Leo Tolstoi - Krieg und Frieden (Epilog)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Dietrich.

  • In diesem Bereich könnt ihr zum Epilog schreiben!

    2018: In Belgien erschießt die Polizei ein 2-jähriges Kind. In Deutschland sitzt ein 2-jähriges Kind in Abschiebehaft. Europa wird also von 2-jährigen bedroht.

  • Endlich durch!
    Zum Glück fehlt in meiner Ausgabe der 2. Epilog, was bedeutet, dass ich mein Buch gestern abend endgültig zusammenklappen konnte. Auch der 1. Epilog konnte mich mit dem Buch nicht versöhnen, obwohl er nur private Ereignisse schilderte. Aber wirklich neues gab es nicht mehr. 2 glückliche Paare haben sich gefunden, im einen Fall nach kleineren Problemen. Den Kopf konnte ich nur darüber schütteln, dass die Mutter Rostow nichts von ihrer Armut wissen durfte (wie kann man so was eigentlich geheim halten?) und weiterhin Geld verschwendete. Nikolai entwickelt sich zum perfekten Gutsbesitzer :rollen: , Natascha geht voll und ganz in ihrer Mutterrolle auf, Marja (die mir von allen noch am besten gefiel) denkt sich ihren Teil, würde ihre Gedanken - soweit sie Nikolais widersprechen - aber nie aussprechen, und Pierre bemüht sich weiterhin, ein guter Mensch zu sein.
    Das alles hätte mir eigentlich gefallen können, wenn es nicht nach vielen hundert öden Seiten gekommen wäre. Im Vorwort meiner Ausgabe steht, dass Tolstoi anfangs vor hatte, eine Reihe von Familienchroniken vor historischem Hintergrund zu schreiben, nach und nach aber das Interesse an den historischen Begebenheiten Überhand gewann, er sich intensiv mit Zar Alexander, Napoleon und Kutusow beschäftigte und dies auch im Roman verarbeitete. Leider, kann ich nur sagen. Hätte er sich doch nur auf die Schilderung der russischen feinen Gesellschaft beschränkt! Das erste Buch zeigt ja deutlich, wozu Tolstoi fähig war. Im Verlauf des Buches kam dann aber dieser Aspekt zu kurz, wichtige Ereignisse wurden nur sehr summarisch abgehandelt und konnten (mir) so auch nicht mehr richtig gefallen. Sie machten zum Teil den Eindruck, dass Tolstoi selbst sie als Ärgernis ansah; Ereignisse, die er zu seinem Leidwesen schildern musste, obwohl er sich viel lieber mit anderem beschäftigt hätte - genau dem anderen, das mir so missfallen und mich so gelangweilt hat.
    Insgesamt vergebe ich
    3ratten, wobei es die dritte für den genialen ersten Teil gibt.


    (Ich bin gespannt, wie viele von euch bis zu Ende durchhalten.)

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Bin gestern auch fertig geworden. Endlich.


    Saltanah
    In deinem Buch fehlt der 2. Epilogteil? Sei froh. In meiner Ausgabe ist er leider drin und ich habe ihn nur durchgeblättert. Der 1. Teil reichte mir an sich schon, da ging es wenigstens noch ein bißchen um unsere Helden, im 2. Teil philosophiert der Autor nur noch. Furchtbar.


    Im großen Ganzen bin ich froh, diesen Roman gelesen zu haben, auch wenn ich ihn jetzt ganz weit weg legen werde, um ihn nie wieder zu lesen.
    Wie Saltanah schon schrieb, Tolstoi hätte lieber bei der Gesellschaft bleiben sollen; die Kriegserzählungen zogen sich unendlich in die Länge, die Überlegungen was wann wozu und warum geführt hatte sind, wohl außer für Möchtegernhistoriker, uninteressant.
    Es gab manche Stellen, die ich sehr gern gelesen habe, manchmal war ich richtig hingerissen. Tolstoi hatte eine Art zu schreiben, die einen mitreißt. Warum hat er das nicht auf das ganze Buch angewandt?


    Ich konnte mit keiner der Personen im Buch warm werden. Ok, mit Marja hatte ich ein wenig Mitleid, das war dann aber im Epilog wieder futsch, dort war sie nur noch gewöhnlich.
    Pierre war mir von Anfang zu trottelig. Ich bin sicher, der Mann ist geistig ein wenig zurückgeblieben, ich konnte mir manche seiner Handlungen nicht anders erklären. Allerdings fand ich seine Liebe zu Natascha romantisch; im Kapitel, in dem er Marja seine Gefühle für Natascha gesteht, war er mir sogar weniger unsympathisch als sonst. Hier hatte seine Trotteligkeit wenigstens einen entschuldbaren Grund - die Verliebtheit.


    ***
    Aeria

  • Dieser Schluss war mir zu abrupt, da er nicht zur Ausführlichkeit des restlichen Romans passt. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass Tolstoi keine Lust mehr hatte und das Buch jetzt (endlich) zum Abschluss bringen wollte.


    Die erste Hälfte des Buchs bis zu Beginn des Russland-Feldzugs (die ersten 8 Teile) ist spannend geschrieben und vermittelt einen tollen Einblick in die damalige russische Gesellschaft. Danach kommt die Handlung nur noch sehr langsam vorwärts, da sich Tolstoi ständig zu geschichtsphilosophischen Äußerungen hinreißen lässt. Am Anfang war das ja durchaus interessant - ich habe die Gelegenheit genutzt, zwei Bücher über Napoleon zu lesen - aber Tolstoi wiederholt sich ständig, wodurch das ganze langweilig wird und sich die Lektüre bei mir lange hinzog. Hier hätte sich Tolstoi deutlich kürzer fassen können. Wie ich inzwischen weiß, hat Tolstoi den Roman mehrmals revidiert: Im Handel gibt es eine deutlich kürzere "Urfassung". Das hätte ich eher wissen müssen. Immerhin habe ich über drei Monate an Tolstois Mammutwerk gelesen.


    Pierre und Andre sind ausgesprochen widersprüchliche Persönlichkeiten. Wie ich kurz vor Weihnachten aus einem Tolstoi-Abend auf Arte erfahren habe, hat Tolstoi hier in diesen beiden Figuren seine eigenen Lebenserfahrungen und Ansichten verarbeitet.


    Ich habe auch die amerikanische Verfilmung mit Audrey Hepburn gesehen. Wider Erwarten fand ich die sehr gut. Die Handlung war zwar stark gekürzt und auch verfälscht (Pierre und Andre kennen sich von Anfang an und Petersburg spielte keine Rolle), aber alle Persönlichkeiten - vor allem Pierre und der alte Kutusow - waren sehr treffend dargestellt.


    Eine Bewertung des Romans fällt mir schwer: Wegen der sehr guten ersten Hälfte finde ich drei Ratten zuwenig, vier sind mir aber wegen der Überlängen in der zweiten Hälfte zu viel. Macht also drei Ratten und eine Maus.


    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    [size=9px]Paul ist 24 Jahre alt. Er ist doppelt so alt, wie Thomas war, als Paul so alt war, wie Thomas heute ist. Wie alt ist Thomas ?[/size]

  • Gratuliere zur Bezwingung dieses Mammutschinkens, Dietrich!
    Die von dir genannte Urfassung kam einen Monat nachdem ich das Werk beendet hatte, in Schweden zum ersten Mal heraus. Ich muss gestehen, dass ich versucht war, mir das Buch zu kaufen, da im Vorwort sinngemäß stand, Tolstoi habe für die endgültige Fassung einiges geändert und die Urfassung höre da auf, wo die reguläre Fassung langweilig würde. Sollte es mir billig in die Hände fallen, werde ich mir "Krieg und Frieden" wohl doch noch einmal antun, aber nur gekürzt.

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Danke, Saltanah - das war echt ein dicker Brocken. So lange habe ich noch nie für ein Buch gebraucht.
    Entschuldigt, dass ich hier für die zweite Hälfte keine Postings mehr abgegeben habe, aber ich wollte mich nicht ständig wiederholen und über den zweiten Teil meckern.

    [size=9px]Paul ist 24 Jahre alt. Er ist doppelt so alt, wie Thomas war, als Paul so alt war, wie Thomas heute ist. Wie alt ist Thomas ?[/size]