James Joyce - Ulysses (6. Kapitel)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
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Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Ralf28.

  • Dieses Kapitel war sehr interessant. Viele Gedanken und Gespräche über den Tod. Man erfährt auch mehr über Leopold Bloom, sein Vater hat sich umgebracht und sein Sohn ist schon als Kind gestorben. Gerade der Selbstmord seines Vaters scheint Bloom sehr zu belasten, da hat er mir schon sehr leid getan.
    Ansonsten war die Beerdigung sehr gut beschrieben. Ich fühle mich bei diesem Buch immer irgendwie mittendrin, so als wäre man selbst auf dem Friedhof gewesen.
    Außerdem sieht Leopold Bloom das erste Mal an diesem Tag Stephen Dedalus. Ich bin gespannt, wann die beiden sich wirklich begegnen, und was dann passiert.

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  • @stephanie_j_h: ich finde auch, bisher eines der aufschlussreichsten Kapitel. Man erfährt nicht nur einiges über Bloom, sondern auch die Verbindung zu Stephen (über seinen Vater) wird hergestellt. Was mir allerdings noch nicht ganz klar ist: war Dignam ein Arbeitskollege von Bloom?
    Mrs. Bloom scheint in ihrer Jugend ganz schön begehrt gewesen zu sein, Mr. Menton erinnert sich nach 17 Jahren immer noch an sie. Da würde mich auch interessieren, was an Bloom so besonderes dran war, dass sie ihn geheiratet hat. Reisender in Löschpapier, Berufe gibt's...


    Die ganze Zeit überlege ich schon, den Dublin-Stadtplan auszugraben und Blooms Weg zu verfolgen. Die Fahrt zum Friedhof ist ja sehr detailliert beschrieben, das könnte man mit Sicherheit sehr gut auch heute noch auf einem Plan nachverfolgen.

  • Es ist schon erstaunlich, auf welche Gedanken Bloom während der Beerdigung kommt. Seinen kleinen Sohn scheint er sehr zu vermissen und auch sein Vater fehlt ihm. Aber auch hier während des Gottesdienstes wird offensichtlich, dass er nicht viel von der katholischen Kirche hält. Manches, was ihm durch den Kopf geht, könnte man schon als Gotteslästerung bezeichnen. Traurig ist er jedenfalls nicht - bei einer Gelegenheit fängt er fast an zu singen :rollen:.


    Mir gefiel eine Stelle sehr gut, in der das Seil der Totengräber, mit dem sie den Sarg in die Grube hinunterlassen, mit einer Nabelschnur verglichen wird. Mit dem Herausziehen des Seils wird quasi die Verbindung zur Welt getrennt.


    Ich bin auch nicht darauf gekommen, in welcher Beziehung Bloom zu Dignam stand, aber ich glaube nicht, dass das noch ein wesentlicher Punkt sein wird.

  • Das ist es auch nicht.


    Wesentlich für den ganzen "Ulysses" ist die Vater-Sohn-Beziehung. Stephen wird in Bloom einen Vater finden, dieser in Stephen einen Sohn anstatt seines verstorbenen Kindes.


    So ist ja auch die Odyssee eine Vater-Sohn-Geschichte, in der der Sohn Telemach seinen verloren geglaubten Vater Odysseus wiederfindet.


    Ebenso spielt Shakespear´s Hamlet eine grosse Rolle in dem Roman, wie überhaupt Shakespeare eine zentrale Rolle in der Zitierweise von Joyce spielt.


    So begegnet Odysseus in der Hades-Episode seinem verstorbenen Vater Laertes.


    Ralf

  • Wesentlich für den ganzen "Ulysses" ist die Vater-Sohn-Beziehung. Stephen wird in Bloom einen Vater finden, dieser in Stephen einen Sohn anstatt seines verstorbenen Kindes.


    Ich weiß nicht, ob ich da jetzt besonders empfindlich bin, aber mir wäre es ganz recht, wenn du nichts verraten würdest, was noch passiert...

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  • Na ja , da passiert im Prinzip nichts wesentliches mehr. Die Hauptpersonen treffen sich irgendwann und reden miteinander. das war es dann auch.


    "Ullysses" ist ja kein Spannungsroman, wo nicht verhersehbare Dinge geschehen. Die äusseren Ereignisse sind in diesem Roman fast nebensächlich. Joyce wollte einen Roman schreiben, um zu beweisen, dass an einem ganz normalen Tag in nuce die gesamte Weltgeschichte und Literatur untergebracht werden kann, dass also Mythos und Realität gänzlich in einem Durchschnittsindividuum verschmelzen können. Daher die einzigartige Vernetzung und Anspielungsdichte des Romans.


    Ralf

  • Ich hab schon gemerkt, dass nicht viel passiert und es war mir auch klar, dass nicht mehr viel passieren wird, aber es war mir noch nicht klar, dass Leopold mit Stephen sowas wie eine Vater-Sohn Beziehung eingeht und es wär mir lieber gewesen, das selbst herauszufinden, als es jetzt schon die ganze Zeit zu wissen... :rollen:

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  • Aber Stefanie das ist doch das Hauptmotiv in der Odyssee, und Joyce hat ja seinen Roman "Ulysses" nach dem homerischen Helden Odysseus genannt. Er hat ja grossen Wert darauf gelegt, diese Parallelen herzustellen, weil diese mythologische Erzählung Struktur und Kern seines Romans ist.


    Wenn du so willst, darfst du kaum etwas über die inneren Strukturen des Romans sagen, da diese erst nach einiger Zeit sich erschliessen. Aber ich glaube, keine Geheimnisse auszusprechen, wenn ich auf die verschiedenen inneren Strukturen des Romans verweise. Joyce war auch immer ein "poeta Doctus".


    Ralf

  • Ralf


    es gibt leute, die die geschichte von Odysseus NICHT intus haben oder nur sehr grob (wie ich) und somit kann man sie auch nicht in dieser leserunde voraussetzen


    Joyca

  • das mag ja sein, aber ich verstehe das Problem nicht ganz.


    Wenn du den "Ulysses" verstehen willst, dann kommst du um Homer nicht herum. Joyce´"Ulysses" ist ja kein Fantasy-Roman, an den jeder unbedarft herangeht, sondern du kannst ihn nur verstehen, wenn du die Hintergründe kennst, und je mehr du davon kennst, desto besser kannst du den Roman verstehen.


    Ralf