Beiträge von Herzblatt

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Vielleicht blättere ich mal in ihnen

    Ich hab sie mir aus der Bücherei geliehen, für mich aber nichts Brauchbares gefunden, weil ich halt überall mein eigenes System habe.


    dass sie den Besitz vieler Bücher tadelt.

    Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Für mich sind sie Teil meines Hauses, meiner Art zu leben, da ließe ich mir auch nie etwas anderes einreden.

    Und zum Unverständnis meines Stiefsohnes werden es auch immer mehr. Der gute Knabe kann ebenfalls nicht verstehen, dass sich ein Mensch gerne mit Büchern umgibt. Er hat in seiner Wohnung dafür viele Fitnessgeräte, die ich persönlich weit nicht so schön finde, wie meine Bücher. :boxen:

    "Zeit ist das Wertvollste, was ein Mensch besitzt"

    Ja, da stimme ich dir voll zu. Das war für mich auch der Grund, mich vor 4 Jahren für die Altersteilzeit zu entscheiden.

    Wenn ich jetzt an wunderschönen Vormittagen meine Runden in Wald und Feld drehe, kann alles Geld der Welt mir nicht die Sonne, den Gesang der Vögel und die Freiheit all das zu tun, ersetzen. Ich hab diese Entscheidung noch keinen Augenblick bereut und freue mich schon total auf den Pensionsantritt im September 2021.

    Für 2020 hab ich mir vorgenommen, dass die alten Bücher runter müssen vom SuB.

    Nach dem Roman "Am Strand von Deauville" von Judith Lennox, das mich gar nicht recht begeistern konnte, versuch ich es mal mit dem.

    Der Anfang hat mir schon mal ganz gut gefallen.


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    Worum es geht

    Auf Sommerfrische in Deauville verliebt sich die behütete Poppy in den Vagabunden Ralph Mulgrave. Sie heiratet ihn Hals über Kopf, und führt mit ihm und ihren drei Kindern ein unstetes Leben zwischen Italien und Frankreich. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges müssen die Mulgraves nach England zurückkehren. Die älteste Tochter Faith arbeitet als Ambulanzfahrerin in London und kümmert sich aufopfernd um die Verletzten. Hier trifft sie Guy wieder, den sie liebt, seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hat. Doch Guy ist mittlerweile verheiratet und hat einen kleinen Sohn.


    Meine Meinung

    Judith Lennox gehört zu den Autorinnen, deren Bücher ich sehr gerne lese, und auch den Klappentext fand ich recht ansprechend. Der Anfang des Romans hat mir zwar gut gefallen, doch so richtig habe ich in die Geschichte im weiteren Verlauf nicht hineingefunden. Dem unsteten Leben der Mulgraves, in dem es an jeglicher Spannung fehlt, konnte ich leider gar nichts abgewinnen.
    Mir waren die Protagonisten allesamt nicht sonderlich sympathisch, keiner hat mich mit seiner Persönlichkeit zu überzeugen vermocht. Von den Kindern der Mulgraves hat mir die älteste Tochter Faith noch am besten gefallen. Wenigstens versucht sie sich eine stabile Existenzgrundlage zu schaffen, während ihre jüngeren Geschwister Jake und Nicole dem unsteten Lebenswandel, den sie aus dem Elternhaus kennen, treu bleiben. Überhaupt ist Ziel- und Planlosigkeit das Grundthema dieses Romans, der mir erst gegen Ende wieder etwas besser gefallen hat.
    Im übrigen plätschert die Geschichte ohne besondere Höhepunkte vor sich hin, und konnte mich auch mit keinen aufregenden Überraschungen aus meiner Leselethargie reißen.
    Obwohl mich das Buch inhaltlich nicht begeistern konnte, fand ich es stilistisch recht gut, unbedingt gelesen haben muss man es meiner Meinung nach aber nicht.


    3ratten


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    Worum es geht

    Posy Montague hatte im "Admiral House", das sich seit Generationen im Familienbesitz befindet, bis zum Tode ihres Vaters eine glückliche Kindheit verbracht. Schöne Erinnerungen verbinden sie mit dem alten Haus, doch fällt der rüstigen Dame der Erhalt des herrschaftlichen Anwesens zunehmend schwerer. Für die nötigen Renovierungsarbeiten fehlt das Geld, und auch Posys Söhne verfolgen andere Ziele.
    Da taucht kurz vor Posys 70. Geburtstag deren alte Jugendliebe auf, Freddie, der sie vor 50 Jahren von einem Tag auf den anderen ohne weitere Erklärung verlassen hatte. Als sich die Nebel der Vergangenheit lichten, wird auch Posys gegenwärtiges Leben noch einmal gehörig auf den Kopf gestellt.


    Meine Meinung

    Mit dem „Schmetterlingszimmer“ hat Lucinda Riley einen großartigen Roman vorgelegt, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, doch nimmt der Handlungsstrang aus der Vergangenheit weit weniger Raum ein als der gegenwärtige. Geschickt verbindet die Autorin Posys Kindheit und Jugend mit der Gegenwart, wobei es ihr hervorragend gelingt, die Spannung von Anfang bis Ende nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern im Verlauf der Geschichte sogar noch zu steigern.
    Die Protagonisten fand ich allesamt interessant, glaubwürdig und charakterlich vielschichtig dargestellt. Große Gefühle kommen ebenso wenig zu kurz wie große Geheimnisse, doch wirkt die Handlung trotz aller dramatischen Ereignisse sehr lebendig und lebensecht. Dem Leser bereitet es absolut keine Mühe, mit den Hauptakteuren mitzufühlen, mitzurätseln und mitzufiebern.
    Eine besonders liebenswerte Erscheinung ist Posy, die mit ihrer herzlichen Art und praktischen Lebenseinstellung sofort meine Sympathien gewonnen hat. Aber auch ihre bedauernswerte Schwiegertochter Amy, gefangen in einem Gefühlschaos, schwankend zwischen Pflicht und Leidenschaft, hat mir sehr gut gefallen. Die starken familiären, vielfältig verflochtenen Beziehungen vermitteln dem Leser ein Gefühl von Wärme und Lebensfreude, die auch Schicksalsschläge auszuhalten und mitzutragen vermögen. Mich hat die positive Grundstimmung sehr angesprochen, da sie auch für die "Problemkinder" des Romans Lösungen anzubieten hat. Mit der realistischen Auflösung aller Rätsel und sämtlicher Geheimnisse war ich ebenfalls sehr zufrieden, sodass mir nicht der kleinste Kritikpunkt einfallen will.
    Gerne habe ich mich von Lucinda Rileys fantasievoller Erzählung und ihrem packenden Stil mitreißen lassen, und hatte am Ende der Geschichte das Gefühl, sämtliche Protagonisten persönlich kennengelernt zu haben. Unterhaltsame Lesestunden und herrliches Kopfkino sind bei diesem Buch garantiert, dafür ein herzliches Dankeschön an die Autorin!


    5ratten:tipp:

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    Worum es geht

    Aminata und ihr Mann haben ihr Land verlassen, um in Paris ein besseres Leben führen zu können. Für die junge Frau hat sich jedoch nichts geändert. Noch immer trägt sie die Burka, noch immer trifft ihr Mann alle Entscheidungen allein.
    Da entdeckt sie eines Tages ein bezauberndes rotes Kleid im Schaufenster einer Boutique. In Aminata erwacht der Wunsch, es zu besitzen, zu tragen, und sich endlich einmal frei zu fühlen. Als ihr zufällig ein Buch von Kant in die Hände fällt, bittet sie ihre Tochter, es ihr heimlich vorzulesen - und eine unglaubliche Geschichte nimmt seinen Anfang.


    Über die Autorin
    Das Motto Lamia Berrada-Bercas, der Tochter eines Marokkaners und einer Französin mit schottisch-afrikanischen Wurzeln, stammt von Cioran: „Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache.“ In ihren preisgekrönten Romanen erkundet sie neben den Gefühlswelten ihrer Figuren auch die Herausforderungen, die sich uns durch die Emanzipation und unsere Freiheit als Individuum stellen. Lamia Berrada-Berca setzt sich zudem seit Jahren mit großem Elan für Frauenrechte ein.


    Meine Meinung

    "Sie wachsen auf und lernen zu existieren, ohne in Erscheinung zu treten." Mit diesen Worten ist das Leben der Frauen in Aminatas Kultur beschrieben, doch für die junge Frau hat sich auch in Paris nichts geändert. Sie muss ihrem Mann gehorchen, die Burka tragen, darf nichts Neues ausprobieren, und fühlt sich sehr einsam. Doch ein rotes Kleid in einer Boutique und ein Buch von Kant auf der Türschwelle der Nachbarwohnung bringen eine Lawine ins Rollen. "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", diese Worte Kants, vorgelesen von ihrer kleinen Tochter, und das rote Kleid, versteckt in einem Kochtopf, sind der Auslöser für Aminata, sich Schritt für Schritt von den Fesseln der Traditionen zu befreien, in denen sie gefangen ist.
    Den Beginn ihres Aufbruchs darf der Leser in diesem schmalen Büchlein miterleben, das in einer wunderschönen, geradezu poetischen Sprache von einer stillen Rebellion erzählt. Die junge Frau hat keine Schulausbildung erhalten, ist den Launen ihres Ehemannes ausgesetzt, und doch kann nichts und niemand ihren Gedanken Einhalt gebieten. Mit Aminata hat die Autorin eine äußerst sympathische Erscheinung geschaffen, die beseelt ist von der tiefen Sehnsucht nach Wissen, nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben.
    Einziger Wermutstropfen an dieser herzerwärmenden Geschichte ist die Tatsache, dass sie viel zu kurz ausgefallen ist. Als der interessante Nachbar ins Spiel kommt und Aminata beschließt, ihr rotes Kleid zu tragen, wenn sie ihre Tochter am nächsten Tag zur Schule bringt, ist das Buch auch schon zu Ende. Nur zu gerne hätte ich gewusst, ob diese bewundernswerte junge Frau zumindest einen Teil ihrer Träume verwirklichen konnte, gerne hätte ich sie noch viel länger auf ihrem Weg begleitet.
    Und genauso gerne empfehle ich diese kleine Kostbarkeit allen Lesern, die in die Gefühlswelt dieser erstaunlichen Frau eintauchen und sich für einige Stunden in ihren Sehnsüchten und Träumen verlieren möchten.


    5ratten:tipp:

    Worum es geht

    Der Fabrikantensohn Georg Breitenbach hat sich in Colorado mit einer Tochterfirma der väterlichen Schuhfabrik als Unternehmer bewährt. Ihm fehlt zwar noch die passende Ehefrau, doch Georg genießt das Leben in vollen Zügen, und liebt nichts so sehr wie die Musik. Seine Schwester Rosa und Schwager Wendelin bewirtschaften mit Hingabe ihr eigenes Land. Auch sie haben in der Fremde eine neue Heimat gefunden, obwohl die einheimische Bevölkerung den weißen Siedlern großteils feindlich gegenübersteht.
    Als Hermann Breitenbach stirbt, will Georg nach Deutschland zurückkehren, um seinen Bruder Theodor zu unterstützen. Und auch die wirtschaftliche Entwicklung gibt Anlass zu einiger Sorge.


    Meine Meinung

    Den zweiten Teil der Breitenbach-Saga habe ich mit großen Erwartungen zu lesen begonnen, doch haben sich meine Hoffnungen auf charakterlich gereifte Protagonisten und eine inhaltliche Spannungssteigerung leider nicht erfüllt.
    Georg Breitenbach konnte ich mir als erfolgreichen Unternehmer überhaupt nicht vorstellen, und auch sein Bruder legt mit fortschreitendem Alter recht infantile Züge an den Tag. Die Figuren waren mir insgesamt zu oberflächlich und viel zu sehr aus moderner Sicht dargestellt. Weiße Siedler wie Rosa und Wendelin haben sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im harten Existenzkampf sicher nicht um die indigene Bevölkerung gesorgt, sondern ihre eigenen Interessen verfolgt. Ebenso unrealistisch kamen sie mir als Ehepaar vor, das sich in der Mühsal des Alltags stets in unendlicher Liebe zugetan ist. Keine Ehekrise, kein harsches Wort, etwas mehr Mühe hätte ich mir in dieser Hinsicht schon erwartet, ebenso wie in der seltsamen Beziehung zwischen Georg und Theodor. Deren Entzweiung war für mich logisch beim besten Willen nicht nachvollziehbar.
    Gewiss hatte die Autorin viele Ideen gesammelt, jedoch kein bündiges Gesamtkonzept entwickelt. Vielfältige Probleme werden nur kurz angerissen, um sich alsbald ohne komplexe Ausarbeitung in Wohlgefallen aufzulösen. Etwas Spannung und Dramatik hätte dem Roman sicher gut getan, während ohne diese Zutaten nur ein laues Geschichtchen daraus geworden ist, von einer Familiensaga nach meinen Vorstellungen jedenfalls meilenweit entfernt.
    Stilistisch konnte dieser zweite Teil den ersten zwar übertreffen, inhaltlich hat er mich leider gar nicht zu überzeugen vermocht, und wird deshalb auch mein letzter gewesen sein.


    2ratten


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    Worum es geht

    In den 1880-er Jahren schickt der Berliner Schuhfabrikant Hermann Breitenbach seinen jüngeren Sohn Georg nach Colorado. Dort soll er das in Schwierigkeiten geratene deutsche Unternehmen durch die Gründung einer Tochterfirma absichern. Georgs Schwester Rosa nutzt diese Gelegenheit um sich ihren Traum von einem selbstbestimmten Leben zu erfüllen. Sie will in der Fremde eigenes Land bewirtschaften und für die Kinder der Einwanderer eine Schule aufbauen. Auf dem Weg ins Ungewisse werden die Geschwister vom treuen Hausangestellten Wendelin begleitet, der vor allem Rosa im harten Existenzkampf unterstützen soll.
    In der Heimat kämpfen der Fabrikbesitzer und sein älterer Sohn Theodor unterdessen nicht nur gegen die skrupellosen Machenschaften eines erpresserischen Konkurrenten, auch das Privatleben des jungen Breitenbach ist heftigen Turbulenzen ausgesetzt.


    Meine Meinung

    Der vorliegende Roman, der eine spannende Familiengeschichte verhieß, hat mir am Anfang recht gut gefallen. Im weiteren Verlauf der Handlung musste ich zu meinem Bedauern jedoch feststellen, dass es dem Buch am gewissen Etwas fehlt.
    Die Ereignisse um die Schuhfabrik Breitenbach in Berlin konnten mich nicht recht begeistern, am interessantesten fand ich noch Theodors Ehe- und Liebesleben. Umso mehr habe ich mir von Georgs und Rosas Auswanderung erhofft, wurde aber auch bei diesem Szenario von meinen Erwartungen enttäuscht. Den Handlungsstrang um Tante Funnys Erbe hätte ich überhaupt nicht vermisst, wenn die anfänglichen Schwierigkeiten, mit denen die Geschwister zu kämpfen hatten, intensiver beschrieben worden wären. Vom Aufbau der Tochterfirma erfährt man im Detail so gut wie gar nichts, und auch Rosas abenteuerliches Unterfangen wäre noch ausbaufähig gewesen. Nach meinem Geschmack ist alles irgendwie zu glatt verlaufen, mir fehlte Dramatik und Spannung an allen Ecken und Enden.
    Zwischen den Protagonisten und meiner Wenigkeit bestand ebenfalls eine unüberwindliche Distanz. Deren charakterliche Ausarbeitung fand ich nicht überwältigend, mitleiden und mitfiebern war deshalb nur bedingt möglich. Vor allem Georg Breitenbach ist eine sehr blasse Erscheinung geblieben.
    Einzig und allein die auf einem realen Vorbild basierende Figur der Kutschen-Mary (wie das Nachwort verrät) wird als sehr originelle Person dargestellt, die uns ruhig noch länger hätte begleiten oder öfter begegnen dürfen. Gut beschrieben fand ich auch die Strapazen der Überfahrt, die Beschreibung der unwirtlichen Gegend, in der sich Rosa und Wendelin niederlassen, aber auch Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft der Siedler, ohne die kein Überleben möglich wäre.
    Stilistisch hat mir der Roman vor allem am Anfang nicht so gut gefallen, im weiteren Verlauf hat sich die Schreibweise jedoch verbessert. Besonders stören mich Wortwiederholungen in aufeinanderfolgenden Sätzen, und auch an einigen Formulierungen hätte noch gefeilt werden können.
    Dennoch möchte ich wissen, wie sich das weitere Schicksal der Familie Breitenbach gestaltet, weshalb ich auch den Folgeband lesen werde.


    3ratten


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    Worum es geht

    Prag in den 1930-er Jahren. Zwischen dem Medizinstudenten Josef und Lenka, einer Freundin seiner Schwester, bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an. Als die Zeiten für die jüdische Bevölkerung zunehmend unsicherer werden, heiratet das junge Paar, und bereitet mit den Eltern die Auswanderung nach Amerika vor.
    Durch unglückliche Umstände wird Josef von seiner Frau getrennt, und Lenka nach Theresienstadt deportiert. Ein ganzes Leben lang glaubt jeder der beiden Ehepartner, dass der andere den Krieg nicht überlebt hätte, bis sie sich 60 Jahre später in New York zufällig wiedersehen.


    Meine Meinung

    Mit diesem Roman hat die Autorin ein wunderbares Buch über eine große Liebe in einer schrecklichen Zeit vorgelegt. Josef und Lenka sind von Anfang an die Sympathieträger, deren Schicksal sicher niemanden unberührt lässt, doch auch Eltern und Freunde werden sehr authentisch dargestellt. Als Leser nimmt man regen Anteil an den Repressalien, die das Leben der Juden in Prag immer unerträglicher macht. Berührend schreibt Alyson Richman von großen Zukunftsplänen, enttäuschten Hoffnungen, unfassbaren Grausamkeiten, aber auch von Hilfsbereitschaft, Loyalität, Durchhaltevermögen und der Macht der Liebe.
    Der Aufbau des Romans mit wechselnder Erzählperspektive hat mir sehr gut gefallen. Gefühlvoll, und doch in einer sehr eindringlichen Sprache lässt die Autorin ihre Leser am Unvorstellbaren teilhaben. Viele Details künden von intensiver Recherche, interessant auch die Rolle, die die Kunst in Theresienstadt als Zeichen des Widerstandes spielte.
    Die Handlung erschien mir von Anfang bis Ende sehr durchdacht und war logisch zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehbar. Packend erzählt, habe ich mich vom Strom der Ereignisse mitreißen lassen, und war vom Schicksal der hervorragend dargestellten Figuren sehr bewegt. Gerne gebe ich für diesen berührenden Roman die volle Punktezahl.


    5ratten


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    Worum es geht

    In den Wirren des Spanischen Bürgerkrieges verlässt der junge Medizinstudent Víctor Dalmau seine Heimat auf der Flucht vor Francos Truppen. Mit Roser, der schwangeren Verlobten seines gefallenen Bruders, wandert er nach Chile aus. Der engagierte Mediziner und die begabte Pianistin gehen eine Vernunftehe ein und bauen sich im fremden Land eine gemeinsame Existenz auf.
    Jahrzehnte später zwingt die politische Situation die Dalmaus abermals, sich für eine neue Wahlheimat zu entscheiden.


    Meine Meinung

    Mit ihrem neuesten Buch hat Isabel Allende einen großartigen Roman vorgelegt, der mich von der ersten bis zur letzten Minute zu begeistern vermochte.
    Die Protagonisten hat die Autorin äußerst vielfältig und vielschichtig angelegt, und auch jenen Figuren, die keine Hauptrolle spielen, viel Aufmerksamkeit gewidmet. Weit entfernt von den üblichen Klischees stellt sie deren Stärken und Schwächen sehr authentisch dar. Aber auch die Beziehung zwischen Roser und Víctor ist keine alltägliche. Aus der Not geboren und doch von großem Respekt getragen, ist es ein weiter Weg, den die beiden nicht nur räumlich, sondern auch emotional zurücklegen müssen. Unterschiedliche Affären und der Glaube an die große Liebe bis zur Erkenntnis der reifen Jahre bestimmen Leben und Schicksal dieses ungewöhnlichen Paares.
    Am besten hat mir jedoch gefallen, mit welch erzählerischer Leichtigkeit Isabel Allende die persönliche Geschichte ihrer Protagonisten mit den großen weltpolitischen Ereignissen verbindet. Sehr gut fügen sich auch die historischen Figuren wie Pablo Neruda, Salvador Allende oder die Schweizerin Elisabeth Eidenbenz ins Geschehen. Nichts wirkt konstruiert oder unglaubwürdig, da es die Autorin hervorragend verstanden hat, ihre Fantasie mit der Realität in bewundernswerten Einklang zu bringen.
    Die Sprecherin Wiebke Puls hat den Figuren mit ihrer angenehmen Stimme zusätzlich Leben eingehaucht. Ihrem gefühlvollen und doch völlig unaufgeregtem Vortrag habe ich sehr gerne zugehört. Ein gewisses Maß an Konzentration ist aufgrund des zahlreichen Romanpersonals und der komplexen Handlung allerdings erforderlich, um den roten Faden nicht zu verlieren.
    Isabel Allende hat in ihrem Roman nicht nur eine fesselnde Familiengeschichte erzählt, sondern auch den vielen Bürgerkriegsopfern und weltweit politisch Verfolgten mit ihren detaillierten Schilderungen von erlittener Grausamkeit und Unterdrückung ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. Darüber hinaus versteht sie es hervorragend, über historische Tatsachen so spannend zu berichten, dass sie damit sicher nicht nur mein Interesse geweckt hat.
    Nach einigen mittelmäßigen Büchern ist der Autorin mit diesem Roman wieder ein ganz großer Wurf gelungen, der mich sowohl inhaltlich als auch stilistisch vollkommen überzeugt hat.


    5ratten

    Worum es geht

    Knittlingen im Kraichgau, 1486:
    Nach dem Tod der Mutter muss Johann Georg Gerlach den Hof seines Stiefvaters verlassen. Da er sich von Kindheit an für Gaukler und ihre Kunststücke interessierte, beherrscht er zum Glück einige Zaubertricks mit deren Vorführung er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Doch schon bald macht Johann, der wegen der besonderen Sternenkonstellation zu seiner Geburt Faustus, der Glückliche, genannt wird, die Erfahrung, dass das Reisen ohne Begleitung rasch gefährlich werden kann. Als er vom Spielmann und Wahrsager Tonio del Moravia aus einer brenzligen Situation gerettet wird, bleibt er als dessen Lehrling bei ihm. Johann lernt zwar viel von seinem Meister, doch beschleicht ihn zunehmend das Gefühl, dass Tonio mit dunklen Mächten im Bunde steht. Schließlich sucht der Jüngling sein Heil in der Flucht, doch Johanns Suche nach dem, was die Welt im Innersten zusammenhält, hat gerade erst begonnen.


    Meine Meinung

    Im Nachwort berichtet der Autor von der Faszination, die die Figur des Dr. Faust seit seiner Jugend auf ihn ausübte, und welche Ereignisse und Zufälle ihn zum vorliegenden Roman inspirierten. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch ist Oliver Pötzsch dieser Aufgabe meiner Meinung nach großartig gerecht geworden.
    Die Protagonisten passen in ihrer charakterlichen Ausarbeitung ganz hervorragend in die Zeit um 1500. Sie wirken realistisch, aber dennoch geheimnisvoll, und symbolisieren treffend den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Aberglaube und Vernunft, zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Sehr interessant fand ich es, Johanns Persönlichkeitsentwicklung vom naiven Bauernsohn zum Magister und Magier mitzuverfolgen, sein Streben nach Wissen, seinen Kampf um Liebe und Freundschaft, sein Scheitern und seine Siege.
    Oliver Pötzsch versteht wunderbar flüssig zu erzählen, Spannung zu erzeugen und Neugier auf den Fortgang der Geschichte zu erwecken.
    Die Beschreibung der Landschaft durch die Faust reist, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Man kann sich das Leben der einfachen Menschen bildhaft vorstellen, ihre Begeisterung, wenn fahrendes Volk auftaucht, das ihren eintönigen, oft sorgenvollen Alltag unterbricht, sie unterhält oder ihnen sogar einen Blick in die Zukunft gewährt. Die Einsamkeit der waldreichen Landstriche wird für den Leser genauso spürbar wie der Lärm, der Schmutz und der Gestank in den Städten.
    Von den ersten Seiten an hat mich die Geschichte gefesselt, und ich bin Johann in neugieriger Erwartung nur zu gerne auf seinem Weg gefolgt. Meiner Meinung nach hat der Autor aus dem uralten Fauststoff einen wunderbar unterhaltsamen Roman gemacht, und seine ganz eigene Geschichte zu den ewig gleichen Fragen geschrieben, die uns seit Menschengedenken bewegen.
    Auf den zweiten Teil, der einen fulminanten Abschluss erwarten lässt, darf man durchaus gespannt sein.


    5ratten


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    Worum es geht
    In Scarborough sind mehrere Mädchen verschwunden. Während eines tot aufgefunden wird, taucht ein anderes unversehrt wieder auf, weigert sich aber, über ihre Erlebnisse zu sprechen.
    Detective Chief Inspector Caleb Hale steht vor einem - wie es scheint - unlösbaren Rätsel. Er soll den Täter möglichst schnell finden, um weiteres Unglück zu verhindern, weiß aber nicht einmal, ob die Fälle überhaupt zusammenhängen. Und auch seine Kollegin aus London, Detective Sergeant Kate Linville, die sich aus privaten Gründen in der Gegend aufhält, macht dem Inspector Sorgen. Sie neigt dazu, sich in Fälle einzumischen, die außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches liegen.


    Meine Meinung
    Eines der spannendsten Bücher, die ich in letzter Zeit gehört habe, ist ganz gewiss dieser Kriminalroman von Charlotte Link. Von den ersten Minuten an versteht es die Autorin ihre Hörer im Strudel der Ereignisse mitzureißen. Atemlos folgt man den Geschehnissen, um tief in die Abgründe der menschlichen Seele einzutauchen. Die psychische Verfassung von Opfern und Täter wird akribisch durchleuchtet, wobei schwierige Jugendliche und deren familiäres Umfeld im Mittelpunkt der Geschichte stehen.
    Charlotte Link hat ihren Roman meiner Meinung nach äußerst raffiniert angelegt, die Handlung ist sehr komplex und verschachtelt aufgebaut. Dabei lockt sie ihre Hörer geschickt auf etliche falsche Fährten. Kaum meint man auf der richtigen Spur zu sein, überrascht die Autorin mit neuen Entwicklungen.
    Aber auch die in den Fall involvierten Polizisten fand ich sehr real dargestellt. Caleb Hale ist eine im Kampf gegen seine noch nicht gänzlich überwundene Alkoholsucht ungemein sympathische Figur. Aber auch Kate Linville vermochte mich in ihrer Rolle als "graue Maus" zu überzeugen. Eine Polizistin, die für ihren schwierigen Job wohl den richtigen "Riecher" hat, im Privatleben aber keine Erfolgserlebnisse verzeichnen kann, muss ja nicht vor Selbstbewusstsein strotzen. Diese Darstellung finde ich nicht unglaubwürdig, zumal Kate ja seit Jahren Sehnsucht nach einer stabilen Partnerschaft hat.
    Besonders unheimlich fand ich die Szenen, in denen der Täter den Hörer an seiner Sicht der Dinge teilhaben lässt. An dieser Stelle sei auch die Sprecherin, die Schauspielerin Claudia Michelsen, mit ihrer angenehmen und unaufdringlichen Vortragsweise erwähnt. Da der Roman schon genügend Spannungspotential enthält, fand ich die unaufgeregte Stimme von Frau Michelsen sehr passend.
    Für ihre unerschöpfliche Fantasie und die glänzende Ausarbeitung dieses Romans verdient Charlotte Link höchstes Lob. Mein Eindruck ist, dass sich die Erfolgsautorin beim Schreiben viel Mühe gegeben und sich sowohl mit der Handlung als auch den Protagonisten intensiv auseinandergesetzt hat. Aus einem relativ unspektakulären, schon oft strapazierten Thema versteht sie eine unheimlich spannende Geschichte zu machen, und dieses hohe Niveau durchgehend aufrecht zu halten. Eine Begabung, die sie toll umsetzt, und damit für beste Unterhaltung sorgt.


    5ratten :tipp:

    Worum es geht
    Hamburg im Sommer 1900: Der Reedersohn Gustav Clausen soll sich auf der Überfahrt nach New York mit der 17-jährigen Helena van der Haard verloben. Doch kaum angekommen, bricht im Hafen ein Feuer aus, bei dem die junge Braut und ihr Dienstmädchen allen Vermutungen nach umkommen. Nur Helenas jüngere Schwester Anni ist überzeugt davon, dass die schmerzlich Vermisste noch am Leben ist.
    Jahre später sieht sie in einer Zeitung zufällig ein Foto von Helena, doch unter dem Bild steht ein falscher Name.

    Hamburg 2017: Jonas Clausen muss nach dem unerwarteten Tod seines Vaters die Reederei übernehmen und feststellen, dass die Firma kurz vor der Insolvenz steht. In alten Firmenpapieren findet er einen Hinweis auf ein größeres, noch unangetastetes Vermögen, das in einer New Yorker Bank hinterlegt sein soll.
    Die Amerikanerin Amely Thompson will sich mit ihrer Geschäftsidee selbständig machen und bittet ihre Eltern um finanzielle Unterstützung. Amelys Mutter hat in einem geerbten Rezeptbuch ebenfalls Unterlagen gefunden, die Rückschlüsse auf ein Golddepot zulassen. Diese Chance will Amely keinesfalls ungenutzt verstreichen lassen, und trifft bei ihren Recherchen auf Jonas Clausen.


    Meine Meinung
    Die Idee zu diesem, auf zwei Zeitebenen angesiedelten Roman hat mir sehr gut gefallen. Der in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang überzeugt durch lebensechte Charaktere und einen spannenden Verlauf. Helena entstammt zwar einem reichen Elternhaus, dennoch ist sie sehr praktisch veranlagt. Diese Eigenschaft kommt ihr sicher bei ihrem harten Existenzkampf in New York zugute. Dass sie aus Angst vor einer unglücklichen Ehe mit einem ungeliebten Mann diesen steinigen Weg gewählt hat, ist ebenfalls nachvollziehbar. Auch ihre Schwester Anni fand ich sehr sympathisch. Leider hat die Autorin ihren Lebensweg weniger intensiv ausgearbeitet, und sich dafür mehr der Gegenwart gewidmet.
    Jonas Clausen und Amely Thompson wären als Protagonisten meiner Meinung nach entbehrlich gewesen. Ihre Rollen fand ich sehr konstruiert, und zu beiden Figuren fehlte mir der rechte Zugang. Dass sie beide zur selben Zeit auf alte Dokumente mit den entsprechenden Hinweisen auf eine Geldanlage stoßen, könnte man zur Not ja noch hinnehmen. Allerdings hätte die Autorin diesen Handlungsstrang dann auch weiter ausbauen und dem Roman etliche Seiten hinzufügen müssen. Fast scheint es, als wären ihr an dieser Stelle die Ideen ausgegangen. Wie haben sich Jonas und Amely im Hinblick auf ein Vermögen, das für beide sehr wichtig war, verhalten? Leider hat Linda Belago dieses Thema nicht weiterverfolgt, und es an einem spannenden Finale mit unerwarteten Wendungen gänzlich fehlen lassen.
    Lange wird mir diese Geschichte zwar nicht in Erinnerung bleiben, dennoch war sie recht nett zu lesen.


    3ratten


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    Originaltitel: A Half Forgotten Song


    Worum es geht

    Nach der Trennung von seiner Frau wendet sich Zach, Betreiber einer wenig erfolgreichen Kunstgalerie, endlich wieder einem seiner vernachlässigten Projekte zu. Für sein Buch über den Maler Charles Aubrey möchte er weitere Einblicke in dessen Leben und Werk gewinnen. In der Hoffnung, noch Unbekanntes über den von ihm verehrten Künstler zutage zu fördern, reist er für seine Recherchen nach Dorset.
    Hier hatte der Maler mit seiner Familie in den 1930-er Jahren mehrere Sommer verbracht, und viele seiner bedeutendsten Bilder geschaffen. Sein bevorzugtes Modell war ein Mädchen aus dem Dorf, Dimity Hatcher, Mittie, die sich mit seinen beiden Töchtern angefreundet hatte.
    Zu Zachs eigener Verwunderung lebt die nun 87-jährige Mittie bei bester Gesundheit immer noch in ihrem Cottage, und ist sogar bereit, mit dem jungen Mann über Charles Aubrey zu sprechen. Im Laufe der Zeit vertraut sie Zach Unglaubliches an, Geheimnisse, die jahrzehntelang in ihrem Innersten verschlossen blieben.
    Auch das Verhalten von Mitties Nachbarin Hannah, zu der sich Zach sehr hingezogen fühlt, gibt ihm immer wieder Rätsel auf. Doch Zach ist entschlossen, endlich die ganze Wahrheit ans Tageslicht zu bringen.


    Meine Meinung

    Im Gegensatz zu anderen Meinungen vermochte mich Katherine Webb mit ihrer Geschichte von Anfang an vollkommen zu fesseln. Möglicherweise liegt eine Ursache dafür auch in der Vortragsweise der Sprecherin Anna Thalbach, die mit ihrer ausdrucksvollen Stimme auch über weniger ereignisreiche Passagen hinwegträgt und Langeweile erst gar nicht aufkommen lässt.
    Der Autorin ist es meiner Meinung nach hervorragend gelungen, die beiden Zeitebenen, auf denen sie ihre Geschichte spielen lässt, miteinander zu verbinden, wobei mir der in der Vergangenheit angesiedelte Handlungsstrang weit besser gefallen hat als der gegenwärtige.
    Ganz großartig zeichnet Katherine Webb ihre Figuren, schildert sie so realistisch und lebendig, dass ich sie alle bildlich vor mir sehen konnte. Die Charakterisierung der Protagonistin Dimity Hatcher ist ihr hervorragend gelungen. Sowohl als junges Mädchen als auch als alte Frau ist mir selten eine Hauptfigur untergekommen, die mir so von Herzen unsympathisch war wie diese Mittie. Wie sie sich immer mehr in das Leben der Familie Aubrey drängt und sich in eine Zukunft hineinträumt, die jeder realen Grundlage entbehrt, konnte ich mir nur mit ihrer lieblosen Kindheit erklären. Ihre verzweifelte Sehnsucht nach Zuwendung, nach Liebe und Geborgenheit rechtfertigt natürlich nicht, wozu sie sich schließlich hinreißen lässt, und doch will mir kein anderes Motiv dafür einfallen. Mit der schmuddeligen alten Frau, die blutige Rinderherzen in den Kamin hängt und sich ihrer roten Handschuhe wohl niemals entledigt, konnte ich erst recht nicht sympathisieren.
    Und doch bezeugen gerade solche facettenreiche Charaktere mit ihren wenig liebenswerten Eigenschaften in meinen Augen das große schriftstellerische Talent der Autorin. Dazu gehört auch Mitties Mutter, die als Wahrsagerin, Kräuterfrau und Prostituierte ein kärgliches und freudloses Dasein fristet.
    Umso deutlicher konnte Katherine Webb den Kontrast zur Familie des Malers Charles Aubrey herausarbeiten. Seine Lebensgefährtin Celeste ist eine marokkanische Schönheit, die für den Geliebten alles aufgegeben hat. Aber auch ihren beiden behüteten und wohlerzogenen Töchtern ist sie eine liebevolle und fürsorgliche Mutter. Und selbst für die kleine Dimity, die Charles so gerne zeichnet, hegt sie zärtliche Gefühle, bis sie erkennen muss, in welchen Wahn sich die Heranwachsende zunehmend hineinsteigert.
    Viel Herz legt Katherine Webb aber auch in so manche ihrer Nebenfiguren. Mitties einziger Verehrer, ein alter Schulfreund, der sie seit Kindertagen liebt, und der sie gerne geheiratet hätte, hat mir in seiner schüchternen Anhänglichkeit und lebenslangen Treue sehr gut gefallen.
    Mich konnte der Roman sowohl inhaltlich als auch sprachlich völlig überzeugen. Flüssig geschrieben, eignet er sich nicht nur zum Selberlesen, sondern ist auch als Hörbuch der reinste Genuss.
    Dass die Autorin am Ende ihrer Geschichte vielleicht mit des Rätseln Lösungen eine Spur zu dick aufgetragen hat, kann meine Begeisterung nicht dämpfen. Allein für so viel Fantasie muss es schon die volle Punktezahl geben. Davon abgesehen ist die Umsetzung einer bezaubernden Idee wirklich hervorragend gelungen, und ich durfte mich für 16 Stunden 41 Minuten in ganz andere Zeiten und Welten entführen lassen.

    Besonders berührt hat mich der letzte Satz, der in Anlehnung an Charles häufige Aufforderung zu verstehen ist, Mittie solle in einer bestimmten Position verharren, damit er sie so zeichnen könne: „‘Mittie, nicht bewegen!‘ Und das tat sie auch nicht, nicht einmal um zu atmen.“

    Nicht zuletzt möchte ich noch einmal die beeindruckende Leistung der Sprecherin Anna Thalbach hervorheben. Sie versteht es nicht nur großartig, den Figuren durch ihr Intonation zusätzliches Leben einzuhauchen, sondern auch Lesetempo und Stimmlage den jeweiligen Erfordernissen des Textes hervorragend anzupassen.


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    Worum es geht
    Der 6-jährige Max Berkhoff will nur rasch über die Straße zu einer Freundin laufen, kommt dort aber nie an. Ob auch er Opfer des bereits inhaftierten Kindermörders Guido Tramnitz geworden ist, bleibt ungewiss, da der Tatverdächtige schweigt. Die Ehe der Eltern zerbricht an der belastenden Situation, Till Berkhoff verliert seine Arbeit und setzt schließlich alles auf eine Karte, um sich Gewissheit zu verschaffen. Mit Hilfe seines Schwagers, des Polizisten Skania, lässt er sich in die Psychiatrische Abteilung einschleusen, in der Tramnitz einsitzt. Und damit beginnt ein Albtraum für den verzweifelten Vater.


    Meine Meinung
    Die Idee zu diesem Thriller fand ich sehr gut, und Sebastian Fitzek ist es auch gelungen, mich von der ersten bis zur letzten Minute mit seiner unglaublichen Geschichte zu fesseln. Es gibt zwar Gewaltszenen, die für mich nahe an die Grenze des Erträglichen gingen, doch hat der Autor immer wieder für ausgleichende Szenen gesorgt, die dem Hörer kurze Atempausen gönnen. Zu Beginn des Romans sind mir sogar einige humorvolle Formulierungen aufgefallen, die Fitzeks schwarzen Humor verraten. Sicher sind manche Figuren relativ oberflächlich ausgefallen, vielleicht gibt es auch einen Hauch zu viel an Intrigen, Korruption und sonstigen Bösartigkeiten, aber im Großen und Ganzen bin ich damit ganz gut zurechtgekommen.
    Sebastian Fitzeks Stil hat mich ebenfalls sehr angesprochen, die Geschichte wird rasant erzählt, die Handlung energisch vorangetrieben, und der Schlussteil hat mich auch noch mit einer gänzlich unerwarteten Wendung überrascht. Die Auflösung sämtlicher Rätsel und Verwirrungen war für mich logisch durchaus nachvollziehbar, und es sind auch keine Fragen offengeblieben - für mich immer ein wichtiges Bewertungskriterium.
    Beeindruckt von der Fantasie des Autors, dem gelungenen Aufbau des Buches, der schlüssigen Lösung und dem hervorragenden Vortrag des Sprechers Simon Jäger, möchte ich eine unbedingte Hörempfehlung für diesen Thriller abgeben.


    4ratten

    Worum es geht

    Spanien im 14. Jahrhundert: Bernat Estanyol flieht mit seinem kleinen Sohn Arnau vor seinem brutalen Grundherrn nach Barcelona, um nach einem Jahr und einem Tag die Freiheit zu erlangen. Doch auch danach wird Bernats Leben von harter Arbeit bestimmt, während Arnau bereits als Halbwüchsiger als Lastenträger schuften muss. Erst durch seinen mutigen Einsatz als Lebensretter gelangt er bereits in jungen Jahren zu Wohlstand. Schließlich steht sogar der König durch Arnaus ebenso klugen wie kühnen Schachzug in einer kriegerischen Angelegenheit in dessen Schuld. Doch der Lohn, den er dafür erhält, bedingt auch seinen tiefen Fall, der ihn sogar vor das Inquisitionsgericht führen sollte.


    Meine Meinung

    Mich hat das breitangelegte Historienepos von der ersten bis zur letzten Seite total begeistert. Großartig recherchiert, mit viel Liebe zum Detail, schildert der Autor die harten Lebensbedingungen im mittelalterlichen Spanien, die von Armut, Ausbeutung, Krankheit und Krieg dominiert wurden. Umso verständlicher ist die tiefe Religiosität, die die Menschen jener Zeit erfüllte, die ihnen Halt und Sinn gab, und sie unter unvorstellbaren Mühen steinerne Wunderwerke wie die Kathedrale Santa Maria del Mar errichten ließ.
    Die gut ausgearbeiteten charakterlichen Stärken und Schwächen verleihen den Protagonisten Individualität, weshalb der Leser mit den lebensecht und glaubwürdig wirkenden Figuren unweigerlich mitleiden und mitfiebern kann. Überraschend positiv ist mir aufgefallen, dass es für Arnau zwar mehrere Frauen, aber nicht die eine, einzige und große Liebe gibt. Die vorliegende Konstruktion hat mir deshalb so gut gefallen, weil sie der Lebenswirklichkeit vor 600 Jahren näher gekommen sein wird, als jede noch so romantisch ausgedachte Liebesgeschichte.
    Auch die Darstellung des politischen Hintergrundes jener Zeit wird nur soweit thematisiert, als sie für das Verständnis verschiedener Ereignisse und Zusammenhänge unbedingt erforderlich ist. Den Abschluss seines großen Romanepos hat der Autor ebenfalls grandios gemeistert und ein stimmiges, logisch nachvollziehbares Finale vorgelegt, das keine Fragen offen lässt.


    5ratten


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    Worum es geht

    Christmas Luminita wächst zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Sohn einer Prostituierten in New York auf. Von Kindheit an hat er gelernt, zwischen Zuhältern und Jugendbanden auf den Straßen der Lower East Side zu überleben, und seinen angeborenen Charme erfolgreich einzusetzen. Als der Teenager die schwerverletzte Ruth Isaacson vor dem sicheren Tod rettet, spürt er, dass er das Mädchen gefunden hat, für die sich der Kampf um ein besseres Leben lohnt.


    Meine Meinung

    Anfangs hat mich der Roman mit seiner brutalen Sprache aus dem Ganovenmilieu gar nicht sonderlich angesprochen, doch bald begann mich die Geschichte von Christmas und seiner aus dem tiefsten Süden Italiens stammenden Mutter Cetta in ihren Bann zu ziehen. Mir haben sämtliche Protagonisten in ihren Haupt- und Nebenrollen recht gut gefallen, weil Luca Di Fulvio sie oft mit nur wenigen Federstrichen sehr authentisch zu zeichnen versteht. Unweigerlich sieht man die Figuren wie Kinohelden aus Gangster- und Ganovenfilmen vor sich. Einige Szenen sind zwar sehr brutal beschrieben, doch schlägt der Autor immer wieder ausgleichende und versöhnliche Töne an, wohl um zartbesaitetere Leser nicht zu vergrämen. Die sich entwickelnde Unterhaltungsbranche mit Radio und Fotografie wurde ebenfalls recht gekonnt in die Handlung eingeflochten.
    Die Liebesgeschichte zwischen Christmas und Ruth war mir von Anfang an doch etwas zu romantisch, dennoch ist sie so packend erzählt, dass ich mich davon gerne mitreißen ließ. Über die eine oder andere Schwäche habe ich einfach hinweggesehen, und stattdessen die fantasievolle Ausarbeitung bewundert. Mich hätte auch interessiert, wie Cetta ihr Leben in der neuen Heimat gemeistert hat, doch verschwindet sie relativ sang- und klanglos aus dem Geschehen. Für Ruths Peiniger hingegen, den ehemaligen Gärtner und späteren sadistischen Pornodarsteller Bill Hofflund, hätte das Finale gar nicht dramatisch genug sein können.
    Im großen und ganzen hat mir der Roman aufgrund seines flüssigen Erzählstils und der abwechslungsreichen Handlung doch recht gut gefallen.


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    Worum es geht

    Anlässlich ihres 49. Geburtstages bekommt Rosemarie Sommer eine Reise nach Sri Lanka geschenkt. Dort verliebt sie sich Hals über Kopf in den gutaussehenden Singhalesen Kasun, der dem Alter nach ihr Sohn sein könnte. Rosemarie setzt alles daran, den jungen Mann nach Deutschland zu holen, damit er hier arbeiten und seine Familie in der Heimat unterstützen kann.
    Doch werden die hochfliegenden Pläne des ungleichen Paares der Realität standhalten, sind sie ein taugliches Projekt für die Zukunft?


    Meine Meinung
    Eigentlich kann man gar nicht glauben, dass diese Geschichte auf Tatsachen beruht, und wäre sie erfunden, müsste man sie wohl als unglaubwürdig abtun.
    Die Autorin hat mich mit ihrer flüssigen, humorvollen Erzählweise jedoch von Anfang an in ihren Bann gezogen, und auch Rosemarie war mir gleich sympathisch. Wer wollte der tüchtigen, mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau einen romantischen Urlaubsflirt nach langen Jahren der Einsamkeit auch missgönnen. Für Rosemarie sollte daraus jedoch viel mehr werden.
    Überzeugend konnte Hera Lind ihren Lesern das Vertrauen ihrer Protagonistin in die große Liebe ihres Lebens, ihr Mitgefühl für die schwierigen Lebensumstände von Kasuns Familie und das Ausschalten aller Zweifel und Ängste nahebringen. Mit fortschreitender Handlung verstärkte sich mein Gefühl, dass Rosemarie ihrem Angebeteten in wahrer und selbstloser Liebe zugetan war. Sicher könnte man ihr Verhalten naiv und dumm nennen, ihre Zukunftspläne als wenig durchdacht und irreal bezeichnen. Und doch schwingt in all ihren Handlungen so viel positive Energie mit, dass man sie für den Sprung ins eiskalte Wasser nur bewundern kann. Sehr erfreulich habe ich auch empfunden, dass sie ihren Glauben und ihr Vertrauen in Kasun trotz aller finanziellen Probleme, trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten nie ganz verloren hat, und ohne Bitterkeit auf diesen Abschnitt ihres Lebens zurückblickt.
    Kasuns Reaktionen sind zwar nicht immer nachvollziehbar, und doch muss man auch seine Seite zu verstehen versuchen. Er ist ohne ausreichende Sprachkenntnisse in ein ihm völlig fremdes Land und einen ganz anderen Kulturkreis gekommen, hat sich seiner "Rose" ebenfalls auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Trotz der Eheschließung war auch seine Zukunft noch längst nicht abgesichert, werden auch in ihm Zweifel genagt haben, ob er sich auf seine Angetraute tatsächlich verlassen kann. Wie immer wieder angeklungen ist, fühlte er sich durch seine dominante Frau oft in seinem Stolz verletzt, war zwischen der Sorgepflicht für seine Familie in der Heimat und der Loyalität zu Rosemarie hin- und hergerissen.
    Diese breite Palette menschlicher Leidenschaften und Gefühle hat Hera Lind in ihrem wunderschönen Roman ganz und gar eindrucksvoll dargestellt und für ihre Leser großartig aufbereitet. Für mich ist dieses Buch ein einziges Plädoyer für die Liebe, und auch dafür, dass alles Gute und Positive eines Tages seinen Weg zum Absender zurückfindet.
    Bewundernswert finde ich vor allem aber, dass sich die Protagonistin mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit gewandt hat, und uns an diesem Abschnitt ihres Lebens teilnehmen ließ.

    Für so viel Mut und diese gefühlvoll erzählte Geschichte gibt es von mir gerne die volle Punktezahl.


    5ratten


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