Beiträge von Herzblatt

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Worum es geht

    Als Gesellschaftsdame begleitet die junge Witwe Caitriona Wallace ihre Schützlinge James und Alice Arrol auf einer mehrmonatigen Europareise. Zu Beginn des Jahres 1886 lernen sie in Paris den Ingenieur Émile Nouguier kennen, unter dessen Leitung gerade die Fundamente für eine vieldiskutierte Stahlkonstruktion gelegt werden. Jamie ist von den Plänen zum Bau des Eiffelturms so begeistert, dass er unbedingt daran mitarbeiten möchte.
    Ein Jahr später kehrt er mit seiner Schwester Alice und Cait als Begleiterin nach Paris zurück, um sich an der Errichtung des höchsten Bauwerkes der Welt zu beteiligen. Außerdem wäre Alice eine gute Partie für Nouguier, doch dessen Herz schlägt nicht nur für seine Arbeit, sondern auch für Cait.


    Meine Meinung

    Was für eine wunderschöne Idee, den Bau des Eiffelturms als Grundlage für einen historischen Roman zu verwenden und mit einer zarten Liebesgeschichte zu verweben, so mein erster Gedanke nach dem Lesen des Klappentextes. Das ansprechende Cover hat sicher dazu beigetragen, mich für das Buch zu entscheiden, und auch der Anfang hat mir sehr gut gefallen. Ein schottisches Geschwisterpaar befindet sich im ausgehenden 19. Jahrhundert mit seiner Anstandsdame auf der Grand Tour. In Paris schweben James und Cait in einem Heißluftballon über die riesige Baustelle und treffen auf einen der Konstrukteure des gewagten Entwurfs, Émile Nouguier. Aus dieser Begegnung entstehen weitere Pläne, die Hoffnungen auf eine spannende Geschichte erwecken. Bedauerlicherweise hat die Autorin die zweifellos guten Ansätze nicht weiterverfolgt.
    Die Charaktere sind relativ schwach ausgearbeitet, sodass sich keine besonderen Sympathieträger herausgebildet haben. Dabei hätten Alice und James Arrol meiner Meinung nach sehr viel Potential für eine dynamische Entwicklung der Handlung geboten. Beide sind jung, unüberlegt und vergnügungssüchtig, womit für ausreichend Konfliktstoff zwischen ihnen und ihrer besonnenen Begleiterin gesorgt wäre. Die Liebesbeziehung zwischen Émile und Cait ist mir ebenfalls viel zu unspektakulär verlaufen. Die anfänglich zarte Entwicklung hat mir zwar gut gefallen, doch hätte sie nach diesem Anlauf eine kräftige Prise an Würze vertragen.
    Außerdem hätte ich mir viel mehr Informationen über die Errichtung des berühmten Stahlgerüstes und seine genialen Konstrukteure erwartet. Dass der Entwurf für den Eiffelturm von Maurice Koechlin und Émile Nouguier stammt, ist aus dem Roman ebenfalls nicht klar hervorgegangen. Auch technische Daten, detaillierte Berichte über die Bauarbeiten, über Arbeitsunfälle oder Proteste gegen die Errichtung hätte man als interessante Beiträge im Buch verarbeiten können.
    Enttäuschend fand ich auch das Ende der Geschichte, von der ich mir einen fulminanten Abschluss mit dem Eiffelturm im Zentrum als das Symbol für die ewige Liebe erwartet habe.
    Stilistisch hat mir der Roman ganz gut gefallen, inhaltlich hätte er sehr viel mehr Möglichkeiten geboten als die Autorin genutzt hat. Letzten Endes hatte ich nur das schale Gefühl, nicht das farbenprächtige Epos aus dem Zeitalter der Industrialisierung geboten bekommen zu haben, mit dem ich zu Beginn gerechnet hatte, und auch keine packende Liebesgeschichte zum Mitleiden und Mitfiebern.


    3ratten

    Worum es geht
    Im idyllischen norwegischen Küstenstädtchen Åsgårdstrand bereiten sich die Bewohner wie jedes Jahr auch 1893 auf das Eintreffen ihrer Sommergäste vor. Die Familie Lien überlässt ihr Haus dem Maler Hans Heyerdahl, und schickt ihre Tochter Johanne, die sich bisher mit dem Erdbeerpflücken ein Zubrot verdient hatte, als Dienstmädchen zu Admiral Ihlen. Dessen jüngste Tochter Tullik freundet sich bald mit Johanne an, und hält sie sehr zum Missfallen der anderen Hausangestellten häufig von ihren Pflichten ab.
    Gegen den Willen ihrer Eltern verbringen die beiden Mädchen viel Zeit bei Edvard Munch, dem verrückten Künstler, dessen Bilder für die Einheimischen eine ständige Provokation darstellen. Die 16-jährige Johanne kennt Munch schon von Kindesbeinen an und darf sich in seinem Atelier sogar an einem eigenen Werk versuchen. Tullik hingegen lässt sich auf eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit dem Maler ein, dem einst ihre ältere Schwester Milly das Herz gebrochen hatte.


    Meine Meinung
    Mit ihrem Buch hat Lisa Stromme einen wunderschönen Roman vorgelegt, der seine Leser mit einer kraftvollen, poetischen Sprache von Anfang an ihren Bann zieht.
    Die Protagonisten weisen individuell ausgearbeitete Charaktereigenschaften auf, wobei mir Johanne besonders gut gefallen hat. Sie wird als sehr bodenständig dargestellt, dennoch besitzt sie eine große Begabung für das Zeichnen und Malen, sowie ein tiefes, nicht erlernbares Kunstverständnis. Ihre Gefühle bringt sie mit Farben in Verbindung, vernimmt aber auch Geräusche aus Munchs Bildern, sieht sie fast als lebendige, fühlende Wesen. Dennoch geht sie mit ihrem Freund, dem Fischer Thomas gern zum Tanzen und überlegt ganz nüchtern, ob sie mit ihm, der von Kunst nicht das geringste versteht, als Ehemann auch glücklich werden könnte.
    Dieser Aspekt der Geschichte hat mir besser gefallen als die Liebesgeschichte, die sich zwischen der leicht zur Dramatik neigenden Tullik und dem schwierigen Edvard Munch entwickelt, einem Maler, der eigentlich nur eine Geliebte hat - seine Kunst.
    Die Autorin schildert aber auch den Sommer in Åsgårdstrand in so kräftigen Farben, dass man die Wärme, den Duft des Waldes, der Früchte, der Gräser und Blumen in ihrer ganzen Pracht und Fülle nicht nur zu sehen, sondern auch zu spüren und riechen vermeint.
    Eine rasant erzählte Geschichte mit sich steigernder Spannung und unerwarteten Wendungen darf sich der Leser zwar nicht erwarten, und doch nimmt man regen Anteil am Geschick der Figuren (und der Bilder), hofft, leidet und bangt mit ihnen. Vor allem aber konnte mich der Roman stilistisch mit seiner wunderbaren Sprache bezaubern.
    Im Nachwort erzählt Lisa Stromme sehr ausführlich und detailreich, wie sie sich zu ihrem Buch inspirieren ließ, welche Nachforschungen sie angestellt hat, welche Personen frei erfunden sind und wer tatsächlich (außer den genannten Künstlern) gelebt hat. Sehr passend fand ich auch, dass die Autorin den einzelnen Kapiteln Farbbezeichnungen bzw. andere Begriffe aus der Malerei zugeordnet hat.
    Wer sich gerne einmal in Åsgårdstrand tummeln und seine interessanten Bewohner kennenlernen möchte, dem sei dieser außergewöhnliche Roman wärmstens ans Herz gelegt.


    5ratten


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    Worum es geht
    Die 19-jährige Elisabeth Bergmann stammt aus einfachen Verhältnissen, möchte sich aber nicht wie ihre Schwester Maria den Launen eines trunksüchtigen Ehemannes ausliefern müssen. Lieber nimmt sie die schlecht bezahlte Stelle einer Krankenwärterin an der Berliner Charité an, um sich mit der schweren Arbeit auch ein Stück Unabhängigkeit zu sichern.
    Elisabeths Umsicht bei der Pflege der Patienten und ihr reger Verstand machen den Chirurgen Johann Friedrich Dieffenbach auf die junge Wärterin aufmerksam. Er betraut sie mit zusätzlichen verantwortungsvollen Aufgaben, fördert ihre Wissbegier und ermutigt sie zum selbständigen Denken.
    Der Subchirurg Alexander Heydecker hingegen sieht sich bei seiner Arbeit vor allem mit Elisabeths Widerspruchsgeist konfrontiert, doch ist der junge Mann nicht nur von ihrer Intelligenz fasziniert.
    Doktor Dieffenbach ist nach der Scheidung von seiner ersten Gattin mit Alexanders Schwester Emilie zwar wieder glücklich verheiratet, doch gelingt es ihm nicht, die schöne und geistreiche Gräfin Ludovica von Bredow völlig aus seinen Gedanken zu verbannen. Häufig wird er an das Bett ihres hypochondrischen Ehemannes gerufen, für Ludovica ein willkommener Anlass, demjenigen nahe zu sein, der auch ihr Herz höher schlagen lässt.


    Meine Meinung
    In ihrem bemerkenswerten Roman befasst sich Ulrike Schweikert mit den Anfängen der modernen Medizin, der wissenschaftlichen Erforschung von Krankheiten und ihrer operativen Behandlung.
    Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Arzt Johann Dieffenbach (1792 - 1847), dem bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Chirurgie zu verdanken sind. Schielenden Patienten konnte Dieffenbach mit seinen spektakulären Operationen ebenso helfen wie solchen mit Schiefhälsen oder Klumpfüßen. Nie hätte ich vermutet, dass die Anfänge der plastischen Chirurgie bereits in den 1830-er Jahren liegen, doch dürfte es damals viele Gesichtsmissbildungen in Form von Hasenscharten und Wolfsrachen gegeben haben. Unvorstellbar, dass alle Operationen ohne Narkose stattfinden mussten, lag doch die (zufällige) Entdeckung für einen schmerzfreien chirurgischen Eingriff noch in weiter Ferne.
    Besonders gut hat mir gefallen, dass der Hörer auch viel Wissenswertes über den schwierigen Beginn der professionellen Krankenpflege erfährt. Mir war nicht bekannt, dass die Krankenwärter aus den untersten gesellschaftlichen Schichten stammten, und es überhaupt keine Ausbildung gab. Im Grunde waren sie nicht mehr als die Bewacher der Patienten, und verrichteten darüber hinaus nur niedrige Hilfsdienste. Welch unglaublichen Imagewandel dieser Berufsstand erfahren hat, ist mir erst durch diese Lektüre bewusst geworden.
    Darüber hinaus war ich auch über den damals gänzlich anderen hierarchischen Aufbau sowohl der klinischen als auch personellen Strukturierung erstaunt.
    Die hier geschilderten großartigen medizinischen Leistungen und Errungenschaften versteht Ulrike Schweikert sehr geschickt in eine fesselnde Geschichte zu verpacken. Die Charaktere haben mich samt und sonders fasziniert, allen voran Elisabeth, eine kluge und umsichtige junge Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Sie verliebt sich zwar in Alexander Heydeckers blaue Augen, doch als er die Charité verlässt, verfällt sie nicht in Melancholie oder läuft ihm gar kopflos hinterher, sondern trifft selbstbewusst ihre weiteren Entscheidungen.
    Ganz hingerissen war ich auch von Doktor Dieffenbachs (sicher weitgehend erfundenem) Privatleben, das in der zarten Romanze mit Ludovika einen durchaus glaubhaften Höhepunkt erfährt. Obwohl ihm mit Emilie ein glückliches und erfülltes Familienleben beschieden ist, fühlt er sich auch zur charmanten Gräfin hingezogen. Sie interessiert sich nicht nur für die Leiden seiner Patienten, sondern unterstützt seine Arbeit auch finanziell äußerst großzügig. Dennoch könnte es für beide mehr sein als nur eine platonische Verbindung, mehr als reine Seelenverwandtschaft. Eine Möglichkeit, die mir durchaus realistisch erscheint.
    Der Anfang des Romans stellt hinsichtlich der beschriebenen Krankheitsbilder, deren Behandlungsmethoden, aber auch im Hinblick auf die hygienischen Verhältnisse für empathische Gemüter sicher eine gewisse Herausforderung dar. Doch wer durchhält, und auch Heinrich Heines (kurze) Erwähnung von Tierversuchen überstanden hat, wird mit einer beeindruckenden Geschichte belohnt.
    Charaktervolle, glaubwürdige Protagonisten lassen den Hörer an ihrem Schicksal lebhaften Anteil nehmen. Lebendige Figuren mit den unterschiedlichsten Träumen, Ängsten und Sehnsüchten, geplagt von Zweifeln, Missgunst und Neid, aber auch fähig zu Liebe und Hilfsbereitschaft sind mir in diesem großartigen Roman entgegengetreten. Dieffenbachs operative Erfolge und Rückschläge werden ebenso packend geschildert wie das Alltags- und Gefühlsleben der Haupt- und Nebendarsteller.
    Beeindruckt von ihrer hervorragenden Recherchearbeit konnte mich die Autorin auch stilistisch vollkommen überzeugen.
    Die Vortragsweise der Sprecherin Beate Rysopp hat mir ebenfalls gut gefallen. Ihre Intonation fand ich sehr ausdrucksvoll, und ihre leicht dunkel gefärbte Stimmlage passt ganz ausgezeichnet zum Inhalt des Buches.
    14 Stunden 38 Minuten habe ich mich bestens unterhalten, und konnte mir ganz nebenbei viel neues Wissen aneignen. Sehr interessant fand ich auch die zusätzlichen Informationen, die dem Hörer im Epilog vermittelt werden.
    Die Autorin hat den schwierigen Anfängen in der modernen Medizingeschichte, den Patienten, Ärzten, Krankenwärtern, aber auch den vielen Opfern, die der Fortschritt verlangte, mit ihrem Roman ein beeindruckendes Denkmal gesetzt, dem ich ganz viele Hörer (& Leser) wünsche.
    Für mich war diese Geschichte ganz großes Kino! Chapeau, Frau Schweikert!


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    Worum es geht
    Die "Casa Celestina" ist ein altes Haus in Paris mit vielen charmanten Details, das jeden Besucher mit seiner heimeligen Atmosphäre verzaubert. Außer dem Kater Jean-Pierre dürfen aber nur Frauen im "Haus der Glückseligkeit" leben, selbst Handwerkern und männlichen Verwandten ist der Zutritt verboten.
    So verlangt es die Besitzerin, "die Königin", eine ehemalige Prima Ballerina, deren große Zeit längst vorbei ist. Der Bewohnerin der ersten Etage, Giuseppina, kann das nur recht sein, da ihr Leben stets von Männern dominiert wurde, vom Vater, den Brüdern, vom Ehemann. Aber auch Rosalie und Simone hatten kein Glück mit dem anderen Geschlecht. Nur Juliette, die während der Abwesenheit ihrer Freundin Carla für ein paar Monate deren Wohnung gemietet hat, glaubt ganz fest an die große Liebe - und plötzlich werden Männer wieder zum Hauptgesprächsthema im Haus ohne Männer.


    Meine Meinung
    Mit diesem Buch hat Karine Lambert einen wunderschönen Roman über die Liebe vorgelegt, oder besser gesagt, über deren Fehlen im Leben fünf ganz unterschiedlicher Frauen. Mir hat die Charakterisierung der Protagonistinnen sehr gut gefallen, da ich allesamt sehr realistisch dargestellt fand.
    Die alternde Diva, die sich auch mit 75 Jahren noch nicht damit abgefunden hat, dass der einstige Ruhm verblasst und die Bewunderer verschwunden sind, kann man letzten Endes nur bedauern. Es ist immer traurig, wenn Menschen an einer Profession so sehr haften, dass sie im Alter keinen anderen Sinn mehr finden können.
    Die frühere Marketingfachfrau und jetzige Yogalehrerin Rosalie trauert immer noch um ihre erste und einzige Liebe, die wort- und grußlos aus ihrem Leben gegangen ist, und die Übersetzerin Simone hatte einfach immer nur Pech mit den Männern, von denen sie sich eine stabile Partnerschaft erwartete.
    Karine Lambert schreibt unglaublich einfühlsam über unerfüllte Hoffnungen, über enttäuschte Sehnsüchte und verletzte Gefühle. Rückzug vom anderen Geschlecht ist die Devise dieser Frauen, die wohl stellvertretend stehen für alle, die ihre Träume allzu oft wie Seifenblasen zerplatzen sahen. Bei einer der häufigen Diskussionen mit Juliette gewährt Simone tiefe Einblicke in ihre wahren Empfindungen:
    „Man kann die Liebe nicht ersetzen, man ersetzt die Illusionen, die Erwartungen, die Turbulenzen, die Abhängigkeit, die Enttäuschungen, die Paartherapien und die Leere durch angenehme Dinge, die in Reichweite sind."
    Trotz aller Bemühungen scheint keine der Frauen durch die Wahl einer Lebensform ohne Männer wirklich glücklich zu sein. Unterschwellig klingt immer wieder die Sehnsucht nach einem Partner an, mit dem man das Leben teilen kann.
    Im Gegensatz zu ihren Mitbewohnerinnen hat Juliette den Männern keineswegs abgeschworen. Ihre verzweifelte Suche nach dem Richtigen fand ich sehr berührend, manchmal vielleicht sogar etwas übertrieben, aber für eine Frau um die Dreißig auch nur zu verständlich. Die biologische Uhr tickt bereits, wobei sich in Juliettes Fall auch noch ein riesiges Liebesdefizit aus der Kindheit gesellt. Ihre Lebenseinstellung kann ich ganz und gar nachvollziehen:
    „Eines Tages werdet ihr es bereuen, wenn ihr alt und grau seid, vor dem Kaminfeuer sitzt und euch eine Hand fehlt, die ihr halten könnt."
    Wie sehr es im Untergrund, sprich in den tiefsten Tiefen der Seelen brodelt, zeigt sich an einem Ausbruch Giuseppinas, nachdem sie ein Gläschen zuviel getrunken hat. Sie ist ohnehin wütend auf Juliette, die so offen auf Männersuche ist, und durch den Alkohol enthemmt, schreit sie durchs ganze Haus, dass auch sie der Liebe nicht abgeschworen habe, sondern dass die Liebe sie einfach nicht finden wolle.
    Eindrucksvoll, berührend und zeitweilig humorvoll erzählt die Autorin von den geheimen Wünschen und Sehnsüchten dieser Frauen, die alle eines gemeinsam haben, die Hoffnung auf ein erfülltes Leben mit dem richtigen Mann an ihrer Seite.
    Nicht nur inhaltlich, auch sprachlich fand ich den Roman sehr gelungen. Die Geschichte wird flüssig erzählt, und ist angenehm anzuhören.
    Die Sprecherin Katrin Fröhlich hat ihre Sache ebenfalls sehr gut gemacht, und den verschiedenen Charakteren durch ihre lebhafte Vortragsweise zusätzliches Charisma verliehen. Eine Szene, in der sich Juliette mit einem ihrer potentiellen Traummänner zu einem Badeausflug aufmacht, ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben. Die Umständlichkeit mit der die Badesachen nach einer genau festgelegten Reihenfolge ins Auto gepackt und dann doch noch einmal ausgepackt werden, wie getankt und ein Parkplatz gesucht wird, hat Katrin Fröhlich mit einem derart trockenen Humor gelesen, dass man unwillkürlich lachen muss.
    Die Grundstimmung des Romans ist dennoch eine eher nachdenkliche, werden doch viele der wohl auf ewig ungelösten Rätsel und Probleme zwischen Männern und Frauen angesprochen. Schließlich bedeutet Liebe immer auch, sich ins Leere zu stürzen, wie es im Roman so treffend heißt. Was einen letzten Endes erwartet, weiß am Anfang eben keiner so ganz genau. Und doch möchte ich Juliette uneingeschränkt zustimmen, wenn sie behauptet:
    „Ein Leben ohne Männer ist wie ein Leben ohne Salz, ohne Zucker, ohne Chili, ohne Honig."
    Wer wollte schon auf all diese Köstlichkeiten verzichten, die dem Leben erst die richtige Würze verleihen?
    Der einzige Kritikpunkt, den ich anzumerken habe, betrifft die Länge oder besser gesagt die Kürze der Geschichte. Die Hörzeit von 4 Stunden 39 Minuten war wie im Flug vorbei, und gerne hätte ich die liebgewonnenen Protagonistinnen noch weiter auf ihrer Suche nach der einzig beglückenden Lebensart begleitet.


    4ratten

    Worum es geht
    Lenchen Demuth ist noch keine 10 Jahre alt, als sie ihr ärmliches Elternhaus in St. Wendel nach dem Tod des geliebten Vaters bei Nacht und Nebel verlässt. An ihrem Ziel, in Trier, hat das Kind großes Glück, begegnet sie doch zufällig Jenny Westphalen, die ihr eine Anstellung als Dienstmädchen im vornehmen elterlichen Haushalt vermittelt. Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden jungen Mädchen eine enge Vertrautheit, die auch nach Jennys Eheschließung mit Karl Marx Bestand hat. Lenchen begleitet das Ehepaar nicht nur als Haushälterin und Kindermädchen auf allen Stationen ihres bewegten Lebens, sondern steht ihnen auch als gute Freundin immer zur Seite.
    Als Lenchen jedoch ein Kind von Karl erwartet, bleibt nichts so, wie es vorher war.


    Meine Meinung
    Schon lange habe ich keinen historischen Roman mehr gelesen, der mich gleichermaßen berührt und begeistert hat. Von den ersten Seiten an bin ich vollkommen im Leben und Schicksal der Helena Demuth versunken. Schon ihre ärmliche Kindheit, in der der heißgeliebte Vater den einzigen Lichtblick darstellte, fand ich sehr berührend geschildert. Von ihrem Pabbi lernt sie nicht nur die Grundbegriffe des Schachspiels, ihm schaut sie auch das Tabakkauen ab, oft die einzige Freude in Lenchens späterem harten Dienstbotendasein. Viele weitere Details dieser Art sind es, die die Protagonisten in ihrem Umfeld besonders lebensnahe erscheinen lassen, wie etwa die anfangs häufig zitierten Paragrafen aus der "Preußischen Gesindeordnung" oder die Angst der Menschen vor dem "Delirium furiosum", vermutlich ausgelöst durch die hohe Geschwindigkeit in der Eisenbahn.
    Lenchen Demuth ist mir schon als junges Mädchen sehr zielstrebig vorgekommen, das den tristen Lebensverhältnissen in ihrer Heimat unter allen Umständen entfliehen wollte. Obwohl sie von Kindheit an körperlich stets sehr schwer arbeiten musste, beschäftigt sie sich in Gedanken häufig mit dem Schachspiel, lernt rechnen und lesen. Ihr wacher Geist, ihr reges Interesse an allem, was um sie herum vorgeht, haben sie mir von Anfang an sehr sympathisch gemacht.
    Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorinnen ihr Leben im Kreise der Familie Marx geschildert haben. Lebhaft konnte ich sie mir beim Putzen und Kochen, an den kräftezehrenden Waschtagen oder bei der liebevollen Versorgung der Kinder vorstellen, deren Verhältnis untereinander ebenfalls sehr innig und herzlich dargestellt wird. Trotz der stets angespannten finanziellen Situation ihrer Arbeitgeber, hält ihnen Lenchen stets die Treue, verzichtet oft auf ihr Gehalt, und weiß auch in extremen Notlagen immer etwas auf den Tisch zu zaubern. Sie freut sich über die Geburt jedes Kindes, kümmert sich aufopfernd um die Kranken, trauert mit den verzweifelten Eltern um die allzu früh Verstorbenen, und spielt mit dem Hausherrn sogar die eine oder andere Partie Schach. Auch an der Arbeit ihres Dienstgebers und seinen revolutionären Ideen nimmt sie regen Anteil, liefert ihm sogar manchen gedanklichen Anstoß. Dass ein Mann vom Format eines Karl Marx im Laufe der Zeit auch eine große körperliche Anziehung auf Lenchen ausübte, ist nicht verwunderlich. Ganz wunderbar beschreiben die Autorinnen die heimliche Liebesbeziehung, in der aus dem Lenchen eine Helena wurde, wobei die starke Persönlichkeit des Philosophen meiner Meinung nach ebenfalls recht eindrucksvoll zur Geltung kommt.
    Sehr gut hat mir auch die Charakterisierung Jennys gefallen, ihre Wandlung von der liebevollen Freundin und besorgten Mutter zur enttäuschten und verbitterten Betrogenen. Dass ihre Reaktion auf die Ereignisse nicht anders ausfallen konnte, scheint mir bei aller Sympathie für Lenchen nur allzu verständlich.
    Durch das Nachwort wird klar, wie sehr die beiden Autorinnen bemüht waren, sich so nahe wie möglich an die historische Wahrheit zu halten. Hervorragend ist es ihnen gelungen, ihren Lesern aus der fernen Vergangenheit lebendige, authentische Figuren entgegentreten zu lassen. Ausgestattet mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen beeindrucken sie die Leserschaft, die an den unbedeutenden Gedanken eines einfachen Dienstmädchens genauso teilhaben durfte wie an den himmelstürmenden Ideen eines Mannes, der die Welt veränderte.
    Voller Anteilnahme bin ich dem Lebensweg des Lenchen Demuth gefolgt, habe mich am mitreißenden Stil der Autorinnen, der akribischen Recherche und der großen Detailvielfalt erfreut. Keine Sekunde der Langeweile kam auf, und voller Bedauern habe ich viel zu schnell die letzte Seite dieses bemerkenswerten Romans erreicht, für den ich sehr gerne die volle Punktezahl vergebe.


    5ratten   :tipp:


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    Worum es geht
    Alice Pendelbury hat bei einem Bombenangriff im 2. Weltkrieg ihre Eltern verloren. Seither lebt sie allein in London und kreiert Parfüms, da sie über einen ganz außergewöhnlichen Geruchssinn verfügt.
    Kurz vor Weihnachten 1950 überreden sie ihre Freunde zu einem Besuch bei einer Wahrsagerin. Obwohl Alice an derlei Prophezeiungen nicht glaubt, gehen ihr die seltsamen Worte, die sich mit ihrer Herkunft und dem künftigen wichtigsten Mann ihres Lebens befassen, nicht aus dem Sinn.
    Mit ihrem Nachbarn, dem Maler Ethan Daldry, macht sie sich schließlich auf eine Reise, die nicht nur die Rätsel der Vergangenheit lösen, sondern auch richtungsweisend für die Zukunft werden wird.


    Meine Meinung
    Mit diesem Roman hat der Autor einen ganz ungewöhnlichen Roman vorgelegt, der mich von der ersten Minute an völlig in seinen Bann gezogen hat. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Alice, die mit ihrer Begabung für Düfte beeindruckt, und ihr exzentrischer Nachbar Ethan Daldry. Die Dialoge zwischen den beiden sind wirklich originell, wobei mir besonders Daldrys trockener Humor sehr gut gefallen hat. Seine distinguierte Art wurde durch den hervorragenden Sprecher Uwe Büschken ganz vortrefflich in Szene gesetzt.
    Die Flugreise von London nach Istanbul, Alices Suche nach ihren Wurzeln, und die Charaktere, die den beiden Engländern dabei über den Weg laufen, schildert Marc Levy so eindrucksvoll und lebensecht, dass ich mich nur ungern bei meiner Lektüre unterbrechen ließ. Wunderbare Ortsbeschreibungen haben mich fasziniert, und Alices dunkle Erinnerungen an Häuser und Stadtteile, die ihr bekannt vorkommen, sind so fesselnd erzählt, dass niemals Langeweile aufkommt.
    Sehr gut hat mir auch der Briefwechsel zwischen Alice und Ethan nach dessen Abreise gefallen, da er sehr viel über das Verhältnis der beiden zueinander verrät. Die humorvolle Note der Korrespondenz fand ich ebenfalls sehr passend. Auch ein ernstes Thema, den Völkermord am armenischen Volk während des 1. Weltkrieges, hat Marc Levy gekonnt in seine Geschichte eingebettet, und das Schicksal einer betroffenen Familie berührend geschildert.
    Sehr charmant entwickelt sich schließlich auch die Beziehung zwischen Alice und Ethan, wenngleich die Vorhersage der Hellseherin zwischen den beiden Protagonisten zu stehen scheint. Dadurch bleibt die Geschichte spannend bis zum Schluss, und der Leser rätselt gerne über den möglichen Ausgang mit.
    Von Anfang an liegt über dem Roman eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre, die noch durch die Reise in die Stadt am Bosporus verstärkt wird und bis zum Ende erhalten bleibt. Die Auflösung sämtlicher Rätsel fand ich letztlich sehr gut gelungen, da sie mir logisch nachvollziehbar erscheinen und keine Fragen offen lassen.
    Die interessante Handlung, wunderschön erzählt von Marc Levy und exzellent vorgetragen von Uwe Büschken, hat mir ein großartiges Hörerlebnis beschert, für das es natürlich die volle Punktezahl gibt <3<3<3<3<3:!:

    Worum es geht
    Elfriede Lack, genannt Fritzi, reist im Jahre 1925 aus ihrer süddeutschen Heimat nach Berlin, um hier Karriere als Schauspielerin, oder noch besser als Drehbuchautorin, zu machen. In der Zwischenzeit muss sie sich aber als Schreibkraft bei Graf Hans von Keller verdingen, dessen renovierungsbedürftige Villa stets für seine Freunde aus der Kunstszene offensteht, und der sich eigentlich gar keine Sekretärin leisten kann. Dennoch findet Fritzi Aufnahme in der illustren Runde der Hausbewohner. Mit ihrer offenen Art, ihren Ideen und ihrer Liebe zur Literatur beeindruckt sie bald auch den Hausherrn.


    Meine Meinung
    Das Berlin der 1920-er Jahre war gewiss eine interessante Zeit der Umbrüche, und wäre somit auch ein perfekter Hintergrund für einen historischen Roman. Leider hat die Autorin nur eine sehr einfach konstruierte Geschichte zustande gebracht, der jeder Charme und jede Raffinesse fehlt. Die Figuren sind alles andere als ausgereift, nur Fritzi kann mit etwas ausgeprägteren Konturen punkten. Die äußerst vorhersehbare Liebesgeschichte fand ich sehr plump erzählt, keine dramatischen Ereignisse oder überraschenden Wendungen wurden bemüht, um die gähnende Langeweile zu vertreiben.
    Vom berühmten Flair der 1920-er Jahre habe ich ebenfalls nichts bemerkt. Der Roman hätte wohl ebenso gut in jeder anderen Stadt spielen können, denn auch das "Café unter den Linden" führt nur ein Schattendasein. Die oberflächlich skizzierte Kunstszene und das freigeistige Denken, das wohl in Gestalt zweier Homosexueller verkörpert werden sollte, konnten die besondere Atmosphäre Berlins jener Jahre nicht einmal annähernd einfangen. Vergeblich habe ich auch nach dem historischen Aspekt des Romans gesucht. Die Geschichte spielt weder vor dem politischen, noch gesellschaftlichen oder kulturellen Hintergrund jener Zeit, sondern tümpelt einfach im Mikrokosmos des gräflichen Haushalts vor sich hin.
    Auch sprachlich hat mir der Roman überhaupt nicht gefallen. Fantasie- und lieblos scheint mir der Text heruntergeklopft zu sein, manche Dialoge wirken beinahe kindlich naiv, und auch mit ihrer bemüht wirkenden "humoristischen" Seite konnte mich die Autorin nicht überzeugen. Die "tannenhonigfarbenen" Augen des Herrn Grafen (welche Farbe man sich darunter auch immer vorzustellen hat) haben mich schließlich ebenso genervt wie die andauernde Verwendung des Wortes "top" in allen (un)möglichen Verbindungen wie topgern, topalbern, topunverschiebbar - um nur die schlimmsten Auswüchse zu nennen.
    Als ich in der Danksagung gelesen habe, dass die Autorin von ihrem Roman als einem "Mädchenbuch" spricht, wurde mir zwar manches klarer; dass junge Mädchen diesen Roman begeistert verschlingen, übersteigt dennoch mein Vorstellungsvermögen. Aus der Erwachsenenperspektive gibt es von mir - trotz des ansprechenden Covers - leider nur eine einsame Leseratte!


    1ratten


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    Worum es geht
    Die Pharmareferentin Christiane Auberlin, genannt Nane, fährt zur Beerdigung ihrer Großmutter Eva nach Rickenbach am Bodensee. Dort ist die Sudetendeutsche nach dem 2. Weltkrieg als Flüchtling gestrandet, hat geheiratet und sich eine neue Existenz aufgebaut.
    Während Nanes Mutter Viktoria, die sich mit ihrer älteren Schwester Marlene nicht besonders gut versteht, nach den Begräbnisfeierlichkeiten gleich wieder die Heimreise antritt, möchte Nane ihren Urlaub unbedingt bei der Tante verbringen. Ihr Job belastet sie so sehr, dass sich bereits erste Anzeichen eines Burnout-Syndroms bemerkbar machen. Deshalb will Nane die Auszeit in Rickenbach nutzen, um sich über ihre weiteren Zukunftspläne klar zu werden. Nicht zuletzt wäre auch der Tierarzt Fabio Rossi, der sich um Nanes Findlingshund kümmert, ein Grund, Rickenbach nicht so bald wieder zu verlassen.


    Meine Meinung
    Brigitte Riebe hat ihren Roman auf zwei Zeitebenen angesiedelt, wobei die gegenwärtige mit Evas Tod beginnt. Für ihre Enkelin Nane hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben, und diese führt als zweiter Handlungsstrang in die Zeit des 2. Weltkrieges.
    Über Flucht und Vertreibung weiß die Autorin recht eindrucksvoll zu erzählen, weshalb ich diesen Teil der Geschichte auch lieber gelesen habe als den in der Gegenwart spielenden. Obwohl ich derart aufgebaute Romane sehr gerne mag, konnte mich diese Geschichte nicht so richtig begeistern. Weder Nane noch ihre Tante Marlene sind mir besonders ans Herz gewachsen. Der Autorin ist es leider nicht gelungen, sie mir als interessante Persönlichkeiten nahezubringen, an deren Schicksal ich regen Anteil hätte nehmen wollen. Marlene hatte sehr traumatische Kindheitserlebnisse, doch erfährt man nichts darüber, wie sie ihr Leben als Erwachsene gemeistert hat.
    Weiters hat mir gar nicht gefallen, das der Rickenbacher Hermann Bentele, der von Anfang an ein Auge auf Eva geworfen hatte, seine Gefühle derart offen in einem Tagebuch festhält. Meiner Meinung nach passt das überhaupt nicht zu einem Mann dieser Generation, in der über sexuelle Gelüste und Phantasien kaum im Vertrauen gesprochen, geschweige denn geschrieben wurde. Dieser Part wäre aus einer neutralen Erzählperspektive wohl glaubwürdiger ausgefallen, und hätte sich nicht im Nachlass Benteles finden dürfen.
    Auf dramatische Wendungen, die zur Aufdeckung großer Geheimnisse geführt hätten, habe ich ebenfalls vergeblich gewartet. Den Teil, der in der Gegenwart spielt, fand ich zeitweise sogar ein wenig langweilig. Leider vermochte mich der Roman nicht sonderlich zu berühren, die Protagonisten beider Zeitebenen sind mir allesamt fremd und fern geblieben. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Es gab niemanden, der mich besonders angesprochen hätte, mit dem ich mitfühlen und mitleiden konnte. Den Stil fand ich ebenfalls nicht mitreißend, weshalb das Buch wohl keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird.


    3ratten


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    Worum es geht
    Nach 20 Ehejahren verliebt sich die Arztgattin und dreifache Mutter Linda Albrecht mit Mitte vierzig Hals über Kopf in den charismatischen Bankdirektor Frank Hellwein. Noch einmal möchte sie sich umworben und geliebt fühlen, nicht nur gebraucht, wie in ihrer Ehe mit Jochen. Allen Bedenken zum Trotz verlässt Linda ihren biederen Ehemann und gründet mit ihrer großen Liebe die perfekte Patchworkfamilie. Anfangs trägt Frank seine Linda geradezu auf Händen, und bietet ihr neben einem Leben als Familienmanagerin jeden erdenklichen Luxus. Er verwöhnt sie mit aufregenden Reisen, teurem Schmuck und chicer Kleidung. Doch bald beginnt die glänzende Fassade zu bröckeln, und Linda ist in einem Albtraum gefangen, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.


    Meine Meinung

    Hera Lind hat mit ihrem Buch einen äußerst fesselnden Roman vorgelegt, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat. Sinn- und Lebenskrisen Mitte vierzig sind ja durchaus keine Seltenheit, weshalb ich Lindas Sehnsucht nach einem aufregenden Liebesabenteuer gut verstehen kann. Charakterlich finde ich sie sehr gut dargestellt, als einst ungeliebtes Kind, als funktionierende Ehefrau und fürsorgliche Mutter, die schließlich blind vor Liebe komplett den Boden unter den Füßen verliert. Mit Frank scheint ihr nichts unmöglich, treu steht sie immer zu ihm, und gibt alles, um die Familienidylle zu wahren.
    Frank hingegen ist eine recht undurchsichtige Persönlichkeit. Seine freundliche und unkomplizierte Art, die anfangs auch die Kinder zu begeistern vermochte, weicht immer öfter grundlosen Wutausbrüchen, die seine Lieben ratlos zurücklassen. Natürlich könnte man Linda Naivität und Blauäugigkeit vorwerfen, ebenso verständlich ist aber auch ihr Bestreben, jede Unstimmigkeit sofort wieder auszubügeln. Schließlich hat Linda mit der Trennung von Jochen viel riskiert, Familien und Freundschaften zerstört. Der triste Alltag darf bei ihnen einfach nicht - wie in jeder x-beliebigen Beziehung - die Oberhand gewinnen.
    Der charmante Frank findet seine Bestätigung nicht nur als erfolgreicher Banker, er ist auch sportlich sehr ehrgeizig, braucht gesellschaftliche Anerkennung und die Bewunderung des weiblichen Geschlechts. Vor allem aber muss die Frau an seiner Seite in allen Belangen mit seinen hohen Ansprüchen mithalten können, während er sich mit den Problemen, die der Alltag in einer großen Familie eben mit sich bringt, rasch überfordert fühlt.
    Hera Lind hat nicht nur das anfängliche himmelstürmende Glücksgefühl ihrer Protagonistin sehr glaubhaft beschrieben, sondern auch die ersten Kratzer im Lack, die Zweifel und Ängste, das Verleugnen, die Selbstvorwürfe, und schließlich das Eingestehen ihres Scheiterns. Wüsste ich nicht, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit beruht, hätte ich das Ende als irreal bezeichnet, als zu dick aufgetragen, und die Fantasie der Autorin als allzu blühend abgetan. Anscheinend ist es aber doch das Leben selbst, das die unglaublichsten Geschichten schreibt, und auch nicht - wie in vielen Romanen - auf alle offenen Fragen eine befriedigende Antwort zu geben hat.
    Der Autorin gebührt für ihr Buch meiner Meinung nach höchstes Lob. Aus jeder Zeile ist spürbar, dass sie mit viel Engagement und großem Einfühlungsvermögen an ihr Projekt herangegangen ist. Mir gefällt Hera Linds Stil überhaupt sehr gut, da sie nicht nur spannend und humorvoll zu erzählen versteht, sondern die Gefühle ihrer Figuren auch sehr ehrlich wiederzugeben vermag. Besonders gut kann man sich als Leserin ja mit etlichen Szenen aus dem Alltag der Protagonistin identifizieren und sich denken: Ja, genauso habe ich mich in ähnlichen Situationen auch schon gefühlt.
    Für diese interessante, flüssig erzählte und leicht lesbare Geschichte zum Mitfühlen und Mitfiebern gibt es von mir eine unbedingte Leseempfehlung und natürlich sehr gerne die volle Punktezahl <3<3<3<3<3:!:

    (Mein Mann ist immer ziemlich schnell eingeschlafen.)

    Deshalb muss ich bei den Hörbüchern immer etwas nebenbei machen, bloß nicht liegen, sonst bin ich weg - auch wenn's noch so spannend ist und toll gelesen. Versteh ich nicht, warum das so ist.

    Schlafmittel werde ich sicher nie brauchen, solange es Hörbücher gibt.

    Gerade hab ich nachgezählt und bin auf 147 gekommen.

    Das müsste in diesem Leben ja noch zu schaffen sein, allerdings kommen immer neue hinzu.

    Mein Traum wäre, einmal kein ungelesenes Buch mehr im Haus zu haben. Ich stell es mir sehr schön vor, die gekauften Bücher gleich und nicht erst irgendwann zu lesen. Das wird mein Projekt für die Pension ab September 2021. :freu:

    Habt Ihr ein schlechtes Gewissen, weil ihr die Bücher angeschafft (bezahlt) aber nicht gelesen habt?

    Nein, hab ich nicht, aber ich hab sie ja gekauft, weil ich sie lesen will.


    Allerdings kaufe ich selten nur ein Buch, deshalb vermehren sie sich schneller, als ich sie lesen kann.

    Auf dem Arbeitsweg lese ich nur eBooks, bei der Hausarbeit und beim Sticken muss ich zu Hörbüchern greifen, weil sich mein Mann als Vorleser beharrlich verweigert. :tse:Und so komm ich mit den Printausgaben nur langsam voran.

    Oder setzt Euch die Außenwelt unbewusst unter Druck

    Die Außenwelt kann mich mal :zunge:


    Ich finde die Vorstellung nicht so schön, solche oft ein bisschen schmuddelige Bücher mit in mein Bett zu nehmen.

    Meine erste Arbeit war deshalb auch immer die Buchrücken abzuwischen, aber die Seiten sind davon ja leider ausgenommen.:breitgrins:

    Mit der onleihe hat sich dieses Problem aber erledigt ...

    Worum es geht
    In der Dresdner Altstadt hat Anna Kepler gerade ihre zweite Chocolaterie eröffnet. Beide Geschäfte betreibt sie mit großer Leidenschaft, ebenso wie die Renovierung der Rosenvilla. Bei der Neubepflanzung des Gartens stößt Anna auf eine Kassette, die neben alten Erinnerungsstücken auch Tagebuchfragmente enthält. Beim Ordnen der Blätter entdeckt sie, dass es sich dabei um die Einträge dreier Frauen handelt, die in der Familie aber nie erwähnt wurden. Voller Neugier macht sich Anna mit Hilfe ihrer Freundin Hanka an die Lösung des Rätsels.


    Meine Meinung

    Leider kann ich mich den obigen positiven Bewertungen nicht bedingungslos anschließen. Der Anfang war zwar recht vielversprechend - vor allem die romantischen Beschreibungen des Rosengartens und der alten Villa haben mir gut gefallen - doch im weiteren Verlauf ist die Geschichte für meinen Geschmack allzu ungeordnet verlaufen.

    Die in der Vergangenheit spielenden Handlungsstränge werden nicht chronologisch erzählt, wodurch die Verwirrung steigt, und auch die Charaktere der drei Frauen (Helene, Emma und Charlotte) sind nicht so ausgereift, dass mich ihr Schicksal gefesselt hätte. Gerade hier wäre meiner Meinung nach noch Potential vorhanden gewesen, das leider nicht voll ausgeschöpft wurde. Die Figuren aus der Vergangenheit sind in meiner Erinnerung zu einem undefinierbaren Konglomerat verschmolzen, weil es der Autorin nicht gelungen ist, mir ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lebenswege eindrucksvoll vor Augen zu führen.
    Anna Kepler, die Protagonistin der Gegenwart, ist eine sympathische junge Frau, die weiß, was sie sich vom Leben erwartet und unbeirrt ihren Weg geht. Beruflich hat sie ja bereits ihre Erfüllung gefunden, in Annas Privatleben hingegen sieht es nicht so rosig aus wie in ihrem Garten. Die sich anbahnende Romanze fand ich allerdings nicht überzeugend dargestellt; sie war mir eindeutig zu unrealistisch und konstruiert.

    Das Ende des Romans hat mich ebenfalls enttäuscht, da die durchaus spektakuläre Auflösung auf wenigen Seiten, fast wie nebenbei, abgehandelt wird. Alles in allem war das für mich keine stimmige Geschichte mit Figuren zum Mitleiden und Mitleben. An diesem Eindruck konnten leider auch die sicher köstlichen Pralinenrezepte nichts mehr ändern.

    Deshalb gibt es von mir nur <3<3 von 5.


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    Worum es geht
    Laura Brandner, 31 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder hat ihren Traum, Meeresbiologie zu studieren, trotz ihrer familiären Verpflichtungen nicht aufgegeben. Als sich ihr die Möglichkeit bietet, in Neuseeland ein Jahr lang in der Tourismusbranche als Begleiterin bei Delfin- und Walbeobachtungen zu arbeiten, ergreift sie diese Chance sofort. Am anderen Ende der Welt muss Laura nicht nur mit den unterschiedlichsten Anforderungen fertig werden, sondern ist gedanklich sehr oft auch bei ihren Lieben in der Heimat.


    Meine Meinung
    Den Einstieg fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass sich eine Mutter für ein ganzes Jahr von ihren erst 9 und 13 Jahre alten Kindern trennen würde. Im Laufe der Geschichte ist mir Laura aber immer sympathischer geworden. Unbeirrt geht sie ihren Weg, obwohl ihr die Trennung von ihren Kindern mehr zusetzt als gedacht. Ihren Ehemann hingegen vermisst sie nicht, weshalb sie wohl auch neuen Liebschaften gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Obwohl mir die gefühlvoll, und dennoch glaubwürdig erzählte Liebesgeschichte sehr gut gefallen hat, fand ich den Teil, der sich mit den vielfältigen Umweltproblemen Neuseelands beschäftigt, besonders interessant. Wie viel Tourismus vertragen fragile Ökosysteme? Wie viel Publicity braucht es, um den Lebensraum der faszinierenden Meeressäuger erfolgreich zu schützen? Welchen Einfluss haben Tierschutzorganisationen, die gegen die Wal- und Delfinbeobachtungen protestieren? Diese aktuellen Themen hat die Autorin sehr geschickt in ihrem Roman verarbeitet, wobei sie es an Spannung nicht fehlen lässt. Dank dieses Buches habe ich auch zum ersten Mal von Solidärdelfinen gehört und Wissenswertes über ihr Verhalten erfahren.
    Die übrigen Protagonisten der Geschichte hat Sarah Lark meiner Meinung nach ebenfalls sehr glaubwürdig dargestellt. Vor allem Lauras Kollegin Kiki ist eine originelle Figur, behauptet sie doch mit den Meerestieren telepathischen Kontakt aufnehmen und sich mit ihnen über deren Weltanschauung unterhalten zu können. Aber auch Lauras Arbeitgeber, ihre Freunde und Kinder sind liebevoll skizzierte, eigenständige Persönlichkeiten, die ich allesamt sehr überzeugend fand.
    Nach einem etwas langatmigen Einstieg und der sehr detaillierten Beschreibung der Arbeitsanforderungen in Lauras neuem Job, nimmt der Roman rasant an Fahrt auf, sodass sich der Leser nur noch von einem spannenden Ereignis zum nächsten mitreißen lassen muss. Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass die Autorin ihrer Geschichte reale Ereignisse zugrunde gelegt hat, meiner Meinung nach auf jeden Fall ein sehr gelungenes Projekt. Bisher habe ich von Sarah Lark nur in der Vergangenheit angesiedelte Romane gelesen, war aber von diesem ausschließlich in der Gegenwart spielendem Buch mit seinem aktuellen Bezug sehr angetan. Wunderbar erzählt, hat mir dieses Jahr in Neuseeland angenehme Lesestunden beschert, wobei auch die Auflösung aller Probleme zu guter letzt sehr glaubwürdig ausgefallen ist.

    Dafür gibt's von mir <3<3<3<3 von 5.

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    Worum es geht
    Die 17-jährige Henrietta sieht plötzlich einen Ausweg, ihrem trostlosen Dasein in Deutschland zu entgehen: ein Leben in Deutsch-Südwest, wo ihre Mutter den Missionar Immanuel Freudenreich heiraten wird. Alles soll anders werden, die Zukunft liegt vor ihr! Doch die Hoffnungen verfliegen schnell, die Tage in Afrika sind so karg und hart wie daheim in Elberfeld. Als ihre Mutter stirbt, sieht Henrietta nur noch einen Ausweg: Die Flucht. Ins ferne Kapland, zu Bekannten. Zu Fuß und in Begleitung von Petrus, der auf der Missionsstation arbeitet. Die Strecke, die vor ihnen liegt, ist lang und gefährlich, die Flucht schweißt sie zusammen. Sie lernen einander zu vertrauen - und verlieben sich. Eine junge weiße Frau und ein schwarzer Mann im südlichen Afrika um 1900. Ist die Zukunft, von der Henrietta träumt, tatsächlich möglich?


    Meine Meinung
    Von Anfang an packend erzählt Gina Mayer die Geschichte eines jungen Mädchens, das in ihrer deutschen Heimat nicht als Dienstmädchen arbeiten will, und so ließ ich mich gerne weiter in den Strudel der kommenden Ereignisse ziehen. In der arrangierten Heirat ihrer Mutter mit einem Missionar sieht Henrietta ihre eigenen Träume als Lehrerin in Deutsch- Südwestafrika bereits verwirklicht, noch ehe das Abenteuer beginnt.
    Fasziniert bin ich der Auswanderin auf ihrer Reise gefolgt, um mitzuerleben, wie ihre naiven Pläne und hochgesteckten Ziele nach und nach unter der glühenden Sonne Afrikas zerbrechen. Die Erinnerung an den in der Heimat zurückgelassenen heimlichen Verlobten Bertram wird - trotz aller Bemühungen Henriettas - von den harten Anforderungen der Gegenwart rasch ausgelöscht, und auch sonst fügt sich nichts so, wie es sich die Protagonistin vorgestellt hat. Unüberlegte Handlungsweisen kosten sie fast das Leben, gehegte Hoffnungen zerplatzen eine nach der anderen wie Seifenblasen, und doch hält Henrietta trotz aller Widerstände an ihrem einmal eingeschlagenen Weg fest. Besonders sympathisch wurde sie mir, weil sie dabei nie als strahlende Heldin, sondern eher mit dem Mut der Verzweiflung nach einem Ausweg sucht.
    Gut gefallen haben mir aber auch alle anderen Figuren, Henriettas verbitterte, doch im Ehejoch unterwürfige Mutter, und weitere Auswanderer, wie das exzentrische Fräulein Hülshoff und die Missionarsfamilie Cordes, denen das Schicksal in Afrika ebenfalls sehr übel mitspielen sollte. Auch Petrus, der schwarze Arbeiter auf der Missionsstation in Bethanien ist ein interessanter, sehr glaubwürdig gezeichneter Charakter, zerrissen zwischen alten Traditionen und den Errungenschaften der deutschen Einwanderer. Seine Intelligenz und sein Lernwille zwingen ihn zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um in der Welt der Weißen einigermaßen gut zurechtzukommen.
    Allen ihren Protagonisten versteht die Autorin unverwechselbare Eigenschaften und Eigenheiten zuzuordnen, und das Aufeinanderprallen völlig unterschiedlicher Kulturen realistisch darzustellen. Keine verständnisvolle Einheimische nimmt Henrietta unter ihre Fittiche, wobei die Fremdheit der Frauen weniger durch offene Feindseligkeiten, sondern vielmehr durch verletzende Ignoranz betont wird.
    Henriettas Flucht wird durch eindrucksvolle Landschaftsbeschreibungen untermalt, während ihr Überleben in der Wildnis zum Großteil von Petrus' instinktivem Wissen um die Geheimnisse und Gefahren seines Landes abhängt. Die langsam wachsende Liebe der beiden jungen Leute kommt bis zum bitteren Ende ohne romantischen Kitsch aus, die Gefahren und Entbehrungen haben das naive Mädchen sehr schnell reifen lassen.
    Nicht nur inhaltlich, auch stilistisch hat mich das Buch sehr angesprochen. Gina Mayer erzählt flüssig, bedient sich dabei einer gehobenen Sprache, und hat für ihre Arbeit gewiss auch intensiv recherchiert. Im Nachwort verrät die Autorin, dass sie sich durch Tagebücher von Auswanderinnen zu dieser Geschichte hat inspirieren lassen. Ich habe mich bei diesem spannenden, sehr realistisch erzählten Roman auf jeden Fall gut unterhalten.


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    Worum es geht
    Der renommierte Sprachwissenschaftler Philipp Perlmann lädt eine Gruppe anerkannter Kollegen zu einem mehrwöchigen Forschungsaufenthalt nach Italien ein. Perlmanns zunehmender Interessenverlust an seiner Arbeit, den er im universitären Routinebetrieb bislang noch kontrollieren konnte, wird im komfortablen Hotel an der ligurischen Küste zu einer Frage von Leben und Tod. Statt einen eigenen Text vorzubereiten, übersetzt der Professor lediglich die Arbeit eines russischen Kollegen, dem vorerst die Einreiseerlaubnis verweigert wurde. Als der Tag, an dem Perlmann seinen Vortrag halten soll, immer näherrückt, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.


    Meine Meinung
    Ohne große Erwartungen habe ich diesen Roman aus dem Jahre 1995 zu lesen begonnen, und wurde aufs Angenehmste überrascht. Von Anfang an hat mich vor allem der Stil des Autors in seinen Bann gezogen, die detaillierte Beschreibung der Denk- und Handlungsweise des Professor Perlmann, die sich ständig verschärfende Konfliktsituation, weniger im Kreise seiner Kollegen, als vielmehr mit seiner eigenen, sich verändernden Persönlichkeitsstruktur. Ungeheuer eindringlich führt der Autor seinen Lesern das Dilemma vor Augen, in dem sich der Wissenschaftler befindet.
    Im Laufe der Handlung gewinnt Philipp Perlmann immer mehr schizophrene Züge, die ihm die dunklen Abgründe der eigenen Seele offenbaren. Unmöglich ist es für den angesehenen Sprachforscher seine berufliche Unfähigkeit gerade bei einem Forschungsaufenthalt einzugestehen. Sein wenig kommunikatives und teamfreundliches Verhalten hat den Argwohn der Kollegen ohnehin bereits geweckt, weshalb er sich umso mehr unter Druck gesetzt fühlt, deren hohe Erwartungen zu erfüllen. Der Ausweg, den Perlmann für sich zu finden glaubt, treibt ihn stattdessen immer tiefer in einen Strudel aus Lügen, Verrat und Schuld.
    Minutiös erlebt der Leser die Ausarbeitung eines mörderischen Planes, dessen Vorbereitung manchmal so detailliert geschildert wird, dass sich die Spannung zeitweise beinahe ins Unerträgliche steigert. Mit dem Auftritt des Russen Vasilij Leskov gelingt die Einführung einer äußerst ausdrucksstarken Persönlichkeit, die mir in ihrer behäbigen, bescheidenen und väterlichen Art sofort sympathisch war. Kaum meint der Leser gemeinsam mit den Protagonisten einer Gefahr entronnen zu sein, wartet der Autor bereits mit einer weiteren Spannungssteigerung auf, die in einer gleichermaßen einfachen wie raffinierten und glaubwürdigen Lösung ihren Abschluss findet.
    Für mich war dieser Roman ein unerwartetes inhaltliches und stilistisches Highlight, da mich andere Bücher des Autors bei weitem nicht so zu begeistern vermochten.


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    Worum es geht
    Im September 2008 machte das Team um den amerikanisch-deutschen Archäologen Nicholas Conard in einer Höhle auf der Schwäbischen Alb einen spektakulären Fund. Die 40 000 Jahre alte kleine "Venus vom Hohle Fels" ist bis heute die älteste bekannte Darstellung einer menschlichen Figur. Um die Sensation perfekt zu machen, wurden in ihrer Nähe auch noch die ältesten Musikinstrumente der Welt ausgegraben.
    Die vielen Fragen, die sich im Zusammenhang nach den Menschen ergaben, die diese Kunstwerke angefertigt hatten, führte schließlich zur Entstehung dieses Buches, das die Autoren als archäo-literarischen Versuch bezeichnen. Der Paläolithiker ist befangen, weil er nur über das Auskunft geben kann, was sich mit den Methoden seines Faches belegen lässt. Darüber zu spekulieren, wer diese Menschen waren, oder was sich in ihrem Lebensumfeld zugetragen hatte, bleibt ihm versagt. Das Zusammentreffen mit einem Literaturwissenschaftler, einem berufsmäßigen Interpreten und Fabulierer erwies sich als Glücksfall, kann und darf er doch Theorien in Geschichten verwandeln. Dass sie nicht den Anspruch erheben, eine längst vergangene Wirklichkeit authentisch abzubilden, ist selbstverständlich, sind doch weder Worte noch Gedanken jener eiszeitlichen Menschen in anderer Form als in ihren Hinterlassenschaften überliefert.
    Aus dem Wunsch, die Methode der Archäologie und die der Erzählung zu verbinden, erwuchs dieses Projekt, das man auch als "Wissenschaftsfiktion" bezeichnen könnte. Um die Rahmenbedingungen vorzugeben, wurden folgende Spielregeln festgelegt:
    • Alles, was definitiv nicht ausgeschlossen werden kann, muss möglich sein.
    • Es darf nicht verboten sein, die ferne Wirklichkeit mit heutiger Sprache zu benennen.
    • Es muss verboten sein, die ferne Wirklichkeit mit heutiger Psychologie zu beschreiben.
    • Keine Möglichkeit darf ausgeschlossen werden, weil sie ungewöhnlich ist.
    • Jede Möglichkeit, die ausgeschlossen werden kann, muss verworfen werden.


    Meine Meinung
    Mit dem Bewusstsein von PC-Nutzern Eiszeitrituale ergründen zu wollen, ist ein an sich fragwürdiges Vorhaben, geben die beiden Autoren bereits im Vorwort zu, doch gilt das nicht generell für alle historischen Romane, habe ich mich gefragt? Mir ist es nicht einmal möglich, mich in die Zeit vor 400 Jahren zurückzuversetzen, also können mich noch viel fernere Zeiten ebenfalls nicht abschrecken, habe ich mir gedacht, und mich gerne auf das ungewöhnliche wissenschaftlich-literarische Experiment eingelassen.
    Die ersten Kapitel vermochten zwar noch keine Begeisterung hervorzurufen, doch langsam hat mich diese unvorstellbar ferne und fremde Welt völlig in ihren Bann gezogen. Dabei war es nicht so sehr der Inhalt, das Zusammentreffen der in Europa seit etwa 300 000 Jahren lebenden Neandertaler und der aus Afrika eingewanderten ersten modernen Menschen, der mich gefesselt hat, sondern die meisterhafte Sprache, die schließlich eine unheimliche Sogwirkung auf mich ausübte.
    Wie muss es für unsere frühen Vorfahren gewesen sein, monatelang in Kälte und Dunkelheit auszuharren? Wie haben sie den Hunger ertragen und die Angst vor den Wildtieren, von denen ihr Überleben doch grundsätzlich abhing? Wie reagierten sie auf Fremde, wie unterschieden sie zwischen Freund und Feind? Wen akzeptierten, und wen bekämpften sie? Wie nahmen sie eine sich klimatisch verändernde Umwelt wahr, wie erlebten sie Vulkanausbrüche und andere Naturphänomene? Wie muss es gewesen sein, in unbekanntes Territorium vorzudringen, nicht wissend, was der nächste Schritt für ein kleines Grüppchen von oft nur 20 Mitgliedern zu bedeuten hatte?
    Die Hauptsorge galt sicherlich der Nahrungsbeschaffung, der Unterkunft und der Bekleidung, doch wurden auch körperlich beeinträchtigte Gruppenmitglieder versorgt, Wunden oft sogar recht erfolgreich behandelt und die Verstorbenen mit Grabbeigaben bestattet, die auf Totenrituale und Jenseitsvorstellungen schließen lassen. Dennoch wurde dem Individuum längst keine so große Bedeutung beigemessen wie heute. Zwar agierten diese frühen Menschen sozial, aber nur dann, wenn ihre Handlungsweise den Fortbestand der Gruppe nicht gefährdete und keine zusätzliche Belastung darstellte. Andernfalls wurden auch Schädel zertrümmert oder Alte und Kranke ihrem Schicksal überlassen. Trotz dieses unerbittlichen Daseinskampfes entwickelten die Menschen der Eiszeit eine erstaunlich vielfältige Kreativität, die sich in Wandmalereien, in der Anfertigung kleiner Kunstgegenstände und sogar Musikinstrumenten zeigte.
    Alle diese Themen werden in der fiktiven Erzählung behandelt, die sehr deutlich auch immer wieder auf das magische Denken und oft intuitive Handeln der Gruppenmitglieder verweist. Jürgen Wertheimer hat sich der gestellten Aufgabe meiner Meinung nach sehr einfühlsam genähert, weshalb die Geschichte nie ins Irreale oder nicht mehr Nachvollziehbare abgeglitten ist.
    Als einziger Kritikpunkt sei mir der Einwand erlaubt, dass ich den altsteinzeitlichen Menschen weniger vorausschauend und zukunftsorientiert dargestellt hätte. Seine Lebensspanne umfasste gerade einmal 25 - 40 Jahre, und die Bewältigung seiner Aufgaben war wohl mehr auf das Gegenwärtige als auf das Zukünftige ausgerichtet. Vielleicht irre ich mich aber auch, wissen wir doch, dass er abstrakt denken, dass er planen und über das Heute hinausblicken konnte. Wer weiß, zu welchen Gedankenflügen unser früher Verwandter fähig war, wenn er am nächtlichen Lagerfeuer den Blick zum Sternenhimmel erhob.
    Besonders gut hat mir gefallen, dass an passender Stelle im literarischen Text immer wieder kurze wissenschaftliche Passagen eingefügt worden sind. In eigens gekennzeichneten Rubriken wird der Leser nicht nur über die genetische Vermischung von Neandertaler und Homo sapiens aufgeklärt, sondern auch über das eiszeitliche Klima, über Flora und Fauna, Wohnraum und Bekleidung, über Geräte, Werkzeuge und Waffen, Schnitzereien und Schmuck, über Musik und Sprache, soziale Strukturen und Kunstwerke der altsteinzeitlichen Jäger- und Sammlergesellschaft informiert.
    Beeindruckend verstehen die Autoren den Menschen des Aurignaciens in seiner Umwelt darzustellen, dessen hartes Leben in und mit der Natur wir heute in keiner Weise mehr nachempfinden können. Unser ferner Vorfahre erhält in diesem Buch aber nicht nur einen Namen und ein Gesicht, sondern auch eine Stimme. Jürgen Wertheimer lässt ihn musizieren, lachen, lieben, hassen, leiden, kämpfen und töten, sodass wir durch die Jahrtausende hindurch unser eigenes Abbild wie in einem fernen Spiegel zu erkennen vermögen.
    Sehr gut hat er sie meiner Meinung nach erzählt, unser aller Geschichte, die genauso gewesen sein könnte, und wahrscheinlich doch nie so stattgefunden hat.


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    Worum es geht
    Mitte des 19. Jahrhunderts reist Lady Lucie Duff Gordon auf Anraten ihres Arztes nach Ägypten, um dort ihre Tuberkulose auszuheilen. Begleitet wird sie von ihrem Dienstmädchen Sally Naldrett, die mit ihrer Herrin im fremden Land schon bald eine besondere Vertrautheit verbindet. Als die Lady den Ägypter Omar Abu Halawy als Dolmetscher, aber auch zur Unterstützung im Haushalt einstellt, entwickelt Sally Gefühle für den verheirateten Mann, die sie alsbald in große Schwierigkeiten bringen sollten.


    Meine Meinung
    Lange lagerte das Buch auf meinem SuB, nicht ahnend, wie sehr mich die Geschichte der Zofe Sally Naldrett in ihren Bann ziehen sollte. Dabei war es gar nicht so sehr der Inhalt, der mich derart faszinierte, sondern die vielen Details, die die Autorin unglaublich plastisch zu schildern versteht, und die dem Roman das gewisse Etwas geben.
    Die Schönheit der Landschaft, die Gastfreundschaft, die den beiden Frauen überall begegnet, aber auch die Mühsal der Reise in einem Land und einer Zeit, die den Begriff "Tourismus" noch nicht kannte. Ganz ungezwungen bewegen sich die Bewohner zwischen den Ruinen ihrer großen Vergangenheit, leben zwischen Hieroglyphen und halb im Sand versunkenen Denkmälern. Beinahe meint man den in der Mittagsglut träge dahinfließenden Nil vor sich zu sehen, glaubt, die Hitze, unter der die beiden Engländerinnen in ihrer unpassenden Garderobe leiden, am eigenen Leibe zu spüren. Langsam wird die Veränderung erkennbar, die Sally und ihre Lady erfahren; nicht nur in ihrem Lebensstil passen sie sich den fremden Sitten an, auch ihre Beziehung zueinander wird eine andere.
    Besonders gut hat mir gefallen, wie Kate Pullinger dieses beinahe selbstverständliche Annehmen ganz neuer Lebensgewohnheiten schildert. Keine Rede von einem Aufeinanderprallen der Kulturen, sondern eher eine von gegenseitiger Neugier getragene und von Toleranz bestimmte Annäherung. Trotz aller Begeisterung für das fremde Land, bleibt Lady Duff Gordon die Armut und Unterdrückung der untersten Bevölkerungsschichten, der ihre besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge gelten, nicht verborgen. Selbst schwer krank, widmet sie sich voller Engagement den Ärmsten und hilft beim Ausbruch einer Seuche tatkräftig in der von ihr provisorisch eingerichteten Krankenstation mit. Im krassen Gegensatz dazu steht die Härte, mit der sie ihre geschätzte Zofe behandelt, als diese in eine für sie problematische Lage gerät. Beeindruckt hat mich hingegen die charakterliche Stärke der Sally Naldrett, die ihren Gefühlen nachgibt, ohne in ihrer Unerfahrenheit an die Konsequenzen zu denken, die Folgen aber mit bewundernswertem Mut trägt.
    Eine sehr authentische Erscheinung, die sich nahtlos ins Geschehen einfügt, ist auch der Ägypter Omar. Er begleitet Lady Duff Gordon auf ihrer Reise, und steht ihr als Dienstbote und persönlicher Betreuer zur Seite. Trotz aller Verbindlichkeiten bleibt er für mich undurchschaubar, ein Mann, der sich nicht so leicht in die Karten blicken lässt.
    Treffend fand ich auch die Einteilung des Buches in die Kapitel "Leben", "Tod" und "Leben danach", die den Verlauf der Reise ankündigen, und Hoffnung aufkeimen lassen für das weitere Schicksal der tapferen Sally. Stilistisch hat mir das Buch ebenfalls sehr gut gefallen, vor allem die gehobene Sprache, die so gut zu einer englischen Lady auf großer Reise im 19. Jahrhundert passt.


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    Worum es geht
    Als einzige Überlebende irischer Auswanderer wird die 9-jährige Niamh, deren Eltern und Geschwister bei einem Wohnungsbrand ums Leben kamen, mit vielen anderen elternlosen Kindern Ende der 1920-er Jahre von New York Richtung Westen verfrachtet. Hier sollen die Waisen liebevolle Aufnahme in einer neuen Familie finden, doch meist haben nur Babys so viel Glück. In den älteren Kindern werden oftmals nur billige Arbeitskräfte gesehen, und auch Niamh, die nicht einmal ihren irischen Namen behalten darf, kann erst in der dritten Pflegefamilie ein Stück ihrer verlorenen Kindheit zurückgewinnen.
    Die zweite Handlungsebene spielt in Spruce Harbor, Maine, im Jahre 2011. Die 17-jährige Molly hatte ebenfalls bereits mit mehreren Pflegefamilien Bekanntschaft gemacht. Nach einem Diebstahl muss sie 50 Sozialstunden ableisten, und gelangt deshalb in das Haus der über 90 Jahre alten Vivian Daly. Hier soll sie der alten Dame beim Entrümpeln ihres Dachbodens helfen. Jedes der in Kisten verpackten Erinnerungsstücke erzählt einen Teil von Vivians Kindheit, und im Rahmen eines Unterrichtsprojektes bringt Molly deren ganze berührende Lebensgeschichte ans Tageslicht.


    Meine Meinung
    Vom ersten Kapitel an bin ich der Handlung, deren beide Erzählebenen sich auf sehr raffinierte Art verknüpfen, mit großem Interesse gefolgt. Nur zu gut kann man sich die Ängste der armen Kinder vorstellen, die, einem ungewissen Schicksal ausgeliefert, fast wie auf einem Sklavenmarkt begutachtet, und meist nach dem Arbeitsbedarf in der neuen Familie ausgewählt werden. Schrecklich müssen auch die Verhältnisse gewesen sein, in denen sich die weniger Glücklichen von ihnen wiederfanden. Unhygienische Lebensbedingungen, harte Arbeit, gewürzt mit harten Worten, dafür aber oft nicht genug zu essen, all das gehörte zum traurigen Alltag dieser bedauernswerten Kinder.
    Gut gelungen fand ich die Darstellung der Lebensschicksale beider Frauen, die sich trotz der zeitlichen Differenz von über 70 Jahren und völlig anderen sozialen Gegebenheiten dennoch sehr ähnlich sind. Vor allem den Kapiteln aus Vivians Kindheit bin ich mit großer Anteilnahme, zeitweise sogar in atemloser Spannung gefolgt. Liebe und Geborgenheit in einer Familie sind gewiss für jedes Kind die unbedingt notwendigen Grundlagen für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung. Auch die freundliche Vivian dürfte durch ihre schwere Kindheit ein gewisses Defizit davongetragen haben, wie bei der Geburt ihrer Tochter deutlich wird.
    Trotz der konträren Zeiten, in denen sich Vivians und Mollys Leben abspielt, kann man dem Inhalt ohne Schwierigkeiten auch beim Zuhören folgen. Dazu trägt sicher auch der flüssige und ansprechende Stil der Autorin bei, die immer so lange bei der Geschichte einer ihrer beiden Protagonistinnen verweilt, dass man den roten Faden nie verliert. Erwähnenswert ist auch die angenehme Vortragsweise der beiden Sprecherinnen Beate Himmelstoß und Susanne Schroeder, deren Stimmen ganz vorzüglich zu ihren jeweiligen Rollen passen.
    Für diesen großartigen Roman gebe ich sehr gerne eine unbedingte Leseempfehlung und natürlich die volle Punktezahl.


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    Worum es geht

    Am 20. Juli 1910 verlässt das Passagierschiff Montrose den Hafen von Antwerpen, und nimmt Kurs auf Quebec. In der ersten Klasse mit an Bord sind der liebenswürdige Mr. John Robinson und sein Sohn Edmund, unkomplizierte Passagiere, die niemandem auffallen, bis Kapitän Kendall eines Abends eine äußerst merkwürdige Entdeckung macht. Ein im Kapitän aufkeimender Verdacht veranlasst ihn, an Scotland Yard zu telegrafieren.
    In London hat sich Mrs. Louise Smython ebenfalls an die Polizei gewandt, findet sie doch das sang- und klanglose Verschwinden ihrer Freundin Cora Crippen, das so gar nicht zum temperamentvollen Charakter der Sängerin passt, äußerst seltsam. Ohne sich zu verabschieden, sei sie zu einem kranken Verwandten nach Amerika aufgebrochen und dort verstorben, behauptet zumindest ihr Ehemann.
    Wenig später trifft die Nachricht von der Montrose ein, und ein spektakulärer Kriminalfall kommt ans Tageslicht.


    Meine Meinung
    Vom realen historischen Hintergrund des Mordes an Cora Crippen nichts wissend, bin ich völlig unbelastet an die Lektüre herangegangen. Erst im Anschluss habe ich mich kundig gemacht und erfahren, dass es im tatsächlichen Mordfall viele Ungereimtheiten und offene Fragen gab. Diesen Umständen ist es wohl zu verdanken, dass der Autor seine eigene Version der Vorkommnisse niedergeschrieben, und diese Aufgabe meiner Meinung nach ganz hervorragend gemeistert hat.
    Sehr gut fand ich den Lebensweg von Harvey Crippen geschildert, und auch seine sich häufig wie eine Furie gebärdende Ehefrau Cora konnte ich mir bildhaft vorstellen. Sie träumt von einer großen Karriere als Sängerin, ohne zu erkennen, dass ihr dafür das nötige Talent fehlt. Die frustrierte Cora lässt ihre Wut am armen Harvey aus, der von seiner Angetrauten sogar verprügelt wird.
    Der brillante Erzähler und scharfsichtige Beobachter John Boyne hat aber nicht nur seinen Hauptfiguren Leben einzuhauchen vermocht, sondern auch seinen Nebenakteuren viel Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Besonders gut fand ich die redselige und dünkelhafte Mrs. Antoinette Drake charakterisiert, während ich mit der Darstellung der puritanischen Mutter des Harvey Crippen irischen Humor kennen und schätzen gelernt habe.
    In Vor- und Rückblenden rollt der Autor eine äußerst dramatische Geschichte auf, die mich von der ersten bis zur letzten Seite völlig in ihren Bann gezogen hat. Der Leser begleitet Harvey von seiner Kindheit, seinem beruflichen Werdegang und seiner unglücklichen Ehe bis zur Flucht mit seiner Geliebten Ethel LeNeve. Keinen Augenblick kam Langeweile auf, in atemloser Spannung habe ich das Leben des Protagonisten verfolgt, oder wollte wissen, wie es auf der Montrose weitergeht. Selten ist mir ein so rasant geschriebener, leicht und flüssig zu lesender Roman auf hohem sprachlichen Niveau in die Hände gefallen, der mich auch noch glänzend unterhalten hat.
    Bewundernswert fand ich die fantasievolle Variation des realen Mordfalles, die John Boyne in seinem Buch vorlegt. Dass es so gewesen sein könnte, möchte ich trotz aller Begeisterung für das Werk bezweifeln, doch hat mir die überraschende Wende am Ende des Romans so gut gefallen, dass ich sie als dichterische Freiheit gerne akzeptiere.


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