Daniel Defoe - Robinson Crusoe

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Es gibt 31 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Kritty.

  • Ich habe das Buch im englischen Original gelesen.


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    Zum Inhalt brauche ich wohl nicht viel Worte verlieren, der ist ja weitgehend bekannt: Robinson landet als Schiffbrüchiger auf einer unbewohnten Insel, baut sich dort ein Fort, trifft auf Freitag - einen Gefangenen der Kannibalen, die die Insel ab und zu zwecks Festmahlzeit besuchen -, hilft schließlich einem Kapitän, seine meuternde Besatzung zu besiegen und wird aus Dankbarkeit von ihm zurück nach Europa befördert.


    Weniger bekannt (mir zumindest völlig unbekannt, da nur eine gekürzte Kinderfassung gelesen) sind die Ereignisse vor und nach Robinsons Inselaufenthalt:
    Als Jugendlicher haut er gegen den Willen seines Vaters (und Gottes!) von zu Hause ab und erleidet vor der englischen Küste seinen ersten Schiffbruch, was ihn aber nicht davon abhält, wieder auf einem Schiff anzuheuern, das in Afrika Handel betreibt. Dieses wird von arabischen Seeräubern geentert und Robinson gerät in Sklaverei. Zusammen mit einem arabischen Mitsklaven gelingt ihm nach einigen Jahren die Flucht und nach einigen Abenteuern vor der afrikanischen Küste wird ihr Boot von einem Brasilienreisenden aufgelesen. Dort wird er zum Plantagen- und damit auch zum Sklavenbesitzer, d. h. zum Möchtegernsklavenhalter. Leider sind diese rar, zu rar und nur zu horrenden Preisen auf dem Markt erhältlich. Im Auftrag einiger Plantagenkollegen macht er sich auf in Richtung Afrika, um Arbeitskräfte zu erwerben. Dass er selbst mal Sklave gewesen war, hindert ihn nicht daran, andere diesem Schicksal zu unterwerfen; ja selbst seinen Mitflüchtling verkauft er weiter. Zwar tut ihm das ein bisschen in der Seele weh, denn die beiden hatten sich angefreundet (d. h., der andere war Robinsons treuer Diener geworden), aber wenn man denn Geld braucht... Und außerdem war der andere ja damit einverstanden, denn selbstverständlich erkannte er die Klemme, in der sich sein Herr befand und war zu allem bereit, um ihm zu helfen.
    Nun denn, er macht sich also wieder auf (mit bekanntem Ergebnis), wiederum, so nimmt er im Nachhinein an, gegen den Willen Gottes, den er aber zu jenem Zeitpunkt völlig ignoriert. Erst nach einigen Jahren Inselaufenthalt findet er schließlich zu Gott und sieht hinter jedem seiner Missgeschicke Gottes Hand. Das Schiff kenterte nur aus dem Grunde, um ihn zum rechten Glauben zurückzuführen. (Dass alle seine Kameraden dabei draufgingen würde man heutzutage wohl als Kollateralschäden bezeichnen.)
    Nachdem er Gott und damit den Sinn seines Lebens gefunden hat, fügt er sich in sein Schicksal, dass ihn wohl auf der Insel in aller Einsamkeit sterben lassen wird. Seine Entkommenspläne nimmt er erst wieder auf, nachdem er Freitag vor den Kannibalen gerettet hat. Dieser lernt schnell englisch - selbstverständlich fällt es Robinson nicht im Traume ein, er könne Freitags Sprache erlernen - und wird danach von Robinson missioniert. Die folgenden theologischen Erörterungen gehören für mich zu den Höhepunkten des Buches: Freitag nimmt nicht alles einfach so hin; nein, er will wirklich verstehen, was es mit Gott und Satan auf sich hat, und bringt Robinson damit in eine argumentative Klemme. Schnellstens bricht dieser das Gespräch ab und betet zu Gott, er möge doch bitte Freitag von der Richtigkeit des christlichen Glaubens überzeugen, was Gott auch schleunigst tut. Schade - denn davon hätte ich gerne mehr gelesen.
    Nach weiteren Abenteuern mit Kannibalen und Seeräubern kehrt Robinson schließlich nach Europa zurück, erfährt dort, dass er ein reicher Mann ist, denn die Plantage, die er in den Händen eines Freundes zurückgelassen hatte, ist in der Zwischenzeit gewachsen und gediehen.
    Es folgt noch ein weiteres Abenteuer in Gestalt einer Begegnung mit einem riesigen Wolfsrudel, das in meinen Augen vollkommen überflüssig ist. Überhaupt nahm mein Interesse an dem Buch gegen Ende immer weiter ab, als Spannung und Dramatik immer mehr die Oberhand gewannen und das Buch immer abenteuerlicher wurde. Die Stärken des Buches liegen für mich in der Beschreibung des Überlebens als einziger Mensch auf eine Insel, den theologischen Überlegungen - so wenig ich diesen auch zustimmen mag - und dem Zusammenspiel mit Freitag. Keine Sekunde lang zweifelt Robinson an seiner angeborenen Überlegenheit über seinen Kameraden, bzw. der Überlegenheit der Europäer über die "Eingeborenen", auch wenn einige Exzesse wie z. B. die Ausrottung ganzer Indianervölker durch die Spanier kritisiert werden. Als Zeitzeugnis sind gerade die unausgesprochenen Voraussetzungen sehr interessant.


    Die Benotung fällt mir schwer. Zwar ist das Buch eindeutig lesenswert, aber andererseits hat es auch einige Längen und ein Gefühl der Langeweile machte sich zeitweise bei meiner Lektüre breit. Trotzdem:
    4ratten

    Wir sind irre, also lesen wir!

  • Zitat

    Keine Sekunde lang zweifelt Robinson an seiner angeborenen Überlegenheit über seinen Kameraden, bzw. der Überlegenheit der Europäer über die "Eingeborenen",


    Genau aus dem Grund mag ich das Buch nicht :rollen: Ich finde die Geschichte an sich zwar auch sehr interessant und es ist auch gut geschrieben (für meine Begriffe recht flüssig zu lesen), aber Robinson selbst ist mir derart unsymphatisch gewesen, daß es kein Vergnügen war es zu lesen.

    LG Gytha<br /><br />&quot;Dieses Haus sei gesegniget&quot;

  • Hallo!


    Ich musste das Buch in der Schule lesen. Keine Ahnung, ob es mir gefallen hätte, wenn wir es nicht hätten auseinandernehmen müssen bis jeder einzelne Buchstabe analysiert war. :grmpf:
    Gemocht habe ich das Buch jedenfalls nicht.


    Liebe Grüße


    Nirika

    „Jeg ser, jeg ser …<br />Jeg er vist kommet på en feil klode! <br />Her er så underligt …“<br /><br />Sigbjørn Obstfelder - Jeg ser

  • Band 1


    Gegen den Rat seines Vaters, sich zuhause niederzulassen und ein friedvolles, ruhiges Leben zu führen, verlässt Robinson die Heimat, um als Seefahrer die Welt zu erobern. Die Vorwarnung seines Vaters, im Ausland nur Ärger und Unglück zu ernten, scheint sich zu erfüllen, als bereits seine erste Fahrt von einem Sturm heimgesucht wird und nur mit knapper Not übersteht. Seine zweite Fahrt endet in maurische Gefangenschaft, aus der nach zwei Jahren flüchten kann und nach Brasilien abgesetzt wird, wo er sich häuslich einrichtet und seine Zeit als Plantagenbesitzer verbringt. Um nach neuen Sklaven Ausschau zu halten, reist er nach Afrika. Vom Sturm überrascht, ertrinkt die Mannschaft, Robinson kann sich auf eine Insel retten.
    Er räumt das Schiffswrack aus, um so Werkzeuge, Nahrung und Munition sicherzustellen, Dinge, die er zum Überleben brauchen wird. Dank der Bibel, die er im Schiffsrumpf findet, wird er zum gläubigen Christen, erkennt in seiner Lage eine Vorsehung Gottes. Er glaubt, alles, was ihm widerfahren ist, sei durch Gottes Hand ausgeführt worden. Seine Freizeit ist üppig, reichlich Zeit zum Nachdenken – die wohl interessantesten Szenen im 1. Buch. Er bemerkt nach einigen Jahren Kannibalen auf seine Insel, die vom Festland herüberkommen, um Feste zu feiern. Robinson befreit seinen künftigen Gefährten „Freitag“. Natürlich soll auch er an Gott glauben, doch gibt er sich nicht mit Fakten zufrieden und stellt Robinsons Glauben in Frage – ein unterhaltsames Zwiegespräch. Andere Kannibalengruppen erreichen die Insel, andere Opfer werden aus deren Gefangenschaft befreit und so langsam wird die Insel bevölkert. Nach 28 Jahren wird Robinson schließlich von der Insel befreit und lässt eine Handvoll Spanier und die englischen Meuterer seines Rettungsschiffes auf der, „seinen“, Insel zurück. Zuhause angekommen stellt er fest, dass ihm seine Plantagen zu einem reichen Mann gemacht haben.


    Band 2


    Robinson ist inzwischen verheiratet, hat seine Zeit als wohlhabender Mann verbracht und als seine Frau stirbt, verspürt er den Drang, seine Insel und deren Bewohner aufzusuchen. Engländer und Spanier bekämpfen sich dort gegenseitig, zerstören Ernte und Häuser der jeweils anderen Gruppe, typisch für einen Ort ohne Führer und Gesetze. Erst als Kannibalen auf die Insel kommen, bündeln sie ihre Kräfte und finden Kompromisse zum besseren Zusammenleben. Robinson hat einen Missionar an Bord und beide bemühen sich nun, den christlichen Glauben auf die Insel zu verbreiten. Frauen haben sich gefunden, damit die Kolonisierung perfekt ist. Zufrieden reist Robinson ab, kauft mit einem Partner ein Handelsschiff. Sein Partner will damit Geld verdienen, Robinson möchte die Welt sehen. Aber Robinson ist es, der später ein größeres Schiff kauft, um mehr Waren zu verkaufen, ahnt jedoch nicht, dass dieses Schiff gestohlen ist. Somit wird Jagd auf sie gemacht und flüchten nach China. Dort verkaufen sie das Schiff, schließen sich einer Karawane an und durchqueren die Einöde durch Russland, wo sie nicht selten von Tataren angegriffen werden.
    Anfangs darauf bedacht, keine Menschen zu töten, fallen später die moralischen Bedenken, als die Besatzung des Schiffes eine ganze Insel ausrottet. Robinson verurteilt dieses Vorhaben - jetzt in Russland aber, als er in einem Dorf voller Heiden übernachten muß, ruft er sich das Gemetzel ins Gedächtnis zurück und schlägt vor, mit den Einwohner des Dorfes ebenso zu verfahren. Er stößt jedoch auf Ablehnung und begnügt sich damit, ein Götzenbild anzustecken. In Hamburg angekommen, verkauft er seine Waren und seine Reise endet in London.


    Dieses Buch zeigt unter anderem das Verhalten der Kolonisierung durch die Europäer auf, wodurch sie sich durch die Überlegenheit auszeichnen, die hier sehr auffällig dargestellt wird. Die christlich-katholische Übermacht und Denkweise von damals sind sehr präsent. Eine aufschlussreiche Reise durch die Gedankenwelt der europäischen Entdecker.
    Robinsons Charakter ist für heutige Verhältnisse sicherlich verachtenswert, damals jedoch sicher kein Einzelfall. So zeigt er sich entsetzt über den überheblichen Bettlerstolz der Chinesen, die sich doch überhaupt nicht für die Menschen, die arm und ungebildet seien, oder das unentwickelte Land zu rühmen bräuchten. Er belächelt die chinesische Mauer, die zwar gegen Tataren ausreichend wäre, für europäische Infanteristen jedoch kein Hindernis.
    Ein gelungenes und aufschlussreiches Zeitdokument! Überaus kurzweilig, abgesehen von einigen Wiederholungen im ersten Band.


    5ratten


    Gruß,
    dumbler

    Einmal editiert, zuletzt von dumbler ()

  • Keine ISBN oder ASIN in der URL gefunden!
    Ich habe eine andere Ausgabe gelesen!

    Wichtig: ich hoffe es fühlt sich niemand auf die Füße getreten wenn ich das Buch hier einordne, da es meiner Meinung nach nur hierher passt!



    Klappentext:

    Es gibt bei mir wieder keinen

    Meine Rezension

    Als ein echter Klassiker in die Geschichte eingegangen, stellt Defoes „Robinson Crusoe“ eine sehr abenteuerliche Lebensgeschichte des gleichnamigen Helden dar. Von seiner Familie aufgrund seiner Leichtsinnigkeit gewarnt, setzt sich Robinson über die Zukunftsvorstellungen seiner Familie für ihn hinweg und fährt, einem Traum nach jagend, zur See. Hierbei lernt er schnell, dass dieser Traum auch sehr gefährliche Seiten haben kann. Durch ein Unglück erleidet er schließlich Schiffbruch, in Gewässern fern der Heimat, landet aber als einziger Überlebender auf einer einsamen Insel. Vollkommen verlassen ist sein einziger Trost, dass es im Wrack des Schiffes, das in der Nähe seiner Insel angespült wurde, einige Vorräte sowie Waffen für ihn zu holen gibt. Ab dem Zeitpunkt seiner Ankunft dort erlernt er autodidaktisch zahlreiche Fähigkeiten um zu überleben. Er stellt sich Kleidung her, lernt verschiedenste Nahrung zu bekommen und richtet sich nach und nach immer besser auf der Insel ein. Allerdings ist ihm immer bewusst, das ihn der Wunsch der Insel zu entfliehen und in seine Heimat zurück zu kehren, noch immer nicht los gelassen hat. So gut es ihm auch auf der Insel gefallen mag, stellt sie für ihn zwar einerseits eine Heimat aber in gleichem Maß auch ein Gefängnis dar. Da einige Wilde auf dieser Insel Einzug hielten, schafft es Robinson seinen späteren treuen Diener und Gefährten „Freitag“ zu befreien und die Beiden werden Freunde. Doch obwohl auch Freitag die Insel und das Leben mit Robinson mehr als schätzt, wünscht auch er sich eine Rückkehr zu seiner Heimat.


    Das Buch ist in einer anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen Sprache verfasst, mit der man jedoch schnell vertraut ist, und die einfach aus dem Umstand heraus zustande kommt, dass die Geschichte um Robinson vor sehr langer Zeit verfasst wurde. Insgesamt sind die Geschehnisse um den Protagonisten recht interessant, wenn auch die Erlebnisse auf der Insel in der Zeit in der er sich dort allein befindet eher einer trockenen Auflistung gleichen, insbesondere in dem Teil des Buches als er ein Tagebuch führt und versucht Tinte zu sparen, was die Sätze aufs mindeste verkürzt. Da allerdings eine sehr lange Zeit wieder gegeben wird, sah sich der Autor wahrscheinlich genötigt den zeitlichen Ablauf auf diese Art und Weise etwas zu verkürzen und den Leser trotzdem zu informieren. Zugleich ist es interessant zu erfahren wie Robinson seinen Lebensmut behält und gar vortrefflich auf diesem „Eiland“ zurecht kommt in den sagenhaften 28 Jahren, zwei Monaten und 19 Tagen die er dort verbringt.


    Kurz gesagt: Ein Klassiker der ein Abenteuer erzählt, welches sogar in heutiger Zeit noch abgewandelt als Vorlage für Hollywood dient, und das jeder einmal gelesen haben sollte!

    Wertung:
    3ratten

    ♪♫♪<br /><br />Luci ♥<br /><br />&lt;a href=&quot;http://www.BuchSaiten.de&quot;&gt;Mein Bücherblog: BuchSaiten.de&lt;/a&gt;<br /><br />SLW 2010 - 4/10 noch 6 Bücher<br /><br />Das gute Gefühl, ein schönes Buch beendet zu haben ist irgendwie nicht vergleichbar ♥

    Einmal editiert, zuletzt von Ingroscha ()


  • Ich füge mal zwei Ausgaben ein:


    Danke Adia! Ja ich weiß auch nicht, aber ich habe ja sowieso eine andere Version gelesen, ist aus dem Bero-Verlag und hat nicht mal einen Klappentext geschweige denn eine Jahresangabe :(

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  • Saltanah: Danke für den Hinweis! Habe die Thread zusammen geführt!

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    Einmal editiert, zuletzt von Lucidique ()

  • Also - ich hab es vor einigen Jahren gelesen und fand es langweilig.


    Wer liefert mir überzeugende Argumente dafür, es nochmal zu versuchen? :elch:

    Viele Grüsse,

    Weratundrina :verlegen:


    Help me, help me ~ Won't someone set me free? ~ There's no right side of the bed ~ With a body like mine and a mind like mine

    ~ IDLES ~


  • Wer liefert mir überzeugende Argumente dafür, es nochmal zu versuchen? :elch:


    Um ehrlich zu sein, rate ich Dir im Gegenteil sehr von einer erneuten Lektüre ab. Wobei mich schon Wunder nähme, was Du mit "dies" meinst, wenn Du "diese Art von Klassikern" und "diese Geschichten" sagst:


    Mein Mann lässt auf diese Art Klassiker nichts kommen - ich kann denen nichts abgewinnen. :zwinker:

    (wobei mich ja schon interessieren würde, WAS genau an diesen Geschichten toll ist...)


    Der Robinson Crusoe leidet nämlich unter dem schlechten (oder zumindest falschen) Ruf, ein Buch für Kinder und Jugenliche zu sein, und von daher gefüllt mich "Äggschen" bis an den Bach. Dem ist aber nicht so. Es ist ein sehr ruhiges Buch, von daher werden es viele als "langweilig" titulieren. Ich selber langweile mich allerdings eher bei Krimis mit halbverrückten schwedischen Kommissaren.


    Es ist die Geschichte eines, der auszog, um sich selber kennen zu lernen. Dieses "Sich selber" aber ist halt in Gottes Namen der Brite des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Defoe bzw. Crusoe dies vorzuwerfen, halte ich für kurzsichtig und blauäugig. Es ist der Brite des aufkommenden Kolonialismus und Industrialismus, der die Welt, wie wir sie leben, geformt hat. Und Defoe schildert ihn m.M.n. sehr unbarmherzig, realistisch.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Ich fand es auch langweilig. Nicht, weil ich dachte, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, nicht, weil ich generell keine Klassiker lese und auch nicht, weil ich keine ruhigen Bücher mag oder Defoes Ansichten nicht im Spiegel ihrer Zeit betrachte (denn dann dürfte ich fürwahr überhaupt keine Klassiker mehr lesen :breitgrins:), sondern schlicht und ergreifend aufgrund der Tatsache, dass mir beim Lesen immer die Augen zugefallen sind. :zwinker: Ich finde, die Grenze zwischen ruhig und langweilig ist hier überschritten worden, die Sprache schafft es nicht, mich bei der Stange zu halten. Und wenn ich gerne minutiöse von Meisterhand geschriebene Erzählungen lese, so gehört Defoe für mich nicht dazu, da was er beschreibt, sprachlich nicht die Wucht mitbringt, um das Fehlen von Geschehen zu rechtfertigen. Schrecklich, diese endlosen Tiraden über Nahrungsbeschaffung, Hausbau und Landwirtschaft, herabgebetet über 130 der 298 Seiten. Den Teil davor und danach fand ich ganz ok, da ergänzen sich Sprache und Inhalt, es wird sogar eine gewisse Spannung aufgebaut. Auch wenn ich hier wiederum finde, dass der Rahmen ganz schön aus der Reihe fällt, scheinbar kaum zur Geschichte gehört, wie diese Halbabenteuer, die Crusoe nach seiner Rettung erlebt. Hier scheint es fast, als wollte Defoe für die zähen Schilderungen einen Ausgleich schaffen, oder aber als hätte er zwei unabhängige Bücher (oder einen Roman und eine Erzählung) zu einem Werk verwurschtelt.
    Als historisches Dokument ist "Robinson Crusoe" natürlich interessant. Ebenso literaturgeschichtlich. Aber wenn ich ihn als "normalen Roman" bewerte, finde ich ihn einfach nur langweilig. :zwinker:

    Auch ungelebtes Leben<br />geht zu Ende<br />- Erich Fried

  • [...] da was er beschreibt, sprachlich nicht die Wucht mitbringt, um das Fehlen von Geschehen zu rechtfertigen.


    Wieso sollte ein Fehlen von Geschehen gerechtfertigt werden?


    Schrecklich, diese endlosen Tiraden über Nahrungsbeschaffung, Hausbau und Landwirtschaft, [...]


    Genau darum ging es Defoe halt. Gut, es gefällt Dir nicht. OK ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Ich will euch mal eine alternative Robinsonade empfehlen:


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    Hier wird die Geschichte mit einem Augenzwinkern ins rechte Licht gerückt - sehr kurzweilig! :zwinker:


    EDIT auf Wunsch einer Einzelperson :smile::


    Michel Tournier - Freitag oder das Leben in der Wildnis

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

    Einmal editiert, zuletzt von Kiba ()


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    Wenn Du - für Sehbehinderte wie mich ;) - noch Titel und Autor hinzuschreiben tätest...


    (Nicht, dass mich "Alternativen" interessierten; wenige Autoren haben die Genialität eines Joyce, der aus der alten Odyssee etwas wirklich Alternatives zu machen wusste ...)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • (Nicht, dass mich "Alternativen" interessierten; wenige Autoren haben die Genialität eines Joyce, der aus der alten Odyssee etwas wirklich Alternatives zu machen wusste ...)


    Schade bzw. dein Schaden, dieses Vorurteil. :zwinker:

    Wahnsinn ist bei niederer Lautstärke weniger störend.

    Dieter Nuhr

  • Sicher, ein Vorurteil. Gewachsen allerdings aus mannigfacher, leidvoller Erfahrung. Aber wenn Du so für diesen alternativen Robinson schwärmst, könntest Du ja - auch für die Suchfunktion alldahier ;) - wirklich Autorennamen und Buchtitel hinzufügen ... :smile:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Wieso sollte ein Fehlen von Geschehen gerechtfertigt werden?


    Weil ich finde, dass eine actionlastige Geschichte (oder jedwede rasante Story), es leichter verträgt, wenn man das Hauptaugenmerk auf das Geschehen und nicht auf die sprachliche Gestaltung legt. Umgekehrt müssen, für mich zumindest, sogenannte "ruhige" Werke auf absolut höchstem sprachlichen Niveau geschrieben sein, denn sonst entsteht eben Langeweile. Weitere Umkehrschlüsse sind bei diesen zwei subjektiven Aussagen allerdings nicht zulässig, nicht dass mir dann einer unterstellt das ultimative Leseerlebnis wäre für mich eine sprachlich höchstwertige, rasante und actionlastige Story (obwohl :breitgrins:). Jedenfalls hat Defoe für mich nicht die notwendige erzählerische Wucht, um mich allein durch sprachliche Gewalt zu fesseln...


    Genau darum ging es Defoe halt. Gut, es gefällt Dir nicht. OK ...


    Richtig! :daumen:

    Auch ungelebtes Leben<br />geht zu Ende<br />- Erich Fried

  • Hallo,


    Schrecklich, diese endlosen Tiraden über Nahrungsbeschaffung, Hausbau und Landwirtschaft, herabgebetet über 130 der 298 Seiten.


    Das geht mir ganz genau so! Was mich besonders geärgert hat, war dass die ganzen Tätigkeiten die uns der Autor schon einmal in aller Ausführlichkeit erzählt hat, dann nocheinmal in Form des Tagebuches zusammen gefasst wurden... :rollen:


    Besonders missfällt mir auch, dass immer wieder vorgegriffen wird. Schon gleich am Anfang erwähnt Robinson immer wieder, dass er später in eine schlimme Lage geraten wird. Dann erwähnt er, dass er sich eine Umzäunung schaffen wird, deren Herstellung er uns später ausführlich berichten wird. Mittlerweile greift er sogar schon so weit voraus, dass er meint, er habe sich später selbst von der Existenz eines gewissen Schleifsteins in England überzeugt. Dies setzt ja seine Rettung schon voraus... Das stört mich in meinem Gedankenfluss. Ich möchte eine Handlung nach der anderen erzählt bekommen und nicht schon wissen, was am Ende des Buches passiert.

  • Defoe war Journalist, mit Schwergewicht Wirtschaftspolitik. In diesem Stil und in diesem Interesse schrieb er halt auch den Robinson ... :winken:


    Ich weiss, dass dieses Buch viele enttäuscht, weil sie etwas ganz anderes erwarten.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)