Beiträge von finsbury

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Als ich als Teenie zum ersten Mal ein paar Tage in Berlin war, habe ich in der mich beherbergenden Wohnung meiner Cousine leider den "Herrn der Ringe" gefunden. Zweieinhalb Bande später war mein Aufenthalt zu Ende und ich habe von Berlin fast nichts außer der Wohnung gesehen.

    Umgekehrt hab ich das Problem. dass ein Film mir schon vorgefertigte Bilder in den Kopf pflanzt, von denen ich mich beim Lesen nicht lösen kann. Deshalb lese ich das Buch dann nicht mehr.

    Das ist bei mir auch das Hauptproblem. Ich sehe mir ganz gerne Verfilmungen an, nachdem ich das Buch gelesen habe, auch wenn ich mich manchmal darüber ärgere. Aber dann kann ich ja abbrechen.
    Aber wenn ich vorher den Film gesehen habe, will ich das Buch nicht mehr lesen, weil meine Fantasie ja dann bevormundet wurde und ich mir nicht mehr unabhängig innere Bilder machen kann. Also vermeide ich es sorgfältig, Verfilmungen von Büchern zu sehen, die ich noch nicht gelesen habe und noch lesen will. Ich lege sie mir dann auf Halde, damit ich sie nach dem Lesen sehen kann und je nachdem, wie eindrucksvoll ich das Buch fand, sehe ich dann lieber keine Verfilmung davon.

    Die Verfilmung von "Der Wolkenatlas" von David Mitchell finde ich sehr gelungen, denn ich hätte nicht gedacht, dass man diesen episodischen Roman mit seinen schrägen Gestalten und dem durchgehenden roten Faden so gut hinbekommt.

    Und ich muss @Holden Caulfield sehr zustimmen: Die Verfilmung der Romane von E. M. Foster, besonders "Maurice" und "Zimmer mit Aussicht", aber auch die späteren mit Emma Thompson und Anthony Hopkins sind toll.

    Mir ist die Coverfarbe herzlich egal, wenn gut ist, was dahintersteckt. Das ist wie bei Menschen, da ist es mir egal, ob der oder die einen froschgrünen oder uringelben Pulli trägt, wenn der Mensch darin sympathisch ist.

    Aber fällt es dir nicht einfacher, unvoreingenommener auf einen Menschen im froschgrünen als im uringelben Pulli zuzugehen? Wenn ich jemanden noch nicht kenne, machen Kleidungsfarben ehrlich gesagt schon einen gewissen Eindruck auf mich.

    Der einzige Buchumschlag mit auffälligen rosa Elementen, der mir jetzt in meinem Bücherregal auffällt, ist "Die Herren und die neuen Geschöpfe" vom Doors-Sänger Jim Morrison. Das ist aber - glaube ich - eher psychedelisch zu werten. Ach ja, und "Kaputt in Hollywood von Charles Bukowsky. Muss wohl ein Westcoast-Phänomen sein. Ansonsten ist mir die Farbe der Umschläge egal, solange die Motive einigermaßen geschmackvoll und vor allem zum Inhalt passend sind. Ich habe eine Taschen-Ausgabe der "Verlobten" von Manzoni aus dem Bastei-Lübbe-Verlag mit einer leichtbekleideten Dame im Film-Gipsy-Look auf dem Titel, die kann man nur mit Verhüllung lesen, weil sie sowas von überhaupt nicht zum Roman passt.

    Und ganz toll finde ich einen beerenfarbenen Brokatumschlag um die zwei dicken Bände der "Geschichte des Prinzen Genji".

    Auch widmen sich die ersten 100 bis 200 Jahre vor allem einem Tag und schildern in aller Ausführlichkeit das jungfräuliche Leben der fünf Schwestern, aus deren Mitte die jüngste an diesem Tag, dem Verlobungsfest ihrer ältesten Schwester, durch einen schwarzen Ballon entführt wird hinein in ein von Geistern geprägtes Leben.

    Du meinst sicher "Seiten", oder?


    "Bellefleur" habe ich vor Jahren mal gelesen. Allerdings erst im zweiten Anlauf.

    Vielen Dank, yanni! Gefühlt waren es halt 100 bis 200 Lesejahre :breitgrins:. Hab's oben aber korrigiert!

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    Der Roman, der zweite in einer Reihe von fünf dem Gothic-Genre gewidmeten Romanen, beschäftigt sich mit dem Schicksal von fünf Schwestern, die von der Mutter her zu der fiktiven reichen US-Gründerfamilie Kiddemaster gehören. Ihr Vater ist ein genialer, aber erfolgloser Erfinder, John Quincy Zinn. DIe Handlung spielt von den 80er Jahren bis zum Silvesterabend 1899.


    Erzählt wird in dem knapp 900 Seiten dicken Roman die Emanzipationsgeschichten vierer der fünf Töchter, die aber alle am Frauenbild der patriarchalisch-bigotten Ostküstengesellschaft scheitern. Den Witz bezieht der Roman aus der ironischen Brechung, dass die Erzählerin sich als Sachwalterin gerade dieses konservativ-chauvinistischen Weltbildes geriert und daher voller Missbilligung die Fluchtgeschichten der vier Schwestern schildert. Eine wird Schauspielerin, eine Spiritistin, die vierte wird Erfinderin wie ihr Vater und die älteste - Skandal! - ändert ihr Geschlecht und führt ein aufregendes, alle Gesetze brechendes Leben im jungen Westen der Staaten. Nur die zweitälteste heiratet standesgemäß und erträgt klaglos ihren heuchlerischen Ehemann, seines Zeichens Pfarrer, der sie für allerlei sexuelle Praktiken missbraucht und damit sie nichts davon sieht, ihr immer eine Kapuze überzieht.

    Der Anfang ist mir ganz schön auf den Geist gegangen, weil man erstmal die ironische Brechung durch die empörte Haltung der Erzählerin akzeptieren muss, bevor man die Erzählweise des Ganzen genießen kann. Auch widmen sich die ersten 100 bis 200 Seiten vor allem einem Tag und schildern in aller Ausführlichkeit das jungfräuliche Leben der fünf Schwestern, aus deren Mitte die jüngste an diesem Tag, dem Verlobungsfest ihrer ältesten Schwester, durch einen schwarzen Ballon entführt wird hinein in ein von Geistern geprägtes Leben.

    Ich denke, es gibt bessere Romane von Oates, z.B. den ersten der Gothic Novels "Bellefleur", aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, liefert dieser Roman einen sehr guten Eindruck von einer Gesellschaft, in der die Frauen durch die Verinnerlichung der durch die Männer und die KIrche gesetzten Grenzen selbst zu ihrer Versklavung beitragen.

    Das ist wirklich mal eine tolle Idee, illy: So kann man dem Karneval, auch wenn man ihn nicht mag, wenigstens eine lustige Büchersuche abgewinnen. Und ich kann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und auch noch die Cocktail-Liste des SUB-Listen-Wettbewerbs bedienen.

    Joyce Carol Oates: Die Schwestern von Bloodsmoor

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    Von den fünf besagten Schwestern werden wohl einige zu Beginn des Buches noch Jungfrauen sein, die eine verweigert laut Umschlagtext ihrem Mann, einem Adeligen (sic!), sogar das jus primae noctis.

    Dies war mein erster Roman von Mechtild Borrmann und es wird wohl nicht mein letzter sein.

    Wie einige meiner Vorschreiber*innen ausführten, finde auch ich den Teil, der 1948 und in den Jahren danach in der stalinistischen Sowjetunion spielt, am stärksten. Diese Schilderungen sind zum Teil schwer erträglich, wie die Verwaltung des Unrechts völlig entmenschlicht und Menschenschicksale nur aufgrund eines wohlgemeinten HInweises völlig gedreht und in eine verzweiflungsreiche Zukunft, ja in den Tod geschickt werden. Ich fand das sehr eindrücklich und trotz des bedrückenden Themas sehr spannend geschrieben.

    Den Teil, der sich um den Enkelsohn Sascha dreht, finde ich nicht misslungen und auch diese Verfolgungssequenzen erscheinen mir nicht als unwahrscheinlich. Ich habe nur nicht richtig verstanden, welche Bedeutung die Seilschaften der Roten Armee und der Verbrechersyndikate mit eigenem Ehrenkodex neben dem Geheimnis um die Stradivari haben.