Mögen Frauen keine Klassiker?

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Es gibt 184 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von elahub.

  • Ich habe mich mit dieser ganzen groß/nicht groß, E/U oder was auch immer Unterscheidung nie anfreunden können. Für mich gibt es Bücher, die ich mag, und Bücher, die ich nicht mag. So einfach ist das. :zwinker:


    Bei 'mögen' reicht die Palette von Thomas Mann und Dostojevskij zu R.E. Howards Conan und Bernard Cornwells Romanen. Auf der anderen Seite kann ich mit Robert Jordan ebensowenig anfangen wie mit Ulysses. Aber ich habe schon vor Jahren aufgehört, mich für meinen Literatur- und Musikgeschmack zu rechtfertigen. Eigenlich habe ich es nie gern getan, nur war ich in der Uni manchmal dazu gezwungen.

    Alamir


  • Wie ich hier feststelle, trifft meine Unterscheidung eines großen und eines guten Schriftstellers hier nicht auf Gegenliebe. Sandhofer sagt: alle großen Schriftsteller seien gute Schriftsteller gewesen. Ja, damit kann man natürlich jede Diskussion vom Tisch wischen. Scheichsbeutel findet die Unterscheidung fußlahm.


    Natürlich sind im Grunde - wie Sandhofer schon sagte - gut und groß etwas einander Ergänzendes, Bedingendes. (Wer wollte einen Schriftsteller "groß" nennen, wenn er schlecht schriebe?)


    Ich bezog mich in meinem Beitrag auf das von dir angeführte Bewusstsein dieser Größe, welches deiner Ansicht nach die Schreibweise beeinflusst (und versuchte die mit dieser Ansicht verbundenen log. Probleme aufzuzeigen).


    Ansonsten ist das eine unzulängliche Vermischung: Die Sprache von Dichtern muss vollkommen andere Kriterien erfüllen als die der Philosophen (und wenn die noch sprachbegabt sind - wie Schopenhauer und Nietzsche - dann ist das ein wohltuendes Akzidens). Trotzdem geb ich dir hier gern in Ansätzen recht: Ich liebe es auch nicht, wenn mich ein Autor ohne Not und über Gebühr mit verwirrenden Ausführungen plagt. Was aber für den einen Kunstgenuss ist dem anderen ein Dorn im Auge. (Und so nebenher - Sinn und Zweck eines Forums ist, einander die Gründe für die jeweilige Haltung darzulegen bzw. die Plausibilität der Argumente zu überprüfen. Deshalb auch Diskussionsforum - nicht Pinnwand.)


    Das Schlegelsche "Gemüt" finde ich weder verwirrend noch überflüssig; im übrigen muss die gebundene Sprache wieder anderen Regeln gehorchen und lebt vom Sprachgefühl des Schreibers. (Lass das "im Gemüt" weg und du schlägst einen prosodischen Purzelbaum allererster Güte; eine Leibesübung, wie sie in den Hobby-Dichter- und Denker-Foren häufig anzutreffen ist. Ach, ich find, das hat der August Wilhelm nicht so schlecht gemacht.)


    Grüße


    s.

  • Marlino: Wenn ich Deine Bemerkungen recht verstehe, hat ein Autor bei Dir schlechte Karten als groß zu gelten, wenn seine Lektüre Dich anstrengt. Richtig? Aber ist es nicht schön, ab und zu etwas Gehirnjogging zu betreiben? :zwinker: Ich mag es bei der Lektüre ab und zu einen Aha-Effekt zu haben. Und wenn man seine "Literatur-Muskeln" regelmäßig stärkt, ist die Benutzung dieser wohl auch einfacher, sprich Klassiker sind leichter zu verdauen. Wer nicht trainiert, hat beim 100m Lauf gegen Olympioniken schlechte Karten. :winken:


    Ich habe gestern ein Interview von Arno Schmidt von 1952 gehört. Da ging es genau darum. Er betrachtete sich als groß. Und trotz aller finanziellen Nachteile hielt er es für seine Pflicht genau so zu schreiben, wie er es tat.

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym, 2001

  • Hallo zusammen!


    Kein Rauch ohne Feuer - natürlich hat Merlino insofern Recht, als dass allen von ihm genannten Schriftstellern die von ihm genannten Dinge vorgeworfen werden können. Es ist mehr eine Frage der Einstellung, ob man sie nun deswegen nicht mag und nicht liest, trotz dessen mag und liest oder wegen dessen mag und liest. Ein Einheitsstil à la Reiners wäre ... nun ja ...


    Nicht vermischen sollten wir Autoren, die um der Sache willen schreiben (und das tun Philosophen, auch wenn ein paar hervorragende Stilisten drunter sind - und das war auch Kant, nebenbei: er hat als erster aus der deutschen Spache ein präzis beschreibendes Idiom geformt und sie überhaupt wissenschaftstauglich gemacht; dass seine Sätze dem Leserhirn etwas mehr Anstrengung abfordern als ein simples "Herr Ober, zwei Bier!", heisst nicht von vorneherein, dass sie schlechter Stil sind) und Autoren, die um der Sprache willen schreiben.


    (Auch nicht vermischen sollten wir - da die Sprache jeweils verschiedene Funktionen zu erfüllen hat - Romanciers, Dramatiker und Lyriker.)


    Last but not least, um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Nein, auch das Lesen von Klassikern ist nicht männlicher in dem Sinne, dass Mann damit vor andern Männern oder gar Frauen brillieren kann. Dafür sind die Leser generell in einer viel zu geringen Zahl vorhanden - sowohl im Aufsichtsrat des mulitnationalen Konzerns oder in der Disco am Samstagabend. :zwinker:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)


  • Hallo Ralf 28,


    Ich bin voll deiner Meinung und verstehe deinen Ärger. Gott sei Dank denken hier nicht alle so wie Marlino.


    Na ja, und vielleicht sind Klassiker unter Männern nur beliebter, weil sie damit angeben können? Ich frage ja nur.


    ach, so ein Quark.


    mombour

  • Hallo,


    ich wäre euch allen dankbar, wenn ihr anderer Leute Meinung respektiert und dieser Thread weiterhin friedlich verläuft. Alfa_Romea hat das hier eigentlich bereits deutlich gemacht - ich möchte ihre Worte nochmals unterstreichen.


    nimue


  • Marlino: Wenn ich Deine Bemerkungen recht verstehe, hat ein Autor bei Dir schlechte Karten als groß zu gelten, wenn seine Lektüre Dich anstrengt. Richtig?


    Lieber Big Ben,


    ich weiß nicht, wie Du darauf nun kommst. Das einzige, was ich sage: Ich verlange von einem Autoren größtmögliche Klarheit und Knappheit. Was nicht heißt, daß ein Autor nicht auch einmal weiter ausholen kann, seinen Individualstil haben kann usw.


    Ich denke, das ist ein vollkommen legitimer Wunsch, denn niemand will doch in Wahrheit mit etwas eigentlich überflüssigem belästigt werden und niemand will, daß ein vielleicht ohnehin schon komplizierter Gedanke durch den Sprachstil noch unzugänglicher gemacht wird.


    Natürlich kann eine Lektüre trotzdem auch anstrengend sein, obwohl die Gedanken klar und knapp sind wie nur möglich, ich müßte dann aber doch wohl mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn ich einem Autoren schon deshalb die Größe absprechen würde, nur, weil er mich anstrengt. Ich glaube, da hast Du mich völlig mißverstanden.


    Wenn nun Sandhofer sogar schreibt:


    "Kein Rauch ohne Feuer - natürlich hat Merlino insofern Recht, als dass allen von ihm genannten Schriftstellern die von ihm genannten Dinge vorgeworfen werden können."


    frage ich mich, warum die Wogen hier so hoch gehen können. Na ja, ich hatte das ganze wohl zu provokant formuliert. Und selbstverständlich will auch ich keinen Einheitsstil der Autoren, es soll seine Persönlichkeit hervortreten, trotzdem sind die Leitbilder von Klarheit und Knappheit universell und sicher nicht nur auf dem Reinerschen Mist gewachsen.


    Und daß Männer gerne auch mal mit ihrer Bildung angeben und ein dahingehendes Imponiergehabe zeigen, dürfte auch nicht völlig falsch sein, warum reibt man sich nun daran auf, das ist nicht die alleinige Wirklichkeit ( das habe ich auch niemals behauptet), aber sicher eine ihrer Facetten.


    Und sicher sind alle diese von mir genannten Autoren, obwohl sie teilweise anstrengend sind, große Autoren!


    Gruß Martin


  • Ich glaube, da hast Du mich völlig mißverstanden.


    Ja, kann sein.



    Ich denke, das ist ein vollkommen legitimer Wunsch, denn niemand will doch in Wahrheit mit etwas eigentlich überflüssigem belästigt werden


    <Provokation on>
    Literatur ist als Ganzes eigentlich überflüssig. Sie deckt kein Grundbedürfnis wie Essen, Trinken, Schlafen, Reproduktion. :breitgrins:
    <Provokation off>


    Ich beschäftige mich gern mit Überflüssigem. :breitgrins: :winken:

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym, 2001


  • <Provokation on>
    Literatur ist als Ganzes eigentlich überflüssig. Sie deckt kein Grundbedürfnis wie Essen, Trinken, Schlafen, Reproduktion. :breitgrins:
    <Provokation off>


    Auch wenn es als Provokation gedacht ist, glaube ich das diese Aussage nicht stimmt. Der "primitive" Mensch hat selbst in der Steinzeit "überflüssige" Kunstgegenstände produziert. Schönheit ist offenbar ein Bedürfnis des Menschen. Kommunikation darf man als Bedürfnis ebenfalls nicht vergessen. Und Literatur ist halt eine Form intelligenter Kommunikation.


    Schöne Grüße,
    Thomas

  • Wenn nun Sandhofer sogar schreibt:


    "Kein Rauch ohne Feuer - natürlich hat Merlino insofern Recht, als dass allen von ihm genannten Schriftstellern die von ihm genannten Dinge vorgeworfen werden können."


    frage ich mich, warum die Wogen hier so hoch gehen können. Na ja, ich hatte das ganze wohl zu provokant formuliert.


    V.a. - meines Empfindens - sehr undifferenziert. Es ist der Stil der Heidenreich, über die wir übrigens im Klassikerforum eine ähnlich engagierte und enragierte Diskussion geführt haben. Solche Aussagen vermitteln durch ihre Allgemeinheit das Gefühl, der/die Aussagende verfüge nicht nur über das exoterische Wissen1) um die Schwächen der jeweiligen Klassiker sondern auch ein esoterisches Wissen2) um echte (diese Klassiker überragende) Qualität. Nur ist dieses esoterische Wissen - wie jedes esoterische Wissen - nicht vorhanden oder bestenfalls warme Luft. Sprich: Es ist genau dieses Gross-tun-Wollen mit (angeblichem) Wissen, das Du den Männern vorwirfst. Gerade Frau Heidenreich aber zeigt, dass dies keineswegs geschlechterspezifisch ist.


    Um klar zu sein: Ich weiss nicht, ob Du esoterisches Wissen und Gross-tun-Wollen nun tatsächlich anzeigen oder ironisch gebrochen nur andeuten wolltest, oder ob es Dir einfach passiert ist. Betrachte meine Aussage als Feed-back, wie es nachts um 11 bei mir angekommen ist. :winken:


    1)Exoterisches Wissen = öffentlich bekanntes Wissen
    2)Esoterisches Wissen = Wissenschaft eines geheimen, nicht allgemein zugänglichen Wissens

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen. (Karl Kraus)


  • Und selbstverständlich will auch ich keinen Einheitsstil der Autoren, es soll seine Persönlichkeit hervortreten, trotzdem sind die Leitbilder von Klarheit und Knappheit universell und sicher nicht nur auf dem Reinerschen Mist gewachsen.


    Klarheit mag in Ansätzen als Kriterium noch durchgehen (obschon die Schönheit der Literatur auch und vor allem darin besteht, Metaphern, Allegorien, Umschreibungen zu verwenden, die - wenn entsprechend gewählt - zum einen verdunkeln können und zum anderen wieder ein stärkeres Maß an Transparenz bewirken); Knappheit aber als Leitbild für künstlerische Produktion anzugeben ist schlichter Nonsens. Ein Roman erzählt eben _keine_ bloße Handlung sondern viel mehr - und seine Qualität bemisst sich nicht durch die Seitenzahl. Was du beschreibst mögen Kriterien für die Gebrauchsanleitung eines Waschvollautomaten oder einer Softwaredokumentation sein, mit Kunst hat das nur am Rande zu tun. Und auch die Tatsache, dass es geschwätzige Romane gibt, ist kein Argument für Knappheit sondern bestenfalls für die Unfähigkeit _eines_ betreffenden Autors.


    Das, was du als universelle Leitbilder bezeichnest, mag für Inhaltsangaben und die Inbetriebnahme eines Videorekorders gelten, nicht für künstlerische Produktion (in der Musik stell ich's mir auch amüsant vor: Symphonien und Opern kürzen, diese unerträglichen Variationen eines Themas streichen, jedes Scherzo ein unnötiger Auswuchs).


    So nebenher: Bis auf den Lichtenbergschen Primatenvergleich kann ich in diesem Thread wenig Ungebührliches entdecken.


    Grüße


    s.

  • Hallo zusammen,


    Weder Ralfs persönlichen Attacken unter die Gürtellinie noch Marlinos Verschmähung von klassischer Literatur, genauso wenig der geschlechtsspezifischen Einordnung von Lesern und schon gar nicht den immer wiederkehrenden, schwachköpfigen Unterstellungen, Klassiker kämen nur der Angeberei zu Gute, kann ich beistimmen.


    Jeder soll lesen woran er gefallen findet, doch dabei nicht vergessen, was er liest. Mag mich z.B.ein Henning Mankell in manchen Momenten begeistern, befriedigen, mir eine angenehme Lesezeit bieten, so vergesse ich dabei nicht, dass es sich keinesfalls um Literatur handelt.


    Und wenn ich bei einem Klassiker ins Stocken gerate, so ist mir bewusst, dass mein Wissen ungeheuer begrenzt ist und ich so manch anderes lesen muss (ich meine jetzt nicht unbedingt Sekundärliteratur) um dieses Werk zu verstehen. Ich kann aber nicht einfach dem Schriftsteller meine Ignoranz zum Vorwurf machen. Wenn mein Wortschatz begrenzt, meine historischen Kenntnisse spärlich, meine Lust an geistiger Herausforderung inexistent ist, so ist das eine Tatsache die ich hinnehmen oder ändern kann, das hat nichts mit zu doof (cf. Marlino) zu tun, es ist eine persönliche Wahl.


    Klassische Literatur lesen und verstehen ist mit Arbeit verbunden, diese Arbeit ist aber angenehm, weil sie bereichert, den Horizont erweitert und der Mensch sich dabei entwickelt.
    Und ich komme nicht umhin bei dieser Diskussion an Platons Höhlengleichnis erinnert zu werden.



    Das, was du als universelle Leitbilder bezeichnest, mag für Inhaltsangaben und die Inbetriebnahme eines Videorekorders gelten,


    Verhöhne mir die Gebrauchsanleitungen nicht, sie zu verstehen bereitet mir mehr Schwierigkeiten als so mancher Klassiker... :zwinker:


    liebe Grüße
    dora

  • Weder Ralfs persönlichen Attacken unter die Gürtellinie noch Marlinos Verschmähung von klassischer Literatur, genauso wenig der geschlechtsspezifischen Einordnung von Lesern und schon gar nicht den immer wiederkehrenden, schwachköpfigen Unterstellungen, Klassiker kämen nur der Angeberei zu Gute, kann ich beistimmen.


    Wie oft soll ich es denn noch sagen, es ging mir um Facetten, nicht um Verallgemeinerung. Ich habe keinesfalls die klassische Literatur per se schmähen wollen. Ich habe keinesfalls gemeint und auch nicht gesagt: Beschäftigung mit klassischer Literatur habe nur mit Angeberei zu tun. Frauen können auch angeben, na klar, trotzdem habe ich den Verdacht, daß es so was wie ein geschlechtsspezifisches männliches Imponiergehabe möglicherweise schon gibt und bei mir dann möglicherweise auch. An sich aber hängen mir solche Mann Frau Themen zum Hals raus und auch dieser Thread ist vermutlich eher überflüssig.


    Was die "Knappheit" angeht wie auch die "Überflüssigkeit" so liegt sie bei der Literatur völlig im Auge des Betrachters. Natürlich bestehen bei einer Videorekorder andere Kriterien als bei einem Roman, möglicherweise ist Knappheit und Klarheit da verobjektivierbar, bei Literatur eben nicht. Trotzdem muß ich sagen dürfen, daß mich Stifter ungeheuer gelangweilt hat ( obwohl bei seinen Erzählungen weniger). Aber ich habe Stifter sehr lange nicht gelesen. Und Jean Paul ist ein toller Autor, keine Frage, aber ich lese ihn trotzdem selten, weil er wenn überhaupt nur mittels eines Riesenanhangs zu verstehen ist.


    Gruß Martin

  • Moin, Moin!


    Trotzdem muß ich sagen dürfen, daß mich Stifter ungeheuer gelangweilt hat ( obwohl bei seinen Erzählungen weniger). Aber ich habe Stifter sehr lange nicht gelesen. Und Jean Paul ist ein toller Autor, keine Frage, aber ich lese ihn trotzdem selten, weil er wenn überhaupt nur mittels eines Riesenanhangs zu verstehen ist.


    Daß du gegen die geheiligte Ansicht "Klassiker sind heiliggesprochen und eo ipso allen Zweifels enthoben" angeschrieben hast, finde ich mutig und bemerkenswert. Natürlich darf man ausprechen, welche Bücher einen langweilen oder den Ruhm welchen Werkes man wohl nie verstehen wird. Die Dichter untereinander waren sich oft <a href="http://www.amazon.de/beschimpfen-Dichter-ultimative-Sammlung-Kollegenschelten/dp/3379015067/">auch nicht grün</a>. Ich will dich ermutigen, hier nicht klein beizugeben. Es existieren zu viele Bücher von zu vielen Autoren, die nie Klassiker werden, weil die Aufmerksamkeit begrenzt ist, das Schicksal und der Zufall es anders entscheiden. Letztlich sind Klassiker auch Mainstream, von einer Elite anerkannt und abgesegnet. Man darf aber wohl noch gegen den Mainstream lesen.

  • Ich kenne so wenige Männer die lesen (also persönlich, in meinem Bekanntenkreis), wenn da doch mal einer bei ist, freu ich mich einfach drüber; egal, ob er nun Klassiker oder Perry Rhodan-Heftchen liest :zwinker:
    Dass Männer Klassiker zum Angeben lesen, habe ich bisher noch nicht beobachten können (geprahlt wird wenn mit anderen Dingen :breitgrins: jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass ein Mann sagte "mein Klassikerregal ist 2 m lang"). Ich käme auch nie auf die Idee, jemanden so etwas zu unterstellen.
    Ich sehe die Klassiker als eigenes Genre an. Und ich kenne kein Genre, in dem mir wirklich alle Bücher daraus, die ich gelesen habe, gefallen. Wenn ich einen Klassiker nicht mag oder in schlechter Erinnerung (Schülerquäler) habe, dann lese ich ihn nicht.
    Meist habe ich sehr genau Vorstellungen von dem, was ich lesen will. Und wenn ich was zur Entspannung und zum Träumen möchte, dann finde ich das in einem anderen Genre. Genauso aber kann es sein, dass ich ganz freiwillig nach einem Klassiker greife, aus Neugier oder Interesse. Gefällt er mir nicht, lese ich halt nicht weiter - was ich bei anderen Büchern genauso halte.

  • Daß du gegen die geheiligte Ansicht "Klassiker sind heiliggesprochen und eo ipso allen Zweifels enthoben" angeschrieben hast, finde ich mutig und bemerkenswert. Natürlich darf man ausprechen, welche Bücher einen langweilen oder den Ruhm welchen Werkes man wohl nie verstehen wird.


    Wer hat denn hier (vor Marlinos erstem Posting) behauptet, dass Klassiker sakrosankt seien? Und wie kann man "mutig und bemerkenswert" gegen eine Haltung anschreiben, die nirgends vertreten wurde? Wer hat gesagt, dass man klassische Literatur nicht als langweilig bezeichnen dürfe?


    Ich will dich ermutigen, hier nicht klein beizugeben.


    Was ist das für eine seltsame Durchalteparole? Gegen Kritik hat hier niemand was eingewendet (einzig aus Ralfs Posting war etwas derartiges herauszulesen), wohl aber gegen eine undifferenzierte, abenteuerliche Vermischung von Kategorien (Prosa, Lyrik, Drama, Philosophie, die alle unterschiedlichen Anforderungen bezüglich Gestaltung genügen müssen) und apodiktisch aufgestellte Behauptungen (Literatur muss klar und knapp sein), die jeglicher argumentativen Unterstützung entbehrten. Dazu kommen Sätze wie "Es ist nun einmal ein Zeichen eines großen Schriftstellers, daß er das, was einen guten Schriftsteller ausmacht, beharrlich ignoriert, weil er sich darüber unendlich erhaben wähnt", deren Obskurantismus weit über den angemahnten Unklarheiten der "großen" Autoren liegt.


    Was mir mittlerweile in dieser Diskussion sauer aufstößt ist die offenbar nicht vorhandene Bereitschaft, Antwortpostings durchzulesen bzw. sich mit ihnen auseinander zu setzen.


    Es existieren zu viele Bücher von zu vielen Autoren, die nie Klassiker werden, weil die Aufmerksamkeit begrenzt ist, das Schicksal und der Zufall es anders entscheiden. Letztlich sind Klassiker auch Mainstream, von einer Elite anerkannt und abgesegnet. Man darf aber wohl noch gegen den Mainstream lesen.


    Dasselbe wie oben. Wer hat behauptet, dass man das nicht dürfe? und wenn diese Behauptung nicht aufgestellt wurde (und ich fand nirgends etwas Derartiges) - wozu dann die Forderung, "dass man das dürfe"? Einrennen offener Türen oder implizite Unterstellung, dass das doch jemand gesagt hätte? Oder einfach die Weigerung genauer zu lesen?


    Grüße


    s.


  • Wie oft soll ich es denn noch sagen, es ging mir um Facetten, nicht um Verallgemeinerung. Ich habe keinesfalls die klassische Literatur per se schmähen wollen.


    Ich will sie auch nicht per se verherrlichen.
    Mir geht aber gewaltig die Einstellung: Ich verstehe ein klassisches Werk nicht also sind Klassiker schlecht/langweilig
    auf den Geist. Ich meine jetzt nicht dich persönlich. Es ist ja nicht die erste Diskussion, die dieses Thema behandelt.


    Zitat

    Frauen können auch angeben, na klar, trotzdem habe ich den Verdacht, daß es so was wie ein geschlechtsspezifisches männliches Imponiergehabe möglicherweise schon gibt und bei mir dann möglicherweise auch.


    Natürlich, das habe ich auch schon entdeckt, in so manchen Foren konnte ich mich dieses Verdachtes nicht erwehren, doch glaube ich, dass es sich um Ausnahmen handelt.


    Zitat

    An sich aber hängen mir solche Mann Frau Themen zum Hals raus


    Da sind wir uns einig. :zwinker:



    Natürlich darf man ausprechen, welche Bücher einen langweilen oder den Ruhm welchen Werkes man wohl nie verstehen wird.


    Dagegen hat doch niemand etwas gesagt, oder?


    Zitat

    Letztlich sind Klassiker auch Mainstream, von einer Elite anerkannt und abgesegnet.


    Ich denke genau diese Meinung über klassische Literatur macht den Lesern Angst sich an sie heranzuwagen und kritisch zu lesen.



    Das Wort "Elite" ist so wie "Bildungsbürger", nämlich zum :kotz:


    Zitat

    Ich will dich ermutigen, hier nicht klein beizugeben.


    Es geht doch nicht ums "klein beigeben", es ist kein Kampf sondern einfach ein Meinungsaustausch, der nicht uninteressant ist oder welche martialischen Männerphantasmen hör ich da tapsen? :zwinker:


    liebe Grüße
    dora

  • Hallo scheichsbeutel, hallo dora,



    Gegen Kritik hat hier niemand was eingewendet (einzig aus Ralfs Posting war etwas derartiges herauszulesen), wohl aber gegen eine undifferenzierte, abenteuerliche Vermischung von Kategorien (Prosa, Lyrik, Drama, Philosophie, die alle unterschiedlichen Anforderungen bezüglich Gestaltung genügen müssen) und apodiktisch aufgestellte Behauptungen (Literatur muss klar und knapp sein), die jeglicher argumentativen Unterstützung entbehrten.


    Dagegen hat doch niemand etwas gesagt, oder?


    Dagegen hat schon jemand was gesagt (zugegeben, scheichsbeutel, nicht vor Marlinos erstem Posting):


    Zitat von "Ralf28"

    Es gibt so etwas wie QUALITÄT, und die zu erkennen ist nicht jedem gegeben.


    Zitat von "Ralf28"

    Letzten Endes ist "Klassik" elitär, nur einem kleinen Stamm von Leuten wirklich zugänglich, wobei das nichts mit Bildung oder Geld zu tun hat, sondern mit Charakter, Sensibilität und Persönlichkeit.


    Und die haben halt nicht alle.


    Das ist mindestens ebenso undifferenziert wie die - zugegeben - auch etwas provokativen Äußerungen von Marlino, deren willentliche Überzeichnung ich aber immerhin an der ein oder anderen Stelle erkennen konnte. Und überraschend undifferenziert war auch so manche Zustimmung zu den Postings von Ralf28, das bitte ich zuzugeben.


    Das heißt nicht, dass ich alles verstanden habe oder unterschreibe, was Marlino schrieb. Z.B. das Folgende:


    Zitat von "Marlino"

    (...) trotzdem sind die Leitbilder von Klarheit und Knappheit universell (...).


    Zitat von "Marlino"

    Was die "Knappheit" angeht wie auch die "Überflüssigkeit" so liegt sie bei der Literatur völlig im Auge des Betrachters.


    erscheint mir doch sehr widersprüchlich zu sein.


    Ich will sie auch nicht per se verherrlichen.
    Mir geht aber gewaltig die Einstellung: Ich verstehe ein klassisches Werk nicht also sind Klassiker schlecht/langweilig
    auf den Geist. Ich meine jetzt nicht dich persönlich. Es ist ja nicht die erste Diskussion, die dieses Thema behandelt.


    Das verstehe ich sehr gut. Und ich finde - wie Du -, dass Marlino für diesen Tadel nicht die erste Adresse ist.


    Herzlich: Bartlebooth.

    Einmal editiert, zuletzt von Bartlebooth ()