Beiträge von Konstanze

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Brave New World, 1984 ... Die Entbehrlichen


    Eine ökonomisch ausgerichtete Demokratie zu einem unbekannten Zeitpunkt: Wer bis zu einem gewissen Alter, gemessen an vorgefertigten Kriterien, nicht genug Nutzen für die Gesellschaft erbracht hat, der wird entbehrlich. Dies ist eine Geschichte ebenjener Menschen...


    Inhaltlich eine Idee, die sowohl der Vergangenheit, als auch politischen Strömungen im jetzigen Europa entsprungen sein könnte und die womöglich in einer ungewissen Zukunft Realität wird. Ninni Holmqvists Werk möchte ich in eine Reihe mit "Brave New World" und "1984" stellen. Die Autorin platziert hier einen starken literarischen Schlag in die Tiefen unserer ethischen Magengegend. So gekonnt und kunstvoll erzählt, dass man erlebt statt nur zu lesen. So intensiv, dass es körperlich weh tut.

    Gott sei Dank, oder Ninni Holmqvist sei Dank, nicht bis ins letzte Detail ausgegoren - noch nicht.


    Aus dem Klappentext:

    "Ein aufwühlender Roman, der ohne Wut oder Polemik das Befremdende vorstellbar macht."

    Leipziger Volkszeitung

    "Kurzweilig und doch sehr beklemmend, eine seltene Mischung."

    Welt am Sonntag

    "Dieser Ethik-Thriller aus Schweden zieht den Leser unweigerlich in seinen Bann und lässt ihn auch nach dem Lesen lange nicht los."

    Buchspecial



    Fazit: Eine literarische Real-Dystopie auf hohem Niveau. Aldous Huxley und George Orwell würden sie verschlingen und empfehlen. Dem schließe ich mich an.


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    Elizabeth Crane kehrt als Ärztin in ihr Heimatstädtchen St. Elwine zurück. Ihre heimliche Liebe lebt noch immer dort. In den vergangenen Jahren ist jedoch viel geschehen...


    Das Buch lag lange auf meinem SuB, da ich einen 500 seitigen 08/15 Liebesroman befürchtete. Auf die erste Hälfte des Buches trifft das m.E. auch zu. Die zweite Hälfte und vor allem das letzte Drittel fallen jedoch interessanter und spannender aus; in kriminalistischer Hinsicht jedoch nicht immer nachvollziehbar. Der Epilog wirft dann so manche Frage auf, wie es im zweiten Teil (St. Elwine - Pampelmusenduft) wohl weitergehen wird.



    Fazit: In der ersten Hälfte ein 08/15 Roman, bei dem man einige Passagen einfach überspringen kann. Zweite Hälfte und v.a. letztes Drittel interessanter und spannender. Eigenständiger, abgeschlossener Roman, dessen Epilog neugierig auf Teil 2 macht.


    3ratten

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    Die erste Hälfte des Buches ist Tanja Brandts Leben gewidmet. Die zweite Hälfte ihren Tieren. Der Mittelteil besticht durch wunderschöne Tierfotos, geschossen von der Autorin selbst.


    Die Falknerin Tanja Brandt scheint ein introvertiertes Kind gewesen zu sein, das schon früh das Wesen von Tieren, Menschen und Dingen zu erkennen und zu lieben imstande war. Seien es die Stallhasen der Oma, der Schäferhund der Nachbarn, die liebevolle Oma selbst oder Bücher in der riesigen, für Kinderaugen eindrucksvollen Bibliothek, in der dir Großmutter zeitweise arbeitete.


    Tiefgründige und selbstreflektierte Aussagen im ersten Buchteil lassen mich hoffen, dass Tanja Brandt ihre schwierige Jugend - eine Borderline-Persönlichkeitsstörung wäre möglich, wird aber nicht explizit benannt - mittlerweile psychologisch aufarbeiten konnte. Doch nicht nur seelisch, auch körperlich hat Frau Brandt leider schon einiges mitmachen müssen.


    Handelt der erste Buchteil von Tanja Brandts Vita, so geht es in Teil 2 um Anekdoten zu jedem ihrer geliebten Tiere. Für Laien (wie mich) angereichert mit Faktenwissen zu jeder Art.


    Da jedes Kapitel nach Vita des jeweiligen Tieres aufgebaut ist und nicht nach Lebenslauf der Autorin, entstanden in meinem Kopf kleine Unklarheiten. Wann war jetzt noch mal Tanjas Umzug? Welcher Vogel kam dann wann und wohin dazu?

    Um die Essenz der Kapitel zu verstehen, halte ich diese kleinen Faktenverwirrungen allerdings für vernachlässigbar.


    Meine Lieblingsanekdote ist die von Weißgesichtseule Gandalf, der als "Kind" in die Flüssigbutter fiel, wie einst Obelix in den Zaubertrank.



    Fazit: Romantische Hommage von Tanja Brandt an all ihre Tiere, plus interessante Einblicke in die Wildrettung. Durch den ersten Buchteil, welcher Tanjas eigenes Leben beleuchtet, wird deutlich, warum ihre Tiere ihr soviel geben und bedeuten.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

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    Inhaltliche Gestaltung, in durchweg angenehm großer Schrift:

    - Vorwort

    - Zum Begriff "Senioren"

    - Politik und Umwelt

    - Gesellschaft und Moral

    - Musik, Tanz und Kultur

    - Medien, Kommunikation und Technologie

    - Bildung, Ausbildung und Beruf

    - soziales Engagement und Ehrenamt

    - Gesundheit, Wellness und Ernährung

    - Finanzen, Konsum und Mobilität

    - Bauen, Wohnen und Einrichten

    - Freizeit

    - Zukunft

    - Fazit

    - Quellenverzeichnis


    Jeweils aufgefächert in kurzweilige Unterkapitel.



    Im Buch, noch vor der Titelseite, beschreibt Frau Stuber die Zielsetzung ihres Werkes. Einen ganzen Absatz widmet sie dabei der Feststellung, dass sie "Anhand statistischer Daten, versucht (...) einen Überblick über die Lebensweise der aktuellen Generation 65 plus in Deutschland zu gewinnen und (...) einen Ausblick in eine mögliche Zukunft" wagt. Für Ihr komplettes Buch, mit immerhin gut 400 Seiten, gibt sie am Ende aber lediglich sechs übergeordnete Quellen an; im Fließtext oft gar keine oder nur mittels Schlagwort. Hier weiß Frau Stuber als Akademikerin sicher selbst: Da schwächelt das Buch. Dass sie im Vorwort ein wenig zurückrudert und bekennt, "die Zahlen [sollen] nur einen Anhaltspunkt liefern, da deren Erfassung nicht immer einheitlich ist", sowie ihr Verweis auf das altbekannte Sprichwort, keiner Statistik zu trauen die man nicht selbst gefälscht hat, ändern m.E. inhaltlich nichts daran. Ruft die Autorin auf S.379 doch nochmals selbst dazu auf, "Nachrichten grundsätzlich zu hinterfragen und nicht alles zu glauben, was irgendwo und irgendwie kommuniziert wird".


    Richtig los geht es dann mit einem erfrischenden Gegenentwurf zu dem Bild, das sonst in der Öffentlichkeit von älteren Menschen gezeichnet wird, und zwar mit der Feststellung "wie gut es uns [Senioren] - zumindest den meisten - heute geht, und zwar in jeder Beziehung: körperlich, geistig und nicht zuletzt finanziell. "


    Es folgen geschichtliche Ereignisse im Schnelldurchlauf; prägnant, faktenorientiert und kurz gehalten - sehr angenehm und flüssig zu lesen! Zur Richtigkeit derselben vermag ich, als geschichtlich wenig Bewanderte, allerdings keine Auskunft zu geben.

    Toll fand ich, dass ich als vergleichsweise "junger Mensch" so zu einigen geschichtsträchtigen Ereignissen, die vor meiner Zeit lagen, Hintergründe erfuhr. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

    Dieses Foto, auf dem ein nacktes Mädchen mit anderen Kindern vor etwas flieht. Das haben wir alle schon mal gesehen, aber was genau hatte es damit auf sich? Und was wurde aus diesem Mädchen?

    Was prangerte noch mal der Spruch "Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren!" an? Und wann und warum?

    Wie entstand eigentlich der Vietnamkrieg? Und die RAF?

    Wüssten Sie, lieber Rezensionsleser, aus dem Stegreif, was sich Anfang der 60er hinter dem Begriff "Fachgeschäft für Ehehygiene" verbarg?

    Und hinter dem jährlichen "Fahrradtag", den LSD-Anhänger feierten?

    Oder welcher - in vielen Ländern zensierte - Film im Frühjahr 1973 die Gemüter dermaßen erhitzte, dass sein Regisseur und sein Hauptdarsteller wegen "Obszönität" zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden?

    Nach Lektüre des Buches können Sie all diese Fragen und noch viele mehr beantworten und sie bei geselligem Beisammensein selbst einstreuen, um für anregenden Gesprächsstoff zu sorgen.


    Gekonnt schlägt Frau Stuber im weiteren Verlauf einen Bogen von der Kindheit der 68er in die Jetztzeit und schließlich unser aller Zukunft. Da lässt einiges aufhorchen, zum Beispiel das "In-vitro-Fleisch oder Clean Meat", das womöglich "künftig den Appetit auf Fleisch ohne Tierleid zu stillen" vermag (S. 165).


    Sie selbst lebt/e und reist/e scheinbar viel in Südostasien. Ihre vor Ort Schilderungen fand ich außergewöhnlich interessant.

    Auch ihre körperliche und geistige Fitness, haben mich nachhaltig beeindruckt. Der dadurch entstandene Lebensausblick, was noch alles Tolles möglich ist, hat mich (Adipositas, depressive Episoden) motiviert, wieder Sport zu treiben und mit neugierigem Blick nach vorn zu schauen. Meiner schwerbehinderten Mutter (Jg. 59) werde ich das Buch als Geschenk ans Herz legen. Auch ihr, da bin ich sicher, wird es viele Aha-Effekte, schöne persönliche Erinnerungen und hoffentlich auch Lebenslust bescheren.



    Fazit: Die Lesezeit verging wie im Flug. Als 82er Jahrgang, habe ich Hintergründe und Weiterführendes zu geschichtlichen Ereignissen erfahren, die nur mehr als Erinnerungsschnipsel des Geschichtsunterrichts in meinem Hirn herumwaberten. Auch die persönlichen Lebenserfahrungen, die die Autorin mit ihrer Leserschaft teilt, entpuppten sich als interessant und motivierend. Jetztzeit und Zukunftsaussichten werden ebenfalls kurzweilig und humorvoll beschrieben. Schweren aber überzeugten Herzens eine Maus Abzug, da Frau Stuber m.E. ihre Quellen deutlich detaillierter offen legen sollte.

    Dieses Buch selbst lesen und/oder verschenken - beides bringt Freude.


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    Die Figur des Spielers ist zunächst kein, wie man annehmen könnte, Glücksspielsüchtiger. Es handelt sich um einen russischen Mittzwanziger, Hauslehrer einer Generalsfamilie. Er erliegt der Versuchung sich selbst zu spielen, um alles was ihm wichtig, und jeden der ihm lieb und teuer, ist zu gewinnen oder wenigstens nicht zu verlieren. Dabei begeht er mit seinem jungenhaften, labilen Wesen manch grobe Dummheit. Bis eine alte weise Frau erscheint, welche das Geld und den Charakter besitzt, Geschicke zu lenken...



    Die Handlung ist raffiniert, spannend und amüsant. Tragische Elemente nehmen einen wichtigen Stellenwert ein, jedoch nie überhand. Die Figur der alten Dame ist mein absoluter Favorit. Ein herrlich ausgestalteter Charakter!

    Die für Dostojewskis Zeit typischen Schachtelsätze sind durchweg kurz genug gehalten, um ihnen folgen zu können. Sehr angenehm. Es gibt einzelne Sätze auf Französisch aber diese sind (meist) nicht so wichtig, dass man sie verstehen müsste.


    Vor allem die zweite Hälfte des Romans empfand ich als intensiven Pageturner. Die Intensität mag dem Umstand zu verdanken sein, dass Dostojewski Autobiografisches in dem Roman literarisch verarbeitet hat.



    Fazit: Raffinierte Story, überraschend spannend und humorvoll umgesetzt. Selbstverständlich gespickt mit einer ordentlichen Prise Tragik. Nicht einfach aber sehr angenehm zu lesen.


    5ratten