Tom Wolfe - Fegefeuer der Eitelkeiten

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Inhalt (lt. Amazon):


    In seinem barock erzählten Großstadtroman entwirft Wolfe ein breites Panorama New Yorks in den 1980er Jahren.
    Inhalt: Börsenmakler Sherman McCoy hat den amerikanischen Traum von Erfolg und Reichtum verwirklicht – ein Millionen-Dollar-Jahresgehalt, eine Luxuswohnung in der schicksten Gegend New Yorks, ein nettes Töchterchen, eine Dame der Gesellschaft als Ehefrau und eine sexhungrige Freundin. Doch eines Tages begeht Sherman einen fatalen Fehler. Weil er mit seinem Mercedes die Ausfahrt verpasst hat, kurvt er mit Gespielin Maria durch den verrufenen Stadtteil Bronx. Als zwei schwarze Jugendliche auftauchen, geraten die nach Geld aussehenden Weißen in Panik. Maria, die sich ans Steuer setzt, fährt einen der Schwarzen an und rast mit Sherman davon. Der junge Mann stirbt später an seinen Verletzungen, die Polizei ermittelt und Sherman verstrickt sich in ein Netz aus Ungereimtheiten und Lügen. Als sich auch der Klatschreporter Peter Fallow für die Einzelheiten der Geschichte interessiert, beginnt Shermans gesellschaftlicher Sturz aus dem Kreis der Reichen und Schönen.
    Aufbau: Nicht zufällig erinnert das Werk an den Roman Jahrmarkt der Eitelkeit (1848) von William Makepeace R Thackeray aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. An einem exemplarischen Ereignis wird in üppigen Stimmungsbildern ein Sittengemälde der Zeit entworfen, hier des vibrierenden Molochs New York am Ende des 20. Jahrhunderts. Wolfe fängt Gerüche, Geräusche und Geschwindigkeit der Metropole mit Lautmalereien und sprachlichen Neuschöpfungen ein. Wirtschaft, Justiz, Politik, Presse und Kirche werden durch stellvertretende Figuren ins Blickfeld gerückt, ihre politischen und persönlichen Interessen fließen ineinander. Sherman McCoy steht für die protzende Schicht der Neureichen mit ihren kostspieligen Träumen und ihrer herausfordernden Eitelkeit. Seine glänzende Fassade stürzt ein, als er sich zum ersten Mal als Mann mit Charakter erweisen muss. McCoys Niedergang erinnert an die schillernden, aber sündhaft teuren Jahre der konservativen Administration unter US-Präsident Ronald Reagan (1981–89). Deren Ideologie des hemmungslosen Egoismus hinterließ einen verarmten Mittelstand und das größte Haushaltsdefizit der amerikanischen Geschichte.
    Wirkung: Fegefeuer der Eitelkeiten wurde ein internationaler Bestseller, Kritiker im In- und Ausland rühmten das Buch. Wie ein moderner Honoré de R Balzac habe Wolfe ein »erzähltes morality play« (Hellmuth Karasek) geschaffen, einen »durch und durch komödiantischen Roman« (FAZ), der Ereignisse der Zeitgeschichte auf witzige Art glossiere. In Brian de Palmas Verfilmung (1989) spielten die Hollywood-Stars Tom Hanks, Bruce Willis und Melanie Griffith die Hauptrollen.


    Meine Meinung:


    Selten war ich während des Lesens so sehr hin und her gerissen wie bei diesem Roman.
    Die ersten 300 bis 400 Seiten dieses fast 900 Seiten umfassenden Romans habe ich mich gequält, dann nahm es mich doch gefangen.
    „Besonders“ an diesem Buch fand ich, dass es schwer fällt, Sympathien zu vergeben, aber auch mit Antipathien tut man sich schwer, ist doch jeder Protagonist einfach nur damit beschäftigt, seine ihm von der Gesellschaft zugewiesene Rolle zu spielen. Und frei nach dem Motto „mein Haus, meine Frau, mein Auto, mein Pferd“ streben die Protagonisten nach mehr. Mehr Geld und mehr Ansehen, nach einem höheren gesellschaftlichen Status.


    Tom Wolfe besticht in diesem Roman durch unterschwelligen Sarkasmus und Ironie, doch als Nicht-Insider der New Yorker Welt kommt man schon manchmal ins Grübeln, wie übertrieben dieses oder jenes nun wirklich ist, trotz des Wissens um die riesige Kluft zwischen Arm und Reich.
    Eigentlich könnte ich mir jeglichen weiteren Kommentar sparen, denn der Titel „Fegefeuer der Eitelkeiten“ trifft den Inhalt und das Konzept des Romans so sehr auf den Punkt, dass dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist.


    Zwei Dinge allerdings nehme ich aus diesem Buch mit. Zum einen ist es der der Begriff „pimp roll“, mit dem Wolfe den typischen Gang der amerikanischen Schwarzen der Bronx bezeichnet (uns ist die rollende Gangart aus diversen Rapp-Videos bekannt).
    Zum anderen den Begriff „Röntgenbild“. Wolfe legt diesen Begriff seinem Hauptprotagonisten Sherman McCoy in den Mund, wenn dieser über die aufkommende Aerobicwelle (der 80er) sinniert und über das Aussehen, welches die Damen der Gesellschaft favorisieren, nämlich „ausgemergelt“. Das ist natürlich Wasser auf den Mühlen einer ewig-mit-den-Pfunden-Kämpfenden.


    Fazit:
    Zweifellos ein herausragender gesellschaftlicher Roman, zweifellos ein grandioser Schriftsteller. Und ebenso zweifellos: dieses Buch war einfach nicht mein Fall.


    Trotzdem: 5ratten

    Liebe Grüße

    SheRaven

    Einmal editiert, zuletzt von SheRaven ()

  • @ chil


    Ja, dass Buch lohnt sich auf jeden Fall. Es ist eines der Art, die noch eine ganze Weile in einem nachklingen. Und das sage ich ganz bewusst, auch wenn das Thema des Buches eigentlich nicht das meine ist. :rollen:

    Liebe Grüße

    SheRaven

  • Sherman McCoy ist ein selbsternannter Master of the Universe. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau Judy, der Tochter Campbell und dem Dackel Marshall in einer riesigen Wohnung in der Park Avenue, ist ein erfolgreicher Wertpapierhändler und verdient so Unsummen an Geld pro Jahr. Das braucht er allerdings auch, da alleine seine Wohnung 21.000 Dollar im Monat kostet. Seine Frau betätigt sich als Innenarchitektin mal hier und mal da, Campbell geht auf die exklusivste Privatschule und auch sonst scheint alles perfekt.


    In Wirklichkeit aber ist seine Ehe nur noch eine Zweckgemeinschaft und für seine Tochter hat er viel zu wenig Zeit. Seine körperlichen Bedürfnisse lebt er mit seiner Affaire Maria aus. Doch gerade diese Affaire ist es, die seinem Leben eine abrupte Wendung gibt. Eines Tages holt Sherman Maria in seinem Mercedes vom Flughafen ab, am Heimweg verfährt er sich allerdings und landet so mitten in der Bronx. Sowohl Maria als auch Sherman werden schon leicht panisch, immerhin ist es dunkel, es ist die Bronx und sie sind völlig alleine am Bruckner Boulevard unterwegs.


    Und dann bestätigen sich auch noch die schlimmsten Befürchtungen: Plötzlich liegt ein Reifen auf der Fahrbahn. Sherman steigt aus, um ihn weg zu räumen, da wird er von zwei schwarzen Jugendlichen angesprochen. Er wirft mit dem Reifen nach ihnen, Maria rutscht auf die Fahrerseite, Sherman springt ein und die beiden rasen davon. Eigentlich kein Problem – hätten die beiden da nicht diesen dumpfen Aufprall gehört. Sherman beschleicht das Gefühl, dass sie einen der Jugendlichen angefahren haben könnten und will deshalb zur Polizei. Doch Maria redet ihm diese Idee schnell wieder aus und besteht darauf, selbst die Entscheidungen dazu zu treffen, da sie gefahren war.


    Für Sherman beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Er lebt in der Angst, dass dem Jungen etwas Ernsthaftes passiert sein könnte. Und dann wird diese Angst zur Gewissheit. Der angefahrene Junge liegt im Koma, nach dem Fahrer eines Mercedes wird gesucht, denn kurz bevor der Jugendliche ins Koma fiel, konnte er seiner Mutter noch die Marke und die ersten Buchstaben des Kennzeichens sagen.


    Die Polizei macht sich, von der Presse getrieben, an die Arbeit. Der Fall ist von höchster politischer Brisanz, da der Bürgermeister Abe Weiss wieder kandidieren möchte und sich mit der Suche nach dem großen weißen Angeklagten die Wählerstimmen der schwarzen Bevölkerung New Yorks sichern möchte. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die Polizei im 21.000-Dollar-pro-Monat-Apartment auftaucht und sich nach Shermans Auto erkundigt. Sherman verliert die Nerven und macht sich so verdächtig. Doch wird die Beweislage ausreichen, um ihm etwas anzuhängen? Und was wird Maria tun? Was wird Judy tun, wenn sie von seinem Verhältnis erfährt? Geht er ins Gefängnis oder kann er seine weiße Haut noch einmal retten?


    Truman Capote, Norman Mailer, Hunter S. Thompson und Tom Wolfe zählen zu den bekanntesten Vertretern des New Journalism, einer Art der Berichterstattung, die sich vom objektiven, kühl-sachlichen Schreibstil des herkömmlichen Journalismus durch eine lebendigere Sprache, größerer Subjektivität und den Einsatz von literarischen Stilmitteln in der Reportage unterscheidet. Zwar gehört „Fegefeuer der Eitelkeiten“ nicht zu den Reportagen Wolfes und stellt somit auch nicht wirklich ein Werk des New Journalism dar, allerdings kann man sehr gut Wolfes journalistischen Stil wiedererkennen.


    Wolfe kommt vom Hundertsten ins Tausendste, beschreibt detailliert und gekonnt, so dass die eigentliche Geschichte dadurch sehr in die Länge gezogen wird, allerdings gekonnt. Die Geschichte wird dadurch nicht langweilig, sondern erhält viele Facetten, es macht sie lebendig. Man muss in Stimmung sein und sich Zeit nehmen für das Buch, ansonsten wird man wohl eher genervt von Wolfes Ausführlichkeit sein. Dennoch lohnt es sich, durchzuhalten. Die Geschichte ist spannend, kritisch und oft auch komisch, auf jeden Fall die investierte Zeit wert.
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    Taschenbuch: 928 Seiten
    Verlag: Rowohlt Tb. (August 2005)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3499236745
    ISBN-13: 978-3499236747


    4ratten