Beiträge von Melanie Metzenthin

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Kurz ist doch langweilig - ich liebe lange Posts - deshalb mag ich hier die Leserunden mit euch ja auch so gern, da kann man so richtig ins Detail gehen und das ist für mich auch spannend.


    Die Zustände im Gängeviertel müssen damals ja wirklich katastrophal gewesen sein. Wenn der Gestank vorher schon so schlimm war, dann kann man sich kaum vorstellen, wie es während der Epidemie war. Im Krankenhaus war es allerdings kaum besser und die Medizin stand dieser Krankheit ja auch hilflos gegenüber, weil es keinen kurativen Ansatz gab. Das einzige, was man machen konnte, war der Flüssigkeitsersatz in großen Mengen (so wie heute übrigens auch), am besten intravenös. Dr. Schlüter ist ja zum Glück ein moderner Arzt, der mit der Zeit geht und sich um die Umsetzung der neuesten Erkenntnisse bemüht. Für mich als Ärztin ist es faszinierend, was damals noch so als medizinisch korrekt angesehen wurde. Z.B. das der Aderlass, der ja schon aus dem Mittelalter bekannt ist, sich hartnäckig so lange gehalten hat.

    Ja, die unterschiedlichen Behandlungsmethoden sind parallel angewandt worden und waren auch tatsächlich so. In dem Buch über die Cholera, das ich hier irgendwo schon verlinkt habe, von Evans, stehen noch mehr Gruselgeschichten, auch von einem auswärtigen Arzt, der behauptete, ein Heilmittel zu haben und gefälschte Ergebnisse vorlegte und die Leute dann natürlich trotzdem nicht heilen konnte. Erinnerte mich ein bisschen an die heutigen Krebs-Wunderheiler.


    Die Arbeit als Krankenwärterin war auch kein Zuckerschlecken: Wenn ich mir das vorstelle, dass die Leute sechs bis sieben Tage in der Woche zwölf Stunden schufteten und das für einen Hungerlohn... Kein Wunder, dass kaum einer scharf auf die Arbeit war und es der Bodensatz der Gesellschaft war, der dort hauptsächlich zu finden war. Gab es da eigentlich auch ein Schichtsystem? Also kam dann abends eine Nachtschicht oder waren die Kranken nachts sich selbst überlassen?

    Ja, es gab ein Schichtsystem - 12 Stunden tagsüber, 12 Stunden nachts. Ich habe aber Martha als 14-jährige jetzt nur in den Tagschichten arbeiten lassen, weil ich über den Einsatz von Jugendlichen in den Nächten nichts gefunden habe. Später, wenn sie in Eppendorf anfängt, hat sie dann als Krankenschwester auch Nachtschichten.

    So, ich bin zurück, das Radio-Interview war lustig. Wir haben sogar zwei Minuten überzogen.


    Aber nun zum Text und euren Anmerkungen:


    Es tut mir so leid, dass zwei so sympathische Menschen ihr einziges Kind verlieren mussten.

    Ja, es trifft nicht immer die Richtigen. Aber die beiden engagieren sich sozial - das wird auch so weiter gehen.



    Was Marthas Vater angeht, reißt die Pechsträhne einfach nicht ab, aber wenigstens lässt er erstmal die Finger danach vom Alkohol weg und wird sogar wieder zu dem Vater, den Martha schon so lange vermisste - wenn auch leider nicht dauerhaft. Wenn man damals nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt arbeitsfähig war, dann war der Weg zum völligen sozialen Absturz wirklich nicht mehr weit :( Auch so müssen die Drei zusehen, dass sie überhaupt einigermaßen über die Runden kommen und dabei hat Martha noch Glück, dass sie als Lernschwester kein Lehrgeld zahlen muss, sondern noch einen kleinen Lohn erhält.


    Wobei ich die Regelung, dass Lernschwestern kein Lehrgeld zu zahlen haben, sondern sogar Lohn erhalten, ziemlich unfair, denn eigentlich ist diese Ausbildung ja Töchtern aus wohlhabenderen Familien vorbehalten, denen es nichts ausmachen würde, wenn sie Lehrgeld zahlen würden. Während die sozial schwachen Familien das Lehrgeld zusammenkratzen müssen, wenn sie ihre Kindern eine anständige Ausbildung ermöglichen wollen. Gut, für Martha ist das jetzt natürlich ein Glücksgriff, aber Martha ist ja leider die Ausnahme.

    Sozialer Abstieg war damals vorprogrammiert, wenn man arbeitsunfähig wurde und keine Rücklagen hatte. Das war selbst hier ja noch vor 1995 so, als es noch keine Pflegeversicherung gab. Da sind die Leute, die pflegebedürftig wurden, verarmt - und selbst heute reicht es bei kaum jemanden, das nur von der Rente zu finanzieren, trotz Zuzahlung. Aber immerhin gibt es nun das Sozialamt.


    Zum Thema Lehrgeld: Da Lehrlinge im ersten Lehrjahr mehr Arbeit machen als sie einbringen, ließen sich die Meister das bezahlen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass man die Bezahlung für Lehrlinge einführte. Studiengebühren sind ja was Vergleichbares. Und ihr habt in der Tat recht - es ist schon bemerkenswert, dass die höheren Töchter ein Gehalt bekamen - wobei das natürlich mit 20 Mark im Jahr sehr niedrig war.


    In dem Fernsehbeitrag erwähnst du, dass dein Urgroßmutter (es war doch die Urgroßmutter, oder?) Martha das Vorbild für die Buch-Martha ist. Kam die echte Martha auch aus armen Verhältnissen und hatte solch ein Glück wie die Martha im Roman?

    Meine Urgroßmutter war Weißnäherin. Eigentlich sollte sie das Geschäft ihrer Mutter übernehmen, die wurde dann aber erschlagen im Geschäft aufgefunden, als meine Urgroßmutter in Marthas Alter war. Angeblich war es der Ladengehilfe, aber man konnte ihm nichts nachweisen. Eigentlich wollte ich daraus ursprünglich einen Roman machen - auch mit Cholera, aber mit dieser Story im Hintergrund. Mein Agent meinte aber, das wäre zu wenig, um einen Roman zu tragen. Also habe ich dann aus Martha eine Krankenschwester gemacht. Ich denke inzwischen auch, dass es sehr gut war, mich von der Originalgeschichte zu verabschieden, so hatte ich viel mehr Freiheiten, das zu zeigen, was ich zeigen will. Nichtsdestotrotz ist meine Urgroßmutter die Inspiration und ich habe ihre Lebensdaten und Namen und auch den Namen des späteren Ehemanns von meinen echten Urgroßeltern übernommen.


    Carola hätte doch das Zeug zum Psychologen, oder nicht? Vor allem lässt ihre Einschätzung Susanne vielschichtiger erscheinen und sie tut mir sogar ein Stück weit leid, auch wenn ihre Einstellung überhaupt nicht teilen kann.

    Warte mal ab, wie sich das noch entwickelt - es bleibt in dieser Konstellation spannend bis zum Schluss.


    Meine Güte, dieser Hannes Steubner ist ja ein ganz furchtbarer Mensch, was er seiner Stieftochter angetan hat. Und absolut fassungslos bin ich darüber, dass er einfach immer so weiter machen kann. Ich hoffe sehr, dass er eines Tages seine gerechte Strafe erhalten wird und es Milli danach besser gehen wird.

    Da Milli meine heimliche Lieblingsfigur ist, wird es dazu noch kommen, wenngleich ... nun ich verrate noch nix.


    Über Millis Schicksal bin ich immer betrübt. Aber ihrem Vater hatte ich gerne sein Gemächt abgeschnitten. Unfassbar das so etwas nicht geahndet wurde.

    Es wird die Zeit kommen, da geht Hannes Steubner zu weit. Und dann ... Wir kommen noch dazu ;-)

    Vielen Dank für euer Feedback. Ich bin gerade wegen eines Radio-interviews unter einem halbgeschlossenen Pseudonym für ein anderes Buch auf dem Weg ins Studio. Da es live ist, bin ich dann erst mal nicht online, melde mich später ausführlich zu euren Anmerkungen

    Martha hat im KH Eppendorf ein Vorstellungsgespräch mir einer OSR Hedwig - ist hier Hedwig von Schlichting gemeint? Damals wurde ja die Erika-Schwesternschaft ins Leben gerufen.

    Ja, genau, da ist Hedwig von Schlichting gemeint. Ich habe den Nachnamen weggelassen, weil Schwestern damals ja immer nur mit Vornamen angesprochen wurden. Und ich habe zeitlich ein klein wenig "gemogelt", das kläre ich aber im Nachwort auf. Erst 1895 begann die Ausbildung von weltlichen Schwestern aus besserem Hause bei den Erika-Schwestern, aber für den Plot passte es so besser.


    Was ich aber nicht verstehe ist die Tatsache, dass auf männliche Wärter in der Pflege verzichtet werden sollte. Gab es dafür einen speziellen Grund?

    Es wurde nicht auf männliche Krankenwärter verzichtet, die gab es noch. Aber die bekamen eben keine solche Ausbildung wie die Schwestern aus besserem Hause. Die Ausbildung männlicher Pfleger, die über das einfache Bild des Krankenwärters hinausging, begann erst nach der Reform der Krankenausbildung 1907. Davor gab es Krankenwärter und Krankenwärterinnen als unterste Schicht und dann kamen die ausgebildeten Krankenschwestern.

    Was ist eigentlich aus Frau Klügler geworden? Hat sie die Cholera überlebt oder ist sie gestorben? Martha nimmt ja Anteil an ihrem Schicksal, aber dann wird sie nicht mehr erwähnt.

    Das hat Martha leider nicht mehr mitbekommen, da sich bei ihr die Ereignisse überschlagen haben und sie dann in die Cholerabaracken am Hafen kam. Ich bin mir aber sicher, dass Frau Klügler zu den 53% der Patienten gehörte, die die Cholera in den Krankenhäusern überlebte - immerhin hat Doktor Schlüter sie ja behandelt.

    Seit wann wurde das so praktiziert? Es entsprach ja eher nicht der allgemeinen Meinung, dass Alkoholismus bzw Suchtkrankheiten eben Krankheiten sind und nicht Charakterschwächen.

    Deshalb ist es mir diese Passage ja so aufgefallen!

    Viele Süchtige haben sich natürlich auch in andere Drogen geflüchtet, um Entzugserscheinungen zu überspielen. Der tatsächliche Einsatz von Medikamenten für den Entzug ist erst in unserer Zeit allgemein üblich geworden. Noch in unserer Zeit passierte es, dass Alkoholiker bei kleineren Operationen gar nicht entzogen werden, sondern dass die Ärzte sie weiter trinken lassen, um de Spiegel aufrecht zu erhalten. Unter dem Pflegepersonal kursieren solche Storys bis heute. Ich persönlich habe das als Fachärztin für Psychiatrie allerdings nie erlebt.

    Marthas Vater hat sich daran erinnert, dass der Entzug für ihn im Krankenhaus erträglich war, weil er da hohe Dosen Morphium wegen seiner Schmerzen bekam. Also denkt er sich - er ist ja nicht blöd - dass Schlafmittel auch helfen, bis das Gift draußen ist.

    Allerdings fürchte ich, dass sie nur wegen Dr. Schlüter so heil aus dieser Sache rausgekomme ist.

    Ja, genauso ist es. Auch heute wäre es für Frauen nach wie vor schwierig in solchen Situationen.



    Die Geschichte Karls geht eher tragisch weiter - sein Abstieg bis zum Lumpensammler. Das muss schrecklich für ihn sein. So schlimm das auch ist - genauso interessant ist es, darüber zu lesen. Es ist ja eine Art Geschichtsunterricht (nur spannender und lebensnaher als in der Schule :rollen: )

    Besonders aufgefallen ist mir da die Methode mit den Schlafmitteln um einen Teil des Entzugs zu verschlafen. Wird das heute auch noch so gemacht? Aber ich finde den Gedanken, dass versucht wird, die Qualen eines Entzugs zu lindern eigentlich ziemlich fortschrittlich!

    Heutzutage werden Alkoholiker meist mit Oxazepam entzogen - das ist ein Benzodiazepin und starkes Beruhigungsmittel (das bei übermäßigem Gebrauch selbst abhängig machen kann). Sie bekommen aber keine Dosierungen, von denen man einschläft, sondern nach speziellen Schemata in absteigender Dosierung gerade so viel, dass die Entzugserscheinungen überdeckt werden. Aber mit Schlafmitteln hat man früher tatsächlich auch schon gearbeitet.

    Bei der Gelegenheit hab ich eine indiskrete Frage Melanie Metzenthin - arbeitest Du im Eppendorfer Krankenhaus? Falls es zu persönlich ist, bitte ignorieren!

    Nein, ich habe da - wie ich auch in dem Videobeitrag von SAT 1, den ich oben verlinkt habe, beschreibe - lediglich studiert und später meine Psychotherapieausbildung gemacht.

    Marthas Schulkolleginnen sind eine seltsame Mischung. Gibt es Vorbilder für Auguste Feldbehn? Ich fürchte ja, dass sie noch irgendwie zur tragischen Figur werden könnte. Denn so zickig und gemein sie auch ist... irgendwie tut sie mir leid. Vor allem, wenn Susannes Gerüchte wahr sind. Susanne selber ist allerdings auch kein wirklich angenehmer Charakter. Ihre Äußerungen über werdende Mütter bzw Prostituierte - die zeugen schon von Unverständnis und Arroganz (bzw von unüberlegtem Nachplappern der aktuellen Moralvorstellungen)

    Für Marthas Kolleginnen gibt es keine direkten Vorbilder - sie alle zeigen spezifische menschliche Verhaltensweisen - sie sind auch nicht schwarz oder weiß - das wird sich alles noch ein bisschen wandeln. Darüber können wir in Abschnitt 4 und 5 noch ausführlich diskutieren, ich will hier nichts vorwegnehmen.

    Milli ist nach wie vor mein Lieblingscharakter hier: sie hat sich für das Kind entschieden obwohl sie auch die Möglichkeit einer Abtreibung in Erwägung gezogen hat. Wie war das damals in Hamburg? Ich weiß nur, dass "Engelmacherinnen" hier gnadenlos verurteilt und oft hingerichtet wurden. Es war also ein sehr riskantes Geschäft. Allerdings auch sehr riskant für die schwangeren Frauen. Aber Milli bekommt ihre kleine Tochter und dass sie sie Anna nennt, ist wirklich rührend! Dass ein unehelich geborenes Kind einen Amtsvorstand bekam war mir auch nicht klar!

    Abtreibungen liefen natürlich illegal und unter der Hand. Wenn das rausgekommen wäre, wären sowohl die betroffene Frau als auch der Arzt oder die Engelmacherin im Knast gelandet. Nichteheliche Kinder, bei denen nicht beide Eltern das Sorgerecht haben, bekommen bis heute in bestimmten Fällen einen Amtsvormund. Der hat aber keinerlei Befugnisse mehr, sondern dient nur dazu, die Ansprüche des Kindes gegen den leiblichen Vater im Auftrag der Mutter vor Behörden etc. zu vertreten. Es ist also inzwischen eine wirkliche Hilfe und geht um rein finanzielle Dinge. Aber das war nicht immer so. Im Grunde ist es ein letztes Relikt aus der Zeit, da Frauen als unmündig galten.

    Ich habe jetzt auch angefangen :-) Man ist sofort mitten im Geschehen, kann sich alles prima vorstellen und die Figuren sind liebevoll beschrieben.

    Das freut mich sehr. Kritty und Lielo99 ,habt ihr auch schon angefangen? Ihr wisst ja, dass ich eine Leserunde so lange begleite, wie noch gepostet wird - also keine Panik, falls es später geworden ist.

    Für Martha geht es bergauf, sie hat es tatsächlich geschafft ihren Traum zu Wahrheit werden zu lassen ... sie ist OP Schwester! Klasse, wie sich der Doktor für sie eingesetzt hat aber ihre Prüfung musste sie dennoch selbst bestehen ... das war wohl ein Satz mit X für die liebe Auguste, die schon angefangen hatte zu feixen ... *hihi* ...

    Ja, Fleiß ist eben doch besser, als mit den Wimpern klimpern ;-)



    Auch für Milli hat sich einiges zum Besseren gewendet. Sie ist nun u. a. Eskortdame geworden, Respekt! Ich würde sie ja gerne mal live und in Farbe erleben. Klasse fand ich auch ihre Erklärungen zu den drei Arten von Männern, die sie bedient ...

    Milli arbeitet sich in ihrem Beruf hoch - man kann eben auch als Prostituierte Karriere machen. Das Interessante daran ist, dass mein Vater mir früher erzählte, dass er als junger Mann als Maler, bevor er selbst Malermeister wurde, auch ab und zu Aufträge auf St. Pauli zum Streichen hatte. Das war in den 50er Jahren. Und da lernte er dann auch die Damen aus dem Gewerbe auf eine ganz andere Weise kennen - eben als normaler Handwerker, der da die Wohnung streicht. Und er meinte, die wirklich cleveren, die haben auf Messen ihr Geld verdient und sich kultiviert die gut zahlenden Kunden gesucht - eben das, was heute der Escort-Service ist. Und je dümmer und prolliger die Damen waren, umso weiter unten in der Hierarchie standen sie - und am schlechtesten angesehen waren die Straßennutten. Die Edelprostituierten hatten auch gar keine Zuhälter, die haben sich ihre Kunden direkt von Hotelpagen, die sie dafür bezahlt haben, vermitteln lassen. Und bei einer Figur wie Milli habe ich mir gedacht, die hat Geist und Witz - die macht das irgendwann so. Das macht den Job erträglich und lukrativer. Aber es hätte zu weit geführt, wenn ich da noch einzelne Szenen beschrieben hätte.

    Und der Vater ist tatsächlich Leierkastenmann mit Äffchen ... muss ein Bild für die Götter sein. Hier bin ich auch sehr stolz auf Heinrich, der ihm das mit ermöglicht hat. Überhaupt bin ich stolz auf ihn, seine großen Fahrten in so jungen Jahren ... aus dem wird doch nochmal was, oder? Und wie der Vater Augustes Vater paroli bietet ... herrlich!

    Mein Vater erzählte mir, wie sie noch in den 30er Jahren immer in Zeitungspapier eingewickelte Pfennige (damit die nicht wegspringen) aus dem Fenster warfen, wenn wieder der Leierkastenmann mit seinem Affen da war. Das war immer für alle eine Schau.



    Auch politisch geht es langsam richtig zur Sache. Wie gerne hätte ich Marthas leidenschaftliche Rede gehört, so mit ganz viel Herzblut aus dem Stehgreif, kein Wunder, dass das auch Paul Studt gefallen hat. Paul Studt ... ob er der richtige für Martha sein wird? Würde seine Familie sie denn überhaupt akzeptieren?

    Die Rede habe ich auch aus dem Stehgreif geschrieben. Da hat sie sich dann genauso reingesteigert, wie ich in dem Fernsehbericht, als ich über die schlimmen Bedingungen der Arbeiter rede. Da habe ich ja auch einen ganz anderen Tonfall drauf wie später, als ich von meinem Studium und dem Erika-Haus im UKE erzähle.

    Den Beitrag fand ich auch super und das hast eine sehr angenehme, sympathische Stimme. :-)


    Ich habe das Gablé-Buch heute beendet und entweder heute Abend oder morgen fange ich dann mit der Hafenschwester an. Je nachdem, ob ich Netflix wieder zum Laufen kriege. ;-)

    Fängst du an, wenn du Netflix zu laufen kriegst, weil du dann deine Familie ablenken kannst, oder fängst du erst später an, weil du bei Netflix was Gutes sehen willst ;-) ?

    Ach, nun habe ich noch etwas vergessen, es ist so viel an Informationen, das ich ganz überwältigt bin. Die Erwähnung der Tuberkulose und Robert Koch. Ich habe ja die" Charité geschaut, darum weiß ich, wie spannend auch dieses Thema war und welche Fehlschläge es gab. Dr. Schlüter wäre auch ein guter Lehrer für Studentengewesen, denn mir hat gefallen das er nie bei Martha die Geduld verloren und ihr alles verständlich erklärt hat.

    Doktor Schlüter hat Spaß daran, jungen, wissbegierigen Menschen etwas zu vermitteln - und er wäre einer von diesen Vätern gewesen, die Töchter fördern - nur leider starb seine eigene Tochter jung - aber anstatt zu verbittern, gibt er das, was ihm wichtig ist, dann an andere Menschen - wie z.B. Martha - weiter. Insofern hast du ihn da sehr richtig eingeschätzt. Und den Verlust konnten seine Frau und er auch nur ertragen, weil sie eine gleichberechtigte, partnerschaftliche Ehe führen.

    Ich lese nie das Nachwort zuerst oder zwischendurch. Das nimmt mir den Lesespaß weil ja doch einiges verraten und erläutert wird:) da bin ich ganz bei dir, es nicht zu tun. Ich hatte versucht den Namen zu googeln. Schön das es dann noch eine Erklärung gibt.<3

    Ich wollte auch gern mehr über Weibezahn erfahren, aber es ist wahnsinnig schwierig. Ich habe das aus diesem Buch, das ist das umfangreichste und beste Buch zu Cholera, aber leider nur noch antiquarisch erhältlich, habe ich gebraucht bestellt: https://www.amazon.de/Hamburg-…era-Jahren/dp/3498016482/

    Dann noch die Sache mit den Sozialdemokraten. Carola nimmt doch Martha mit zu einer Versammlung wo auch Männer waren. Mir war gar nicht bewusst, dass die Männer sch ach für die Frauenrechte eingesetzt haben.

    Es gab schon immer Männer, die sich für Frauenrechte eingesetzt haben. Meist waren das Väter von Töchtern, die wollten, dass ihre Töchter nicht von anderen Männern untergebuttert werden. Viele Frauen, die in so schwierigen Zeiten Karriere gemacht haben, hatten wohlwollende, unterstützende Väter. In Romanen wird natürlich immer gern die Geschichte von den Töchtern, die sich gegen tyrannische Väter durchsetzen, beschrieben, aber in der Realität sind die Frauenrechte auch dadurch vorangekommen, dass es auch unter den Männern welche gab, die sich dafür einsetzten. Natürlich gab es auch bei den Sozialdemokraten Männer, die Frauenberufe skeptisch betrachteten - aber die wären dann ja nicht gerade zu einer solchen Veranstaltung gekommen. Interessant ist dazu eben auch Bebels Buch "Die Frau im Sozialismus", das er Mitte des vorletzten Jahrhunderts geschrieben hat.

    Was besseres hätte Martha nicht passieren können. Die Schlüters sind klasse.

    Ja, wenn jemand die Kraft hat, sich durchzuboxen, brauchte er auch immer jemanden, der ihm den Rücken stärkt. Stärke kommt nicht von nix. Martha ist deshalb so stark, weil sie eine liebevolle Kindheit mit Eltern hatte, die sie liebten und die sie ernstgenommen haben und für sie da waren. Deshalb kann Martha es jetzt auch verkraften, dass ihr Vater versagt - weil sie trotzdem etwas von ihm in sich trägt, was sie immer geprägt hat.

    Und die Schlüters tauchen rechtzeitig auf, um die Rolle zu übernehmen, die Marthas Vater nicht mehr ausfüllen kann.

    Das Milli ihre kleine Tochter den Namen Anna gibt fand ich auch sehr berührend. Auch das die Martha fragt, ob sie die Patenschaft übernimmt.

    Milli ist ja auch eine starke Person, hat das aber auch Martha und ihrer Familie zu verdanken, die sie in schweren Zeiten auch unterstützten. Dadurch konnte Milli sich ihre Persönlichkeit bewahren - und zeigt ihre Zuneigung auf diese Weise.

    Vielen Dank für deine ausführliche Zusammenfassung und dass du mich daran teilhaben lässt, was es in dir auslöste. Das ist immer so toll für mich, liebe Kessi! Sonst erfährt man als Autor ja nie, ob die Stellen so wirken, wie sie sollen. Haben sie bei dir aber :-)


    So, nun habe ich noch eine Frage an dich Melanie. Wie bist du auf den Namen Hauptmann Weibezahn gekommen? Ich musste ein wenig schmunzeln als ich den Namen gelesen habe.

    Und dann noch eine. Auch wenn Heinrich die Unterschrift von seinem Vater hatte, aber war Kinderarbeit zu der Zeit nicht schon verboten, oder war das ab dem zwölften Lebensjahr vorbei?

    Also - Hauptmann Weibezahn habe ich mir nicht ausgedacht. Der hieß wirklich so und ist auch wirklich an der Cholera erkrankt und wieder gesund geworden. Im Nachwort habe ich die Quellen angegeben. Aber nicht jetzt das Nachwort lesen - sonst spoilert das Nachwort.


    Schiffsjungen wurden schon ab dem 12. Lebensjahr genommen, wenn sie von ihren Eltern eine Erlaubnis bekamen. Damals, im deutschen Kaiserreich, galten Kinder schon mit 12 als strafmündig und Jugendliche, erst in der Weimarer Republik wurde das Jugendalter auf 14 gesetzt und auch die Strafmündigkeit entsprechend heraufgesetzt.