Beiträge von finsbury

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Dann solltest du es auf jeden Fall lesen, Valentine und dir vielleicht auch das eine oder andere Walther-Gedicht in einer Anthologie anschauen. Ich hatte mich vor urlanger Zeit im Germanistikstudium am Rande mit ihm beschäftigt, war aber jetzt richtig froh, über den Roman wieder auf diesen unruhigen und komplexen Autoren, der weit über seine Mitlyriker hinausragte, aufmerksam zu werden.

    Alles in Ordnung, HoldenCaulfield, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Für mich klang deine Formulierung eben abwertend, oder, sagen wir es anders, wenn ich sie in Bezug auf ein Werk der gehobenen Literatur verwendete, dann würde ich sie abwertend meinen.

    Hallo Zank und Igela, das mit dem Vornamen steht aber eindeutig nicht in der Formulierung, die ich aus der Aufgabenstellung kopiert habe. Ich habe nämlich extra danach gesehen. Und sonst hast du, Igela ja auch früher schon mal geschrieben, wenn du etwas nicht bedacht hast, dann müssen wir auch nicht einhalten, was wir ja gar nicht wissen können. Und 68 Seiten Forumstext lese ich auch nicht mit. Aber wenn du darauf bestehst, sehe ich mich nach einem anderen Kriterium um.

    Einfach zu lesen oder nicht ist auch kein Wertungsmerkmal in Bezug auf die literarische Qualität.

    Im Vordergrund kann man die "Buddenbrooks" - wenn man so will - als einen unterhaltsamen Gesellschaftsroman lesen, aber die Dimensionen dahinter, der Zusammenbruch des Weltbilds der Vorgängergenerationen und die Gefährdung des Lebens an sich durch die Reibung zwischen Individuum und Gesellschaft, das macht diesen Roman, neben seiner Schilderungskunst und der schönen Sprache, die sicher viel weniger manieriert daherkommt als in den späteren Romanen, zu einem großen Genuss. Und eigentlich entwickeln die Personen eine solche Farbigkeit, dass einem auch ein Alois Permaneder durchaus menschlich sympathisch werden kann bzw. zumindest die Empathie des Lesers gewinnt.

    Und noch eins, das im Zusammenhang steht mit dem historischen Roman weiter oben:


    28 c. Lies ein Buch, dessen männlicher Protagonist einen Namen mit V trägt.

    Hans-Uwe Rump: Walther von der Vogelweide


    Dazu schreibe ich erstmals keine Rezi, weil es sich um eine alte Rowohlt-Monografie aus den Achtzigern des letzten Jahrhunderts handelt, die hier vermutlich noch nicht mal Germanistikstudent*innen studieren würde, weil es sicher schon Neueres zu diesem berühmten Dichter gibt.

    Tanja Kinkels Roman über den berühmten mittelalterlichen Dichter Walther von der Vogelweide und die fiktive jüdische Ärztin Judith erschien 2011.


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    Zum historischen Walther:
    Über Walther von der Vogelweide liegt nur eine Urkunde zu seinen Lebzeiten vor: die Schenkung von Geld für einen Pelzmantel durch den Bischof von Wolfger von Passau. Ansonsten kann man Walthers ungefähren Lebensweg nur anhand seiner in erstaunlicher Anzahl überlieferten Lieder und politischer Spruchdichtung nachvollziehen sowie anhand von Erwähnungen seiner literarischen Zeitgenossen. So weiß man nicht, wo er geboren ist, auch seine Sprache gibt darüber nur widersprüchliche Auskunft. Viele Forscher nehmen an, dass er um 1170 auf einem sogenannten Vogelweidhof im süddeutschen /tirolischen Raum geboren worden, seit den 90er Jahren am Hof des österreichischen Herzogs in Klosterneuburg bei Wien wirkte und dort von Reinmar dem Alten die Kunst der hohen Minnedichtung lernte. Doch er emanzipierte sich schnell von dieser in kurzer Zeit sehr formal verödeten Lyrik und sprach sich für die erfüllte Minne aus, wodurch er sich in einen Zwist mit Reinmar begab, der durch zahlreiche Lieder von beiden dokumentiert ist. Später nahm Walther ein unruhiges Reiseleben auf als fahrender Dichter im Dienste vieler Herren, für die er auch politische Dichtung und Loblieder verfasste, neben dem König Philipp II, den Kaisern Otto IV und Friedrich II auch für geringere Herren wie den Landgrafen Hermann von Thüringen und dessen Schwiegersohn Dietrich von Meißen. Dabei hängte Walther einerseits sein Mäntelchen nach dem Wind nach dem Motto: "Wes' Brot ich ess, des Lied ich sing", andererseits wird in seiner Dichtung eine erstaunlich freie,selbstbewusste und geradezu modern individualistische Persönlichkeit deutlich, deren Einsichten weit über die meisten auch seiner hoch stehenden Zeitgenossen hinausgingen.
    EInige seiner Lieder, wie "Ich saz uf einem steine und dahte bein mit beine" oder "Ich han min lehen" und erst recht "Unter der linden" sind vielen heute noch bekannt. Von Kaiser Friedrich bekam er um 1220 endlich ein kleines Lehen - vermutlich nahe Würzburg - verliehen, das seine Existenz absicherte. Um 1230 verstarb Walther.

    Zum Inhalt des Romans:
    Um diese wenigen biografischen Details und die anderen bekannten historischen Personen und Ereignisse rankt Tanja Kinkel eine spannende Handlung, in der sie durchaus waghalsige, aber mögliche Begegnungen und Handlungen schildert. Das beginnt schon damit, dass der junge Walther auf seiner Reise an den Wiener Hof ausgerechnet in dem Gasthof, in dem er und sein Knappe Markwart für die Nacht Unterkunft suchen, die Ingeiselnahme des vom Kreuzzug heimkehrenden Richard Löwenherz durch den Wiener Herzog Friedrich I miterlebt, über ein Pogrom an dem jüdischen Herrn der Münze in Wien, der hier zum Onkel der fiktiven Judith avanciert, bis hin zu vielen Intrigen, in die Walther und Judith verwickelt werden oder die sie gar selbst anzetteln, um geliebte Menschen zu retten bzw. vor allem auf die politischen Verhältnisse Einfluss zu nehmen. Das ist natürlich recht unwahrscheinlich. Andererseits zeigt die breite Überlieferungslage von Walthers politischer Spruchdichtung, die oftmals wirklich überaus keck war, dass sein Einfluss bei seiner breiten Zuhörerschaft groß gewesen sein muss und ihn so mancher hohe Herr lieber an seiner Seite als gegen sich eingestellt gesehen haben muss. Dabei werden Walther ebenso wie Judith keineswegs eindimensional dargestellt, sondern seine ichbezogene Argumentation, die sich in seiner Spruchdichtung und seinen Minneliedern immer wieder zeigt, wird auch in seine Charakterisierung übernommen. Judiths vielfältige emotionale und körperliche Verletzungen führen zu einer Verbitterung, die sie auch ungerecht gegenüber nahestehenden Menschen werden lässt.
    Judith nun - tja, da haben wir wieder das Problem mit den Frauenrollen in historischen Romanen: Ob sie wirklich all das hätte tun können, was sie hier im Roman tut, als Heilerin der Kaiserinnen, als Botin und Vermittlerin politischer Intrigen, sei dahingestellt. Jedenfalls kommen auch die Einschränkungen, die sie in doppelter Weise, als Frau und als Jüdin, erlitt, ausführlich zur Sprache.

    Meine Meinung:
    Dieser Roman ist nichts für diejenigen, die im historischen Roman eher die exotische Kulisse einer fernen Zeit hinter einer spannenden und /oder romantischen Geschichte suchen, sondern man muss sich schon auf viele historische Personen, Ereignisse und Vernetzungen einlassen und Spaß daran haben, diese nachzuvollziehen und vielleicht auch mal das eine oder andere ob seines Wahrheitsgehaltes nachzuschlagen, damit man diesen Roman genießt. Aber dann ist er ein unterhaltsames und dennoch recht informatives Leseerlebnis, das den großartigen Dichter Walther mal wieder aus den verstaubten Lyrikanthologien löst und uns einen modernen Menschen in all der Vielfalt seiner Facetten zeigt.

    Diese sich annähernde Biografie an Oswald von Wolkenstein, einen sehr außergewöhnlichen Dichter und Politiker des Spätmittelalters, habe ich sogar zweimal gelesen:

     

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    Dieter Kühn hat sie in den Achtzigern veröffentlicht. Er nähert sich dem Südtiroler Oswald, indem er auch sehr farbig die Lebensumstände seiner Zeit schildert und mit der unsrigen hin und wieder vergleicht. Oswald erlebte das Konzil von Konstanz mit, war berühmt für seine direkten politischen Stellungnahmen und seine teilweise derbe, für seine Zeit erstaunlich persönliche Lyrik.

    Gerade beschäftige ich mich mit Walter von der Vogelweide, über den Kühn leider kein Buch geschrieben hat, aber der war jedenfalls ein Vorfahr im Geiste dieses Wolkensteins, der auch sehr witzig sein konnte. Die Biografie ist auch ein schöner Begleiter für einen Südtirol-Urlaub, da habe ich sie jedenfalls ein zweites Mal gelesen. Kühn übersetzt in seiner Biografie auch viele von Oswalds Gedichten kongenial.

    Von Dieter Kühn gibt es übrigens auch eine tolle Biografie Neidhards von Reuental sowie Übersetzungen des "Parzival" von Wolfram von Eschenbach und "Tristan und Isolde" von Gottfried von Straßburg, jeweils auch mit ausführlichen biografischen Anmerkungen. Alle lohnen sich, aber am besten finde ich den Oswald, weil er nebenher ein so farbiges Bild vom Alltag im Spätmittelalter gibt.

    Im Nachhinein könnte ich gar nicht sagen, welche Bände mir weniger gefallen haben. Die letzten Bände waren vielleicht etwas von Melancholie geprägt, könnte aber auch damit zu tun haben, dass ich traurig war, zu wissen, dass es bald vorbei ist. Waren jedenfalls schöne Lesezeiten, obwohl die geschilderten Kreise natürlich sehr weit weg vom Mainstream waren, insbesondere in den Weltkriegsbänden.

    "Emil und die drei Zwillinge"

    Der Roman, die Fortsetzung von "Emil und die Detektive" erschien 1935 und wirkt gerade in diesem Zusammenhang mit seiner philantrhrophen Aussage von Freundschaft und dem Sich-Einsetzen für Schwächere besonders wohltuend.

    Justus, der "Professor", hat von seiner Großtante ein Haus an der Ostseeküste geerbt. Kurzerhand lädt er mit Zustimmung seiner Eltern seine Freunde aus der spannenden Verbrecherverfolgung des vorigen Bandes ein: Gustav mit der Hupe, mittlerweile stolzer Besitzer eines kleinen Motorrades zu seiner Hupe, den kleinen Dienstag, Pony Hütchen mitsamt Großmutter und natürlich Emil, der gerade etwas unglücklich ist, weil seine Mutter sich mit dem Oberwachtmeister Jeschke verlobt hat, obwohl dieser ein "famoser" Kerl ist. Im Badeort Korlsbüttel treffen sie im dortigen Strandhotel außerdem den Liftboy, der bei der Verfolgung des bösen Herrn Grundeis auch mittat und nun als Piccolo ins Gastronomiegewerbe eingestiegen ist. Dieser Piccolo soll nun einen der Zwillinge in einem Artistentrio ersetzen, der dem Oberturner, den alle für den Vater der zwei halten, für die Hebefiguren zu groß geworden ist. Empört schmieden die Freunde einen Plan, wie sie verhindern können, dass der größere Zwilling mittellos zurückgelassen wird, während sich der Artist mit dem kleineren Zwilling und dem Piccolo, der dies seinen Freunden verraten hat und mit im Plan ist, verhindern können.

    Hinzu kommen eine abenteuerliche Segeltour, die kleinste Palmeninsel der Ostsee, ein kauziger Seebär und die Aufführung des neu herausgekommenen Films "Emil und die Detektive" im Kino zu Korlsbüttel. Nicht zu vergessen zwei launige Vorworte für Laien und Fachleute.


    Eine bunte, von Sommer und Meer durchflutete Handlung mit schönen Illustrationen von Walter Trier in der klassischen Kästner-Edition der Kinderbücher. Natürlich manchmal etwas zopfig, und Pony Hütchen erleidet in diesem Roman schon die Frauendiskriminierung, vor der auch Kästner nicht halt machte und die sie auf eine Dänemarkreise mit den Erwachsenen schickt, während die Jungs ihre spannenden Abenteuer genießen. Auch bei den Kommentaren zur geplanten Eheschließung von Frau Tischbein grauste es mich, wird diese doch nur im Lichte einer ökonomischen Versorgung betrachtet. Aber ansonsten auf schöne Weise altmodisch mit den lustigen alten Ausdrücken der Pennälersprache wie "kolossal" oder "famos" und Gustavs ständigem Spruch: "Das ist alles halb so wichtig".

    Hier ist der Inhalt des Romans schon sehr gut dargestellt worden, so will ich gleich zu meiner Meinung kommen.


    Mir hat das Buch sehr gefallen, weil es so einen eigenen Sound hat. Der Autorin gelingt es, dass sich der Leser in der gleichen Atmosphäre fühlt, die auch Kia umgibt. Für mich sind alle ihre Verhaltensweisen folgerichtig, das einzige, was mich stört, sind kleine Mängel in der Perspektive,

    Das wirkt auf mich ein wenig gekünstelt, wie ich überhaupt die Gedichte von "Amanda Hamilotn" für relativ schlecht und gekünstelt halte, viel schlechter als die wunderbare Prosa der Autorin. In diesen Gedichten wird allerdings viel von Kyas Charakter verraten und auch hier wird am ehesten angedeutet, was am Ende herauskommt.
    Das sind aber nur Kleinigkeiten, die man bei einem Debütroman auch gut nachsehen kann. Außerdem ist die Bewertung von Gedichten ja auch sehr subjektiv.


    Gut und sehr geschickt finde ich dagegen die naturwissenschaftlichen Beobachtungen, die schließlich auch die Motivierung von Kyas Handeln bestimmen.

    Ich freue mich auf weitere Berichte zu dem Magazin.

    Das wird aber immer nur mit langen Phasen dazwischen passieren. Ich lese immer nur ein Sachbuch, keineswegs immer ein GEO-Epocheheft gleichzeitig und natürlich auch viel mehr Fiction. Und nicht alle Hefte sind von der Konzeption her so interessant, obwoh der lnhalt, wie du es ja auch kennst und schätzt, Jaqui, meist sehr anschaulich geschrieben und informativ ist.

    Seit ca. zehn Jahren sammele und lese ich diese Zeitschrift für Historisches und finde immer wieder dort viele neue Informationen. In loser Reihenfolge sollen hier daher besonders interessante Hefte vorgestellt werden, oft noch im Buchhandel, als Nachdruck oder antiquarisch erhältlich.

    In den letzten Wochen habe ich das Heft 35: "Die Welt im Jahr 1000" gelesen, das anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Magazins 2009 erschien.


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    Was dieses Heft so besonders macht? Die Zusammenschau, was ca. zwischen 950 und 1050 rund um die Welt so geschah: Hier in Mitteleuropa begründete das Geschlecht der Ottonen das Heilige Römische Reich deutscher Nation, die Wikinger schwächten das englische Königreich, in Südspanien herrschten Muslime in prächtigen Städten wie Cordoba in ihrem Reich Al-Andalus, Leif Erikson entdeckte von Grönland aus Nordamerika und das byzantinische Reich fand unter Basileios dem Zweiten zu seiner letzten großen Ausdehnung.


    Gleichzeitig hatten die Maya ein Reich mit prächtigen Städten wie Chichen Iza im heutigen Mexiko, in Afrika gab es ein legendäres Reich Gana, das mit Gold und Sklaven handelte ud auch die Indianer Nordamerikas hatten am Mississippi schon einen Staat gegründet.


    Aber die Entwicklung der Technik, die überragenden kulturellen Leistungen fanden woanders stand: Im China der Song-Dynastie wurden, Jahrhunderte vor deren Auftreten in Europa, der Buchdruck erfunden, der Kompass und das Axialruder, das Schießpulver, die Windmühle und das Papiergeld. Daneben beherrschten die chinesischen Bauern, durch Beamte dazu ausgebildet und angehalten, fortschrittlichste Techniken zur Meliorisierung ihrer Böden und entwickelten neues, besser an die Bedingungen angepasstes Saatgut.
    In der arabisch-islamischen Welt wurde der Wissensstand der griechischen Antike, in Europa über viele Jahrhunderte vergessen, bewahrt und weiterentwickelt, insbesondere die Medizin und die Mathematik profitierten von diesen Erkenntnissen.


    Deshalb hat mir dieses Heft besonders gut gefallen, weil es mir mal wieder gezeigt hat, dass die Selbstgefälligkeit der westlichen Welt nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, beispielsweise dass die Europäer vor vielen Jahrhunderten von den Chinesen genauso abgekupfert haben wie diese in den vergangenen Jahrzehnten wiederum von der westlichen Welt.