Beiträge von Herzblatt

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Worum es geht

    Der kleine Béla, 1913 geboren, wächst als unehelicher Sohn einer Dienstmagd bei einer Ziehmutter unter ärmlichsten Bedingungen auf. Mit 14 Jahren wird er von seiner leiblichen Mutter, die er nur von wenigen kurzen Besuchen kennt, nach Budapest gebracht.
    Der Junge findet zwar Arbeit als Hotelboy, seine wirtschaftliche Lage verbessert sich dadurch jedoch kaum. Reichen Hotelgästen, überheblichen Vorgesetzten und fanatischen Kollegen dient Béla als Spielball für deren frivole Launen und politischen Interessen. Der junge Mann, der gerne weiter in die Schule gegangen wäre und sogar Gedichte schreibt, hat mit dem täglichen Existenzkampf genügend eigene Sorgen, und fühlt sich zunehmend in die Enge getrieben. Als die häusliche und berufliche Situation eskaliert, sieht er in seiner Heimat keine Zukunft mehr.


    Über den Autor (aus der biographischen Nachbemerkung im Buch):
    János Székely wurde 1901 geboren, und ist nach dem Tod des Vaters in äußerst bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Bereits mit 15 Jahren debütierte er als Dichter, verdingte sich als 18-jähriger in Berlin bei einer Speditionsfirma, und machte später als Drehbuchautor Karriere. Ab 1928 arbeitete er bei der Ufa, 1938 emigrierte er in die USA.
    1946 wurde sein autobiographisch gefärbter Roman „Verlockung“ veröffentlicht. Er ist als erster Teil einer Trilogie konzipiert, doch blieben die Folgebände ungeschrieben. Das Werk wurde von der Kritik als einer der großen Gesellschaftsromane der Zeit gefeiert, sein Autor mit Gorki und Zola verglichen.
    János Székely verstarb 1958 in Berlin.


    Meine Meinung
    Mit diesem Roman hat János Székely sowohl inhaltlich als auch stilistisch einen äußerst eindrucksvollen Roman vorgelegt, der dem Leser die sozialen Brennpunkte Ungarns in der Zwischenkriegszeit drastisch vor Augen führt. Die hohe Arbeitslosigkeit mit all ihren traurigen Folgeerscheinungen wie Hunger, Krankheit und Delogierung trieben viele Menschen zum Selbstmord. Es existierte kein soziales Netzwerk, um wenigstens die schlimmste Not zu mildern. Für den heutigen Leser sind viele Schilderungen von Armut und Elend kaum vorstellbar und oft nur schwer zu ertragen.
    Im Gegensatz dazu wird durch Bélas Arbeit in einem Luxushotel die Dekadenz der Zeit vor Augen geführt. Vom Betrag, den zahlreiche Gäste in einer einzigen Nacht für Champagner ausgeben, hätte der Liftboy mit seiner Mutter monatelang sehr gut leben können.
    Die Hilf- und Schutzlosigkeit des Personals vor den unmoralischen Wünschen mancher Gäste, aber auch der Versuch, arglose Jünglinge für Spitzeltätigkeiten zu gewinnen, hat der Autor in seinem Roman beeindruckend verarbeitet. Die psychische Belastung in dieser Situation muss unvorstellbar gewesen sein. Es verwundert nicht, dass Béla sich im täglichen harten Existenzkampf nicht als Retter der Nation sehen kann, sondern nur seine eigene Lage verbessern will. Diese Haltung hat ihn mir sehr realistisch und sympathisch erscheinen lassen. Sicher brauchte es Helden, um Veränderung herbeizuführen, aber Béla hatte dazu keine Kraft. Das entbehrungsreiche Leben von Kindheit an, die unglaublichen Strapazen, die er in Budapest auf sich nehmen musste, um überhaupt zur Arbeit zu gelangen und die Sorgen um seine kranke Mutter raubten ihm jeden Idealismus. Aber gerade dieser Charakterzug hat ihn so lebensecht erscheinen lassen.
    Stilistisch hat mir der Roman ebenfalls sehr gut gefallen. Er ist flüssig zu lesen, in einer einfachen und kraftvollen Sprache verfasst. Es fehlt auch nicht an Spannung, will man doch immer wissen, wie es Béla weiter ergeht, und ob sich sein Schicksal nicht doch noch zum Besseren wendet.
    Die Lektüre des Buches lohnt sich auf jeden Fall, obwohl die ungeschriebenen Folgebände natürlich fehlen, die die Geschichte sicher wunderbar abgerundet hätten.


    4ratten


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    Leibhaftig in die Bücherei gehe ich nicht mehr, weil ich seit 2011 die onleihe nutze.

    In Buchläden falle ich zwar noch einige Male im Jahr ein, am liebsten kaufe ich aber übers Internet. Ist halt so schön bequem das Stöbern vom pchallo aus.

    Seiten oder Passagen überspringen gibt's bei mir nicht. Wenn mir das Buch zu langatmig wird, breche ich ab ...

    aber ich lese schon mal quer.


    Besonders gerne bei gehäuft ausführlichen Sexszenen...oder bei Folterpassagen.

    ... und auch Folterszenen sind für mich ein Grund zum Abbrechen.

    Sexszenen halte ich als Erinnerung an die Jugendzeit (noch) aus :zwinker:

    Worum es geht
    Nach dem Tod seines Vaters kehrt der junge Kaufmannslehrling Michel de Fleury aus Mailand in seine Heimatstadt Varennes-Saint-Jacques zurück, um mit seinem Bruder Jean die Geschäfte zu übernehmen. Die Bewohner der Stadt stöhnen nicht nur unter der Steuerlast durch den habgierigen Bischof Ulman, auch ihr weltlicher Herr, der brutale Ritter Aristide de Guillory, macht ihnen das Leben durch immer neue Zölle schwer.
    Schließlich wollen die Kaufleute Varennes diese Belastungen, die sich auch auf den Handel ungünstig auswirken, nicht mehr hinnehmen. Michels Freund Gaspard Caron glaubt, dass dem Bischof nur mit Gewalt beizukommen sei, während de Fleury zu Besonnenheit und einer überlegten Vorgehensweise rät. Diese grundlegenden Meinungsverschiedenheiten gefährden nicht nur das gute Einvernehmen der beiden Kaufleute, sondern beeinflussen auch Michels Verhältnis zu Gaspards Schwester Isabelle.


    Meine Meinung
    Der Handlungsbogen dieses wunderbaren Mittelalterepos erstreckt sich über mehr als 30 Jahre, und beginnt im Jahre 1173 mit der Flucht eines leibeigenen Bauern und seiner beiden Söhne. Dieser Auftakt hat mich sogleich in seinen Bann gezogen, und bald wird klar, dass Daniel Wolf mit seinem Buch einen großartigen Roman vorgelegt hat.
    Besonders gut hat mir die authentische Darstellung des historischen Hintergrundes gefallen. Der Leser erfährt unglaublich viel Wissenswertes über das Wesen der Kaufmannsgilden, über den Handel in einer mittelalterlichen Stadt, über Zölle und Steuern, über das Verrufen von Münzen, in diesem Fall von Bischof Ulman voller Willkür betrieben. Wir sprechen mit Michel de Fleury aber auch am Hoftag bei Kaiser Friedrich Barbarossa vor, brechen mit seinem Bruder Jean zum Kreuzzug ins Heilige Land auf, verspüren die Schikanen des brutalen Aristide de Guillory an seinen Untergebenen, sind bei der Vollstreckung eines Todesurteiles auf dem Rad mit dabei, erfahren, welches Urteil einen der Sodomie Überführten erwartet, und tun Buße mit einer ehrlosen Ehebrecherin.
    Wofür dem Autor meinerseits höchstes Lob gebührt ist die Kunst, seinem Publikum die Grausamkeiten der mittelalterlichen Welt zwar höchst lebendig und drastisch vor Augen zu führen, aber dennoch in einem - auch für empfindsamere Seelen - erträglichen Ausmaß darzustellen.
    Die Protagonisten in Wolfs Roman, einschließlich vieler Nebenfiguren, haben mich durch ihre charakterliche Vielfalt sehr beeindruckt. Der Hauptakteur Michel de Fleury ist vielleicht ein klein wenig zu gut für diese grausame Welt, aber immerhin ein Mann mit Verstand und Prinzipien. Statt mit Gewalt löst er Konflikte lieber mit Takt und Verhandlungsgeschick. Um ihn immer wieder aus ausweglos scheinenden Situationen herauszuführen, hat der Autor seine Fantasie in bewundernswerter Weise eingesetzt, und ebenso überraschende wie glaubwürdige Lösungen gefunden.
    Die Bürden, die dem einfachen Volk auferlegt wurden, sind ebenfalls ganz ausgezeichnet dargestellt. Die Angst vor der Obrigkeit, die Verzweiflung vor drohenden Hungersnöten, allgegenwärtiger Gewalt und unberechenbarer Willkür sind stets spürbar, und doch beherrscht keine finstere Grundstimmung den Roman. Immer wieder gelingt ein gutes Werk, werden Zeichen der Versöhnung gesetzt.
    Bis zum Ende gelingt es Daniel Wolf die Spannung aufrechtzuerhalten, unerwartete, aber keineswegs unrealistische Wendungen herbeizuführen, und seine Leser bis zur letzten Seite zu fesseln.
    Für hervorragende Recherche und großartige Erzählkunst kann es nur höchstes Lob und natürlich die volle Punktezahl geben.


    5ratten Absoluter:tipp:


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    Können wir endlich aufhören mit den düsteren, selbstmordgefährdeten, drogensüchtigen Komissaren*innen??

    Die stets am Rande ihres persönlichen Abgrunds dahintaumelnden Ermittler haben mir das Lesen von Krimis auch zunehmend verleidet.

    Aber inzwischen muss man ja die Ermittler*innen mit einem einigermaßen intakten Familien oder Liebesleben mit der Lupe suchen. Warum kann es da nicht einfach Vielfalt geben?

    Ja, das stimmt! Aber mittlerweile kommen sie mir doch nicht mehr so oft unter. Vielleicht hat doch schon ein Umdenken in den Köpfen der Autoren stattgefunden?!

    Den Wollladen, Antikladen und was es da noch so alles gibt - spar ich mir dann lieber und lese stattdessen was andres

    Einige Bücher dieses Genres habe ich schon abgebrochen (zum Glück nur ausgeliehene), aber einen "Wollladen" habe ich doch noch auf dem SuB, den ich auch lesen werde.

    Also für mich kein Krimi oder Thriller, und sei er noch so gut geschrieben, aus dem das Blut noch heraustropft

    Da kann ich mich nur anschließen :five:

    Dafür brauche ich gar keine Kinder zu haben. Je älter ich werde, umso ätzender finde ich Gewaltszenen aller Art.

    Geht mir ganz genauso. :five:

    Richtig verdorben noch nicht, aber meine Stimmung können Bücher schon beeinflussen.

    Als ich "Afrikanische Tragödie" von Doris Lessing gelesen habe, wollte ich einfach nur noch zum Ende kommen, weil die Spannung kaum noch auszuhalten war. Dabei weiß der Leser von Anfang an, dass ein Mord geschieht, auch der Mörder ist bekannt, und trotzdem liegt eine fast greifbare Anspannung in der Luft. Der ganze Roman hat sich sehr stark auf meine Stimmung ausgewirkt, ich habe das Belastende so stark gespürt wie selten in einem anderen Roman.

    Ein Buch, das mir so richtig unter die Haut gegangen ist und selbst schöne Sommertage verdüstert hat.

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    Worum es geht
    Am 17. Juli 1918 wurden Zar Nikolaj, seine Gemahlin Alexandra, deren drei Töchter Olga, Tatjana und Maria, der Thronfolger Alexej sowie einige Dienstboten von den Bolschewiken ermordet. Nur die jüngste Tochter, Anastasia, hatte das Blutbad schwer verletzt überlebt. Mit Hilfe zweier Wachsoldaten und deren Schwester gelang ihr die Flucht nach Berlin, wo sich Anastasia Hilfe von Verwandten erhoffte.
    Die Mitglieder des Hauses Romanow konnten sich über die Identität der jungen Frau jedoch nicht einig werden. Manche wollen in ihr Anastasia erkennen, da sie viele Details aus dem Leben der Zarenfamilie kennt, von denen Uneingeweihte nichts wissen können. Die junge Frau ist zudem sehr gebildet, vornehm in ihrem Auftreten und spricht mehrere Sprachen. Andere wiederum halten sie für eine Betrügerin und Hochstaplerin. Schließlich geht es nicht nur um die Vorherrschaft im Hause Romanow, um die mögliche Wiedererrichtung der Monarchie, sondern vor allem auch um den Anspruch auf das Familienvermögen. Mit dem Auftauchen einer Überlebenden aus der Zarenfamilie würden sich etliche potentielle Erben um ihren Anteil betrogen sehen.


    Meine Meinung

    Noch vor der Einleitung hält Antje Windgassen fest, dass es sich bei ihrem Buch um kein historisches Werk, sondern um einen Roman handelt, in dem Fakten und Fiktion eine untrennbare Einheit eingehen.
    Genau diese Verbindung von Dichtung und Wahrheit ist der Autorin meiner Meinung hervorragend gelungen. Zumindest könnte es so (oder so ähnlich) gewesen sein, klingt doch die Geschichte von Rettung und Flucht nicht allzu realitätsfern. Einige Ereignisse, die sich auf der abenteuerlichen Reise bis nach Berlin zugetragen haben sollen, kommen mir jedoch ziemlich unwahrscheinlich vor.
    Sehr gut dargestellt fand ich hingegen Anastasias Bemühungen um die Anerkennung ihrer Herkunft. Das Aufkeimen jeder Hoffnung wird alsbald von tiefster Verzweiflung erstickt, und treibt die Unglückliche bis an den Rand des Selbstmordes. Depressionen, Nervenzusammenbrüche und die Diagnose Knochentuberkulose führen immer wieder zu langen Aufenthalten in Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken und Sanatorien. Nicht nur die eigene Familie, auch die Presse setzen der jungen Frau zu. Die Romanows lehnen sie ab, vor der Öffentlichkeit steht sie als Betrügerin da. Glücklicherweise konnte Anastasia aber auch viele Menschen von ihrer Aufrichtigkeit überzeugen. Ohne ihr Wohlgesinnte hätte sie ihr Leben kaum zu meistern vermocht, doch letzten Endes bleiben nicht mehr viele Freunde, denen Anastasia ihr Vertrauen schenkt. Mit zunehmendem Alter wird sie aufgrund ihres tragischen Schicksals verständlicherweise immer misstrauischer, und neigt sogar zu aggressiven Verhaltensweisen.
    Gegen Ende des Romans konfrontiert die Autorin ihre Leser mit sehr vielen widersprüchlichen Daten und Fakten. Da die sterblichen Überreste der einstigen Großfürstin eingeäschert wurden, gab sie ihr Geheimnis auch nach dem Tod nicht preis. Genetische Untersuchungen an zweifelhaften früheren Laborproben erbrachten ebenfalls keine endgültige Gewissheit.
    Antje Windgassens inhaltlich und stilistisch sehr ansprechender Roman bietet für eigene Überlegungen und Mutmaßungen jedenfalls viel Spielraum.
    Fantasievoll aufbereitet und spannend erzählt, hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten - und darüberhinaus mein Interesse für das Schicksal der Zarenfamilie geweckt.


    4ratten

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    Worum es geht
    Als sich die Rechtsanwältin Maria Sanchez im Dunkeln allein mit ihrem Reserverad abmüht, ist sie erst sehr erleichtert, als ein Wagen anhält. Der Mann, der aussteigt, sieht jedoch alles andere als vertrauenerweckend aus. Colin Hancock ist schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, und doch bleibt Maria keine andere Wahl als sein Hilfsangebot schließlich anzunehmen.
    Diese Begegnung sollte jedoch nicht die einzige bleiben, und die beiden jungen Leute, die gar nicht zusammenzupassen scheinen, verlieben sich rettungslos ineinander. Doch schon bald wird ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Maria wird Opfer eines Stalkers, wodurch nicht nur ihre heile Welt arg in Mitleidenschaft gezogen wird.


    Meine Meinung
    Mit diesem Buch hat Nicholas Sparks einen wunderschönen Roman vorgelegt, der als romantische, gefühlvolle Liebesgeschichte beginnt, und beinahe als Kriminalfall endet.
    Mir haben die beiden Hauptakteure Maria und Colin in ihrer vielschichtigen Darstellung sehr gut gefallen. Maria ist die Tochter mexikanischer Einwanderer, und in einer großen, liebevollen und warmherzigen Familie mit einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl aufgewachsen. Colin hingegen war immer schon ein Problemkind, der mit seinen Aggressionen nur mühsam umzugehen gelernt hat. Diese beiden Charaktere waren mir von Anfang an sehr sympathisch, da sie glaubwürdig und authentisch auftreten. Die starke Anziehungskraft, die sie aufeinander ausüben, ist für den Leser deutlich spürbar, und auch ihren Unterhaltungen, die jeder Oberflächlichkeit entbehren, bin ich von Anfang an mit Interesse gefolgt.
    Marias schwieriger Berufsalltag und eine alte Rechnung aus ihrer Vergangenheit als Staatsanwältin bauen schließlich einen Spannungsbogen auf, der fast in einem Krimi endet. Dadurch tritt die anfangs sehr intensiv erzählte Liebesgeschichte beinahe gänzlich in den Hintergrund. Mir hat diese Entwicklung sehr gut gefallen, da sie glaubwürdig und packend erzählt wird. An dramatischen Szenen fehlt es vor allem in der zweiten Hälfte des Romans nicht. Der Leser darf sich auch auf überraschende und dramatische Wendungen freuen, die aber immer realistisch wirken und logisch gut nachvollziehbar sind.
    Obwohl Alexander Wussow seine Sache im großen und ganzen recht gut gemacht hat, wäre mir eine Sprecherin für diesen wunderschönen Roman viel lieber gewesen. Die angenehme Stimme des Vortragenden passt zwar zum gefühlvollen Teil des Romans sehr gut, bei den dramatischen Szenen hätte ich mir jedoch mehr Engagement gewünscht. Vor allem Colins Part hat Herr Wussow für meinen Geschmack allzu emotionslos gelesen.
    Dieser kleine Kritikpunkt kann meine Begeisterung aber nicht im mindesten trüben, da mir Nicholas Sparks mit seiner wundervollen Geschichte für viele Stunden beste Unterhaltung geboten hat. Dafür gibt es natürlich die volle Punktezahl und eine absolute und unbedingte Leseempfehlung für alle Liebhaber dieses Genres.


    5ratten:tipp:

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    Originaltitel: The Secret Years


    Worum es geht
    Thomasine Thorne hat ihre Eltern früh verloren und wächst bei ihren Tanten in den ostenglischen Fens auf. Daniel Gillory, den Sohn des Dorfschmieds, und Nicholas Blythe, den jungen Grundherrn, kennt sie seit ihrer Kindheit.
    Nach dem 1. Weltkrieg trifft Thomasine in Paris, wo sie als Tänzerin arbeitet, Nicholas wieder und nimmt seinen überstürzten Heiratsantrag an. Zurück in Drakesden Abbey, dem alten Gutsherrensitz der Blythes, beginnt für Thomasine ein neues und ungewohntes Leben, das von der Ablehnung ihrer Schwiegermutter dominiert wird.
    Und auch Daniel kehrt mit seiner jungen Frau in sein Heimatdorf zurück, um als Landwirt sein Auskommen zu finden. Beim Versuch, von den Blythes Land zu kaufen, flammt die alte Rivalität zwischen Nicholas und Daniel erneut auf.


    Meine Meinung
    Mit diesem Buch hat Judith Lennox einen großartigen Roman vorgelegt, dessen Handlungsverlauf ich von der ersten bis zur letzten Seite in atemloser Spannung gefolgt bin.
    Die Protagonisten haben mir mit ihren vielschichtig angelegten Charakteren sehr gut gefallen. Lady Blythe, die noch in einer anderen Zeit lebt, und mit den Veränderungen nicht zurechtkommt, fand ich genauso glaubwürdig dargestellt wie ihren Sohn. Nicholas Blythe leidet unter einer schweren Kriegsneurose, die ihn unfähig macht, sein Erbe zu verwalten. Thomasine erweist sich nach anfänglicher Orientierungslosigkeit als willensstarke Frau, die sich sehr um das Gut ihres Mannes bemüht. Daniel Gillory entwickelt sich ebenfalls zu einer sehr interessanten Figur, an deren Schicksal ich großen Anteil genommen habe.
    Unbedingt sollen aber auch die dargestellten Pächter und Dorfbewohner Erwähnung finden, die in ihrem Lebensumfeld mit all ihren Sorgen und der Mühsal ihrer Tage sehr authentisch beschrieben werden. Unglaublich lebendig und anschaulich schildert die Autorin aber auch das raue Land in dem die Geschichte großteils spielt. Die tiefe Verbundenheit der Hauptfiguren zu den Fenlands führt Judith Lennox ihren Lesern berührend und realistisch zugleich vor Augen.
    Nicht nur die Handlung, die durchgehend spannend bleibt und keine Längen aufzuweisen hat, vermochte mich zu begeistern, mir hat auch der flüssige und mitreißende Erzählstil sehr gut gefallen. Den Lebensweg der Protagonisten fand ich sehr glaubwürdig dargestellt, alle gefundenen Lösungen liegen für mich im Bereich des Möglichen und sind logisch ohne weiteres gut nachvollziehbar.
    Mit dem herrlichen Schmöker rundum einverstanden, vergebe ich gerne die volle Punktezahl und kann eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen, obwohl der Roman schon einige Jährchen vorzuweisen hat.


    5ratten:tipp:

    Allerdings wird jetzt wiederum viel Zeit vergehen, dass ich mich auf "Die Betrogene" ... einlasse

    "Die Betrogene" hat mir auch nicht so gefallen, aber ich lese alles von Charlotte Link, komm einfach an keinem ihrer Bücher vorbei.

    Sicher ist nicht alles gleich gut, das wäre ja gar nicht möglich.

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    Worum es geht
    In den 1920-er Jahren folgt die junge Engländerin Gwendolyn Hooper ihrem Ehemann Laurence auf dessen Teeplantage nach Ceylon, die sich bereits seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindet. Gwen gefällt es in ihrer neuen Heimat vom ersten Augenblick an, lediglich ihre Schwägerin Verity, die sehr an ihrem Bruder hängt, stört das junge Glück durch ihre permanente Anwesenheit.
    Über den Tod seiner ersten Frau und des gemeinsamen Sohnes breitet Laurence zwar einen undurchdringlichen Mantel des Schweigens, doch freut er sich sehr, als Gwen möglicherweise sogar Zwillinge erwartet.
    Bei der Geburt wird Gwen mit einer entsetzlichen Wahrheit konfrontiert, die nicht nur ihr Lebensglück zu zerstören droht.


    Meine Meinung

    Eine große Liebe vor exotischer Kulisse, Verzweiflung, Misstrauen, Verrat und eine alte Schuld sind die Hauptzutaten dieser Geschichte , aus denen Dinah Jefferies einen wunderbaren Roman gezaubert hat. Die Autorin hat äußerst glaubwürdige, lebendige Figuren geschaffen und mich mit ihren hinreißenden Landschaftsbeschreibungen vollkommen gefesselt. Realistisch schildert sie Gwens anfängliche Schwierigkeiten auf der Plantage ihres Mannes Fuß zu fassen und ihre Position zu festigen. Obwohl sich das Ehepaar in aufrichtiger Liebe zugetan ist, bleiben kleine Eifersüchteleien durch ihr Gesellschaftsleben nicht aus, lassen die Verbindung aber umso lebensechter erscheinen. Gwen kümmert sich nicht nur um den Haushalt, sie nimmt auch an den Lebensumständen der Plantagenarbeiter großen Anteil, und versucht ihren Mann zu manchen Verbesserungen zu bewegen.
    Richtig spannend wird die Geschichte aber erst mit der Geburt der Zwillinge. Gwens Verstörung und ihre Handlungsweise waren für mich logisch völlig nachvollziehbar. Unwillkürlich wird sich jeder Leser fragen, wie er selber in dieser Situation reagiert hätte, und wird unter Berücksichtigung der verzweifelten Lage wohl auch keine bessere Lösung anzubieten haben.
    Neben der spannenden Handlung lässt die Autorin aber auch aktuelle Ereignisse einfließen, wie etwa die große Wirtschaftskrise Anfang der 1930-er Jahre oder die sozialen Spannungen zwischen den Engländern und der einheimischen Bevölkerung.
    Sehr gut hat mir auch die Auflösung aller Rätsel und Geheimnisse gefallen, die mir nicht im mindesten an den Haaren herbeigezogen erscheinen. Die Ursache allen Unglücks liegt in diesem Fall - aus welchen Gründen auch immer - in allzu großer Verschwiegenheit und falsch verstandener Diskretion.
    Nicht nur inhaltlich, auch stilistisch hat mir der Roman sehr gut gefallen, da Dinah Jefferies nicht nur mitreißend und spannend zu erzählen versteht, sondern sich auch einer gewählten Ausdrucksweise bedient.
    Purer Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite.


    5ratten:tipp:

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    Worum es geht
    In den 1920er Jahren hat Fanny keine Lust im Familienbetrieb weiterhin unmoderne Kleidung zu produzieren. Lieber will sie versuchen, sich ihren Traum von einer Karriere als Modeschöpferin in Paris zu erfüllen.
    Zwanzig Jahre später kämpft Fannys Tochter Lisbeth in Frankfurt in der harten Nachkriegszeit nicht nur um ihre eigene Existenz, sondern auch um das Überleben des Betriebes.
    Zu Beginn der 1970er Jahre wartet noch einmal eine schwere Probe auf das Familienunternehmen. Nun steht Fannys Enkelin Rieke vor großen Herausforderungen.


    Meine Meinung
    Mit dem vorliegenden Roman hat die Autorin eine zweifellos gute und vielversprechende Idee denkbar schlecht umgesetzt.
    Die Protagonisten sind derart realitätsfern dargestellt, dass sie eher seltsamen Märchenfiguren gleichen als Menschen aus Fleisch und Blut. Am wenigsten konnte ich mit Fanny und deren Lebenseinstellung anfangen. Dass eine junge Frau in den schweren Zeiten nach dem 1. Weltkrieg ihren Mann sang- und klanglos verlässt, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. In Paris bewegt sie sich wie eine Schattenfigur, abgehoben von allen Nöten und Existenzsorgen. Dabei hätten Fanny und ihre Tochter Lisbeth, die schwere Zeiten erlebt hatten und viele Enttäuschungen hinnehmen mussten, wunderbare Protagonistinnen werden können, wenn sich die Autorin ernsthaft mit ihren Charakteren und ihrem Lebensumfeld auseinandergesetzt hätte. Am besten hat mir noch Fannys Enkelin Rieke gefallen, die in den 1970er Jahren aus ihrer Hausfrauenrolle auszubrechen versucht.
    Der Handlungsverlauf konnte mich überhaupt nicht mitreißen. Die einzelnen Kapitel über die drei Frauen sind jeweils so lang und langweilig, dass ich den Anschluss an den vorhergehenden Stand der Dinge bereits wieder verloren hatte. Die Kapitel wirken zudem seltsam zerrissen, die Figuren verlieren sich in oberflächlichem Geschwafel und nerven mit dümmlichem Humor. Der Autorin gelingt es nicht einmal ansatzweise die vielfältigen Probleme der harten Zwischen- und Nachkriegszeit mit ihren Alltagsnöten und Existenzsorgen in eine authentische, interessante Geschichte zu verpacken. So bekommt der Leser kein Gefühl für die Zeit, in der der Roman spielt – und das Modehaus spielt kaum eine Nebenrolle.
    Dazu kommt noch ein äußerst seltsamer Stil, der wohl humorvoll sein soll, aber ganz und gar nicht zum ernsten Inhalt passt.
    Aus den drei Handlungssträngen auf unterschiedlichen Zeitebenen ist leider alles andere als ein authentischer, mitreißender Roman geworden, der mich zu keinem Zeitpunkt überzeugen konnte.


    1ratten:flop:

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    Originaltitel: Come Sundown


    Worum es geht
    Heimlich verlässt die 18-jährige Alice ihre elterliche Ranch in Montana, um Schauspielerin zu werden. Als sie sich drei Jahre später ihr Scheitern eingestehen muss, macht sie sich auf den Heimweg, wird dort aber nie ankommen. Da sie niemand von ihrer bevorstehenden Ankunft informiert hat, wird sie auch nicht als vermisst gemeldet.
    Erst 26 Jahre später sollte das Rätsel um Alice gelöst werden.


    Meine Meinung
    Mit diesem Buch hat Nora Roberts einen ganz und gar ungewöhnlichen Roman vorgelegt, der mich von der ersten bis zur letzten Minute völlig gefesselt hat. Bereits der Einstieg mit den in der Vergangenheit liegenden Ereignissen ist äußerst spannend, steht aber im krassen Gegensatz zum eher gemächlich geschilderten Alltag auf der Longbow Ranch.
    In epischer Breite beschreibt die Autorin den Alltagsbetrieb auf der Farm mit angeschlossenem Resort für Reit- und Abenteuerurlaube. Der Hörer lernt nicht nur die zahlreichen Familienmitglieder kennen, sondern auch die Angestellten einschließlich aller möglichen Probleme, die die Chefin Bodine Longbow tagtäglich zu bewältigen hat. Wer sich davon nicht irritieren lässt, wird sämtliche Protagonisten in ihren Haupt- und Nebenrollen jedoch sehr bald ins Herz schließen, vor allem aber großen Anteil an Alices Schicksal nehmen. Charakterlich hat Nora Roberts ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet, ihnen Individualität und Persönlichkeit verliehen, sodass sich der Hörer sehr gut in sie hineinversetzen, mit ihnen leiden, hoffen und bangen, manche davon aber auch abgrundtief verabscheuen kann. Sehr gut hat mir gefallen, wie warmherzig die Autorin den starken familiären Zusammenhalt des vier Generationen umfassenden Familienbetriebes darstellt, in den sich der Hörer im Verlauf der Handlung unweigerlich integriert fühlt.
    Gefreut hat mich auch, dass das Liebesleben der Hauptakteure relativ unkompliziert verläuft, Dramatik wird andernorts ausreichend geboten.
    Viele Szenen sind so lebendig geschildert, dass man sie wie einen Film vor dem geistigen Auge ablaufen sieht. Einer gewissen Wildwestromantik kann sich der Hörer bei der Beschreibung fantastischer Sonnenuntergänge, lassoschwingender Cowboys und so mancher Abrechnung in Form heftiger Prügeleien kaum entziehen.
    Mir hat der Wechsel der Erzählperspektive zwischen dem relativ unbeschwerten Leben auf der Longbow Ranch und Alices schwerem Los sehr gut gefallen. Auch die Zusammenführung beider Handlungsstränge ist äußerst gut gelungen und sehr glaubwürdig dargestellt.
    Vanida Karuns Vortragsweise hat mir ebenfalls gut gefallen. Sie liest einfühlsam und voller Wärme, passt Intonation und Tempo dem Handlungsverlauf vortrefflich an. Durch ihre angenehme Stimme verleiht sie dem Roman eine ganz besondere Atmosphäre, die den Hörer unweigerlich gefangennimmt.
    Für viele Stunden bester Unterhaltung kann es nur die volle Punktezahl geben und natürlich eine unbedingte Leseempfehlung.


    5ratten:tipp: