Beiträge von TheNightingale

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Und Nathan, ja wie gesagt, mein Lieblingsvorleser.

    Stephen King war ja einmal in München auf einer Lesung vor 5, 6 Jahren. Da war auch David Nathan der Leser des deutschen Textes. Das war eine tolle Veranstaltung.

    Ja, den finde ich als Vorleser auch wirklich erste Sahne!


    In München, war das zu seinem Roman "Die Arena"? Der soll ja auch gut sein ...

    "Arena" ist ziemlich lang und wurde ja auch als "Under The Dome" als Serie verfilmt, soweit ich weiß. Ich fand das Buch echt klasse. Hat mir sehr gefallen. Aber King hat nicht viele Bücher geschrieben, die mir wenig oder absolut gar nicht geschrieben haben. xD

    Ich mag David Nathan als Vorleser auch total gern. Stephen Kings "In einer kleinen Stadt" von ihm gelesen ist einfach der absolute Wahnsinn. 'Es' hatte ich ja auch grad erst gelesen und ein paar Stellen zusätzlich noch als Hörbuch gehört, weil Nathan einfach genial ist. Ich war ziemlich angemifft, dass die Dunkle Turm-Reihe von jemand anderem gelesen wird.


    "Der Anschlag" gehört für mich zu einem meiner Highlights während meines King-Projekts.

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    Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass zwischen mir und KSRs Büchern ein sehr angespanntes Verhältnis herrscht? Ich glaube, nein. Es verwundert mich einfach immer wieder, wie mich ein Buch von ihm total begeistern kann während das nächste eher enttäuschend ist. Wenn ich erklären könnte, woran das liegt, wäre ich schon weiter.


    New York 2140 war für mich ja weder gut noch schlecht. Ich habe normalerweise keine Probleme mit Infodumps und ich finde wissenschaftliche, politische und soziale Themen und Fragestellungen toll. Aber bei Roter Mond frage ich mich allen ernstes, ob Robinson dieses Buch überhaupt selbst geschrieben hat. Trotz all dem subjektiven Gefallen/Nicht-Gefallen, konnte man von Kim Stanley Robinson immer behaupten, dass er handwerklich gut ist und einen tollen Schreibstil hat.


    Roter Mond war aber bis jetzt das holprigste Buch, das ich je von ihm gelesen habe. Er wiederholte sich wirklich ständig und der Satzbau war eine einzige Katastrophe. Und dann gab es da so Perlen wie diese hier:


    Zitat

    Oder vielleicht auch nur um ein Primatenhaus, denn in seiner Mitte gab es einen großen Glaskasten voller Trapeze, hängender Fässer und in Schlaufen hängender Seile – und Gibbons.

    Genau genommen handelte es sich um ein reines Gibbon-Gehege.
    »Gibbons!«, rief Ta Shu.


    Ich meine, die erste und die zweite Erwähnung machten es dem Leser ja noch nicht deutlich genug, dass da Gibbons sind. Nein, Ta Shu muss es auch nochmal extra erwähnen, damit man sich auch wirklich sicher sein kann. Dass Gibbons dann gleich nochmal zwei Sätze weiter auftaucht….Le Augenverdreh.


    Und irgendwie war das ganze Buch so geschrieben. Auf diese Art. Ich kam mir vor, als wäre jede Leichtigkeit des Erzählens irgendwo in der Luftschleuse verloren gegangen.


    Ja, wir sind auf dem Mond. Ja, dort ist es nicht so einfach, sich fortzubewegen. Nein, ich muss das nicht jedes Mal extra erzählt bekommen, dass Figur A, B, C sich vorsichtig fortbewegt, weil die Anziehungskraft auf dem Mond eine andere ist.


    Ehrlich mal, was ist hier los? Würde nicht Kim Stanley Robinsons Name auf dem Cover stehen, ich würde es nie glauben, dass er dieses Buch geschrieben haben soll.


    Wäre es der erste Roman, den ich von ihm lese, dann würde ich danach nie mehr eines seiner Bücher anfassen. Das kann er doch eigentlich soviel besser. Jetzt mal so ganz abgesehen vom Inhalt. Ganz abgesehen von den seitenlangen Infodumps über Quantenphysik, Feng Shui und chinesische Kultur und Politik. Es kann doch nicht sein, dass diese Infodumps das interessantes am ganzen Buch waren.


    Und die Figuren? Ein sehr überschaubarer Cast, wenn man seine anderen Werke kennt. Aber keine davon stand heraus. Keine war so gut gezeichnet, dass ich in irgendeiner Form auch nur Interesse an ihr gehabt hätte. Wenn überhaupt, war Ta Shu noch am ehesten das, was ich einen Sympathieträger nennen würde, weil seine kindliche Begeisterung für soviele Dinge echt cool war. Aber sonst.


    Vielleicht übersteigt es auch einfach meinen Horizont. Vielleicht ist das Buch so sehr seiner Zeit voraus, dass ich es einfach nicht verstehen kann. Who knows. Ich glaube, bei den nächsten KSR-Romanen werde ich der Versuchung widerstehen, sie zu lesen und erstmal abwarten, was andere dazu zu sagen haben.


    Fazit:

    Roter Mond von Kim Stanley Robinson war für mich der erste Robinson, der mir nicht nur nicht gefiel, sondern den ich tatsächlich für echt schlecht halte. Der Erzählstil ist so ganz untypisch KSR und rein vom Handwerk her hat er mich auch echt nicht aus den Latschen geworfen. Sorry, keine Leseempfehlung dafür von mir.


    1ratten

    Ja, das hatte ich schon so verstanden. Ich finde den Kontext zu Tone Policing bei solchen Diskussionen nur einfach sehr wichtig (hier lesen ja noch mehr Menschen mit)

    alles klar, ich war mir nur nicht sicher, ob ich das in meinen Beiträgen deutlich genug gemacht habe. Room for misinterpretation gibts ja leider immer und ich bin da auch nicht fehlerfrei.

    Hohlbein nannte es "eine Marotte" - abfälliger geht es eigentlich nicht mehr in meinen Augen.


    Den Artikel bei Kai Meyer habe ich mitbekommen, auch die sich da anschließende Diskussion. Zur betroffenen Autorin, um die es in diesem Artikel unter anderem ging: ich persönlich bin immer befremdet, wenn sich Menschenscharen online auf eine Person stürzen und dort dann beleidigend werden. Es störte mich auch jetzt bei dem Hohlbeinzitat, dass man ihn in Hohlkopf umbenannte. Das empfand ich ebenfalls als unangebracht.


    Allgemein bin ich der Ansicht, dass, wenn man außerhalb seiner eigenen Bubbel schreibt, sich mit den Themen sehr intensiv auseinandersetzt, von denen man halt einfach keine Ahnung hat (und haben kann). Wenn eine Autorin darauf hingewiesen wird, dass der Inhalt ihres Buches einfach falsch ist und noch dazu offensive, dann empfinde ich es nur als rechtens, dass die Autorin sich Leute dazu holt, die sich damit auskennen und ihren Senf dazu geben.


    Interessanterweise fällt es AutorInnen soviel einfacher, wissenschaftliche Fakten von Experten bestätigen und korrigieren zu lassen, als dass es AutorInnen schaffen, mal ein paar Leute zu fragen, die von bestimmten Themen einfach betroffen sind und eine ganz andere Erfahrung aufweisen. Das ist es einfach, was ich von Menschen allgemein erwarte. Wenn ich keine Ahnung habe, halte ich einfach die Fresse oder aber ich gehe hin und oute mich als ignorantes Arschloch. Leider, und das scheint immer noch eines der größten Probleme heutzutage zu sein, ist sich selbst hinterfragen und sich reflektieren etwas, das man nicht standardmäßig von Menschen erwarten kann. Jo, man kann einfach mal so richtig falsch liegen. Man kann auch einfach mal so richtig einen Fetteimer nach dem anderen mitnehmen. Sagt echt keiner was dagegen. Wogegen aber Leute wie ich was sagen ist, wenn man sich nach dem falsch liegen und der Fetteimersammelei hinstellt und behauptet, man hätte Recht und wäre im Recht und überhaupt, alle anderen wären doch nur übersensibel, zu empfindlich blahblah.


    Das zeugt nämlich nicht von echter Charakterstärke. Man baut Bockmist, man steht dazu und schaut, dass man denselben Bockmist nicht wieder baut. So simpel in meinen Augen.


    Und auch hier möchte ich sagen, dass ich selbst Hohn und Spott deplatziert finde in diesen ganzen Diskussionen. Und von Beleidigungen halte ich grundsätzlich nichts. Aggression sowieso nicht. Aber ich kann verstehen, dass Menschen auf diese Art und Weise reagieren, weil es nämlich echt viel Nerven kostet, immer sachlich zu bleiben. Und manchmal ist man einfach nur wütend, dass dieses für seinen Bockmist geradestehen und es beim nächsten Mal besser zu machen, eben nicht so simpel ist, wie man annehmen sollte

    allein seine Aussage, dass es mal vor ein paar Jahren eine "Marotte" gab, sagt für mich eigentlich alles darüber aus, was er von dem ganzen Thema hält. Allein dafür landet er bei mir auf der won't ever read-Liste. Aber dort ist er eh nicht allein. Da sind schon viele andere AutorInnen.


    Ihm kanns ja egal sein. Seinem Erfolg wird es keinen Abbruch tun. Mir ist es jedenfalls dann auch egal :)

    Bei einzelnen Vokabeln (jetzt mal speziell zu "nicht-aktuellen" Büchern!) kann man noch sehr Schwarz/Weiß argumentieren - wenn man weiter gehen würde zu Ideen (die mMn viel gefährlicher sein können..), müsste man einen guten Teil der Weltliteratur zensieren, in dem Sätze aus einem Zeitgeist heraus geäußert wurden. Nicht, oder..?? :/


    Aktuelle Sprache ist dann wieder ein ganz anderes Thema..

    Ich persönlich halte nichts davon, alte Bücher umzuschreiben. Ich persönlich bin einfach dafür, dass solche Bücher halt nicht mehr auf Schulleselisten etc. landen, nur weil sie aus welchen Gründen auch immer als 'Klassiker' gelten, sondern halt aktuelle Werke zu verwenden von AutorInnen, die genauso gesellschaftskritisch schreiben.

    Zum Zitat aus Laurin: Ich kenne das Buch nicht, weiß also nicht, wer dieser Didi ist und wie der Kontext aussieht. "behauptete Didi" klingt allerdings eher so, als würde Laurin, der Protagonist(?), bzw der Erzähler dieser Aussage nicht unbedingt zustimmen. Aber ich habe es wie gesagt nicht gelesen :/

    Das Buch hab ich mir bei Google Books angeschaut. Didi scheint dem Kontext nach schwarz zu sein und nennt sich selbst das N-Wort. Dann ergeht er sich in einem ziemlich langen Rant darüber, was er von Political Correctness hält und dass es nichts verändert, wenn man die Nutzung bestimmter Worte verbietet. Für mich vermittelt sich in dieser Passage das Bild, dass es okay ist, das Wort zu benutzen, wenn ein Farbiger damit keine Probleme hat. Schwierig sehe ich dabei, dass der Autor des Buches selbst weiß ist und hier reinen Mutmaßungen unterliegt, und zudem eine Figur für eine ganze Bevölkerungsgruppe sprechen lässt.


    Dass die Sprache das Denken formt, ist ja keine neue Erfindung. Das weiß man nicht erst seit gestern. Nicht umsonst ist Sprache auch ein Ausdruck dessen, was man eigentlich denkt. Und wenn man meint, dass man bestimmte Worte dann aus Trotz nutzt, hat man in meinen Augen nicht wirklich was verstanden.


    Das sollte man alles nicht damit verwechseln, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen bestimmte Worte 'neuerfinden' und sich aneignen. Da besteht nunmal ein himmelweiter Unterschied.


    Soweit meine zwei Cent zu diesem Thema.


    Ich selbst ziehe für mich übrigens immer meine eigenen Schlüsse. Ich kündige nicht an, dass ich bestimmte Autoren nicht mehr lese. Ich lese sie dann einfach nicht (mehr).


    In diesen ganzen Diskussionen stört mich persönlich am allermeisten der aggressive und raue Umgangston. Aber deswegen versuche ich auch, mich da rauszuhalten. Dass manche Menschen hier einfach mit Wut reagieren, kann ich verstehen. Es ist nur nicht meine Art zu reagieren.

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    Ich glaube, Adrian Tchaikovsky hat echt ein Talent dafür, Tieren ein tierisches Verhalten und eine menschliche Stimme zu verleihen. In seinem neuesten Roman Im Krieg folgen wir Rex, einer Bioform. Er ist ein Hund, der speziell gezüchtet und augmentiert wurde, um im Krieg zu kämpfen. Er ist Anführer einer gemischten Bioformeinheit, die aus Rex, Honey (einer Bärin), Bees (einem Bienenschwarm) und Dragon (einer Echse) besteht. Das Herrchen von Rex ist Murray und es wird schnell klar, dass Murray kein gutes Herrchen ist.


    Wer Hunde liebt, selbst einen Hund in seinem Leben hat, der weiß, wie eng die Verbindung zwischen Frauchen/Herrchen und Hund sein kann. Da kennt man seinen Hund. Man sieht es ihm an, wenn es ihm nicht gut geht. Man sieht es ihm an, wenn er aufgeregt oder freudig ist. Wenn er Angst hat. Ich glaube, jeder Hundehalter kennt es, wenn Hund einen mit der Schnauze anstupst um gestreichelt zu werden. Ich glaube, keiner von uns Hundemenschen käme auf die Idee, seinem Hund weh zu tun. Murray ist hier die Ausnahme. Er sieht Rex nicht als Hund, sondern als Ding. Er kontrolliert ihn über einen Feedbackchip und Rex‘ oberstes Ziel ist es immer, Herrchen glücklich zu machen und gelobt zu werden. Ein guter Hund zu sein.


    Es war an manchen Stellen echt schwer für mich, weiterzulesen. Tchaikovsky fängt Rex‘ so gut ein, dass ich die ganze Zeit meine eigene Hundeschnute vor Augen hatte. Dieses Buch geht extrem ans Herz eines jeden tierlieben Menschen. Menschen, die sich in Filmen mit Tierleid schwer tun, sollten hier definitiv vorgewarnt sein. Es ist echt hart an manchen Stellen.


    Dabei ist dieses Buch nicht rein eine Geschichte über augmentierte Tiere im Krieg, sondern wirft so ungemein viele Fragen auf: Fragen dahingehend, welchen Status Tiere haben, denen man durch Chips und Implantate eine Art Bewusstsein ermöglicht. Wieviel ist ethisch vertretbar? Das ganze kann man dann auch gleich noch weiterspinnen für das Thema künstliche Intelligenz. Und auch hier wieder die Frage: was definiert Leben? Was bedeutet es, Mensch zu sein?


    Dabei belässt es der Autor aber nicht. Er geht noch wesentlich weiter: Die wirtschaftlichen Interessen an Kriegen. Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber jenen, die man in den Krieg schickt. Wie geht man mit diesen Menschen um, die aus dem Krieg zurückkommen? Welche Auswirkungen hat es auf Menschen, die gedrillt und umprogrammiert werden, andere Menschen zu töten und dabei Ordnung und Stabilität in ihrem Leben erfahren durch den Militärdienst? Was passiert mit ihnen, wenn sie nicht mehr „gebraucht“ werden?


    Die Kapitel wechseln zwischen verschiedenen Erzählern, obwohl Rex definitiv der Hauptprotagonist ist. Durch die wechselnden Perspektiven schafft der Autor es, dass die Bioformen eigene Persönlichkeiten bekommen, er gibt ihnen eine eigene Stimme.

    Tchaikovsky wirft diese Fragen auf, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Er regt zum Nachdenken an und wenn man einmal die Tränen weggewischt hat, dann rattert das Gehirn ganz automatisch weiter und setzt sich mit den ganzen Themen auseinander.


    Fazit:

    Im Krieg hat mir wirklich extrem gut gefallen. Man kommt einfach nicht umhin, mit Rex mitzufühlen. Mit ihm zu leiden, mit ihm zu trauern. Sein Winseln kann man fast hören. Sensible Menschen, denen sowas in Filmen oder Büchern arg zusetzt, sollten hier vorsichtig rangehen. Das Buch geht an einigen Stellen schon sehr an die Substanz und man kann seinen eigenen Gefühlen dabei nicht entkommen.


    5ratten

    Ich lese Skoobe an meinem Netbook (das kann man von der Tastatur abstecken), es hat nen matten Screen, liegt gut in der Hand und der Blaufilter ist total angenehm. Ich persönlich spüre da keinen merklichen Unterschied zum Tolino. Ich lese aber auch Handy, da hab ich Skoobe und meine Tolino App drauf. In der Tolino App lese ich auch die Bücher der Onleihe, weil mir der Reader der OnleiheApp nicht so zusagt.

    Ich bin parallel zu meiner Onleihe ebenfalls bei Skoobe. Ich kann bestätigen, dass das Angebot dort für Vielleser sehr viel größer ist. Besonders, wenn man dann so wie ich in speziellen Genres fast ausschließlich liest.


    Ich nutze die Onleihe der Münchner Stadtbibliothek und ja, leider ist das Angebot da sehr begrenzt. Ich lese außerdem genauso wie Luthienamandilla zu den Printversionen oftmals die eBook-Version parallel. Printbücher habe ich eigentlich fast nur noch das, was ich behalten will im Regal. Ansonsten lese ich elektronisch. Aber selbst Bücher, die ich im Regal stehen habe, habe ich zusätzlich noch als eBook, oftmals dann auch deutsche und englische Versionen.


    Skoobe eignet sich für Vielleser wirklich, die wie ich in der Onleihe nicht immer das finden, was sie gern lesen würden.


    Bestes Beispiel ist z.B. die Dunkle Turm Reihe von Stephen King. Da warte ich seit Monaten darauf, dass die letzten beiden Bände verfügbar sind, weil ich Printbücher anders lese als der Lieblingsmensch und das seine Ausgaben sind und ich es nicht leiden kann, wenn ich bei Print aufpassen muss, dass das Buch nach dem Lesen immer noch wie neu aussieht.

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    Ich denke, es sollte überall sehr viel deutlicher gemacht werden, dass die Strugatzkis politische Werke geschrieben haben, die zwar einen Touch Phantastik beinhalten, aber an sich gesehen keine echte Phantastik sind.


    So ist auch Die Schnecke am Hang mitnichten ein echter Science Fiction-Roman sondern eine politische Satire. Und deswegen auch keine leichte Lektüre. Pfeffer und Kandid sind keine typischen Helden einer Erzählung Pfeffer, der im Verwaltungsgelände festsitzt und einfach nicht in den Wald gelassen wird, dabei mit absolut absurden Gründen davon abgehalten wird, den Wald zu besuchen oder auch nach Hause zurückzukehren. Kandid, der im Wald abgestürzt ist, dort eigentlich raus will, aber keinen klaren Gedanken fassen kann, weil der Wald es nicht zulässt.


    Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Buch wesentlich schwerer getan habe als mit Das Picknick am Wegesrand und Der Montag fängt am Samstag an.


    Dass das Buch aus den 60er Jahren stammt, zeigt sich an einigen Stellen sehr deutlich. Besonders die Figur Trumpf, ein LKW-Fahrer, der von seinen sexuellen Eskapaden berichtet, die eigentlich nichts anderes waren als Vergewaltigung, stießen mir extrem sauer auf. Pfeffers Reaktion darauf sowie die Reaktionen der anderen Figuren verstärkten meine Abneigung nur noch mehr.


    Fazit:

    Die Schnecke am Hang kann ich jenen empfehlen, die gern politische Bücher lesen. Wer aber ein Science Fiction-Werk erwartet, sollte lieber die Finger davon lassen. Ein zweites Mal würde auch ich dieses Buch nicht lesen wollen.


    3ratten

    Ich kann das für mich nicht an ein paar Kriterien festmachen. Da spielt für mich einfach zuviel rein.


    Für mich tragen sehr viele Dinge ein Buch. Ich kann über unsympathische Figuren hinwegsehen, wenn z.B. die Handlung super spannend ist oder auch viele politische/soziale/philosophische Themen aufgegriffen werden.


    Ich kann diese Kriterien echt nicht benennen. Manche Bücher begeistern mich total, andere wiederum finde ich einfach nur blah.

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    Nach The Light Brigade konnte ich nicht umhin, nochmal The Stars Are Legion zu lesen. Da ich das Buch hier noch nicht rezensiert habe, hole ich das jetzt nach. Und was soll ich sagen: dieses Buch in Worte zu fassen wird nicht einfach, einfach weil es so komplex und so absolut ganz anders ist.


    Die geschaffene Welt ist ein Universum, in dem riesige Weltenschiffe leben, auf denen wiederum Menschen leben. Diese Schiffe sind lebendige Organismen und von einer Krankheit befallen, die sie langsam zerstört. Auf diesen Welten, gibt es verschiedene Levels und in jedem Level wohnen eigene Gesellschaften und Kulturen, quasi wie auf unserer Erde in den einzelnen Ländern. In den obersten Leveln lebt auf einer Welt die Katazyrna Familie. Hier ist es, wo unsere Handlung beginnt. Wir folgen zwei Hauptpersonen: Zan und Jayd. Zan, die ohne Erinnerung aufwacht, Jayd, die Zan jedes Mal zu einer Welt rausschickt, um diese einzunehmen: Die Mokshi.


    Wie Zan tappt man als Leser lange im Dunkeln, was hier vor sich geht. Und nicht nur das, durch Zans fehlende Erinnerungen entdecken wir die Wunder dieser Welt und dieses Universums. Wir entdecken, wie diese Welt funktioniert. Wir entdecken Intrigen. Wir entdecken Manipulationen. Und wir entdecken, dass Zan und Jayd und andere Figuren eigentlich schreckliche Dinge getan haben. Und damit meine ich, wirklich schreckliche Dinge.


    Das verrückte ist, dass ich mit Zan und Jayd immer mitfühlen konnte. Zumal Hurley hier einen wichtigen Aspekt einbaut, der für jeden Menschen gilt: Will man an der Vergangenheit festhalten oder eine Zukunft bauen? Will man die Art Mensch sein, die man einst gewesen ist und dies als unausweichlich ansehen? Oder will man der Mensch sein, der man geworden ist, der sich geändert hat, der sich weiterentwickelt?


    Zans Weg zu folgen ist für mich jedes Mal beeindruckend. Die Nebenfiguren, die Zan unterwegs regelrecht einsammelt…wie Gefährten, die die Hauptfigur in einem Videospiel kennenlernt – sie sind jede für sich besonders. Die in den Tiefen der Welt einigermaßen überlebende Das Mundi, die nur Angst und Einsamkeit kennt. Die quirlige Entdeckerin Casamir, die nie die Klappe hält und einen Faible für Wissenschaft hat. Die ruhige Arankadash, deren Kinder immer vom Licht geholt wurden.


    Hier muss ich einschieben, dass Hurley ein riesiges Thema eingearbeitet hat: die Kontrolle einer Frau über ihren Körper.


    Zitat

    CONTROL OF FECUNDITY IS SOMETHING EVERY WOMAN WANTS, AND EACH BELIEVES IS HER BIRTHRIGHT. THE WORLDS HAVE OTHER IDEAS, AND IT EVENTUALLY LED TO THEIR DESTRUCTION.
    (Die Kontrolle über ihre Fruchtbarkeit ist etwas, das jede Frau will, und jede glaubt, dass dies ihr Geburtsrecht ist. Die Welten haben andere Pläne, und letztendlich führte dies zu ihrer Zerstörung.)
    (einleitendes Zitat zu Kapitel 25, The Stars Are Legion von Kameron Hurley“


    In The Stars Are Legion werden die Frauen regelmäßig schwanger. Nicht immer mit einem Kind. Meistens eigentlich nicht mit einem Kind. In diesem Buch gebären die Frauen das, was die jeweilige Welt gerade benötigt, um zu überleben. Die einzige Möglichkeit, die Frauen haben, ist ihre Gebärmutter mit einer anderen Frau zu tauschen.


    Dieses Konzept ist einfach nur krass, jedes Mal. Aber nehmen wir doch mal unsere heutige Zeit, wo es ebenfalls noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen die Kontrolle über ihren eigenen Körper haben. Eine Zeit, in der Abtreibung nicht weltübergreifend legalisiert ist. Eine Zeit, in der in manchen westlichen Ländern sogar nach einer schweren Vergewaltigung keine Abtreibung erfolgen darf (yeah, I’m looking at you, Alabama). Eine Zeit, in der das Thema weibliche Selbstbestimmung heiß diskutiert ist.


    Dieses Thema zieht sich durch das ganze Buch, auch wenn es nicht immer so klar erkennbar ist.


    Ich will zum Inhalt selbst dann auch gar nicht zuviel verraten, weil es einfach ein wunderbarer Weg ist, diese Welt zu entdecken. Dabei ist Hurley wie immer knallhart. Für sensible Menschen ist dieses Buch in der Tat nichts. Kameron Hurley schreckt nicht vor blutigen und schleimigen Details zurück.

    Wenn ich in anderen Rezensionen lese, dass in dieser Welt alles Lesben sind, dann ärgert mich das immer wieder. In Hurleys Buch leben nur Frauen. Männer werden nie erwähnt. Sie haben nie existiert. Kein Mensch käme auf die Idee, für ein Buch mit nur männlichen Figuren seine Rezension damit einzuleiten, dass in diesem Buch alle schwul sind.


    Hurley hat mit The Stars Are Legion eine Space Opera erschaffen, die genau das ist, was Space Operas sein sollen: anders! Hier ist nichts dem Leser vertrautes. Die Welten sind fremd. Die Menschen sind fremd. Die Gesellschaft ist fremd. Und das macht es einfach zu einem so wahnsinnig besonderen Buch.


    Abgesehen davon, dass Kameron Hurley nicht nur ihr Handwerk versteht sondern auch eine gute Geschichtenerzählerin ist.


    Allen, die englischsprachige Originalromane lesen, kann ich dieses Buch einfach nur wärmstens empfehlen. Macht Euch auf was gefasst!

    Alle anderen werden wohl leider noch warten müssen, bis es ein deutscher Verlag endlich mal schafft, Hurleys Bücher ins Deutsche zu übersetzen. Bis jetzt ist das – für mich völlig unverständlich – noch nicht geschehen.


    Fazit:

    The Stars Are Legion ist ein fantastisches Buch. Ein Buch über andere Welten, über Intrigen, über Liebe und Freundschaft, über persönliche Entwicklung und der Macht der Entscheidungsfreiheit. Jedes Mal begeistert es mich von neuem.


    5ratten