Beiträge von finsbury

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Kiala hat ja schon sehr schön den dritten Band vorgestellt. Dem schließe ich mich im Wesentlichen an. Ich würde jetzt nicht gerade fünf Ratten vergeben, denn großartig oder besonders außergewöhnlich finde ich die Krimiserie nicht, aber das, was du, @Kiala, oben ausführst, macht sie gut lesbar und interessant, nämlich die nebenher vermittelten Infos, die aber geschickt in die Handlung eingebunden sind und die allgemein nette familiäre Atmosphäre, die sowohl für Johns Familie im engeren Sinne als auch für die Gemeinschaft im Tower besteht. Außerdem hat tatsächlich dieser Band noch eine Schippe an Witz draufgelegt, der in den ersten Bänden doch eher mühsam war. Ich werde wohl noch ein wenig in der Reihe weiterlesen.

    Ganz sicher ist das ein Buch, das man besser selber liest, HoldenCaulfield. Für mich ist das einer der besten historischen Romane, die ich kenne, aber er lebt von sogenannten Leerstellen, d.h. er überlässt dem Leser oft selbst, sich eine Meinung über die handelnden Personen zu bilden. An diesen Stellen pausiert man dann von selbst und überlässt sich seinen Gedanken, das geht bei einem Hörbuch schwerer. Außerdem schlage ich oft zurück, weil die Handlung recht komplex ist und ich nicht immer alle Personen mit ihren Hintergründen im Kopf habe,
    Ich finde den Roman dennoch sehr spannend und auch viel authentischer als die meisten historischen Romane, weil nicht versucht wird, aus dem historischen Setting ein buntes Gemälde zu gestalten, sondern eher die Hintergründe von Entscheidungen wichtig sind. "Spiegel und Licht", der dritte Band steht hier bereit, ich will ihn unbedingt in diesem Jahr noch lesen.

    10 b. Lies ein Buch ohne Liebesgeschichte, Affäre, Liebelei zwischen den Protagonisten.

    Gerald Durrell - Die aberwitzige Reise eines betrunkenen Elefanten


    Adrian und Rosy, die Protagonisten, haben keine romantische Beziehung zueinander - schließlich ist Rosy ein Elefant ;)

    Und wie fandest du das Buch, marimirl ? Ich habe es letzte Woche in der Buchhandlung entdeckt und sofort mitgenommen, da ich mich erinnerte, mal ein sehr schönes und witziges Buch von Gerald Durrell über seine Familie auf Kreta gelesen zu haben.

    Ach ja, ein nettes Thema! Es passt zwar absolut nicht zu meinen Lesevorhaben dieses Jahr, aber die schaffe ich sowieso nicht. Also melde ich an:

    Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse ( die Heldin des Romans ist zu Beginn ein Kind ).
    Erich Kästner: Emil und die drei Zwillinge
    Erich Kästner: Das doppelte Lottchen

    Mir geht es so ähnlich wie dir, Hafermilch. Ich bin nicht unbedingt von jedem Band begeistert, aber ich lese immer wieder einen der Krimis, weil man ganz gut in die chinesische Denke eingeführt wird. Was ich schade finde, ist, dass die Krimis ein bisschen künstlich vom wirklich modernen China entfernt sind: Sie sind in den 90ern angesiedelt, weil Qiu seitdem in Amerika wohnt und die neuen Entwicklungen nur von außen kennt. Deshalb integriert er jetzt oft Probleme, die wohl auch heute noch existieren wie die Korruption, die Verleugnung bestimmter "westlicher" Probleme, die es in China angeblich nicht gebe wie z.B. den Serienmord, aber er kann natürlich aus Gründen des zeitlichen Settings nicht die spannenden Aspekte der digitalen chinesischen Gesellschaft , der Übernahme vieler Weltmachtvorrechte thematisieren. Deshalb wirken die Krimis ein bisschen wie ein Puffer zwischen dem sozialistischen Riesenreich und dem heutigen hochentwickelten Technologiestandort mit Great Brother- Absichten.

    Auch ich habe mich nach Schottland begeben und mir die Zeit ein bisschen auf den Highland-Games und dem Clan-Treffen vertrieben.


    Kiala, du hast das oben schon sehr gut geschildert: ein ruhiger unterhaltsamer Krimi mit viel Betonung der Familie und von Freunden , so dass man eine große Menge des Personals aus dem ersten Roman wiedertrifft. Alles plätschert vor sich hin, man erfährt einiges über die Sportarten der Schotten, ein Vogelschutzgebiet und die Verstrickungen zwischen Organisatoren und Sponsoren, alles nix Weltbewegendes, aber die ruhig dahinziehende Handlung entführt einen für eine Weile aus dem Alltag, ohne dass man sich intellektuell anstrengen muss, aber auch ohne dass man sich über schlechte Schreibe und haarsträubende Plots ärgern müsste. Ein angenehmer Zeitvertreib ohne besonderen Anspruch.

    Ich finde ja, dass die Vosssche Übersetzung zu dieser archaischen Welt der "Ilias" bestens passt. Sie ist farbig und sprachlich vielfältig, versucht, den Hexameter nachzuempfinden und ist auch heute noch recht verständlich.

    Und wieder ein Roman von Barbara Pym, diesmal von 1961: In feiner Gesellschaft

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    Dulcie Mainwaring ist mal wieder eine unverheiratete Mittdreißigerin, die ihr Geld mit editorischen Zuarbeiten, wie z.B. dem Erstellen von Registern für Fachbücher verdient. Nebenher ist sie äußerst neugierig und benutzt dazu ihre Kenntnis wissenschaftlicher Methoden. Den Anfang des Romans bildet ein echtes Filetstück Pymscher Ironie und Erzählkunst: ein Kongress für wissenschaftliche Mitarbeiter im editorischen Bereich. Da kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr raus und alle bekommen ihr Fett weg. Auch später gibt es herrliche Szenen z.B. in einem Provinzbadeort an der Küste. Passieren tut eigentlich mal wieder nichts, aber dafür muss man Pym auch nicht lesen: Die sanfte Zerlegung der Frauen- und Männerrollen in den piefigen Endfünfzigern lohnt das Lesen allemal.

    Ach, das weckt Lektüreerinnerungen! Vielen Dank, dodo, dass du uns nochmal am Geschehen teilnehmen lässt. Und ich freue mich, dass du es auch so siehst, dass dieses Versepos einen echten Sog hat und auch Voss seine Übersetzung wohl ziemlich gut gemacht hat.

    Da ich in grauen Vorzeiten Germanistik studiert habe, sind mir recht viele Versepen vor meine Leseraugen gekommen. Aber an Homer und vielleicht noch das Nibelungenlied reicht an dramatischer Gestaltung kaum etwas anderes heran. Wenn andere sicherlich literarisch genauso wertvoll und von ihrer Aussage her tief sind, Homer konnte nebenher auch einiges, was heute eine gute Drehbuchautor*in auch beherrschen muss: Setting und ausgefeilter dramatischer Konflikt mit Verteilung der Aspekte auf charakterlich unterschiedlich angelegte Personen. Das ist z.B. gerade in der von dir geschilderten Szene mit Achilles zu sehen. Übrigens sprechen auch meiner Ansicht nach gerade diese durchgängigen Qualitäten in der Ilias und Odyssee für nur einen Autor.

    Nun habe ich "Kingsbridge" auch gelesen und kann im Wesentlichen eure Bewertungen unterstreichen, nicigirl85 und Kessi69. Das Buch ist ein Pageturner in Folletscher Manier, ob nun ganz von ihm geschrieben oder nur ein Werk seiner Werkstatt wie bei den großen Malern der Renaissance und des Barock (womit ich Folletts literarisches Können selbstverständlich nicht mit deren Genialität gleichsetzen will :breitgrins:). Ich hab's innerhalb meiner letzten fünf freien Tage gelesen und mich ganz gut unterhalten gefühlt.

    Aber diesen Roman trägt keine Idee, wie es bei einigen der gelungeneren Vorgängern der Fall ist, insbesondere bei "Die Säulen der Erde" und in der 20. Jahrhundert-Trilogie. Deshalb lässt die Handlung und lassen die Figuren nichts in einem zurück. Und wie schon oben von euch geschrieben, dieses nicht motivierte und handlungsbestimmende Einbauen von angeblichen Modethemen wie Homosexualität ist ärgerlich, weil so offensichtlich drübergestreut und wird die LTBQ-Gemeinde sicherlich nicht unterstützen. Auch die Bestrafung der Bösewichte gerät mir etwas zu biblisch, insbesondere bei Wynstan.
    Und auch aus dem spannenden Zeitabschnitt hätte man mehr herausholen können. So kam es zu keiner persönlichen Konfrontation mit den WIkingern, bei der man auch diese näher kennen gelernt hätte. Das Gleiche gilt für die keltischen Ureinwohner, von denen uns nur Blod näher vorgestellt wird. Es deutet sich eigentlich nur die Schwäche des Systems an, das dann ein halbes Jahrhundert später auch nicht mit dem Normanneneinfall fertig werden konnte. (Worüber wir im Nachhinein nicht böse sein können, denn gerade die Mischung aus den drei Siedlungswellen macht die heutigen Briten mit ihren vielen die Welt erfreuenden kulturellen Beiträgen und ihrer so besonderen Art aus.)

    Ich möchte gerne von Homer - Ilias anmelden. Früher begannen die Kriegszüge immer nach der Frühjahrsaussaat. Damit die Griechen überhaupt an die Küsten von Troja gelangen konnten, mussten sie vorher mit ihren Schiffen dorthin aufbrechen.

    Das ist ein grandioses Werk. Man glaubt es kaum, weil es ja ein Versepos ist, aber man kann es richtig verschlingen. Liest du eine moderne Prosaversion oder die alte Übersetzung von Voß? Ich habe damals die von Voß gelesen und warselbst erstaunt darüber, was für ein Pageturner das ist. Für die "Odyssee" kann ich mich nicht ganz so begeistern, obwohl die natürlich auch großartig ist, aber nicht so überwältigend archaisch wie die "Ilias".