George R. R. Martin - A Game of Thrones (Das Lied von Eis und Feuer 1 + 2)

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Lasst euch warnen von der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes - bleibt gesund!

Aber wer jetzt hier weiter Panik verbreitet, bekommt eine Zwangs-Forenpause verordnet!

Es gibt 163 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Valentine.

  • meine Meinung:
    Es wurden schon so viele Loblieder auf das "Lied von Eis und Feuer" geschrieben und auch ich kann mich in den allgemeinen Chor nur einreihen. Man kann sich dieser fesselnden Handlung mit all ihren Wendungen einfach nicht entziehen. Ich wollte immer weiter lesen, nach jedem Kapitel wissen, wie es mit den Figuren weiter geht, und hoffen, dass sie es schaffen den Intrigen zu entkommen. Ich habe in meinem kurzen Leseleben bisher noch nichts vergleichbares gelesen. Es beschört so viele Emotionen herrauf; man lacht man ängstigt sich und manchmal muss man fast weinen.
    George R. R. Martin hat mich mit diesem ersten Band vollkommen überzeugt und in mir einen neuen begeisterten Leser gefunden. Ich freue mich auf die vielen Kämpfe und Rettungen, die da noch kommen werden.


    5ratten

  • Mein Freund hat mir das Buch vorgestern zu lesen gegeben und - obwohl ich eigentlich kein Fantasyfan bin - gefällt es mir bisher überraschend gut. Ich hatte im Vorfeld schon gehört, dass unglaublich viele Charaktere vorkommen, aber bisher kann ich den Überblick noch gut behalten (gut... bin auch noch nicht so weit, aber ich bin zuversichtlich).


    Mein Freund hat das mit der Leihgabe dann allerdings schnell bereut, als ich in einen 5-minütigen Monolog verfallen bin, dass das eigentlich alles von Shakespeares Historienstücken geklaut ist und dass "Winter is coming" bestimmt eine Anspielung auf Richard III und "Now is the winter of our discontent" ist. :breitgrins:


    Bin jetzt anscheinend sogar schon so weit, dass ich heute Abend die erste Folge der Serie anschauen kann/darf. :klatschen:


    Was ich allerdings nach 50 Seiten getan hab: Mir die Kindleausgabe geholt. Ich bin es nicht mehr gewöhnt, so dicke Bücher in der Hand zu haben. Der Kindle ist da so viel bequemer. :smile:

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)

  • Trotz meiner schon seit einiger Zeit anhaltenden Fantasy-Unlust hatte ich mir vor einiger Zeit "A Game of Thrones" zugelegt, weil Ihr hier immer so davon geschwärmt habt. Als ich dann zufällig im TV auf die Verfilmung gestoßen bin, wollte ich mich doch erst mal einlesen ... und ja, ich kann die Lobeshymnen jetzt verstehen ;)


    Zum Inhalt brauche ich wohl nicht mehr viel zu schreiben. Im Grunde ist es eine klassische Geschichte über rivalisierende Adelshäuser und den Kampf um die Thronfolge bzw. das Anrecht auf den Thron, hinzu kommt eine unbestimmte Bedrohung aus dem Norden, von jenseits der Mauer, die die Sieben Königslande schützt, und der bevorstehende lange, harte Winter. Eigentlich wenig, was man nicht schon mal irgendwo in einem Fantasy- oder Historienschmöker gelesen hätte.


    Aber Martin macht daraus ein episches, komplexes Werk, knackevoll mit lebendigen Figuren, die eben nicht wie so oft in den einschlägigen Genres eindimensional schwarz oder weiß sind. In jedem der verfeindeten Häuser gibt es sympathische und unsympathische Personen, es ist schwer, sich als Leser vollends auf eine bestimmte Seite zu schlagen. Auch wenn mein Herz zunächst den Starks gehört und hier vor allem Arya, Jon und Ned, mag ich doch auch den zynischen Zwerg Tyrion Lannister und Dany Targaryen und Ser Jorah Mormont. Unter anderem. Diese Vielfalt der Charaktere und die Möglichkeit, dass sich jeder, aber auch wirklich jeder in eine unerwartete Richtung entwickeln kann, gefällt mir außerordentlich gut.


    Allerdings muss ich zugeben, dass ich ziemlich lang gebraucht habe, um mich einzulesen und all die Namen und Familien und Orte zu durchschauen. Dass die Karte, die in meiner Ausgabe abgedruckt ist, nur das Festland und ein paar kleine Inselchen zeigt, der Rest der Welt aber nicht abgebildet ist, half auch nicht gerade. Nach etwa 100 Seiten, während derer ich mich immer wieder fragte, was jetzt eigentlich so toll ist an den Büchern, ist dann allerdings der Knoten geplatzt. Und am Ende dieses ersten Bandes, der, wie Grisel mal so schön sagte, eigentlich nur ein einziger langer Prolog zu sein scheint, musste ich mir unbedingt Band 2 und 3 besorgen ...


    4ratten

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Und am Ende dieses ersten Bandes, der, wie Grisel mal so schön sagte, eigentlich nur ein einziger langer Prolog zu sein scheint, musste ich mir unbedingt Band 2 und 3 besorgen ...


    Na denn, willkommen im Club. :breitgrins:

  • Ich bin mir schon jetzt ziemlich sicher, dass ich Herrn Martin ob seines Schreibtempos verfluchen werde, wenn ich mit der bislang vorhandenen Reihe durch bin :breitgrins:

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Ich bin mir schon jetzt ziemlich sicher, dass ich Herrn Martin ob seines Schreibtempos verfluchen werde, wenn ich mit der bislang vorhandenen Reihe durch bin :breitgrins:


    Willkommen im Club II. :breitgrins:

  • Ich bin ein großer Fan von Büchern, die sich rund um Königsgeschichten drehen. Deswegen hatte ich auch die erste TV-Staffel der Bücherreihe fast ganz angeschau und war von dieser auch sehr angetan.
    Da ich mir schon dachte, dass die Bücher jedoch noch viel besser sein mussten, war ich froh, als ich bei Amazon billig das Boxset dieser Reihe ergattern konnte.


    Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Der Schreibstil des Autors war wirklich toll und konnte mich von Anfang an fesseln. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, auch wenn man manchmal von der VIelzahl der Charaktere ein wenig erschlagen wird, besonders, wenn mehrere Lords und Ritter in einem Raum sind und miteinander diskutieren. Aber die meisten von ihnen zählten Gott sei Dank nicht zu den entscheidenden Charakteren. Die Landschaftsbeschreibungen im Buch sind nicht zu übertrieben oder langatmig, wie es z.B. bei Herr der Ringe der Fall ist, sodass in keiner Sekunde eine langatmige Pause innerhalb der Geschichte entstand.


    Die Geschichte ist in einzelne Abschnitte eingeteilt, die jeweils aus der Sicht einer der Charaktere erzählt wird. Im Vordergrund dieses Buch steht die Familie Stark rund um das Oberhaupt Eddard Stark. Er ist der Herrscher des Nordens und ein guter Freund des neuen Königs im Lande. Dieser macht Stark zu seiner rechten Hand, obwohl Eddard sich erst weigert. Die Intrigen im Königshofe waren ihm schon immer zuwider... aber schon bald soll er auch er Teil dieser Intrigen sein, ob er nun will oder nicht... und es wird ihm teuer zu stehen kommen...


    Ich will eigentlich nicht viel über die Geschichte schreiben, da ich finde, jeder sollte selbst einmal dieses Buch lesen, ob nun in Englisch oder in Deutsch und selbst in den Bann der Geschichte gezogen werden. Ich kann nur verraten, dass sich das Buch nicht nur um die Familie Stark dreht sondern auch viele andere Geschichten mit sich bringt, die alle irgendwie mit einander verwoben sind.


    Mein Fazit


    Eine toller Auftakt zu bisher einer 5-teiligen Serie, die mich fesseln konnte und die man nicht verpassen sollte, wenn man Fan dieser Art von Büchern ist.

  • Hallöchen!


    Zunächst einmal muss ich eingestehen, dass ich die Serie zuerst gesehen habe. Da sie mich unglaublich begeistert hat, wollte ich unbedingt auch die Bücher dazu lesen. Leider muss ich sagen, dass ich ein bisschen enttäuscht bin. Zuerst zum Positiven:
    - Ohne jeden Zweifel sind die dargestellte Welt und die komplexe Handlung sehr vielschichtig, interessant und überzeugend. Unstimmigkeiten sind mir bisher nicht aufgefallen. Obwohl sich die Geschichte - wie auch manche Charaktere - unerwartet entwickeln, passt dies dennoch immer in den Gesamtkontext.
    - Bei den Charakteren bietet sich eine unerwartete Vielfalt: Keine Figur ist nur eindimensional dargestellt, oder beschränken sich auf einen für die Geschichte wesentlichen Charakterzug. Durch eine recht ausgewogene Darstellung ihrer Schwächen und Stärken, erscheinen alle Charaktere wie 'echte' Menschen, mit denen man sich gut identifizieren kann. Unterstützt wird das zudem durch die wechselnde Perspektive in jedem Kapitel.
    - Obwohl die dargestellte Welt sehr groß ist, werden bestimmte Teile wie beispielsweise die Existenz von Magie und Drachen oder auch das Leben im Norden zunächst nur angedeutet. Dadurch kann man sich etwas leichter in die Welt einfinden, als wenn man von Anfang an damit konfrontiert würde. Zudem bleibt man gespannt auf das Erkunden und Entdecken dieser Bereiche.


    Nun jedoch auch zu den Aspekten, die mir nicht so gut gefallen haben:
    - Grundsätzlich hatte ich erwartet, durch das Lesen der Bücher eine große Menge an zusätzlichem Hintergrundwissen und ein besseres Verständnis der Charaktere zu erhalten. Das war keineswegs der Fall. Es mag sein, dass mir manche Zusammenhänge klarer geworden sind, aber das wäre durch ein erneutes Ansehen der Serie wohl auch der Fall gewesen. Gerade bei der Darstellung der Charaktere bin ich ziemlich enttäuscht. Es hätte mich ehrlich gesagt nicht gewundert, wenn ich festgestellt hätte, das 'Buch zur Serie' zu lesen.
    - Der Stil an sich ist keinesfalls schlecht; er hält sich weitgehend von klischeehaften Formulierungen und ähnlichem fern. Das Buch liest sich im Grunde sehr leicht. Allerdings kann es mich überhaupt nicht fesseln (und das liegt nicht daran, dass ich die Handlung schon kenne). Die dargestellten Kämpfe zum Beispiel finde ich unglaublich langweilig. Mir erscheint es eher wie das Lesen eines Protokolls. Gerade auch bei der Innensicht der Charaktere finde ich das sehr auffällig. Ich sehe bisher keinen Unterschied in den Beschreibungen des Buches und dem Zusehen der Schauspieler. Außerdem wird auch stilistisch überhaupt nicht zwischen der Perspektive eines Siebenjährigen und anderen, deutlich älteren Figuren unterschieden. Als Ausnahme fällt mir beispielsweise das Kapitel ein, in dem Arya die Katzen fängt. So etwas hätte ich mir deutlich mehr gewünscht.
    - Was mich auch noch stört und was bestimmt durch die Serie verstärkt wird, ist das Alter der Figuren. Wie kann ich (oder irgendwer) Robb mit seinen 15 Jahren ernst nehmen? Jamie war mit 17 schon Teil der Kingsguard und wird zum Kingslayer? Daenerys ist 13, als ihre Geschichte beginnt? Die Eltern Stark und wohl auch König Robert sind etwa Mitte 30?


    Ich denke nicht, dass ich die übrigen Bücher lesen werde. Höchstens die Bände, die die Serie noch nicht abgedeckt hat, falls mich meine Neugier dazu zwingt. Insgesamt gefällt mir die Serie deutlich besser, was mich selbst überrascht. Die Handlung erscheint mir lebendiger und die Charaktere schillernder.


    Viele Grüße,
    mondpilz


  • Es hätte mich ehrlich gesagt nicht gewundert, wenn ich festgestellt hätte, das 'Buch zur Serie' zu lesen.


    Was meiner Ansicht nach aber für das Buch spricht, immerhin haben sie es in der Serie so toll umgesetzt, dass man gerade in Band 1 wirklich fast mitreden kann.


    Katrin


  • Was meiner Ansicht nach aber für das Buch spricht, immerhin haben sie es in der Serie so toll umgesetzt, dass man gerade in Band 1 wirklich fast mitreden kann.


    Finde ich nicht. Wenn das Buch im Vergleich zur Verfilmung keinen Mehrwert besitzt, wurden die Vorzüge des Mediums Buch meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt. Im Gegenteil spricht es für die Serie, die sich wiederum der Charakteristika ihres Mediums durchaus bedient hat. Neben der wirklich sehr wörtlichen Umsetzung der Handlung bietet sie solche Sache wie Kostüme, Musik, Kulisse usw. Für mich stellt sich die Frage, warum ich ein Buch lesen sollte, wenn mir die Verfilmung mehr bietet?

  • Hm, ich habe in den Büchern schon noch einiges mehr gefunden als das, was die Serie bietet.


    Der Stil ist natürlich immer Geschmackssache, wobei ich Martins Kampfszenen ziemlich gut gemacht finde, weil sie relativ selten öde, seitenlange Aneinanderreihungen von irgendwelchen Metzeleien sind und man häufig nur durch Erzählungen anderer erfährt, was passiert ist.


    Das Alter der Figuren hat mir zugegebenermaßen auch ein bisschen Kopfschmerzen bereitet - allerdings weniger, weil ich es so unrealistisch fand, was die Figuren jeweils in ihrem jungen Alter schon erlebt oder getan haben (in historischen Romanen ist das oft ja sehr ähnlich und ich habe es mir einfach so erklärt, dass die Leute vielleicht auch einfach nicht so alt werden oder aber schon deutlich früher als erwachsen gelten als in der heutigen Zeit), sondern weil ich die Filmfiguren im Kopf hatte, die teils ja doch deutlich älter sind.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)





  • Was mich auch noch stört und was bestimmt durch die Serie verstärkt wird, ist das Alter der Figuren. Wie kann ich (oder irgendwer) Robb mit seinen 15 Jahren ernst nehmen? Jamie war mit 17 schon Teil der Kingsguard und wird zum Kingslayer? Daenerys ist 13, als ihre Geschichte beginnt? Die Eltern Stark und wohl auch König Robert sind etwa Mitte 30?


    Na ja, it's fantasy. Warum sollten da die gleichen Regeln wie in unserer Wirklichkeit gelten, ab wann jemand erwachsen ist? Im Laufe der Reihe wird immer deutlicher, dass die westerosischen Adelsfamilien größten Wert darauf legen, ihre Kinder möglichst früh zum „Erwachsensein“ zu erziehen. Warum sollten Personen, die in einer solchen Welt leben, das nicht ernst nehmen?



    Wenn das Buch im Vergleich zur Verfilmung keinen Mehrwert besitzt, wurden die Vorzüge des Mediums Buch meiner Meinung nach nicht ausreichend genutzt. Im Gegenteil spricht es für die Serie, die sich wiederum der Charakteristika ihres Mediums durchaus bedient hat. Neben der wirklich sehr wörtlichen Umsetzung der Handlung bietet sie solche Sache wie Kostüme, Musik, Kulisse usw. Für mich stellt sich die Frage, warum ich ein Buch lesen sollte, wenn mir die Verfilmung mehr bietet?


    Was wären denn Vorzüge bzw. Charakteristika des Mediums Buch? :gruebel: Dass es in Büchern keine Kostüme, Musik und Kulissen gibt, versteht sich ja von selbst.

  • Ich habe zuerst den ersten Teil gelesen, bevor ich die erste Staffel geschaut habe, mein Freund hingegen kennt nur die Verfilmung. In Gesprächen über die Handlung fällt mir zumindest auf, dass ich da durchaus mehr über die Charaktere und die Geschichte weiß als mein Freund.


    Ich finde jedenfalls eher, dass die Qualität der Serie auch für das Buch spricht. Immerhin ist die erste Staffel sehr buchgetreu verfilmt und ohne diesen Roman könnte es die Serie ja gar nicht geben. Wenn sich die Serie also ihrer filmischen Stilmittel bedient, dann ist das natürlich auch ein Qualitätskriterium der Serie, aber die Grundlage, auf der alles aufgebaut wird, liefert nun mal das Buch. Das sehe ich persönlich zumindest so :zwinker:


    Das Alter der Protagonisten fand ich zu anfangs auch gewöhnungsbedürftig und im Vergleich zur Serie ist mir auch als erstes aufgefallen, dass das Alter der Charaktere - aus nachvollziehbaren Gründen - nach oben korrigiert wurde.
    Andererseits finde ich das Alter dann auch nicht so weit hergeholt. Wie schon erwähnt, handelt es sich um Fantasy und dass Kinder schon sehr früh erwachsen werden mussten, ist ja auch Teil unserer Geschichte. Im Mittelalter gab es meines Wissens eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 30 Jahren, das Heiratsalter war auch viel niedriger als heute, natürlich war auch der Zweck der Ehe ein anderer.
    Mit 14,15 Jahren, wenn nicht sogar früher, mussten viele schon der gleichen Arbeit nachgehen wie Erwachsene. Umstände, die es ja leider auch heutzutage noch gibt.

    “Grown-ups don't look like grown-ups on the inside either. Outside, they're big and thoughtless and they always know what they're doing. Inside, they look just like they always have. Like they did when they were your age. Truth is, there aren't any grown-ups. Not one, in the whole wide world.” N.G.


  • Hm, ich habe in den Büchern schon noch einiges mehr gefunden als das, was die Serie bietet.


    Was denn? (Ist nicht polemisch gemeint; das interessiert mich wirklich!)



    Na ja, it's fantasy. Warum sollten da die gleichen Regeln wie in unserer Wirklichkeit gelten, ab wann jemand erwachsen ist? Im Laufe der Reihe wird immer deutlicher, dass die westerosischen Adelsfamilien größten Wert darauf legen, ihre Kinder möglichst früh zum „Erwachsensein“ zu erziehen. Warum sollten Personen, die in einer solchen Welt leben, das nicht ernst nehmen?


    Grundsätzlich hast du natürlich recht, dass in einer fiktiven Welt andere Regeln gelten (können). Aber zunächst einmal legt der Anfang der Geschichte nahe, dass die Altersvorstellung denen der unseren Welt schon zumindest ähnlich sind. Nehmen wir einmal Robb als Beispiel: Erst darf er nicht einmal mit einem Schwert mit einer richtigen Klinge trainieren. Und kurze Zeit später führt er einen Krieg an? Das steht einfach nicht im Verhältnis. Davon abgesehen ist das Alter an sich (wie auch in der wirklichen Welt) ja weniger relevant als der Erfahrungssschatz. Allerdings hatte man, wenn man jung ist, einfach noch nicht besonders viel Zeit, den anzusammeln. Da nehme ich als Beispiel Jamie. Selbst wenn wir behaupten, dass er schon mit 14 ein richtiges Schwert benutzen durfte - heißt das, dass er mit 17 schon genug Erfahrung hat, in der Elitegarde des Königs zu dienen?



    Was wären denn Vorzüge bzw. Charakteristika des Mediums Buch? :gruebel: Dass es in Büchern keine Kostüme, Musik und Kulissen gibt, versteht sich ja von selbst.


    Charakteristika des Medium Buchs im Vergleich zum Film sind Elemente wie sprachlicher Stil, Beschreibungen, Fülle an Hintergrundinformationen und vor allem auch die Innensicht von Charakteren. Natürlich besitzt das Buch all diese Elemente; meiner Ansicht nach werden sie jedoch nicht genügend genutzt. Gerade Innesicht kann der Film zwar durchaus auch darstellen, ist in dem allerdings beschränkter als eine Erzählung. Ein extremer Vergleich wäre The Sound and the Fury von Faulkner. Würde man diese Innensichten filmisch darstellen, würde einem vieles verloren gehen. Bei A Game of Thrones habe ich diesen Eindruck leider nicht.



    Ich finde jedenfalls eher, dass die Qualität der Serie auch für das Buch spricht. Immerhin ist die erste Staffel sehr buchgetreu verfilmt und ohne diesen Roman könnte es die Serie ja gar nicht geben. Wenn sich die Serie also ihrer filmischen Stilmittel bedient, dann ist das natürlich auch ein Qualitätskriterium der Serie, aber die Grundlage, auf der alles aufgebaut wird, liefert nun mal das Buch. Das sehe ich persönlich zumindest so :zwinker:


    Ja, da stimme ich dir zu! Nur bietet für mich persönlich die Serie ein deutliches 'Mehr' im Vergleich zum Buch. Ich finde das Buch gut, die Serie aber besser. :smile:


  • Grundsätzlich hast du natürlich recht, dass in einer fiktiven Welt andere Regeln gelten (können). Aber zunächst einmal legt der Anfang der Geschichte nahe, dass die Altersvorstellung denen der unseren Welt schon zumindest ähnlich sind. Nehmen wir einmal Robb als Beispiel: Erst darf er nicht einmal mit einem Schwert mit einer richtigen Klinge trainieren. Und kurze Zeit später führt er einen Krieg an? Das steht einfach nicht im Verhältnis. Davon abgesehen ist das Alter an sich (wie auch in der wirklichen Welt) ja weniger relevant als der Erfahrungssschatz. Allerdings hatte man, wenn man jung ist, einfach noch nicht besonders viel Zeit, den anzusammeln. Da nehme ich als Beispiel Jamie. Selbst wenn wir behaupten, dass er schon mit 14 ein richtiges Schwert benutzen durfte - heißt das, dass er mit 17 schon genug Erfahrung hat, in der Elitegarde des Königs zu dienen?


    Aber diese Aussagen stehen doch alle in einem eindeutigen Kontext: Robb darf nicht mit einem richtigen Schwert trainieren, aber er hat gelernt, worauf es in den Augen seiner Familie ankommt: eine Armee zu führen, seinen Gefolgsleuten ein Beispiel sein etc. Joffrey dagegen darf natürlich alles, auch mit einem scharfen Schwert trainieren, aber gerade das zeigt ihn als verwöhntes Balg, das ohne einen Ratgeber wie Tyrion aufgeschmissen wäre. Und Jaime wird ja geradezu dadurch charakterisiert, dass er sehr jung in eine hohe Position gelangt ist und die Menschen ein entsprechend festgefahrenes Bild von ihm haben.


    Meiner Ansicht nach legt die Geschichte überhaupt nicht nahe, dass die Altersvorstellungen denen unserer Welt ähnlich sind. Die Adelsfamilien erwarten ständig von ihren Kindern, dass sie sich sehr früh wie Erwachsene verhalten, und geben ihnen auch sehr früh Befehlsgewalt über andere Menschen. Erscheinen Kinder zu sorglos, werden sie als »Sommerkinder« bezeichnet und vor dem kommenden Winter gewarnt. Joffrey und Lysas Sohn können andererseits als Beispiele dafür gelten, welche negativen Folgen es hat, wenn selbstsüchtigen Kindern Autorität über andere verliehen wird. Catelyn missbilligt, dass ihre Schwester ihren Sohn nicht richtig auf seine zukünftige Aufgabe vorbereitet. Für mich stellt sich die Sache eher so dar: Kinder westerosischer Adelsfamilien werden in sehr jungem Alter in Erwachsenenrollen gedrängt, auch dann, wenn sie nicht über die entsprechende Reife und Erfahrung verfügen. Dieses System scheint in Westeros niemand zu hinterfragen, und wenn es nicht funktioniert, wird dies dem Individuum angelastet.



    Charakteristika des Medium Buchs im Vergleich zum Film sind Elemente wie sprachlicher Stil, Beschreibungen, Fülle an Hintergrundinformationen und vor allem auch die Innensicht von Charakteren. Natürlich besitzt das Buch all diese Elemente; meiner Ansicht nach werden sie jedoch nicht genügend genutzt. Gerade Innesicht kann der Film zwar durchaus auch darstellen, ist in dem allerdings beschränkter als eine Erzählung. Ein extremer Vergleich wäre The Sound and the Fury von Faulkner. Würde man diese Innensichten filmisch darstellen, würde einem vieles verloren gehen. Bei A Game of Thrones habe ich diesen Eindruck leider nicht.


    Okay, jetzt verstehe ich besser. Martin verwendet halt durchgehend das Prinzip »Show, don't tell«, also ein aus den visuellen Medien übernommenes Verfahren. Ich vermute, dass gerade deshalb so viele von A Song of Ice and Fire fasziniert sind. Die Möglichkeiten zur Charakterzeichnung und zum Vermitteln von Hintergrundinformationen schränkt es natürlich ein, und dem Format Fernsehserie nähern sich die Bücher dadurch eher an, als sich von ihm abzusetzen. Nähere Informationen über irgendeinen Ort in Westeros erhält man in der Regel erst, wenn POV-Charaktere sich dort hinbegeben. Und die Komplexität der Figuren zeigt sich eher darin, dass es oft zu überraschenden Perspektivwechseln auf sie kommt: Jaime z.B. wirkt in seinen POV-Kapiteln völlig anders als in der Sicht, die andere POV-Charaktere auf ihn haben.


    Ich würde sagen: Innerhalb der Begrenzungen seines Erzählprinzips nutzt Martin seine Möglichkeiten optimal, aber das hebt natürlich die Begrenzungen nicht auf. Letztlich ist das ja die große Frage: Wird Martin es schaffen, die sich immer weiter ausfächernde Handlung mit »Show, don't tell« darzustellen, oder wird er sich darin verhaspeln, dass er immer neue POV-Charaktere braucht und das Werk dadurch immer mehr ausufert, ohne zum Ende zu kommen?


  • Was denn? (Ist nicht polemisch gemeint; das interessiert mich wirklich!)


    Ein konkretes Beispiel fällt mir jetzt gerade nicht ein, aber in der Serie wurden im Vergleich zum Buch doch viele Dinge etwas ausführlicher dargestellt. Oder man taucht in die Gedanken bestimmter Figuren ein, was im Buch ja mehrere Seiten füllen kann und in der Serie schwer darzustellen ist, wenn der Protagonist gerade nur nachdenkt. Im 2. Band (bzw. Band 3 und 4 der deutschen Übersetzung) ist das noch stärker zu sehen, da wurden einige Handlungselemente in der Serie weggelassen oder verkürzt gezeigt.

    The west-winds blow, and, singing low,
    I hear the glad streams run;
    The windows of my soul I throw
    Wide open to the sun.

    (John Greenleaf Whittier)




  • Wäre ein ganz gutes Beispiel nicht z. B. das Gastrecht in Staffel 3? (Entschuldigt, mir fällt gerade auch kein gutes Beispiel aus den ersten Staffeln ein)



    Ist jetzt nur ein kleines Beispiel, aber da fehlte mir in der Serie die Erklärung. :winken:

    "This was another of our fears: that Life wouldn't turn out to be like Literature" (Julian Barnes - The Sense of an Ending)


  • Aber diese Aussagen stehen doch alle in einem eindeutigen Kontext: Robb darf nicht mit einem richtigen Schwert trainieren, aber er hat gelernt, worauf es in den Augen seiner Familie ankommt: eine Armee zu führen, seinen Gefolgsleuten ein Beispiel sein etc. Joffrey dagegen darf natürlich alles, auch mit einem scharfen Schwert trainieren, aber gerade das zeigt ihn als verwöhntes Balg, das ohne einen Ratgeber wie Tyrion aufgeschmissen wäre. Und Jaime wird ja geradezu dadurch charakterisiert, dass er sehr jung in eine hohe Position gelangt ist und die Menschen ein entsprechend festgefahrenes Bild von ihm haben.


    Meiner Ansicht nach legt die Geschichte überhaupt nicht nahe, dass die Altersvorstellungen denen unserer Welt ähnlich sind. Die Adelsfamilien erwarten ständig von ihren Kindern, dass sie sich sehr früh wie Erwachsene verhalten, und geben ihnen auch sehr früh Befehlsgewalt über andere Menschen. Erscheinen Kinder zu sorglos, werden sie als »Sommerkinder« bezeichnet und vor dem kommenden Winter gewarnt. Joffrey und Lysas Sohn können andererseits als Beispiele dafür gelten, welche negativen Folgen es hat, wenn selbstsüchtigen Kindern Autorität über andere verliehen wird. Catelyn missbilligt, dass ihre Schwester ihren Sohn nicht richtig auf seine zukünftige Aufgabe vorbereitet. Für mich stellt sich die Sache eher so dar: Kinder westerosischer Adelsfamilien werden in sehr jungem Alter in Erwachsenenrollen gedrängt, auch dann, wenn sie nicht über die entsprechende Reife und Erfahrung verfügen. Dieses System scheint in Westeros niemand zu hinterfragen, und wenn es nicht funktioniert, wird dies dem Individuum angelastet.


    Na ja, nur weil Robb gelernt hat, wie er sich verhalten soll, heißt das noch lange nicht, dass seine Meinungen auch ernst genommen werden können oder sollen. Die Tatsache, dass er einige Zeit zuvor noch nicht mit einem Schwert trainieren durfte, zeigt aber doch, dass er nicht als vollwertiger Mann anerkannt wurde. Nicht nur weil er nicht mit dem richtigen Schwert kämpfen darf, sondern auch weil das nicht seine Entscheidung ist. Natürlich verändert sich seine Verantwortungslage, dennoch erscheint das in meinen Augen weit hergeholt, dass er plötzlich den Respekt einer Armee hat.


    Wenn ich sage, dass die Altersvorstellungen unserer Welt ähnlich sind, meine ich viel weniger die Altersrollen oder -aufgaben (natürlich ist man in unserer Welt mit elf nicht alt genug für eine Verlobung!), sondern wann eine Person Kinder- oder Erwachsenenstatus hat. Jon beispielsweise wird andauernd als 'grün' bezeichnet, bis er sich den nötigen Respekt erarbeitet hat. Genauso würden wir einen Fünfzehnjährigen auch zunächst als jung und unerfahren annehmen, bis er eben seine Reife bewiesen hat. Robert will ja auch erst mal Ned zum Herrscher machen, weil Joffrey noch zu jung sei. Nur weil die Kinder in Rollen gedrängt werden und Macht haben, heißt das ja nicht, dass sie von den anderen Bewohnern dieser Welt als Erwachsene empfunden werden!



    Okay, jetzt verstehe ich besser. Martin verwendet halt durchgehend das Prinzip »Show, don't tell«, also ein aus den visuellen Medien übernommenes Verfahren. Ich vermute, dass gerade deshalb so viele von A Song of Ice and Fire fasziniert sind. Die Möglichkeiten zur Charakterzeichnung und zum Vermitteln von Hintergrundinformationen schränkt es natürlich ein, und dem Format Fernsehserie nähern sich die Bücher dadurch eher an, als sich von ihm abzusetzen. Nähere Informationen über irgendeinen Ort in Westeros erhält man in der Regel erst, wenn POV-Charaktere sich dort hinbegeben. Und die Komplexität der Figuren zeigt sich eher darin, dass es oft zu überraschenden Perspektivwechseln auf sie kommt: Jaime z.B. wirkt in seinen POV-Kapiteln völlig anders als in der Sicht, die andere POV-Charaktere auf ihn haben.


    Ich würde sagen: Innerhalb der Begrenzungen seines Erzählprinzips nutzt Martin seine Möglichkeiten optimal, aber das hebt natürlich die Begrenzungen nicht auf. Letztlich ist das ja die große Frage: Wird Martin es schaffen, die sich immer weiter ausfächernde Handlung mit »Show, don't tell« darzustellen, oder wird er sich darin verhaspeln, dass er immer neue POV-Charaktere braucht und das Werk dadurch immer mehr ausufert, ohne zum Ende zu kommen?


    Da bin ich anderer Meinung. Ich denke nicht, dass die Leser deswegen fasziniert sind, weil er den discours vernachlässigt; vielmehr verzeiht man ihm diese Vernachlässigung durch die hervorragene histoire. Du siehst das als optimale Ausnutzung seiner Möglichkeiten, ich als klare Missachtung seiner Möglichkeiten. Natürlich ist es eine faszinierende Geschichte, aber ist es auch literarisch wertvoll?
    Danke für das Beispiel mit Jaime ([size=5pt]entschuldige übrigens die vorherige Falschschreibung[/size]) - im ersten Buch gibt es diese Kapitel nicht und genau so etwas hat mir gefehlt! Vielleicht muss ich doch weiterlesen, um zu sehen, ob es besser wird. :zwinker: