James Joyce - Ulysses (16. Kapitel)

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Doris.

  • Auch wenn ich mich momentan recht einsam in der LR tummle, möchte ich meine ersten Eindrücke von diesem 16. Kapitel posten, so lange sie frisch sind.


    Der Stil ist völlig verschieden zum letzten Kapitel. Joyce beschreibt hier völlig nüchtern und ohne großes Ausschmücken, wie Bloom und Stephen sich auf den Weg in eine Kneipe machen. Entsprechend einfach liest es sich, in diesem Fall nicht nur von der Schreibtechnik her, sondern auch inhaltlich. Abgesehen von einigen alten Ausdrücken könnte es sich auch um einen zeitgenössischen Roman handeln.


    Bloom kümmert sich sehr um Stephen, der nach dem Erlebnis im Bordell noch etwas neben sich steht, gerade so, als wolle er ihn unbewusst zu seinem Wohlergehen zwingen. Er nötigt Stephen, etwas zu essen und richtet ihm eine Tasse Kaffee her. Dabei zeigt er sogar - wahrscheinlich ohne Hintergedanken -mit einem Messer auf Stephen. Als Stephen ihn auffordert, das Messer wegzulegen, möchte er wohl ebenso unbewusst diesem "bevatert werden" entgehen.


    Während des Gesprächs in der Kneipe treffen sie einen etwas zwielichtigen Matrosen, und mein Budgen-Leitfaden hat mir schon verraten, dass man letzteren im Auge behalten sollte.


    Grüße
    Doris

  • Ich bin noch nicht ganz fertig mit dem Kapitel, aber da sich der Stil doch wieder geändert hat und ich nicht weiß, was noch alles nachfolgt, möchte ich meine neuen Eindrücke loswerden.


    Joyce bedient sich wieder seiner Schachtelsätze und ich habe teilweise wirklich Mühe, dem Geschehen zu folgen. Mit einmaligem Lesen ist es nicht getan, was aber auch daran liegen könnte, dass ich heute gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe bin und Konzentrationsprobleme habe. Ein wirkliches Geschehen ist es eigentlich gar nicht, eher wenig Handlung und viele Gedanken. Ich habe überhaupt immer stärker den Eindruck, dass Blooms Kapitel hauptsächlich durch Denken und Stephens Kapitel mehr durch Handlung geprägt sind.


    Zwischenzeitlich macht sich Bloom unter anderem wieder viele Gedanken über seine Frau. Obwohl ihm bewusst ist, dass sie ihn betrügt, kommt es mir vor, als würde er sie glorifizieren. An anderen Frauen lässt er dagegen so manches Mal kein gutes Haar. Da fällt mir ein - an seine Tochter denkt er eher wenig.


    Ulysses ist definitiv ein Buch, bei dem ich keine zu langen Lesepausen einlegen darf, weil ich sonst den Faden verliere. Bei der Vielzahl an Personen, die darin vorkommen, ist es fast unmöglich, sich noch zu erinnern, wer denn nun eine historische und wer eine "reale" Person war (z. B. Parnell). Die Handlung dagegen auf die Reihe zu bringen, ist nicht so schwer, da ließen sich die wesentlichen Abläufe in wenigen Sätzen zusammenfassen. Was am besten wiedergegeben ist, wenn auch sehr verwirrend, sind Blooms umfangreiche Gedankengänge und -sprünge. Ich schätze, so sieht es in jedermanns Kopf aus.


    Grüße
    Doris

  • Hallo Doris!
    Ich bin auch noch da und lese momentan auch das 16. Kapitel. Nach einer längeren Lesepause fällt es mir nicht ganz so leicht, mich wieder im Ulysses zurecht zu finden.
    Hier kommen anscheinend viele historische Personen und Ereignisse vor, mit denen ich nichts anfangen kann. Ich habe das Kapitel fast schon durch und kann mich jetzt schon kaum mehr an das erinnern, was ich alles gelesen habe. Das ist zwar schade, aber ich habe momentan nicht die Nerven, jeden Satz 3 mal zu lesen.
    Der Matrose scheint mir auch etwas verdächtig, mal sehen, was mit dem noch passiert.
    :winken:


    Edit: Viel ist nicht mehr passiert und ich bin froh, dass ich das Kapitel hinter mir habe...

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    Einmal editiert, zuletzt von stefanie_j_h ()

  • Was bin ich froh über dieses Kapitel...
    Es war einfach, sachlich und nicht so verworren wie das Vorhergehende. Sogar mit Stephen kann ich etwas anfangen, der war mir bisher immer arg verkopft und abgehoben.
    Bloom entwickelt eine väterliche Beziehung zu ihm und sieht wohl ein bisschen den Sohn in ihm, den er verloren hat.
    Eine sehr aufschlussreiche Szene ist für mich das Foto von Molly, dass Bloom herzeigt. Besonders vorteilhaft für ihren Ruf ist es wohl nicht, da ja geschildert wird,
    dass ihr fast der Busen aus dem Kleid springt :breitgrins:, aber es sagt einiges über sie und ihren Mann aus, finde ich. Und wieder einmal hab ich mir die Frage gestellt, warum sie Leopold geheiratet hat.


    Den Matrosen und sein Seemansgarn fand ich sehr interessant. Was aber genau das Besondere an ihm ist, ist mir wohl entgangen. Hab ich etwas überlesen oder spielt er im Verlauf des Romans noch eine Rolle?

  • Nein, Dir ist nichts entgangen. Er ist zwar eine etwas herausragende Figur in diesem Abschnitt, aber nicht weiter von Bedeutung.


    Warum Molly Leopold geheiratet hat - oder umgekehrt? - habe ich mich bis zum Schluss gefragt :zwinker:.