Beiträge von TheNightingale

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Leiden wir etwa an einer Vorweihnachtsleseflaute? :entsetzt:

    Meine Leseflaute ist der Fülle und dem Reichtum der verschiedensten (vor allem buchigen, auch wollenen) Adventskalendertürchen geschuldet ^^ - das geht eindeutig von meiner Lesezeit ab. Gibt's zum Glück nur einmal pro Jahr. Aber dann "Alle Jahre wieder".... :saint:

    das ist bei mir ja auch so. Dafür konsumiere ich massenweise Hörbücher (und Podcasts) während die Hände was anderes tun. Hörbücher zähle ich auch zum Lesen.

    Ich wüsste gern mal den Prozentsatz, wie Ehrenämter/charitativ geleistete Arbeiten auf Frauen und auf Männer verteilt sind. Aber das Ergebnis wäre bestimmt ungesund für meinen Blutdruck und meine Laune.

    warum?


    Meiner Erfahrung nach ist das sehr ausgeglichen und ich bin auch in einigen Ehrenämtern unterwegs und in der Vereinsarbeit. Es mag in manchen Bereichen einen Frauenüberschuss geben, den gibt es dann bei den Männern in anderen Bereichen.

    Ich habe mich noch mal durch alle 16 Inspector Gamache Romane gesuchtet und bin endlich beim neuesten angekommen. Louise Penny behandelt mal wieder sozial-politische Themen, auch die Folgen der Pandemie. Viele Rezensenten bemängeln das bei ihr, dass sie sowas einfließen lässt aber mir gefällt es sehr gut und ich finde, es ist auch gut umgesetzt.


    Was mir bei ihr gefällt ist, wie divers ihre Romane sind. Viele Frauen in führenden Positionen oder hohen politischen Ämtern, einige davon in homosexueller Ehe oder of colour. Mir gefällt das.


    Auch, dass es neben dem Schmalz des cozy crime trotzdem immer ernst ist.

    Da bin ich auf deine Meinung gespannt. Habe den Podcast leider aussortiert, weil meine Liste irgendwie immer länger wurde und ich mit hören nicht mehr nachgekommen bin.

    Nach dem Debakel mit der Frankfurter Buchmesse wegen eines Faschismusverlages und Jasmina Kuhnkes Absage ihrer Teilnahme, weil sie verständlicherweise um ihre eigene Sicherheit besorgt war, stand es für Herrn Schnute und mich fest, dass wir diese Autorin sowie alle anderen, die aus den gleichen Gründen bzw. aus Solidarität mit Jasmina Kuhnke heraus abgesagt hatten, mit einem Kauf der Titel unterstützen werden. Wir hatten für den Sonntag ein Tagesticket – natürlich gekauft bevor uns das Ganze Ausmaß so richtig klar war.

    Der Unterschied zwischen Jasmina Kuhnke und uns ist, dass wir uns vor Nazis nicht fürchten müssen, solange wir einfach unsere Klappe halten. Wir sind eben weiß. Jasmina ist Schwarz. Wir sind Ultralinke und gehen Nazis auch nicht aus dem Weg. Auch wenns mal weh tun kann. Allerdings haben wir diese Wahl, ob wir uns dieser Konfrontation stellen oder nicht. Wie gesagt, wir müssen einfach nur unsere Klappe halten. Sowas nennt sich Privileg. Und wie gerne erzählen mir weiße Mitmenschen, dass es sowas wie Privileg nicht gibt. Bullshit!


    Oder wie es John Scalzi einmal sagte: straight white male is the easiest difficulty setting in the game of life.


    Doch genug dazu. Hier soll es vorrangig um das Buch gehen.

    „Schwarzes Herz“ beginnt mit einer allgemeinen Triggerwarnung und verweist auf die detaillierte Triggerwarnung am Ende. Es ist empfehlenswert, beides zu lesen. Dieses Buch ist knallhart und kann einen unvorbereitet eiskalt erwischen. Schon die ersten Seiten haben es extrem in sich und auch wenn ich darauf vorbereitet war, haben sie mich heftig erwischt. Aber heftig erwischen muss vielleicht manchmal einfach sein.

    Bereits die erste Seite enthält einen Satz, der mich direkt anspricht. Mich, die weiße Frau, die nie in ihrem Leben Rassismuserfahrungen machen musste, einfach weil sie weiß ist.


    Zitat

    Aber es ist mir gelungen, mich freizukämpfen. Es ist mir gelungen, den Scherbenhaufen, der mein Leben war, zusammenzufegen und die Bruchstücke neu zusammenzusetzen. Ich habe sie überlebt. Ich lebe.
    S. 7, „Schwarzes Herz“

    Jeder Mensch, der einmal sein Leben von Grund auf neu aufbauen musste, der sich selbst ändern musste, um diesen Aufbau zu schaffen, weiß genau, was dieser Satz bedeutet. Denn dieser Satz sagt einfach wahnsinnig viel aus. Und dabei ist es völlig egal, welche Hautfarbe, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder welches Geschlecht man hat. Dieser Satz ist Kraft pur! Und jede:r, die/der die Bedeutung dieses Satzes fühlt, kennt auch dieses Gefühl des Stolzes auf sich selbst.


    Wir folgen einer namenlosen Protagonistin durch kurze, schnell wechselnde Kapitel. Die Sprache ist hart und schonungslos, etwas, was viele negative Rezensionen auf diversen Plattformen bemängeln. Mich sprach es jedoch an, weil ich es einfach nur nachfühlen konnte. Diese Wut, diese Hoffnungslosigkeit, dieses „me against the world“. Da findet man keine tolle Prosa. Da ist man nicht eloquent. Wenn Du das anders siehst, dann geh mal tief in dich rein und schau Dir zu, wie Du sprichst, wenn der Zorn Dich übermannt. Merkste selber, gell?


    Ein weiterer Punkt, der gern in den von mir gelesenen Rezensionen bemängelt wird ist, dass die Kapitel extrem krass zwischen einzelnen Zeitlinien wechseln. Mal erleben wir die Protagonistin bei der Vergewaltigung durch ihren Exmann oder naiv und unbedarft als Kind oder wütend und verloren als Teenager.


    Die Protagonistin ist die Tochter eines Senegalesen und einer Jugoslawin. Der Vater verschwindet spurlos noch bevor er überhaupt von der Schwangerschaft weiß. Die Mutter ist mitten in der Ausbildung zur Krankenschwester zu diesem Zeitpunkt. Deren Mutter, also die Großmutter der Protagonistin, war ebenfalls größtenteils alleinerziehend und kommt erstmal mit dieser ungeplanten Schwangerschaft gar nicht zurecht. Trotzdem verhält sie sich, wie sich eine Mutter und Oma verhält. Sie unterstützt ihre Tochter. Sie unterstützt ihre Enkelin.


    Und so wächst unsere Protagonistin von Mutter und Großmutter, Onkel und Tante geliebt die ersten Jahre sehr behütet auf, bis ihre Mutter den zukünftigen Stiefvater kennenlernt. Anfangs freut man sich noch, dass sie jetzt eine „volle“ Familie hat, aber es wird schnell klar, dass der Schein nur trügt. Der Stiefvater ist gewalttätig und auch verbal missbräuchlich.


    Dass sie Schwarz ist und damit anders ihr weißes Umfeld, schlecht sich erst so langsam in das Bewusstsein der Protagonistin, als sie älter wird. Lange versteht sie nicht, was bestimmte gemachte Aussagen bedeuten sollen. Sie hat keinerlei Kontext dafür. Sie weiß nichts über die Geschichte Afrikas oder die Kolonialisierung. Wie auch: ihre Mutter ist damit beschäftigt, die Familie als Alleinverdienende zu versorgen, die Großmutter hat ihre eigenen Probleme und Schwarze Identifikationsfiguren gibt es im Leben der Protagonistin nicht.


    Wie wichtig das ist, wird nochmal extrem deutlich in Nikeata Thompsons Buch „Schwarz auf Weiß“, das ich gerade lese. Während Nikeata Thompson ebenfalls als Schwarze unter vielen weißen aufwächst, hat sie doch viele Schwarze Rollenbilder in ihrem direkten Umfeld, die der Protagonistin in „Schwarzes Herz“ komplett fehlen.


    Und dieser Unterschied macht extrem viel aus. Unsere Protagonistin merkt, dass sie anders ist, weil sie anders behandelt wird. Das Warum erschließt sich ihr jedoch erst sehr viel später. Da kommen wir auch zu dem Punkt, der mich persönlich am meisten betroffen gemacht hat. Rassismus überrascht mich nicht. Ich weiß, dass er existiert. Ich weiß, dass er in manchen Fällen auch aus purer Unwissenheit heraus passiert. So gibt es dazu z.B. eine Szene, als unsere Protagonistin in eine neue Schule kommt zusammen mit einem Skinhead. Dieser bezeichnet sie als N*****-Schlampe. Die Lehrerin weist ihn zurecht, dass er die Protagonistin nicht Schlampe nennen soll, was wiederum unsere Protagonistin dazu veranlasst, anzumerken, dass es aber wohl durchaus okay sei, wenn er sie N***** nennt. Die Lehrerin ist daraufhin völlig außer sich und schreit beide an. Ich denke, ihr war es gar nicht bewusst, was sie da eigentlich gesagt hatte und als die damit konfrontiert wurde, verfiel sie direkt in eine defensive Haltung. Etwas, das man heute noch immer in allen möglichen Situationen beobachten kann. Sprich Menschen auf ihre Fehltritte an und sie werden defensiv. Ein großes Problem der Menschen, ein gefährliches Problem jedoch beim Thema Rassismus.


    Was mich jedoch betroffen gemacht hatte, war der absichtliche Rassismus, der die Protagonistin gezielt verletzen sollte. Der Vater, der sie psychisch und physisch misshandelte. Lehrer, die in ihrer Anwesenheit absichtlich verletzende Dinge sagen. Hallo, Ihr seid fucking Lehrer und da sitzt das KIND über das Ihr gerade redet, als sei es nicht da. Ein Sportlehrer, der ihr kurzerhand eine Note abzog, weil Schwarze angeblich andere Fersen haben und deswegen im Vorteil gegenüber weißen Sportlern sind. Es wurde alles Mögliche zu ihr und über sie in ihrer Anwesenheit gesagt, was sie doch alles in den Genen hätte. Das war einfach nur zum kotzen. Dieser grundlegende Respekt, den man Menschen gegenüber einfach entgegenbringen sollte, den hatten sie alle nicht, wenn es um die Protagonistin ging. Das hat mich betroffen gemacht. Und es hat mich wütend gemacht. Genauso wütend, wie die Protagonistin. Und deswegen scheiß drauf, dass sie eine derbe Sprache verwendet. Ihr seid verletzend. Sie hat nicht die Pflicht, Euch sanft zu behandeln, wenn Ihr nicht mal grundlegend Respekt zeigt.


    Diese Wut der Protagonistin gepaart mit dem schlechten Selbstwertgefühl führen zu einer Abwärtsspirale. Sie will einfach nur angenommen und geliebt werden um ihrer selbst willen. Wie das eigentlich jede:r Mensch will. Dabei stürzt sie sich in Beziehungen mit Männern, die ihr nicht gut tun und landet am Ende bei ihrem späteren Exmann. Der ist ein typischer Abuser. Er setzt das fort, was der Stiefvater bereits angefangen hat. Er misshandelt sie körperlich und psychisch. Er beleidigt sie. Er bricht sie. Zweimal wird sie schwanger. Jedes Mal erzählt er ihr, dass er sich ändern wird, was er natürlich nicht tut. Dabei mögen die beschriebenen Szenen abstoßend sein und fassungslos machen. Diesen Effekt hatten sie bei mir nicht. Ich ertappte mich dabei, wie ich in meinem Kopf daneben saß und die Protagonistin anfeuerte, endlich die Kraft zu finden, sich von ihm zu lösen. Wie ich ihr immer wieder sagte, Mädel, Du kannst das. Du kannst das ohne ihn. Ich habs doch auch geschafft. Und ich jubelte, als sie es endlich schaffte. Ich war so stolz, dass ich am liebsten laut aus dem Fenster geschrien hätte, dass sie den Mistkerl endlich verlassen hat. ENDLICH.


    Es mag nicht unbedingt Jasmina Kuhnkes Absicht gewesen sein, aber in diesem Buch habe ich mich an so vielen Stellen wiedergefunden. Das liebe brave Kind. Die verlorene Teenagerin. Die Missbrauchsbeziehungen. Dieses „Ich ändere das jetzt“. Dieses Gefühl am Ende, dass es einem keiner mehr nehmen kann, dass man sein Leben neu zusammengesetzt hat. Vielleicht war es auch ihre Absicht. Wer weiß. Ich denke, Überlebende finden sich in diesem Werk wieder, wenn auch die Gründe, warum man diesen Weg gehen musste andere gewesen sind.


    In Jasminas Fall war es tatsächlich der Alltagsrassismus, egal ob offen oder verdeckt, der dazu führte. Und der Missbrauch durch ihren Stiefvater, WEIL sie Schwarz ist. Und das darf man nicht vergessen, wenn man so Dinge sagen will wie „Das passiert doch Millionen Frauen auf dieser Welt“.

    Mal abgesehen davon, dass DAS allein schon mächtig Scheiße ist (tut was dagegen!), lasst doch diesen verfickten Whataboutismus bleiben. Jedes dieser Schicksale ist als Geschichte legitim. Die Gründe zu beleuchten, warum das überhaupt passiert, ist legitim. Fuck, es ist nicht nur legitim, es ist fucking WICHTIG, denn nur so können wir was ändern. Erzieht Eure Kinder nicht zu Scheißfiguren. Erzieht Eure Kinder nicht zu Rassisten. Und hört endlich auf, Euch darüber aufzuregen „was man ja nicht mehr alles sagen darf“ sondern tretet mal nen Schritt zurück, haltet Eure Fresse und hört zu.


    Es gibt eine Szene im Buch, als die Protagonistin ihren späteren Exmann kennenlernt. Er lernt sie in ihren Alltagsklamotten kennen. Überschüttet sie mit Komplimenten und trägt sie quasi verbal auf Händen. Trotzdem lässt er immer wieder durchklingen, worauf er eigentlich steht bei einer Frau. Und unsere Protagonistin verbiegt sich für ihn. Zwängt sich in Klamotten, in denen die sich unwohl fühlt. Trägt Schuhe, die sie nicht tragen will. Nur für ihn.


    Können wir mal bitte aufhören, unseren Töchtern zu vermitteln, dass SOWAS richtig ist? Er hat sie in Alltagsklamotten kennengelernt, also nimmt er sie so wie sie ist oder basta. Scheiße hat mich diese Szene aufgeregt. Sie ist aber so logisch. So verständlich. So ’normal‘. Es macht mir Angst. Und immer dachte ich mir nur „Mädel, mach das nicht. Der isses nicht wert. Hör auf Dein Bauchgefühl“ und ich wusste, selbst wenn ich dabei gewesen wäre, es wäre egal gewesen, denn an diesem Punkt war unsere Protagonistin noch nicht soweit. Wenn ich ehrlich bin, kann ich da eh nicht groß daherreden, ich musste erst 35 werden, um das zu kapieren!


    Es ist eine rasante Fahrt durch dieses Leben unserer Protagonistin. Und hier sind einige Zitate vom kurz vor Ende des Buches, wo ich dachte, sie erzählt aus meinem Leben.


    Zitat

    Wenn ich mich von außen betrachte, denke ich, dass ich selbstbewusst und stark wirke. Ich weiß ich zu wehren. Bei Freund*innen erkenne ich sofort, wenn die Beziehung nicht gut läuft. Warum habe ich es bei mir nicht gesehen? Oder habe ich es doch gesehen? Wie konnte ich so sehr glauben, dass ich nichts anderes verdiene? Ich fühle mich schwach. Ich fühle mich jämmerlich. Ich verachte mich.
    S. 167


    Oder auch:


    Zitat

    Ich weiß nicht, welche Reaktionen ich erwartet habe, aber neben viel Mitgefühl und Verständnis bekomme ich auch zu hören, dass ich ihn sicherlich auch hin und wieder dazu provoziert hätte. Wenn ich erstaunt und verletzt zurückfrage: „Wie kommst Du darauf?“, sagt man mir: „Du wirkst nicht wie ein Opfer. Du bist doch stark und schlagfertig.“ Damit kann ich nichts anfangen. Wie sieht ein passables Opfer von häuslicher Gewalt aus? Gibt es ein Regelwerk dafür, an das Frau sich zu halten hat
    S. 169

    Das beschissenste überhaupt, nicht wahr? Und noch ein Grund, warum das Patriarchat auch für Männer toxisch ist. Denn männliche Opfer häuslicher Gewalt ‚gibts ja nicht‘.


    Zitat

    Ohne den Druck, sich Gedanken darüber zu machen, was die Gesellschaft von mir hält, war ich frei.
    S. 169

    Das Geilste Gefühl im Leben überhaupt! Und das kann einem keiner mehr nehmen. Und man gibt es auch nicht mehr auf. Für nichts und niemanden! Hab ich grad letztes Wochenende mit einer Freundin darüber geredet.


    Zitat

    Ich weiß, es liegt nicht in meiner Hand, ob man mich respektiert. Ich muss anfangen, mich selbst zu respektieren. Selbstwertgefühl nicht von außen bestimmen lassen.
    S. 169/170

    Wie viel weniger schlimme Schicksale gäbe es im Leben, wenn wir diese Einstellung jedem Kind mit auf den Weg geben und es ihnen auch vorleben? Wieviel schöner könnte das Leben von Anfang an sein, wenn jede:r Mensch mit diesem Gefühl aufwächst und es verinnerlicht?

    Dafür, dass das Buch nur etwas über 200 Seiten hat, ist diese Rezension sehr lang geworden. Ich habe schon wesentlich weniger Zeilen über wesentlich umfangreichere Werke geschrieben. Ich habe mich noch nie so verstanden gefühlt wie beim Lesen dieses Buches. Und das sagt eigentlich alles.


    Fazit:

    Wenn auf die Aussage „Weiße sind Rassisten“ Deine erste Reaktion ist: „Aber ich bin kein Rassist“, dann bist Du wahrscheinlich einer. Egal, wo Du im Leben stehst, wer Du bist, wo Du herkommst. Egal, welches Geschlecht Du hast oder welche Sexuelle Orientierung. Lies dieses Buch. Es hilft Dir sehr wahrscheinlich sehr dabei, ein paar Dinge zu verstehen. Zu verstehen, warum Frauen gewaltsame Beziehungen nicht einfach beenden. Zu verstehen, was dazu führt. Zu verstehen, dass dieser Alltagsrassismus betroffene Menschen tief prägt. Lest das Buch.


    5ratten

    Ah ok, ich dachte inhaltlich. :)

    in gewisser Weise auch. Allein die Tatsache, dass beide Autorinnen zwar schwarz sind und unter weißen aufgewachsen, während die eine viele schwarze rollenvorbilder hatte während die andere gar keine hatte in den prägenden Jahren, das wirkt sich natürlich extrem aus. Aber auch die Sprache ist komplett unterschiedlich. Beide sind sehr selbstreflektiert, aber bei Kuhnke ist die Sprache direkt, hart, Vorschlaghammermäßig und transportiert den Wut und die Hoffnungslosigkeit der Protagonistin sehr deutlich während Thompson von allein schon wg. der Thematik eine ganz un-wütende Sprache verwendet. Bisher finde ich das Buch auch sehr toll.


    Meine Rezension zu "schwarzes Herz" folgt gleich.

    Ich hatte etwas Angst vor dem Buch nachdem ich die Triggerwarnungen gelesen habe. Doch dann habe ich es in 3 Stunden aufgesaugt. Es hat mich so sehr berührt, an vielen Stellen habe ich mich selbst wiedergefunden, weil ihr Schicksal als Frau mich an meine eigene Vergangenheit erinnert hat. Vieles konnte ich einfach nur so gut nachvollziehen. Schockierend fand ich es hingegen gar nicht. Selbst den Rassismus nicht. Das einzige was mich wirklich wirklich sprachlos gemacht hat, waren die Aussagen über sie als Kind, von Lehrern, von Eltern, von Erwachsenen, die es eigentlich besser wissen müssten.


    Sie war immerhin ein Kind.


    Eine ausführliche Rezension werde ich dazu auch noch schreiben. Lese gerade Schwarz auf Weiß von Nikeata Thompson und die Gegensätze könnten krasser nicht sein.

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Klappentext:

    „Ich hab den Geist einer 17jährigen, die Wut einer 12jährigen und den Körper einer 13jährigen. Mein Mut ist 21, Minimum. Mein Musikgeschmack ist über 40. Alles in mir hat ein Alter. Und keins ist gleich. Nur weil meine Zellen 16 Jahre alt werden, soll ich plötzlich Angst haben müssen, dass ein Stripper aus meiner Torte springt. Weil ich offiziell ‚geschlechtsreif‘ bin? Und Sex haben darf, ohne dass der Kasper gleich den Schutzmann ruft? Gnade!“


    Sami wird bald 16, kommt allerdings mit den damit verbundenen Veränderungen nicht klar. Sie ist Musikerin und Sportlerin, aus allen anderen Welten hält sie sich neugierig, aber bestimmt heraus. Freundschaft? Wozu! Sex? Yakkk! Beziehung? Für die anderen gern, zum Beispiel für ihren Vater Pietsch oder ihre große Schwester Hannah. Für Sami selbst kein Thema. Bis sie sich – ausgerechnet in einem heftig unerwünschten FKK-Urlaub – zum allerersten Mal von der Liebe auf Links ziehen lässt.


    Meinung:

    Ich hatte in ‚Pimmelburg‘ eine Jugendgeschichte mit vielen Pimmelwitzen erwartet, aber am Ende wurde es dann doch so-so-soviel mehr. Deswegen hat das auch ein bisschen gedauert mit dieser Rezension. Da gabs soviele Gefühle und Gedanken, die erstmal geordnet werden mussten. Hauptsächlich aber die Gefühle.


    „Pimmelburg“ ist herrlicher Name für ein Buch. Und so passend für dieses. Gekrönt wird es von 8 äußerst realistischen Pimmelzeichnungen von Mela Holcomb, die man durchaus als Körperstudien betrachten kann. Ich bin überzeugt, jede heterosexuelle Frau und jeder homosexuelle Mann hat die dort gezeigten Pimmel schonmal gesehen. Und daran ist nichts verkehrt. Pimmel sind einfach unterschiedlich und in diesen Zeichnungen sogar irgendwie schön. Dass ich das mal über Pimmel schreibe. Mein Fokus bei männlichen Körpern liegt eher auf dem Rücken bzw. den Schultern und auf den Waden.


    Aber kommen wir weg von den Pimmeln und hin zu Samira, kurz Sami, die kurz vor ihrem 16. Geburtstag in einen Pflichturlaub mit Vater Pietsch und Schwester Hannah verschleppt wird. Sami hatte kein einfaches Leben bis dahin. Die Mutter der Familie hatte nach dem Tod von Hannas und Samiras Bruder an Depressionen gelitten und sich vier Jahre vor der Geschichte das Leben genommen. Also, nicht nur für Sami eine schlimme Sache sondern auch für Pietsch und Hannah.


    Das Thema Selbstmord bzw. der Umgang mit dem Selbstmord eines geliebten Menschen, spielt eine sehr zentrale Rolle in diesem Buch, denn dieser Selbstmord hat alle Figuren stark geprägt. Man sollte dafür also definitiv bereit sein, wenn man das Buch zur Hand nimmt.


    Und jede der drei Figuren hat eine eigene Bewältigungsstrategie, um damit fertig zu werden. Sami z.B. vergräbt sich in Wut und Antagonismus. Sie lernt Schlagzeugspielen und Thaiboxen. Nur niemanden zu nah ranlassen. Immer wieder sieht sie „ihren“ Tod, einem Skelett in Hiphop-Outfit, das versucht, ihr immer wieder neue Wege zu zeigen, wie sich selbst das Leben nehmen kann. Samis Trotz jedoch ist hier eine große Hilfe für sie selbst, weswegen der Tod (von Sami Knochenkasper genannt) keinen Erfolg hat. Von Fremdbestimmung hält sie nicht viel und sobald etwas zum Zwang wird, geht es ihr sowieso gegen den Strich.


    Der außerplanmäßige Familienurlaub führt an die Ostsee nach Pimmelburg Himmelburg in eine Nudistenkolonie. Hannah und Sami sind nicht ansatzweise begeistert, aber die ältere Hannah hat kein Problem damit, nackt rumzulaufen, denn immerhin gibts auch nette Jungen dort. Hannah ist so eine Figur für sich. Kalt, unnahbar, auf den ersten Blick oberflächlich. In meinen Augen ihre eigene Bewältigungsstrategie mit dem selbstgewählten Tod der Mutter umzugehen. Dass sie weder kalt noch nun unnahbar ist, zeigen nur kleine Gesten und kleine Momente. Gegen die Oberflächlichkeit wird sich hoffentlich irgendwann ihr Verstand durchsetzen, aber das erlebt man im Buch leider nicht (was ich ein kleines bisschen schade fand).


    Vater Pietsch übrigens hat eine neue Freundin. Nico, kurz für Nicolette. Ihr gehört das Haus in Pimmelburg Himmelburg, wo sie alle zusammen den Urlaub verbringen. Während „die Neue“ anfangs noch sehr farblos bleibt, war es eine Freude, zu verfolgen, wie Sami sich endlich aufraffte, Nico näher kennenzulernen. Und Nico ist irgendwie cool.


    Da sitzen sie nun also in Pimmelburg Himmelburg, alle laufen nackt rum, außer Sami, denn wenn sie muss, dann will sie schon gleich dreimal nicht. Das führt zu einigem Ärger mit HaWa (Hans-Walter), einem aus dem Vorstand des Vereins, der strikt die Rolle des Platzwartes einnimmt und überhaupt einen Stock im Hintern stecken hat. Frau Renate und Sohn Sascha stehen ihm da leider in nichts nach, doch auch HaWa hat mehr als nur diese Seite und durch Nicos Erzählungen lässt es auch vermuten, dass HaWas Persönlichkeit nur ein Schild ist, hinter dem sich etwas tieferes versteckt.


    Eine weitere Nebenfigur ist der Angler, ein scheinbar tiefenentspannter Typ, der Sami bei Lebensfragen zur Seite steht ohne dabei zu klugscheißerisch zu sein. Im Gegenteil, er hilft Sami, ihre eigenen Schlüsse zu ziehen und erhebt nie den moralischen Zeigefinger. Seine Vergangenheit ist ziemlich tragisch, wie man so nebenbei von Nico erfährt, aber eigentlich mag man nur gechillt neben ihm sitzen und das gemeinsame Schweigen genießen.


    Dann wären da noch Khazam. Die lokale Jugendband. Angeführt von Sänger Joscha, einer echten Scheißfigur des männlichen Geschlechts, Manu, der schwule Keyboarder, Drummer Sascha (HaWas Sohn) und Bassist Simon.


    Letzterer ist jener, der Sami dann auch den Kopf verdreht, was sie so erstmal gar nicht rafft und eigentlich auch nicht will. Manu blieb mir ein bisschen zu außen vor, von ihm hätte ich gern noch mehr gelesen. Sascha konnte ich nicht so richtig einordnen, aber er hatte für mich echt psychopathische Züge. Dass er ein Spanner war und somit mal direkt all meine Alarmglocken läuten ließ, hat da nicht wirklich geholfen. Saschas kleiner Bruder Kasper war da wesentlich sympathischer.


    Alles in allem also ein bunt gemixter Haufen Figuren, der es eine wahre Freude sein lässt, Sami durch die Geschichte zu folgen. Die Sprüche haben mich an manchen Stellen herzhaft lachen lassen.


    Im Leben passieren viele Dinge. Schöne Dinge, aber auch nicht so schöne Dinge. Trauer, Wut, Hoffnungslosigkeit, dieses Gefühl, total verloren zu sein in dieser Welt, weil einem das Universum mal eben den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Man läuft lange vor seinen Gefühlen weg und stellt sich ihnen irgendwann. Manchmal liegt man ohne Kraft im Bett und empfindet das Aufstehenmüssen als unüberwindbare Hürde. Ein andermal stürzt man sich auf Dinge, vergräbt sich in ihnen und hofft so, Abstand zu gewinnen, bis man das Gefühl hat, bereit zu sein und sich etwas zu stellen. Sich selbst. Seinen Gefühlen. Daraus folgen dann oftmals viele neue Dinge. Manchmal muss man sich erstmal erholen von sich selbst und seinen Gefühlen. Manchmal überfällt einen die Scham, dass man mal ’so‘ war und ’so‘ eigentlich nie sein wollte. Dann freut man sich, dass man nicht mehr ’so‘ ist. Meistens jedoch steht man nach allem da, hat so ziemlich keinen Plan, aber fühlt sich gut und bereit, diesen keinen-Plan umzusetzen. Man lässt Dinge auf sich zukommen und weil man sich selbst durch all das besser kennengelernt hat, traut man sich dann doch ein bisschen mehr zu im Leben. Und irgendwann findet man seinen Platz und dann fühlt es sich einfach richtig schön an. Egal, was noch kommen mag. Man ist für alles gewappnet, man hat alles irgendwie schonmal erlebt und weiß, dass es auch danach weitergehen wird.


    Das alles gibt es in diesem Buch. Es ist nicht nur das Erwachsenwerden, sondern einfach nur das Leben, das in seiner Form für jeden doch ähnliche Dinge bereithält, denen man sich leider nicht entziehen kann. Über kurz oder lang erwischt es jeden mindestens ein Mal: Todesfall, Liebeskummer, Verrat, Betrug, Krankheit….wir alle sind nicht davor gefeit.


    Gleichzeitig ist dieses Buch aber auch eine Hommage an das Selbstsein. Eine Erklärung an die Welt, dass es okay ist, dass man so ist wie man ist. Zumindest für den Moment, denn niemand bleibt dieses Selbst für immer. Wir alle entwickeln uns weiter und während gewisse Grundzüge unveränderbar sind, so sind die restlichen Dinge einfach dem Lernen aus Erfahrungswerten unterworfen. Sami ist noch nicht bereit für Liebe und alles, was damit so verbunden ist. Und es ist okay so. Für Simon ist es okay. Es wird kein Druck gemacht. Kein „das musst du jetzt“ vermittelt. Eine Message, die meines Erachtens ein Unterrichtsfach in der Schule sein sollte. Und trotzdem ist es auch okay, dass man Dinge und sich selbst immer wieder hinterfragt, beleuchtet, in sich reinhört. Es ist okay, dass man seine Meinungen ändert. Dass man sich selbst ändert. Das gehört im Leben einfach dazu. Und es hört nie auf. Egal ob 15, 45 oder 80. Niemand bleibt wirklich konstant auf eine Weise so, wie er oder sie schon immer war.

    Und das ist okay.


    Bewertung:

    5ratten

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Klappentext:

    Ein Verkehrsunfall katapultiert Marnie ins Koma. Seitdem versucht ihr Freund Marten, sie wiederzuerwecken, mit allen Mitteln. Doch mit jedem Misserfolg schwindet auch seine Hoffnung, jemals an Marnies Seite weiterzuleben. Bis aus unerwarteter Richtung Hilfe kommt – denn Marnies Leidenschaft für ihre liebsten Alltagsgegenstände haben diese zum Leben erweckt. So führt Handtasche Diva einen Trupp beseelter Dinge in einen abenteuerlichen Kampf gegen das Schicksal. Der Erfolg ist jedoch an eine entscheidende Frage geknüpft: Wie können sie den ahnungslosen Marten ins Team holen?

    Ein magisch-humorvoller ‚Rettungstrip ins Reich des Komas.


    Meinung:

    Kennt Ihr das? Ihr fragt jemanden, wie es im Urlaub war und sie bekommen diesen verträumten, sehnsüchtigen Gesichtsausdruck und seufzen „Hach, es war schön“.


    So ungefähr geht es mir mit diesem Buch. Es ist einfach nur schön. Müller hat mit Marten eine sehr reale, nachvollziehbare Figur geschaffen, bei der man sofort an den jungen Mann nebenan denkt, der zwar ein bisschen still ist, aber auch nett.


    Dabei beginnt „Allerseele“ mit einem knallharten und traumatischen Erlebnis in seiner Vergangenheit, das einem fast das Herz bricht. Dass sich daran dann eine wunderschöne Geschichte anschließt, mag man kaum glauben.


    Die Erzählstimmen wechseln sich in den Kapiteln ab. So lesen wir von Marten und erleben seine Hilflosigkeit und Unruhe, von Kuballa, dem LKW-Fahrer, der nach dem Unfall am liebsten sterben möchte, von Schoko, Marnies Lieblingslippenstift, der einen herrlichen französischen Akzent hat. Oder von Marnies Lieblingsbademantel, ihrem Tauchcomputer oder ihrer Handtasche Diva. Alles alltägliche Dinge, die durch Marnies Liebe eine Seele erhalten haben. Natürlich wird jeder Gegenstand von ihr am meisten geliebt und darüber gibt es einige sehr herzerfrischende Zankereien.


    In einer ruhigen, poetischen Erzählweise folgen wir allen Figuren, die Marnies Geschichte und Leben erzählen, und wollen Marnie so gern persönlich kennenlernen. Ob der Feldzug von Diva, Schoko und Co. erfolgreich ist, ist dabei wichtig und doch wieder eine Nebensache, weil alles drumherum einfach so sehr ans Herz geht.


    Und ja, ich gestehe, ich habe das eine oder andere Mal verträumt vor mich hingeseufzt.


    Es gibt sie, diese Bücher, die Dich ganz tief drinnen berühren und Erinnerungen hochwallen lassen. „Allerseele“ ist für mich so ein Buch, und das, obwohl es eigentlich so gar nicht das Genre ist, das ich sonst lese. Ich bin froh, dass ich es versucht habe. Es ist einfach nur schön. *verklärter träumerischer Gesichtsausdruck*



    Bewertung:

    5ratten

    Hier ein Buch, das mich heuer aus meiner Leseflaute gezogen hat und völlig überraschend für mich kam.


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Klappentext:

    „Ich bin Krause,“ antwortete ich und registrierte, wie mein Herzschlag sich spontan verselbständigte. Nazis und Rassisten, ob tot oder lebendig, erkenne ich sofort. Dafür hat unsereiner einen feinen Radar. Dieses Exemplar hier war nur ein ekliger Rassist, also nicht lebensgefährlich, wie zum Beispiel die Nazis, die in Bielefeld ihr Unwesen trieben. Psychisch aber war er ebenso verletzend und unangenehm. Ich ballte die Fäuste und zählte bis zehn. Ich war nicht in dieses Dorf gekommen, um Nobbys Kundschaft noch weiter zu dezimieren.“

    Krause – Schwarz, Elektrikerin und Geisterjägerin a.D. – kommt in die rheinische Pampa. Ende der Achtzigerjahre, auf dem Dorf begegnen ihr dort viele Weiße mit Vorurteilen. Entsprechend schnell will sie eigentlich wieder raus aus ‚Milchschnittenhausen‘. Doch sie muss im Betrieb ihres Vaters Nobby aushelfen, denn der ist seit einem Arbeitsunfall nicht mehr derselbe., Krause ahnt, dass der Grund dafür kein einfacher Stromschlag war. Bei der Suche nach der wahren Unfallursache macht Krause nicht bloß unerfreuliche Bekanntschaft mit toten und lebendigen Nazis. Sie stößt auf eine okkulte Verschwörung, die ganz Deutschland bedroht…

    Eine unkonventionelle Geisterjägerstory, verbunden mit einem humorvoll analytischen Blick unter den verbeulten Familienteppich der alten BRD.



    Meinung:

    Krause ist einfach cool. So cool, dass ich auch eine Krause in meinem Leben haben will. Nein, in meinem Leben brauche. Und dann bitte gleich mit allen anderen coolen Nebenfiguren, die einfach nur schrullig und liebenswürdig sind und wesentlich mehr Tiefe haben, als es der erste Blick vermuten lässt. Sei es nun Madonnaverschnitt Frauke, Schrottplatzchefin und Künstlerin KaySer oder Büdchenpächter Costa. „Elektro Krause“ ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Eigentlich eine ziemlich blöde Aussage, denn weder bin ich Schwarz noch habe ich in meinem Leben je Rassismuserfahrungen gehabt. Ich bin ne Milchschnitte. Aber trotzdem hat das Buch eine heimelige Atmosphäre. Ich habe mich einfach wahnsinnig wohl gefühlt in der Geschichte. Und dabei ist Krause alles andere als eine heimelige Person. Sie ist knallhart, ziemlich direkt und stellt sich schon aus Trotz jeder Ungerechtigkeit in den Weg.


    Patricia Eckermann trifft genau den Ton, den heute Fernsehserien wie Stranger Things treffen. Sie erwecken eine gewisse Nostalgie an die 80er und ein bisschen an die 90er. Nur mit dem Unterschied, dass in „Elektro Krause“ Dinge angesprochen werden, die Otto-normal-weiß-cis-Deutsche nicht wirklich auf dem Schirm haben. Und Krause spricht diese Dinge auch knallhart aus. Die zeigt nicht nur mir als Leserin, wie Alltagsrassismus wirklich aussieht, sondern auch, wie häufig er passiert. Sie beschönigt dabei nichts.


    Krauses Sprache ist dementsprechend hart und direkt, was mir die Figur jedoch nicht weniger sympathisch macht. Es ist ein unterhaltsamer Ritt mit viel Realitäts- und Privilegs-Check.


    Krause ist eben nicht nur Elektrikerin sondern auch Geisterjägerin. Ihr Vater Nobby ist weiß, ihre Mutter Alice Schwarz. Und bei Nobby hatte ich direkt Norbert Blüm vor Augen und sorry, ich kann mir nicht helfen, Krauses Vater Nobby wird vor meinem inneren Auge immer so aussehen. Es wird schnell klar, dass der Arbeitsunfall kein reiner Arbeitsunfall war, sondern was mit der Geisterjägertätigkeit von Nobby zu tun hat. Eigentlich hat Krause ja keinen Bock mehr auf Geister, aber herausfinden, was lost ist, will sie trotzdem.


    Ab hier sollte ich dann auch nichts weiter verraten, denn es ist unterhaltsam und entlockt an manchen Stellen den einen oder anderen Lacher.

    Das Ende jedoch, das muss ich gestehen, kam dann viel zu schnell und hier hätte ich mir persönlich noch so zwanzig oder dreißig Seiten mehr Story gewünscht. Das ist aber vielleicht auch mein einziger Kritikpunkt.


    Vom Gefühl her hätten Krause und ihre Crew das Potential für eine ganze Reihe und ich bin sehr gespannt, ob wir hier eine Fortsetzung erleben werden. Freuen würde es mich sehr.


    Als kleiner Hinweis meinerseits: Die Figuren des Buches sind sehr divers. Homosexualität und auch ein Mensch mit Behinderung spielen eine Rolle, ohne auf diese Merkmale reduziert zu werden. Davon können sich in meinen Augen viele Autor:Innen eine große Scheibe abschneiden.


    Bewertung:

    5ratten