James Joyce - Ulysses (14. Kapitel)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
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Es gibt 8 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von WannaBe.

  • Als ich heute das 14. Kapitel angefangen hatte, war mein erster Gedanke, dass das auch mein letztes im Ulysses sein könnte. Gerade nach dem einfach zu lesenden 13. Kapitel konnte ich mit der seltsamen Sprache überhaupt nichs anfangen. Nachdem ich allerdings wikipedia und meinen Budgen zu Rate gezogen hatte, war mir klar, worum es hier geht.


    Es kommt mir vor, als sei der Inhalt eher zweitrangig, im Vordergrund steht stattdessen der Sprachstil. Joyce konfrontiert den Leser hier mit einer Art Evolution der Sprache im Zeitraffer. Er beginnt mit Altenglisch und arbeitet sich durch die verschiedenen Zeitabschnitte bis hin zum damals aktuellen Sprachgebrauch. Als ich das erst einmal überrissen hatte, war es interessant zu lesen, wenn auch sehr zeitaufwändig. Es unterscheidet sich gänzlich von den anderen Sprachstilen, die Joyce bisher verwendet hat und gefällt mir um Längen besser als beispielsweise die bruchstückhaften Gedankengänge der Protagonisten in den bisherigen Abschnitten.


    Inhaltlich geht es darum, dass Bloom eine Bekannte im Krankenhaus besuchen möchte und dabei einige Leute, darunter Stephen, trifft, die sich dort in geselliger Runde betrinken. Schon etwas befremdend, das im Krankenhaus stattfinden zu lassen.


    Noch stecke ich mitten im Kapitel, aber ich bin gespannt, wie sich die Sprache weiter entwickelt.


    Grüße
    Doris

  • Ich habe Wikipedia schon zu Rate gezogen, bevor ich mit dem Ulysses überhaupt angefangen hatte. Und genau deshalb hatte ich auch gar keine Lust, dieses Kapitel zu lesen, weil es sich schon von der Beschreibung her total unzugänglich und schwierig angehört hatte. Ich habe mich schon die ganze Zeit "geführchtet", dass dieses Kapitel auf mich zukommt.
    Im Nachhinein muss ich jetzt aber sagen, dass es gar nicht so schlimm war. Ich war dann eher positiv überrascht. Es hat großen Spaß gemacht, im Schnelldurchlauf die Evolution der Sprache mitzumachen. Ich bin überzeugt davon, dass es im Original noch um einiges interessanter wäre, aber natürlich auch um einiges schwerer zu verstehen. Gerade am Anfang musste ich jeden Satz mehrmals lesen und hab vieles mehr geraten als gelesen. Zur Mitte hin wurde es besser, nur mit der ganz aktuellen, modernen Sprache hatte ich dann wieder meine Probleme.
    Auch ich hatte das Gefühl, dass der Inhalt nicht so sehr im Vordergrund steht, sondern die Sprache. Ich dachte am Anfang, ich hätte etwas falsch verstanden, aber es ist wohl wirklich so, dass Bloom ins Krankenhaus geht um die Bekannte zu Besuchen, die schon sehr lange in den Wehen liegt. Und dort trifft er auf einige Leute, die doch tatsächlich im Krankenhaus trinken und zusammensitzen, als wären sie im Pub.


    Viel Spaß noch mit dem Kapitel, Doris! Im nachhinein betrachtet hat es mir wirklich sehr gut gefallen, es ist einfach mal etwas ganz anderes!

    ~~better to be hated for who you are, than loved for who you&WCF_AMPERSAND're not~~<br /><br />www.literaturschaf.de

  • Ich habe zwar erst ein paar Seiten gelesen, wusste aber vorher auch schon, worum es ging und dass die Entwicklung der Sprache (sinnbildlich für die Entwicklung eines Kindes) dargestellt wurde. Ich lese ganz gerne mal alt- und mittelhochdeutsche Gedichte und hab mich vielleicht deshalb nicht ganz so schwer getan.


    Dieses Kapitel würde mich auch sehr im Original interessieren. Ob ich da am Anfang überhaupt noch was verstehen würde? Ich hab mal gelesen, dass Altenglisch noch stärker mit dem Deutschen verwandt ist und es darum relativ leicht zu verstehen wäre. Na, ich weiß nicht...

  • Habe gestern das 14. Kapitel beendet. Es war zwar nicht so ganz einfach und manche Stellen musste ich auch mehrfach lesen, aber die Sprache war einfach herrlich. Auch, wie sich die einzelnen Figuren den jeweiligen Epochen anpassen, finde ich wunderbar.


    Dieses Kapitel scheint mir wie eine Zusammenfassung des bisher bekannten. Von der Maul- und Klauenseuche bis zu Blooms verstorbenem Sohn kommt vieles noch einmal vor.
    Was mich allerdings auch etwas befremdet hat, ist dieses Saufgelage im Krankenhaus. Klar, da sind auch Medizinstudenten dabei, aber ich hoffe doch sehr, dieses Szenario ist reine Fiktion :breitgrins:


    Ich werde sicher dieses Kapitel nochmal im Original lesen. Erstens wie schon gesagt des Altenglischen wegen, zweitens aber auch wg. der modernen Sprache am Schluß. Wollschläger (für den meine Bewunderung übrigens keine Grenzen kennt) hat hier das Berlinerische gewählt, ich bin gespannt, wie der Dubliner Slang wirklich ist.

  • Mir ist schon öfter aufgefallen, dass der Berliner Slang gewählt wird, wenn ein Dialekt aus einer Fremdsprache ins Deutsche übersetzt wird. Wahrscheinlich, weil er der bekannteste unter den Dialekten ist. Dabei finde ich z. B. Schwäbisch auch ganz nett. Leider fällt es mir etwas schwer, die Dubliner mit einem Berliner Mundart vorzustellen. Dieses Kapitel würde mch im Original auch interessieren, allerdings würde ich es sicher nicht durchlesen. Mein Englisch ist gerade mal ausreichend für das Niveau von Nicolas Sparks :breitgrins:


    Leider fehlt in wikipedia ein Verweis auf das entsprechende Kapitel in der Odyssee, deshalb kann ich nicht nachvollziehen, was Joyce mit diesem Abschnitt sagen wollte. Aber die Krankenhausszene war schon seltsam, es war sogar ein Arzt dabei. Wer weiß, was man zu Joyce' Zeiten im Krankenhaus alles gemacht hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das alles wirklich nur erfunden hat.


    Grüße
    Doris


  • Mir ist schon öfter aufgefallen, dass der Berliner Slang gewählt wird, wenn ein Dialekt aus einer Fremdsprache ins Deutsche übersetzt wird. Wahrscheinlich, weil er der bekannteste unter den Dialekten ist. Dabei finde ich z. B. Schwäbisch auch ganz nett. Leider fällt es mir etwas schwer, die Dubliner mit einem Berliner Mundart vorzustellen.


    Ja, erstens ist es ein in ganz Deutschland bekannter Dialekt und zweitens verbindet man Berlinerisch einfach mit Großstadt, finde ich. Bayrisch oder Schwäbisch hat halt doch eher den ländlichen Touch, woischt... :breitgrins: Wirklich passend fand ich es aber auch nicht für Dublin, da hast Du Recht. Aber was wäre besser gewesen? Kölsch oder Saarländer Dialekt, ei jooo, auch nicht wirklich, oder?



    Dieses Kapitel würde mch im Original auch interessieren, allerdings würde ich es sicher nicht durchlesen. Mein Englisch ist gerade mal ausreichend für das Niveau von Nicolas Sparks :breitgrins:


    Man wächst an seinen Aufgaben, sag ich immer :breitgrins:



    Leider fehlt in wikipedia ein Verweis auf das entsprechende Kapitel in der Odyssee, deshalb kann ich nicht nachvollziehen, was Joyce mit diesem Abschnitt sagen wollte. Aber die Krankenhausszene war schon seltsam, es war sogar ein Arzt dabei. Wer weiß, was man zu Joyce' Zeiten im Krankenhaus alles gemacht hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das alles wirklich nur erfunden hat.


    Meine Kentnisse der Odyssee sind leider auch mehr als verschüttet... :rollen: und an Rinder kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Hab grad gegoogelt:


    Nachdem Odysseus und seine Gefährten die Sirenen und die Seeungeheuer Skylla und Charybdis überstanden hatten, landeten sie erschöpft und hungrig auf der Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus Warnung schlachteten seine Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen nach der Abreise alle in einem Sturm um, ausser Odysseus selbst, der sich auf die Insel der Nymphe Kalypso retten kann.


    Wg. der Krankenhausszene: ja eben, ich befürchte, dass er das alles nicht nur erfunden hat. :breitgrins:

  • Aber was wäre besser gewesen? Kölsch oder Saarländer Dialekt, ei jooo, auch nicht wirklich, oder?


    Vielleicht eine Mischung aus allem, dann wäre es zumindest etwas neues und eigenständiges.


    Nachdem Odysseus und seine Gefährten die Sirenen und die Seeungeheuer Skylla und Charybdis überstanden hatten, landeten sie erschöpft und hungrig auf der Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus Warnung schlachteten seine Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen nach der Abreise alle in einem Sturm um, ausser Odysseus selbst, der sich auf die Insel der Nymphe Kalypso retten kann.


    Da kann ich inhaltlich absolut keinen Bezug zu Ulysses feststellen :rollen:. Und ich dachte, Joyce hat sich in allen Kapiteln darauf bezogen?


    Doris

  • Da kann ich inhaltlich absolut keinen Bezug zu Ulysses feststellen :rollen:. Und ich dachte, Joyce hat sich in allen Kapiteln darauf bezogen?


    Doris


    Hm, am Anfgang des Kapitels kommt ein Stier vor, ich dachte allerdings, dass hätte einen Bezug zu einer irischen Fabel oder Legende.