Beiträge von Peter Waldbauer

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    @ Sogota
    Als Schriftsteller hat man viele (direkte und indirekte) Einnahmen:
    - Verlagsvorschuss (einmalig)
    - Tantiemen gemäß Verlagsabrechnung (halbjährlich oder jährlich)
    - Honorare für Lesungen
    - eigene Buchverkäufe (z.B. auf Lesungen) von Büchern, die der Autor zum Verlagsrabatt bezieht
    - VG Wort (unregelmäßig aber durchaus mehrmals jährlich)
    - Gastdozentur
    - Honorare für Vorträge
    - Honarare für Lehrtätigkeit (kreatives Schreiben)
    - Spesen-Honorar für Medienauftritte/Jury-Mitgliedschaften/Diskussionsrunden (die tatsächlichen Spesen sind immer niedriger als die gezahlte Pauschale)
    - Preisgelder
    - Stipendien
    - Mäzenatentum
    - Bonuszahlungen von Verlagen, wenn der Autor für andere Bücher eine Empfehlung abgibt
    - Honarare für Artikel/Essays (Spiegel, überregionale Tageszeitungen)
    - Einkünfte aus nebenberuflichem Lektorat, Korrektorat

    Entschuldigung, was sind Sie – Autor?!
    Das ist doch kein Beruf! Haben sie nichts gelernt oder warum tun Sie sich das an? Sie haben vielleicht Nerven. Soll Ihre Familie sich für Sie schämen müssen? Ihre Eltern müssen ja vermögend sein, wenn sie Sie in Ihrem Alter noch durchfüttern. Oder jobben Sie nebenher in der Kneipe? So pro forma, so dann und wann, wenn`s dem Herrn Schriftsteller mal beliebt. Jaja, so bummelt man man durchs Leben.


    Das Studium wohl abgebrochen. Erst Jura, dann Germanistik und Literaturwissenschaften war auch nichts für Sie, wie? Zu theoretisch. Was andere über Schriftsteller sagen, interessiert Sie nicht, Sie sind selbst einer. Na, wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Jobs waren auch nicht so Ihr Ding. Die Leute haben Sie genervt, waren Ihnen zu gewöhnlich, zu dumm, zu oberflächlich und Sie haben sie erschlagen mit Ihrer Tiefsinnigkeit. Ja, ja.


    Autor – nicht zu fassen!
    Was machen Sie denn den ganzen Tag? Sagen Sie nichts – ich weiß es. Im Café sitzen, Zeitung lesen, ein bißchen vor sich hinkritzeln und mit der Kellnerin flirten. Ach, früher schrieben die Autoren auch im Kaffeehaus? Ja, weil ihnen nichts anders übrig blieb. Weil in ihren winzigen Buden der Wind durch die Ritzen pfiff. Aber Sie – Sie kokettieren damit. Und immer die existenzialistische Zigarette in der Hand, wie? Und den Dreitagebart und den verlotterten Trenchcoat, den Mantelkragen hochgeschlagen, damit es maskulin aussieht. Sie sind mir einer!


    Was schreiben Sie überhaupt?
    Hoffentlich keine Krimis, gibt schon genug Mord und Totschlag auf der Welt. Thriller etwa, mit Psychopathen als Protagonisten? Oder Fantasy? Noch einer auf den Spuren von Tolkien. Naja, Hauptsache, keine feuilletonistische Nabelschau, kein manisches Kreisen um die eigene Befindlichkeit. Das sind mir die richtigen. Sitzen in Talkshows, machen auf oberschlau, aber kriegen keinen Satz unfallfrei heraus.


    Nein, nein, hören Sie mir auf mit Botschaften! Botschaften hat jeder, hab ich auch. Eine für meine Frau, zwei für meinen Schwager und für meinen Chef gleich mehrere. Und? Belästige ich die Welt deshalb mit Traktaten? Wenn Sie unbedingt etwas loswerden müssen, gehen Sie zur Beichte. Dafür müssen keine Bäume sterben.


    Und mit Ihrem Verlag kommen Sie zurecht?
    Ach, Sie sind dort angesehen. Wie hoch war Ihr letzter Vorschuss? Soso, mehr Freiexemplare als gewöhnlich. Sie sind ja ein richtiger Geschäftsmann. Und Ihr Lektor? Schreibt gerne mit, was? Inoffizieller Co-Autor. Streicht Ihnen ganze Seiten raus und den Titel lehnt er immer erst ab. Nach tagelanger Diskussion einigt man sich dann, findet einen Kompromiss. Kompromiss, haha. Wir wissen ja, wer am längeren Hebel sitzt. Und die Abrechnung müssen Sie dreimal anmahnen. Mensch, vergessen Sie`s.


    Lesungen geben Sie bestimmt auch, so wie ich Sie jetzt kenne. Macht Spaß, was? Unterhaltung, ja, damit die Leute, was zu lachen haben. Am besten so wie Thomas Gottschalk oder noch besser wie Harald Schmidt. Oder warum nicht gleich wie Mario Barth? Dann müssen Sie wenigstens keine Bücher mehr schreiben.
    Fragen aus dem Publikum. Da müssen Sie aber schlagfertig sein. Können nicht ewig überlegen wie in Ihrer Mansarde, wo sie den halben Tag an einem Absatz feilen. Und nach der Lesung kaufen ein paar Gutmütige drei Ihrer Bücher. Gratuliere, Sie Armer.


    Filmrechte? Mensch, Sie sind hier nicht in Hollywood. Höchstens fürs Fernsehen und mit Fördergeldern finanziert. Hören Sie auf, Sie träumen wohl, jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich. Außerdem müssten Sie dafür erst mal gelesen werden. Wer liest Sie überhaupt? Nicht mal Ihre Facebook-Freunde? Ja, dann wird`s schwer. Aber wer hat als Autor schon Freunde? Das Sozialleben bleibt auf der Strecke, verkümmert. Das ist der Preis, den Sie dafür zahlen, dass Sie meinen, Ihre Ergüsse auf Papier bringen zu müssen. Geht ja heute alles ganz fix dank der Technologie. Ich sage nur Copy & Paste. Kennen Sie auch? Ja, das dachte ich mir.


    Früher war das anders, da war Schreiben noch Arbeit. Da war nichts mit „nebenbei im Café“, nichts mit „Laptop in der U-Bahn“. Da war kein vornehmes Tippen angesagt, da mussten Sie hämmern, körperlich arbeiten, verstehen Sie? Da waren Sie hinterher fertig wie nach dem Holzhacken. Und bei Fehlern hieß es neu abtippen und wieder neu und nochmal neu. Da hat man für einen Roman drei Schreibmaschinen verbraucht. Da hätten Sie sich dreimal überlegt, ob Sie Autor werden, bloß weil Sie in der Schule gerne Aufsätze geschrieben haben.


    Früher wurde man auch nicht einfach so Autor. So mir nix, dir nix. So ratzfatz. So kaum aus den Windeln raus. Nein, man musste nicht studiert, aber was erlebt haben. Man musste erst mal herumgekommen sein, zum Mann geworden sein, verstehen Sie? Weltenbummler, Soldat, Abenteurer – Hemingway, Remarque, Jack London. Und heute? Heute geht`s von der Schulbank zur Uni und danach an den Schreibtisch. Ich bitte Sie, was soll das denn? Brauch ich einen, der das, was er selbst nur gelesen hat, für mich aufbereitet? Ach, hören Sie mir auf mit Autor, das ist doch kein Beruf!

    Stufe 1 (naiv)
    Der Autor sendet sein Manuskript unaufgefordert und postalisch an die ihm bekannte allgemeine Adresse eines großen Publikumsverlages und „hofft“ (man weiß ja nie). Die Auswahl des Verlages erfolgt nach dem Motto „breites Verlagsprogramm, da passt meins auch hinein“. Bevorzugt werden (natürlich) Random House, Droemer und Bastei Lübbe, schon wegen den dort publizierten Bestseller-Autoren, in deren Fußstapfen der Autor zu treten hofft.


    Variante:
    Wie oben, jedoch schickt der Autor sein Manuskript (um Kosten zu sparen oder weil die Einsendebedingungen es so vorsehen) per Email an die allgemeine Verlagsadresse (info@...). Ein Emailaccount, in dem täglich 200 Eingänge zu verzeichnen sind: Beschwerden, Praktikumsanfragen, Werbeemails, fehlgeleitete Nachrichten und Manuskriptangebote hoffnungsvoller Nachwuchsautoren. Diese Umstände sind dem Autor in seiner grenzenlosen Naivität entweder nicht bekannt oder er verdrängt sie und hofft „die große Ausnahme“ zu werden.


    Stufe 2 (überlegt)
    Der Autor ist sich aufgrund zahlreicher Berichte über die Aussichtslosigkeit seines Unternehmens mittlerweile seiner „Tropfen-im-Ozean-Situation“ bewusst. Er versucht seine Lotteriechancen durch kreative Maßnahmen zu erhöhen. Zur Auswahl stehen: - auffällige und schöne Umschlagsbeschriftung (Bewerbungsratgeber)
    - farbige Manuskripthülle (J.K. Rowling)
    - kreativ-lustiges Anschreiben (Hera Lind) oder
    - Bezugnahme auf Bestseller, die der Verlag bereits veröffentlich hat, und die dem eigenen Buchprojekt „ähneln“ (Ingrid Noll).
    Der Autor hofft so, aus der Masse „hervorzutreten“. Völlig ausgeschlossen ist das nicht, manchmal klappt das (siehe obige Beispiele).


    Stufe 3 (gezielt)
    Der Autor hat nun verstanden, dass Verlage folgendes niemals lauthals verkünden:
    „Sie können uns schicken, was Sie wollen, wir nehmen gar keine Manuskriptangebote von Newcomern an, sondern nur von (inländischen und ausländischen) Agenten oder wir suchen uns unsere Autoren selbst.“ –
    denn sie wollen keine Leser vergraulen (auch Autoren sind Leser).
    Er hat sich vorher informiert und gibt sich nicht mehr mit der „allgemeinen“ Anlaufstelle – sei sie postalisch oder online – zufrieden. Er hat in Büchern des Verlages unter Danksagung den Namen des Lektors herausgefunden. Er hat im Börsenblatt oder bei buchmarkt.de gelesen, wer für das Belletristikprogramm, die Fantasy-, Krimi- oder Jugendbuchsparte in den jeweiligen Verlagen zuständig ist und kennt nun einen konkreten Adressaten. Diesen schreibt er namentlich auf den Dina-4-Umschlag (dick und unterstrichen) drauf.


    Variante:
    In die allgemeine Emailadresse des Verlages schreibt der Autor „zu Händen von Frau/Herrn X…“; bitte weiterreichen an Frau/ Herrn X... oder „Frau/Herrn X persönlich“.


    Der Autor ist sicher, dass sein Manuskriptangebot nun zumindest an der richtigen Stelle im Verlag ankommt und nicht bereits von den Praktikanten in der Poststelle binnen Sekunden aussortiert wird, weil entweder
    1. kein neuer Dostojewski in Sicht ist oder
    2. dies auf Anweisung der Verlagsleitung generell bei unverlangten Manuskriptangeboten so gehandhabt wird.
    Der Autor ist der Meinung, dass er nun reelle Chancen hat, im Verlag zumindest gelesen zu werden.



    Stufe 4 („clever“)
    Die Situation des Autors ist unverändert. Nach wie vor trudeln formell oder pseudo-individuell formulierte Absagebriefe erst nach Monaten ein oder er hört gar nichts mehr von den Verlagen. Der Autor weiß nun, dass die bloße Namenskenntnis von Lektoren/ Programmleitern kaum weiterhilft. Deren Namen kennt zwar nicht jeder, aber jeder zweite oder dritte.
    Er sucht jetzt den telefonischen Kontakt, er will einen „Ansprechpartner“, dem er sein Projekt „kurz“ vorstellen kann und der dann hoffentlich so reagiert: „Schicken Sie mir mal Exposé und Leseprobe, ich sehe es mir an“.
    Falls dies gelingt, denkt der Autor, vermeidet er den „Praktikantenstapel“ und die „Formabsagen“. Dann geht er nicht mehr in der Masse unter, sondern sticht aus der Anonymität hervor und seine Chancen haben sich signifikant erhöht. Sie liegen nicht mehr im Promill-, sondern im Prozentbereich. Damit ließe sich (für den Anfang) leben.
    Der Autor ruft vor Absendung seines Manuskriptes bei den Verlagen an und verlangt Lektor/-in X zu sprechen. In der Zentrale wird gefragt, um was es geht und dann wird der Autor entweder
    1. nicht durchgestellt
    2. auf den offiziellen Weg verwiesen
    3. in Ausnahmefällen (und bei kleineren Verlagen) durchgestellt, wobei der Lektor
    a) krank
    b) im Urlaub
    c) im Meeting
    d) gerade nicht am Platz ist.
    Nach mehreren solcher Kaltaquisen ist der Autor stark ernüchtert. Zudem hat er erfahren müssen, dass Lektoren dieses Vorgehen „nicht so gerne haben“.


    Stufe 5 (forsch)
    Der Autor hat es geschafft auf Umwegen (und mit Tricks aus dem Hardselling) die Durchwahlen der Lektorate herauszubekommen. Da er es unermüdlich probiert, bekommt er tatsächlich irgendwann einen Lektor zu sprechen. Allerdings
    1. hört dieser bloß in abweisender Manier zu
    2. unterbreitet der Lektor selbst kein Einsende-Angebot
    3. reagiert er kühl-zurückhaltend auf den Einsendevorschlag des Autors
    4. kann er in jedem Fall „nichts versprechen“.
    Das Telefonat führt beim Autor zu der Erkenntnis, dass der Lektor ihn für ziemlich naiv halten muss.
    Hat der Autor doch einmal eine freundliche, entgegenkommende und sehr interessierte „Lektorin“ an der Strippe, mit der er sich herzlich austauscht, stellt sich am Schluss des Gespräches überraschend heraus, dass er die ganze Zeit mit der Praktikantin telefoniert hat. Die Lektorin sei erst nächste Woche wieder da.
    Den Autor beschleicht das Gefühl, seine Zeit zu verschwenden und wieder am Anfang zu stehen.


    Stufe 6 (mutig)
    Der Autor ist nun der Meinung, dass telefonischer Kontakt wenig bringt. Er hat verstanden, dass „Buchmenschen“ scheue Wesen sind, die vor brüsker Kontaktaufnahme zurückschrecken und „unverlangte Anrufe“ noch weniger schätzen als „unverlangte Manuskripte“.
    Er sucht jetzt den persönlichen Kontakt zum Lektor, die physische Präsenz. Er will im Vier-Augen-Gespräch sein Buchprojekt nahe bringen. Da Klingeln am Verlagstor kontraproduktiv erscheint, bleibt dem Autor nur die jährliche Buchmesse, um mit seinen Wunschlektoren in Kontakt zu treten.
    Wegen seiner Bedeutung und geographischen Nähe kommt vor allem Frankfurt in Betracht, wobei Leipzig als „Notlösung“ akzeptabel erscheint. Der Autor ist nicht so naiv, an den Privatbesuchertagen zur Messe zu gehen. Sie gleicht einem indischen Basar. Sein Ersuchen wäre aussichtslos, schon aufgrund der schieren Menschenmasse. Er müsste seine ganze Energie darauf verwenden, im Trubel nicht unterzugehen.
    Er hat bereits veröffentlicht als Selfpublisher, er hat eine ISBN und ein vorzeigbares Produkt, er wird an den Fachbesuchertagen hingehen. Das dortige Treiben ist schon immens genug.


    Der Autor verzichtet darauf, sein Manuskript selbst mit auf die Reise zu nehmen. Es wäre bei der Kontaktaufnahme bloß hinderlich. Es würde die Aufdringlichkeit seines Anliegens von weitem verraten. Es bliebe, selbst wenn man es in Empfang nähme, womöglich im Hotel oder Zugabteil liegen. Der Autor ersehnt allein das Gespräch mit dem Lektor und misst an dessen Zustandekommen seinen Erfolg.


    Der Autor lauert um die Stände der Buchmesse. Er sieht die Bestsellerautoren bei ihren Verlagen sitzen und reden und begrüsst werden, er sieht Verlagsmitarbeiter und Gäste mit Gläsern in der Hand, er sieht die großen Plakate und Ankündigungen, die Bücherstapel, ihm läuft das Wasser im Mund zusammen, er fasst sich ein Herz. Er spricht die freundliche Praktikantin am Verlagsstand an, fragt nach dem Lektor. Der Lektor ist gerade im Gespräch. Macht er mal Pause? Ja, wann kann sie nicht sagen und dann wartet gleich der nächste Gesprächspartner.


    Der Autor geht erst mal zum nächsten Verlagsstand auf seiner Liste. Dort ist der Lektor „dieses Jahr nicht mit zur Messe gekommen“; er ist in München, Hamburg, Berlin oder Köln geblieben. Das ist aber schade, sagt der Autor. Ja, sagt die freundliche Praktikantin und begrüsst zwischendurch eine Verlagsautor.
    Kommt der Lektor im Frühjahr nach Leipzig? Vielleicht.
    Ist noch jemand vom Lektorat da? (der Autor gefällt sich mit dieser professionellen Formulierung)
    Ja, aber völlig ausgebucht.
    Ob man eben nicht mal kurz dazwischen…?
    Um was geht es? Manuskriptangebot? Ach so!


    Der Autor geht zurück zum ersten Verlagsstand. Dort sitzt inzwischen ein anderer Gesprächspartner beim Lektor. Verflixt! Dann weiter zum dritten Verlag. Der Lektor ist gerade nicht am Stand. Er ist „irgendwo in der Halle unterwegs“, müsste aber „gleich wiederkommen“. Soll ich ihn abpassen?, fragt sich der Autor. Soll ich hier überhaupt observieren, beschatten, verfolgen? Bin ich Schriftsteller oder Privatdetektiv?
    Mit einem Ohr hört er das Gespräch am Nachbarstand. Ein Jungautor bietet sein Manuskript an. Die Dame am Infostand verweist ihn auf die formelle Einsendung und überreicht ihm ein Formblatt. Der Jungspund zieht dankend ab. Ach so, denkt jetzt auch der Autor und tritt desillusioniert die Heimreise an.



    Stufe 7 (routiniert)
    Der Autor hat nach monatelangem Bemühen endlich einen dauerhaften Kontakt zum Lektor hergestellt. Er hat dies dadurch geschafft, dass er entweder sehr beharrlich (aber stets freundlich) nach ihm gefragt hat, von der Zentrale mit ihm verbunden wurde (bei kleineren-mittleren Verlagen möglich) oder sich gleich auf die inhabergeführten Verlage beschränkt hat, in denn der Verleger noch selbst ans Telefon geht.
    Eventuell haben „Lektoren gewechselt“, es weht ein frischer Wind im Lektorat. Die Nachfolgelektorin ist die frühere (freundliche) Praktikantin, der jetztige Lektor sieht und handhabt einiges anders als sein Vorgänger, Programme werden durchmischt, Sparten neu eingeführt oder ausgebaut. Plötzlich, passt es.


    Das Manuskriptangebot des Autors wurde als „grundsätzlich interessant“ wahr genommen, wobei man noch sehen müsse, wann und wo es „reinpasst“. Der Autor telefoniert oder emailt zwei- bis dreimal im Jahr mit „seinem“ Lektor, fragt nach dem Stand der Dinge und informiert ihn, wenn sich in seiner Vita etwas Neues ergibt. Auch hat der Lektor beim letzten Gespräch angeregt, dass sich der Autor eines bestimmten Themas oder einer bestimmten literarischen Form einmal annehme und zu Exposé und Probekapitel aufgefordert.


    Der Autor hat nun eine „richtige Verlagsbeziehung“ (wenn auch noch keinen Verlagsvertrag). Sie ist das Ergebnis professionellen, ausdauernden Bemühens und geprägt von gegenseitigem Interesse, wobei die einseitige Abhängigkeit des Autors vom Verlag nicht mehr so deutlich zu Tage tritt. Der Autor sieht sich nicht mehr als Bittsteller, sondern als Lieferant, der mit einer Firma ins Geschäft zu kommen wünscht. Auf diesem fruchtbaren Boden kann der erste Erfolg des Autors (Verlagsveröffentlichung) irgendwann gedeihen. Der Autor ist nun vorsichtig optimistisch.