Beiträge von Erendis

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ove ist ein mürrischer, spießiger 59-Jähriger, der alleine in seinem Reihenhaus in einer schwedischen Vorstadt lebt. Nach dem Verlust seiner Arbeitsstelle ist er verbittert und hoffnungslos und sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben. Fehlt ihm doch das Gefühl, gebraucht zu werden und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein. Doch gerade in seinen dunkelsten Stunden zieht nebenan eine quirlige, schwedisch-arabische Familie ein, die sein Leben ganz schön auf den Kopf stellt. Er ist zunächst überhaupt nicht begeistert von seinen neuen Nachbarn, die er als schreckliche Nervensägen empfindet.


    Doch die aus dem Iran stammende, lebhafte Parvaneh, Familienoberhaupt und zweifache Mutter, schließt Ove sofort in ihr Herz und amüsiert sich über seine grummelige, barsche Art. Denn sie spürt sofort, dass unter der rauen, distanzierten Schale ein gutherziger, aber einsamer Mensch steckt. Und so beginnt für Ove eine Zeit voller kleiner Abenteuer, in der er viele seiner Nachbarn in einem ganz neuen Licht zu sehen lernt und in der er gebraucht wird wie kaum jemals zuvor…


    Diesen Roman wollte ich schon so lange lesen und habe es nun endlich geschafft. Und ich habe es keine einzige Sekunde bereut. Das Personal dieses Buches ist so liebenswert, dass ich das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand gelegt hätte. So sehr sind mir die Figuren ans Herz gewachsen und so sehr habe ich mit Ove mitgelitten und auch nicht selten über seine verbohrte Art gelacht, die im Laufe des Buches immer seltener, aber doch immer wieder durchkommt.


    Ove erscheint mit seiner Verbohrtheit, seinen Vorurteilen und seiner unfreundlichen Art anfangs als Protagonist sehr unsympathisch. So lernt man ihn zu Beginn bei einem gewohnheitsmäßigen Kontrollgang durch die Reihenhaussiedlung kennen, wobei er überprüft, ob auch wirklich jeder Nachbar die dort herrschenden Regeln einhält. Disziplin und Ordnung, das Befolgen von Regeln scheinen ihm im Leben am wichtigsten zu sein. Doch bald lernt der Leser, dass Ove eigentlich ein tief verzweifelter, einsamer Mensch ist, der nach einem schweren Schicksalsschlag sogar plant, sich das Leben zu nehmen. Rückblenden in seine Vergangenheit zeigen zudem, dass Ove nicht immer so war und dass er im Grunde ein liebenswerter Mensch ist.


    Trotz der eigentlichen Tragik der Geschichte ist das Buch zum Schreien komisch, besonders weil Oves Gedankenwelt sehr authentisch und doch einfühlsam dargestellt wird. Auch die anderen (menschlichen und tierischen) Protagonisten haben alle ihre Stärken und Schwächen und sind liebevoll gezeichnet, so dass der Leser sie mühelos in sein Herz schließen kann.

    Die Atmosphäre des Romans ist sehr schwedisch angehaucht, man taucht förmlich in das moderne schwedische Vorstadtleben ein. Der Schreibstil ist schnörkellos und humorvoll, so dass ich stundenlang in dem Buch schmökern konnte, ohne es aus der Hand zu legen.


    Fazit:

    „Ein Mann namens Ove“ ist eine sehr witzige, aber auch sehr melancholische und tiefgründige Geschichte, die ich jedem, der ein paar schöne, herzerwärmende Lesestunden verbringen will, nur wärmstens ans Herz legen kann.


    :5ratten:

    Meine Pläne für 2018:


    - den SLW endlich mal wieder erfolgreich beenden (10 Bücher)
    - insgesamt 50 Bücher lesen
    - möglichst viele davon auch rezensieren :smile:
    - die "Hunger Games"-Trilogie komplett lesen (auf Englisch)
    - generell mehr auf Englisch lesen


    mondy : Oh, wie schön! Herzlichen Glückwunsch auch von mir! :blume:

    Hallo, ich bin die Kurzentschlossene. :breitgrins:


    Fakten, Fakten, Fakten
    Steven D. Levitt & Stephen J. Dubner - Freakonomics
    CID Jonas Gutenrath - 110. Ein Bulle hört zu
    Joe Navarro - Menschen lesen
    Robert Kisch - Möbelhaus (ein autobiografischer Roman)
    Bryan Cranston - A Life in Parts (Autobiografie)


    Immer schön im Genre bleiben (Thriller)
    Sebastian Fitzek - Splitter
    Johan Theorin - Nebelsturm
    Nele Neuhaus - Unter Haien
    Wulf Dorn - Dunkler Wahn
    Zoe Beck - Schwarzblende


    Auch hier freue ich mich total und wünsch Dir viel Spaß mit deiner Liste! LG Holden

    Ganz kurzentschlossen habe ich mir überlegt, dass ich mich 2018 auch mal wieder am SLW versuchen möchte.
    Meine Listen wären folgende:


    1) Fakten, Fakten, Fakten

    Steven D. Levitt & Stephen J. Dubner - Freakonomics
    CID Jonas Gutenrath - 110. Ein Bulle hört zu
    Joe Navarro - Menschen lesen
    Robert Kisch - Möbelhaus (ein autobiografischer Roman - gilt das?)
    Bryan Cranston - A Life in Parts (Autobiografie)


    2) Immer schön im Genre bleiben (Thriller)

    Sebastian Fitzek - Splitter
    Johan Theorin - Nebelsturm
    Nele Neuhaus - Unter Haien
    Wulf Dorn - Dunkler Wahn
    Zoe Beck - Schwarzblende


    Wäre super, wenn mir diese jemand noch so ganz kurzfristig genehmigen könnte. :smile:

    Achtung: Die nachfolgende Rezension kann Trigger enthalten!


    In diesem Buch geht es um eine Krankheit, die in unserer Gesellschaft leider viel zu häufig noch immer als Tabuthema behandelt wird – die Depression. Offen und schonungslos erzählt Uwe Hauck von seinem Selbstmordversuch und wie es dazu kam, und wir Leser dürfen ihn anschließend ein Jahr lang auf seinem Weg zur Besserung begleiten, der ihn durch drei unterschiedliche Kliniken führt und auf dem er eine Menge über sich selbst und andere lernt.


    Das Buch gibt einen ehrlichen Einblick in das Gefühlsleben und die Gedankenwelt eines Menschen, der an einer psychischen Erkrankung leidet. Dabei lockern humorvolle Passagen die tiefgründige und oft nachdenklich stimmende Erlebniserzählung immer wieder auf. So brachten mich etwa Anekdoten über sehr originelle Therapieformen des Öfteren zum Schmunzeln. Wie Uwe Hauck in dem Buch feststellt, findet man bei psychisch kranken Menschen oftmals den besten schwarzen Humor – und das belegt er gleich selbst in seinem Buch. Auch die Gespräche zwischen dem Autor und seinen Mitpatienten, die immer wieder in die Erzählung eingestreut sind, enthalten sehr viele feinsinnige Gedanken und Lebensweisheiten, aus denen jeder Leser etwas für sich mitnehmen kann. Kein Wunder, dass Uwe Hauck diese Gespräche unter Patienten als hilfreicher als viele der „professionellen“ Therapien empfunden hat.


    Uwe Hauck spart in seinem Buch aber auch nicht mit Gesellschaftskritik. Sind doch der hohe Stellenwert, den unsere Gesellschaft dem Beruf beimisst und der daraus entstehende Druck auf den einzelnen Arbeitnehmer alles andere als förderlich für die psychische Gesundheit. Der Mensch wird darauf getrimmt, zu funktionieren und nach außen hin immerzu positiv und extrovertiert zu wirken, was dazu führt, dass viele Menschen sich gezwungen fühlen, in der Öffentlichkeit stets eine Maske zu tragen. Klar, dass dies auf Dauer nicht gut gehen kann. Wie Uwe Hauck an mehreren Stellen in seinem Buch anmerkt, ist der wahre Irrsinn dieser Welt oft außerhalb der Klapse zu finden, wo viel zu viele untherapierte Verrückte am Werk sind und besonders sensiblen Menschen das Leben schwer machen.


    Bereits während seiner Klinikaufenthalte twitterte Uwe Hauck regelmäßig unter dem Hashtag „#ausderklapse“, mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über diese gefährliche, potenziell lebensgefährliche Krankheit aufzuklären und gleichzeitig auch Vorurteile über die daran erkrankten Menschen sowie über psychiatrische Kliniken abzubauen. Der Erfolg seiner Social Media-Aktivitäten gab ihm Recht, so dass er seither wichtige Aufklärungsarbeit über psychische Krankheiten leistet und dadurch hilft, das Stigma von den betroffenen Menschen zu nehmen und Verständnis in der Gesellschaft zu schaffen.


    Der Schreibstil des Buches ist unterhaltsam, geistreich und auch für Laien gut verständlich, da der Autor auf Fachchinesisch verzichtet und den Fokus merkbar darauf legt, vom Leser verstanden zu werden und einen ehrlichen Einblick in sein Seelenleben zu gewähren. Es sei deshalb nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich nicht um ein Fachbuch handelt, sondern um einen Erlebnisbericht, der neben dem eindeutig vorhandenen Informationswert auch unterhalten soll.


    Alles in allem ist dieses Buch sowohl für Leser zu empfehlen, die selbst an Depressionen und Angststörungen erkrankt sind, als auch für deren Angehörige und für nicht Betroffene. Selbst erkrankte Leser erhalten durch das Buch viele wertvolle Impulse zum Umgang mit ihrer Krankheit, andere Leser gewinnen durch das Buch einen informativen und ehrlichen Einblick in das Gefühlsleben und die Gedankenwelt solcher Menschen und lernen zu verstehen, was diese Krankheit bei einem Menschen anrichten kann und wie man als Außenstehender damit umgehen kann (und wie besser nicht). Klare Leseempfehlung von mir!


    5ratten

    Inhalt:


    Der Schwede Allan Karlsson steigt an seinem 100. Geburtstag aus dem Fenster seines Altenheims in Malmköping und macht sich aus dem Staub. Er verspürt so gar keine Lust auf die geplanten Feierlichkeiten mit lokaler Prominenz und Presse, zumal er gewisse Differenzen mit der energischen Altenpflegerin Alice hat. Eine Flucht vor dem Ganzen erscheint ihm da schon deutlich spannender.


    Im Reisezentrum klaut er dann einem unsympathischen jungen Mann spontan einen Koffer und fährt in einem Reisebus davon. Er landet in Byringe Bahnhof, mitten im Wald, wo der 70-jährige Kleinganove Julius Jonsson lebt, der Allan erst einmal Einlass gewährt. Im Laufe der Nacht fließt der Alkohol in Strömen und die beiden betagten Herren freunden sich an. Ihr Trinkgelage wird von dem Besitzer des Koffers unterbrochen, der diesen gerne wieder hätte. Aufgrund eines unglücklichen Zwischenfalls sind die beiden Freunde schließlich gezwungen, möglichst unauffällig eine Leiche zu beseitigen. Bei dieser Gelegenheit lernen sie den Imbissbudenbesitzer Benny Ljungberg kennen, der so ziemlich alles studiert hat, was man studieren kann, aber leider keinen einzigen Abschluss besitzt. Spontan engagieren sie ihn als Chauffeur. Auf der Flucht vor der Polizei lernen die drei Freunde schließlich noch die attraktive Gunilla Björklund kennen, die mit Schimpfwörtern nur so um sich wirft und sich einen Elefanten namens Sonja als Haustier hält.


    Aus der Flucht des Alten wird ein großes, nationales Medienereignis, die unwahrscheinliche Clique spielt Katz und Maus mit ihren Verfolgern, zu denen neben Polizei und Staatsanwaltschaft auch noch ein gefährlicher Gangsterboss gehört…


    Meine Meinung:


    Jonas Jonassons Debütroman erzählt die skurrile, schräge Lebensgeschichte eines Hundertjährigen, die sicherlich nicht jedermanns Humor trifft. Ich persönlich habe mich jedoch beim Lesen köstlich amüsiert. Der trockene, stellenweise schwarze Humor des Romans traf meinen Geschmack ziemlich gut und die Diskrepanz zwischen der vornehmen Ausdrucksweise des Erzählers und der abstrusen Handlung lässt die Geschichte herrlich komisch wirken, besonders in Kombination mit den zuweilen zynischen Dialogen.


    Der Autor verwebt zwei Handlungsstränge miteinander: Passagen, die in der Gegenwart spielen und in denen wir Allan und seine Freunde auf ihrer Flucht begleiten, wechseln sich ab mit Passagen, die von der turbulenten Vergangenheit des Protagonisten erzählen. Durch viele haarsträubende Zufälle wird Allan im Laufe seines langen Lebens oft Zeuge von bedeutenden politischen Ereignissen auf der ganzen Welt, wird oft sogar aktiv in sie verwickelt – und das, obwohl er sich eigentlich so gar nicht für Politik interessiert. Der Protagonist begegnet zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, unter anderem haben Stalin, Truman, Mao und Churchill ihren Auftritt und spielen eine Rolle in der ereignisreichen Lebensgeschichte des Allan Karlsson. Auf diese Weise kann der Leser gemeinsam mit Allan einen Streifzug durch die neuere Weltgeschichte unternehmen. Die Handlung ist natürlich alles andere als realitätsnah, aber dafür zumeist unterhaltsam, kurzweilig und sprühend von Ideen.


    Die Charaktere sind allesamt sehr verschroben und gerade deshalb auch sehr liebenswert gezeichnet – und außerdem typisch schwedisch. Besonders den Hauptprotagonisten mit seiner etwas exzentrischen, aber stets gelassenen Art (Motto: „Es ist wie es ist, und es kommt wie es kommt.“) habe ich ins Herz geschlossen.


    Das Buch ließ sich aufgrund des einfach gehaltenen Schreibstils sehr flott weglesen, nur zum Ende hin gab es nach meinem Empfinden ein paar Längen in den Passagen, die in Allans Vergangenheit spielen, was meinen positiven Gesamteindruck leicht geschmälert hat. Für ein paar vergnügliche Lesestunden gibt es von mir


    4ratten

    Janet Fitch – Weißer Oleander


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    Inhalt:


    Die gefühlskalte, narzisstisch veranlagte Poetin Ingrid Magnussen lebt und arbeitet in Los Angeles und zieht dort alleine ihre Tochter Astrid auf. Obwohl Ingrid sich gegenüber ihrer Tochter eher unterkühlt verhält und sie häufig vernachlässigt, wird sie von dem Mädchen bewundert und verehrt. Doch als Ingrid von ihrem Lebensgefährten Barry verlassen wird, vergiftet sie ihn aus verletztem Stolz mit weißem Oleander. Daraufhin wird sie zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Zurück bleibt ihre Tochter Astrid, die zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt ist und fortan ohne ihre geliebte Mutter aufwachsen muss.


    Sie wird jahrelang von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und muss lernen, mit den unterschiedlichsten Menschen und Rahmenbedingungen zurechtzukommen. Dabei muss sie mehrmals die Erfahrung des Verlassenwerdens machen und hat nur zu oft das Gefühl, nirgends auf der Welt einen Platz zu haben. Hinzu kommt noch, dass ihre Mutter Ingrid versucht, vom Gefängnis aus weiterhin Einfluss auf Astrid zu nehmen und über deren Leben zu bestimmen. Dabei ist sie weniger am Wohlergehen ihrer Tochter interessiert als an ihrem eigenen, denn sie braucht das Gefühl, von Astrid gebraucht und bewundert zu werden. Doch das Mädchen entwickelt sich allmählich zu einer immer stärkeren Persönlichkeit und erkennt die Notwendigkeit, sich von ihrer dominanten Mutter zu lösen und sich ein eigenes Leben aufzubauen.


    Meine Meinung:


    Janet Fitchs Debütroman „Weißer Oleander“ erzählt die berührende und packende Geschichte eines Mädchens, das mit zwölf Jahren plötzlich auf sich allein gestellt ist und ohne ihre Mutter aufwachsen muss und dabei die unterschiedlichsten Menschen kennen und manchmal auch lieben lernt. Er erzählt auch die Geschichte einer sehr schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, in der die dominante Mutter kaum fähig ist, Gefühle für ihre Tochter zu zeigen, und doch alles daran setzt, sie in ihrer Abhängigkeit zu halten.


    Die Atmosphäre des Buches ist sehr dicht und melancholisch, der eher düsteren Thematik angemessen, und doch erscheint immer wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Ganz besonders gut gefallen hat mir der poetische, bildreiche Schreibstil der Autorin, der jedoch nie schwülstig oder gekünstelt wirkt und perfekt zu dieser bittersüßen Geschichte passt.


    Die Figurenzeichnung fand ich sehr glaubhaft und ich konnte jederzeit mit Astrid mitfühlen, während ich mich über ihre narzisstische Mutter ärgerte. Auch die unterschiedlichen Nebencharaktere in den Pflegefamilien sind allesamt mit ihren Eigenheiten und ihrer ganz eigenen Persönlichkeit ausgestattet, so dass ich manche davon lieben und manche regelrecht hassen lernte.


    „Weißer Oleander“ ist ein wunderbarer, kluger Coming of Age-Roman, der mich nachhaltig berührt und nach dem Lesen noch tagelang beschäftigt hat. Klare Leseempfehlung von mir!


    5ratten

    Ich habe mir gerade alle bisherigen Folgen des Literaturschock-Podcasts angehört und bin sehr angetan davon, sowohl von den Empfehlungen als auch von den Flops. Die negativen Kritiken sind auch immer gut begründet und für mich nachvollziehbar. Die Empfehlungen sind augenblicklich auf meiner Wunschliste gelandet. :zwinker: Auf die Autoreninterviews bin ich schon sehr gespannt.


    Die Länge / Kürze der Folgen finde ich sehr angenehm, gerade richtig für zwischendurch, auch für Menschen mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne, so wie mich. :breitgrins:
    Ich freue mich schon auf die nächste Folge.

    Annemarie Schoenle - Du gehörst mir


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    Inhalt:


    Die freie Journalistin Melanie Wagner, Tochter eines bekannten, politisch aktiven Künstlers und Geliebte eines verheirateten Kollegen, lernt auf einer Feier den charmanten und erfolgreichen Anwalt Wolf Eckart kennen. Er verhält sich ihr gegenüber sehr galant, wie ein Gentleman der alten Schule, was Melanie fasziniert. Sie verliebt sich denn auch Hals über Kopf in ihn. Bereits nach zwei Monaten willigt sie ein, ihn zu heiraten. Dabei ignoriert sie die Warnungen ihres Vaters und ihrer Freunde, die ihr von einer schnellen Heirat abraten, da ihnen Wolf nicht ganz geheuer erscheint.


    Schon bald ahnt auch Melanie selbst, dass mit ihrem Mann etwas nicht stimmt. Wolf leidet unter krankhafter Eifersucht und verhält sich extrem paranoid, was so weit geht, dass er schließlich jeden Schritt seiner Frau überwacht und kontrolliert. Die freiheitsliebende Melanie fühlt sich zunehmend gefangen und ihr wird klar, dass sie in der Falle sitzt, zumal Wolf aufgrund seiner Eifersucht versucht, sie von den anderen Menschen in ihrem Leben – auch von ihrem geliebten Vater - zu isolieren. Melanie ahnt, dass ihr Ehemann ihr gefährlich werden kann, und doch versucht sie mit Hilfe eines ausgefeilten Planes, sich aus der ausweglos scheinenden Situation zu befreien.


    Meine Meinung:


    Mit „Du gehörst mir“ ist der Grimme-Preisträgerin Annemarie Schoenle ein psychologisch geschickt erzähltes, tiefgründiges Psychodrama gelungen, das mich besonders zum Ende hin zu fesseln vermochte. Der Roman beginnt eher ruhig mit der ausführlichen Schilderung des Kennenlernens der beiden Protagonisten, doch zur Mitte hin nimmt die Handlung dann Fahrt auf und die Auflösung fand ich sehr überraschend.


    Der Leser nimmt abwechselnd den Blickwinkel von Melanie und den des eifersüchtigen Ehemannes Wolf ein. Mit psychologischem Feingefühl bringt die Autorin uns so die Innenwelt eines krankhaft eifersüchtigen Menschen näher, und schildert dabei die abgründige Gedankenwelt des psychisch kranken Wolf auf eine Weise, die mir Schauder über den Rücken jagte. Zugleich erhalten wir auch Einblick in die Psyche des Opfers und ich konnte Melanies Furcht vor ihrem Ehemann förmlich spüren.


    Die Thriller-Anteile fallen in „Du gehörst mir“ jedoch nach meinem Eindruck eher gering aus, vielmehr liegt der Fokus auf der psychologischen Ebene und der Betrachtung des Innenlebens der beiden Protagonisten. Atemlose Spannung, wie man sie aus anderen Thrillern kennt, kommt nur selten auf, dennoch hat mich der Roman gefesselt und fasziniert, was aber mehr der psychologischen Ebene geschuldet war, weniger dem Spannungsbogen der Story.


    Für die beiden Charaktere selbst konnte ich keine übermäßigen Sympathien entwickeln, nicht für Melanie und schon gar nicht für Wolf, aber das war meiner Meinung nach auch nicht zwingend erforderlich, da es ohnehin vor allem darum geht, was zwanghafte Eifersucht mit einem Menschen und mit dessen „Objekt der Begierde“ macht. Und dieser Aspekt kommt, wie ich finde, sehr gut zur Geltung.


    Der Schreibstil ist klar und schnörkellos, das Buch lässt sich daher sehr flüssig lesen.


    Sehr interessant fand ich noch den Aspekt, dass für den Charakter Jobst Wagner, Melanies Vater, eine reale Künstlerbiografie verarbeitet wurde, wie man im Nachwort lesen kann. Dies macht die detailgetreuen Beschreibungen von Jobsts politischen Kunstwerken noch einmal deutlich interessanter und gibt der Geschichte eine realitätsnähere Dimension.


    Alles in allem ist „Du gehörst mir“ ein Roman für Liebhaber psychologischer Dramen, die sich gerne mit dem psychologischen Innenleben der Protagonisten auseinandersetzen. Wer einen hochspannenden Thriller sucht, wird hier jedoch ein wenig enttäuscht werden und sollte vielleicht eher zu einem anderen Buch greifen.


    4ratten