Beiträge von TheNightingale

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    „Tagebuch eines Killerbots“ von Martha Wells umfasst in dieser deutschen Erstausgabe ihre vier Novellen der „Murderbot Diaries“:

    • All Systems Red
    • Artificial Condition
    • Rogue Protocol
    • Exit Strategy

    In meinen Augen hat Martha Wells mit diesen Novellen zu Recht alle Preise abgeräumt, die im Bereich der Science Fiction Literatur vergeben werden. Die „Murderbot Diaries“ sind erfrischend anders, geprägt von einem trockenen Humor und viel social awkwardness.


    Leider kommt im deutschen der trockene und sarkastische Stil nicht so sehr zu tragen wie im englischen Original, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut.


    Die Handlung dreht sich um SecUnit, ein Android-Konstrukt mit organischen Anteilen, das dafür geschaffen ist, als Sicherheitsdienst zu arbeiten und Menschen zu beschützen. Damit sie unter Kontrolle bleibt, wird jede SecUnit von einem Chef-Modul gesteuert, nur dass SecUnit, unsere Protagonistin, ihr Chef-Modul gehackt hat und nur so tut als ob. Ihre grundlegende Programmierung, Menschen zu beschützen, hat sich nicht geändert, nur ihre Vorlieben sind halt ganz andere. Am liebsten nämlich will SecUnit in Ruhe gelassen werden, damit sie ihre Lieblingsserien anschauen kann. Entsprechend schräg sind die ersten sozialen Interaktionen mit dem Menschenteam, das sie auf diesem Einsatz beschützen soll, und das schnell dahinterkommt, dass SecUnit nicht unter Kontrolle eines Chef-Moduls steht.


    Den Gedanken und Gefühlen von SecUnit zu verfolgen ist eine wahre Freude. Am Anfang dreht sie sich einfach zur Wand, wenn das Thema auf Gefühle kommt, frei nach dem Motto ‚wenn man mein Gesicht nicht sieht, wird man mich in Ruhe lassen‘.


    Es begeistert mich, dass in den „Murderbot Diaries“ das Klischee durchbrochen wird, dass alle Androiden, die sich ihrer selbst bewusst werden, unbedingt menschlich sein wollen. SecUnit will wirklich nur seine Ruhe. Als sie dann nach dem letzten Einsatz von ihrem aktuellen Team von der Firma abgekauft wird, kann sie damit gar nicht umgehen und haut einfach ab. Dabei landet sie in allen möglichen Abenteuern, lernt ein botgesteuertes Forschungsschiff kennen, das seine Menschen liebt und SecUnit immer wieder mit Gesprächen über Gefühle nervt. Wenn FiFo (kurz für fieses Forschungsschiff) und SecUnit gemeinsam Serien schauen, ist das echt herzerwärmend und FiFo schafft es auch, die Fragen richtig zu stellen, damit SecUnit sich emotional doch weiterentwickelt. Es hat mich einfach wahnsinnig amüsiert zu beobachten, wie SecUnit sich immer wieder zähneknirschend eingestehen muss, dass Fifo recht hat.


    In den ganzen Abenteuern lernt SecUnit immer mehr, was sie eigentlich will, also, außer Serien anzukucken und in Ruhe gelassen zu werden. Sie will keine Killermaschine sein. Sie vermutet immer finstere Absichten und Motive hinter allem, was Menschen ihr gutes tun. Und sie will kein Sexbot sein und schon gar nicht ein Spielroboter. So einen hat sie nämlich auch kennengelernt und das war neben Fifo eine weitere sehr voranbringende Erfahrung für SecUnit.


    Ich will wirklich nicht zuviel verraten. Wer des englischen gut mächtig ist, sollte wirklich die englischsprachigen Novellen lesen – und das Buch hier vielleicht trotzdem kaufen, damit Martha Wells auch in der Zukunft auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist. Aber auch die deutsche Übersetzung ist sehr unterhaltsam.


    Fazit:

    „Tagebuch eines Killerbots“ ist in meinen Augen einfach herzerfrischend anders, voll von Humor und vielen Emotionen. Klare Leseempfehlung meinerseits.



    5ratten

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    Um es mal vorwegzunehmen: ich fand dieses Buch fantastisch. Es hatte alles, was ich mir von einem guten Buch wünsche. Spannung, Unterhaltung, eine interessante Geschichte und gute Figuren.


    Ich gestehe, dass ich das nicht erwartet hatte. Als ich das Buch entdeckte, hatte ich gedacht, dass es vielleicht ein drei-bis-vier-Sterne-Buch werden wird. Aber da hatte ich mich getäuscht.


    Von der ersten Seite war ich von der Geschichte gefesselt. Die beiden parallelen Handlungsstränge um Detective Barry Sutton und die Wisesnschaftlerin Dr. Helena Smith wechselten sich auf gut dosierte Weise ab.


    Am Anfang tappt man schon ein bisschen im Dunkeln, worauf alles hinausführen wird, aber als sich dieses Geheimnis auflöst, geht die Achterbahnfahrt erst so richtig los. Schnell wird es schwierig, den Überblick über alle Erinnerungslinien zu behalten und man fiebert mit Barry und Helena einfach nur noch mit, ob sie die Welt retten können.


    Die dahinterstehende Idee, dass Zeit eine reine Frage der Wahrnehmung ist, fand ich extrem spannend umgesetzt. Ich merkte, dass es mir wie den Figuren im Roman schwer fiel, nicht linear zu denken. Was passiert also, wenn wir nicht die Zeit ändern sondern unsere Wahrnehmung dieser? Was passiert dann mit uns und der Zeit.


    Das Konzept selbst ist ja an sich nichts neues, aber die Umsetzung des ganzen hat mich wirklich gefesselt.


    Fazit:

    „Gestohlene Erinnerung“ von Blake Crouch ist eine spannende und extrem unterhaltsame Geschichte zu einem faszinierenden Thema, das einem zur rechten Zeit schnell mal die Gehirnwindungen verknotet. Definitiv eine klare Leseempfehlung meinerseits.


    5ratten

    Ich hab das Buch auch endlich mal 'versucht zu lesen'. Gelesen kann ich nicht sagen. Ich hab nach Seite 300 abgebrochen. Zu langatmig, zu wiederholungslastig in meinen Augen, jegliche Spannung wird mit sinnfreien Rückblicken sofort zu nichte gemacht und nachdem dann die dritte nackte Frau auftauchte in einem solchen Rückblick, gab ich das Buch dem Lieblingsmenschen in die Hand und bat ihn, diese Beschreibung der nackten Frau laut vorzulesen, sagte ihm aber vorher, dass jetzt bestimmt dann wieder ausführlich erst die Form der Brüste, dann die Farbe der Nippel und der Brustwarzenhöfe beschrieben wird und danach sicherlich Form und Farbe des Schamhaars. Es kam dann leider so und ich dachte mir, nope, mit Simmons bin ich dann mal durch, was Horror angeht. Da werden er und ich keine Freunde mehr.


    Mir wars nach 300 Seiten sogar egal, was da im Eis umgeht.

    Ich lese hier gerade den ersten Band. Bisher gibt es ja noch keine komplette Übersetzung aller Bände, aber der Kampa-Verlag hat sich auf die Segel geschrieben, dass sie alle übersetzen werden. Aktuell haben wir 6 Bände von denen im Regal stehen, die ersten 4 und die beiden aktuellsten (13 und 14?) Wir hoffen, dass es Kampa auch wirklich schafft, alle Bände ins Deutsche zu bringen.

    das würde ich persönlich eher vom Buch selbst abhängig machen in dem Fall. Todenhöfer per se in eine Ecke zu stellen halte ich für schwierig.


    Wir selbst allerdings sortieren z.B. rechte Autoren und Verlage gnadenlos aus, wobei das im Rahmen dessen geschieht, dass wir alles gnadenlos aussortiert wird, das menschenfeindlich ist. Dabei ist die Position jenseits der Mitte nicht ausschlaggebend. In dem Moment, wo Hass propagiert wird, fliegt das Zeug raus. Leider ist rechte Literatur mit Menschenhass wesentlich mehr vertreten als linke.

    das kommt drauf an, wo es steht. Solche Massensammler, die verkaufen wollen, schreckt es anfangs manchmal ab. Einen Versuch ist es immer wert.


    Aber auch für mich ist es wichtig, dass wenn ich ein Rezi-Exemplar einstelle und das dann von irgendwem weiterverkauft wird, der Verlag nicht unbedingt sauer wird, wenn das bei denen dann auf dem Radar aufploppt.

    einer der Schränke hier in München wurde innerhalb kurzer Zeit dreimal komplett leergeräumt, so richtig mit Lieferwagen vorfahren, Bücher in Kisten schaufeln und abhauen. Rechtlich haben wir hier keinerlei Handhabe, aber ich denke mir, wer sich die Mühe machen will, gebrauchte Bücher zu verkaufen, soll das halt tun.


    bei neueren Büchern empfehle ich immer, vorn reinzuschreiben, dass das Buch aus dem Bücherschrank und unverkäuflich ist. Mache ich bei meinen Büchern, die ich einstelle auch so, wenn sie neuer sind. Manche machen das, gerade bei Leuten, die ihre Rezensionsexemplare dort einstellen, damit der Verlag hier nicht fälschlicherweise denkt, sie hätten sie weiterverkauft. Es gibt durchaus Leute, die gezielt nach neuen Büchern in so Schränken suchen, aber sollen sie halt. Wenn sie es so nötig haben und sie der Zeitaufwand nicht stört.. oh well.

    ich bin auch ein stückweit von mir selbst ausgegangen: wie Ihr ja auch hier geschrieben habt, gibt es viele unbetreute Schränke, wo es absolut null Spaß macht, reinzuschauen. Und da war es mir wichtig, dass 'mein' Schrank ein Anlaufpunkt und Wohlfühlort wird, zu dem man gern kommt. Ich freu mich immer wieder, wenn bei schönem Wetter die Leute auf den umliegenden Bänken sitzen und ein Buch aus dem Schrank lesen.

    Auch Konsalik, Cussler und Dan Brown gehen überhaupt nicht.

    Meine zerfledderten Konsaliks gehen auch definitv in die Tonne. Die haben einfach ihren Todestag erreicht jetzt.

    man bekommt irgendwann ein Auge dafür. Wir haben auch ein Klebepunktesystem, das wir kontrollierte Bücher, die im Schrank bleiben, mit einem kleinen Klebepunkt versehen. Dann wissen wir, dass das Buch schonmal einer von uns in der Hand hatte und wenn der jenige nach 8 Wochen wieder dran ist und sieht, dass das Buch immer noch steht, dann nimmt er/sie es raus. Wir versuchen ansonsten wirklich wenig einzugreifen, in das was getauscht wird, sprich wir bestücken den Schrank nicht in größeren Aktionen selbst sondern höchsten jeder in seinem privaten Rahmen, was er oder sie selbst einstellen würde. Wir machen mind. 2mal im Jahr ein Treffen, wo die Getränke auch auf den Verein gehen als kleines Dankeschön und einmal im Sommer machen wir eine Reinigungsaktion, wo wir den Schrank komplett ausräumen und auswischen und putzen.


    Die Vitrine an der Seite ist mittlerweile auch eine beliebte Anlaufstelle geworden, wo sich die Nachbarn über Veranstaltungen und Dinge informieren, die im Stadtteil passieren. Hier hängen dann alle Vereine einen Flyer rein, wenn sie etwas veranstalten.

    Finde ich toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt TheNightingale . <3


    Interessant sind aber eure Kriterien. Bei uns im Bücherschrank gehen gerade Kochbücher sehr gut und ich habe schon einige tolle Bildbände dort gefunden und mitgenommen. Ist aber natürlich auch eine Platzfrage, ganz klar; vor allem wenn ihr euch auf Romane "spezialisiert" habt. Habt ihr die Kriterien dann auch am Schrank aushängen, damit die Leute das wissen, was nicht reingehört? (da sind ja so gelbe Zettel, aber ich kann nicht erkennen, was draufsteht)


    Einmal stand bei uns auch eine ganze DVD-Sammlung drin. Die gehört zwar eigentlich nicht rein (da keine Bücher), aber die Leute haben sich offensichtlich gefreut und gut bedient. Am nächste Tag waren nur noch zwei DVDs davon übrig.

    Ja, wir haben die Einstellregeln in der Vitrine hängen, wird aber gern ignoriert. Es war schwierig, worauf wir das alles beschränken, aber ich habe hier mit den anderen Bücherschrankbetreibern der Stadt gesprochen, die sowas schon länger betreuen und deswegen Erfahrungswerte haben.


    Letzten Endes habe ich dann entschieden, dass aus diesen Erfahrungen der anderen heraus die Liste erstellt wird und es hat sich auch bewahrheitet. Lassen wir bestimmte Sachen testweise drin, dann stehen die wochenlang. Auch Konsalik, Cussler und Dan Brown gehen überhaupt nicht. Wir haben manchmal mehrere Ausgaben des gleichen Buches drin stehen wochenlang.


    Wir mussten halt Regeln erstellen, um das einigermaßen im Griff zu haben.

    Ich leite ja das Projekt Offener Bücherschrank in unserem Stadtteil. Eingeweiht wurde er nach 11 Monaten Organisation, Planung, Genehmigungen einholen, Finanzierung sichern am 17.11.2018. Am Tag zuvor wurde er geliefert, genau an meinem 40. Geburtstag.


    Wir hatten eine Einweihungsfeier, zu der überraschend viele Leute kamen und ich hatte einen Freund gebeten, in seinem Breenkostüm dazuzukommen, und einige Leute bei der 501st gefragt, ob sie Lust hätten, kostümiert dabei zu sein. Kam super gut an, nicht nur Kinder ließen sich mit ihnen fotografieren.


    Ich hab mal ein paar Bilder hochgeladen, auch zwei von meinem Trolley, den ich fürs Aufräumen nutze. Es gibt Tage, da ist der Schrank gut sortiert, dann gibt es Tage, da laufen wir mit mindestens einer von diesen Trolleyladungen zum Papiercontainer. Es gab auch schon Tage, da mussten wir viermal vollgepackt gehen.


    literaturschock.de/literaturfo…llery/index.php?album/36/


    Für unser Team erstelle ich immer einen halbjährlichen Dienstplan, wo die Zweierteams drin stehen, wer in welcher Woche dran ist. Dadurch können Urlaube und Abwesenheiten berücksichtigt werden. Aktuell sind wir bei einer 8 Wochen-Rotation, sprich alle 8 Wochen ist ein Team einmal dran und die beiden sprechen unter sich ab, wer an welchem Tag zum Aufräumen geht, oft gehen sie aber auch zusammen jeden Tag.


    Der Schrank wird täglich kontrolliert. Erstens darauf, dass keine menschenverachtenden Bücher drin stehen, nichts pornografisches, keine religiösen Texte. Dann ist die Vorgabe, dass kein Regalfach dreireihig steht und Bücher nicht übereinander liegen.


    Ganz unten ist das Fach für ausschließlich Kinder- und Jugendliteratur. Das sortiere ich persönlich immer als erstes (da waren schon mal zwei Kama Sutra drin, ausführlichst bebildert). Danach sortiere ich grundsätzlich nach Zustand aus, danach nach Alter (leinengebunden geht meistens als erstes), danach nach Größe. Das ist immer dann wichtig, wenn der Schrank überquillt und es aber alles eigentlich gute Bücher sind.


    Ansonsten fliegt alles raus, was nicht reingehört: keine Fachbücher, keine Atlanten, keine Reiseführer, keine Heftromane, Kataloge, keine Bildbände, CDs, DVDs, Kassetten, Schallplatten, keine Lebensratgeber oder Gesundheitsbücher, keine Kochbücher, und halt sonstiger Müll und ja, das ist alles in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal drin.

    Wir sind ja insgesamt 18 Leute, die unseren Schrank betreuen. Jede Woche 2 Leute, die sich einteilen und jeden Tag kontrollieren. Ihr wollt nicht wissen, was wir da oft entsorgen. Viele wissen das zu schätzen aber leider haben wir auch immer mal wieder ein paar besondere Schneeflöckchen, deren Bücher ja noch 'pfenning guad sand' und die dann keinerlei Verständnis haben.


    Wir räumen wirklich rigoros auf und es ist echt viel Arbeit. Wir freuen uns immer, wenn wir 'ungefragte' Hilfe von Nutzern bekommen, die selbst für Ordnung sorgen und auch über jene, die gern offiziell mithelfen möchten. Und über liebe Worte freuen wir uns immer sehr.


    Ich kann mir vorstellen, dass das bei Euren Bücherschrankpaten auch so ist. Ist oft sehr schade, dass manche Schränke hingestellt und nie betreut werden. Uns war das ein echtes Anliegen, dass unser Schrank aufgeräumt ist.

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    Inhaltsangabe :

    Als Dr. Sarah Berger an einem friedlichen Morgen vor die Tür ihres Hauses tritt, erkennt sie, dass Hills View nicht nur ruhig ist – es ist zu ruhig. Über Nacht sind alle Bewohner verschwunden. Aber wohin? Wie konnte eine ganze Stadt völlig lautlos evakuiert werden und warum haben die Bewohner ihre Häuser penibel aufgeräumt, bevor sie die Stadt verließen?


    Die junge Ärztin beginnt zu entschlüsseln, was hinter den rätselhaften Ereignissen in Hills View steckt, doch sie befindet sich bereits mitten im Ewigkeitsprojekt. Daraus zu entkommen, wird mit aller wissenschaftlichen Logik nicht einfach, denn die Gesetze der Physik gelten nicht länger. Selbst eine Tasse Kaffee ist nicht, was sie zu sein scheint …


    Meinung:

    Caroline Hofstätter hatte mir freundlicherweise ein Exemplar ihres Romans geschickt, vielen Dank dafür liebe Caroline.


    Mit nicht ganz 200 Seiten ist „Das Ewigkeitsprojekt“ auch sehr schnell gelesen, besonders bei dem flüssigen und fesselndem Schreibstil. Ich kann mich hier auch direkt den Aussagen anderer Rezensenten anschließen, dass einige Seiten mehr dem Buch sicherlich keinen Abbruch getan hätten. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass das auf eine Fortsetzung hoffen lässt. So würde mich nämlich besonders interessieren, wie es draußen weiterging.


    Sarah ist eine ziemlich sympathische Protagonistin, war aber ab und an etwas zu begriffsstutzig für meinen Geschmack. Dass sie großen Wert darauf legte, die Seuche zu bekämpfen, komme was wolle, hat mir jedoch wirklich sehr gut gefallen.


    Den Aufbau der Geschichte fand ich auch ziemlich gut, ganz besonders am Anfang, als ich zusammen mit Sarah sprichwörtlich im Nebel rumstocherte und wir beide keine Ahnung hatten, was eigentlich los ist. Die beklemmende Atmosphäre vor Sarahs Haustür hat mir echt angenehme Gänsehaut verursacht. Positiv fand ich dabei auch wieder, dass die Geschichte nicht in die Horrorrichtung abgedriftet ist, wie das bei manchen Autoren gern mal passiert, sondern das Gruselgefühl am Anfang nur ein kleiner Bonus war.


    Sarahs Situation klärt sich recht schnell auf und hier wäre sicherlich schnell der Ofen aus gewesen, wäre da nicht Leonard aufgetaucht, der mir mit seiner herablassenden und bevormundenden Art ziemlich auf den Zeiger ging. Aber es war schnell klar, dass bei ihm mehr dahinter steckt, als er anfangs andeutet.

    Die Auflösung kam dann auch viel zu schnell, wenn ich ehrlich bin. Das Buch ist ein echter Pageturner und ich hätte mir wirklich sehr viel mehr Seiten gewünscht, die ich umschlagen konnte.


    Fazit:

    Caroline Hofstätters „Das Ewigkeitsprojekt“ ist ein spannendes Lesevergnügen, das ob seiner Kürze gut Zwischendurch weggelesen werden kann und auch für Genreneueinsteiger zu empfehlen ist. Ich freue mich jedenfalls, mehr von der Autorin zu lesen und bedanke mich an dieser Stelle nochmals für den netten Kontakt und das Rezensionsexemplar.



    4ratten

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    Inhaltsangabe:

    „Vermutlich war der Einzelne schon immer unwichtig. Es fiel nur weniger auf.“


    Die Brave New World findet in wenigen Jahren statt. Vielleicht hat sie auch schon begonnen. Jeden Tag wird ein anderes westliches Land autokratisch. Algorithmen, die den Menschen ersetzen, liegen als Drohung in der Luft. Großbritannien, wo der Kapitalismus einst erfunden wurde, hat ihn inzwischen perfektioniert. Aber vier Kinder spielen da nicht mit – sondern gegen die Regeln. Und das mit aller Konsequenz. Willkommen in der Welt von GRM.


    Sibylle Bergs neuer Roman beginnt in Rochdale, UK, wo der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet hat. Die Helden: vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime, kurz GRM. Grime ist die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Grime bringt jeden Tag neue YouTube-Stars hervor, Grime liefert immer neue Role-Models.


    Als die vier begreifen, dass es zu Hause keine Hoffnung für sie gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheint sich das Versprechen der Zukunft eingelöst zu haben. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein wunderbares Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Die vier Kinder aber – die fast keine Kinder mehr sind –, versuchen außerhalb des Systems zu überleben. Sie starten ihre eigene Art der Revolution.



    Meinung:

    Was.Für.Ein.Buch! Das braucht definitiv ein Content Warning, denn darin kommt so ungefähr alles Schlimme vor, das man sich vorstellen kann, aber besser nicht sollte.


    Das Buch hat mich erschlagen. Vollkommen überwältigt mit seiner schonungslosen Sprache. Runterzogen mit seiner Hoffnungslosigkeit. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.


    Dieses Buch ist jedenfalls keine leichte Unterhaltungslektüre für den Strand oder einen faulem Samstag auf dem Sofa nach einer anstrengenden Woche. Hätte ich das mal vorher gewusst. Das Buch fühlte sich an wie einen Marathon zu laufen mit einem 100kg Sack auf den Schultern, Bleigewichten an den Beinen und einem Dauerasthamanfall.


    Das klingt so negativ, ist aber so gar nicht gemeint. Sibylle Berg, die ich bis dato nur dem Namen nach kannte und von der ich bisher noch nie was gelesen hatte, hat hier 600 Seiten gnadenlose Gesellschaftskritik abgeliefert, die unter die Haut geht. Will man die Handlung zusammenfassen, dann ist das schnell getan: Don, Hannah, Peter und Karen sind vier Kinder, die in ärmsten Verhältnisse in Rochdale aufwachsen, einer kleinen Stadt in England. Ihr Leben ist geprägt von Gewalt, Hunger, emotionaler Vernachlässigung. Sie verlieren auf unterschiedliche Weisen ihr Zuhause und ziehen nach London, wo sie sich in neuen Situationen widerfinden, die aber eigentlich auch nicht soviel anders sind, als vorher. Und dort beginnen sie, sich gegen das System aufzulehnen.


    Dieses Buch braucht außerdem ein Content Warning für Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch. Davon gibt es einiges zwischen den Seiten und das geht unter die Haut: Seien es nun Peter und Sergej oder Karen und Patuk. Was da geschildert wird ist schonungslos, knallhart…wie der Rest des Buches. Die eigentlich überschaubare Handlung wird aber von dem ganzen Drumherum erst so richtig in Perspektive gesetzt.


    In diesem Buch kommt keiner gut weg. Ich habe einige Rezensionen gelesen, in denen sich darüber beschwert wurde, dass die Autorin das männliche Geschlecht über einen Kamm schert. Ja, tut sie. Warum auch nicht? Schauen wir uns doch nur die Rückschritte an, die wir in den letzten Jahren im Bereich Geschlechtergleichheit hingenommen haben, und schon ist es gar nicht mehr so abwegig, dass sich das Patriarchat genauso stark etabliert, wie es Berg in ihrem Roman zeichnet.


    Berg ist schonungslos ehrlich in dem, was sie sagt. Und wäre es kein Zukunftsroman, so könnte man glatt sagen, es wäre aus dem Leben gegriffen. Eigentlich ist es das auch. Nur für die Zukunft noch überspitzter, noch klischeehafter, noch extremer, hoffnungsloser, wütender, hilfloser.


    Ich weiß nicht, wie ich es noch anders in Worte fassen soll, deswegen hör ich jetzt mal auf hier.



    Fazit:

    „GRM: Brainfuck“ von Sibylle Berg ist ein Buch, das sicherlich polarisieren wird. Es wird Dich runterziehen, Dir dann die Hand reichen, Dich hochziehen und dann in Slo-Mo über die Schulter zu Boden werfen, auf Dir rumtrampeln und seine Wut an Dir auslassen. Diese Wut, in der Du Dich selbst an einigen Stellen wiedererkennen wirst. Diese Wut, geboren aus purer Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Ganz klare Leseempfehlung versehen mit einem „Mit äußerster Vorsicht zu genießen.“



    5ratten

    Da ich gerade Der Graf von Monte Christo gelesen habe, lese ich gerade Die Kameliendame, auch wenns ein anderer Dumas ist.


    Bis jetzt gefällt es mir sprachlich sehr gut und ich bin mal wieder dankbar, in der heutigen Zeit zu leben. Die damalige Zeit war schon keine Einfache. Bereits bei Monte Christo waren die Figuren offen emotional (zB Maximilian Morel) deswegen empfinde ich das bei Armand jetzt nur natürlich für die Zeit. Traurig macht mich, wie wenig die meisten Menschen dieser nicht Herr ihres eigenen Glücks waren sondern alles von den gesellschaftlichen Konventionen bestimmt wurde.

    Interessant, ich dachte, ich hätte meine Rezension hier damals ins Forum gestellt, aber offenbar ist das nicht der Fall. Für mich war "Das Institut" der Abschluss meines King-Projekts nach 2 Jahren und all seinen Werken. Für mich hat in diesem Buch einfach alles gestimmt.


    Das Institut ist Kings neuestes Werk. Auch über 30 Jahre nach dem Klub der Verlierer in Derry, der sich Es in den Weg stellte, schafft Stephen King es erneut, den Leser mit Kindern als Protagonisten zu begeistern. Auch wenn die geschilderten Szenen in diesem Buch durchaus eine Content Note (körperliche Gewalt gegen Kinder) für sensible Leser beinhalten sollten, so hat mich das Buch doch von der ersten Seite an gepackt.


    Dabei beginnt alles mit Tim Jamieson, der in einem ausgebuchten Flugzeug sitzt und seinen Sitzplatz für zweitausend Dollar und einen Hotelgutschein hergibt, um dann anders durch die USA zu reisen und schließlich in einem Mini-Kaff DuPray landet, wo er als Nachtklopfer anheuert. Wie in allen von Kings Romanen sind die Dorfbewohner typisch nett und schrullig und wie in allen Romanen schafft King es, diese Figuren in wenigen Seiten so geschickt zu zeichnen, dass sie einem vor dem inneren Auge erscheinen.


    Und auch den 12jährige Luke Ellis schließt man sofort ins Herz, wenn man ihm zum ersten Mal begegnet. Den Horror, den er dann während des Großteils des Romans erlebt, möchte man am liebsten überspringen.


    Kalisha, Nicky, George und Avery wachsen einem auch sehr bald ans Herz und es war einerseits schön zu sehen, wie die Freundschaft zwischen Luke und den anderen entstand, andererseits auch furchtbar über die Folter dieser Kinder zu lesen.


    Manch einem mögen so manche Passagen im Buch als zu schwerfällig und langatmig erscheinen, aber in meinen Augen ist das einer der wenigen King-Romane, in dem wirklich jedes bisschen genau richtig dosiert ist: Charakterisierung, Worldbuilding, Handlungsaufbau. Ab einem gewissen Punkt geht dann alles Schlag auf Schlag, die Kapitel werden kürzer und machen dann besonders die letzten 400 Seiten zu einem wahren Pageturner.


    Wenn man Das Institut mit Es vergleicht, dann merkt man eigentlich keinen großen Unterschied darin, in welcher Zeit beide Romane handeln. Freundschaft und der Kampf gegen das Böse sind zeitlos, wie es scheint. Durch Zoney’s Go-Mark gehört Das Institut aber doch eher in die Welt der Bill Hodges-Romane, als in die Welt von Derry oder den Castle Rock-Romanen. Eine neue fiktive Welt der heutigen Zeit. Der Zeit der Handys und Computer und des Internets. Und trotzdem bleiben manche Dinge gleich.


    Fazit:

    Das Institut mag nicht Kings bestes Werk sein. Es wird vielleicht auch den ein oder anderen Leser enttäuschen. Mich dagegen konnte es voll überzeugen und von der ersten Seite in seinen Bann ziehen. Ein würdiger Abschluss meines King-Projekts. Stephen King ist einfach ein hervorragender Geschichtenerzähler.


    5ratten

    dodo und TheNightingale hatten sich ein Regalvideo gewünscht, und das habe ich diesmal gemacht.


    Ist bisher mein längstes Video, aber ich hoffe, nicht zu langweilig.... Ausserdem habe ich den Gewinnspiel-Gewinner aus dem Lostopf gezogen.

    ich habs jetzt endlich geschafft, das Video anzuschauen. Du hast da echt eine bunte Mischung stehen. Find ich total cool. Ich hänge auch an so alten Büchern. Dein Video hat mich voll an Willi Meinck erinnert. Als DDR-Kind hab ich soviele Sachen vergessen, die ich früher von ihm gelesen habe und ich sammle gern mal so alte DDR-Kinderbücher, die ich als Kind gelesen habe. <3 <3 <3


    Die Dresden-Romane sind in der Tat durcheinander.


    Die richtige Reihenfolge ist:

    Storm Front

    Fool Moon

    Grave Peril

    Summer Knight

    Death Masks

    Blood Rites

    Dead Beat

    Proven Guilty

    White Night

    Small Favor

    Turn Coat

    Changes

    Ghost Story

    Cold Days

    Skin Game


    Wie sind Minette Walters deutsche Übersetzungen? Findest Du die gut? Ich wollte die Autorin schon längst mal ausprobieren, aber irgendwie hab ichs noch nicht geschafft.


    Der Elbenschlächter hab ich auch gelesen. War echt unterhaltsam. Kein herausragendes Fantasy aber ganz witzig gemacht. Von den Fällen gibts auch mehrere Bände.


    Danke für die Regaltour. Das mit dem Numerieren find ich ziemlich gut. Bei mir ist es ja eher thematisch unterteilt (also, ein Regal für so Sachbücher usw.), eines für Ungelesene, eins für gelesene und dann noch bestimmte Autoren, die ganze Regalbretter einnehmen.

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    „Inversion“ ist bereits 1974 erschienen (in Deutsch auch unter den Titeln "Die Stadt" und "Der steile Horizont" zu finden) und wurde gerade beim Heyne-Verlag neu rausgebracht unter Meisterwerke der Science Fiction. Nicht immer empfinde ich diese angeblichen Meisterwerke wirklich als solche, aber bei „Inversion“ kann ich das direkt so unterschreiben. Es ist ein brillantes Buch. Die Ideen und die Stadt, die Priest hier geschaffen hat, sind gigantisch. Allein die Idee einer unendlichen Welt in einem endlichen Universum … klasse.


    Dabei ist das Buch selbst in 5 Teile untergliedert. Protagonist ist Helward Mann, der, als er das Alter von 650 Meilen erreicht hat, bereit ist, das Internat zu verlassen und Volontär in einer der Gilden zu werden. Umgerechnet ist er ca. 18 Jahre alt. Die Stadt legt in einem Jahr ungefähr 36,5 Meilen zurück. All das erfährt man aber wie Helward selbst immer nur peu à peu. Helward möchte in die Gilde der Zukuntsvermesser aufgenommen werden und muss einen Eid schwören, dass er – wie alle anderen Gildenmitglieder auch – dem Schweigen gegenüber den restlichen Stadtbewohnern verpflichtet ist. Um als vollwertiges Mitglied seiner Gilde zu gelten, muss Helward 3 Meilen lang Dienst in allen anderen Gilden leisten. Er beginnt bei den Schienenverlegern und betritt somit das erste Mal die Welt außerhalb der Stadt. Schnell wird klar, dass in dieser Welt nichts so ist, wie wir es kennen. Die Sonne ist keine runde Kugel sondern erscheint Helward als runde Scheibe, die oben und unten eine lange Spitze hat.


    Die Tradition verlangt es von allen Gildenvolontären, dass sie sich das Wissen über die Welt und die Schlussfolgerungen über die Form und das Wesen der Welt aus ihren eigenen Erfahrungen selbst aneignen.


    Bei den Schienenlegern arbeitet Helward daran, die Gleise zu verlegen, auf denen die Stadt sich vorwärts bewegt. Warum Stillstand tödlich ist, was immer wieder angedeutet wird, bleibt ihm und dem Leser nach wie vor verborgen. Zusammen mit Helward erfahren wir von den Menschen, die außerhalb der Stadt leben – von allen Bettler genannt. Menschen in kleinen Dörfern, in denen es kaum genug zum überleben gibt. Wir erfahren, wie sie für den Gleisbau angeheuert werden von Leuten der Händlergilde und wie sie neben Arbeitskraft auch ihre Frauen an die Stadt verleihen. In der Stadt nämlich gibt es ein großes Problem: es werden kaum noch Mädchen geboren. Die meisten Babys sind männlich. Die Frauen von außerhalb bandeln mit Männern in der Stadt an mit dem Ziel, weibliche Babys zu gebären. Das klappt natürlich nicht immer. Die geborenen Mädchen werden in der Stadt behalten. Die Frauen können selbst entscheiden, wenn sie die Stadt wieder verlassen, ob sie ihre geborenen Jungen mitnehmen möchten oder nicht. Hier erfahren wir auch, dass Helwards Mutter eine solche Besuchsfrau war und ihn zurückgelassen hat, als sie die Stadt wieder verließ.


    Nachdem Helward in allen Gilden seinen Dienst abgeleistet hat, ist es seine erste Aufgabe als Mitglied der Zukunftsvermessergilde, drei Besuchsfrauen zurück in ihr Dorf zu geleiten, damit sie sicher ankommen. Auf dieser Reise nach Süden, in die Vergangenheit, kommen Helward und der Leser mit den Besonderheiten der Welt in Kontakt. Je weiter nach Süden Helward reist, umso merkwürdigere Dinge geschehen. Die Frauen werden immer kleiner und in die Breite gezogen, während er selbst unverändert bleibt. Schnell wird klar, dass hier Kräfte am Werk sind, die so gar nicht den mathematischen und physikalischen Gesetzen unserer Welt entsprechen. Und als Helward zurück in die Stadt kommt, sind mehrere Jahre vergangen obwohl er selbst nur ein paar Tage weg war.


    Und damit beginnt sich das Bild der Stadt und der Welt zu formen. Diese Welt ist kein Rotationselipsoid wie unsere Erde sondern ein Traktrikoid. Ja, das musste ich auch erstmal googeln. Im Süden wird die Fliehkraft immer stärker, so stark, dass sie sogar die Gravitation beeinflusst. Die Stadt wird also immer weiter nach Norden bewegt, damit sie nicht mit dem sich nach Süden bewegenden Boden in den Süden rutscht. Dabei verfolgt sie immer einen Punkt, das Optimum, erreicht ihn aber nie wirklich.


    Das klingt alles echt schrägt, ist aber auch total spannend. Die Art und Weise, wie sich diese Welt dem Leser und auch Helward erschließt, ist erzählerisch wirklich gut gemacht. Die Geschichte ist spannend und ja, das Buch hat eine Auflösung und ein Ende, das ich so nicht habe kommen sehen.


    Aber die Idee von einer Welt, die mal keine Kugel ist, finde ich absolut gigantisch und Priest hat das hervorragend gemacht. Ich verstehe gar nicht, warum ich dieses Buch nicht schon viel früher gelesen habe.


    Die Wissenschaft hinter der Geschichte ist in meinen Augen für Menschen mit entsprechenden Hintergrund interessant. Aber auch die Philosophie kommt nicht zu kurz und so werden Helward und der Leser am Ende mit dem Thema Wahrnehmung konfrontiert und der Frage, wie würden wir reagieren, wenn wir erfahren würden, dass unsere Art die Welt und unser Universum zu sehen, falsch wäre?


    Fazit:

    Christopher Priests „Inversion“ ist zu Recht ein Meisterwerk der Science Fiction. Wissenschaft und Philosophie sind hier verwoben mit der spannenden Geschichte der Stadt, ihrer Bewohner und der Welt, in der diese Stadt existiert. Klare Leseempfehlung meinerseits.


    5ratten

    Puh, das hat jetzt sehr lange gedauert, bis ich das Buch beenden konnte. Es lag lange halb fertig gelesen auf meinem Tolino. Nicht, weil es schlecht war. Nicht, weil es mich langweilte. Nein, es war weder schlecht noch langweilig. Aber es war harter Tobak für mich. Hier ein Hinweis, dass man die Inhaltswarnung am Ende ernst nehmen sollte. Für mich war diese nicht eindringlich genug. Noch nie habe ich es erlebt, dass eine bipolare Erkrankung so eingehend thematisiert wird. So korrekt und ausführlich. In dieser Hinsicht hätte ich mir den Zusatz „explizite Schilderung“ direkt vor „Depression und Bipolarer Neurodivergenz“ gewünscht. So bezog ich ihn nur auf die Schilderung von Sex.


    Zeetos Kapitel haben mir diesbezüglich sehr zu schaffen gemacht. Zum einen, weil es Gedankengänge gab, die ich selbst nur zu gut kenne, zum anderen, weil Zeetos manische Phasen bei mir unschöne Erinnerungen an eine vergangene Beziehung weckten, die ich zwar verarbeitet habe, die allerdings tiefe Narben hinterlassen hat.


    Deswegen brauchte ich bei diesem Buch zwingend Pausen. Lange Pausen. Und auch für die zweite Hälfte musste ich mich manches Mal von dem Blei, das an mir zu hängen schien, befreien und mich aufraffen. Klingt übertrieben, das mag sein. Nicht jeder mag das nachvollziehen können. Mir wäre es auch lieber, es wäre anders.


    Dabei entwickelte sich Zeeto für mich zu einer Figur, mit der ich mich identifizierte und nicht identifizierte. War ich neutraler Beobachter, brachten seine depressiven Phasen mich zum Schmunzeln, nur um mich dann knallhart daran zu erinnern, dass mir diese Gedankengänge nur allzu vertraut sind.


    Hier sei also darauf hingewiesen, dass die Themen Depression und manisch-depressive Phasen hier sehr ausführlich aus Sicht eines Betroffenen dargestellt werden. Wer davon nicht betroffen ist, wird aus diesen Stellen sicherlich viel lernen. Wer betroffen ist, sollte evtl. darauf vorbereitet sein, dass es Gedanken auslösen kann, nicht muss, aber kann.


    „Wasteland“ entführt Leser in eine postapokalyptische Welt. Die Ideen und das Worldbuilding waren eine Freude und was das Thema Inklusion und Repräsentation angeht, macht das Buch einfach alles richtig. Wirklich sehr gut gemacht. Auch die geschlechtsneutralen Begriffe waren so eingebunden, dass man sie nach ein paar Seiten als selbstverständlich angesehen hat.

    Es ist eine spannende Reise durch diese öde Welt mit ihren Gangs und dem Handgebunden Markt. Spannend und aufregend, aber für mir Menschen wie mich an manchen Stellen auch ein echter Kraftakt. Ich denke, ein zweites Mal kann ich dieses Buch nicht lesen. Wirklich nicht. Ich wünschte mir eher, dieses Buch hätte schon existiert, bevor das ‚Leben‘ in mein Leben trat. Ihr wisst, was ich meine.


    Es tut mir leid, dass diese Rezension so lange gebraucht hat, aber ich kenne dafür jetzt alle Fotos von Hundewelpen, die im Internet existieren. 🙂


    Fazit:

    „Wasteland“ von den Vogts ist ein gutes Buch, spannend, aufregend, fesselnd, voller Ideen und vielen Dingen, die einfach nur richtig sind. Wer Inhaltswarnungen in Romanen benötigt (so wie ich), sollte diese auch vorher lesen und entsprechend vorbereitet sein. Ich selbst habe das Buch in einer guten Phase meines Lebens gelesen, der besten eigentlich, aber trotzdem kratzte es an einigen Stellen tiefe Wunden auf, von denen ich nicht dachte, dass sie jemals wieder aufgekratzt werden könnten.


    4ratten