Homer - Ilias II. Gesang

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Ingroscha.

  • So, habe den zweiten Gesang beendet...
    Also die Beschreibungen der auflaufenden Völker mit ihren Führern waren schon sehr anstrengend zu lesen, so viele Namen
    Die sämtlichen Adjektive, die die Pesonen beschreiben (der zottige Held) find ich sehr amüsant...liegt wahrscheinlich teils an meiner Übersetzung (Johann H. Voss)
    :breitgrins:

  • Auch in diesem Gesang kommen die Griechen nicht gut weg: Agamemnon will die Kampftreue seiner Griechen prüfen und sagt das Gegenteil von dem, was er eigentlich will, was prompt nach hinten losgeht. Und die Herren Griechenfürsten stehen dumm herum, als die Griechen zu den Schiffen eilen, obwohl doch eigentlich beim Fürstenrat vereinbart war, dass sie die Griechen aufhalten. Schließlich muss sogar Athene eingreifen, damit der vielkluge Odysseus die Griechen an der Flucht hindert, sonst wäre die Ilias schon hier zu Ende. Was für ein Chaos! *kopfschüttel*


    Mich würde interessieren, was Homer hier erdichtet hat und was überliefert ist. Oder lässt sich das nicht mehr feststellen? Jedenfalls betont Homer deutlich die Schwächen der Menschen (und auch Götter) - ein Heldenepos ist das nicht gerade.


    Der folgende Schiffskatalog ist ziemlich laaaaang :schnarch:. Er dient wohl zur Vorstellung der beteiligten Helden, bis es dann ab dem nächsten Gesang richtig zur Sache geht. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 1146 Schiffe. Wie die wohl alle am Strand Platz gefunden haben ... :zwinker:

    [size=9px]Paul ist 24 Jahre alt. Er ist doppelt so alt, wie Thomas war, als Paul so alt war, wie Thomas heute ist. Wie alt ist Thomas ?[/size]

  • Dietrich : Natürlich ist es kein Heldenepos. Die Ilias ist vielmehr ein Drama als ein Heldenepos; wir in der heutigen Zeit verstehen es als Heldenepos. Du musst immer bedenken, dass das Denken der Menschen früher - besonders im archaisch attischen Raum - völlig anders war. Die Zwiespaltigkeit zwischen Menschlichem Irren und Göttlichem Dasein ist für die Griechen ein wichtiges Thema und dadurch, dass auch unter den Göttern soziale Konflikte entstehen, werden die Götter menschenähnlicher, was wiederum das ganze Subjekt von neuem thematisiert.


  • Der folgende Schiffskatalog ist ziemlich laaaaang :schnarch:. Er dient wohl zur Vorstellung der beteiligten Helden, bis es dann ab dem nächsten Gesang richtig zur Sache geht. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 1146 Schiffe. Wie die wohl alle am Strand Platz gefunden haben ... :zwinker:


    Das ist ja lustig :lachen: Bei der ersten Lektüre des "Schiffkatalogs" habe ich ebenfalls die Schiffe gezählt, da es mir sonst zu langweilig geworden wäre. Ich habe den Zettel leider nicht mehr, meine aber auf 993 oder 999 gekommen zu sein.

  • Entschuldigung, ich war eine Weile nicht da, aber jetzt geht's weiter mit der Illias.



    Dietrich : Natürlich ist es kein Heldenepos. Die Ilias ist vielmehr ein Drama als ein Heldenepos; wir in der heutigen Zeit verstehen es als Heldenepos. Du musst immer bedenken, dass das Denken der Menschen früher - besonders im archaisch attischen Raum - völlig anders war. Die Zwiespaltigkeit zwischen Menschlichem Irren und Göttlichem Dasein ist für die Griechen ein wichtiges Thema und dadurch, dass auch unter den Göttern soziale Konflikte entstehen, werden die Götter menschenähnlicher, was wiederum das ganze Subjekt von neuem thematisiert.


    Ja, in den griechischen Sagen haben fast alle Helden irgendeinen dunklen Punkt. Und die Götter sind bis auf ihre Allmacht und Unsterblichkeit eigentlich ganz menschlich.


    Ich habe mir mittlerweile noch die Übersetzung von Schadewaldt besorgt. Die liest sich wie auch Stolbergs Fassung leichter als Voß und macht einige Stellen verständlicher, z.B. diese hier:


    Voß: Mir bleiben noch andre, Ehre mir zu erwerben, zumal Zeus' waltende Vorsicht!
    Stolberg: Mir bleiben noch welche mich ehren, mich schützet die waltende Vorsicht Kronions!
    Schadewaldt: Bei mir sind noch andere, die mich ehren werden, und vor allem der ratsinnende Zeus!


    Oder hier:

    Voß: Volkverschlingender König! den nichtigen Menschen gebeutst Du!
    Stolberg: Du verschlingst wie ein Abgrund die Güter des Volks; du beherrschest feige Menschen.
    Schadewaldt: Volksgut verzehrender König! da du über Nichtige gebietest.

    [size=9px]Paul ist 24 Jahre alt. Er ist doppelt so alt, wie Thomas war, als Paul so alt war, wie Thomas heute ist. Wie alt ist Thomas ?[/size]

  • Heute habe ich wieder einmal einen Gesang gelesen und zwar den zweiten. Die ersten fünf hatte ich ja schon vor ca. zwei Jahren gelesen, erinnerte mich aber nur an den "Schiffskatalog". Diesen habe ich diesmal auch übersprungen :redface: und siehe da, es wären nur ganz wenige Seiten gewesen. Wenn man ihn aber liest, kommt er einem endlos vor.


    Nachdem ich nun nicht wie beim ersten Mal noch jeden weiteren Namen der Götter, wie z. B. Kronion nachschlagen muss, geht das Lesen flotter voran. Bei der Ilias geht es mir ähnlich, wie beim Lesen von englischsprachigen Büchern: Manchmal fließt es nur so und ich kann den Text lesen und verstehen, als wäre er in heutiger Sprache geschrieben, an manchen Tagen aber geht es gar nicht und ich weiß nach einer Seite nicht im Geringsten, was ich gerade gelesen habe. Heute floss es aber :smile:


    Beim letzten Mal gar nicht aufgefallen, war mir der Demagoge Thersites. Sehr mutig stellt er sich Agamemnon entgegen.


    Dietrich : Die Beispiele der verschiedenen Übersetzungen sind sehr interessant. Mittlerweile habe ich mich aber tatsächlich an die Übertragung von Voss gewöhnt.