Beiträge von Melanie Metzenthin

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Hallo ihr Lieben,

    nachdem ich hier schon so tolle Leserunden zu Hafenschwester 1 und 2 mit euch hatte, wollte ich fragen, ob ihr Lust habt, auch das Finale zu lesen.

    Wie bei all meinen Büchern kann man mit jedem Band neu einsteigen - jedes Buch ist für sich selbst komplett abgeschlossen, aber wer die Vorgängerbände kennt, hat ein bisschen mehr Spaß, weil man die Figuren dann schon kennt.


    Hafenschwester 3 spielt von 1923 bis 1945 (mit einem Epilog 1955) und ist mein bislang dickstes Buch (704 Seiten). Ich habe unheimlich viel recherchiert, um einen Abriss der deutschen Geschichte dieser Zeit im Hintergrund einzubinden, aber natürlich auch zu erzählen, wie es mit Martha, Paul und ihren Kindern und ihren Freunden weiter geht.


    Das ist der Klappentext:


    Der Erste Weltkrieg ist zu Ende. Martha und Paul haben während der Infl ation 1923 alle Ersparnisse verloren und die finanzielle Lage ist prekär. Ihre Tochter Ella will unbedingt Ärztin werden, muss ihren Traum jedoch zunächst auf Eis legen und die Familie unterstützen. Sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter und beginnt eine Schwesternausbildung. Dann kommen die Nazis an die Macht. Ella fiebert dem Studium entgegen, doch die Einschreibung an der Universität wird ihr untersagt. Als die Familie in eine schreckliche Lage gerät, ruhen alle Hoffnungen auf dem jüngsten Sohn Fredi. Er macht bei der Mordkommission Hamburg Karriere. Und lässt sich auf einen gefährlichen Pakt mit der Gestapo ein …


    Noch ein bisschen was zum Hintergrund.

    Das Buch teilt sich in zwei Teile ein - Die Weimarer Republik und Das Dritte Reich. In der ersten Hälfte sind Martha und Paul noch sehr präsent und wir begleiten ihre drei Kinder dabei, wie sie erwachsen werden. Im Dritten Reich sind Rudi, Fredi und Ella nun erwachsen und während Martha und Paul ein wenig in den Hintergrund treten, stehen ihre Erlebnisse im Fokus, auch wenn Martha und Paul ihnen stets zur Seite stehen.


    Ich würde euch in der Leserunde wieder wie üblich mit vielen Hintergrundinfos versorgen und mich sehr über einen tollen Austausch freuen, denn dieses Buch liegt mir ganz besonders am Herzen (so sehr, dass ich sogar meinen Liebling Fritz Ellerweg aus der Romanreihe "Leise Helden" in einem Gastauftritt dabei habe :-) )


    Das Buch erscheint am 30. August 2021 - ich bin, was die Terminierung der Leserunde angeht, völlig flexibel und würde mich nach euch richten.

    https://www.penguinrandomhouse…_8XyOnuNdpVIaAhodEALw_wcB

    Vielen lieben Dank für deine tolle Rezension. Ich freue mich sehr, dass es dir gefallen hat. Und vielleicht haben ja auch genügend Leute Lust, für "Hafenschwester 3" im September wieder eine Leserunde zu machen? Da trifft man auch Fritz in einer winzigen Nebenrolle als Chirurgen wieder ;-)

    Ich freue mich sehr, dass dir das Buch auch gefallen hat, Karin. Es ist letztlich ja "gezeugt" worden in unserer Leserunde zu "Die Stimmlosen" - als ich mal fragte, ob ihr euch ein Buch über die Geschichte von Helen vorstellen könntet und ihr es alle bejaht habt. Insofern war klar, dass hier auch eine Leserunde mit diesem Buchbaby stattfinden musste :-)

    Als Helen mit dem Singen beginnt und auch nicht aufhört, als James kommt, zeigt, dass ihre Gemütsfassung schwer am kippen ist, aber immerhin tötet sie damit dem Offizier den letzten Nerv und er nimmt endlich Kontakt zu James auf.

    Das war wieder eine von den Szenen, dir mir mit all ihrer Traurigkeit dann auch Spaß gemacht haben, weil ich mir beim Schreiben bildlich den Gesichtsausdruck des Offiziers vorgestellt habe.

    Dass es zu dem Kuss und der gemeinsamen Nacht zwischen James und Helen kommt, kann ich sogar nachvollziehen mit dem Wunsch nach Nähe und Geborgenheit in dieser Zeit, in der die Welt Kopf steht, und der Alkohol tut auch seine Wirkung.


    Dass Helen sich in der Folge aber nicht beherrschen kann und ihrer Lust nachgibt, dafür habe ich kaum noch Verständnis, das muss ich zugeben. Der eine Fehltritt, o.k., das hätte wahrscheinlich keine weiteren Folgen gehabt, außer sie wäre direkt beim ersten Mal schon schwanger geworden; ich denke, auch James hätte nicht darauf beharrt, aber Helen sendet hier die völlig falschen Signale aus.

    Ja - an dem Punkt ihres Lebens, wo sie zunächst alles verloren glaubt (obwohl es ja nur auf Zeit wäre - Kriege enden auch wieder), da will sie ihr Leben spüren und sich nehmen, was sie so lange vermisst hat - wilde, hemmungslose Sexualität. Vermutlich hätte sie sich zurückgehalten, wenn Ludwig in der Beziehung kein Defizit gehabt hätte. Sie hatte mit Ludwig zwar noch Sex, aber das war ja eher eine Pflichterfüllung für ihn, um ihr gefällig zu sein. (Mal so rum von der Seite des Mannes - Ludwig ist eben sehr sensibel, den nehmen Dinge viel mehr mit, da ist er weicher als sein Sohn Fritz - nicht umsonst kriegte er den tödlichen Herzinfarkt, als er vom Tod seiner Schwiegertochter und Enkel in den Bombennächten hörte - wobei er sicher auch vorbelastet war. Genau wie James - den auch in einer Ausnahmesituation der Schlag trifft - bis zu letzt konnte sein Sohn es nicht schaffen, dass die Mutter ihn wenigstens nur halb so sehr liebt wie ihren idealisierten Erstgeborenen).

    Und dann nimmt das ganze Unglück seinen Lauf mit der Schwangerschaft, das was danach folgt, egal ob von Helens oder James' Seite aus ist nur die traurige logische Folge davon. Mit dem Ziel, sich und ihre Lieben zu schützen, treffen sie Entscheidungen, die sie immer mehr ins Unglück stürzen.

    Genau - sie verstricken sich immer weiter und finden nicht mehr zurück, weil sie zu viel zu verlieren haben.

    In Thomas sieht Helen den Grund, dass Ludwig und Fritz und ihr früheres für sie immer unerreichbarer werden, egal, was der Junge macht, er kann es ihr nicht recht machen. Dabei ist nicht Thomas schuld, aber es ist natürlich immer leichter, anderen die Schuld zu geben, als sie bei sich selbst zu suchen.

    Und deshalb ist sie auch verdammt ungerecht zu ihm. Thomas ist der eigentliche Verlierer, der hatte wirklich nur seinen Vater. Immerhin war die Beziehung zu seiner Schwester dann vermutlich auch durch den Einfluss des Vaters normal.

    Ich war aufgrund des Buchanfangs lange Zeit misstrauisch gegenüber James, weil ich damit gerechnet hatte, dass er sich die Ehe mit Helen hinterrücks erschlichen hat, aber das ist nicht der Fall. Natürlich war es alles andere als ein feiner Zug, als er den Totenschein mit Helens Namen ausstellen lässt, aber im Endeffekt war es nur eine Folge der ganzen Ereignisse, den einzigen Ausweg, den James gesehen hat, um seine Familie zu schützen.

    James war kein schlechter Mensch. Er hatte Fehler und Stärken. Aber er war tatsächlich vorbehaltlos für Helen da, als sonst keiner für sie da war. Helen hat es als Selbstverständlichkeit genommen und war ihm nie wirklich dankbar - im Grunde hat sie ihn benutzt. Erst als Helfer, dann für Sex und dann um ihre Schuldgefühle auf ihm abzuwälzen, anstatt selbst die Verantwortung zu übernehmen. Er war der ideale Sündenbock.

    Wir wussten ja aus den anderen Büchern, dass Thomas auf seinen Halbbruder alles andere als gut zu sprechen war, aber nun verstehe ich auch voll und ganz, warum das so war.

    Es wird noch ein Buch geben (Mohlenberg 3 - die Fortsetzungsreihe von "Mehr als die Erinnerung"), wo Thomas dann auch sein Happy End bekommt. Ich kann den armen Kerl jetzt nicht so im Regen stehen lassen (okay, er hat wenigstens einen Job, den er mag, aber er muss aufpassen, dass der Alkohol ihm das nicht versaut ;-) )

    Helen verbittert immer mehr in ihrem Schicksal und wird dabei ihrer Mutter immer ähnlicher, die Kinder halten zunehmend alles von ihr fern, während James immer ungeduldiger mit ihr wird - welch eine Parallele zur Familie Mandeville. Und dabei überhöht Helen Fritz zu einem Menschen, der nur hell und strahlend sein kann, was anderes kann sie sich gar nicht vorstellen.

    Genau deshalb habe ich am Anfang die traurige Beziehung zu ihrer Mutter, der sie sich als junge Frau dann doch wieder annähert, so genau dargestellt - um die Parallele einzuläuten. Wie kann eine starke, sympathische Frau, die in der Kindererziehung mit dem ersten Sohn so modern und aufgeschlossen ist und alles richtig macht, zu so einer verbitterten Zicke werden, die ihren zweiten Sohn seelisch misshandelt und es nicht mal merkt? Oder zumindest nur kurz, aber nicht nachhaltig genug, um es zu ändern?

    Welch ein Glück, dass sich Ellinor nach der Geschichte, die ihre Mutter erzählt, entschließt, ihren Bruder zu suchen. Ich musste ja wieder lachen, als Fritz von der zweiten Angriffswelle durch die blonden Furien anfängt ... daran hatte ich gar nicht mehr gedacht ^^ Aber seine Schwester ist glücklicherweise sehr hartnäckig :)<3

    Ja, vor allem, wenn man bedenkt, wie lange sich das nach diesem ersten Treffen, von dem Helens Söhne ja beide nix hielten, noch hinziehen wird.

    Liebe Melanie, ich bin froh, dass du diese Buch geschrieben hast, vor allem auch, weil ich die anderen beiden Bücher kenne. Und natürlich hat mir das Buch wieder sehr gut gefallen, auch wenn viel Trauriges geschehen ist.

    Das freut mich sehr!

    Auf das Buch freue mich riesig <3

    Hafenschwester 3 ist ja auch wieder mit viel Herzblut geschrieben - habe heute gerade schon eine positive Rückmeldung meiner Lektorin, dass sie gut vorankommt und es ihr viel Freude mache.

    In deinen Hagenschwestern erwähnst du ja auch immer starke und interessante Frauen. Toll das du hier Vera Brittain erwähnt hast.

    Ja, das macht mir immer besonders viel Spaß, echte historische Figuren auftreten zu lassen.


    In Hafenschwester 3 wird Martha übrigens mit Carola gemeinsam Lida Heymann 1924 in München besuchen, wo Lida damals historisch belegt in der Kaulbachstraße wohnte. Und dann sehen sich Martha und Carola gemeinsam den Hitlerprozess an - dafür habe ich sogar originale Prozessprotokolle mit Hitlers Aussagen zu seinem Putsch studiert. Die historisch belegte Lida Heymann hat sich ja schon 1923 um eine Ausweisung Hitlers bemüht, weil sie dessen Reden für gefährlich hielt - leider hat niemand ihren Antrag unterstützt. 1933 musste sie deshalb emigrieren.

    Ich freue mich sehr, dass dir das Buch gefallen hat, obwohl es ja eigentlich sehr traurig in der zweiten Hälfte ist.

    Es ist so viel in diesem letzten Abschnitt passiert, was mich nur sprachlos hat weiterlesen lassen. Vor allem habe ich mich in James nicht getäuscht. Ich bin entsetzt, wie sich Menschen entwickeln und zu wem sie werden.

    James ist eigentlich auch völlig hilflos und überfordert - er schlittert auch in die Situation hinein und trifft falsche Entscheidungen. Und natürlich ist er später hart, aber als er versucht, sich zu entschuldigen - nach der Szene mit dem Eichhörnchen, als er ihr droht - da würgt sie jeden Versuch der Aussprache und der Entschuldigung gekränkt ab. Es ist nicht allein James, Helen trägt ihren gerechten Anteil an der zerrütteten Ehe.

    Gestaunt habe ich, als die Todesstrafe ins Gespräch kam, dass diejenigen, die verdächtig wurden mit solchen Strafen rechnen mussten, wusste ich auch nicht. Ich hätte eher Nacht, dass es das damals nur auf deutscher Seite gab.

    Mit der Todesstrafe war man überall auf der Welt in Kriegszeiten schnell bei der Hand - in vielen Ländern ist das noch heute so. Wir leben heutzutage in Europa in einer Wohlfühlblase - selbst in den USA gibt es ja noch die Todesstrafe.

    Als sie mit dem Singen angefangen hat habe ich gehofft, dass sie nicht völlig durchdreht. In einem Buch habe ich mal von einem Gefangenen gelesen, der nur noch laut gelacht hat und wahnsinnig geworden ist.

    Lustig fand ich die Wahl des Liedes ^^

    Ja, in dem Augenblick starb die starke Leni Ellerweg - das hat sie nie wirklich verwunden.

    Helen ihre sexuelle Lust, so finde ich, hat sie ins tiefste Unglück gestürzt. Ludwig hat ihr das nicht mehr gegeben und mir schien es so als hätte das den Vorrang für ihre nächsten Entscheidungen beeinflusst.

    Sicher, sie musste abwägen, was nun das Beste ist, aber ich bin mir sicher, Ludwig hätte ihr den Fehltritt verziehen.

    Doch dann nahm alles seinen Lauf und auf eine Lüge musste notgedrungen die nächste folgen, bis es kein zurück mehr gab.

    Zumal es von Leni ausging. James hat sie nicht bedrängt, aber sie war seit Jahren sexuell ausgehungert und es gab - anders als bei Ludwig und Fritz - keine Liebe, die das Loch, das das in ihr hinterlassen hatte, ausfüllen konnte, wenn die Sexualität nicht ausreichend ist. Bei James hat sie es dann andersrum gehandhabt - die Sexualität füllte die Leere aus, die nach all den Schrecken geblieben war, es war ihr Mittel gegen ihre Depression - bis es furchtbar nach hinten losging.

    Bei Thomas hat ihr Mutterherz komplett ausgesetzt und ich war erschrocken über Helen. Einiges konnte ich verstehen und ich habe mich sogar gefragt ob sie eventuell eine Wochenbettdepression gehabt hat. Aber wie sie mit Thomas umgegangen ist, als sie die Amme entlassen hat, fragte ich mich zum wiederholten Male ob sie es wirklich nicht versteht, dass es so nicht funktionieren wird und wo ihr großes Herz, mit all der Liebe die sie für Fritz hatte, geblieben ist.

    Ja, sie hatte eine schwere Wochenbettdepression. Und sie hat Thomas unbewusst immer die Schuld gegeben. Und als sie sah, dass er seine Amme mehr liebte als sie, war diese unbewusste Wut auf ihn größer denn je - die überstieg jede Mutterliebe, die sie durch die ungünstigen Umstände seiner Geburt auch nie so entwickeln konnte wie bei ihren anderen Kindern. Sie wollte ihm weh tun. Und dann, als sie es merkte, schämte sie sich dafür. Thomas ist eigentlich die tragischste Figur, weil der völlig unschuldig war und als kleiner Junge dann so sehr um die Liebe seiner Mutter buhlte, sie aber nicht mehr bekam, egal was er tat. Also hängte er sich an seinen Vater, weil ihm sonst nichts blieb. Und da sein Vater ständig die Schwester benachteiligte, konnte Thomas zu Ellinor trotzdem noch eine normale Beziehung aufbauen, weil er das abspalten konnte - sie war der Liebling der Mutter, weil sie ein Mädchen war, dafür war er der Sohn und alles für den Vater. Aber als er dann von Fritz erfuhr, den seine Mutter immer innig geliebt hatte, zerbrach dieser Selbstschutz. Seine Mutter konnte auch Söhne lieben, nur ihn nicht. Er war in ihren Augen gar nichts wert und er war davon überzeugt, dass es seiner Mutter auch völlig wurscht gewesen wäre, wenn er als Pilot abgeschossen worden wäre. Deshalb hasste er Fritz, obwohl er ihm nie begegnet war. Weil er befürchtete, Fritz bekäme nun alles von seiner Mutter, was er selbst nie bekommen hatte.

    An Thomas hat sich Leni am meisten versündigt.

    Was für ein riesiger Rucksack den sie da mit sich rumtragen musste. Und was ich besonders schlimm empfunden habe, sie hatte niemanden mit dem sie hätte reden können. Keine Freundin, keine Mutter und keinen Vater mehr, von denen sie hätte Ratschläge und Trost bekommen können. Sie war eine einsame Frau, obwohl sie eine Familie um sich hatte.

    Und vor allem war alles selbstverschuldet, weil sie nicht mehr den Mut und nicht mehr die Kraft hatte, etwas zu ändern. Sie versteckte sich dahinter, für Fritz Geld auf ein Konto zu packen.

    Interessant fand ich die Hintergründe, als Helen Mitglied der Anglican Packst Fellowship wurde und wer Vera Brittain gewesen ist. Da hab ich doch gleich noch ein wenig gegoogelt.

    In der Nähe, wo ich arbeite, gibt es die Vera Brittain-Brücke in Hamburg. Eine sehr interessante Frau, die ich zumindest mal in einem meiner Bücher erwähnt haben wollte.

    Nun kannte Elinor die ganze wahre Geschichte und sie reagierte sehr verständnisvoll, wo hingegen Thomas nicht begeistert ist.

    Das letzte Kapitel, als Elinor in Hamburg mit Thomas ankommt und sie zu Fritz ins Krankenhaus geht kam mir sehr bekannt vor ^^

    Hast du Melanie Metzenthin das eine zu eins übernommen?

    Ja, das Kapitel ist von der wörtlichen Rede identisch, nur dass es diesmal aus Ellinors Perspektive geschrieben ist - wie sie es erlebt hat. In "Die Stimmlosen" ist man in dieser Szene ja im Kopf des völlig überraschten Fritz.

    Ich weiß jetzt gar nicht genau, ob Fritz noch das Geld von Helen angenommen hat.

    Ja, ich musste auch direkt an die in der Hafenschwester erwähnten Seeblockade aus der Hafenschwester.

    Wie schade für Helen, dass Heinrich nicht vor Ort war ;-) - der hätte sich nicht erwischen lassen.

    Den Dackel hatte ich schon vergessen. Aber ja, das war etwas, gerade weil das Essen so knapp war. Aber Fritz hatte sich daran erinnert, wie glücklich er gewesen ist, als er seinen Hund bekommen hatte.

    Und Richard war deshalb ja so sauer auf Fritz und warf ihm vor, er hätte den Verstand verloren, woraufhin Fritz ihm ja entgegenhielt, dass seine diagnostischen Fähigkeiten auch schon mal besser gewesen wären ;-)

    Unser Enkel wir im März 5 Jahre :) . Er ist total aufgeweckt, aber gerade macht er auch so eine Phase durch, wo nicht alles lustig ist.

    Auch wenn nicht alles lustig ist, ist es doch ein schönes Alter.

    Bei Fritz' Tierliebe hätte er auch gut Tierarzt werden können :) Wahnsinn, wie er an seinem Wunsch, später Chirurg zu werden, immer festgehalten hat.

    Ja, Fritz hatte immer für Tiere und Kinder ein großes Herz - man denke nur daran, wie er in "Die Stimmlosen" seinem Sohn zu Weihnachten 1945 einen neuen Dackel schenkt, obwohl die Familie selbst nicht genug zu essen hat.

    Bei Rebeccas Aussage, dass sie ihre Kinder beneidet, in dem großartigen (20.) Jahrhundert geboren worden zu sein und den Mief des vorigen Jahrhunderts hinter sich gelassen haben, habe ich einen starken Stich verspürt.

    Ja, das ist schon sehr tragisch, wenn man bedenkt, dass die Welt gerade dabei war, sich in eine tolle Richtung zu entwickeln - das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war ja wirklich eine gute Zeit des Aufbruchs und wo man langsam anfing, viel für die ärmeren Menschen zu tun, auch wenn es immer noch viel Elend gab.

    Helen erleidet wieder eine Fehlgeburt ... du meine Güte, bei der Beschreibung, wie der Säugling ausgesehen hat und dass sich sein Blut zersetzt hat, habe ich eine Gänsehaut bekommen. Und wenn man dann noch erfährt, dass das Baby kein Recht auf ein Begräbnis hat, ist das besonders hart.

    Ja, das war auch für mich eine der traurigsten Szenen in dem Buch, obwohl noch einige dramatische Dinge passieren werden.

    Bei der Szene, als Fritz mit Susi im Schlepptau ankommt, die ihren Bruder Walter verschenken möchte, musste ich ja schon lachen, obwohl es eigentlich eher bitter und traurig ist.

    Fritz wie er leibt und lebt - ich mag ihn ja in jedem Lebensalter.

    Und ja, ich gestehe, mir ging derselbe Gedanke wie Helen durch den Kopf, warum sie keine weiteren Kinder bekommt, während Familien, die sich so viele Kinder gar nicht "leisten" können, immer wieder schwanger werden und Kinder bekommen. Auf der anderen Seite ist das natürlich nicht weit genug gedacht, denn für diese Familien sind die vielen Kinder leider kein Segen, sondern eine zunehmende Belastung, je mehr Kinder dazukommen. Ich musste direkt an die "Hafenschwester 2" denken, an die Familie mit der kranken Mutter, deren Kinder auf verschiedene Stellen verteilt werden mussten.

    Genau an die Familie Schwenke von Hafenschwester 2 habe ich auch gedacht, als ich diese Szene geschrieben habe.

    Es ist immer wieder erschreckend, wie schnell die Stimmung doch kippen kann, wenn man plötzlich ein konkretes Feindbild vor Augen hat: plötzlich ist Fritz kein richtiger Deutscher mehr, weil seine Mutter englischer Abstammung ist. Oder wie Marianne angefeindet wird, weil sie aus Deutschland stammt. Das Schlimmste dabei ist, dass das immer zu jeder Zeit und überall geschehen kann, das finde ich so besonders erschreckend, wie plötzlich das wahre Gesicht von vielen Menschen zum Vorschein kommt, wenn man nur die entsprechenden Feindbilder vorgibt bzw. in eine Richtung peitscht. Hätte irgendwer ernsthaft sich vorstellen können, dass die Amis in solche einer Rage das Capitol stürmen?

    Man muss auch gar nicht mit dem Finger auf die Amerikaner zeigen, bei uns würde sich so etwas genauso schnell ein Flächenbrand entwickeln, wenn irgendein Idiot die Menschen hinter sich vereinen kann :cursing:

    Ja, und das erklärt auch, warum Fritz später sehr zurückhaltend ist und nicht mal Richard von seiner Mutter erzählt hat. Er hat sich angewöhnt, diesen Teil seines Lebens nicht zu erwähnen - zum einen, weil die Erinnerung schmerzhaft ist und zum anderen, weil es im 3. Reich zwar keine Schande war, eine britische Mutter zu haben, aber besser war es, das nicht zu erwähnen, zumal sie offiziell ja schon seit seiner Kindheit tot war.

    Was für ein mieses Zusammenfallen von Zufällen und historischen Ereignissen, die Helen dazu zwingen, in England bleiben zu müssen und nicht mehr zu Ludwig und Fritz zurückkehren zu können. Sie konnte sich eigentlich nur falsch entscheiden: wäre sie in Deutschland geblieben und ihre Mutter wäre gestorben, ohne sie nochmal gesehen zu haben, hätte sie sich ihr Leben lang Vorwürfe gemacht. Sie hätte auch früher oder später mitbekommen, wie es um ihren Vater steht und spätestens dann hätte sie irgendwie reagieren müssen, am besten vor Ort.


    Es hätte ja auch sein können, der Krieg hätte abgewendet werden können ... das ist genau so eine Situation, bei der man hinterher immer schlauer ist.

    Ja, Helen hätte nur die falsche Wahl treffen können, aber sie konnte ja auch nicht ahnen, dass sie dann nicht mehr nach Deutschland zurück kommt, wo ihr Lebensmittelpunkt war. Wäre sie Deutsche geworden, hätte man sie ausgewiesen und alles wäre gut gewesen.

    James hat mich total überrascht, wie vorbehaltlos er Helen unterstützt ... und doch bin ich die ganze Zeit misstrauisch, nachdem Helen immer wieder betont, welche unrühmliche Rolle James dabei gespielt hat, später dieses Lügengebäude über ihre Ehe aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten. Auch ist er ja eigentlich so deutsch-feindlich, warum hilft er also Helen so scheinbar vorbehaltlos, zu ihrer deutschen Familie zurückkehren zu können?

    Wenn es den Prolog nicht gegeben hätte, wärst du dann auch misstrauisch? Was das deutsch-feindliche angeht - eigentlich kompensiert James damit eigene Benachteiligungen. Seine eigene Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater heiratete eine Deutsche, die Halbschwester war dann der Liebling und er fühlte sich zurückgesetzt. Und die Frau, die er liebte, entschied sich auch gegen ihn und floh nach Deutschland, um einen Deutschen zu heiraten. Eigentlich ging es weniger um die Nationalität als um den Zufall, dass es jedesmal Deutsche waren, durch die James sich zurückgesetzt fühlte.

    Dass Ellinor, die Zweite (damit meine ich Helens und James' Tochter ^^ ) so schnell wie möglich wissen möchte, wie es dazu kam, dass Helen sich zur Bigamie mit James entschieden hat, ist mehr als verständlich, mir wäre es da kein bisschen anders gegangen. Und ich will schließlich auch wissen, was dazu geführt hat.

    Das will ich hoffen - dafür war das kleine Zwischenkapitel - zum Luft holen zwischen zwei Lebensabschnitten.

    Mit der Flucht auf dem Kutter bekommt der Roman noch eine ganz besondere Richtung. Was für ein riskantes Unternehmen, aber ich würde nicht behaupten wollen, dass ich mich anders entschieden hätte, wäre ich an Helens Stelle gewesen.

    Bis zu ihrer Flucht und dem Moment, da sie auf das Schiff steigt, hat Helen eigentlich noch alles richtig in ihrem Leben gemacht. Aber dann schlägt das Schicksal zu.

    Ich bin noch da :) Hatte jetzt leider drei Tage keine Zeit, unser Enkel war hier. Und der ist echt anstrengend, aber auf eine positive Art und Weise.

    Kein Problem. Wie alt ist der Enkel denn?

    Fritz ist eh einer meiner Lieblings in deinen Büchern, er ist einfach ein aussergewöhnlicher toller Mann.

    Ja, das ist er - und jetzt weiß man, dass er auch schon als Kind ein Sonnenschein war ;-)

    Und ich liebe in allen historischen Romanen diese Details die mit einfließen.

    Ohne das würde es mir auch keinen Spaß machen.

    Ludwig hielt Wort......und es wurde tatsächlich besser. Die Idee mit dem Hotel Bristol fand ich so schön, da konnte man sehen, wie viel Mühe er sich gegeben hat. Er macht es nur Helen zu Liebe, so denke ich. Denn die Initiative geht nie von ihm aus. Entschuldigt, aber bei Helen ihrer Sexualität muss es für sie wie Blümchensex gewesen sein

    Das ist auf beiden Seiten der wahren Liebe geschuldet - jeder geht auf den anderen zu und das ist wertvoll für beide, weil es von Respekt und Einfühlungsvermögen zeugt - die einstmals so perfekte Ehe zeigt, dass es auch hier Probleme gibt, aber sie sind gemeinsam stark genug, damit trotzdem fertig zu werden.

    Was mich total erstaunt, Fritz ist ein wirklich cleveres Kerlchen für sein Alter und auch in den Folgejahren. Es ist toll ihn in diesem Buch ranwachsen zu sehen.

    Ja, du kennst ihn ja schon als erwachsenen Mann - da kannst du es ganz anders betrachten als jemand, der noch nicht weiß, wie er mal werden wird, oder?

    Melanie Metzenthin , hast du dir den Witz von Dr. Hirschthal selber ausgedacht, oder hast du den bei deinen Recherchen gefunden?

    Gab es den Begriff jiddische " Mamme" wirklich?

    Das ist ein echter, überlieferter jüdischer Witz. Ich liebe den jüdischen Humor, weil die sich gern auch selbst mal auf die Schippe nehmen.

    Auch die "jiddische Mamme" ist eine Kultfigur. https://www.juedische-allgemei…mein/ikone-und-witzfigur/

    Dann die Sache mit Fritz und dem Eichhörnchen und die Geschichte wie Fritz mit einem Schäferhund beschenkt wurde, einfach herzerwärmend.

    Auch das Fritz so früh seinen Berufswunsch festgelegt hat, zeigt was für einen starken Charakter dieser kleine Mann schon im Kindesalter hatte.

    Und als er später mit Susi und deren Bruder Walter nach Hause gekommen ist, habe ich gedacht ich falle aus allen Wolken. Auf was für Ideen Kinder kommen und mit welcher Selbstverständlichkeit sie die Situation darlegten :D auch wenn das alles sehr traurig war.

    Da hast du gleich mehrere Schlüsselszenen zitiert. Merk dir das Eichhörnchen, das ist eine wichtige Episode für Helen. Und die Sache mit Susi und ihrem kleinen Bruder zeigt, wie Fritz und Ludwig auf eine Adoption reagiert hätten - durchaus positiv. Es ist außerdem auch etwas, das schon auf ein Ereignis hindeutet, das Fritz' großes Herz in "Die Stimmlosen" erklärt, wenn ihm das Wohl von Kindern, selbst wenn sie nicht seine leiblichen sind, über alles geht. Ich will hier nicht spoilern, aber der Name Leni Ellerweg hat da ja eine doppelte Bedeutung - erinnerst du dich?

    Interessant fand ich die Erzählung von Frau Hirschthal über die angebliche Religionsfreiheit und wie erstaunt Helen über die " Feinheiten" gewesen ist, von denen sie gar nichts wusste.

    Und wieder eine Fehlgeburt, dass ist ja kaum zum aushalten, was für eine Seelenqual. Vor allem nach der Schilderung, wie das Baby ausgesehen hat. Von dieser Hämolyse hab ich noch nie gehört, geschweige denn, dass sich Blut des Babys im Uterus zersetzen kann.

    Aber richtig traurig fand ich die Nachricht, sie können das Baby nicht bestatten....kein Personenbestand.

    Der Doktor Joseph, über den Frau Hirschthal erzählt, ist der historisch belegte plastische Chirurg bei dem mein fiktiver Doktor Wehmeyer in Berlin lernte, und der ja in Hafenschwester 2 dieses Wissen bei Paul gut einsetzen konnte. Als ich dieses Buch geschrieben habe, war ich gerade im Lektorat von Hafenschwester 2.


    Die Hämolyse bei Rhesusinkompatibilität ist echt schlimm. In den 1960er Jahren hat man erstmals angefangen, Blutaustauschbehandlungen noch der Ungeborenen zu versuchen. Dadurch hat eine meiner Cousinen überlebt. Ansonsten sahen die Kinder wirklich so aus wie ich das beschrieben habe. Bis heute darf man Todgeburten nicht bestatten - das Gesetz gilt noch immer. Es gibt aber inzwischen auf vielen Friedhöfen Plätze, wo man die Überreste anonym beisetzen kann, extra für totgeborene Kinder, die keinen Personenstand haben.

    Natürlich wieder interessant, wie die ganze politische Lage sich entwickelte. Und ich habe nach "Hatchards" der ältesten Buchhandlung gegoogelt, wow die ist echt alt.

    Ja, solche Details liebe ich immer.

    Dann kam die Kriegserklärung, auch hier steht James Helen zur Seite doch leider erfolglos.

    Ist James dir da sympathisch? Er ist ja auch älter geworden und hat viel im Leben erlebt und ebenso wie Helen auch einiges verloren.

    Es muss wohl wirklich so sein, wie Ellinor sagt, dass er Helen wirklich geliebt hat. Liebe macht ja bekanntlich blind, evtl. hat er es deswegen nicht kapieren wollen, was Helen von ihm hält und hoffte einfach, dass sich alles irgendwie entwickeln wird, wenn sie erstmal verheiratet sind.

    Klar kann man darüber diskutieren, ob es nicht fairer gewesen wäre, wenn Helen von Anfang an reinen Tisch gemacht hätte, statt eine "feige" Scharade zu spielen, aber zur damaligen Zeit hatte sie beinahe keine andere Wahl, als slch ein Spiel zu spielen, um überhaupt das Land verlassen zu können, sobald sie volljährig ist. Die Umstände zwangen eine Frau ja regelrecht zu solchen Schritten.

    James hat Helen geliebt, aber zugleich war er sich ihrer sicher, weil er wusste, dass er nicht nur die beste Partie ist, sondern auch der Wunschschwiegersohn ihrer Eltern. Als sie ihm sagte, sie wolle ihn nicht heiraten, war er für einen kurzen Moment erschüttert - da hatte sie auch einen Moment lang den Eindruck, er wäre wie ein geprügelter Hund, aber dann hat er das ja durch sein Gelächter überspielt und dafür die Ohrfeige kassiert. Er war letztlich im Inneren verunsichert, hat das aber immer überspielt und sich damit getröstet, dass es gar keinen Zweifel daran gäbe, dass sie ihn heiratet. So kann man sich dann auch seine Spitzen gegen Ludwig erklären - zwar ahnte er nicht, wie nah der Helen steht, aber einen Funken Verunsicherung gab es ja, vor allem, als Helens Mutter dann noch so entzückt von Ludwigs Blumen war.

    Soso, die Tischlerei Hellmer muss man im Auge behalten, weil sie so eine tolle Wiege hergestellt haben ... hier gibt es zwischen Fritz und den Hellmers schon die ersten Berührungspunkte; die spätere Freundschaft wurde Fritz quasi in die Wiege gelegt :D

    Das sind so die Feinheiten, die Leute erkennen, die diesen Band als 3. Band lesen ;-)

    Die Finte mit Dr. Engelhardt hat zwar nicht geklappt - ich hatte schon so die Befürchtung, dass Ludwig den Braten riechen würde -, aber immerhin sprechen sich Helen und Ludwig mal richtig über das Thema aus und Ludwig ist bereit, professionelle Hilfe anzunehmen. Das ist schon mal ein erster Schritt, nun bleibt abzuwarten, ob Engelhardt ihm helfen kann.

    Ja, Helen kämpft um ihre Ehe. Doktor Engelhardt kennst du ja auch schon, nicht wahr? ;-)


    Das hat mich zuerst auch sehr überrascht. Wie ich dann mehr darüber nachgedacht hatte, wurde es aber immer logischer für mich. Du könntest nicht so Unrecht haben damit, dass er blind vor Liebe war. Ich glaube aber auch, dass er sie einfach als selbstverständlich sah und trotz echter Gefühle seinerseits, sie nicht richtig Ernst nahm. Vielleicht aber dachte er auch nur, dass er sie liebt, und hat ihre Bedürfnisse somit unterbewusst gar nicht so wahr genommen.

    Möglicherweise hat er ihre Bedürfnisse sogar wahrgenommen, glaubte aber, dass er das nicht zeigen dürfte, weil eine andere Rolle erwartet wird. Jemand, der eine Frau passend formen muss, damit sie ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen gerecht wird - letztlich wissen wir ja auch gar nicht, was Helens Eltern ihm über ihre Tochter gesagt haben, weil wir alles nur aus Helens Perspektive erfahren.

    Ich habe das übrigens schon von einigen gehört. :-)

    Es liegt ja doch schon eine Weile zurück und ich bin gerade so schön im Fluss.

    Ich bin mit dem dritten Abschnitt durch:) dazu morgen dann mehr, war sehr interessant

    Übrigens ist es auch eine gute Vorbereitung auf "Hafenschwester 3", wenn du die im September lesen möchtest (gern auch wieder hier in einer Runde), da spielt nicht nur Fritz mit, sondern auch Julia Kampner. Ich mag ja solche Querverbindungen.


    Auf dein Feedback zu Abschnitt 3 bin ich gespannt.