Beiträge von stefanie_j_h

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ich habe vor vielen Jahren den ersten Teil gelesen und er hat mir damals überhaupt nicht gefallen (vermutlich zum Teil auch, weil ich Jane Eyre damals noch nicht gelesen hatte). Ich würde es aber gerne nochmal mit der Reihe versuchen und zumindest den ersten Band mit euch gemeinsam lesen.

    Ich habe mich jetzt auch durch den zweiten Abschnitt gequält. Zeitweise wird es für mich wieder interessanter, dann kommt der nächste Sprung in der Handlung und der Lesefluss geht mir verloren.


    Ich habe mich jetzt auch von dem Gedanken verabschiedet, dass es eine durchgehende Handlung mit einem roten Faden geben wird. Wir müssen mit einzelnen Bildern und Szenen vorlieb nehmen und uns die Geschichte irgendwie selbst zusammenreimen.


    Was ich mich gefragt habe: hat Anna nun nur wegen des Geldes geheiratet? Dass ihr Ehemann so früh verstirbt, konnte sie zwar nicht ahnen, ihre Situation aus dem ersten Abschnitt hat sich allerdings deutlich verbessert.


    Zoe ist für mich eigentlich die interessanteste Figur, sie ist so wenig durchschaubar, verändert ihr Leben aus einer Laune heraus komplett und macht oft den Eindruck, als würde sie nur eine Rolle spielen, von einer Person, die sie im Augenblick gerne wäre.


    Mal sehen, was mich im letzten Abschnitt noch erwartet...

    Ich habe mich jetzt durch den ersten Teil gequält, viel zu ergänzen habe ich aber nicht mehr. Annas Perspektive war zwar etwas angenehmer zu lesen, der ständige Wechsel zwischen Tagebucheinträgen und aktueller Erzählung war aber sehr störend.


    Überraschend kam, dass sie jemanden heiratet, den sie gerade getroffen hat, aber wenn man über sie und ihr Leben nachdenkt, ist das auch nicht so überraschend. Stephen ist weggezogen, Russel verheiratet und hat Kinder, Zoe hat auch ihr eigenes Leben und Annas Beziehung zu ihren Pflegeeltern ist auch nicht gerade toll. Ist ja verständlich, dass sie jemanden in ihrem Leben haben möchte und ihr auch die finanzielle Absicherung wichtig ist.


    Ich weiß immer noch nicht, was das Buch mir sagen will und in welche Richtung die Geschichte sich weiterentwickeln wird. Ich lese weiter, aber das kann noch etwas dauern, da das Buch mir eine Leseblockade beschert hat und ich die nächsten Tage außerdem dienstlich unterwegs bin und kaum Lesezeit haben werde.

    Puh, ich bin froh, dass ich mit meinen Eindrücken nicht allein bin. Ich habe es noch nicht geschafft, den Abschnitt fertigzulesen, weil ich wirklich schwer in das Buch reinkomme. Ich finde die Geschichte wirklich interessant, auch die Charaktere, obwohl sie bisher keine großen Sympathieträger sind und ich mich z.B. schon mehr als einmal über die verwöhnte, arrogante Zoe geärgert habe. Ich sehe da auch großes Potential und bin gespannt, wie es weitergeht, aber die Erzählweise ist wirklich schwierig.


    Was mich stört sind seltsame, unnatürliche Dialoge und komische, komplett aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Ständig muss ich zurückblättern oder Absätze nochmal lesen. Das braucht Zeit und ich muss mich jeden Tag dazu zwingen, das Buch wenigstens kurz zur Hand zu nehmen... Ich hoffe es tritt noch eine Art Gewöhnungseffekt ein und ich komme dann schneller voran.


    Inhaltlich bin ich schon sehr gespannt, wie sich das noch entwickelt. Aktuell würde ich ja sagen, dass es durchaus Potential gibt, dass sich eine Liebesgeschichte zwischen Zoe und Stephen bzw. Russell und Anna anbahnt, aber vermutlich geht die Autorin da ganz andere Wege.


    Ich frage mich auch, was ihm wohl zugestoßen sein mag, da er nach außen überhaupt nicht traumatisiert wirkt...


    Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass der 2. Weltkrieg gemeint ist und habe mir über den Zeitrahmen sonst keine Gedanken gemacht. Für die Erzählung ist es vermutlich auch egal, in welchem Krieg er war. Zoe denkt relativ am Anfang auch sowas wie "Männer sind schon immer aus Kriegen zurückgekehrt" und das habe ich auch so verstanden, dass es keine Rolle spielt, in welchem Krieg Russell war.

    Mein Buch liegt vermutlich in der Packstation. Allerdings nicht in der, bei der ich jeden Tag auf dem Arbeitsweg vorbeikomme, sondern bei einer anderen, die noch einen Umweg erfordert. Ich habe es gestern leider nicht geschafft, dort vorbeizugehen, aber heute Abend habe ich das Buch dann hoffentlich.

    Seit "Die Magier von Montparnasse" und "Der Kristallpalast" ist Oliver Plaschka einer meiner Lieblingsautoren. In seiner Kurzgeschichtensammlung "Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt" führt er uns einmal quer durch Zeit und Raum. Vom 19. Jahrhundert bis in eine postapokalyptische Zukunft, Haiti, Konstantinopel, fremde Planeten – es wird nie langweilig und mit jeder neuen Geschichte findet man sich als Leser in einer komplett anderen Situation und oft auch einem anderen Genre wieder.


    Wie in Kurzgeschichten üblich, bleibt wenig Raum, Charaktere oder Situationen mit vielen Details einzuführen. Oliver Plaschka gelingt hier der Spagat, genug Informationen zu liefern, damit der Leser folgen kann, die Geschichte andererseits nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Ein gewisser Interpretationsspielraum bei der Deutung ist immer vorhanden, was ich gerade bei Kurzgeschichten sehr wichtig finde.


    Besonders gefreut hat es mich, liebgewonnene Charaktere aus Oliver Plaschkas Romanen und auch von anderen Autoren (z.B. Sherlock Holmes) in diesem Buch wiederzutreffen. Dabei ist ein Hintergrundwissen aber keine Voraussetzung, um die Geschichten zu verstehen und Spaß daran zu haben.


    Allgemein sind die Geschichten sehr unterschiedlich und so ist es auch ganz normal, dass einem die eine vielleicht etwas besser gefällt, als die andere. Manche Leser mögen Märchen lieber als Science Fiction, oder lesen lieber über die Zukunft als über das 19. Jahrhundert. Insgesamt hatte ich aber mit allen Geschichten sehr viel Spaß und möchte diese Kurzgeschichtensammlung sowohl Fans als auch Oliver-Plaschka-Neulingen ans Herz legen. 5ratten

    Tut mir leid, bei mir hat es im April leider einfach nicht gepasst. Bin kaum zum Lesen gekommen und mein Luxemburg-Buch hat mich nach 50 Seiten nicht vom Hocker gerissen, so dass es erstmal wieder im Regal gelandet ist. Trotzdem war es ein tolles Thema für die Monatsrunde :klatschen:

    "Irgendwo muss man ja mal reinpassen, ohne sich so wahnsinnig anzustrengen."


    Leyla und Basil sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Als Kinder eines Saudi-Arabischen Vaters und einer Deutschen Mutter sind sie nach dem gemeinsamen Umzug der Familie von Saudi-Arabien nach Deutschland und einem Schicksalsschlag stark aufeinander angewiesen, leben auch als Erwachsene noch gemeinsam in einer WG. Umso unverständlicher ist es für Basil, als Leyla plötzlich ihr Leben in Deutschland hinter sich lässt, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht und in der alten Heimat heiraten will. Basil, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, reist mit gemischten Gefühlen zur Hochzeit seiner Schwester.


    Rasha Khayat schafft es, in starken und intensiven Bildern die Geschichte von Leyla und ihrer Familie zu erzählen. In kurzen Kapiteln springt sie mit den Lesern von Kindheitserinnerungen über Rückblenden auf das Leben der Eltern hin zu den aktuellen Geschehnissen. Aus diesem Flickenteppich an Bildern und Erinnerungen ergibt sich schließlich ein faszinierendes Gesamtbild. Die Geschichte lebt für mich von ihrer Kürze. Rasha Khayat hält sich nicht mit langen Erklärungen auf und auch das Ende bleibt relativ offen. Ob Leyla schließlich mit ihrer Entscheidung glücklich wird, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.


    Da ich mich schon länger für die arabische Welt interessiere, fand ich natürlich die Hochzeitstraditionen und die Familien- und Geschlechterrollen sehr spannend. Manche Vorurteile von Basil und uns Lesern werden zwar bestätigt, andererseits ist einiges sehr viel westlicher und moderner, als wir erwarten würden. Auch die Zerrissenheit von Leyla, die aus ihren zwei Heimatländern und dem Gefühl, nirgends richtig zuhause zu sein, resultiert, fand ich spannend dargestellt.


    Insgesamt hat mich hat mich Rasha Khayats Debutroman aufgrund der starken Sprache, der spannenden Geschichte und der authentischen Figuren überzeugt und ich würde mich freuen, bald mehr von ihr zu lesen. 5ratten

    Ich muss mich nochmal für die Verspätung entschuldigen, es ging hier etwas langsamer los, als ich dachte und so bin ich mit dem Lesen doch in die Messewoche gerutscht. Da hatte ich, wie gesagt, keine freie Minute und nicht mal eine Internetverbindung außer auf dem Handy. Kaum zuhause bin ich dann krank geworden und heute war der erste Tag, an dem ich wieder konzentriert lesen konnte.


    Eine Rezension schreibe ich in den nächsten Tagen natürlich auch noch. :winken:

    Mich überrascht es übrigens, dass das Buch bei euch nicht ganz so gut weggekommen ist. Ich hatte schon allein aufgrund des Umfangs von unter 200 Seiten damit gerechnet, dass man hier eher ein paar kleine Einblicke bekommt, aber keinen kompletten Roman mit allen Hintergründen und Details.


    Dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt, bestätigt mich eigentlich darin, dass Rasha Khayat ihre Sache gut gemacht hat. Sie hat genau so viel verraten, wie sie musste, damit man ein stimmiges Bild erhält, aber für den Leser noch genug Interpretationsspielraum offen gelassen. Die Frage nach Basils Freundin, oder ob Barbara Leyla nun besuchen wird, das sind doch alles Dinge, die man sich selbst ausmalen kann. Ich bin ein großer Freund von Büchern, die nicht alles aussprechen, sondern dem Leser einen gewissen Freiraum lassen.


    Den kurzen Einschub zu Tarek fand ich sehr schön und es hat mich auch gefreut zu lesen, dass er und Barbara wohl eine harmonische Ehe hatten und sie wohl auch glücklich war. Hat der plötzliche Tod von Tarek sie so verändert? Und warum will sie nicht mehr in das Land ihres Mannes reisen, nicht einmal ihrer Tochter zuliebe? Da fehlen mir einfach auch die Erklärungen und mir ist das alles zu offen geblieben.


    Das hat mir auch ein bisschen die Erklärung gefehlt. Ich kann verstehen, dass Barbara noch immer um ihren Mann trauert und deshalb alles hinter sich lässt, was sie an ihn erinnert, aber das ist ja gleichzeitig ein Teil ihrer Kinder, den sie da nicht mehr wahrhaben will.



    Für einen westlich orientierten Mann kann das Leben dort genau so eingeschränkt sein wie für eine Frau. Sicher, es werden Vorschriften umgangen, aber eben doch im Verborgenen, im nicht öffentlichen Raum. Dort würde man sein "sich treiben lassen" auch nicht lange akzeptieren.


    Das ist eine gute Beobachtung. Man ist immer so fokussiert auf die Einschränkungen der Frau in der arabischen Welt, dass aber auch der westliche Mann dort nicht so Leben kann wie hier, zeigt das Buch eigentlich recht gut. Auch wenn man nicht so viel über Basil erfährt, ist der Kontrast zwischen seinem deutschen Leben und dem, was er in Saudi Arabien erlebt, doch sehr groß.



    Warum der Besuch in Mekka so wichtig war, hat sich mir leider auch nicht erschlossen. Weil man den alten Onkel besuchen musste oder weil Basil einmal dort gewesen sein musste. Entsetzt hat mich der Vorbeter. Da fährt man also nach Mekka, geht 7 Mal um die Kaaba rum und lässt einen anderen für sich beten. :rollen: Das erinnerte mich an die Ablassbriefe, die man früher kaufen konnte.


    Den Vorbeter fand ich auch erschreckend. Eigentlich bräuchte man dann doch selbst gar nicht hinfahren. Einfach jemanden bezahlen, dass er für einen nach Mekka fährt und alle Gebete und Rituale durchläuft.

    Mit einiger Verspätung bin ich nun auch durch mit dem Buch.


    Mir hat das Ende ganz gut gefallen und ich bin froh, dass uns weder ein Happy End, noch ein Ende mit Schrecken präsentiert wird. Leyla hat ihre Entscheidung getroffen und wie es ihr damit geht oder gehen wird, werden wir nie erfahren. Es hätte für mich nicht zum Buch gepasst, da noch eine überraschende Wendung einzubauen oder eine "Lösung" für ihr Problem zu präsentieren, dass sie sich eben in beiden Welten fremd fühlt.


    Sehr interessant fand ich, die Hochzeitstraditionen in Saudi Arabien ein bisschen näher kennenzulernen. Der Junggesellenabschied ist sicher keine "echte" Tradition, sondern eher der Versuch, trotz strenger Regeln der westllichen Welt nachzueifern. Basil hat mir in der Situation ganz schön leid getan, er fühlte sich ja richtig fehl am Platz. Auch die Hochzeit an sich ist für unsere Ansicht eher enttäuschend. Die Frauen feiern in großer Runde ein rauschendes Fest, die Männer gehen irgendwann nach Hause und spielen Playstation. Dass Braut und Bräutigam nicht mal ihre Hochzeit gemeinsam feiern dürfen, fand ich schon erschreckend.


    Ansonsten hat es mich gefreut, noch ein bisschen mehr über Tarek zu lesen. Auch Alex, der Mitbewoner und Ex-Freund von Leyla findet noch Errwähnung. Dass er sich nicht wirklich für eine Beziehung zu Leyla entscheiden konnte und ihre Liebe nicht erwidert hat, war sicher mit ein Grund dafür, dass Leyla Deutschland verlassen hat.


    Am Ende bleibt für mich ein recht versöhnliches Bild zurück. Leyla hat die Geborgenheit der arabischen Familie gefunden und man kann ihr nur wünschen, dass das in ihrer Ehe mit Rami so bleibt. Basil hat seine Verwandten nach langer Zeit wiedergesehen und wird durch die Verbindung zu Leyla nun sicher öfter die Reise nach Saudi Arabien antreten. Vielleicht kann auch Barbara ihre Trauer um Tarek überwinden und ihrer Tochter zuliebe etwas offener gegenüber Leylas Entscheidung sein. Das sind zumindest meine Gedanken zum Ende, aber das kann sich ja jeder selbst ausmalen.

    Verwehren kann man die Ausreise eigentlich nicht, die Kinder haben beide die deutsche Staatsangehörigkeit und beide Elternteile reisen mit. Seltsam finde ich es allerdings auch.


    Ich hatte mir ja auch überlegt, dass sie es auch vor der restlichen Familie nicht groß erzählt hatten und deshalb auch die Kinder nichts wissen sollten. Aber ihr habt schon recht, ein bisschen seltsam ist es schon, den Kindern die Umstellung unnötig schwer zu machen.


    Umso trauriger, dass Barbara anscheinend mit der Familie ihres Mannes keinen Kontakt mehr haben möchte, aber vielleicht ist das für sie auch einfach zu schwer? In Jeddah würde sie wahrscheinlich andauernd an ihren Mann erinnert werden und so wie ich das sehe, hat sie seinen Tod immer noch nicht verkraftet. Sie ist innerlich gefroren und lässt keine wirklichen Gefühle mehr zu. Ich habe ja so das Gefühl, dass Layla deswegen auch zu ihrer Verwandtschaft geflüchtet ist und sich dort so wohlfühlt, weil dort so viel Wärme und Nähe verbreitet wird, die ihre Mutter wohl gar nicht mehr in der Lage ist zu geben.


    Da stimme ich dir zu, ich vermute auch, dass Barbara den Kontakt zu der Familie in Jeddah abgebrochen hat, da sie dadurch nur schmerzlich an Tarek erinnert werden würde. Und es kann auch gut sein, dass Leyla gerade deshalb diese Herzlichkeit und Wärme ihrer Familie in Saudi Arabien sucht.



    Etwas seltsam fand ich allerdings, dass sie die Kinder auf den Umzug nach Deutschland nicht vorbereitet haben?! Die Umgewöhnung wäre den beiden sicher leichter gefallen, wenn die Übersiedlung nicht aus heiterem Himmel über sie herein gebrochen wäre.


    Ich habe selbst keine Kinder und kann mir deshalb nicht ganz vorstellen, in welche Entscheidungen man Kinder einbeziehen würde und in welche nicht. Ich würde aus meiner Sicht jetzt aber denken, dass Leyla und Basil noch sehr jung waren und nicht ganz verstanden hätten, welche Tragweite die Umsiedlung nach Deutschland hat. Ich kann auch verstehen, dass Barbara und Tarek kein unnötiges Drama daraus machen wollten und den Kindern den Abschied dadurch erleichtern wollten.
    Ein Gedanke, den ich dazu gerade habe: Haben die beiden es Tareks Familie gesagt, dass sie nicht zurückkommen? Oder wollten sie sich auch hier unnötige Diskussionen ersparen? Das ist mir aus dem Buch gerade nicht präsent, ob dazu was erwähnt wird.



    Neben all den Erinnerungen beginnt Layla über ihre Beweggründe zu sprechen. Über ihre Sicht der Vergangenheit, ihr Andersein, dass sie sich immer fremd fühlte, als Fremde behandelt wurde. Dass sie eben nicht nur das Beste von beiden Kulturen hat, sondern dass sie in Deutschland nie vollkommen als Deutsch behandelt wurde. Ihr Aussehen und ihr Name haben sie stets ausgegrenzt. Wie verloren sie sich oft gefühlt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass allein die ewige Fragerei nach ihrer Herkunft, ihrem Vater, ihr Leben in Saudi und so fort richtig nervt. Oder die Bitte doch mal was in Arabisch zu sagen - sowas kann einem schrecklich auf den Nerv gehen.


    Das ist etwas, das ich gut nachvollziehen kann. Und ich muss mich immer wieder selbst erziehen und daran denken, dass jemand, der ausländisch aussieht und einen ungewöhnlichen Namen hat, genauso gut in Deutschland geboren sein kann, wie ich. Nervige Fragen nach der Herkunft versuche ich da immer zu vermeiden.


    Das mit der Religionspolizei ist echt hart. Ja, die Menschen haben sich damit arrangiert und betrachten es wohl als normal, aber heftig ist es trotzdem, wenn man mal kurz darüber nachdenkt. Trotzdem schön zu lesen, wie sich die Menschen einfach darin einrichten und es sich trotzdem doch sehr gut gehen lassen.


    Ich habe die Religionspolizei im Buch nicht so bedrohlich wahrgenommen. Ich hatte den Eindruck, dass zwar einiges überprüft und überwacht wird, die Religionspolizei aber keine wirkliche Macht hat.