Margaret George - Kleopatra (bis einschließlich Kapitel 58)

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Flor.

  • Kleopatra erweist sich in diesem Abschnitt wieder als sehr reisefreudig, aber so erfährt man wieder etwas mehr über andere Länder und Völker. Diese Beschreibungen finde ich sehr interessant.


    Was ihr bei Caesar nicht gelungen war, gelingt Kleopatra bei Antonius: sie setzt ihren ganzen, naja, Charme :breitgrins: ein, um ihm Ländereien abzuschmeicheln. Kein sehr sympathischer Zug, aber für eine Königin, die die Interessen ihres Landes zu wahren hat, sicherlich nachvollziehbar. Im Gegenzug hat sie ihr Schicksal an Antonius gebunden. MG macht sehr deutlich, dass Antonius nichts von Caesars Genie besaß, lediglich der Ehrgeiz und die Verbissenheit war den beiden gemeinsam.


    Was wäre aus unserem Freund Octavian ohne Marcus Vipsanius Agrippa geworden? Nicht viel.
    Ich bin immer wieder erstaunt, wie leicht Octavian Antonius an die Seite drängen konnte, vielmehr: wie leicht Antonius sich verdrängen ließ. Er hätte sich viel früher zur Wehr setzen sollen. War das wirklich Ehrgefühl, oder hatte er gar nicht so viel Interesse an der Macht? Jetzt ist jedenfalls Kleopatra die aktivere, machthungrigere. Ich glaube, für Antonius hätten die unbeschwerten Tage ewig so weiter gehen können, wenn man ihm eine Wahl gelassen hätte.


    Partherfeldzug: erstaunlich, wie verbissen die Römer immer wieder gegen die Parther anrennen. Egal, wie viele Beulen sie sich holen, sie versuchen es immer wieder.

  • Blitzhochzeit in Antiochia - schneller ging's nicht.
    Was mich wieder wunderte, dass Kleopatra einen nach römischen Recht verheirateten Mann heiraten konnte.
    Waren den die römischen Ehen in Ägypten genau so wenig anerkannt, wie die Ehen mit Nichtrömern/-römerinnen in Rom?



    Was ihr bei Caesar nicht gelungen war, gelingt Kleopatra bei Antonius: sie setzt ihren ganzen, naja, Charme :breitgrins: ein, um ihm Ländereien abzuschmeicheln. Kein sehr sympathischer Zug, aber für eine Königin, die die Interessen ihres Landes zu wahren hat, sicherlich nachvollziehbar.


    Das war etwas, das mich ein wenig geärgert hat. Und ich dachte mir, sie macht sich in solchen Zeiten auch noch Feinde, die geographisch zwischen ihr und den Partherfeldzug führenden Antonius stehen. Aber wie sich später herausstellte hat sie es wunderbar verstanden das Beste daraus zu machen. Mich würde interessieren, ob die Schösslinge angegangen sind.


    Dass sie Antonius gegen Octavian aufhetzt, hat meiner Meinung nach nicht nur mit Machtgier zu tun. Octavian ist gefährlich. Er will alles und die Mittel sind ihm egal. Stets nur auf seinen eigenen Vorteil aus, benutzt er die Menschen für seine Zwecke und hält sich sicher aus der Schusslinie, im wahrsten Sinne des Wortes. :zwinker:
    Lepidus und Sextus sind schon mal abserviert - fehlt nur noch Antonius!


  • Blitzhochzeit in Antiochia - schneller ging's nicht.
    Was mich wieder wunderte, dass Kleopatra einen nach römischen Recht verheirateten Mann heiraten konnte.
    Waren den die römischen Ehen in Ägypten genau so wenig anerkannt, wie die Ehen mit Nichtrömern/-römerinnen in Rom?


    Das weiß ich nicht, würde mich auch mal interessieren.



    Zitat

    Mich würde interessieren, ob die Schösslinge angegangen sind.


    Das erfährst Du später.

  • Tja, ich arbeite mich auch langsam voran :zwinker:.
    Also, das ist ja echt ein wildes ver-und entheiraten :breitgrins:. Wild triebens die alten Römer, wie es ihnen gerade in den Kram passt.
    Mich beschäftigt aber immer noch das Problem "warum hat Caesar sich nicht für Kleopatra scheiden lassen". War doch alles wirklich einfach. Ich komme zu der Entscheidung er hat sie nicht geliebt, sondern nur die Königin in ihr. Tja...wer weiß das schon zu beantworten.
    Ach ja, und der Gute Antonius. Irgendwie mag ich ihn jetzt doch wieder gerne, wenn nur nicht immer diese ganzen Entscheidungen wären, mit dem der Arme einfach völlig überfordert ist. :rollen:


    Gut gefällt mir bisher, dass M. George ja wohl historisch sehr korrekt ist, sonst hätte qantaqa das sicher schon angemerkt, denke ich. Aber ein kleines bisschen zäh wird das ganze schon, findet ihr nicht. Aber vielleicht muss das auch alles so genau erzählt werden, damit man den Zusammenhang auch wirklich versteht.


    Was war eigentlich das "Triumvi...dingsbums :redface:" mensch ich finde das Wort jetzt nicht. Dieser Vetrag, oder der Zusammenschluß der Mächtigen Roms....oder was sonst.

  • Ich glaube wie Du, Flor, dass Caesar Kleopatra nicht geliebt hat. Sie war nützlich als Vasallenkönigin - an einem Ägypten als römischer Provinz hatte Caesar kein Interesse. Ägypten war ein reiches Land; als Provinz wäre es von einem Statthalter ausgeplündert worden. Deshalb war es klüger, den Status quo zu erhalten. Dass eine Ehe mit Kleopatra in Rom nie anerkannt worden wäre, wusste Caesar. Eine Ehe hätte nur seinen Ruf beschädigt und seine Position geschwächt.


    Soweit mir die Geschichte bekannt ist, hat MG sich sehr genau an die tatsächlichen Ereignisse gehalten. Vieles außerhalb der nackten Geschichtsfakten ist ja nicht bekannt, deshalb darf hier kräftig ausgeschmückt werden, es ist schließlich ein Roman und kein Geschichtsbuch. Allerdings geht es mir ähnlich wie Dir - mir wird es auf Dauer auch ein wenig viel. Deshalb lege ich immer wieder Pausen ein und lese etwas anderes.


    Es gab zwei Triumvirate: das erste bestand aus Caesar, Gnaeus Pompeius Magnus und Marcus Licinius Crassus (der später in Parthien so furchtbar geschlagen wurde). Das zweite aus Antonius, Octavian und Lepidus.
    Ein Triumvirat war ein Bündnis, das es eigentlich im römischen Staatsrecht nicht gab. Ein klarer Verfassungsbruch also. Caesar, zu der Zeit des Bündnisschlusses noch ein aufstrebender aber mittelloser Politiker, war mit Crassus geschäftlich eng verbunden. Der war nämlich stinkreich und hat Caesar finanziert und gefördert (und ihn auch vor Sullas Nachstellungen geschützt). Crassus hatte wenig politische Ambitionen - er wollte Geld verdienen. Caesar und Pompeius waren Rivalen um die Macht, nachdem Sulla sich endgültig aus der Politik zurück gezogen hatte. Beide geniale Feldherren, beide ambitioniert und machthungrig. Getreu dem Motto "Es kann nur einen geben" vertagte man eine tödliche Konfrontation und verbündete sich. Zur Bekräftigung verheiratete Caesar seine Tochter Julia mit Pompeius. Das ging auch eine Weile gut. Der frühe Tod Julias hat das Zerbrechen des Triumvirats sicherlich beschleunigt. Aber auch die militärischen Erfolge im Gallischen Krieg und Caesars langes Fernbleiben von Rom. In dieser Zeit konnte Pompeius in Rom ordentlich Reklame für sich machen und Caesar musste von Gallien aus zusehen. Als der Senat Pompeius gestattete, für das Konsulat zu kandidieren, obwohl er ein Imperium inne hatte, also einen Feldzug unternahm, Caesar dies in der gleichen Situation aber verweigerte, kam es zu Caesars Marsch auf Rom mit den geflügelten Worten "Alea iacta est" (was soviel bedeutet wie: jetzt gibt es kein Zurück mehr), als er den Rubikon, den römischen Grenzfluss überschritt. Damit war die Situation klar: Caesars Marsch wurde als kriegerischer Akt bewertet, obwohl er sich nur als Kandidat für das Amt des Konsuls einschreiben wollte, ein Bürgerkrieg war die Folge, in dem sich Caesar als der angebliche Aggressor und Pompeius als der Verteidiger Roms gegenüber standen. Zum Marsch auf Rom muss man noch wissen, dass es Feldherrn, denen der Senat ein Imperium verliehen hatte, nicht gestattet war, ohne Erlaubnis nach Rom zurück zu kehren. Auch mit Erlaubnis durften Soldaten die Stadt nicht betreten, sondern lagerten bis zum Triumphzug oder zur Entlassung der Armee auf dem Marsfeld.
    Als Caesar die Bühne dieses Buches betritt, ist sein Kampf gegen Pompeius durch Ptolemaios und seine Ratgeber beendet worden, in dem sie Pompeius ermordeten. Der Bürgerkrieg schwelte aber weiter und flackerte immer wieder auf, nach Caesars Tod in der Konfrontation Antonius-Octavian wieder besonders heftig. Wie nach Sullas Abtreten entstand auch nach Caesars Tod ein Vakuum, das erst einmal durch ein weiteres Triumvirat beseitigt werden konnte. Auf Dauer aber auch keine Lösung, denn es kann nur einen geben.

    Einmal editiert, zuletzt von qantaqa ()

  • Gut, dass das mit der Zähigkeit (ist das ein deutsches Wort???) nicht nur mir so geht. Irgendwie komme ich momentan nur schlecht voran, aber ich habe die Hoffnung, dass es jetzt wieder besser wird, wo Kleopatra wieder in Ägypten ist. Und die gute Frau ist schon wieder schwanger :breitgrins:



    Was ihr bei Caesar nicht gelungen war, gelingt Kleopatra bei Antonius: sie setzt ihren ganzen, naja, Charme :breitgrins: ein, um ihm Ländereien abzuschmeicheln. Kein sehr sympathischer Zug, aber für eine Königin, die die Interessen ihres Landes zu wahren hat, sicherlich nachvollziehbar. ..


    Och, unsympathisch finde ich das nicht...irgendwie eher clever und warum soll sie es nicht ausnutzen, wenn sie Antonius so umschmeicheln kann.


    Aber gewundert hat mich das mit der Blitzhochzeit schon auch, sie stellt Bedingungen und er hatte es alles eh schon im Voraus geplant??? Fand ich irgendwie seltsam. Aber sie scheinen in ihrer Zweisamkeit doch ziemlich glücklich miteinander zu sein. Trotzdem fehlt der Zauber, den Caesar versprüht hatte, egal ob er Kleopatra nun geliebt hat oder nicht.



    Dass sie Antonius gegen Octavian aufhetzt, hat meiner Meinung nach nicht nur mit Machtgier zu tun. Octavian ist gefährlich...


    Ja, und Kleopatra warnt Antonius schon seit längerem vor ihm. Sie hat Oktavian einfach mal besser durchschaut und erkannt, dass von ihm Gefahr ausgeht.


    So, dann mach ich mir jetzt erstmal was zu essen und lese dann weiter.


    lg
    kathrin

  • qantaqa
    Danke für deine Ausführliche Erklärung zum Triumvirat. Das hat mir im Buch zur besseren Verständigung gefehlt. Dabei wird alles andere so (zu ?!) erklärt.


    Die Zähigkeit (Kathrin, sollte es kein deutsches Wort sein, wird es das hiermit :breitgrins:) zieht sich, wie ich finde, schon ziemlich hin. Da hätte schon etwas gekürzt werden können.
    Aber ich habe jetzt die letzten 300 Seiten zu packen, da geht es dann wieder schneller. :breitgrins: