Beiträge von Larna

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    Hm, ich lese keine Mangas. Warum? Keine Ahnung, ich hab es einfach noch nie probiert. :-D Bisher hat es mich einfach nicht gereizt und ich habe noch so viele ungelesene Bücher, das ich es auch nicht vermisse.

    Ja, da ich meistens ein Hörbuch höre und ein Buch lese. ;-) Aber auch beim direkten Lesen habe ich ab und zu zwei parallel. Tagsüber meistens ein "Hauptbuch" und dann abends im Bett noch was auf dem Reader (momentan die gesammelten Sherlock-Holmes-Werke) oder auch mal eine Anthologie. :-)

    Einen Ghul für Ron auszugeben ist eigentlich eine komische Sache. Aber es zeigt auch, wie verzweifelt die Lage ist, wenn man zu solchen Mitteln greifen muss. Ich würde nie erwarten, dass die Todesser darauf hereinfallen, auf der anderen Seite gönnen sie den Weasleys aber nur oberflächliche Blicke, weil sie sie so sehr verachten. Von daher ist der Plan vielleicht doch nicht so schlecht.

    Und sie haben sich eine höchst ansteckende und offensichtlich gefährliche Krankheit ausgesucht (wie heißt die eigentlich auf Deutsch?), so dass die Todesser bestimmt nicht scharf darauf sind, mehr als eine Blick in das vermeintliche Krankenzimmer zu werfen.


    Harrys steht vor einer riesigen Aufgabe. Ich finde seine unerschüttliche Treue zu Dumbledore bewundernswert, besonders wo er jetzt die vielen unterschiedlichen Informationen über ihn gelesen hat und sie noch nicht richtig zuordnen kann.

    Ich glaube schon, dass er zeitweise zweifelt, aber hat auf der anderen Seite keinen anderen Ansatzpunkt, als das, was Dumbledore ihm aufgetragen hat. Es muss wirklich hart für ihn sein.

    Der Beginn dieses zweiten Abschnittes ist ein Mix aus Trauer, Furcht und Freude. Dass sie Mad-Eye Moodys Leiche nicht bergen konnten, finde ich traurig, so können sie ihn nicht einmal beerdigen. Außerdem, wie man an Ron sieht, bleibt so ein klitzekleiner Zweifel, ob er wirklich tot ist. Die Ungewissheit ist oft schwerer zu ertragen.


    Die Vorbereitungen für die Hochzeit laufen und auch hier zeigt sich, dass der Stress größer ist, als er zu Friedenszeiten wäre, da extra Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden müssen, die alles erschweren. Nicht, dass Mrs. Weasley nicht auch unter normalen Bedingungen einen hohen Stresslevel hätte. ;-) Für sie kommen zusätzlich die Sorgen um Ron, Harry und auch Hermione hinzu, als sie erfährt, dass die drei nicht nach Hogwarts zurück kehren werden. Zum einen ist sie besorgt, weil sie ihre Ausbildung nicht abschließen werden (das war ja schon im fünften Band ihre große Sorge, als Fred und George Hogwarts verlassen haben), zum anderen hat sie verständlicherweise Angst um die drei, denn drei frisch volljährig gewordene Zauberer allein in einer immer gefährlicher werdenden Welt... Die Maßnahmen, die sie ergreift, damit die drei möglichst nicht abhauen können, haben mich lächeln lassen, auch wenn sie wohl Mrs. Weasleys Verzweiflung entspringen: Alle drei so stark beschäftigen (an unterschiedlichen Orten), dass sie einfach keine Zeit haben, etwas zu planen.


    Als die drei dann doch mal alleine sind, versucht Harry natürlich noch einmal, seinen Freunden klar zu machen, dass die Jagd nach den Horcruxen seine Sache ist und sie nicht mitkommen müssen. Doch die beiden zeigen, warum sie seine besten Freunde sind und dass sie ganz genau wissen, worauf sie sich einlassen. Hermiones Geschichte ist herzzerreißend. Wie viel Mut und Kraft es wohl erfordert, sich selbst aus dem Leben ihrer Eltern zu streichen. Rons Geschichte ist dagegen eher witzig, auch wenn es ebenfalls zeigt, wie sehr er um die Gefahren, auch für seine Familie, weiß. Dass Mr. Weasley dabei hilft, den Ghoul zu verwandeln, ist für mich ein weiterer Beweis, wie großartig er doch ist. Er hat tiefes Vertrauen in Dumbeldore und auch in die Fähigkeiten seines Sohns und Harry.


    Wunderbar - und ein wirklicher Grund zum Feiern - war Harrys Geburtstag und ich habe lachen müssen, als er voller Begeisterung einfach drauf los zaubert! :-D Ich kann ihn aber verstehen, ich glaube, ich hätte das auch so gemacht. ;-) Das Geschenk von Molly und Arthur hat mich sehr berührt. Sie sehen Harry wirklich als einen Sohn an und er scheint es genauso zu empfinden, auch wenn er es nicht mit Worten ausdrücken kann - dafür aber mit einer Umarmung.


    Rons Geschenk war echt der Knaller. :rotfl:Jetzt wird auch klar, warum er sich plötzlich wie ein Gentleman verhält und so aufmerksam Hermione gegenüber ist. :-D Ginnys Geschenk ist ganz besonders und stürzt Harry in ein Gefühlschaos. Eine Beziehung aus reinen Vernunftgründen zu beenden, muss unglaublich schwer sein, da die Gefühle ja nicht einfach verschwinden und Ginny geht es da ähnlich. Die beiden tun mir sehr leid, auch wenn ich Ginnys Stärke unglaublich bewundere! Schade, dass die Party durch Srimgeour gesprengt wird, der Harry, Ron und Hermione das aushändigt, was Dumbledore ihnen hinterlassen hat. Zum großen Ärger des Ministers erfährt er aber dadurch nicht, was die drei vorhaben und vor allem, was Dumbledore vorhat. Allerdings wissen auch die drei Freunde nicht, was es damit auf sich hat - und wir als Leser tappen genauso im Dunklen.


    Auf der Hochzeit selbst erfahren wir einige interessante, wenn auch jetzt noch nicht ganz verständliche, Dinge: Zum einen das Zeichen, das Lunas Vater um den Hals trägt. Laut Krum ist es Grindelwalds Zeichen und das hat mich verwundert. Luna hat ja eine sehr entschiedene Einstellung gegen die schwarzen Künste, so dass ich mich nicht vorstellen kann, dass ihr Vater diesen aufgeschlossen gegenüber steht - ansonsten hätte er wohl nicht das Interview mit Harry im fünften Band gedruckt. Wahrscheinlich ist es so, wie Harry sagt: Lunas Vater wird das Zeichen für etwas ganz anderes halten, weil er sozusagen der Esoteriker unter den Zauberern ist.

    Die anderen interessanten Dinge betreffen Dumbledore, über dessen Familie man noch auch nicht die besten Details verrät. Ich habe mich anfangs gefragt, warum Harry so verzweifelt die Wahrheit wissen will und nicht einfach auf seinen Instinkt vertraut. Schließlich weiß er besser als die meisten anderen, wie sehr Rita Skeeter die Wahrheit verdrehen kann, und auch Auntie Muriel ist ja nun nicht die netteste aller Personen. Manchmal muss man einfach vertrauen, ohne alles bis ins kleinste Detail zu kennen. Doch nach einigem Nachdenken kann ihn verstehen: In dieser völlig verrückt gewordenen Welt braucht er Sicherheit - Sicherheit, dass Dumbledore der Mann war, für den er ihn gehalten hat. Schließlich begibt er sich wegen Dumbledore auf eine Art Selbstmordmission, in dem er die Horcruxe jagt und versucht, Voldemort zu töten. Alles, was er hat, ist Dumbledores Wort, dass das der einzige Weg ist. Was ist, wenn nun Dumbledore nicht der Mensch ist, für den Harry ihn gehalten hat? Wie kann Harry dann diesen Anweisungen und Aussagen noch trauen?


    Die Hochzeit findet ein tragisches und abruptes Ende, als die Death Eater auftauchen. Immerhin können die drei fliehen und dank Hermiones Voraussicht und ihren Zauberkünsten haben sie alles wichtige dabei. Nur leider sind sie auch mitten im Muggle-London nicht sicher. Wie zur Hölle haben die Todesesser die drei so schnell gefunden? Ach ja, und warum sagt Hermione, dass sie noch nie einen Vergessenszauber gezaubert hat, wenn sie das doch bei ihren Eltern gemacht hat?


    Letztendlich landen die drei wieder im Haus am Grimmauld Place, das Harry ja gehört. Bleibt zu hoffen, dass die Verzauberungen gegen Snape auch wirken. Immerhin erhalten sie die beruhigende Nachricht, dass die Weasley-Familie in Sicherheit ist. Da ist nicht nur Ron erleichtert, sondern auch Harry. Hier zeigt sich, dass er sich der Familie zugehörig fühlt, als er zu Ron sagt: "Es ist deine Familie, ich würde genauso fühlen" und sich dann in "Ich fühle es genauso" ändert.


    Ich finde diesen Band beim lesen immer wieder sehr spannend und komplex. Das gefällt mir richtig gut. :-)


    Liebe Grüße

    Larna

    Ich hab den ersten Teil auch schon beendet. :-)


    Die Szene in Malfoy Manor finde ich auch immer wieder bedrückend. Voldemort ist wirklich wieder an der Macht, das wird hier deutlich, und plant nicht nur, Harrys habhaft zu werden, sondern auch das Ministerium zu übernehmen - eine mehr als gruselige Vorstellung.


    Tja, Snape. Seine Rolle ist weiterhin undurchsichtig. Dass er nichts für die Muggelkundelehrerin machen kann, ist klar. In der Gesellschaft käme das einem Selbstmord gleich. Allerdings nutzt er "Secutmsempra" gegen George (den er für Harry hält) und der Fluch ist nun wirklich ein richtig schwarzmagischer!


    Harry verlässt Privet Drive für immer. Ich fand es gut, dass Rowling dargestellt hat, dass es für ihn ein komisches Gefühl ist. Er wird weder seine "Familie" noch das Haus sonderlich vermissen, doch trotzdem hängen eine Menge Erinnerungen daran - wenn auch keine positiven. Allerdings gehören auch schlechte Erinnerungen zu unserer Vergangenheit und haben uns zu dem geformt, was wir sind.


    Der Abschied von seinem Onkel und seiner Tante fällt erwartungsgemäß kühl aus, aber Dudley überrascht alle, als er auf seine Art Zuneigung zu Harry ausdrückt. Ich denke, die Tatsache, dass Harry ihn vor den Dementoren gerettet hat, spielt da eine große Rolle. Immerhin hätte Harry auch nur schauen können, dass er selbst mit heiler Haut davon kommt und Dudley seinem Schicksal überlassen können. Immerhin herrschte keinerlei Zuneigung zwischen ihnen. Während seine Eltern das überhaupt nicht überblicken, hat Dudley offenbar sehr wohl verstanden, dass es nicht zwingend selbstverständlich war. Als Harry seinem Onkel erklärt, dass Voldemort sie foltern würde, um seinen Aufenthaltsort zu erfahren oder als Geisel nehmen, in der Hoffnung, Harry käme, um sie zu retten, da sind sich beide nicht ganz sicher, ob er das tun würde. Ich denke schon, denn wie Hermione das mal so schön gesagt hat, hat Harry ja ein kleines "Leute-retten-Problem". ;-)


    Der Versuch, Harry zu retten, gelingt, aber nur mit hohen Verlusten, denn die Todesesser standen bereit. Zum Glück gab es sieben Harrys, so dass sie nicht wussten, wen sie sich schnappen sollten. Doch zwei Tote gibt es zu beweinen: Hedwig und Mad-Eye. Hedwigs Tod war so furchtbar unspektakulär, fast nebenbei.:traurig: Aber so wirkt der Todesfluch wohl: Ein grüner Blitz - und alles ist vorbei. War bei Cederig Diggory damals ja auch so. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass J.K. Rowling Hedwig deswegen sterben ließ, um zu symbolisieren, dass Harrys Kindheit endgültig vorbei ist. Sie war ja seine Gefährtin aus Kindertagen. Mad Eyes Tod ist ebenfalls tragisch - er, der sein Leben gegen den Kampf von Todessern verbracht hat, wird letztendlich von ihnen zur Strecke gebracht.


    Was ich mich am Ende aber gefragt habe, ist, wie zur Hölle sowohl Hagrid als auch Harry ihren Absturz überleben konnten? Eigentlich hätten beide daran sterben müssen, oder nicht? :/



    Harrys selbstloses Verhalten geht mir manchmal auf den Nerv. Es geht hier doch nicht nur um ihn. Wenn Voldemort die Herrschaft erlangt, dann leidet doch nicht er darunter, denn er ist dann sicherlich tot, sondern all die anderen, die am Leben bleiben werden. Warum kann er nicht einsehen, dass es in aller Interesse ist, was sie tun wollen.

    Ja, geht mir auch immer wieder so. Stirbt Harry, ist die Hoffnung der gesamten Zaubererwelt dahin. Also helfen sie sich selbst, wenn sie Harry helfen. Andererseits sind Schuldgefühle selten logisch und die Tatsache, dass er bei seinem Kampf mit Voldemort sterben könnte, abstrakt. Abstrakter zumindest als die Tatsache, dass Mad-Eye wegen ihm und für ihn sein Leben gelassen hat und er alle seine Freunde durch seine reine Anwesenheit in Gefahr bringt, weil Voldemort hinter ihm her ist.



    Wie Harry wissen wir auch fast nichts über Dumbledores Vergangenheit. Dass er Geschwister hat ist mir neu, oder ich habe es einfach überhört. An eine Schwester kann ich mich überhaupt nicht erinnern. Und dass der Vater ein Straftäter und in Askaban war, hat mich fast umgehauen!

    Warum gab sich Dumbledore die Schuld am Tod seiner Schwester? Und was stimmte nicht mit ihr und ihrer Mutter? Wenn man den Andeutungen in der Zeitung glauben darf.

    Bisher hat man tatsächlich nichts über Dumbledores Vergangenheit erfahren. Nur sein Bruder Aberforth wird mal erwähnt - ich glaube sogar von Dumbledore selbst. Aber keine Sorge, wir werden noch einiges über ihn in diesem Band erfahren. ;-) Übrigens auch über Zauberstäbe und die Gesetze, die für sie gelten. Auch wenn ich das beim ersten Lesen furchtbar kompliziert fand.


    Liebe Grüße
    Larna

    Bei mir ist das ganz unterschiedlich. Mal lese ich einfach nur so, dann lese ich auch während des Essens (vor allem, wenn ich alleine bin), mal trinke ich was, mal nicht - je nachdem, ob ich Durst habe oder nicht. ;-)

    Vor Flecken habe ich keine große Sorge, ich schleppe die Bücher eh oft in der Handtasche mit mir rum, da kriegen sie meistens was ab. Wenn dann auch beim Essen mal ein Klecks drauf kommt (was selten ist), ist das nicht so schlimm. Auch für mich sind Bücher Gebrauchsgegenstände - geliebte Gebrauchsgegenstände. ;-)


    Liebe Grüße

    Larna

    Mit "Die Hafenschwester" legt die Autorin Melanie Metzenthin erneut einen äußerst gelungenen Roman vor, in dem sie sich sehr spannenden und interessanten, wenn auch nicht sonderlich bekannten, Ereignissen der Vergangenheit widmet.


    Protagonistin ist Martha Westphal, die in der ärmlichen Umgebung der Hamburger Gängeviertel aufwächst. Doch hat sie es besser getroffen als viele andere: Sie hat ein stabiles, liebevolles Elternhaus und auch finanziell kommt die Familie gut über die Runden. Es wird sogar Geld angespart, damit ihr Bruder Heinrich eine weiterführende Schule besuchen kann. Doch als sie 14 Jahre alt wird, ändert sich plötzlich alles: Die Cholera nimmt ihr erst die kleine Schwester, dann die Mutter und fortan widmet sich Vater mehr dem Alkohol als seiner Arbeit, so dass Martha gezwungen ist, zum Unterhalt der Familie beizutragen. An ihrer Seite erleben wir nicht nur die Cholera und ihre Auswirkungen, sondern erfahren viel über die Medizin und das Alltagsleben im Krankenhaus, denn Martha wird zunächst Krankenwärterin und schafft es später, eine Ausbildung zur Krankenpflegerin zu absolvieren.


    Als sie von einer Kollegin zu Versammlungen der Sozialdemokraten mitgenommen wird, lernt sie den jungen Ingenieur Paul Studt kennen, der die Hafenarbeiter zu einem Streik motivieren will, da die Arbeitsbedingungen unmenschlich sind. So erleben wir als Lesende diese politischen Stürme an der Seite der beiden jungen Leute mit. Auch der weitere Verlauf der Geschichte bleibt für Martha, Paul und Marthas beste Freundin Milli, die von ihrem Stiefvater in die Prostitution gezwungen, voller Unwägbarkeiten und Rückschlägen. Doch sie geben nie auf, versuchen immer, mit dem was sie haben das Beste zu machen und kämpfen sich wieder nach oben. Darin liegt die Stärke der Figurenzeichnung: Tatkräftige, lebensechte und glaubwürdige Protagonisten, die man auch in der Realität gerne kennenlernen würde. Dabei haben sie alle Ecken und Kanten und greifen auch mal zu -sagen wir mal- zweifelhaften Mitteln. Ebenso sind die Antagonisten selten reine Bösewichte, sondern zeigen im Laufe der Geschichte Facetten, die man nicht vermutet hätte und werden somit menschlich.


    Auch sprachlich kann die Autorin überzeugen. Die Sprache ist leicht zu lesen, aber nie banal. Unterlegt ist das alles mit einem herrlichen Humor, der nie gewollt wirkt, sondern immer wieder in einfach witzigen Szenen voll zum Tragen kommt und mich das ein oder andere mal herzlich hat lachen lassen.


    Insgesamt ein einfach lesenswerter Roman!


    5ratten

    Ich versuche, bis zum Kapitelende zu lesen, aber da das von der Länge selbiger abhängt, begnüge ich mich oft auch mit den Absätzen. :-)
    Wenn ich abends im Bett lese und dann so müde werde, dass ich mich nicht mehr konzentrieren kann bzw. kurz vor dem Einschlafen bin, dann höre ich da auf, wo ich gerade bin - auch mitten im Absatz. Ebenso, wenn ich in der Bahn lese und bis zum Bahnhof das Kapitel/den Absatz nicht mehr schaffe.


    Liebe Grüße

    Larna

    Soso, Marthas Gefühl hat sie also nicht getrogen … die liebe Auguste hat in der Tat eine uneheliche Tochter, die die Familie als Kind der Mutter ausgibt. Was für ein Glück, dass das Mädel aus Stuttgart auftaucht. Martha zeigt mal wieder viel Charakter und schließt mit Auguste Waffenstillstand. Sie ist wirklich eine bemerkenswerte Frau.

    Der Zufall mit der Frau aus Stuttgart wurde von meiner Lektorin noch mal andiskutiert - aber letztlich fanden wir keine bessere Lösung, wie es ans Licht kommen könnte. Und manchmal gibt es ja besondere Zufälle im Leben - hier scheiterte Familie Feldbehn wieder an ihrer Hartherzigkeit - hätten sie die junge Dame unterstützt, hätte Martha davon nie erfahren ...

    Ich fand das mit dem Zufall nicht so schlimm, obwohl ich da beim Lesen durchaus kritisch bin. Hier ist es aber passend und schlüssig und hätte sich locker so zutragen können. Es ist jetzt kein mit Gewalt hingebogener Zufall, damit irgendwas aufgeht, sondern hätte sich nach dem bisherigen Verlauf der Geschichte tatsächlich so ergeben können. Damit kann ich gut leben - vor allem, weil es im Leben immer wieder derartige Zufälle gibt. ;-)


    Auguste tut mir leid. Sie mag eine Zimtzicke sein, aber das Leben hat ihr auch übel mitgespielt. Sie ist nicht die erste Frau und wird auch nicht die letzte in der Geschichte der Menschheit sein, die in blinder Verliebtheit auf betörende Worte und Beteuerungen eines Mannes herein fällt, die nicht so gemeint waren. Es hat halt nur bittere Folgen für sie. Dank des Einflusses und des Geldes ihres Vaters konnte man zwar einen größeren Skandal verhindern, aber Auguste wurde nicht nur das Herz gebrochen, nein, sie musste auch noch miterleben, dass die eigene Familie den Lügen ihres Liebhabers glaubt und sie für die Schuldige hält. Das muss weh tun. Sie hat es natürlich besser als viele andere Frauen in ihrer Lage, hat ihre Tochter um sich, weiß, dass es ihr gut geht und dass immer für sie gesorgt sein wird. Doch sie darf sich nie zu ihr bekennen, ihr nie sagen, dass sie ihre Mutter und nicht ihre Schwester ist. Muss mitansehen, wie ihre Tochter zu jemand anderem Mutti sagt. Zudem ist die Gründung einer eigenen Familie in weite Ferne gerückt, da sie nach den Statuten der Erikaschwestern nicht heiraten darf und ihr Vater sie als "beschädigtes Gut" sowieso nicht mehr verheiraten will. Dass heißt, sie hat ein Kind, zudem sie sich nicht bekennen darf, hat aber kaum die Chance, dass sich ihr eventuell vorhandener Kinderwunsch jemals nochmal erfüllen wird. Das stelle ich mir unglaublich hart vor.


    Für Milli erfüllt sich endlich ihr großer Traum, sie kann mit ihrer kleinen Tochter nach Amerika auswandern und wird dort (hoffentlich) ein gutes Leben haben. Der Brief, den Melanie gepostet hat, ist ja schonmal vielversprechend. :-)


    Hans Steubner bekommt seine Abreibung, bei der ich allerdings kaum Befriedigung verspürt habe. Klar, er ist ein ziemliches Ar...loch und was er mit Milli angestellt hat, ist unfassbar. Allerdings war mir die Abrechnung zu profan und zu brutal. Ich bin kein sonderlich Verfechter davon, Gewalt mit Gegengewalt zu begegnen und auch nicht davon, sich auf das Niveau seines Gegners herabzulassen.

    Komischerweise hat es mich bei Martha nicht so gestört, als sie mit Auguste sprach. Vielleicht, weil Auguste (zumindest theoretisch) eine Wahl gehabt hat. Und weil Martha subtiler vorgegangen ist. Sie hat ihr nicht offen gedroht und sie nicht offen erpresst, sondern versucht, sie mit vernünftigen Argumenten zu überzeugen. Letztendlich hat Auguste natürlich eingewilligt, weil sie Angst hat, dass Martha ihr Geheimnis preis gibt. Aber im Endeffekt wissen wir nicht, ob Martha das tatsächlich gemacht hätte, wenn Auguste weiterhin gegen die Beratungsstelle vorgegangen wäre.


    Die Beratungsstelle war ein Highlight in diesem Kapitel. Sehr informativ und spannend. Die Lebensumstände waren damals schon sehr hart, besonders für Frauen und das kommt gut rüber! Ich finde es immer wieder faszinierend, von solchen Details zu lesen.

    Liebe Grüße

    Larna

    So, dann melde ich mich auch noch mal zu Wort. :-) Ich habe das Buch schon vor einer ganzen Weile ausgelesen, hatte aber in den letzten Wochen einfach keine Zeit, da ich meine Hochzeit organisieren musste. ;-) Jetzt möchte ich meine Eindrücke aber doch noch schildern:

    Paul hat mir sehr leid getan nach dem Streik. Er war so voller Idealismus und Leidenschaft, man hat das Feuer, das in ihm brannte förmlich gespürt. Es ist wohl ein Vorrecht der Jugend, so von etwas und sich überzeugt zu sein, dass man keine Einwände gelten lässt und mit dem Kopf durch die Wand will. Das Ergebnis des Streiks ist umso bitterer und für ihn eine mehr als schmerzhafte Lektion, dass man im Leben eben nicht alles erreichen kann, nur weil man es will. Die Einwände der "Großkopferten", die Paul anfangs abgetan hat, erweisen sich als nur zu wahr: Der Winter, die Streikbrecher und das Geld, das ausgeht beenden den Streik, ohne, dass die Arbeitgeber nachgeben mussten. Jetzt können sie - zumindest am Anfang - die Bedingungen diktieren.


    Die Umstände fand ich sehr spannend und interessant geschildert. Ich kann mir nicht vorstellen, eine 72 Stunden Schicht zu arbeiten - ich bin ja nach 24 Stunden schon völlig durch. Wie unmenschlich damals mit den Menschen umgegangen wurde - gruselig.


    Martha trifft es in diesem Abschnitt auch hart, als sie entlassen wird. Dass ihre Lüge über Auguste so hart auf sie zurück fällt, ist natürlich bitter. Andererseits war es auch ein sehr mieser Zug von Martha damals und irgendwie ist das wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Außerdem findet sie ja nun privat ihr Glück: Sie und Paul heiraten und Paul hat auch eine Idee, wie sie sich trotzdem weiterhin verwirklichen kann und nicht nur einfach zuhause den Haushalt führen muss. Allein dafür mag ich ihn. :-)


    Carolas und Susannes Verhalten bei der Versammlung fand ich sehr interessant. Carola, die sonst immer ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, ihre Meinung über aktuelle Zustände und was jeder zu tun hat kundzutun, traut sich nicht, aufzustehen. Ich kann es nachvollziehen, schließlich hätte sie damit ihren Beruf verloren und wäre wieder den typischen Regularien einer Frau unterworfen gewesen. Und ich hoffe, die Lektion, die sie über sich selbst gelernt hat, war heilsam und sie legt ab sofort nicht mehr so strenge Maßstäbe an, wenn es darum geht, dass Leute ihren Worten auch Taten folgen lassen.

    Susanne hat hier Mut bewiesen und ist für ihre Überzeugungen eingestanden. Allerdings ist sie weich gefallen, kann sie doch ihren langgehegten Traum, in der Schweiz Medizin zu studieren, endlich verwirklichen. Und wenn auch eine kleine Unwägbarkeit blieb, dass es auch klappt, so waren die Chancen des Verwirklichen deutlich größer als die des Scheiterns. Ich würde auch Susanne gerne mal erleben, wie sie sich entscheidet, wenn es auch für sie um alles geht und sie nichts hat, was sie auffängt. Ob sie dann auch noch das Recht hat, die moralisch Überlegene zu geben. ;-)


    Meine absolute Lieblingsszene in diesem Abschnitt war das Gespräch von Milli und Martha über Sex und Verhütungsmethoden. Ich habe herzhaft gelacht. :jumpies: So lange die zwei sich schon kennen, so sehr kann Milli ihre beste Freundin immer noch schocken. Es war einfach herrlich, das zu lesen!


    Liebe Grüße

    Larna

    Das geht schon tief in die schwarze Magie hinein. Er sagt ja auch ein Mal, dass es nur natürlich ist bei solchen Dingen neugierig zu sein. Das zeigt finde ich schon ein bisschen eine andere Seite von Slughorn.

    Ich finde, er hat nicht unrecht. Das "Böse" hat die Menschen von jeher fasziniert und tut es auch weiterhin. Das was wir fürchten oder ablehnen, weil es so unfassbar finster und eben böse ist, übt doch auch oft eine merkwürdige Faszination auf uns aus. Und wenn es nur die des Grauens ist.


    Liebe Grüße

    Larna

    Für Martha und ihre Familie geht es jetzt tatsächlich mal bergauf. Nach all dem Leid und dem Elend wurde das ja auch mal Zeit. ;-)


    Martha ist jetzt zum ersten Mal im OP und überzeugt durch ihr Wissen und ihre Neugier. Ich finde es schön, dass Dr. Liebknecht eben nicht durch Schmeicheleien und Augengeklimper zu überzeugen ist, sondern durch Können und Wissen. Das macht ihn sympathisch. Allerdings steckt auch er voller Vorurteile. Z.B. zeigt er sich enttäuscht, dass Martha sich für das Nähen interessiert, wie es in seinen Augen ihre Natur ist, wo sie sich doch bis gerade eben wie ein "richtiger Junge" verhalten hat. Außerdem spricht er Frauen die Fähigkeit ab, objektiv an Dinge heranzugehen. Er nennt es "natürliche Einschränkungen". Also auch jemand, der an die Unterlegenheit der Frauen glaubt.


    Martha bewirbt sich als OP-Schwester, da sie dafür offenbar Talent hat. Dass sie Susanne nichts davon erzählt, halte ich für einen Fehler, denn das es böses Blut geben könnte, wenn Martha die Stelle bekommt und nicht Susanne, ist ja sonnenklar. Fairer wäre es, wenn sie ihr das gesagt hätte. Natürlich hätte sich Susanne wahrscheinlich auch dann aufgeregt, aber die Sachlage wäre klar gewesen. Außerdem hat sich Susanne, selbst als sie nicht mit Martha sprach, nie an Gemeinheiten gegen sie beteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Martha also versucht hätte, schlecht zu machen, wäre gering gewesen. Dass sie Auguste nichts erzählt, ist o.k., denke ich. Denn die hätte bestimmt auf eine Möglichkeit gesonnen, Martha zu diskreditieren. Außerdem war sie mit Auguste nie befreundet, im Gegensatz zu Susanne.

    Auch wenn ich Marthas Verhalten falsch finde, mag ich es, dass sie es getan hat. ;-) Bisher ist Martha wirklich ein toller Mensch - fast zu toll, denn wirkliche Charakterschwächen hat sie bis dato nicht gezeigt. Das ist jetzt anders. Das sieht man auch, als sie es Auguste heimzahlt. Die hat es natürlich durchaus verdient, aber Martha begibt sich eindeutig auf Augustes Niveau nieder, was man gemeinhin nicht tun sollte, finde ich. Doch das macht Martha lebendiger, wenn es mich auch sehr überrascht hat, zu welchen Mitteln sie greift.


    Susanne nimmt ihre Niederlage im Kampf um die Stelle als zweite OP-Schwester relativ gelassen. Schön, auch wenn ich dem Frieden noch nicht ganz traue. Im Gespräch um die Herstellung von Schrumpfköpfen (Super Thema übrigens! :-D) kam es ja schon zu einer vorsichtigen Annäherung, auch wenn es dann eskalierte und Susanne mal wieder wütend davon stürmte. Mal sehen, wie das weitergeht.


    Karl Westphal hält bisher durch und trinkt nicht mehr. Er findet sogar eine Beschäftigung, die ihn erfüllt und mit der er wieder seinen Lebensunterhalt problemlos bestreiten kann: Er wird Leierkastenmann und hält sich sogar einen Affen. Das ist süß und ich freue mich für ihn, dass er sein Gleichgewicht wiedergefunden hat. Außerdem kann er sein Talent zum Geschichtenerzählen hier voll ausleben. ;-) Sogar von Augustes Vater lässt er sich nicht einschüchtern, der sicherlich von seiner Tochter aufgestachelt wurde.

    Heinrich geht es auch gut, er genießt das Seemannsleben in vollen Zügen und wie ein echter Pirat hat er jetzt einen sprechenden Papagei. :-D


    Auch Milli wehrt sich mit Hilfe von Moritz Bruder gegen die Übergriffe des Vormunds ihrer Tochter. Die Idee mit den Fotos war wirklich klasse und ich bin, offen gestanden, nicht auf die Idee gekommen, dass das damals noch gar nicht möglich gewesen ist. 8| Das habe ich beim Lesen wirklich nicht hinterfragt.


    Dann wird es politisch und das finde ich richtig spannend. Wir können uns die Verhältnisse damals gar nicht wirklich vorstellen. 72 Stunden Schichten! Ich weiß gar nicht, wie man das durchhalten sollte. Ich bin ja schon völlig geschlaucht, wenn ich in einer 24-h-Stunden Schicht durcharbeiten muss. Aber dreimal so lange!=O Kein Wunder, dass es anfängt zu gären. Vor allem, wenn das Geld nicht reicht, da es keine Lohnerhöhungen gibt, aber die Lebenskosten weiter steigen. Die Diskussionen der Frauen um Wilhelmina Schlüter sind da sehr aufschlussreich. Zum Beispiel, dass es nicht reicht, Kinderarbeit zu verbieten, da viele Familien ohne dieses Einkommen nicht über die Runden kommen. Da sieht man mal, das auch damals ind er Politik oft zu kurz gedacht wurde und das große Ganze nicht im Blick behalten wurde.


    Martha lernt Paul Studt kennen und ist sofort von ihm fasziniert. Na, da werden wir wohl noch ein bisschen mehr von ihm lesen, kann ich mir vorstellen. Er ist aber auch sympathisch und hat vor allem einen ähnlichen Hintergrund wie Martha, das würde also schon mal passen. Er hat diesen Hintergrund auch nicht vergessen und setzt sich somit für die ein, denen es schlechter geht. Seine Rede zum Streikaufruf zeigt große Wirkung, vor allem, weil er so spontan von Martha unterstützt wird und schließlich kommt es wirklich zum Streik. Zunächst sind ja alle regelrecht begeistert und eine Welle der Solidarität überschwemmt Hamburg. Das finde ich immer wieder schön, dass es so etwas gibt. Ich frage mich nur, ob das auch anhält. :/

    Ich weiß nicht, ob ihr "Blackout" von Marc Elsberg kennt. Dort wird der soziale Zusammenhalt sehr gut beschrieben. Es geht dort um einen großflächigen Stromausfall in Europa, der nicht so einfach behoben werden kann. Die Folgen sind eindrücklich: Strom, Heizung, fließendes Wasser, alles fällt aus. Alles, was eingefroren ist oder gekühlt gelagert werden muss, verdirbt und an den Tankstellen gibt es auch bald kein Benzin mehr. Am Anfang rutschen die Leute eng zusammen, helfen einander, teilen miteinander. Doch als die Lage immer angespannter wird und es langsam um das nackte Überleben geht, kommt das Schlechteste in vielen zum Vorschein und jeder ist sich selbst der Nächste. Ich bin gespannt, ob das hier auch so kommt, oder ob die Arbeiter ihren Streik vorher erfolgreich beenden können.


    Susanne, Carola und Martha finden zu einem guten Trio zusammen. Susanne ist wesentlich gelassener, was Carolas Sticheleien angeht. Ich finde, sie hat sich sehr gewandelt. Ob es ihre Arbeit und die damit verbundene Anerkennung ist, die ihr mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein verpasst hat? Vermutlich. Nur mit Marthas Ausspruch "Letztendlich ist es egal, aus welchen Motiven heraus wir das Richtige tun" bin ich nicht einverstanden. Ich finde, die Motivation hinter Taten spielt durchaus eine Rolle.


    Melanie Metzenthin:

    Gab es damals wirklich schon einen Arbeitgeberverband? Hätte ich nicht gedacht, dass dem so war. Schließlich konnten sie ja fast wie Könige über die Arbeiterschaft regieren, also wäre es ja nicht nötig gewesen, sich zusammen zu tun.


    Liebe Grüße

    Larna

    Deine Erwähnung von August Bebel hat mich mal wieder zum googeln animiert

    Ja, mich auch. Wir haben hier ja eine August-Bebel-Straße, aber ich hatte mir bisher noch nie Gedanken darüber gemacht, wer das war. :redface:


    Moritz ist nett - aber er ist zu einfach gestrickt für die intelligente Milli.

    Ja, er kann ihr nicht das Wasser reichen. Außerdem wollen beide unterschiedliche Dinge. Milli strebt ein besseres Leben an, eines, in dem ihr ihre Vergangenheit sie nicht immer wieder einholt. Moritz ist hingegen zufrieden mit dem, was er hat und strebt nicht nach Veränderung bzw. Verbesserung. Das würde im Leben nicht gut gehen, weil er Millis Träumen die Flügel nehmen würde und vermutlich zudem stets verletzt sein würde, wenn sie mehr möchte, als er ihr zu bieten hat. Milli hingegen würde sich in einem Konflikt zwischen ihren Wünschen und ihrer Loyalität zu Moritz aufreiben und irgendwann wäre die Beziehung zwischen den beiden völlig zerrüttet.


    Aber Milli hat kein Urvertrauen mehr zu Männern.

    Ich würde sagen, zu Frauen auch nur sehr bedingt. Schließlich wurde sie von ihrer eigenen Mutter ebenfalls furchtbar im Stich gelassen. Statt ihre Tochter zu schützen, hat sie zugelassen, dass sie von ihrem Stiefvater geschlagen und missbraucht wird und dass er sie ebenfalls in die Prostitution schickt. Ich bin sicher, ihr ist nicht entgangen, was ihr Ehemann mit Milli machte, wenn sie beim Anschaffen war. Trotz aller Hilfsangebote hat sie ihren Mann immer verteidigt, anstatt sich um ihre Tochter zu kümmern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Milli jemals so gegenüber Anna handeln würde.


    Mille ist schwanger, mein erster Gedanke ....ach du Schei.....Haben alle den Griff in die Kloschüssel für sich gepachtet?

    Ja, das ist bitter, aber glaubwürdig. Prostituierte, vor allem in der damaligen Zeit, liefen stets Gefahr, schwanger zu werden. Von daher wäre es unwahrscheinlich, wenn Milli von diesem Schicksal verschont geblieben wäre.


    Das Milli ihre kleine Tochter den Namen Anna gibt fand ich auch sehr berührend.

    Ja, das ging mir auch so. Mir schossen beim Lesen die Tränen in die Augen - vor allem, da Milli sagt, sie nennt ihre Tochter nach einer Freundin, die viel zu früh gegangen ist. Da erkennt man Millis tiefe Zuneigung zu den Westphals.


    Martha beginn ihre Ausbildung als Lernschwester, nachdem es ihr dank der hervorragenden Zeugnisse von Dr. Schlüter und Hauptmann Weibezahn und natürlich ihrem eigenen Auftreten gelungen ist, einen Platz zu ergattern. Das ist wieder sehr spannend, die Einblicke in den damaligen Krankenhausalltag. So ganz anders als heute und manchmal auch wieder sehr ähnlich.


    Ich fand aber die Oberschwester Hedwig war sehr voreingenommen.

    Ja, war sie. Sie war aber auch ein Kind ihrer Zeit und hat die damaligen Vorurteile vermutlich als Tatsachen angesehen. Was ich ihr anrechne, ist, dass sie sich überzeugen lässt, es mit Martha zu versuchen. Es sind ja nicht alleine die Zeugnisse, die sie umstimmen (auch wenn die natürlich ihren Teil dazu beitragen), sondern auch Marthas Auftreten, dass ihr zeigt, dass sich auch ein Mädchen aus den Gängevierteln "anständig" verhalten kann und eine Chance verdient. Unterschiedliche Berufe haben ein unterschiedliches Ansehen und es wird ein entsprechendes Auftreten erwartet. Daher ist es nur natürlich, dass Schwester Hedwig das Ansehen der Erika-Schwestern nicht gefährdet sehen will.


    Martha lernt auch neue Freundinnen kennen und das fand ich sehr spannend, wie sich Susanne zunächst präsentierte und wie sie dann reagierte, als Martha ihr widersprach. Solche Charaktere, die nicht nur gut oder böse sind, machen eine Geschichte ja erst spannend. Ich bin gespannt, wie es weitergeht mit Susanne und auch mit Carola. Ob sie hält, was sie momentan verspricht.

    aber Martha hat wirklich gut daran getan, ihr nicht allzu viel Privates anzuvertrauen. Was das betrifft, ist Martha schon sehr reif, denn Jugendliche in dem Alter sind gerne vertrauensseliger (heutzutage).

    Ich weiß nicht, ob man das so pauschalisieren kann. Ich denke, dass Martha auch einfach eine ganz gute Menschenkenntnis besitzt, die sie davor warnt, Susanne alles anzuvertrauen.


    ysa , odenwaldcollies: Spannend finde ich übrigens auch eure Diskussion über die Tatsache, dass die Lernschwestern Gehalt bekommen, die "normalen" Lehrlinge aber nicht.


    Lohn ist immer die offizielle Anerkennung der Leistung und nicht Almosen. Warum sollten also Töchter aus wohlhabenderen Familien darauf verzichten? Abgesehen davon: der Verdienst ist so minimal, dass er eh eher symbolischen Charakter hat. Aber es reicht, um dem Beruf ein wenig mehr "Prestige" zu geben und ihn auch von der Mildtätigkeit kirchlicher Institutionen abzugrenzen

    Da gebe ich dir völlig recht! Ich verstehe aber auch odenwaldcollies Gedanken. Schließlich verschärft es die soziale Ungerechtigkeit, wenn Töchter aus wohlhabenden Familien ein Gehalt während ihrer Lehrzeit erhalten, Töchter aus armen Familien aber nicht. Im Gegenteil, die müssen auch noch zahlen, sind also doppelt gestraft und wenn ihre Eltern das Geld für eine Lehre nicht aufbringen können, bleibt ihnen eine Ausbildung komplett verwehrt.

    Mich hat das beim Lesen auch gestört. Die, die sich sowieso eine Ausbildung hätten leisten können, kriegen auch noch Geld dafür (wenn auch sehr wenig) und die, die sie sich kaum leisten können, müssen auch noch dafür zahlen. Das ist einfach ungerecht. Andersherum fände ich es auch gerechter. Wobei am besten natürlich alle was gezahlt bekämen. ;-)



    Mit Karl Westphal fühle ich wirklich mit. Er kämpft so darum, sich nicht unterkriegen zulassen, hat es geschafft, trocken zu werden und baut Mausefallen im Akkord, nur, damit es wieder nicht zum Leben reicht. Er lässt sich sogar zum Lumpensammler herab, aber sein Selbstwertgefühl bleibt angeknackst. Immerhin hat er früher seine Familie problemlos versorgen können. Jetzt kann er das nicht mehr, obwohl sie kleiner geworden ist, da er "verkrüppelt" ist. Martha und Heinrich müssen selbst arbeiten und Geld verdienen. Dass er nicht mehr trinkt, ist zwar eine Errungenschaft, aber dass es trotzdem nicht fürs Leben reicht, muss unglaublich deprimierend sein. Daher ist es kein Wunder, dass er wieder der Versuchung des Alkohols erliegt und immer weiter abgleitet. Martha schafft es dann, nochmal zu ihm durchzudringen, als sie ihn zu überzeugen versucht, in eine Trinkerheilanstalt zu gehen. Da rafft er sich auf und versucht, erneut vom Alkohol los zu kommen. Mal schauen, ob wie lange er diesmal durchhält.



    Noch in unserer Zeit passierte es, dass Alkoholiker bei kleineren Operationen gar nicht entzogen werden, sondern dass die Ärzte sie weiter trinken lassen, um de Spiegel aufrecht zu erhalten.

    Richtig, ein Alkoholentzug ist keine Voraussetzung für eine Operation. Im Notfall ist es sowieso egal, ob jemand alkoholisiert ist oder nicht, wenn er operiert werden muss, dann muss er das. Bei geplanten Operationen wissen wir auch nicht immer, ob wir einen Alkoholiker vor uns haben. Den meisten merkt man das nicht an. Aber auch wenn sie das zugeben, werden sie operiert. Und es ist meistens besser, sie trinken weiter, denn wenn zu der Angst und Aufregung auch noch Entzugserscheinungen kommen, macht es das für alle Beteiligten schwerer. In meiner Zeit in der Anästhesie, habe ich die Patienten immer gebeten, am Tag der OP, wenn möglich, nüchtern zu bleiben, aber am Abend vorher durften sie noch wie gewohnt trinken. Raucher müssen ja auch nicht vorher aufhören. ;-)


    Melanie Metzenthin:

    Ich habe einen Grammatikfehler gefunden. ;-) Auf Seite 102 heißt der erste Satz im fünften Abschnitt: "Martha sah Dr. Schlüter verwirrt hat." Vielleicht kann man das ja in den nächsten Auflagen ändern, wenn es welche gibt.


    Was ist denn eine Schottsche Karre?


    Liebe Grüße

    Larna