Beiträge von TheNightingale

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    es ist für mich recht einfach: hätte er aus Sicht eines Nazis das Verbrennen eines Juden im KZ in dieser Art beschrieben, dann gäbe es keine Diskussion über künstlerische Freiheit. Das Problem ist auch nicht, dass Schriftsteller über Mord schreiben. Es geht darum, dass wir in einer Gesellschaft leben, in denen sexuelle Übergriffe als solches oftmals nicht angesehen werden, Opfern eine Mitschuld zugeschrieben wird und viele Opfer es lieber für sich behalten, als es offen anzuzeigen, weil das Stigma, Opfer eines sexuellen Angriffs geworden zu sein, genauso schlimm ist wie die Tat selbst.


    Das ist für mich nämlich ein himmelweiter Unterschied zu Mord oder Judenverbrennung. Es geht hier darum, dass in unserer Gesellschaft Vergewaltigung noch immer ein Tabu ist und immer von einer Opferschuld gesprochen wird, was einfach definitiv nicht sein kann. In diesem Kontext darf es keine künstlerische Freiheit geben, sondern es sollte klar sein, dass Gedichte wie dieses das Denken fördert, es sei völlig ok, wenn eine Frau mit Ko-Tropfen außer Gefecht gesetzt wird und man mit ihr machen kann was man will. Frau muss verfügbar sein. Immer. Das ist ein großes gesellschaftliches Problem und deswegen ist dieses Gedicht einfach nur krank, falsch und hat nichts mit Kunst zu tun.

    beim letzten Rammsteinkonzert 2010 waren wir damals nur wg. der Vorband da. Mit denen haben wir sonst immer brav nach der Show im Backstagebereich was getrunken und geratscht. Bei dem Konzert saßen wir mit denen dann aber draußen auf der Straße bei nem Bierchen, weil die Anweisung vom Lindemann war, dass nur bestimmte Frauentypen hinter die Bühne durften und die auch nur maximal 24 sein durften.


    Spätestens seitdem waren dann Rammstein für mich von menschlicher Seite auch gegessen. Ich war noch nie ein Fan von Menschen mit Allüren und erst recht nicht, wenn es so ne sexistische Schei... ist.

    „Tagebuch eines Killerbots“ von Martha Wells umfasst in dieser deutschen Erstausgabe ihre vier Novellen der „Murderbot Diaries“:

    • All Systems Red
    • Artificial Condition
    • Rogue Protocol
    • Exit Strategy

    In meinen Augen hat Martha Wells mit diesen Novellen zu Recht alle Preise abgeräumt, die im Bereich der Science Fiction Literatur vergeben werden. Die „Murderbot Diaries“ sind erfrischend anders, geprägt von einem trockenen Humor und viel social awkwardness.


    Leider kommt im deutschen der trockene und sarkastische Stil nicht so sehr zu tragen wie im englischen Original, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut.


    Die Handlung dreht sich um SecUnit, ein Android-Konstrukt mit organischen Anteilen, das dafür geschaffen ist, als Sicherheitsdienst zu arbeiten und Menschen zu beschützen. Damit sie unter Kontrolle bleibt, wird jede SecUnit von einem Chef-Modul gesteuert, nur dass SecUnit, unsere Protagonistin, ihr Chef-Modul gehackt hat und nur so tut als ob. Ihre grundlegende Programmierung, Menschen zu beschützen, hat sich nicht geändert, nur ihre Vorlieben sind halt ganz andere. Am liebsten nämlich will SecUnit in Ruhe gelassen werden, damit sie ihre Lieblingsserien anschauen kann. Entsprechend schräg sind die ersten sozialen Interaktionen mit dem Menschenteam, das sie auf diesem Einsatz beschützen soll, und das schnell dahinterkommt, dass SecUnit nicht unter Kontrolle eines Chef-Moduls steht.


    Den Gedanken und Gefühlen von SecUnit zu verfolgen ist eine wahre Freude. Am Anfang dreht sie sich einfach zur Wand, wenn das Thema auf Gefühle kommt, frei nach dem Motto ‚wenn man mein Gesicht nicht sieht, wird man mich in Ruhe lassen‘.


    Es begeistert mich, dass in den „Murderbot Diaries“ das Klischee durchbrochen wird, dass alle Androiden, die sich ihrer selbst bewusst werden, unbedingt menschlich sein wollen. SecUnit will wirklich nur seine Ruhe. Als sie dann nach dem letzten Einsatz von ihrem aktuellen Team von der Firma abgekauft wird, kann sie damit gar nicht umgehen und haut einfach ab. Dabei landet sie in allen möglichen Abenteuern, lernt ein botgesteuertes Forschungsschiff kennen, das seine Menschen liebt und SecUnit immer wieder mit Gesprächen über Gefühle nervt. Wenn FiFo (kurz für fieses Forschungsschiff) und SecUnit gemeinsam Serien schauen, ist das echt herzerwärmend und FiFo schafft es auch, die Fragen richtig zu stellen, damit SecUnit sich emotional doch weiterentwickelt. Es hat mich einfach wahnsinnig amüsiert zu beobachten, wie SecUnit sich immer wieder zähneknirschend eingestehen muss, dass Fifo recht hat.


    In den ganzen Abenteuern lernt SecUnit immer mehr, was sie eigentlich will, also, außer Serien anzukucken und in Ruhe gelassen zu werden. Sie will keine Killermaschine sein. Sie vermutet immer finstere Absichten und Motive hinter allem, was Menschen ihr gutes tun. Und sie will kein Sexbot sein und schon gar nicht ein Spielroboter. So einen hat sie nämlich auch kennengelernt und das war neben Fifo eine weitere sehr voranbringende Erfahrung für SecUnit.


    Ich will wirklich nicht zuviel verraten. Wer des englischen gut mächtig ist, sollte wirklich die englischsprachigen Novellen lesen – und das Buch hier vielleicht trotzdem kaufen, damit Martha Wells auch in der Zukunft auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist. Aber auch die deutsche Übersetzung ist sehr unterhaltsam.


    Fazit:

    „Tagebuch eines Killerbots“ ist in meinen Augen einfach herzerfrischend anders, voll von Humor und vielen Emotionen. Klare Leseempfehlung meinerseits.



    5ratten

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    Um es mal vorwegzunehmen: ich fand dieses Buch fantastisch. Es hatte alles, was ich mir von einem guten Buch wünsche. Spannung, Unterhaltung, eine interessante Geschichte und gute Figuren.


    Ich gestehe, dass ich das nicht erwartet hatte. Als ich das Buch entdeckte, hatte ich gedacht, dass es vielleicht ein drei-bis-vier-Sterne-Buch werden wird. Aber da hatte ich mich getäuscht.


    Von der ersten Seite war ich von der Geschichte gefesselt. Die beiden parallelen Handlungsstränge um Detective Barry Sutton und die Wisesnschaftlerin Dr. Helena Smith wechselten sich auf gut dosierte Weise ab.


    Am Anfang tappt man schon ein bisschen im Dunkeln, worauf alles hinausführen wird, aber als sich dieses Geheimnis auflöst, geht die Achterbahnfahrt erst so richtig los. Schnell wird es schwierig, den Überblick über alle Erinnerungslinien zu behalten und man fiebert mit Barry und Helena einfach nur noch mit, ob sie die Welt retten können.


    Die dahinterstehende Idee, dass Zeit eine reine Frage der Wahrnehmung ist, fand ich extrem spannend umgesetzt. Ich merkte, dass es mir wie den Figuren im Roman schwer fiel, nicht linear zu denken. Was passiert also, wenn wir nicht die Zeit ändern sondern unsere Wahrnehmung dieser? Was passiert dann mit uns und der Zeit.


    Das Konzept selbst ist ja an sich nichts neues, aber die Umsetzung des ganzen hat mich wirklich gefesselt.


    Fazit:

    „Gestohlene Erinnerung“ von Blake Crouch ist eine spannende und extrem unterhaltsame Geschichte zu einem faszinierenden Thema, das einem zur rechten Zeit schnell mal die Gehirnwindungen verknotet. Definitiv eine klare Leseempfehlung meinerseits.


    5ratten

    Ich hab das Buch auch endlich mal 'versucht zu lesen'. Gelesen kann ich nicht sagen. Ich hab nach Seite 300 abgebrochen. Zu langatmig, zu wiederholungslastig in meinen Augen, jegliche Spannung wird mit sinnfreien Rückblicken sofort zu nichte gemacht und nachdem dann die dritte nackte Frau auftauchte in einem solchen Rückblick, gab ich das Buch dem Lieblingsmenschen in die Hand und bat ihn, diese Beschreibung der nackten Frau laut vorzulesen, sagte ihm aber vorher, dass jetzt bestimmt dann wieder ausführlich erst die Form der Brüste, dann die Farbe der Nippel und der Brustwarzenhöfe beschrieben wird und danach sicherlich Form und Farbe des Schamhaars. Es kam dann leider so und ich dachte mir, nope, mit Simmons bin ich dann mal durch, was Horror angeht. Da werden er und ich keine Freunde mehr.


    Mir wars nach 300 Seiten sogar egal, was da im Eis umgeht.

    Ich lese hier gerade den ersten Band. Bisher gibt es ja noch keine komplette Übersetzung aller Bände, aber der Kampa-Verlag hat sich auf die Segel geschrieben, dass sie alle übersetzen werden. Aktuell haben wir 6 Bände von denen im Regal stehen, die ersten 4 und die beiden aktuellsten (13 und 14?) Wir hoffen, dass es Kampa auch wirklich schafft, alle Bände ins Deutsche zu bringen.

    das würde ich persönlich eher vom Buch selbst abhängig machen in dem Fall. Todenhöfer per se in eine Ecke zu stellen halte ich für schwierig.


    Wir selbst allerdings sortieren z.B. rechte Autoren und Verlage gnadenlos aus, wobei das im Rahmen dessen geschieht, dass wir alles gnadenlos aussortiert wird, das menschenfeindlich ist. Dabei ist die Position jenseits der Mitte nicht ausschlaggebend. In dem Moment, wo Hass propagiert wird, fliegt das Zeug raus. Leider ist rechte Literatur mit Menschenhass wesentlich mehr vertreten als linke.

    das kommt drauf an, wo es steht. Solche Massensammler, die verkaufen wollen, schreckt es anfangs manchmal ab. Einen Versuch ist es immer wert.


    Aber auch für mich ist es wichtig, dass wenn ich ein Rezi-Exemplar einstelle und das dann von irgendwem weiterverkauft wird, der Verlag nicht unbedingt sauer wird, wenn das bei denen dann auf dem Radar aufploppt.

    einer der Schränke hier in München wurde innerhalb kurzer Zeit dreimal komplett leergeräumt, so richtig mit Lieferwagen vorfahren, Bücher in Kisten schaufeln und abhauen. Rechtlich haben wir hier keinerlei Handhabe, aber ich denke mir, wer sich die Mühe machen will, gebrauchte Bücher zu verkaufen, soll das halt tun.


    bei neueren Büchern empfehle ich immer, vorn reinzuschreiben, dass das Buch aus dem Bücherschrank und unverkäuflich ist. Mache ich bei meinen Büchern, die ich einstelle auch so, wenn sie neuer sind. Manche machen das, gerade bei Leuten, die ihre Rezensionsexemplare dort einstellen, damit der Verlag hier nicht fälschlicherweise denkt, sie hätten sie weiterverkauft. Es gibt durchaus Leute, die gezielt nach neuen Büchern in so Schränken suchen, aber sollen sie halt. Wenn sie es so nötig haben und sie der Zeitaufwand nicht stört.. oh well.

    ich bin auch ein stückweit von mir selbst ausgegangen: wie Ihr ja auch hier geschrieben habt, gibt es viele unbetreute Schränke, wo es absolut null Spaß macht, reinzuschauen. Und da war es mir wichtig, dass 'mein' Schrank ein Anlaufpunkt und Wohlfühlort wird, zu dem man gern kommt. Ich freu mich immer wieder, wenn bei schönem Wetter die Leute auf den umliegenden Bänken sitzen und ein Buch aus dem Schrank lesen.

    Auch Konsalik, Cussler und Dan Brown gehen überhaupt nicht.

    Meine zerfledderten Konsaliks gehen auch definitv in die Tonne. Die haben einfach ihren Todestag erreicht jetzt.

    man bekommt irgendwann ein Auge dafür. Wir haben auch ein Klebepunktesystem, das wir kontrollierte Bücher, die im Schrank bleiben, mit einem kleinen Klebepunkt versehen. Dann wissen wir, dass das Buch schonmal einer von uns in der Hand hatte und wenn der jenige nach 8 Wochen wieder dran ist und sieht, dass das Buch immer noch steht, dann nimmt er/sie es raus. Wir versuchen ansonsten wirklich wenig einzugreifen, in das was getauscht wird, sprich wir bestücken den Schrank nicht in größeren Aktionen selbst sondern höchsten jeder in seinem privaten Rahmen, was er oder sie selbst einstellen würde. Wir machen mind. 2mal im Jahr ein Treffen, wo die Getränke auch auf den Verein gehen als kleines Dankeschön und einmal im Sommer machen wir eine Reinigungsaktion, wo wir den Schrank komplett ausräumen und auswischen und putzen.


    Die Vitrine an der Seite ist mittlerweile auch eine beliebte Anlaufstelle geworden, wo sich die Nachbarn über Veranstaltungen und Dinge informieren, die im Stadtteil passieren. Hier hängen dann alle Vereine einen Flyer rein, wenn sie etwas veranstalten.

    Finde ich toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt TheNightingale . <3


    Interessant sind aber eure Kriterien. Bei uns im Bücherschrank gehen gerade Kochbücher sehr gut und ich habe schon einige tolle Bildbände dort gefunden und mitgenommen. Ist aber natürlich auch eine Platzfrage, ganz klar; vor allem wenn ihr euch auf Romane "spezialisiert" habt. Habt ihr die Kriterien dann auch am Schrank aushängen, damit die Leute das wissen, was nicht reingehört? (da sind ja so gelbe Zettel, aber ich kann nicht erkennen, was draufsteht)


    Einmal stand bei uns auch eine ganze DVD-Sammlung drin. Die gehört zwar eigentlich nicht rein (da keine Bücher), aber die Leute haben sich offensichtlich gefreut und gut bedient. Am nächste Tag waren nur noch zwei DVDs davon übrig.

    Ja, wir haben die Einstellregeln in der Vitrine hängen, wird aber gern ignoriert. Es war schwierig, worauf wir das alles beschränken, aber ich habe hier mit den anderen Bücherschrankbetreibern der Stadt gesprochen, die sowas schon länger betreuen und deswegen Erfahrungswerte haben.


    Letzten Endes habe ich dann entschieden, dass aus diesen Erfahrungen der anderen heraus die Liste erstellt wird und es hat sich auch bewahrheitet. Lassen wir bestimmte Sachen testweise drin, dann stehen die wochenlang. Auch Konsalik, Cussler und Dan Brown gehen überhaupt nicht. Wir haben manchmal mehrere Ausgaben des gleichen Buches drin stehen wochenlang.


    Wir mussten halt Regeln erstellen, um das einigermaßen im Griff zu haben.

    Ich leite ja das Projekt Offener Bücherschrank in unserem Stadtteil. Eingeweiht wurde er nach 11 Monaten Organisation, Planung, Genehmigungen einholen, Finanzierung sichern am 17.11.2018. Am Tag zuvor wurde er geliefert, genau an meinem 40. Geburtstag.


    Wir hatten eine Einweihungsfeier, zu der überraschend viele Leute kamen und ich hatte einen Freund gebeten, in seinem Breenkostüm dazuzukommen, und einige Leute bei der 501st gefragt, ob sie Lust hätten, kostümiert dabei zu sein. Kam super gut an, nicht nur Kinder ließen sich mit ihnen fotografieren.


    Ich hab mal ein paar Bilder hochgeladen, auch zwei von meinem Trolley, den ich fürs Aufräumen nutze. Es gibt Tage, da ist der Schrank gut sortiert, dann gibt es Tage, da laufen wir mit mindestens einer von diesen Trolleyladungen zum Papiercontainer. Es gab auch schon Tage, da mussten wir viermal vollgepackt gehen.


    literaturschock.de/literaturfo…llery/index.php?album/36/


    Für unser Team erstelle ich immer einen halbjährlichen Dienstplan, wo die Zweierteams drin stehen, wer in welcher Woche dran ist. Dadurch können Urlaube und Abwesenheiten berücksichtigt werden. Aktuell sind wir bei einer 8 Wochen-Rotation, sprich alle 8 Wochen ist ein Team einmal dran und die beiden sprechen unter sich ab, wer an welchem Tag zum Aufräumen geht, oft gehen sie aber auch zusammen jeden Tag.


    Der Schrank wird täglich kontrolliert. Erstens darauf, dass keine menschenverachtenden Bücher drin stehen, nichts pornografisches, keine religiösen Texte. Dann ist die Vorgabe, dass kein Regalfach dreireihig steht und Bücher nicht übereinander liegen.


    Ganz unten ist das Fach für ausschließlich Kinder- und Jugendliteratur. Das sortiere ich persönlich immer als erstes (da waren schon mal zwei Kama Sutra drin, ausführlichst bebildert). Danach sortiere ich grundsätzlich nach Zustand aus, danach nach Alter (leinengebunden geht meistens als erstes), danach nach Größe. Das ist immer dann wichtig, wenn der Schrank überquillt und es aber alles eigentlich gute Bücher sind.


    Ansonsten fliegt alles raus, was nicht reingehört: keine Fachbücher, keine Atlanten, keine Reiseführer, keine Heftromane, Kataloge, keine Bildbände, CDs, DVDs, Kassetten, Schallplatten, keine Lebensratgeber oder Gesundheitsbücher, keine Kochbücher, und halt sonstiger Müll und ja, das ist alles in unregelmäßigen Abständen immer wieder mal drin.

    Wir sind ja insgesamt 18 Leute, die unseren Schrank betreuen. Jede Woche 2 Leute, die sich einteilen und jeden Tag kontrollieren. Ihr wollt nicht wissen, was wir da oft entsorgen. Viele wissen das zu schätzen aber leider haben wir auch immer mal wieder ein paar besondere Schneeflöckchen, deren Bücher ja noch 'pfenning guad sand' und die dann keinerlei Verständnis haben.


    Wir räumen wirklich rigoros auf und es ist echt viel Arbeit. Wir freuen uns immer, wenn wir 'ungefragte' Hilfe von Nutzern bekommen, die selbst für Ordnung sorgen und auch über jene, die gern offiziell mithelfen möchten. Und über liebe Worte freuen wir uns immer sehr.


    Ich kann mir vorstellen, dass das bei Euren Bücherschrankpaten auch so ist. Ist oft sehr schade, dass manche Schränke hingestellt und nie betreut werden. Uns war das ein echtes Anliegen, dass unser Schrank aufgeräumt ist.

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    Inhaltsangabe :

    Als Dr. Sarah Berger an einem friedlichen Morgen vor die Tür ihres Hauses tritt, erkennt sie, dass Hills View nicht nur ruhig ist – es ist zu ruhig. Über Nacht sind alle Bewohner verschwunden. Aber wohin? Wie konnte eine ganze Stadt völlig lautlos evakuiert werden und warum haben die Bewohner ihre Häuser penibel aufgeräumt, bevor sie die Stadt verließen?


    Die junge Ärztin beginnt zu entschlüsseln, was hinter den rätselhaften Ereignissen in Hills View steckt, doch sie befindet sich bereits mitten im Ewigkeitsprojekt. Daraus zu entkommen, wird mit aller wissenschaftlichen Logik nicht einfach, denn die Gesetze der Physik gelten nicht länger. Selbst eine Tasse Kaffee ist nicht, was sie zu sein scheint …


    Meinung:

    Caroline Hofstätter hatte mir freundlicherweise ein Exemplar ihres Romans geschickt, vielen Dank dafür liebe Caroline.


    Mit nicht ganz 200 Seiten ist „Das Ewigkeitsprojekt“ auch sehr schnell gelesen, besonders bei dem flüssigen und fesselndem Schreibstil. Ich kann mich hier auch direkt den Aussagen anderer Rezensenten anschließen, dass einige Seiten mehr dem Buch sicherlich keinen Abbruch getan hätten. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass das auf eine Fortsetzung hoffen lässt. So würde mich nämlich besonders interessieren, wie es draußen weiterging.


    Sarah ist eine ziemlich sympathische Protagonistin, war aber ab und an etwas zu begriffsstutzig für meinen Geschmack. Dass sie großen Wert darauf legte, die Seuche zu bekämpfen, komme was wolle, hat mir jedoch wirklich sehr gut gefallen.


    Den Aufbau der Geschichte fand ich auch ziemlich gut, ganz besonders am Anfang, als ich zusammen mit Sarah sprichwörtlich im Nebel rumstocherte und wir beide keine Ahnung hatten, was eigentlich los ist. Die beklemmende Atmosphäre vor Sarahs Haustür hat mir echt angenehme Gänsehaut verursacht. Positiv fand ich dabei auch wieder, dass die Geschichte nicht in die Horrorrichtung abgedriftet ist, wie das bei manchen Autoren gern mal passiert, sondern das Gruselgefühl am Anfang nur ein kleiner Bonus war.


    Sarahs Situation klärt sich recht schnell auf und hier wäre sicherlich schnell der Ofen aus gewesen, wäre da nicht Leonard aufgetaucht, der mir mit seiner herablassenden und bevormundenden Art ziemlich auf den Zeiger ging. Aber es war schnell klar, dass bei ihm mehr dahinter steckt, als er anfangs andeutet.

    Die Auflösung kam dann auch viel zu schnell, wenn ich ehrlich bin. Das Buch ist ein echter Pageturner und ich hätte mir wirklich sehr viel mehr Seiten gewünscht, die ich umschlagen konnte.


    Fazit:

    Caroline Hofstätters „Das Ewigkeitsprojekt“ ist ein spannendes Lesevergnügen, das ob seiner Kürze gut Zwischendurch weggelesen werden kann und auch für Genreneueinsteiger zu empfehlen ist. Ich freue mich jedenfalls, mehr von der Autorin zu lesen und bedanke mich an dieser Stelle nochmals für den netten Kontakt und das Rezensionsexemplar.



    4ratten

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    Inhaltsangabe:

    „Vermutlich war der Einzelne schon immer unwichtig. Es fiel nur weniger auf.“


    Die Brave New World findet in wenigen Jahren statt. Vielleicht hat sie auch schon begonnen. Jeden Tag wird ein anderes westliches Land autokratisch. Algorithmen, die den Menschen ersetzen, liegen als Drohung in der Luft. Großbritannien, wo der Kapitalismus einst erfunden wurde, hat ihn inzwischen perfektioniert. Aber vier Kinder spielen da nicht mit – sondern gegen die Regeln. Und das mit aller Konsequenz. Willkommen in der Welt von GRM.


    Sibylle Bergs neuer Roman beginnt in Rochdale, UK, wo der Neoliberalismus besonders gründliche Arbeit geleistet hat. Die Helden: vier Kinder, die nichts anderes kennen als die Realität des gescheiterten Staates. Ihr Essen kommt von privaten Hilfswerken, ihre Eltern haben längst aufgegeben. Die Hoffnung, in die sie sich flüchten, ist Grime, kurz GRM. Grime ist die größte musikalische Revolution seit dem Punk. Grime bringt jeden Tag neue YouTube-Stars hervor, Grime liefert immer neue Role-Models.


    Als die vier begreifen, dass es zu Hause keine Hoffnung für sie gibt, brechen sie nach London auf. Hier scheint sich das Versprechen der Zukunft eingelöst zu haben. Jeder, der sich einen Registrierungschip einpflanzen lässt, erhält ein wunderbares Grundeinkommen. Die Bevölkerung lebt in einer perfekten Überwachungsdiktatur. Auf der Straße bleibt nur der asoziale, vogelfreie Abschaum zurück. Die vier Kinder aber – die fast keine Kinder mehr sind –, versuchen außerhalb des Systems zu überleben. Sie starten ihre eigene Art der Revolution.



    Meinung:

    Was.Für.Ein.Buch! Das braucht definitiv ein Content Warning, denn darin kommt so ungefähr alles Schlimme vor, das man sich vorstellen kann, aber besser nicht sollte.


    Das Buch hat mich erschlagen. Vollkommen überwältigt mit seiner schonungslosen Sprache. Runterzogen mit seiner Hoffnungslosigkeit. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.


    Dieses Buch ist jedenfalls keine leichte Unterhaltungslektüre für den Strand oder einen faulem Samstag auf dem Sofa nach einer anstrengenden Woche. Hätte ich das mal vorher gewusst. Das Buch fühlte sich an wie einen Marathon zu laufen mit einem 100kg Sack auf den Schultern, Bleigewichten an den Beinen und einem Dauerasthamanfall.


    Das klingt so negativ, ist aber so gar nicht gemeint. Sibylle Berg, die ich bis dato nur dem Namen nach kannte und von der ich bisher noch nie was gelesen hatte, hat hier 600 Seiten gnadenlose Gesellschaftskritik abgeliefert, die unter die Haut geht. Will man die Handlung zusammenfassen, dann ist das schnell getan: Don, Hannah, Peter und Karen sind vier Kinder, die in ärmsten Verhältnisse in Rochdale aufwachsen, einer kleinen Stadt in England. Ihr Leben ist geprägt von Gewalt, Hunger, emotionaler Vernachlässigung. Sie verlieren auf unterschiedliche Weisen ihr Zuhause und ziehen nach London, wo sie sich in neuen Situationen widerfinden, die aber eigentlich auch nicht soviel anders sind, als vorher. Und dort beginnen sie, sich gegen das System aufzulehnen.


    Dieses Buch braucht außerdem ein Content Warning für Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch. Davon gibt es einiges zwischen den Seiten und das geht unter die Haut: Seien es nun Peter und Sergej oder Karen und Patuk. Was da geschildert wird ist schonungslos, knallhart…wie der Rest des Buches. Die eigentlich überschaubare Handlung wird aber von dem ganzen Drumherum erst so richtig in Perspektive gesetzt.


    In diesem Buch kommt keiner gut weg. Ich habe einige Rezensionen gelesen, in denen sich darüber beschwert wurde, dass die Autorin das männliche Geschlecht über einen Kamm schert. Ja, tut sie. Warum auch nicht? Schauen wir uns doch nur die Rückschritte an, die wir in den letzten Jahren im Bereich Geschlechtergleichheit hingenommen haben, und schon ist es gar nicht mehr so abwegig, dass sich das Patriarchat genauso stark etabliert, wie es Berg in ihrem Roman zeichnet.


    Berg ist schonungslos ehrlich in dem, was sie sagt. Und wäre es kein Zukunftsroman, so könnte man glatt sagen, es wäre aus dem Leben gegriffen. Eigentlich ist es das auch. Nur für die Zukunft noch überspitzter, noch klischeehafter, noch extremer, hoffnungsloser, wütender, hilfloser.


    Ich weiß nicht, wie ich es noch anders in Worte fassen soll, deswegen hör ich jetzt mal auf hier.



    Fazit:

    „GRM: Brainfuck“ von Sibylle Berg ist ein Buch, das sicherlich polarisieren wird. Es wird Dich runterziehen, Dir dann die Hand reichen, Dich hochziehen und dann in Slo-Mo über die Schulter zu Boden werfen, auf Dir rumtrampeln und seine Wut an Dir auslassen. Diese Wut, in der Du Dich selbst an einigen Stellen wiedererkennen wirst. Diese Wut, geboren aus purer Hilf- und Hoffnungslosigkeit. Ganz klare Leseempfehlung versehen mit einem „Mit äußerster Vorsicht zu genießen.“



    5ratten