Beiträge von finsbury

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ganz ohne Kind zum Vorlesen habe ich jetzt den "35.Mai" genossen. Er bietet auch uns Erwachsenen noch allerlei. Die milde Anarchie zum Beispiel, die sich schon zu Anfang in den wilden Spielen des Onkels Ringelhuth mit seinem Neffen äußert und in dem dann schon mal der Kronleuchter des Nachbarn dran glauben muss. Dann natürlich die vielen Begegnungen auf dem Weg in die Südsee. Besonders schön fand ich die Szene, wo RIngelhuth, Konrad und Negro Kaballo Julius Cäsar und Napoleon von ihren Plätzen bei der Heldenolympiade vertreiben, weil diese dort unrechtmäßig sitzen und diese sehr verdrießlich Platz machen, weil sie ja leider im Moment keine Armee dabei haben. Ein schönes Bild für die beiden Usurpatoren. Auch die Schule für schlechte Eltern und das Schlaraffenland sowie natürlich die erschreckend realistische Elektropolis, die sich selbst auffrisst, sind erzählerische Einfälle, die auch Erwachsenen nicht vorenthalten werden sollten. Viele Anspielungen wären ja sonst sowieso verschenkt, wie z.B. auch auf den schwarzweiß karierten Feirefiz im "Parzival". Ganz schön finde ich auch, wie in Konrads Aufsatz aus Petersilies gemischt hautfarbigen Eltern nur der Häuptling und das Schreibmaschinenfräulein übrig bleibt, und der Petersilie schmerzlich vermisst.
    Ein wirklich schönes Kinderbuch und, da habt ihr Recht, das ideale Vorlesebuch, da sowohl Erwachsene als auch Kinder etwas davon haben.

    Den Roman habe ich nun beendet. Ich hatte eine größere Lesepause, weil ich im Tochterforum an einer Leserunde zu "Moby Dick" beteiligt war. Aber durch die episodische Erzählweise war das gar kein Problem, und nun habe ich in den letzten Tagen die Episoden ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts beendet. Die Erzählung reicht bis nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center. Dieser war einer der Erzählhöhepunkte des Romans, indem er den Angriff und die Tragödie verdeutlicht, ohne pathetisch oder sensationslüstern zu werden.

    Ich habe viel über New York gelernt und werde auch weiterhin von der Lektüre profitieren, weil man eine Menge Hintergrundwissen geliefert bekommt, was einem bei dem Lesen anderer Bücher, die im amerikanischen Raum spielen, helfen kann. Das habe ich direkt bei "Moby Dick" gemerkt, da auch die Seefahrt durch New York Lage immer wieder eine Rolle spielt und die Handelswege und -güter in ihren wirtschaftlichen und politischen Bezügen in Rutherfurds Roman sehr genau beschrieben werden.

    Für alle, die sich für New York und allgemein die US-amerikanische Geschichte interessieren, eine echte Leseempfehlung!

    Danke für die Besprechung, Valentine . Ich bin auch schon auf den Titel aufmerksam geworden, weil ich ja ein Grönland-Fan bin und außerdem John Grisemers "Rausch" sehr gerne gelesen habe. Allerdings klingt deine Besprechung nach durchaus schwerer Kost, und Grönland ist ja nicht eigentlich Inhalt, sondern nur als Versteck gemeint. Mal sehen … .

    Wie wär's mit Büchern, die am Ende des Erscheinungsjahr eine Null haben, zu Ehren der 2020? Was ich im laufenden Wettbewerb sehr originell fand, war die Cocktailliste, obwohl ich so'n Zeug nicht anrühre. So etwas könnte man ja auch mit klassischen Gerichten machen, z.B. Filet Wellington (etwas das mit Napoleon bzw. den englisch-französischen Befindlichkeiten zu tun hat) oder Sachertorte (was Österreicherisches oder was mit Schokolade oder Marmelade/Obst).

    Ich kann euch nur vollinhaltlich zustimmen, illy und HoldenCaulfield , sowohl was das jahrzehntelange Wegsehen als auch die Sprache, die wir bewusst pflegen sollten, angeht. Wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass wir jetzt ganz besonders offensiv die demokratischen Werte hochhalten sollten, d.h. mit Umsicht und Toleranz mit anderen Menschen und Wörtern umgehen sollten, solange bis sie und ihre Sprache sich als antidemokratisch entpuppen. Dann sollten wir sofort eine deutliche Grenze ziehen und uns nicht mehr durch irgendwelche Pseudovorwürfe, wie Suse oben entlarvt hat, einwickeln lassen. Dass einem da manchmal das Herz übergeht und man sich selbst im Ton vergreift, kann passieren, sollte aber nicht zur Regel werden.

    Es geht ja nicht darum, Meinungsaustausch nicht zuzulassen, der in Form einer Diskussions"kultur", wie du selber, Keshia , sagst, stattfindet, aber wenn eine/r nur Beleidigungen und Hetze gegen Menschengruppen ins Netz stellt und die Formulierung keine Diskussion ermöglicht, dann hat das nicht mit der Missachtung von Besorgnis zu tun. Wenn jemand beispielsweise im Netz schreibt, dass sie/er sich Sorgen macht, weil zu viele Menschen nach Deutschland kämen, dann kann ich dieser Person gegenüber argumentieren, dann nehme ich ihre Sorge auch ernst und dazu Stellung. Es ist aber etwa anderes, wenn solche "Sorgen" sofort in rassistischen Beleidigungen vorgetragen werden und ein höhnendes Schwarz-Weiß-Menschenbild vorgetragen wird, das keinen Argumenten zugänglich ist. Und nur um diese Art der Netzbeiträge geht es!

    Ich freue mich auch über deine Reaktion, Suse. Weiter so!

    Das Problem ist, dass die Faschisten versuchen, die Demokratie mit der ihr immanenten Freiheit zu schlagen. Aber da beißen sie sich die Zähne aus, wenn sie diese dazu nutzen wollen, die Demokratie zu vernichten. Man muss immer wieder auf die Inhalte der Freiheitsgegner verweisen, wie ihr es oben tut. Und unsere Demokratie muss wehrhafter werden - gerade in der Justiz, damit sich auf Facebook und in den anderen Netzwerken diese egomanen Menschenverachter nicht weiter austoben können.

    ch habe es aber in guter Erinnerung, auch wenn ich so dicke Schinken mittlerweile nicht mehr lesen mag.

    Man muss nur die Zeit haben, sie zu lesen. Wenn es wie momentan so nebenbei zur Arbeit geschieht, ist es ein wenig unerfreulich, denn ich schaffe, außer am Wochenende, immer nur so ein paar Häppchen, und öfters schlafe ich abends über dem Buch ein, ohne auch nur einen Absatz geschafft zu haben. Aber wenn schon dickes Buch, dann ist diese episodische Erzählweise noch die beste, weil man nicht monatelang das Gelesene detailliert im Kopf haben muss.
    Ich lese eigentlich gerne dicke Romane, weil man dann mit den Charakteren eine längere Wegstrecke gemeinsam geht und sie einem dadurch näher kommen, aber wenn man dann die Zusammenhänge vergisst, besonders bei so detailverliebten Büchern wie Krimis oder komplexer Literatur, ärgert man sich, dass man schon wieder nicht mitkommt oder soviel vorne nachschlagen muss, dass man erst recht nicht vorankommt.

    Das Schema mit den fünf Familien hat er hier anscheinend auch eingehalten. Es beginnt einwanderungshistorisch mit den holländischen van Dykes, geht über die englischen Masters, die irischen O'Donnels, die deutschen Kellers bis zu den italienischen Carusos. Es spielen noch einige andere Familien eine Rolle, aber das sind die Handlungsträger.

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    Der Roman des Historikers und Schriftstellers Edward Rutherfurd erschien 2012 unter dem Originaltitel "New York".

    Erzählt am Schicksal mehrerer Generationen unterschiedlicher Einwandererfamilien und der Nachkommen des als Sklaven eingeführten Quash werden über 400 Jahre New Yorker Geschichte vergegenwärtigt, begonnen mit einer holländischen Familie in Neu Amsterdam und endend mit Nachkommen vieler der eingeführten Familien im Jahr des Anschlags auf das World Trade Center. Der Roman umfasst über 1150 Seiten, aber bisher ist mir nicht langweilig geworden. Ich habe inzwischen über 650 Seiten gelesen, wäre aber mit mehr Zeitmöglichkeiten sicher schon weiter. Das Buch vermittelt auf unterhaltsame Weise eine Fülle an historischem Wissen über die USA und lokalem Wissen über die Stadt New York selbst und ist -wohl mithilfe amerikanischer Historiker sehr sauber recherchiert worden.
    Nicht immer wird jeder Handlungsfaden zu Ende erzählt und mitunter muss das Interesse an den Figuren und deren weiterem Schicksal einem etwas abrupten Zeitsprung weichen, aber das ist bald vergessen, weil einen der nächste Zeitabschnitt mit seinen Hauptfiguren in den Bann zieht.
    Über die Handlung kann man daher wenig schreiben, da sie sehr episodisch ist und im Wesentlichen die historische Dimension transportiert.
    Ich setze die Berichterstattung fort, wenn ich den Roman zu Ende gelesen habe.

    Ein interessantes und schwieriges Thema, aber ich habe tatsächlich auf meinem endlosen Sub ein passendes Buch gefunden, das schon lange seiner Erlösung harrt.

    Cornelia Mörbel: Gänsekrieg

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    In Backnang bei Stuttgart wird jeden Herbst der Gänsemarkt gefeiert, der auf ein historisches Ereignis im Jahre 1603 zurückgreift, das in diesem Roman thematisiert wird. Ich denke, das passt.

    Ich möchte auch noch mitmachen und melde an:

    Edward Rutherfurd: Im Rausch der Freiheit (Originaltitel: New York)


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    Der Autorenname und deutsche Titel enthalten zusammen sieben Mal den Buchstaben R/r und der Originaltitel besteht aus sieben Buchstaben. Außerdem besitze ich das Buch seit 2012 und damit seit sieben Jahren, da muss es ja auch von seinem elenden SUB-Dasein erlöst werden.