Beiträge von Ralf28

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Hallo


    Natürlich hast du Recht. Es geht bei dem Roman um die Zeit, vor allem die subjektive Zeit, wie sie von den Protagonisten empfunden wird, und der Leser soll daran teilhaben. Der Zauberberg" ist ein Entwicklungsroman: Aus einem einfach strukturierten Ingenieur wird im Laufe der Zeit ein immer differenzierter Mensch. Dazu dienen vor allem die Gespräche, die im zweiten Teil zunehmen. In der Phänomenologie schrieb Husserl ein paar Jahre vorher eine dreibändige "Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins", wo der die verschiedenen Zeitempfindungen analysiert. Ähnliches versucht Mann in seinem Roman darzustellen.


    Rolf

    "Ulysses" ist für mich einer der grössten Romane der Weltliteratur, vergleichbar mit "Don Quichote" dem Wilhelm-Meister-Komplex oder "Krieg und Frieden". In all diesen Romanen wird eine komplette Welt geschaffen, das hohe und niedrige, gute und böse, wichtige und irrelevante, all das liegt beieinander und trägt seinen Teil zur Welt bei.


    So ist "Ulysses" ein einziger Tag, eine komplette Welt, fast der gesamte literarische Okzident. Der Roman ist letzten Ende statisch wie eine griechische Säule, in sich abgerundet und vollendet. Jede der darin auftretenden Personen handelt völlig natürlich ihrem Wesen gemäss.


    Man nehme einmal die inneren Monologe der drei Hauptpersonen:


    Stephen Dedalus, Joyce alter Ego, ein verkrachter Künstler. Kompliziert, gebildet, sarkastisch, unsicher, sensibel. Sein innerer Monolog ist gespickt mit Anspielungen, literarischen Verweisen, Philosophemen und lateinischen und theologischen Aspekten.


    Leopold Bloom, der Annoncenaquisiteur, ruhig, introvertiert, anpassungsfähig, sozial. Sein innerer Monolog ist erdnäher, humorvoller, gelassener, konkreter.


    Molly Bloom, alter Ego Nora Barnacle, ist erdnah, in sich ruhend, instinktiv, sexuell. Ihr Monolog ist assoziativ, unintellektuell, körperlich, sinnlich.


    Von jeder dieser Personen hat man zum Schluss ein klares Bild, jede ist einzigartig in ihren Stärken, Fehlern und Schwächen, eine wahre conditio humana.


    Und all dies völlig Alltägliche und Banale ist verbunden mit der Literatur des Abendlandes, von Homer über Shakespeare bis zu Hopkins, ebenso wie die okzidentale Musik und Kunst mit einfliesst.


    Es gibt in der indischen Philosophie das Konzept des "Great Chain Of Being". Wir sind alle Glieder einer Kette, alle in einen Zusammenhang gewoben, im kleinsten Mikrokosmos ist der gesamte Makrokosmos enthalten. Jedes Glied ist einzigartig individuell und einzigartig in den Zusammenhang einbezogen.


    Ich kenne kein Werk der Literatur, in dem diese Idee so vollendet ausgeführt wurde. Man kann den "Ulysses" ein Leben lang lesen und man wird immer wieder neue Aspekte entdecken.


    In diesem Sinne verabschiede ich mich und wünsche euch noch viele literarische Entdeckungen.


    Ralf

    Hallo


    Ich möchte mich noch einmal zum Abschluss melden. Da ich fast die ganze Leserunde dabei war, will ich auch noch zum Abschied etwas schreiben.


    Das Hauptthema des Buches "Penelope", Molly´s berühmter innerer Monolog, sind Männer, genauer gesagt ihre Liebhaber, und da hat die gute Molly einen gehörigen Verschleiss. Sex ist für sie so natürlich wie das Atmen, ihr Frau-sein definiert sich fast ausschliesslich über das sexuelle Begehrtwerden und die sexuelle Ekstase. Auch damals sexuellen Tabus wie Oralsex steht sie aufgeschlossen gegenüber. Sie hat etwas von der "Grossen Mutter" in den orientalischen Religionen, etwas von deren Ambivalenz und gleichzeitig Gleichgültigkeit gegenüber Zeugung, Geburt und Tod, einschliesslich ihrer Männerverachtung, die im Hintergrund durchschimmert. Gewissensbisse und intellektuelles Gerede sind Molly´s Sache nicht, ebenso wie Literatur und Kunst.


    Joyce wollte nach seiner eigenen Aussage eine "vollkommen gesunde, amoralische, befruchtbare, unzuverlässige, fesselnde, gerissene, beschränkte, vorsichtige, gleichgültige Frau" beschreiben, die Inkarnation weiblicher Natur und weiblichen Daseins.


    Ralf

    Solche Postings bringen die Diskussion auch nicht weiter.


    Wahrscheinlich bin ich einfach zu alt für diese Art von Diskussionen.


    Ich habe mein Leben lang an der Schule, an der Universität, am Konservatorium gegen diese Art von Beiträgen angekämpft, dieses Runterputzen von Qualität von Leuten, die nicht einmal ansatzweise Qualität erkennen konnten, und dazu stehe ich auch.


    Den Ausdruck "Klassik" mag ich nicht so sehr, ich rede lieber von "Hochkultur" von "E-Musik". DAS Merkmal für diese Art der Hochkultur ist eben Qualität, und Qualität kann man nicht so einfach erreichen. Man muss sich bemühen, man muss das eigene Ich zurückstellen, man muss auch einmal eine Durststrecke überwinden, um Qualität zu erkennen und beurteilen zu können.


    Schon gar nicht reicht eine gewisse Blasiertheit, um mit grosser Gestik einfach alles wegzuwischen, was über den eigenen Horizont hinausgeht.


    Letzten Endes ist "Klassik" elitär, nur einem kleinen Stamm von Leuten wirklich zugänglich, wobei das nichts mit Bildung oder Geld zu tun hat, sondern mit Charakter, Sensibilität und Persönlichkeit.


    Und die haben halt nicht alle.


    So Leute und damit verabschiede ich mich aus diesem Forum.


    Ich passe hier nicht herein und habe auch keine Lust mehr hier zu posten.


    Euch noch alles Gute und viel Spass bei der Lektüre



    Ralf

    Sorry der Ansicht bin ich nicht.


    Er hat im Klassikerforum gepostet, und nicht im Fantasy-Forum.


    Und was ist daran pointiert?


    Ich kann dahinter nur Ignoranz erkennen.


    Es gibt so etwas wie QUALITÄT, und die zu erkennen ist nicht jedem gegeben.


    Aber das ist eine andere Geschichte



    Ralf

    was soll man auf diese Tirade sagen?


    Dann lies eben keine Klassiker, dann lies Krimis und Fantasy, wenn dir Klassiker zu langweilig sind.


    Es ist, oben habe ich es schon erwähnt, wie in der E-Musik.


    Es gibt Leute, die können mit Bach, Beethoven, Chopin, Debussy, Strawinski nichts anfangen. Das liegt aber nicht an den Komponisten, sondern an den Leuten. Wenn die lieber Hiphop oder Britney Spears hören, ist das ok.


    Aber das ist dann einfach das falsche Forum.


    Ich gehe auch nicht in ein Nähforum, um die Leute vom Häkeln zu überzeugen.


    Es gibt da einen schönen Spruch von Lichtenberg: Wenn ein Affe in den Spiegel schaut, kann er nicht erwarten, dass ein Prophet herausschaut.


    Ralf

    Hallo


    Ich habe Schwierigkeiten, zu dem Buch etwas zu schreiben, was über die Inhaltsangabe einzelner Kapitel hinausgeht, da eigentlich alles klar beschrieben wird.


    Was mich vor 40 Jahren am meisten betroffen gemacht hat, waren Sinuhes gescheiterte Liebesbeziehungen. Vor allem die Geschichte mit Nefernefernefer, die in völligem Ruin und Desaster endet, hat mir mit 14 sehr zu schaffen gemacht. Andererseits hat man mit 14 Jahren natürlich noch keine klaren Vorstellungen von der Liebe, sondern bezieht sein Wissen aus Büchern und Illustrierten, jedenfalls zur damaligen Zeit. Mit den dezenten Beschreibungen der sexuellen Vereinigung und ihrer Frustration für Sinuhe konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Ich hatte buchstäblich keine Vorstellung davon, was da eigentlich genau passiert ist, und meine Eltern konnte ich auch nicht fragen.


    Später wird Sinuhe ihr noch einmal begegnen.


    Auch die Geschichte mit Minea hat mir sehr berührt. Der Gedanke, dass sie auf dem Altar eines Priesterbetruges geopfert wurde, hat mich in Rage gebracht, wie ja die Priesterschaft in dem Roman nicht sehr gut wegkommt.


    Ralf

    Hallo


    Das Kapitel ist das längste und schwierigste im Ulysses und wird als Circe-Kapitel betitelt.


    Circe war die Zauberin in der Odyssee, die ihre Gäste in Schweine verwandelte.


    Die Form ist ein Theaterstück, in der fast die gesamten Personen, die in dem Ulysses eine Rolle spielten, auftreten. Sogar die Seife erscheint an einer Stelle personifiziert. Blooms innerer Monolog wird zum Dialog, seine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte steigen aus dem Unbewussten auf und werden zu Personen.


    Er trifft seinen Vater und seine Mutter, Molly im türkischen Kostüm, die ihn verspottet.


    Es findet eine Gerichtsverhandlung gegen ihn statt, wo seine Ängste und seine inneren Begierden verhandelt werden. Er wird als Bigamist, Kuppler,Hahnrei, als Ärgernis für die Dubliner Bürger dargestellt. Seine Unsicherheit als jüdischer Aussenseiter in Dublin wird thematisiert und angeklagt.


    In der zweiten grossen Theatergruppe verwandeln sich seine Ängste in Grössenwahn, psychoanalytisch gesprochen, kommt sein narzisstisches "grandioses Selbst" zum Vorschein. Er wird Bürgermeister, Bischof, König und gottähnlich. Blooms innerer Monolog, der oft bestimmte Projekte und Reformen enthielt, wird externalisiert. Surreale gottähnliche Vorstellungen kommen zum Vorschein.


    Dann schlägt das Bild um. Es kommt zu einem Schauprozess gegen das "grandiose Selbst" Blooms, er wird schwanger, -das ist die versteckte Anima Blooms, seine unbewusste Identifikation mit der Gebärenden, dann wird er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.


    Bloom begibt sich wie Odysseus in den Palast der Zauberin, hier die Puffmutter, um Stephen aus ihren Fängen zu retten, wie Odysseus es mit seinen Gefährten gemacht hat.


    Als dritte grosse Episode kommt der sexuelle Masochismus Blooms zum Vorschein. Sein Verhalten gegenüber Molly ist ja leicht masochistisch, und das wird jetzt genau thematisiert. Ein Dschungel masochistischer Vorstellungen tut sich auf. Er verwandelt sich in eine Frau und wird von Bella geritten.


    In einer der letzten und schönsten Erscheinungen erscheint sein verstorbener Sohn Rudy und verschwindet wieder.


    Man muss den ganzen Text auf die inneren Monologe der vorherigen Kapitel beziehen. Fast jede der auftretenden Personen und Personifizierungen ist in den inneren Monologen aufgetaucht. Richtig verstehen kann man diese Episode erst nach mehrmaliger Lektüre.


    Psychoanalytiker haben ihre helle Freude an dem Kapitel und Joyce liess sich auch wohl von Gedanken und Theorien der Psychoanalyse inspirieren.


    Ralf

    Hallo


    Es ist halt alles einfach sehr betulich geschrieben.


    Ich habe mir auch die komplette Reihe gekauft und angefangen zu lesen.


    Aber so um den achten Band herum habe ich dann nur noch schnellgelesen und geblättert, und ab dem 10. Band habe ich es dann ganz aufgegeben. Der gute Bruder Cadfael wird irgendwann nur noch langweilig.


    Ausserdem ist das Schema irgendwann durchschaubar. Meist ist der Verdächtige ein Aussenseiter der mittelalterlichen Gesellschaft, und Bruder Cadfael bringt das dann wieder in Ordnung.


    Ich habe die Serie meiner Schwiegermutter zu Weihnachten geschenkt, und die war hellauf begeistert. Sie mag nämlich keinen Sex in den Kriminalromanen...


    Ralf

    das ist nicht ganz das Problem, dass jeder seinem Geschmack folgt.


    Natürlich gibt es Parallelen zwischen grosser Literatur und grosser E-Musik. Beide haben etwas, was die U-Literatur nicht hat und die U-Musik auch nicht:


    TIEFGANG


    Das heisst, ich kann mich mit einer grossen Beethovensonate ein Leben lang beschäftigen, sie ein Leben lang spielen, und ich werde immer wieder neue Dimensionen entdecken, neue Zusammenhänge und Nuancen. Es gibt da verschiedene Schichten, die immer wieder neu entschlüsselt werden können.


    Ebenso ist es mit der grossen Literatur.


    Ich habe den "Faust" in jedem Jahrzehnt meines Lebens gelesen und immer neue Dinge darin entdeckt. Das Entdecken neuer Aspekte geht natürlich in Verbindúng mit den Erfahrungen und Entwicklungen des eigenen Lebens einher und so spiegelt grosse Literatur und Musik gerade die persönlichen Dimensionen wieder und enthebt sie ins Allgemeine.


    Ein etwas Hegelianischer Satz, aber ich weiss keinen besseren.


    Ralf

    Balzac hat als erster die kapitalistischen Mechanismen in der Presse und in den Verlagen in Romanform beschrieben, wie er überhaupt als einer der ersten Schriftsteller den Einbruch der Geldwirtschaft in die noch stark feudal geprägte Gesellschaft thematisiert hat.


    Das macht die Lektüre seiner Romane und Novellen so interessant, da diese Mechanismen heute noch gültig sind.


    Eines meiner Lebensprojekte: "Die Menschliche Komödie" einmal ganz zu lesen.


    Aber dauernd kann ich Balzac auch nicht lesen. Diese oft starke Sentimentalität geht manchmal gegen mich, und ich muss das Buch dann wieder weglegen.


    Ralf

    Hallo


    Auf mich treffen beide Kriterien zu:


    Mein Vater hatte zwar nur Volksschulabschluss, war aber immer ein grosser Leser meist anspruchsvoller Literatur. Von ihm habe ich die ersten Hinweise auf grosse Literatur bekommen.


    Sozial isoliert war ich nicht, aber meine Interessen lagen schon mit 11 Jahren bei der romantischen Musik, vor allem Chopin war mein Halbgott. Ich habe ihn unheimlich gerne auf ´dem Klavier gespielt.


    Parallel dazu habe ich früh mit der Lektüre sogenannter Klassiker begonnen. Zunächst natürlich die Kinder- und Jugendklassiker, später kamen dann Cervantes, Shakespeare dazu. Goethe habe ich mit 15 entdeckt. Lyrik habe ich immer gerne gelesen.


    Nun, mit diesen Interessen stand man in den 60er Jahren auf dem Dorf ziemlich isoliert da.


    Ralf

    Hallo


    Regeners "Neue Vahr Süd" habe ich auch mit Begeisterung gelesen.


    Aber die Geschichte spielt ja nur zum Teil bei der BW. Der andere Teil spielt in einer linksradikalen WG mit Studenten.


    Der Reiz des Buches besteht gerade darin, dass der Protagonist bei der BW ist und in der WG wohnt. Diese beiden völlig unterschiedlichen Welten führen dann bei dem Helden zu einem etwas schizoiden Dasein mit unterschiedlichem Leben.


    Ich habe beide Welten kennengelernt und musste mich oft vor Lachen kringeln. Aber der Reiz entsteht erst richtig, wenn man beide Milieus kennt und vor allem die 80er Jahre mit ihrer Jugendkultur.


    Ich denke mal,wenn man keines dieser Dinge erlebt hat, ist das Buch eher langweilig.


    Ralf

    Nun, die Aggressionen und der Hass, den Joyce auf die katholische Kirche empfunden hat, kann ich teilweise nachvollziehen.


    Man muss vor allem bedenken, dass das Erscheinungsbild und der Einfluss der katholischen Kirche damals ein ganz anderer war wie heute.


    Wenn wir heute an die katholische Kirche denken, sehen wir im Fernsehen einen freundlich winkenden Papst, Jugendfestivals, eine Kirche, die stark an gesellschaftlichem Einfluss und an Macht verloren hat.


    Das war damals gaaanz anders. Der tridentinische Katholizismus, wie ich ihn noch als Kind erlebt habe, war dogmatisch, engstirnig, antiwissenschaftlich, antiintellektuell, sexualfeindlich, mit ungeheurem Machtanspruch und einer Unterdrückung jeglicher natürlicher Gefühle sondergleichen.


    Jüngere Menschen, die das nicht erlebt haben, machen sich kaum eine Vorstellung, wie rigide und dogmatisch eine damalige katholische Erziehung lief.


    Ulla Hahn hat diese Mechanismen in ihrem Roman "Das verborgene Wort", eine Kindheit in den 50er Jahren auf dem Land, sehr detailliert beschrieben.


    Es war auch nicht so sehr die Sexualfeindlichkeit, sondern der Dogmatismus und Anitintellektualismus der damaligen Zeit um 1900.


    Es herrschte noch der "Syllabus" von Pius IX., es gab noch den Index Prohibitorum Librorum, wo sich die gesamte neuzeitliche Philosophie und Literatur einfand.


    Wenn man damals ein Buch las, was auf dem Index stand, beging man eine Todsünde und musste sofort zur Beichte. Die Busse war natürlich, kein solches Buch mehr zu lesen. Unter Androhung von Höllenstrafen zensierte die Kirche damals die Lektüre.


    Eigene Gedanken waren auch nicht erlaubt, es war eine Todsünde, Glaubenszweifel zu haben, und man musste sofort wieder zur Beichte.


    Für einen sensiblen Intellektuellen wir Joyce muss das die Hölle gewesen sein.


    Der Philosoph Martin Heidegger hat das in einem Brief ebenso beschrieben.


    Und da in Irland die katholische Kirche fast allmächtig war, konnte sie auch den Druck von Büchern zensieren.


    Ausserdem war damals den Kindern jegliches natürliche Gefühl mehr oder weniger verboten. Wenn man sich über die Eltern ärgerte, weil sie einen ungerecht behandelten, war das eine Sünde und man musste zur Beichte. Sexuelle Gefühle waren sündhaft und man musste zur Beichte. Neid, Missgunst, zuviel Essen und Trinken, all das waren Sünden, die man beichten musste, am besten noch jede Woche.


    Ausserdem war die Angst allgegenwärtig. Angst zu sündigen, Angst vor dem Pfarrer, die damals im Religionsunterricht noch feste drauflosschlug, (habe ich noch selbst erlebt!), Angst vor Autoritäten, das wurde einem ganz gründlich eingeimpft.


    Angst vor der Hölle wurde systematisch geschürt, um die Schäfchen bei der Stange zu halten. Ich erinnere mich da an die sogenannten "Missionen", wo fremde Pater die 5jährigen mit dem Leiden Christ in einem Sadismus konfrontierten, der heute die Eltern auf den Plan rufen würde.


    All das ist der Hintergrund von der Abneigung Joyce´gegen die katholische Kirche.


    Ralf