. Das weißt du. Aber ich kann nicht mehr tun, als dich davor zu warnen, dich ihrem Willen zu widersetzen.“ Ihre Stimme hatte jetzt einen drohenden Unterton, was sie nicht vermeiden konnte und wollte.
    „Ich muss jetzt auflegen, es gibt hier noch genug zu tun. Und wenn die Chefin merkt, dass ich mit dir herumtelefoniere, dann ist es mit dem Spionieren aus und ich bin meinen Job los. Das möchte ich nicht riskieren. Und du sicherlich auch nicht. Also mach keinen Mist, sondern mach dich lieber auf den Weg nach Rom. Und zwar mit dem von Celine bestellten Fahrer. Machs gut. Auf Wiederhören.“
    Hoffentlich nicht so bald, dachte sie, als sie den Hörer auflegte. Sie war nicht scharf darauf, nun auch noch diesen Nichtsnutz um die Ohren zu haben, der Celine stets aufs Wort gehorchte. Wenn der nur wüsste. Sie musste grinsen, wurde jedoch schnell wieder ernst, als sie daran dachte, dass…

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  • ...als sie daran dachte, dass ihr ihr Auftraggeber schön langsam aber doch anfing zappelig zu werden. Es war mittlerweile Donnerstag und er hatte von Tina noch keine Handfesten Ergebnisse.
    Und dann auch noch das Geld...und die Bombe...dass Edmond dabei zu schaden gekommen ist tut ihr zwar furchtbar leid, er war ja doch ein ganz süßer und die Liaison mit diesem Flittchen hätte sie schon irgendwie beendet so dass er nur ganz alleine ihr gehört hätte, aber es war leider nötig. Wäre alles glatt gegangen und Sala´zar sich nicht eingemischt hätte, so hätte Edmond ihr das Päckchen schon längst gebracht und sie beide würden jetzt auf Havanna im Liegestuhl in der Sonne fläzen.
    Und leben?
    Leben würden sie von den Patenteinnahmen die das gute Stück abwerfen würde. Mindestens 1 Milliarde Euro im Monat!!


    Kapitel 21


    Dienstag


    >>Celine...
    Ja? Ach Frank du bist es...
    ...danke. Warum?
    ...Jean?
    Nein, weder Gestern noch Heute...kein Job...
    Ich kenne keinen Ralf, nein...ich habe gar keinen Sekretär...
    ...wa...war..wa...warte mal! Ich weis von überhaupt nichts!?
    Jean ist nach der Explosion verschwunden, und hätte man ihn eingebuchtet hätte Tina uns bescheid gesagt. Und woher soll mein "Sekretär" wissen das Jean heute Nachmittag verhaftet und nach...
    ...London ja...woher soll jemand all das wissen? Einen Wahrsager haben wir hier nicht im Haus...und...nein das auch nicht.
    ...hast du Geld dafür bekommen...mhm wie üblich also
    Nichts auffälliges...alles so wie immer...
    Und wo sollst du ihn hinbringen?
    ...mhm, ich finde...warte bitte mal kurz...<<


    Celine ging in ihr Büro und machte den alten Aktenschrank auf, darin befanden sich neben einigen Papieren, Testamenten und sonstigen Persönlichen Kram noch die...also es...


    >>Frank?
    ...du hast Recht...
    Ich dachte ich hätte seit Jeans "offiziellen" Ausscheiden die Tasche hier hineingelegt aber sie ist nicht mehr da.
    ...genau die, da wo ich immer seine Aufträge aufbewahre und Geld, Tickets...ja meist in seiner Wohnung...alles was er so braucht
    ...entschuldige kurz..<<


    "Dähmlicher Köter, halt endlich die Schnauze", blaffte sie den Hund an, "ist doch nur wieder die Katze vom Nachbarn."
    Sie ging zur Terrassentür und machte sie kurz auf um den Hund hinaus zu lassen, danach lehnte sie die Tür nur einen Spaltbreit an, so das ihr Hund bei Bedarf selbst herein konnte.


    >>Entschuldige noch mals...
    ...ja seltsam...
    Vernachlässigen...nein...er war immer ein guter Agent...ja vielleicht...natürlich.
    Ich bin natürlich auch neugierig wer dahinter stecken könnte...nein, so grausam es auch klingen mag aber mittlerweile geht es nur noch mehr um die Phiolen...
    Deadline ist Samstag, bis dahin müssen sie wieder in ein Labor...ich weis...das heißt somit spätestens Samstag 20:00, 21:00 Uhr..sie müssen gekühlt werden sonst zerfällt der Stoff und sie sind mit einem Wort wertl...
    ..tschuldige...deine Regel, keine Fragen.<<


    "Hei Barny, komm zu Frauchen", oder hatte sie sich getäuscht. Sie könnte schwören dass die Tür zur Terrasse aufgegangen sei.


    >>Was? Nein, der Hund macht nur wieder mal etwas Unfug.
    ...ok...mach das...
    ...du kannst eigentlich nicht verlieren...bezahlt hat man und für dich dürfte es ein leichtes sein ihn...
    ...ja genau...sag dann bescheid sobald er in seiner Wohnung ist, dann rufe ich ihn an...
    ...einen Fahrer sagst du?...<<


    Celine ging, während sie noch einigen Schilderungen seitens Frank lauschte, zur Tür um nach dem Hund zu sehen. Komisch, sie hätte sich gedacht er sei längst...


    >>WARTE!...doch ich hätte da noch einen Job für dich...
    ...den Fahrer den ich ihm angeblich zur Seite stelle, kümmere dich um ihn...
    ...nein du bist kein Babysitter...na gut dann engagiere ich dich eben...
    Das muss deinen Ego ja ziemlichen Auftrieb geben, für ein und den selben Auftrag von zwei verschiedenen Leuten bezahlt zu werden...
    ...quetsch den Fahrer aus...ja...ich will dass wer? und warum?...ja, wenn es sein muss werde ruhig ein wenig garstig.
    Danach kümmere dich um Jean...ich weis...weder Babysitter noch Taxi...
    Ich will dich ja auch nicht als Glucke sondern als seinen Fahrer...
    ...nein sags ihm nicht. Er soll in seine Wohnung und sich ganz normal fertig machen. Wer weis, vielleicht liegt irgendwo ein Mobiltelefon von demjenigen der ihn frei haben will. Und dann macht es sich nicht gut wenn er angerufen wird und er schon weis das der Fahrer bereits aus dem Weg ist und ich das Zepter wieder in der Hand halte...
    Nein, er ist kein guter Schauspieler...
    ...35 000 Euro...genug?
    ...ja...dann sind wir uns einig
    Ok.
    Und halte mich auf dem Laufenden...
    ...danke du auch...
    Machs gut<<


    "Barny, he Barny komm her", ...er saß nun auf der Terrasse und blickte sie mit treuherzigen Hundeaugen an. Dies war meist DER Blick der Celine zum schmelzen brachte. Der und jener von Frank...
    Barny wurde unruhig. Er erhob sich und fing an mit dem Schwanz zu wedeln, aber nicht freudig. Er wich vor ihr zurück und zog seine Lefzen hoch.
    "He, was ist denn?", fragte sie ihn und wollte ihm zur Beruhigung die Hand auf die Schnauze legen. Aber der Hund wich immer weiter zurück vor ihr.
    Vor Ihr selbst?
    Celine lies einen spitzen Schrei los als sie sich umdrehte und hinter ihr eine finstere Gestalt stand. In der Linken einen, auf sie gerichteten kleinen Revolver, und in der Rechten einen schwarzen Stoffsack.
    "Den zieh dir nun brav über dein hübsches Köpfchen...Schätzchen."
    Celine zog sich der Magen zusammen, dies konnte doch nicht sein. Gerade jene Person der sie so vertraut hatte, doch nicht etwa ...

    Einmal editiert, zuletzt von Nymphetamine ()