Beiträge von Robert Corvus

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    So genau ist mir noch nicht klar, warum Jesters "Kinder" sofort so aggressiv agieren. Oder sind sie so "programmiert" worden, dass sie jeden über den Haufen schießen, der sich ihnen nähert?

    Im Grunde leben Jesters Töchter - oder die allermeisten von ihnen - in einem abgeschlossenen Mikrokosmos. Sie haben wenig bis gar keinen Kontakt zu anderen Leuten als denen, die im Unterseekomplex von Jester leben. Sie kennen keine Menschen von außen (natürlich wissen sie, dass es draußen eine Gesellschaft gibt, aber sie haben keine persönliche Erfahrung damit).

    Auf einmal dringt hier (bzw. in ihr geheimes Abbaugebiet, wo sie den Rohstoff für das X-Grow gewinnen) jemand ein. Dass sie den dann nicht zu einem Tee einladen, dürfte klar sein ...

    die Gefangenen leben zur Zeit noch

    Die gute Nachricht ist: Posbis sind äußerst robust. Wenn man einem Menschen einen Arm abschießt, steht zu befürchte, dass er verblutet. Ein Posbi nicht - und er kann sich später einen neuen Arm anbauen.


    Isobs Zustand wird immer schlechter. Er scheint nun vollends von den Laquilen besessen zu sein.

    Gibt es inzwischen eine Theorie dazu, woher seine Kopfschmerzen rühren?


    Warum haben Menschen nach einem extremen oder lebensbedrohlichen Ereignis Lust auf Sex? Weil sie sich vergewissern wollen, dass sie noch leben. Es birgt die Bestätigung, dass man noch da ist.

    Ja, auch das ist eine weit verbreitete psychologische Reaktion ...


    Was genau sind Kerouten?

    Im Perryversum ist es so, dass die Menschheit nicht die erste Zivilisation auf Terra ist. Zuvor hat es auf der Erde einige andere Zivilisationen gegeben, die aus bestimmten Gründen spurlos verschwunden sind. Eine davon sind die Kerouten - eine Spezies von sehr großen Faultieren (tatsächlich waren in der Erdgeschichte faultierartige Lebewesen eine Zeit lang eine sehr erfolgreiche Lebensform).


    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Menschen, die gewöhnlich Verantwortung tragen, einen dienstlichen Ruf nicht ignorieren würden und das auch nicht vom Partner verlangen.

    Da habe ich durchaus auch gegenteilige Erfahrungen ...

    Zudem ist gerade Bughassidow jemand, der so ziemlich alle (operative) Verantwortung weggedrückt hat. Sein Konzern wird von Managern geleitet, und für die KRUSENSTERN hat er Marian Yonder als Kommandanten eingestellt.

    Avea dagegen "rackert" tatsächlich noch selbst.

    Mir gefällt das Gespräch mit dem Diplomaten.

    Das scheint allgemein gut anzukommen. :)


    Aber es ist Amaya, wie auch immer, gelungen, ihn wieder zu positionieren, das wird an dem Umschlagen des Gesprächstones deutlich.

    Der Name "Posbi" kommt vom Zusammenzug von "positronisch" (also eine Weiterentwicklung unserer Elektroniken) und "biologisch". Posbis haben zwei Gehirne: ein schnelles und rationales = die Positronik, und ein langsames, aber extrem speicherfähiges, in dem auch Emotionen sitzen = den Plasmaanteil.

    Vielleicht hilft das, zu verstehen, wozu Amaya ihren Freund, den Getupften Fernand, verleitet hat, sodass der irrationale Seitenwechsel rückgängig gemacht wird ...

    Bisher gehe ich davon aus, dass die Klone Jester gegenüber loyal bis zum Ende sein werden, aber durch ihre Enttäuschung könnte es auch noch die eine oder andere Überraschung geben, dass sie ihn vor sich selbst retten wollen und dabei ihre Gegnern eigentlich in die Hände spielen, so was ähnliches vielleicht.

    Tja, was denkt die Runde? Kann sich Jester weiterhin auf seine Töchter verlassen?


    und erinnerte mich an diverse Versuchseinheiten in einem gewissen Himmelsturm

    Stimmt, auch in der Phileasson-Saga gibt es Kreaturen, die in Glaszylindern gehalten werden. Eigentlich eine offensichtliche Parallele - die mir selbst aber gar nicht aufgefallen ist! :D

    Interessant fand ich, dass der Getupfte Fernand sich so philosophisch gegenüber Jester äußert.

    Manche Menschen in dieser Geschichte sind ja nicht mehr ganz sie selbst ... Wie ist das beim Getupften Fernand?

    Kurz vor Ende dieses Leseabschnitts (Seite 298) mag der Schlüssel liegen ...

    Zitat

    »Warum … warum gelingt es nicht?« Jester klang fassungslos.

    Rhekla spürte ihn sogar zittern. »Beim Getupften Fernand … Er war auf unserer Seite, aber du hast ihn entfremdet. Und jetzt verweigerst du dich!«


    Viccor und Avea - habe ich das richtig verstanden, dass die beiden schon früher einmal ein Paar waren?

    Ja. Wenn Du magst, kannst Du in der ersten Viccor-Szene (erster Leseabschnitt) nachlesen, wie Jatin dazu steht ... ;)

    Wenn das so richtige Handeln wäre, vernichtet man dann auch einen Planeten, um einen Freund zu retten? Wo hört das auf?

    Ob das (moralisch) richtig ist oder nicht, ist eine andere Frage. Ich glaube, jeder wünscht sich, dass er sich auf seine Freunde verlassen kann und dass sie zu einem stehen, auch wenn man mal einen Fehler begangen hat und auch wenn sie dafür andere vielleicht ungerecht behandeln (müssen). Freundschaft beinhaltet auch diese Bevorzugung - wenn man sich jemandem gegenüber neutral verhält, ist man ein guter Richter, aber kein guter Freund. Freundschaft hat auch Grenzen - aber für Yonder sind sie in diesem Fall nicht erreicht. Er steht weiterhin zu Bughassidow und zu Jatin.

    Ich meine damit, dass meist eben genau so viele Arten vorkommen und viel Waffenbeschreibung also viel Technik, aber vor allem Waffentechnik.

    Auch das variiert von Geschichte zu Geschichte.

    Anders ist es zum Beispiel bei BattleTech - dort gibt es tatsächlich eine Vorgabe, dass ein Gefecht mit BattleMechs vorkommen muss.

    Dann kamen plötzlich "Häuser" in Sicht, wo ich schon keine Sicht hatte, weil ja unter Wasser, also nur das erscheint, was beleuchtet wird.

    Das ist auch richtig - mehrere mit Tunneln verbundene Kuppeln.

    Generell ist dieser Komplex Jesters Zuhause - kein getarnter Geheimbunker. Deswegen strahlt auch Licht nach außen ab.


    Ja, es ist ein Freund und ja es schmerzt, nicht helfen zu können, aber er ist bewußt das Risiko eingegangen. Das ist einfach Cowboy und ein Mann in der Position Viccos sollte einfach verantwortungsbewusster handeln.

    Hier entscheidet ja nicht Viccor, sondern Yonder. Der war (über die Funkverbindung) dagegen, dass Viccor und Jatin das Risiko eingehen, die DIGGER zu untersuchen. Aber das hindert ihn nicht daran, für seine Freunde einzustehen. Auch wenn sie Fehler machen - sie bleiben seine Freunde.

    Aber da kommt der Helfer und Entdecker bei Viccor durch, dass er nachsehen will, ob er was tun kann.

    Ja, dieser "Entdeckerdrang" ist einer seiner beherrschenden Charakterzüge: Er will selbst derjenige sein, der zuerst etwas sieht - auch, wenn ihn das in Gefahr bringt.


    für ihn ist es keine Frage, den beiden und der SCHELIKOW II zu Hilfe zu kommen, auch gegen Aveas Bedenken wegen der Luxiten.

    Da wollte ich einen Konflikt aufbauen: Yonder muss etwas Falsches tun, um etwas Richtiges zu tun - er muss ein Naturschutzgebiet massiv schädigen, um Viccor zu retten (oder seine Rettung nicht zu verzögern). Da habe ich auch bewusst etwas genommen, bei dem die Leser vermutlich größtenteils empfinden, dass es wirklich ein moralisches Dilemma ist. Die Schädigung einmaliger Natur werden viele als bedauerlich empfinden - bei finanziellen Einbußen wäre die Reaktion wohl nur ein Achselzucken, obwohl für den Protagonisten sicher auch wichtig ...

    Auf Viccors früheren Abenteuer wäre ich jetzt gespannt, da wird ja immer mal etwas angedeutet.

    Die gesamte Serie ist inzwischen im eBook-Format erhältlich, sodass man leicht auf einzelne Hefte zugreifen kann. Das erste Auftauchen der KRUSENSTERN war in PERRY RHODAN 2700: Der Techno-Mond, geschrieben von Andreas Eschbach. Danach ist sie in etwa 15 Heftromanen aufgetaucht, die man beim Perrypedia-Eintrag zur KRUSENSTERN in den Quellen aufgelistet findet. ;)


    Würde mich aber reizen, sie mal in Natura zu sehen.

    Ich stelle mir auch gern vor, wie es wäre, neben einem Schiff wie der KRUSENSTERN zu stehen.

    Wenn sie auf einem Planeten wie der Erde landen würde, dann würde sie erst einmal wegen ihres enormen Gewichts ein paar Hundert Meter tief einsinken. Dadurch würden sich in der Umgebung Hügel aufwerfen, die komplette Landschaft würde sich verändern.

    Gehen wir davon aus, dass sie "sanft aufsetzt" und nicht einsinkt, weil sie sich mit Antigrav-Technologie "leicht macht".

    Dann wäre sie noch immer 2,5 Kilometer lang. Wenn ich also an einer Ecke der KRUSENSTERN stünde und an der Schiffswand entlang blicken würde, hätte ich den Eindruck, dass sie bis zum Horizont reichen würde (was sie nicht ganz täte - aber den Unterschied würde ich wohl nicht mehr sehen können). Auf dieser Länge wird auch die Erdkrümmung relevant - der Boden der KRUSENSTERN ist exakt flach, die Erde aber gewölbt, also kann sie nur überall aufliegen, wenn wir ein Plateau für sie bauen ...

    Wenn wir nach oben schauen, wird uns klar, dass wir neben einem Gebirge stehen. Sie ist 2.500 Meter hoch. Zum Vergleich: Das ist so hoch, als würde man den Harz auf den Feldberg (höchste Erhebung im Schwarzwald) draufstellen. Bei idealen Sichtverhältnissen würde die KRUSENSTERN über dem Horizont in Sicht kommen, wenn ich noch gut 200 km entfernt bin. Wenn sie also in Köln landen würde (bitte nicht - da bliebe nicht viel von meiner Heimatstadt übrig), würde man sie bereits sehen, wenn man auf der Autobahn in Mannheim vorbeikommt.

    Der Schattenfall ist je nach Sonnenstand ebenso weit ... Ganze Landstriche liegen über weite Teile des Tages im Dunkeln. Je nachdem, wie lange die KRUSENSTERN gelandet bleibt, verändert das Vegetation und Tierwelt.

    Auch das Wetter ändert sich. Meteorologen unterscheiden zwischen tiefen, mittelhohen und hohen Wolken. Die tiefen Wolken enden bereits bei 2 km Höhe. Unser Raumschiff ist aber 2,5 km hoch - das bedeutet, alle tiefen Wolken bleiben daran hängen. Da der Wind meist aus Westen kommt, regnen sie wohl an der westlichen Bordwand der KRUSENSTERN ab, mit der Zeit wird sich dort ein Schwemmland bilden.

    Wo wir schon beim Wind sind: Auch der hat ein neues Hindernis. Und die KRUSENSTERN wird durch die Temperaturverteilungen auf der Schiffshülle (Aufheizen durch Sonnenstrahlen etc) eigene Winde schaffen, wie eben auch ein Gebirge.

    Und all das passiert nur, weil sie da ist. Sie hat noch nichts gemacht - kein Triebwerk gezündet, geschweige denn eine Waffe abgefeuert ...

    Wie gefällt Euch die KRUSENSTERN?

    Von der hätte ich gern mehr gelesen, bisher sieht es aus meinem Zimmer im Kreml sehr luxuriös aus.

    Das freut mich - denn die KRUSENSTERN wird bald zu einem wichtigen Schauplatz ...


    wo auf einmal die Gebäude herkommen wieso das Schiff dann stecken bleibt usw.

    Die Gebäude sind ein Komplex von Unterwasser-Habitaten, wie Jesters Farm zu Beginn des Romans. Und das Beiboot bleibt in der Außenwandung dieses Komplexes stecken, ähnlich wie das U-Boot am Anfang.

    Aber du hältst dich sehr an die übliche PR Schreiberei, wohl?

    Die "übliche PR Schreiberei" ist ein Mythos - die gibt es nicht. Es gibt keine Instanz innerhalb des Entstehungsprozesses, die vorgeben oder nachprüfen würde, wie heiter oder wie düster, wie dramatisch oder wie nachdenklich eine RHODAN-Geschichte sein soll.


    Irgendwie ersetzt Viccor hier Perry.....

    Ja ... Wobei er im Gegensatz zu Rhodan sterben kann, ohne dass deswegen die Serie eingestellt werden muss. ;)

    Prima, es ist spannend und es werden viele Fragen aufgeworfen.

    :freu:

    Aber Perry Rhodan selber hat doch das gleiche Problem.

    Egal wie aussichtslos seine Lage ist er kommt immer raus (ich glaube mal gelesen zu haben das er sogar schon ein Paar mal "gestorben" ist).

    Das ist ein anders gelagertes Problem: Es ist klar, dass der Serienheld überlebt (weil sonst die Serie enden würde). Das gibt es spätestens seit Karl May, aber auch bei den Irrfahrten des Odysseus (natürlich überlebt er den Zyklopen, sonst ginge es ja nicht weiter).

    Es mindert zwar tatsächlich die Spannung, zerstört sie aber nicht, weil auch der Serienheld noch andere Ziele als sein bloßes Überleben hat. Die Spannung wird dann darauf gezogen, ob es diese anderen Ziele erreicht: Bleibt er unversehrt (auch mit einem verkrüppelten Helden könnte die Serie weitergehen)? Was geschieht mit seinen Freunden/Gefährten (auch engste Gefährten Rhodans, die seit Jahrzehnten in der Serienhandlung sind, erwischt es mitunter)? Was mit Dingen, die ihm teuer sind (zum Beispiel die Zukunft des Planeten Erde - oder bei Odysseus seine daheim wartende Frau, die unter den aufdringlichen Freiern leidet)?

    Bei einem Dreifachmutanten ist die Frage, welche Gegenspieler/Hindernisse man ihm in den Weg stellt, sodass fraglich ist oder wird, ob er sein Ziel (egal welches) erreicht. Natürlich gibt es da auch viele Möglichkeiten, wie etwa eine ganze Invasionsflotte mit großkalibrigen Schiffsgeschützen. Aber diese Art von Hindernis führt direkt dazu, dass die Handlungen des Protagonisten (in diesem Fall: des Dreifachmutanten) nicht entscheidend für den Ausgang der Geschichte sind.

    Zudem: Wenn ich einer Figur ihre Besonderheiten nehme (etwa mir einem Dämpfungsfeld, das die Parafähigkeiten unterdrückt), nehme ich der Geschichte eben auch den speziellen Reiz, den dieser Protagonist einbringen könnte. Wenn ich eine Geschichte über die beste Schwertkämpferin Chinas schreibe, dann erwartet das Publikum mit Recht, dass sie irgendwann in dieser Geschichte auch mal etwas abschneidet. (Freies Zitat von Kai Meyer.)

    Die Abneigung die du gegen Gucky hast (oder zu haben scheinst) habe ich zum Beispiel gegen jede Form der Zeitreise. Egal ob SF oder Fantasy, ich finde die immer irgendwie komisch und unglaubwürdig.

    Auch das ist delikat.

    Entweder, man ignoriert die von Dir dargestellte Thematik.

    Oder man gibt der Zeitreise bestimmte Regeln. Die einfachste: Zeitreisen sind nur in Richtung Zukunft möglich (was aber wiederum den speziellen Reiz nimmt). Oder Zeitreisen können nur über eine begrenzte Distanz in die Vergangenheit führen. Oder der Zielpunkt einer Zeitreise ist nur ungefähr bestimmbar. Oder ein Individuum, das eine Zeitreise unternimmt, kann das nur eine bestimmte Anzahl von Malen tun (es "verseucht sich" wie bei radioaktiver Strahlung) - das reduziert die Möglichkeit, unendlich oft Dinge zu versuchen. Oder es gibt immer nur bestimmte "Sprungpunkte", an denen man in der Vergangenheit auftauchen kann.

    Manchmal werden auch Naturgesetze etabliert, die nur für Zeitreisen gelten (und die wir nicht kennen, weil wir eben keine Zeitreisen kennen): Nichts kann getan werden, was der Erinnerung des Zeitreisenden widerspricht - naturgesetzmäßig passieren dann irgendwelche "Zufälle", die ihn davon abhalten. Würde er beispielsweise versuchen, seinen eigenen Großvater zu erschießen, bevor dieser den Zeitreisenden zeugt, dann würde er (der Zeitreisende) in genau in der Sekunde, bevor er den Abzug betätigt, einen Herzschlag erleiden.

    Bei RHODAN wurde neuerdings (vor etwa 4 Jahren) als ein solches Naturgesetz eine Art Beharrungsdrang der Zeit etabliert, der großmaßstäblich wirkt: Es gibt so etwas wie einen "Original-Zeitablauf", und wenn ich den ändere, ist das so, als wenn ich ein Pendel aus der Ruheposition drücke. Das hat einen Effekt, aber sobald ich das Pendel loslasse, bewegt es sich zurück und schwingt sich rasch wieder auf die Ruheposition ein. Das beinhaltet einige Ereignisse, die ich als Zeitreisender nicht aus meiner Erinnerung kenne, die aber (nach ein paar Hundert oder Tausend Jahren) zum selben Ergebnis führen. Wenn ich beispielsweise einen meiner Urahnen von vor fünhundert Jahren erschieße, bevor er Nachkommen zeugt - dann würde irgendwann in der Zwischenzeit dennoch die Genkombination auftreten, die letztlich zur Zeugung meiner Vorfahren führt.

    Oder alles ist egal, weil viele Realitäten nebeneinander existieren, und ein Zeitreisender automatisch die Realität wechselt (Multiversum).

    Andererseits ziehen viele Zeitreisegeschichten ihren Reiz gerade aus dem Paradoxon und seinen Auswirkungen.

    Bei RHODAN hat es - wie nicht anders zu erwarten - im Laufe der Serie viele dieser Varianten gegeben - und noch einige mehr ...

    Das hatten wir auch schon: Bei Einsatz seiner Parafähigkeiten wurde jemand anderem seine Lebenskraft geraubt.

    Und egal, wie gut das ist, was sich der Autor ausdenkt: Es ist einfach zu vorhersehbar, dass Guckys Kräfte gedämpft werden. Ebenso schlimm ist es (dramaturgisch) aber, wenn man das unterlässt - denn dann läuft Gucky durch die "Gefahren" der Story wie Moses durch das Rote Meer, das sich vor ihm teilt, und dann kommt erst recht keine Spannung auf.

    und immer war Perry irgendwie an der Handlung beteiligt, es gab zwar immer mal Passagen wo über viele Seiten eine Nebengeschichte ohne PR erzählt wurde oder Teile der Handlung spielten auf Planeten auf denen Perry gar nicht war.

    Es ist nicht weiter ungewöhnlich, wenn Perry Rhodan nicht auftaucht. Im Gegenteil: In der Heftserie unterscheidet man "Handlungsebenen", also lange Handlungsbögen, die sich in der Regel ab und zu überkreuzen, aber oft erst gegen Ende eines Zyklusses wieder zusammenlaufen. Oft spielen vier Hefte in einer Handlungsebene, dann gibt es einen Schwenk in eine der anderen. Und Rhodan selbst ist meist nur an einer davon beteiligt.

    Bei PERRY RHODAN-NEO habe ich drei ganze und zwei halbe Taschenhefte beigesteuert. Nur in einem davon tauchte Rhodan auf.

    In der Miniserie Stardust habe ich zwei gleichgewichtige Handlungsebenen gehabt, die in den beiden Heftromanen bespielt wurden, die ich geschrieben habe. Nur in einer davon tauchte Rhodan auf.

    In der Hauptserie war mein Einstand der Doppelband 2824/2825 - dabei habe ich auch die KRUSENSTERN kennengelernt, die aber weit von Rhodan entfernt operierte. In meinen nächsten vier Heftromanen für die Hauptserie spielte Rhodan mit, im neusten (2953) dann wieder nicht, stattdessen war die prominente Figur Atlan der zentrale Protagonist.

    Ist da nicht die Standardlösung das irgendeine Kraft oder etwas ähnliches Guckys Mutantenfähigkeiten unterdrückt?

    Genau - und in einem Roman würde das auch funktionieren.

    Oder in zwei.

    Oder in fünf.

    Aber nicht in den Hunderten, in denen Gucky eine wesentliche Rolle spielt. Denn sobald man als Leser sieht, dass Gucky mitspielt, ist es extrem wahrscheinlich, dass irgendetwas passieren wird, das ihn seiner Mutantenkräfte beraubt - die Frage ist nur, was es diesmal ist. Rein statistisch ist es aber genauso unglaubwürdig, dass Gucky ständig "zufällig" seiner Mutantenkräfte verlustig geht, als wenn er in jedem Heftroman von einem Blitz getroffen würde.

    Aber ich habe keine Vorstellung von ihr ... ist sie wie aus Würfels zusammengebaut?

    Ganz grob: ein fliegender Tannenbaum. Statt einem Stern sitzt ein würfelförmiger Kopf auf der Spitze.

    Dieser Tannebaum besteht aber nicht aus einem festen Körper, sondern aus Hunderten Modulen, die ständig in Bewegung sind - wie ein Gewimmel von Käfern.

    Wenn Madame Ratgeber ihre Module auf Reise schickt, bleibt nur noch das "Skelett" übrig: unten eine Schale, oben der Kopf, und dazwischen so eine Art Wirbelsäule, die man normalerweise nicht sieht, weil die Module drumherum "wimmeln".

    Zitat

    Auf einer schwebenden Metallschüssel wechselten ständig über sechshundert kantige Module ihre relative Position zueinander, bildeten aber immer einen Kegel, auf dessen Spitze ein würfelförmiger Kopf saß.

    Die letzte Szene habe ich nicht ganz verstanden (vielleicht habe ich etwas überlesen). Was genau soll Amaya für Jester tun? Und wieso soll sich der getupfte Fernand ihm angeschlossen haben? Lebt er also noch?

    Der Getupfte Fernand (und einige andere Posbis) leben noch und befinden sich in der Gewalt von Jesters Töchtern.

    Wenn man sich überlegt, wo diese Posbis herkommen/wo sie wohnen, kommt man vielleicht darauf, was Jester von ihnen wollen könnte ...

    Erzürnt ist er, weil Amaya sich "ihnen" (= Jester, Rhekla und denen, die Jester als zugehörig ansieht) nicht öffnet/sich ihnen nicht anschließt. In dieser Hinsicht war Jester zwischenzeitlich mit dem Getupften Fernand bereits weiter, aber Amaya hat ihren Posbi-Freund wieder Abstand gewinnen lassen ...

    Das klingt jetzt vielleicht etwas nebulös, aber bis zum Ende des Romans wird sich der Nebel lichten ... ;)

    Verbote werden immer übertreten und haben keinen Sinn, wenn man sie nicht allgemein durchsetzen kann.

    Ich hatte eine ähnliche Diskussion einmal in der Kneipe. Es ging darum, ob der Diebstahl geistigen Eigentums verboten sein sollte. Mein Gesprächspartner meinte: Nein, denn man wird (außerhalb einer Totalüberwachung aller Anzeigegeräte) niemals alle Täter schnappen können. Wenn man aber nur einen Teil erwischt und bestraft, während andere unentdeckt und unbestraft bleiben, sei das unfair.

    Nur: Das gilt auch für jedes Kapitalverbrechen - bei keinem Verbrechen gibt es eine Aufklärungsquote von 100% ...

    Ich würde da wirklich gerne mehr drüber erfahren, also ein Abenteuer auf der KRUSENSTERN erleben und nicht "nur" mit der KRUSENSTERN irgendwohin fliegen und dort ein Abenteuer erleben

    Ich würde gern noch mehr über das eigentliche Raumschiff und da Leben dort lesen.

    Das trifft sich gut - denn in den späteren Leseabschnitten wird die KRUSENSTERN noch mal richtig in Szene gesetzt. :daumen:


    Ich kann mir gut vorstellen, dass es sich damit, wie am Anfang kurz erwähnt, nur unter Schmerzmitteln leben lässt.

    Ah, das hast Du Dir gut gemerkt. Und es stimmt: Diese - etwas hastig durchgeführten - Optimierungen fordern einen Preis.

    Stellt sich nur noch die Frage, ob da jemand nachgeholfen hat, weil sie dem Abbaugebiet des X-Grow zu nahe gekommen sind.

    Was meint Ihr - wieso ist die DIGGER in dieses gefährliche Gebiet gefahren?


    Es ist mein allererster SF Roman.

    Ha! Willkommen im Genre, dass die Weiten von Raum und Zeit erkundet.


    Meine Lieblingsfigur ist Madame Ratgeber. So ein Posbis wäre ich auch gerne.

    Die mag ich auch sehr, weil sie 1) exotisch ist und 2) dramaturgisch viele Möglichkeiten bietet durch die Vielzahl an Modulen, die Erkundungen einziehen können, und ihrer Attitüde, als Beraterin aufzutreten.


    Der Roman gefällt mir bis jetzt sehr gut. Das Lesen ist flüssig und die Beschreibungen sind toll und lassen schöne Bilder im Kopf entstehen.

    Du hast den Spagat hinbekommen zwischen Perry Rhodan Neulingen und Alten Hasen.

    :freu::freu:

    warum tauchen sie erst jetzt auf?

    warum wollen sie erst jetzt , nachdem bereits 40 Jahre Siedler auf Styx wohnen nach Hause bzw. befallen die Bewohner?

    Die Frage nach dem Zeitpunkt ist absolut berechtigt - und natürlich ist er kein Zufall ...

    Auf die Ursache kann man eventuell bereits mit den Informationen kommen, die man bis zu diesem Leseabschnitt hat ... Aber es wird bald noch mehr Hinweise geben, versprochen! ;)


    Der Schwarm zieht ja regelmäßig über den Planeten, sammeln sie dabei Informationen?

    Ah, der Schwarm - eines der großen Naturschauspiele auf Styx. Oder vielleicht mehr als nur ein Naturschauspiel ...?


    Ich würde denken, dass die eigentlichen "Täter" die schwarze Masse ist.

    Eine weitere Theorie - hat diese schwarze Masse ein planendes Bewusstsein?


    Welche Optionen haben wir denn bislang dazu, wer für die seltsamen Vorfälle verantwortlich ist?

    - Die Laquilen

    - Der Schwarm

    - Die schwarze Masse

    - Aliens im Hintergrund

    - ...?

    Nun, hier haben wir - wie ich es bei Robert Corvus liebe- zwei Seiten die meiner Meinung nach jeder ihre Argumente haben, die nicht von der Hand zu weisen sind.

    Ich glaube, man kann selten alles auf einmal haben (den Kuchen essen und ihn behalten). Dadurch laufen auch Sachentscheidungen am Ende oft auf emotionale Präferenzen hinaus: Ist einem Sicherheit wichtiger (das wäre dann vielleicht ein Anschluss an die LFT, die ein allgemeinverbindliches Rechtssystem bietet) oder Freiheit (das wäre dann - zumindest für die unternehmerisch getriebenen Bewohner - wohl die aktuelle Gesetzlosigkeit auf Styx)? Hat man Moralvorstellungen, die man für allgemeingültig hält und immer und überall durchsetzen will (niemand darf Skalven halten)? Oder soll jeder nach seiner Facon selig werden (ich halte zwar keine Sklaven, aber wenn mein Nachbar das will - bitte sehr)?

    In der Realität sehe ich diese Ambivalenz, deswegen versuche ich, sie auch in meine Romane zu bringen.


    Ändert das was? Beide werden es leider dem Profit und Machtstreben unterordnen.

    Ich vermute, es wird einen erheblichen Unterschied dahingehend machen, in welche Richtung die Optimierungen gehen.

    Bei einem totalitären Staat wird es vermutlich ein einziges oder einige wenige "Idealmodelle" geben, wie Menschen sein sollen, und danach wird dann die nächste Generation "gezüchtet". Dann schaut man, wie die sich bewährt, und optimiert in der übernächsten Generation weiter.

    Bei einem freiheitlichen Staat (in dem Sinne, wie ihn sich zum Beispiel die Republikaner in den USA vorstellen) wird ein einige Leute geben, die reich genug sind, ihren Nachwuchs nach Wunsch zu optimieren. Das wird dann sehr viel chaotischer ablaufen, mit extremen Ausreißern nach unten (nicht lebensfähige Individuen) und oben (absolut geniale Kreationen, die alle anderen in den Schatten stellen). Durchbrüche Einzelner führen dabei nicht notwendigerweise zum Fortschritt für alle anderen - gut möglich, dass ein Milliardär ein "Copyright" auf eine Optimierung des Erbguts erhält, die Diabetes vorgeburtlich heilt ...


    Wir müssen Probleme nach vorn überwinden, nicht rückwärts.

    Aber wäre der Mechanismus, den eine Gesellschaft dazu anwendet, nicht auch wieder: entsprechende Gesetze erlassen?

    Ich glaube, da springst Du auf eine Szene an, die Dein Aufregerpotenzial auslöst, obwohl der Text es nicht hergibt.


    Auch vorher werden sexuelle Beziehungen thematisiert - nämlich bei Rhekla (wo die Initiative von der Frau ausgeht) und bei ihrem Vater (mit der Barkeeperin). Hier sind die Konstellationen anders. Diese Szenen müssten einbezogen werden, um den Aspekt Sexualität im Roman gesamthaft zu beurteilen.


    Was bei #metoo (zu Recht) kritisiert wurde, war das Ausnutzen einer Machtstellung, um dafür sexuelle Gefälligkeiten zu erhalten: Komm mit mir auf die Besetzungscouch, dann bekommst du die Rolle in meinem Film. In Schwarze Frucht gibt es keinen Hinweis darauf, dass Bughassidow Avea eine solche Bedingung gestellt hätte.

    Damit der alte weiße Mann (ein sexistisches und rassistisches Stereotyp) ins Schema passt, wird auf die 70 Jahre abgehoben - nonchalant ignorierend, dass im Gespräch zwischen Yonder und Bughassidow eine durchschnittliche Lebenserwartung von 200 Jahren genannt ist. Damit wären wir in der Äquivalenz zu unserer heutigen Welt bei 35 Jahren ... Oder, noch extremer betrachtet: Wir haben es mit einem Mann zu tun, der noch 130 Jahre vor sich hat.

    Noch bedenklicher finde ich, aus Aveas Verhalten - sie lässt einen Moment der Verliebtheit zu - direkt zu schlussfolgern, dass sie für alles andere nicht qualifiziert sei. Das erscheint mir holzschnittartig: Eine Frau ist entweder intelligent und zielstrebig - dann muss sie stets kühl, berechnend und emotionslos sein, eine Art Roboter. Oder sie hat Gefühle - dann darf es in ihrem Leben nichts anderes geben als ihren Mann. Wenn Jatin und Avea zeigen, dass auch facettenreichere Persönlichkeiten möglich sind, freut mich das. :) Auch literarisch halte ich es für Befriedigender, Figuren zu haben, die durch ihre Primärrolle noch nicht komplett charakterisiert sind. Der Soldat ist mehr als einfach nur Soldat, er kann auch Bowling spielen. Die Wissenschaftlerin kennt mehr als Zahlen, sie geht auch gern ins Theater. Der Künstler ist vielleicht genial, aber seiner eigenen Kunst inzwischen überdrüssig und büffelt in der Abendschule, um sein Abitur nachzumachen ... Solche Sachen machen Figuren für mich plastisch. Und Avea lässt eben zu, ihre Jugendliebe für eine Nacht wieder aufleben zu lassen - ohne deswegen sofort alles über den Haufen zu werfen, was sie sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat.


    Nun hat jeder Anspruch auf seinen eigenen Lesegeschmack. Ich habe zum Beispiel in einem Fantasy-Forum gelesen, dass jemand keine Geschichten mag, in denen Menschen sterben. Er findet diese Vorstellung abstoßend, er will sich keine Toten vorstellen, und zwar unabhängig davon, wie es zu diesen Todesfällen kommt. Das ist absolut legitim. Er steht dann allerdings außerhalb meiner Zielgruppe - ich werde vermutlich niemals Bücher schreiben wollen, die er lesen möchte.

    Was ich dagegen zurückweise, sind Aussagen wie "heute, gegen Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts sollten m.M.n. solche Szenen nicht mehr vorkommen in einer Geschichte, die in einer Zukunft handelt, die sich so kritisch und reserviert gegenüber Gentechnik verhält.". Ich halte das Gegenteil für richtig: Es sollte Geschichten jeglicher Coleur geben. Literatur sollte möglichst vielfältig sein. Das Spiel mit Gedanken sollte frei sein, denn nur das ermöglicht der Leserschaft, auch ungewohnte Dinge zu denken.

    Hier konkret: Wem wurde dadurch, dass Bughassidow und Avea Sex hatten, geschadet? Falls die Antwort ist: niemandem - dann stellt sich die Frage, ob es gerechtfertigt ist, eine solche sexuelle Beziehung zu ächten. Wenn die Antwort dagegen ist: "Sex außerhalb der Ehe ist generell gesellschaftsschädlich" (wenn ich mich richtig erinnere, vertritt der SF-Autor Orson Scott Card diese Ansicht), dann müsste man auch die Aktivitäten von Rhekla und ihrem Vater verurteilen. Kann man auch gern tun - das Urteil bleibt dem jeweiligen Leser überlassen. Eine Geschichte kann lediglich Gelegenheit bieten, zu überprüfen, ob die eigenen Vorstellungen zu dem Ergebnis führen, das man für richtig hält.


    Vollkommen unzutreffend ist im Übrigen der Schluss auf die RHODAN-Serie im Ganzen. In Band 2700 etwa wird eine Familie mit zwei Vätern und einer Mutter geschildert, wobei die Väter tatsächlich beide biologische Eltern des Kindes der drei sind: Auf Terra gibt es die medizinische Dienstleistung, das Erbgut zweier Männer zu mischen, bevor es zur Befruchtung kommt. Ob solche Gesellschaftsentwürfe in die späten 1950er - frühern 1960er passen? Ich weiß es nicht ...

    Der knallt am Laufmeter seine weiblichen Untergebenen. Das war schon vor #metoo schlechter Führungsstil; heute, gegen Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts sollten m.M.n. solche Szenen nicht mehr vorkommen in einer Geschichte, die in einer Zukunft handelt, die sich so kritisch und reserviert gegenüber Gentechnik verhält.

    Er hat Sex mit zwei verschiedenen Frauen und genießt das auch noch. Uh ... oh ... Was für ein Skandal! :D

    Ich finde immer wieder interessant und auch verwunderlich, wie sehr noch immer auf ein "Darf man das?" beim Sex geachtet wird. Protagonisten dürfen andere Leute erschießen, lügen, betrügen, stehlen ... Alles kein Problem. Aber wenn sie mit jemanden schlafen, einfach, weil die Beteiligten Lust darauf haben - dann steht die Sittenpolizei vor der Tür des Autors. :D

    Dabei geht es mir nicht darum, ob man ein bestimmtes Verhalten sympathisch findet oder nicht. Aber in diesem Kommentar wird nicht ausgesagt: "Ich finde Bughassidows Verhalten fragwürdig", sondern: "Das sollte in einer solchen Geschichte nicht vorkommen." Als ob sich Protagonisten vorbildlich verhalten müssten, oder als ob das auch nur einer Geschichte zuträglich wäre ...

    Das Perry-Rhodan-Universum ist ein - wenn ich so sagen darf - "lineares" Universum. Fängt vorne an, hört hinten auf. Stil 1950er, 1960er. Wenn ich bedenke, was zeitgenössische SF unterdessen kann... Wie komplex ist das Universum eines Iain Banks!

    Ich glaube, ich verstehe die Kritik (und teile sie sogar bis zu einem gewissen Grad), aber die Umschreibung "linear" halte ich für nicht richtig. Eigentlich halte ich sogar das Gegenteil für richtig (was aber an der Kritikwürdigkeit paradoxerweise nichts ändert), und ich erkläre auch gern, warum:

    Wenn man fantastische Romane schreibt - wobei unerheblich ist, ob es sich um Fantasy oder Science-Fiction handelt -, hat man das Privileg, seine Bühne im allumfassenden Sinne so zu bauen, dass sie für die Geschichte passt, die man erzählen möchte. Will man zum Beispiel über Totalitarismus schreiben, dann baut man sich einen so extremen Überwachungsstaat, wie es ihn in der Realität nicht gibt (1984). Will man die Verlorenheit des Individuums in einer Welt nahezu ohne persönliche Beziehungen beschreiben, kann man sich auch dafür die optimale Bühne zimmern (Träumen Androiden von elektrischen Schafen? bzw. Blade Runner). So gehe ich auch vor, wenn ich meine Romane bei Piper schreibe. Zuerst ist die Geschichte da, dann bastele ich die Welt drumherum, sodass sie die Geschichte optimal stützt. Ja, das ist etwas vereinfacht dargestellt, aber im Kern richtig.

    Bei PERRY RHODAN ist die Welt bereits da. Ich halte sie nicht für linear, im Gegenteil: Sie hat unheimlich viele Ecken und Winkel und Schleifen und auch in der Historie, die über diesen irrsinnig langen Zeitraum erschrieben wurde, die unglaublichsten Kapriolen inklusive Zeitreisen und Dimenssionssprüngen. Zudem hat RHODAN so ziemlich alle Topoi aufgenommen, die die SF bietet - Aliens, ferne Sternensysteme, Geistwesen, KI, Psi, ... Das ist erheblich vielfältiger, als ein Iain Banks oder sonst ein Autor das überhaupt leisten könnte.

    Nur: Das Universum eines Dick, eines Banks, eines Orwell ist exakt auf die Geschichten zugeschnitten, die sie jeweils erzählen. Es mag sich größer anfühlen, aber das ist es in aller Regel nicht: Es ist maßgeschneidert (Ausnahme: Tolkien, der sein Universum dermaßen extensiv ausgearbeitet hat, dass man heute noch Fragmente zu Sprachen etc. findet, die in keinem Roman verarbeitet wurden). Wegen dieser zielgerichteten Entwürfe fühlen sich diese Welten so passend an. Es ist eben auch nichts (für die Geschichte) Überflüssiges darin - maximal in Form eines flüchtigen Blicks aus dem Fenster.

    RHODAN bietet eine riesige Bühne - aber die steht eben schon da. Natürlich überlegt man auch hier: "Was für eine Geschichte eignet sich für diese Bühne?", erzählt also nichts völlig Unpassendes. Aber dennoch tritt jede RHODAN-Geschichte zwangsläufig in Interaktion mit allem, was zuvor beschrieben wurde. Bei Schwarze Frucht ist das sogar noch milde ausgeprägt, weil meine Hauptfiguren in der Serie nur Nebenfiguren sind (also kaum festgelegt) und der Schauplatz Styx völlig neu (und daher - im Rahmen der "naturgesetzlichen Regeln" des Perryversums - maßgeschneidert für die Geschichte). Zudem beschreibe ich grundsätzlich immer das Aussehen der Figuren, während in der Heftserie manchmal schlicht vorausgesetzt wird, dass man weiß, wie ein Cheborparner aussieht. Aber dennoch spielt man Dinge an und setzt Dinge ein, die schon existieren.

    Man könnte vielleicht sagen: Bei PERRY RHODAN wählt der Autor aus einem Fundus von 100.000 Zinnfiguren die passendsten zehn für seine Geschichte aus. Bei einem eigenständigen SF-Roman gießt er die Figuren selbst.

    Alle Aliens, die wir bisher gesehen und gehört haben, könnten - mit Ausnahme der Blubber-Wesen - gerade so gut einfach Menschen sein. Denn sie handeln und denken nicht anders als die menschlichen Protagonisten.

    Auch diese Kritik kann ich weitgehend nachvollziehen: Wir haben Cheborparner, einen Jülziish, eine Ara, einen Epsaler gesehen, und bis auf körperliche Eigenheiten sind sie (mental) nicht wesentlich anders als Menschen.

    Als Ausnahme möchte ich allerdings die von mir sehr geschätzten Posbis nennen. Die sind sowohl in ihrer Erscheinung (bis hin zum Grünen Heinerich) als auch in ihrer Mentalität nicht-menschlich.

    ich habe unterdessen bis zum Schluss gelesen

    Das ist ein bisschen schade, weil es dem Hauptgrund zuwiderläuft, aus dem ich bei Leserunden mitmache. Für mich als Autor dienen sie nämlich der Überprüfung, ob der Roman so funktioniert, wie ich es beabsichtigt habe: Welche Vermutungen stellen die Leser an welcher Stelle an? Welche Spannungsbögen funktionieren, welche nicht? Welche falschen Spuren funktionieren? Werden die Informationen an den "richtigen" Stellen aufgenommen?

    Das erfahre ich natürlich nicht, wenn man über die Grenzen der Leseabschnitte hinweg liest, ohne jeweils zu posten. Es kann nur gelingen, wenn man wirklich nach jedem Leseabschnitt innehält, seine Eindrücke postet und idealerweise auch mit den anderen diskutiert.