Beiträge von Melanie Metzenthin

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    War die Chance auf Erfolg nicht minimal? In diesem strengen System mit öffentlicher Bloßstellung? Es war sicher Susannes Überzeugung, aber sie hatte ja auch einen Plan B - für sie war das fast ein Glücksfall!

    Ja, die Chance war minimal - und Susanne hatte am wenigsten wegen Plan B zu verlieren. Aber trotzdem war sie davon überzeugt, das Richtige zu tun. Und natürlich hat sie es genossen, jetzt mal Carola die moralisch Überlegene zu zeigen - das war die Retourkutsche für die Attacken auf ihren Glauben.

    Und noch eine seltsame/peinliche Frage, Melanie Metzenthin : gab es tatsächlich solche "Hafenschwestern" in Hamburg?

    Martha arbeitet ja ehrenamtlich als Krankenschwester und als Beraterin. Sie hat sich um die armen Menschen gekümmert. Und da waren sicher sehr viele Hafenarbeiter bzw ihre Familien dabei. Aber gab es dann tatsächlich ganz offiziell Krankenschwestern, die das nicht ehrenamtlich machten? Bzw ab wann gab es sie?Und wie war es mit der ärztlichen Versorgung der Hafenarbeiter? Seit wann gab es einen Arzt der für die Arbeiter im Hafen zuständig war?

    Die Hafendoktor (Schiff) gab es ja erst wesentlich später. :/

    Es gibt keine dummen oder seltsamen oder peinlichen Fragen.


    Es gab tatsächlich Frauen wie Martha, aber die waren meist an Missionen gebunden. Eine dieser Frauen spielt auch in Band 2 eine Nebenrolle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_Keyser

    Übrigens mein heimlicher Liebling, da er mir so sympathisch ist. Ohne lange zu zögern schlägt er vor Milli und die kleine Anna bei sich und Martha aufzunehmen, was auch gleich in die Tat umgesetzt wurde. Und als Milli sich endlich dazu durchgerungen hat, ihren Stiefvater anzuzeigen, wurde es richtig spannend. Paul ist im wahrsten Sinne ein Mann der Tat. Ich bin richtig stolz auf ihn. Denn das was er mit seinen Freunden getan hat war überfällig. Endlich hat Hannes Steuber mit seinen Kumpanen eine richtige Abreibung bekommen. Gut so, am liebsten hätte ich da mitgemacht.

    Ja, Paul ist schon der perfekte Ehemann für Martha. Die beiden teilen eben ihre Ziele und Ideale - das macht die Beziehung stabil. Und Stabilität werden sie im zweiten Teil brauchen, denn da kommt noch einiges auf sich zu - anfangs sehr viel Schönes und später sehr viel Schlimmes. Aber sie machen wie immer das Beste daraus, auch wenn es sie an ihre Grenzen führen wird.

    Mir war nicht klar, dass diese Hilfe auf Wiederstand prallen wird. Und ausgerechnet Auguste mit an vorderster Front. Wie Martha reagierte und was sie dann zu den Frauen gesagt hat, hat mich mit offenem Mund weiterlesen lassen. Das war so genial und ich denke so einige Frauen haben da endlich über ihre holden Gatten nachgedacht :D

    Die Beratungsstelle gab es wirklich. Die Demonstrationen dagegen sind hingegen fiktiv - ich wollte das etwas dramatischer machen.

    Ich hätte es bildlich vor Augen, wie die Frauen vor diesen Büro standen , auf ihren Ehemann warteten und diesen gleich auf den kürzesten Weg nach Hause geführt haben.

    Genauso war es damals.

    Und dieses Dienstmädchen, welches Erika heimlich diesen Tipp gegeben hat, hat das bestimmt nicht ohne Grund getan.

    Genau, das Dienstmädchen wollte den Feldbehns eins auswischen.

    Milli wandert nun tatsächlich aus, ihr Traum geht in Erfüllung. Doch die Umstände sind schon sehr kurios. Sie möchte Anna eine gute Zukunft und ein besseres Leben ermöglichen, aber sie wird keine Liebe von ihrem Mann erwarten können. Ich stelle mir vor, dass sie mit ihrem Mann, so hoffe ich inständig, ein gutes freundschaftliches Verhältnis haben wird.

    Milli hat die richtige Entscheidung getroffen. Wie es ihr in Amerika ergeht, werdet ihr in Band 2 erfahren, wenn Martha und ihre Familie sie dort am Anfang des Romans besuchen.

    Sogar mein Vater ist als Kind noch an Kehlkopf Diphtherie schwer erkrankt und hat es gerade so geschafft.

    Mein Vater hatte als Kind auch zweimal Diphtherie. Das war damals wirklich eine sehr häufige Krankheit.

    Ich hätte ja gehofft, dass wir vielleicht noch erfahren das Martha guter Hoffnung ist. Aber die Familienplanung hat wohl noch kein Vorrang, wo es so viel andere Dinge anzupacken gilt.

    Martha ist ja am Ende des Buches erst 19 Jahre alt. Viel zu jung. Ich verrate schon mal, wann die Kinder geboren werden: 1905 kommt Rudolf, genannt Rudi, 1907 kommt Alfred, genannt Fredi und 1910 kommt Ella. Die sind am Anfang von Band 2, der 1913 beginnt, schon alle geboren.

    Schlucken musste ich, als Paul von den Pogromen erzählt und Martha sichtlich schockiert ist, weil sie dachte, so was würde es seit dem Mittelalter nicht mehr geben. Und Pauls Antwort, dass ein paar der Juden aus dem Osten ins Deutsche Reich gezogen sind, weil sie dort sicherer leben könnten. Wir wissen ja, was die Juden in ein paar Jahrzehnten erwarten wird ...

    Ja, das wollte ich mal als Vorgeschichte zeigen - warum so viele Juden Hitler anfangs gar nicht richtig ernst genommen haben. Deutschland galt als liberales Land, in dem es relativ wenig offenen, gefährlichen Antisemitismus gab. Die Nazis mussten ja auch erst mal eine regelrechte antisemitische Propagandamaschine anschieben, ehe das kippte. Und einen kleinen Haken zu Band 3 legen, der dann im 3. Reich spielen wird.


    Zu diesem Zeitpunkt hatte Deutschland überall einen guten Ruf, weil die Deutschen eben kein klassisches Kolonialvolk wie Engländer, Spanier oder Franzosen waren. Kaiser Wilhelm wollte zwar nachlegen, aber das waren Peanuts.

    Ob es nun vernünftig ist oder nicht, dass Martha alle Ratschläge, selbst zu kündigen in den Wind schlägt, bleibt dahingestellt, aber ich kann es dagegen sehr gut verstehen, wenn jemand nicht gegen seine Überzeugung handeln möchte.

    Wer mich bei der "öffentlich" ausgesprochenen Kündigung wirklich überrascht hat, ist Susanne, das hätte ich echt nicht von ihr erwartet. Allerdings finde ich es schade, dass sie Carola quasi so bloßgestellt hat, denn garantiert wäre außer den beiden keine der anderen Schwestern aufgestanden.

    Im Grunde hatte Martha keine andere Wahl, weil sie Hamburg nicht verlassen wollte. Ein gutes Zeugnis hätte ihr ja nur genützt, wenn sie die Stadt verlassen hätte.

    Ob wirklich niemand sonst aufgestanden wäre, wenn Carola auch aufgestanden wäre, ist die Frage. Vielleicht wäre dann auch noch Franziska aufgestanden und wenn sie schon zu viert gewesen wären, dann hätte die Oberschwester ein Problem und dann hätten vielleicht andere auch ein Zeichen gesetzt - weil sie umso sicherer wären, je mehr sie wären.


    Aber da Menschen meist nicht so reagieren, vor allem nicht jene, die sonst oft mit dem Mund vorneweg sind, weil sie sich niemals selbst hinterfragen mussten, passiert das in diesem Roman auch nicht und Carola lernt etwas über sich selbst, dass sie sonst nie geglaubt hätte. Und dafür schämt sie sich.

    Sie hat bestimmt den Plan gehabt, wenn es schiefgehen sollte, aber ich denke schon, dass sie aus voller Überzeugung zu Martha gestanden ist. Ich finde es auch sehr gut, dass Martha darauf bestanden hat, ihren Standpunkt den Kolleginnen darzustellen :thumbup:

    Susanne hat aus vollster Überzeugung zu Martha gestanden. Sie hätte ja auch Erfolg haben können.

    Dass Paul ihr einen Antrag macht, daran habe ich nicht gezweifelt, aber für all die guten Tipps, die Martha ihm gegeben hat, revanchiert er sich jetzt, indem er den Vorschlag mit der "Hafenschwester" macht. Auch wenn das ehrenamtlich ist, könnte ich mir vorstellen, dass Martha in dieser Arbeit richtig aufgehen wird. Und mit Lida zusammenzuarbeiten, ist sicher auch nicht das Schlechteste. Außerdem haben die Frauen ein paar wirkliche tolle Projekte vor. Und Martha ist ja nicht allein, mit Lida und Wilhelmina hat sie schon zwei wohlhabende Mitstreiterinnen.

    Genau - so fängt die eigentliche Geschichte der Hafenschwester an. Martha spendet kein Geld, sondern stattdessen ihre Arbeitskraft.

    Ich finde es schön, dass Dr. Liebknecht eben nicht durch Schmeicheleien und Augengeklimper zu überzeugen ist, sondern durch Können und Wissen. Das macht ihn sympathisch. Allerdings steckt auch er voller Vorurteile. Z.B. zeigt er sich enttäuscht, dass Martha sich für das Nähen interessiert, wie es in seinen Augen ihre Natur ist, wo sie sich doch bis gerade eben wie ein "richtiger Junge" verhalten hat. Außerdem spricht er Frauen die Fähigkeit ab, objektiv an Dinge heranzugehen. Er nennt es "natürliche Einschränkungen". Also auch jemand, der an die Unterlegenheit der Frauen glaubt.

    Dr. Liebknecht ist ein Mann seiner Zeit - er hält die herrschenden Vorurteile für wahr, weil er ja auch so oft darin durch das weibliche Verhalten bestätigt wird, weil die Frauen wiederum glauben, sie müssten sich so verhalten, weil es erwartet wird. Martha durchbricht das erstmals - und wie er darauf reagiert zeigt ja, dass er lernfähig ist.

    Martha bewirbt sich als OP-Schwester, da sie dafür offenbar Talent hat. Dass sie Susanne nichts davon erzählt, halte ich für einen Fehler, denn das es böses Blut geben könnte, wenn Martha die Stelle bekommt und nicht Susanne, ist ja sonnenklar. Fairer wäre es, wenn sie ihr das gesagt hätte. Natürlich hätte sich Susanne wahrscheinlich auch dann aufgeregt, aber die Sachlage wäre klar gewesen. Außerdem hat sich Susanne, selbst als sie nicht mit Martha sprach, nie an Gemeinheiten gegen sie beteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Martha also versucht hätte, schlecht zu machen, wäre gering gewesen. Dass sie Auguste nichts erzählt, ist o.k., denke ich. Denn die hätte bestimmt auf eine Möglichkeit gesonnen, Martha zu diskreditieren. Außerdem war sie mit Auguste nie befreundet, im Gegensatz zu Susanne.

    Da hast du recht - aber Martha ist von diesem ganzen Intrigengespinst ein bisschen angesteckt - sie passt sich überall an - und auch hier, wo sie so etwas von anderen sieht und deshalb auch den Weg des geringsten Widerstandes geht - sie ist ja letztlich auch noch sehr jung.

    Dann wird es politisch und das finde ich richtig spannend. Wir können uns die Verhältnisse damals gar nicht wirklich vorstellen. 72 Stunden Schichten! Ich weiß gar nicht, wie man das durchhalten sollte. Ich bin ja schon völlig geschlaucht, wenn ich in einer 24-h-Stunden Schicht durcharbeiten muss. Aber dreimal so lange! =O Kein Wunder, dass es anfängt zu gären.

    Die 72-Stundenschichten sind belegt - die waren nicht die Regel, aber kamen immer mal wieder vor in diesen schwierigen Zeiten. Und die Unfälle stiegen dann massiv an.

    Gab es damals wirklich schon einen Arbeitgeberverband? Hätte ich nicht gedacht, dass dem so war. Schließlich konnten sie ja fast wie Könige über die Arbeiterschaft regieren, also wäre es ja nicht nötig gewesen, sich zusammen zu tun.

    Alles, was ich über den Hafenarbeiterstreik schreibe (mit Ausnahme der Rolle von Martha und Paul), ist wahr und so passiert. Auch Lida Heymanns Suppenküche und dass es zu Anfang schick war, sich mit dem Streik zu solidarisieren. Es gab schon Gewerkschaften und einen Arbeitgeberverband. Das fand ich auch sehr spannend, als ich darauf beim Recherchieren stieß und habe das dann in mehreren Quellen verglichen.

    Vielen Dank, ich freue mich sehr, dass es dir so gut gefallen hat.

    Einzig Auguste (die mir noch immer leid tut! Auch wenn sie unverbesserlich arrogant und verbohrt ist und <X Artikel schreibt) hat nichts dazu gelernt und bleibt einfach mal so wie sie ist - auch wenn das ihr selber und ihrer Umwelt nicht gut tut! Aber sie ist ein interessanter Charakter: denn ich bin mir fast sicher, dass sich damals viele Frauen in diesem Zwiespalt befanden. Dass sie einerseits unter ihren Männern, den gesellschaftlichen Konventionen und der Unfreiheit der Frauen gelitten haben, aber keinen rechten Ausweg wußten und sich wahrscheinlich nicht zutrauen konnten, ein selbstverantwortliches Leben zu führen. Frauen neigen ja heute auch noch oft dazu, sich zu verzwergen.

    Auguste taucht auch in Band 2 wieder auf. Ich muss mir noch überlegen, wie viel Raum ich ihr einräume - das wird sich beim Schreiben ergeben. Im Moment ist es nur eine kleine Rolle, aber wer weiß ...

    Ganz wichtig in diesem Buch war für mich, dass ich Lida Gustava Heymann kennenlernen durfte - ich werde sicher versuchen, noch mehr über ihr Leben herauszufinden. Ihre Persönlichkeit hat mich tief beeindruckt.

    Die Frau war für mich auch sehr beeindruckend - deshalb habe ich sie in diesen Roman eingebaut.

    Martha und Paul - die zwei passen richtig gut zusammen. Was mir an beiden besonders gut gefällt, ist, dass sie sich durchaus zu helfen wissen und dabei manchmal zu Mitteln greifen, die nicht jeder moralischen Prüfung standhalten würden. Aber manchmal geht es einfach nicht anders. Millis Vater hätte keine andere Sprache verstanden und Auguste wird durch Marthas Erpressung in ihre Schranken verwiesen. Und solange Martha ihr Wissen nicht ausplaudert, finde ich das eigentlich sogar ganz ok. Aber ich fürchte, dass solche Tatsachen sich nicht ewig unter der Decke gehalten werden können. Und wenn von irgendeiner Seite her diesbezüglich getratscht wird, wird Auguste sicher glauben, dass Martha dahinter steckt...

    Ja, Martha und Paul sind keine "Edelmenschen", sondern handfest - denn wenn einen die Gesetze nicht schützten, muss man manchmal nach eigenen Gesetzen handeln. Das ist natürlich immer eine Gratwanderung, aber ich denke, jeder von uns kennt diese Situationen, wo man sich wünscht, da würde doch mal jemand "dreinschlagen". Und damals war das ja z.T. noch schlimmer als heute.

    Es freut mich sehr, dass Milli nach Amerika kann und ich hoffe wirklich, dass ihr zukünftiger Ehemann tatsächlich reich und nett ist. Und klug soll er auch sein - der Schwarze Freitag kam ja erst viel später, 1929.

    Melanie Metzenthin - wie weit werden wir die Geschichte von Martha und ihrer Familie bzw Freunden verfolgen können? Der nächste Band spielt knapp 15 Jahre später? Dann werden sie und wir noch mehrere weltpolitisch wichtige Ereignisse erleben!

    Wenn es nach mir geht, werden wir die Geschichte von Martha und ihrer Familie bis zu ihrem Tod 1971 verfolgen können. Drei Bände sind aber auf jeden Fall geplant. Band 2 ist Kaiserreich bis Weimarer Republik inkl. 1. Weltkrieg, Band 3 dann die Erlebnisse im 3. Reich.

    Moritz? Der bekommt von mir einen Heiligenschein aufgesetzt - soviel Selbstlosigkeit ist wirklich fast ein wenig zuviel. Aber ich hoffe, liebe Melanie, Du entschädigst ihn noch reichlich dafür. Er hätte es sich echt schwer verdient!

    Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof ... Warte es ab.

    Ach ja... wenn ich nächstes Jahr, wie jedes Jahr, wieder ein paar Tage in Hamburg verbringen werde, werde ich den Hygieia-Brunnen mit ganz anderen Augen betrachten und an Martha, Milli und natürlich an Euch alle denken :)

    Dann solltest du dir auch die Kramer Amtsstuben ansehen, falls du da bislang noch nicht warst. Da haben wir für den SAT-1-Beitrag, den ich oben im Anmeldethread zur Leserunde verlinkt habe, gedreht.

    Ihr Lieben, ich komme doch erst morgen dazu meinen Kommentar für den letzten Abschnitt zu schreiben. Nehmt es mir nicht übel. Aber wir waren am Wochenende bei Schwiegereltern und haben erfahren, dass die ganze Chemo und Bestrahlung bei meinem Schwiegervater nichts gebracht hat. Auch wenn wir seid heute Nachmittag schon wieder zu Hause sind, kann ich keinen klaren Gedanken fassen.

    Morgen werde ich es dann nachholen, versprochen.

    Lass dir alle Zeit, die du brauchst. Ich wünsche euch viel Kraft!

    Ja, war sie. Sie war aber auch ein Kind ihrer Zeit und hat die damaligen Vorurteile vermutlich als Tatsachen angesehen. Was ich ihr anrechne, ist, dass sie sich überzeugen lässt, es mit Martha zu versuchen. Es sind ja nicht alleine die Zeugnisse, die sie umstimmen (auch wenn die natürlich ihren Teil dazu beitragen), sondern auch Marthas Auftreten, dass ihr zeigt, dass sich auch ein Mädchen aus den Gängevierteln "anständig" verhalten kann und eine Chance verdient. Unterschiedliche Berufe haben ein unterschiedliches Ansehen und es wird ein entsprechendes Auftreten erwartet. Daher ist es nur natürlich, dass Schwester Hedwig das Ansehen der Erika-Schwestern nicht gefährdet sehen will.


    Martha lernt auch neue Freundinnen kennen und das fand ich sehr spannend, wie sich Susanne zunächst präsentierte und wie sie dann reagierte, als Martha ihr widersprach. Solche Charaktere, die nicht nur gut oder böse sind, machen eine Geschichte ja erst spannend. Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Susanne und auch mit Carola. Ob sie hält, was sie momentan verspricht.

    Genauso ist es - es ist immer ein Risiko, wenn man jemanden, der vermeintlich aus der falschen Schicht kommt, in ein "elitäres" Projekt lässt. Das ist heute noch immer der Fall, wenngleich es heute Antidiskriminierungsgesetze gibt, die das ja verhindern sollen. Klassisches Beispiel der heutigen Zeit: Muslimisches Mädchen mit Kopftuch bewirbt sich um eine Stelle mit Publikumsverkehr. Das ist auch nicht immer unproblematisch.

    Ich habe einen Grammatikfehler gefunden. ;-) Auf Seite 102 heißt der erste Satz im fünften Abschnitt: "Martha sah Dr. Schlüter verwirrt hat."

    Habe ich sofort an meine Lektorin weitergeleitet. Weiter hinten hatte ich auch noch zwei gefunden. Das wird dann in der 3. Auflage ausgemerzt. Wenn es so weiter geht, kommt die bestimmt.

    Milli strebt ein besseres Leben an, eines, in dem ihr ihre Vergangenheit sie nicht immer wieder einholt. Moritz ist hingegen zufrieden mit dem, was er hat und strebt nicht nach Veränderung bzw. Verbesserung. Das würde im Leben nicht gut gehen, weil er Millis Träumen die Flügel nehmen würde und vermutlich zudem stets verletzt sein würde, wenn sie mehr möchte, als er ihr zu bieten hat. Milli hingegen würde sich in einem Konflikt zwischen ihren Wünschen und ihrer Loyalität zu Moritz aufreiben und irgendwann wäre die Beziehung zwischen den beiden völlig zerrüttet.

    Finde ich insofern spannend, da du ja auch das Experiment mitgemacht hast, den Anfang von Teil 2 testzulesen, ohne Band 1 schon gelesen zu haben. Nun lernst du die Figuren am Anfang ihres Weges kennen.

    Ja, das ging mir auch so. Mir schossen beim Lesen die Tränen in die Augen - vor allem, da Milli sagt, sie nennt ihre Tochter nach einer Freundin, die viel zu früh gegangen ist. Da erkennt man Millis tiefe Zuneigung zu den Westphals.

    Die Westphals waren ein steter Anker im Leben von Milli, die dazu beitrugen, dass sie trotz allem noch stabil blieb und diesen Missbrauch durch den Stiefvater und die Missachtung der Mutter - da hast du ganz recht, die hat ihre Tochter ja nicht geschützt , ganz im Gegenteil, psychisch relativ unbeschadet überstanden hat. Sie hat dadurch trotz allem noch positive Bindungserfahrungen machen können. Sie kann sich ja auch in gewisser Weise auf Moritz einlassen, aber sie erkennt, dass er ihr nicht das bieten kann, was sie sich wirklich wünscht.

    Was ist denn eine Schottsche Karre?

    Das ist ein von Hand zu ziehender Wagen, der noch bis in die Nachkriegszeit in Gebrauch war (damals aber, weil alles andere knapp war - eigentlich verschwand sie schon zu Beginn der 30er ziemlich aus dem Straßenbild. Auf dem Wikipedia-Link sind einige Fotos.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Schottsche_Karre

    Ich bin erneut entzückt von deinem Schreibstil und habe mich sofort direkt im Geschehen befunden. Ich mag die Figuren (auch die unangenehmen, im Sinne von: Sie sind gut gezeichnet.) und das Thema ist so interessant.

    Ich hatte es erst in meinem persönlichen Arbeitskontext von der Cholera und ich finde diese ganze Sache einfach furchtbar.

    Vielen Dank. Ja, die realen Umstände waren furchtbar. Der Doktor Simon aus Altona, den der Hausarzt im ersten Kapitel erwähnt, ist auch historisch belegt - der wurde auch verdonnert, seine korrekte Diagnose zurückzuhalten, um Quarantäne-Maßnahmen zu verhindern.

    Ich finde es übrigens sehr toll, wie sie mit ihrem Vater umgeht: resolut/ehrlich/streng und trotzdem mitfühlend. Es muss schlimm sein wenn man als Vater erst die jüngste Tochter und dann seine Frau verliert - und dann gewissermaßen sich selbst, wenn man merkt dass man nicht mehr stark genug für seine Kinder sein kann.

    Mir war es wichtig, dass hier ein liebevoller Vater abstürzt. Das ausgelutschte Motiv des brutalen Trinkers wollte ich in diesem Kontext durchbrechen - Milli hat ja schon so einen Vater. Viel schwieriger ist es ja, wenn man jemanden liebt und ihn gleichzeitig schütteln will. Wenn jemand bösartig wird, kann man ihn hassen. Aber jemand, der einfach nur verzweifelt ist, der wirft einen in den Gefühlen hin und her - und das ist oft schwieriger als reiner Hass.

    Insgesamt gibt es einfach eine Masse an Szenen die mir im Gedächtnis geblieben sind und die ich als sehr wertvoll erachte. Beispielsweise als Martha ihrem Bruder sagt, dass er ruhig weinen darf. Toxische Männlichkeit und so... Sehr schön, dass du das so eingebaut hast. Und dass es Moritz gibt! Dass er Milli und auch Martha ein wenig Selbstverteidigung beibringt.

    Das freut mich sehr - ja, ich wollte eben auch ein paar positive Figuren haben, weil ich es unrealistisch finde, wenn Menschen so etwas ohne jeden positiven Einfluss überstehen - Dank Moritz erkennt man, dass auch Milli nicht ganz alleingelassen ist - sie hat neben Martha noch jemand anderen, der für sie da ist.

    Gegen Ende des Abschnitts hin ging mir alles ein wenig zu schnell, also dass die Cholera dann plötzlich weg war und der Vater plötzlich diesen Unfall hatte - aber mir würde auch nicht einfallen wie man diesen Zeitraum anders raffen soll, von daher hat das mein tolles Leseerleben nicht gestört

    Da bin ich erleichtert - ich musste ja die Geschichte auch etwas voranbringen. Bei so langen Zeiträumen über mehrere Jahre ist das unabdingbar. Im Gegensatz zu "Mehr als die Erinnerung", das stringent über die Sommermonate ging, musste ich hier immer wieder schauen, wie ich von der Cholera zum nächsten wichtigen Abschnitt in Marthas Entwicklung komme. Zur wirklichen Hafenschwester, die titelgebend ist, wird sie ja erst am Ende.

    Die Schießereien mit Toten und Verletzten sind tatsächlich so gewesen. Aber da du ja vorher schon etwas über den Streik gelesen hast, weißt du das ja. Warst du eigentlich sehr enttäuscht, als du schon vorher gelesen hast, dass die Arbeiter verlieren?

    Ich habe vorher nichts darüber gelesen, aber leider war eigentlich sowieso klar, dass es keinen wirklichen Sieg diesbezüglich für die Hafenarbeiter geben kann. Enttäuscht war ich nicht, aber traurig - weil ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte. Manchmal wünsche ich mir halt Utopien;)

    Es ist halt ein langer Weg - und ich bemühe mich in meinen Büchern immer, auch das Positive in Niederlagen darzustellen.

    Wenn es von den Grünen gemacht wurde, dann haben sie sich ja selbst beschnitten. Dann hätten sie auch gleich Nonne werden können

    Von den Grünen? Haben dir ihre Parteistatuten geändert ;-) ?

    Nun, der Unterschied zur Nonne ist ja der, dass die in erster Linie beten müssen. Aber auch die Erika-Schwester waren auf Seelsorge aus. Ich hätte da noch viel mehr christliche Hintergründe reinbringen können, aber ich habe Martha lieber zu den Sozialdemokraten geschickt ;-)

    Ich verstehe aber nicht die Oberschwester, dass sie so hart agiert. Natürlich ist es eine Zwickmühle und ehrlich? Ich hätte auch nicht gekündigt, da sie nichts falsches getan hat. Carola ihr Vater macht ihr klar, dass sie rechtlich gesehen keine Chance hat. Wäre Martha ein Mann gewesen, hättte es anders ausgesehen. Das schreit Himmelhoch nach Ungerechtigkeit.

    Keine Frage - ich finde diese "Gesetze" auch übertrieben und einfach falsch. Aber sie waren Realität und Martha wußte das ganz genau. Es war ihr klar, als sie den Beruf ergriffen hat. Ich glaube auch nicht, dass es etwas mit Männer- oder Frauenrechten zu tun hat.

    Was mich in der ganzen Sache mehr entsetzt ist meine Vermutung, dass diese Gesetze von Frauen gemacht worden sind. Dass also Frauen sich selbst bzw ihren eigenen Leben derartige Beschränkungen auferlegt haben. Im Sinne der Nächstenliebe?

    Dr. Liebknecht hat ja deutlich gesagt, dass auch die Ärzte keinerlei Mitsprache haben, wenn es um Angelegenheiten der Schwesternschaft geht. Das war Sache der OSR. Und Sr Hedwig war sicher nicht die einzige, die so strenge Regeln aufgestellt hat.X(

    Genau, diese Gesetze wurden von Frauen gemacht. Warum auch immer. Vielleicht, weil sie nicht wollten, dass die Schwestern dann ständig mit den Ärzten rummachen ...

    Das ist Dir wirklich gut gelungen! Klüvert hat Paul (und gleichzeitig auch dem Leser) die ganze Situation differenzierter sehen lassen, erklärt, dass diese Niederlage trotzdem ein Beginn ist und dass die Hoffnung noch nicht begraben wurde! Das war ein wunderschöner Abschnitt!

    Ja, Klüvert zeigt Paul auf wie die Zukunft werden könnte wenn man mit Geduld und Weitsichtig agiert. Mir kam es fast so vor als wolle der Wachtmeister das Paul nicht aufgibt und weiter macht.

    Genau - er wollte nicht, dass Paul sich und die Sache aufgibt. Man hat erst verloren, wenn man aufgibt. Man muss aus allem immer das Beste machen und sich nicht in Gejammere verlieren. Da haben Martha und Paul schon mal das produktive Verlieren gelernt. Kommt ihnen dann in den nächsten beiden Weltkriegen zu Gute ;-)

    Was auf den Scharmarkt geschehen ist, hat mich erschreckt. Diese Unruhen bringen doch nichts, wenn der wütende Mob wild um sich prügelt. Paul konnte nicht an sich halten und wollte noch schlichten. Doch gegen so eine aufgebrachte Meute kann kein einzelner nichts ausrichten. Im Gegenteil, er wird schwer verletzt.

    Die Beschreibungen von den OP's waren sehr bildlich. Und ich bewundere wieder einmal mehr Martha. Sie verliert nicht die Fassung und steht die OP von Paul souverän durch. Was Susanne im OP erleben musste war ja traumatisierend, du meine Güte.

    Die Schießereien mit Toten und Verletzten sind tatsächlich so gewesen. Aber da du ja vorher schon etwas über den Streik gelesen hast, weißt du das ja. Warst du eigentlich sehr enttäuscht, als du schon vorher gelesen hast, dass die Arbeiter verlieren?

    Ach manno, liebe Melanie du ersparst Milli aber auch gar Nichts. Dieses miese Schwein von Stiefvater. Dem muss Mal ordentlich auf's Maul gehauen werden.

    Ja, muss mal. Du bist nicht die einzige, die so denkt.

    Ich verstehe aber nicht die Oberschwester, dass sie so hart agiert.

    Die Oberschwester ist von Martha enttäuscht. Nicht so sehr wegen Paul. Nein, was sie Martha wirklich richtig übel genommen hat, ist die Lüge, die Martha damals unter dem Deckmäntelchen der Freundschaft über Auguste verbreitete, um die loszuwerden. Dadurch hat Martha jede Glaubwürdigkeit bei der Oberschwester verloren - das Kind aus dem Gängeviertel, dem sie eine Chance gab und die belügt sie so schamlos zum Schaden einer Mitschwester. Auguste hat das natürlich vollständig für sich genutzt. Und deshalb wurde Martha nicht mehr angehört und es musste ein Exempel statuiert werden. Hätte Martha die Oberschwester damals nicht belogen und somit massiv gekränkt, hätte womöglich Auguste wegen der Spitzeleien gehen müssen. Die Oberschwester hat Martha ja früher schon mal in Schutz genommen, z.B. als Martha die Dokumentationen einführte und Auguste sie deshalb anschwärzen wollte. Und dann erfährt die Oberschwester von Auguste, dass Martha, auf die sie so große Stücke gehalten hat, sie nicht nur schamlos belogen hat, sondern auch noch weiterhin mit ihrem Gossenpack verkehrt und sich mit Männern rumtreibt - verdammtes Gossenkind! Lügt und hurt rum!

    Gab es dieses Schiff mit dem Namen eigentlich wirklich, oder ist es fiktiv?

    Das wird es sicherlich, die hießen oft so, aber dieses spezielle Schiff ist fiktiv.

    Martha und Paul kommen sich im Zuge seines Krankenhausaufenthaltes auch näher - natürlich! Milli steht ihr mit sehr praktischen Tipps zur Seite. Mir war nicht klar, dass es damals schon Portiokappen gab oder dass Goldshclägerhaut als Kondom Verwendung fand. Man lernt nie aus!


    Das fragte meine Lektorin auch - ich habe ihr dann die Quellenangaben geschickt - die Portiokappe war tatsächlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Gebrauch und bis in die 1920er Jahre eine sehr beliebte Form der Verhütung, weil sie den Frauen fast so viel Freiheit wie die Pille ließ - aber sie war natürlich teuer und umständlich. Man hat die Kappen damals nur einmal im Monat entfernt, wenn die Monatsblutung kam - das konnte dann zu Sekretstaus führen. In den 1920er Jahren kamen die ersten Kondome aus Gummi auf den Markt, die dann wesentlich angenehmer als die Goldschlägerhaut zu verwenden waren.


    Interessant finde ich den weiteren Weg Marthas: die Beratungsstellen, die gegründet werden sollen um eine tatkräftige Unterstützung für Frauen zu sein.

    Die von Lida Heymann gegründete Beratungsstelle ist historisch belegt. Das war eines der großen Verdienste von Lida Heymann.


    Der Polizist Klüvert erklärt alles wirklich verständlich und zeigt diplomatisches Gespür. Diese Passage hat mir wirklich gut gefallen - auch weil sie einer demütigenden Niederlage ein klein wenig Hoffnung geben konnte!

    Durch Klüvert lasse ich für Paul und die Leser zusammenfassen, was der Streik letztlich doch bewirkte. Deshalb war der Streik trotz der Niederlage auf lange Sicht ein Erfolg. Es verbesserte sich sehr viel im Nachgang. Aber da es eben keine Geschichte mit einem strahlenden Sieg ist, geriet sie in Vergessenheit. Doch das wiederum hat dieser Streik nicht verdient. Er war wichtig und er war nicht vergebens - hier zeigt sich, dass manche Dinge auch etwas Gutes bewirken können, wenn sie mit einer Niederlage beginnen. Man darf nur nicht aufgeben.


    Deshalb war mir die Geschichte dieses größten Streiks der deutschen Geschichte so wichtig. Weil man nicht immer nur die Geschichte der großen Siege erzählen muss, sondern vor allem auch das, was aus Niederlagen erwachsen kann.