Gustave Flaubert - Madame Bovary

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Es gibt 35 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von sandhofer.

  • (Die "search -inside"-Funktion zeigt nicht die Übersetzung von Dessauer. So ungenau ist dieser Konzern).


    Dieser Konzern geht eh davon aus, dass es die Kunden nicht zu interessieren hat, welche Ausgabe sie genau in Händen haben. Rezensionen sind prinzipiell mal zum Text, nie zur Ausgabe, die man gerade angeklickt hat. Und so bei den Übersetzungen. Und so bei den Herausgebern. Und so und so weiter ... :grmpf:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Madame Bovary von Gustave Flaubert


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    Umschlagtext: "In Madame Bovary deutet sich die Entfremdung an, die hundert Jahre später in der entwickelten Gesellschaften Männer und Frauen erfasst (aber besonders letztere, wegen ihrer Lebensbedingungen): konsumieren, um die Angst zu vertreiben, Versuche, die Leere, die das moderne Leben im Menschen hinterlässt, mit Gegenständen zu bevölkern. Emmas Drama ist der Raum zwischen der Illusion und der Realität, der Abstand zwischen dem Wunsch und seiner Erfüllung." - Mario Vargas Llosa


    Gustave Flaubert schuff mit seinem 1856/1857 erschienenen Roman "Madame Bovary" eines der grössten Werke der Weltliteratur. Zuerst wurde sein Werk nur zensiert veröffentlicht, er wurde "Des Verstosses gegen die Sitte" angeklagt. Er wurde jedoch im folgenden Prozess freigesprochen.
    Flauberts Werk erzählt die Geschichte der Emma Rouault, welche den Arzt Charles Bovary heiratet. Emma stammt aus einer Bauernfamilie, sie besuchte in ihrer Jugend ein Kloster, wo sie gute Bildung genoss und zum ersten Mal mit Romanen in Berührung kam. Nach der Heirat mit Charles beginnt sie ihr Leben zunehmend zu langweilen. Sie wünscht sich wie die Damen in ihren so geliebten Büchern zu sein. Frei, unabhängig, leidenschaftlich, auf der Suche nach Abenteuer. Doch all das kann Charles ihr nicht bieten. Schliesslich wird Emma ganz krank vor Langeweile und ihr besorgter Mann schlägt einen Umzug vor um sie auf andere Gedanken zu bringen. Sie ziehen in das Dorf Yonville. In Yonville gibt es verschiedenste Leute, welche Emma im Verlaufe der Geschichte kennen lernt. Darunter der Apotheker Homais, der immer zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Mit Léon Dupuis, dem Kanzlist verbindet sie sofort ihre Leidenschaft für die Schönen Künste. Stundenlang reden die beiden über Literatur, Theater, Musik und philosophische Themen. Über all dies kann Emma mit Charles nicht sprechen. Als die Leute im Dorf zu tuscheln beginnen, muss Léon wegziehen um seine Ausbildung in Paris zu beenden. Emma ist sehr traurig deswegen, darf sich aber nichts anmerken lassen. Das Leben in Yonville geht weiter. Bis sie die Bekannschaft mit Rodolphe Boulanger von La Huchette kennen lernt. Rodolphe ist bekannt für seine Frauengeschichten und auch Emma erliegt seinem Charme. Er ist hingerissen von der süssen Emma und bald beginnen sie eine stürmische Affäre. Als Emma mit Rodolphe fliehen will, macht dieser einen Rückzieher. Nach etwa 3 Jahren Affäre macht er damit Schluss. Emma ist verzweifelt und bekommt eine Hirnhautentzündung, die sie wochenlang ans Bett fesselt. Sie ist unendlich traurig und muss zurück in ihr altes Leben finden. Die Langeweile holt sie wieder ein, nicht einmal ihre Tochter Berte kann sie vergessen machen. Da will es das Schicksal, dass sie Léon wiederbegegnet. In der Nachbarsstadt ist er nun bei einem Anwalt angestellt. Wiederum stürzt sich Emma breitwillig in die Affäre. Doch neben der Verheimlichung dieser kommen nun auch noch Geldsorgen hinzu. Emma gibt Unmengen an Geld für Luxusartikel, Kleider und Möbel aus. Sie macht schulden, unterschreibt Wechsel und weiss irgendwann nicht mehr wo sie finanziell steht. Bis sie ein Schreiben erhält, welches die Pfändung ihres Besitzes fordert. Verzweifelt sucht sie nach Hilfe, nach jemandem der ihr aus der finanziellen Not hilft. Doch niemand gibt ihr das benötigte Geld. Da vergiftet sie sich selbst und stirbt. Charles ist am Boden zerstört. Er hat nicht nur alle Schulden von ihr abzuzahlen, er muss auch noch von ihrer Affäre mit Rodolphe erfahren. Er liebt sie trotzdem bis zum Ende und stirbt dann auch. Berte überlebt und wohnt fortan bei Verwandten in ärmlichen Verhältnissen.


    Ich habe Madame Bovary als Maturalektüre für das Fach Französisch gewählt. Das Buch hat mir von Anfang an sehr gut gefallen und ich habe es geradezu verschlungen. Emma war mir zwar nie besonders symphatisch, aber dennoch konnte ich sie verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen. Charles fand ich einfach viel zu naiv, Rodolphe mochte ich gar nicht, Léon war mir von Anfang an suspekt und was die anderen angeht... Homais war eine Figur, die ich wirklich mochte. Flaubert verstand es fantastisch mit wenigen Worten für jede Figur einen eigenen Charakter zu erschaffen und ihnen gute Gründe für ihr Handeln zu geben. Natürlich ist die Geschichte ziemlich voraussehbar, das mag ein Kritikpunkt sein. Auch sind manche Charaktere vielleicht etwas zu wenig ausgeführt. Ich hätte gerne mehr über den Pfarrer oder die Frau von Homais erfahren. Denoch ist das Ende auf seine eigene Art überraschend, ich hätte nicht erwartet zu erfahren, was mit Berte geschieht. Der Schreibstil gefiel mir sehr, Flaubert ist ein Künstler! Wenn man dann noch bedenkt, dass das Buch einer der ersten Romane dieser Art war, so muss ich Flauberts Genialität noch ein weiteres Mal erwähnen. ;-) Stellenweise hat mich das Buch sehr an Effi Briest erinnert. Liegt wohl an der Zeit und am Erzählstil, vielleicht auch an der Geschichte an sich. Ich fand es aber trotzdem sehr schön einmal einen Einblick ins Frankreich des 19. Jahrhunderts zu erhalten und für einmal die Untere Mittelschicht und nicht die Elite zu betrachten. Das war schon sehr interessant!


    Fazit: Wer Klassiker wie Effi Briest und Buddenbroks mochte, der wird auch Madam Bovary lieben! Die Geschichte ist zwar leider etwas voraussehbar, aber trotzdem sehr schön erzählt und es gibt einige tolle Charaktere zu entdecken!


    4ratten + :anbet:


  • Fazit: Wer Klassiker wie Effi Briest und Buddenbroks mochte, der wird auch Madam Bovary lieben!


    Dem kann ich mich leider überhaupt nicht anschließen. Ich fand die Buddenbrooks toll, doch die gute Frau Bovary hat mir den letzten Nerv geraubt und ich habe anderthalb Monate für die nichtmal 300 Seiten gebraucht.


    Die Charakterzeichnung der titelgebenden Madame Bovary ist Flaubert meisterhaft gelungen und ihr moralischer Abstieg entwickelt eine starke, voyeuristische Faszination. Dieser Sog wird aber sofort und auf ziemlich demoralisierende Art und Weise von Flauberts nur allzu detaillierten Schilderungen aller möglicher und unmöglicher Details und Vorgänge überlagert, die mir jegliches Vergnügen verleidet haben. Im überschwänglichen Nachwort wird eben diese detaillierte Sichtweise Flauberts über den grünen Klee gelobt, doch wozu muss ich mich durch über 15 Seiten Schilderung der Jahresversammlung der Landwirte quälen? Für mich persönlich haben solche Passagen überhaupt keinen Mehrwert gebracht, sondern die eigentlich interessante Charakterstudie unnötig in die Länge gezogen und dadurch deren Reiz enorm vermindert.


    1ratten

  • Hallo Myriel,


    so unterschiedlich ist das, für mich waren die detaillierten Schilderungen oft eine Erleichterung von Madame mal abgelenkt zu werden und es hat mich weniger gestört. Aber nach 3 Jahren hab ich es irgendwie nicht mehr so spannend und toll in Erinnerung, geblieben ist fast nur der Gedanke an "diese nervige Person" und meine Augen rollen automatisch.


    Hm, also einen Reread wird es dazu wohl nicht geben.


    Grüße
    schokotimmi

    Weltreise: 43/223 - 19,3%

  • Nachdem unsere kleine Leserunde zum Jahresanfang beendet ist, möchte ich meine Meinung zu dem Buch schreiben.


    Gustave Flaubert - Madame Bovary


    Ein Klassiker, der wirklich zu unrecht so lange Zeit auf meinem SuB verweilte !
    Komischer Weise geht es mir bei den meisten Klassikern so, erst traue ich mich nicht ran und hinterher kann ich es gar nicht glauben, das ich das Buch nicht schon viel früher gelesen habe, weil es so unterhaltsam und gut geschrieben war.
    So auch bei Madame Bovary....


    Was an dem Buch auffällt ist, das Flaubert es wunderbar versteht Schauplätze, Ereignisse und Dinge zu beschreiben. Während man liest, hat man das Gefühl die Dinge fast greifbar vor sich zu haben, so ausführlich erzählt der Autor, jedoch ohne zu überfordern, oder zu langweilen. Einzig die Sache mit den "Wechseln" habe ich nicht so richtig verstanden und es gelang mir auch nach zugegeben halbherzigen Versuch, nicht die Sache zu entwirren. Aber das ist ein persönlicher Schwachpunkt :zwinker:
    Eine weitere Besonderheit für mich ist, das sich beim lesen kein Lieblingscharakter auftat, mit dem ich durch die Geschichte wanderte. So konnte ich alle Figuren ganz objektiv erleben, was auch viel Spaß gemacht hat !


    Zu der Handlung selber ist hier ja schon genug geschrieben worden, deshalb spare ich mir das an dieser Stelle.
    Madame Bovary ist auf jeden Fall eine der selbstsüchtigsten, egoistischten und niederträchtigsten, vielleicht auch eine der tragischsten Figuren, in der klassischen Literatur, die ich kenne - herrlich !!!


    Ich gebe : 4ratten

    Mein Patronus ist eine Büchereule :leserin:

  • Gustave Flaubert – Madame Bovary
    Übersetzerin: Maria Dessauer (1996)


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    Inhaltsangabe:


    Die Geschichte spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in der nordfranzösischen Provinz. Charles Bovary, ein noch junger und nicht besonders aufgeweckter Landarzt, heiratet die hübsche Emma Rouault. Emmas Mutter war früh gestorben, und so wurde sie in einem Kloster erzogen, wo sie Bekanntschaft mit der romantischen, idealisierten Welt der Liebesromane gemacht hatte. Emma glaubt fest an diese Welten, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie sich in ihrer Ehe schnell zu langweilen beginnt. Sogar die Geburt ihrer Tochter Berthe bringt sie nicht dazu, sich mit den realen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Emma beginnt eine Affäre mit dem Frauenhelden Rodolphe, doch für ihn ist sie nur eine kleine Episode in seiner Sammlung. Auf Rodolphe folgt Léon, der sich ebenfalls für romantische Ideale stark macht und eine verwandte Seele zu sein scheint. Doch nichts von allem reicht Emma aus; sie steigert sich in Sehnsüchte hinein, verschwendet ihr ganzes Geld, macht Schulden und gerät unter immer größeren Druck. Als sich dann auch noch der Gerichtsvollzieher ankündigt und alles aufzufliegen droht, versucht Emma ihre letzten Möglichkeiten auszuschöpfen ...


    Der erste Satz:


    „Wir waren beim Studium, als der Direktor eintrat, gefolgt von einem bürgerlich gekleideten Neuen und einem Schuldiener, der ein großes Pult trug.“


    Meine Meinung zum Buch:


    Ich bin in den letzten Jahren immer wieder auf dieses Buch gestoßen, meistens wurde es als Beispiel herangeführt, wie man bildhafte Beschreibungen in eine Geschichte einbaut. Und natürlich war es mir als Klassiker schon lange vom Namen her bekannt, also war es in diesem Jahr an der Zeit, diese Leselücke endlich zu schließen.


    Es hat sich mehr als gelohnt, dieses Buch anzupacken und ich bin sehr froh darüber, es gelesen zu haben. Flauberts Bilder der ländlichen Welt und der Ereignisse dort sind wirklich phantastisch und ich habe sogar seine Beschreibung einer landwirtschaftlichen Ausstellung (nun nicht wirklich mein Interessengebiet) mit Vergnügen gelesen.


    Apropos Vergnügen: ich war erstaunt über die witzigen, ironischen Szenen, die immer wieder eingebaut sind. Warum ich bei Klassikern keinen Humor erwarte, weiß ich auch nicht so genau, vermutlich meine ich, dass „ernste“ Literatur eben immer ernst aufbereitet sein muss. Aber das ist hier gar nicht der Fall, wobei das Thema an sich durchaus ernst ist. Aber ich fand es z. B. köstlich, wie Rodolphe und Emma in der besagten landwirtschaftlichen Ausstellung hoch geistvoll flirten, während um sie herum Schafe und Schweine prämiert werden.


    Sympathie konnte ich für keine der in der Geschichte auftauchenden Personen empfinden. Charles ist buchstäblich blind vor Liebe und leugnet alles, was Emma in ein schlechtes Licht bringen könnte. In seinem Beruf ist er überfordert und weiß das auch genau, dummerweise lässt er sich trotzdem zu riskanten Behandlungen hinreißen, die ohne Erfolg enden, was ihn noch unsicherer macht.


    Tja, und Emma: was für eine dumme, dumme, egozentrische Frau. Sie lebt in ihrer Traumwelt von Rittern, Schlössern und Prinzen und will nicht sehen, dass die Welt eben nicht so ist und dass das, was sie hat, gar nicht so schlecht sein könnte. Es dauert lange, bis ihr Lügengestrick auffliegt, sie hat ihre Märchenwelt mit Dreistigkeit und Geschick aufgebaut. In einigen Rezensionen hier im Thread habe ich gelesen, dass sie als Opfer gesehen werden könnte, das sehe ich allerdings nicht so. Gut, vielleicht ist sie zum Ende hin das Opfer von Lheureux, der seine Wechsel einfordert, aber die Schulden macht sie ja vorher schon ganz alleine. Und dass sie von Rodolphe abserviert wird, nachdem sie ihm zu aufdringlich wird und mit ihm in ein gelobtes Land fliehen will (Option ewiges Glück und heititeiti), macht sie in meinen Augen auch nicht zu seinem Opfer. Emma ist eine treibende Kraft – mit direktem Kurs auf die Katastrophe.


    Mit der Sprache kam ich sehr gut zurecht, einige altmodischere Begriffe kannte ich nicht, aber das konnte das Lesevergnügen nicht schmälern.


    Ich habe das Buch in einer kleinen [url=http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php/board,117.0.html]Leserunde[/url] gelesen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Der Austausch mit meinen Mitleserinnen war toll. :winken:


    Meine Bewertung: :tipp::daumen:


    Viele Grüße von Annabas :winken:

    Einmal editiert, zuletzt von Annabas ()

  • Als Nachzügler der Leserunde habe ich es nun auch geschafft das Buch zu beenden.


    Den Schreibstil mochte ich sehr gerne, denn er war angenehm, flott und wahrlich bildhaft. Dieser wunderbaren Sprache habe ich es zu verdanken, dass ich mich so oft von den Einwohnern Yonvilles unterhalten lassen konnte. Da wären zum Beispiel der Pfarrer und der Apotheker zu nennen, die keine Gelegenheit ausließen um sich gegenseitig aufgrund ihrer verschiedenen Weltanschauungen anzustacheln. Einfach nur köstlich! :breitgrins:


    Doch so witzig ich die Dorfbewohner und ihr Verhalten untereinander auch fand, so nervig war für mich auch Madame Bovary höchstpersönlich. Anfangs konnte ich sie noch verstehen, so hatten wir doch alle in jungen Jahren romantische Vorstellungen über unsere Zukunft. Doch irgendwann wird es eben Zeit erwachsen zu werden und der Tatsache ins Auge zu sehen, dass man nicht alles, was man sich erträumt hat auch bekommt und die Realität oft grausam anders ist.
    Ihr Gejammere über ihr sinnloses Leben hat mich schnell gelangweilt. Ihre Art ihren Willen durchzusetzen und trotz Mutterschaft so egoistisch und eigensinnig zu sein war mir zu extrem. Und der absolute Gipfel war die Dreistigkeit wie sie ihrem Mann auf der Nase herum getanzt ist und ihre gesamte Familie in Folge in den Ruin gestürzt hat.
    Letzten Endes hat mich ihr

    am Ende auch gar nicht großartig überrascht, da ich finde, dass dies ein typisches Verhalten für Menschen ist, die viel zu feig sind dafür gerade zu stehen was sie falsch gemacht und anderen Menschen angetan haben.


    Charles mochte ich zu Beginn auch noch. Sein tollpatschiges Verhalten und seine Unwissenheit fand ich nett. Deswegen konnte ich auch nicht ertragen wie ihn Emma behandelte, da tat er mir einfach nur leid! Er hat sich so angestrengt seine geliebte Frau glücklich zu machen und ihr jeden Wunsch zu erfüllen...
    Doch meine Meinung hat sich bis zum Ende hin sehr geändert - da wollte ich ihn nur noch nehmen und gegen die Wand klatschen. Sich so von seiner Frau hintergehen zu lassen und sich dann immer noch blind stellen und die Wahrheit nicht akzeptieren wollen?! So unglaublich wenig Stolz kann ein Mann doch gar nicht haben..!


    Die beiden Liebhaber mochte ich allerdings beide nicht besonders. Léon war mir viel zu bubihaft und Rudolf war mir schlicht zu eingebildet, auch wenn er mir von den beiden noch der Liebere war.


    Trotz der eher anstrengenden Hauptcharaktere war Madame Bovary für mich ein absolutes Lesevergnügen und deswegen vergebe ich gerne 4ratten.

    :leser: [color=#CC0077]<br />Leo Tolstoi - Anna Karenina<br />Geneva Lee - Royal Passion<br />Frank Schätzing - Tod und Teufel<br />Patrick Rothfuss - The Name of the Wind<br />Maggie Stiefvater - The Raven Boys

    Einmal editiert, zuletzt von Juggalette ()

  • Meine Meinung
    Mir geht es ähnlich wie Juggalette: ich fand die Hauptdarsteller auch sehr anstrengend. Emma verliebt sich zuerst in das Gefühl, verliebt zu sein. Aus diesem Grund heiratet sie Charles, der ihr die Welt zu Füßen legt. Aber er langweilt sie, weil es nicht so ist wie in ihren Träumen oder den Romanen, die sie liest. Auch mit ihren Liebhabern wird sie nur glücklich, wenn es eben nicht rund läuft. Sie tut mir fast leid, aber wenn ich mich wieder daran erinnere, wie sie sich manchmal gerade Charles gegenüber benimmt, ist mein Mitleid wieder verflogen.
    3ratten

    Klettern ist viel mehr als nur ein Sport. Draußen sein in der Natur, am Fels, das ist eine Lebenseinstellung.

  • Im Zuge des SLW habe ich Madame Bovary nun auch gelesen und ich bin erstaunt wie schnell es gelesen war.


    Ich habe mir das kostenlose ebook runter geladen und als erstes fiel mir auf, dass der Hauptdarsteller im Buch Karl heißt. Man kann es mit der Übersetzungswut auch ein wenig übertreiben, aber bitte.


    Emma ist in meinen Augen ein naives Ding. Bei der Hochzeit mit Charles war sie nicht verliebt in ihn und war überzeugt, dass die überschwängliche Liebe aus ihren Romanen noch kommen wird. Aber dem war nicht so.

    Ich finde Flaubert sehr fortschrittlich, wie er Emmas Zustand beschreibt als sie ein Mädchen bekommt. Er kann die Zwänge der Frauen sehr gut darstellen. Sie liegen quasi in Ketten, während Männer viel ungezwungener sind.


    Auch die Beziehungen zu ihren Liebhabern hat Flaubert sehr gut beschrieben. Sie langweilt sich und sucht Abwechslung und die große Liebe, die sie aber nie finden soll.

    Eigentlich ist Emma eine bedauernswerte Person, die mit sich und dem Leben nicht glücklich ist, obwohl sie so vieles hat worüber sie sich freuen könnte.


    Das Ende kommt wie es kommen muss. Ich bin froh Madame Bovary endlich gelesen zu haben.

  • Sie langweilt sich und sucht Abwechslung und die große Liebe, die sie aber nie finden soll.

    Für mich war Emma nicht gelangweilt, sondern schwer depressiv. Sie verspürt eine innere Leere, die sie mit Männern, Kaufsucht, sogar eine Zeitlang mit Religion zu füllen versucht. Dabei findet sie nie ein Mittelmaß, sie steigert alles ins Extreme. Das ist auch kein Wunder, da ihre Selbstmedikation ja immer nur für kurze Zeit funktioniert, bevor die alte Leere durchbricht.


    Ich finde Flaubert sehr fortschrittlich, wie er Emmas Zustand beschreibt als sie ein Mädchen bekommt.

    Flaubert hat generell nicht gewertet. Er hat die Umstände beschrieben, wie sie waren. Nichts beschönigt, nichts verurteilt. Emma hat noch Jungmädchen-Vorstellungen als sie Charles heiratet. Sie glaubt, die Liebe wird wie in Büchern sein, alles umwälzend und über sie hinwegfegend. Als dem nicht so ist, stürzt sie in eine tiefe Sinnkrise, aus der sie nicht mehr heraus kommt. Charles, dieser einfältige Tropf von Ehemann kann ihr nicht helfen. Er ist ja selbst zu hilflos und eigentlich nicht lebensfähig. Ihr Vater ist froh, sie gut verheiratet zu haben, war ihr vorher schon keine Stütze und fühlt sich ab der Hochzeit nicht mehr für sie verantwortlich und ihre Schwiegermutter ist eifersüchtig, dass sie ihr den vergötterten Sohn abspenstig gemacht hat. Somit kann sie von dieser Seite auch keine Unterstützung erwarten.


    Ohne es laut zu auszusprechen, kritisiert Flaubert die damaligen Zwänge, die Frauen in ein enges gesellschaftliches Korsett pressten. Als Mädchen wurden sie bewusst naiv gehalten. Die Bildung beschränkte sich auf ein Minimum, sie bekamen kein Rüstzeug mitgegeben, um Fiktion von Wahrheit unterscheiden zu können. Kein Wunder, dass Emma glaubt, Liebe und Glück müsse wie in den von ihr verschlungenen Romanen sein. Als Ehefrau sind sie dann gefangen - egal wie unglücklich oder zerstörerisch die Ehe sich gestaltet, sie müssen bis zum bitteren Ende aushalten. Zusätzlich sollen sie dann einen Haushalt führen, mit Geld umgehen können und sich aufopferungsvoll um den Nachwuchs kümmern. Auf Dauer kann das auch robustere Naturen als Emma krank machen.


    Madame Bovary ist ein wundervolles Buch, auf das man sich allerdings einlassen können muss.

  • Charles ist wirklich ein selten dummer Tropf. Wie er seine Frau auch noch in die Arme seiner Liebhaber treibt. Unfassbar eigentlich.

    Aber er war so verliebt in sie, dass er sich nie vorstellen konnte, dass sie ihn betrügt. Und sie nutzte seine Gutmütigkeit schamlos aus.

  • Und sie nutzte seine Gutmütigkeit schamlos aus.

    Seltsam. "Schamlos" und "ausnutzen" wären mir jetzt im Zusammenhang mit der Bovary nicht in den Sinn gekommen. So wenig wie "Gutmütigkeit" für ihren Mann. Ich habe ihn nicht als gutmütig empfunden, sondern schlicht und ergreifend als stockkalten Fisch, der dazu noch von sich selber eingenommen ist und die Probleme oder Gefühle seiner Frau nicht wahrhaben will. Nicht wahrhaben kann. Während sie nach einer Liebe hungert, die er ihr nicht geben kann. Die ihr keiner ihrer Geliebten geben kann, weil sie sich in ihrer Lektüre an völlig unrealistischen Vorbildern orientiert, wie sich Don Quijote an seinen Ritterromanen orientiert hat.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)

  • Und sie nutzte seine Gutmütigkeit schamlos aus.

    Seltsam. "Schamlos" und "ausnutzen" wären mir jetzt im Zusammenhang mit der Bovary nicht in den Sinn gekommen. So wenig wie "Gutmütigkeit" für ihren Mann. Ich habe ihn nicht als gutmütig empfunden, sondern schlicht und ergreifend als stockkalten Fisch, der dazu noch von sich selber eingenommen ist und die Probleme oder Gefühle seiner Frau nicht wahrhaben will. Nicht wahrhaben kann. Während sie nach einer Liebe hungert, die er ihr nicht geben kann. Die ihr keiner ihrer Geliebten geben kann, weil sie sich in ihrer Lektüre an völlig unrealistischen Vorbildern orientiert, wie sich Don Quijote an seinen Ritterromanen orientiert hat.

    Vielleicht ist Gutmütigkeit das falsche Wort. Aber ich denke jetzt an die Szene wo er ihr Reitkleidung kauft, damit es ihr bald wieder besser geht. Und dann lässt er sie mit Rudolf ausreiten.

    Und sie nutzt das schamlos aus, indem sie mit Rudolf so ihre Affäre pflegt. Sie denkt immer nur an sich.

  • Sie denkt immer nur an sich.

    Das tut auch der alte Bovary. Das tun auch ihre Liebhaber. Insofern ist sie die einzige, die an sich, an Madame Bovary, denkt. Ich würde das nicht "schamlos" nennen. Eher "gedankenlos", weil sie die Konsequenzen nicht überdenkt.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)