Beiträge von stefanie_j_h

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.


    Ich habe einige Stelle in diesem Abschnitt noch einmal nachgelesen und bin dabei wieder auf die Stelle gestossen, als Omar und Basil sich am Flughafen begrüßen. Da steht, dass Omar zum dritten Mal verheiratet ist. Die dritte in Folge oder drei gleichzeitig? Das wird aus dem Text nicht so ganz klar. Was meint ihr?


    Das habe ich wohl überlesen. Ich würde mal für die dritte Frau in Folge plädieren, aber natürlich ist die andere Variante auch denkbar.


    Und vielen Dank für den Link, yanni!

    Mir gefällt das Buch auch nach diesem zweiten Abschnitt noch richtig gut.


    Mir macht das Lesen sehr viel Spaß und das kommt sicher auch davon, dass ich das Buch als sehr positiv wahrnehme. Auch wenn Basil nicht glücklich darüber ist, dass seine Schwester nun in Saudi Arabien lebt und dort heiratet, macht er ihr zuliebe die ganzen Aktivitäten mit, geht zum Freitagsgebet, fährt mit Leylas Verlobtem und der ganzen Familie ans Meer...


    Auch in den Rückblenden in die Vergangenheit benehmen sich eigentlich alle Beteiligten sehr vernünftig. Barbara hat Tarek geheiratet, die Verwandten aus Saudi Arabien kamen zur Hochzeit und auch wenn Barbaras Eltern sicher nicht begeistert von der Entscheidung waren, wurden die neuen Verwandten aus dem fernen Ausland herzlich empfangen. Dass man an dieser Stelle eigentlich recht wenig über das Leben von Barbara und Tarek in Saudi Arabien erfährt, finde ich schade. Es ist aber natürlich verständlich, da das Buch die Geschichte von Leyla (und Basil) erzählt und der Fokus auf den beiden liegt.


    Dass Tarek so früh gestorben ist, ist tragisch für die ganze Familie. Das erklärt nun auch, warum Leyla uns Basil viel bei den Großeltern waren oder sogar dort aufgewachsen sind. Barbara hat den Verlust offensichtlich nie so richtig verkraftet. Schlechte Erfahrungen scheint sie allerdings nie mit Saudi Arabien oder Tareks Familie gemacht zu haben, deshalb ist es für mich nach wie vor unverständlich, dass sie Leyla nicht unterstützt in ihrer Entscheidung und nicht bei der Hochzeit dabei sein will.


    Das Gespräch zwischen Basil und Leyla am Ende dieses Abschnittes fand ich sehr aufschlussreich. Leyla äußert sich nun endlich zu ihren Beweggründen, sagt was sie an Deutschland gestört hat und warum sie lieber nach Saudi Arabien zurück wollte. Die Beziehung zu Alex scheint ja für sie auch alles andere als leicht gewesen zu sein. Vielleicht braucht sie nach all dieser Offenheit und der Unverbindlichkeit ihrer früheren Beziehung auch die klaren Regeln und Strukturen, die die Hochzeit ihr geben.


    Barbara hat also einen arabischen Arzt geheiratet. Die Art und Weise wie ihre Eltern das erfahren haben, fand ich sehr unvorteilhaft für das weitere Verhältnis zu ihrer Familie. Gab es da etwa einen Bruch?


    Das ist wirklich maximal ungünstig gelaufen. Da haben mir Barbaras Eltern etwas leid getan, denn auch wenn sie nicht mit der Entscheidung einverstanden waren, hätten sie das sicher trotzdem von ihrer Tochter selbst gehört.



    Da stimme ich dir voll zu. Ich habe ein Interview mit der Autorin auf dem Blauen Sofa gesehen, dass mein Interesse an diesem Buch noch mehr geweckt hat. Zudem kann ich meine Mann mit Fragen löchern, da er schon öfter beruflich in Saudi Arabien und eben auch in Jeddah war.


    Da muss ich gleich mal schauen, ob man das Interview irgendwo findet. Und ich hoffe auf Insider-Infos zu Jeddah :smile:

    Gestern habe ich den ersten Abschnitt gelesen und am liebsten hätte ich gar nicht aufgehört. Mir hat der Einstieg in das Buch richtig gut gefallen und ich bin sehr gespannt, wie Leylas Geschichte weitergeht.


    Schon das erste Kapitel "Schnee" zeigt ganz deutlich, dass Leyla und Basil aus einer ganz anderen Welt kommen. Sie haben noch nie Schnee gesehen und müssen das Neue erstmal mit allen Sinnen kennenlernen. Schön fand ich, dass Leyla und Basil mit ihren Großeltern Eislaufen gehen und obwohl das für sie neu ist und zumindest Basil seinen Klassenkameraden nicht begegnen will, werden die beiden nicht gehänselt oder von anderen Kindern diskriminiert. Auf so eine Szene habe ich die ganze Zeit gewartet, aber Basil wird am Ende ja von den Schulkameraden sogar gefragt, ob er beim nächsten Mal auch mit Eishockey spielen will.



    Basil kann, genau wie seine Mutter, Layla nicht verstehen. Wohl fällt ihm aber auf, dass seine Schwester sich in Saudi Arabien wohl fühlt. Sie wirkt entspannt und lächelt sie die ganze Zeit. Sie scheint in sich selbst zu ruhen.


    Ich hatte auch ein paar Bedenken, dass Leyla sich in Saudi-Arabien nicht wohlfühlen würde, aber sie wirkt aus Basils Beschreibung sehr positiv. Ich bin auch froh, dass wir an dieser Stelle nicht gleich mit Klischees konfrontiert werden oder die negativen Seiten der Kultur aufgezeigt bekommen. Basil kommt in Jeddah an, wird herzlich empfangen und findet eine glückliche Großfamilie vor, die sich auf die bevorstehende Hochzeit und seine Ankunft freut.


    Das Kapitel über die Mutter, Barbara, fiel dann ein bisschen aus der restlichen Erzählung heraus. Ich fand es aber auch sehr schön gemacht, Rasha Khayat zeigt uns hier nochmal deutlich, dass Barbara auch rebelliert hat, nicht das getan hat, was ihre Eltern von ihr erwartet haben. Genau das tut Leyla doch auch. Sie fügt sich nicht dem Lebensweg, den ihre Mutter oder ihr Umfeld von ihr erwarten, sondern sie bricht aus und macht genau das Gegenteil. Eigentlich würde ich von Barbara mit ihrem Hintergrund etwas mehr Verständnis für die Tochter erwarten.

    Zwei junge bulgarische Männer haben in Österreich ihr Glück gesucht, aber nicht gefunden. Ihre letzte Rettung ist ein Wunder und der Serbe Miro, der auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben liegt. An seinem Grab treffen sich Svetljo und Iskren zum ersten Mal, obwohl sich ihre Schicksale schon zuvor mehrmals gekreuzt haben.


    Dimitré Dinev hat in seinem Roman "Engelszungen" den Bogen gespannt über drei Generationen zweier Familien und fast ein ganzes Jahrhundert bulgarischer Geschichte. Angefangen bei den Großeltern von Svetljo und Iskren erzählt er die Geschichte ihrer Familien, die einerseits kaum unterschiedlicher sein könnten, in vielen Dingen aber sehr ähnlich verlaufen. Den besonderen Reiz machen die kleinen Parallelen und Überschneidungen aus, die es zwischen den beiden Erzählsträngen gibt. So erlebt man manche Szene aus zwei Perspektiven und trifft manche Figuren in beiden Geschichten. Um dies zu bemerken ist aber manchmal hohe Konzentration beim Leser gefragt, die Kapitel sind sehr lang und bevor man wieder zurück bei Svetljo landet, hat man sich oft so in Iskrens Geschichte vertieft, dass man Nebenschauplätze oder unwichtige Personen aus Svetljos Umfeld schon wieder vergessen hat.


    Damit komme ich auch schon zu meinem Hauptkritikpunkt: Die Geschichte ist sehr komplex, es gibt viele Personen, viele Schauplätze und lange Kapitel, die man beim Lesen schlecht unterbrechen kann. Die Familienstammbäume hinten im Buch helfen ein bisschen, aber Figuren außerhalb der Familien muss man sich trotzdem selbst merken. Außerdem hatte das Buch für mich einige Längen, erst als die Erzählung bei den beiden Hauptcharakteren ankam, hat es mich wirklich gefesselt. Schade fand ich, dass das Leben als Einwanderer in Österreich relativ kurz abgehandelt wurde, da ich davon ausgegangen bin, dass das der Schwerpunkt des Buches wäre.


    Stilistisch fand ich "Engelszungen" sehr angenehm zu lesen, die Sprache ist wunderbar poetisch. Bemerkenswert dabei ist, dass das Buch vom gebürtigen Bulgaren Dinev in deutscher Sprache verfasst wurde. Einige österreichische Begriffe haben sich eingeschlichen, was sehr gut zur Geschichte passt und ihr einen besonderen Charme verleiht.


    Insgesamt ist “Engelszungen” ein Familienroman, wie man ihn sicher in ähnlicher Form schon gelesen hat, durch den Schauplatz Bulgarien und die Verknüpfung zweier Schicksale wird das Buch zu etwas Besonderem. 4ratten

    TAMKA 2016 (0/5)
    bis 15. Oktober 2016


    Saro-Wiwa, Ken – Die Sterne dort unten
    Quesada, Roberto – The Big Banana
    Javadi, Fattaneh Haj Seyed – Der Morgen der Trunkenheit
    Radulescu, Domnica – Zug nach Triest
    Hornby, Nick - Funny Girl

    Hier meine Liste:
    Himmelserscheinung: Saro-Wiwa, Ken – Die Sterne dort unten
    Leichenschmaus: Quesada, Roberto – The Big Banana
    Wiederholungstäter: Javadi, Fattaneh Haj Seyed – Der Morgen der Trunkenheit
    Geographie: Radulescu, Domnica – Zug nach Triest
    Das muss weg: Hornby, Nick - Funny Girl
    (das Buch steht sehr vorwurfsvoll im Regal, weil ich es direkt nach Erscheinen haben wollte, es bisher aber noch nicht gelesen habe. Außerdem war es ein Geschenk von meinem Freund, der hin und wieder vorwurfsvoll auf mein SuB-Regal schaut und fragt, warum ich die Geschenke von ihm noch nicht gelesen habe)