Beiträge von Herzblatt

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Worum es geht
    Eleni führt das traditionelle Leben einer griechischen Ehefrau und Mutter zweier halbwüchsiger Kinder, und arbeitet außerdem als Zimmermädchen im Hotel Dionysos auf der Insel Naxos. Unabsichtlich stößt sie beim Putzen im Zimmer eines französischen Paares eine Schachfigur vom Brett, und bringt damit auch in ihrem Leben einen Stein ins Rollen. Das geheimnisvolle Spiel geht ihr nicht mehr aus dem Kopf, und auf dem Heimweg kommt Eleni auf die verwegene Idee, ihrem Mann zum bevorstehenden Geburtstag ein Schachspiel zu schenken. Panos freut sich zwar über das originelle Geschenk, doch Eleni ist es, die sich mit den komplizierten Regeln des königlichen Spiels vertraut macht.
    In ihrem ehemaligen Lehrer findet sie nicht nur einen Schachpartner, sondern auch einen strengen Lehrmeister, der das Talent seiner Schülerin rasch erkennt. Als er sie zu einem Turnier in Athen anmeldet, bricht Eleni mit allen Regeln, die ihr die engen Grenzen ihres Umfeldes auferlegen, um die Herausforderung annehmen zu können.


    Meine Meinung
    Unbeachtet und ungelesen stand das schmale Bändchen wohl schon länger im Regal, ehe es mir kürzlich in die Hände gefallen ist. Von Anfang an war ich fasziniert von der schönen Sprache und dem ungewöhnlichen Inhalt, die es mir gleichermaßen angetan haben. Sehr gut konnte ich mir das in die Jahre gekommene Zimmermädchen vorstellen, dessen Leben zwischen familiären und beruflichen Pflichten ohne besondere Höhen und Tiefen verlaufen ist. Einziger Luxus in diesem beschaulichen und zufriedenen Dasein sind Elenis Träume von Paris, der Stadt ihrer heimlichen Sehnsucht. Nur zu gerne würde sie einmal über die Champs-Elysees flanieren, einmal nur auf den großen Boulevards Kaffee trinken, oder wenigstens diese zauberhafte Sprache erlernen. Dass diese Wünsche unerfüllbar sind, weiß Eleni, doch die begonnene Schachpartie im Zimmer des Paares aus Frankreich weckt in ihr die Vorstellung, dass sie mit ihrem Ehemann Panos ja Schach spielen könnte, wie die eleganten Damen in Paris.
    Sehr gefühlvoll beschreibt die Autorin den Mut einer ganz gewöhnlichen Frau, mit eher ungewöhnlichen Mitteln aus ihrem Alltag auszubrechen; von der Begeisterung, die sie gepackt hat, von den Anstrengungen und Rückschlägen ihrer Bemühungen, den Heimlichkeiten, die ihr Leben verändern und ihre Ehe auf eine harte Probe stellen. Bertina Henrichs führt ihre Leser aber nicht nur auf die wunderschöne Insel Naxos und das beschauliche Leben der Einheimischen, sondern auch in die geistige Atmosphäre des Schachspiels, das das Denken einer einfachen Putzfrau letztlich bis in deren Träume zu beherrschen beginnt. Diese Kombination hat mir ausgezeichnet gefallen, ich habe die wunderbare Geschichte von Anfang bis Ende mit großer Freude gelesen.

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    Worum es geht
    Im Jahre 1428 hält sich der bayrische Herzog Albrecht bei einem Turnier in Augsburg auf, und lernt beim Besuch einer Badestube die 17-jährige Agnes Bernauer kennen und lieben. Bald schon holt er die schöne Baderstochter, die er nicht vergessen kann, in sein Schloss und heiratet sie in aller Heimlichkeit.

    Einige Zeit duldet Albrechts Vater, Herzog Ernst, die unstandesgemäße Verbindung, doch im Laufe der Jahre nimmt dessen Sorge um das Fortbestehen seiner Erblinie überhand. Demgemäß mehren sich die Demütigungen und Übergriffe gegen den einzigen Erben. Doch Albrecht steht weiterhin treu zu der ihm Angetrauten, wodurch sich der Zorn des Vaters ins Unermessliche steigert. Herzog Ernst sieht nur einen Ausweg; die Badhure, die den Sohn verhext haben muss, soll sterben, wenn sie sich weiterhin uneinsichtig zeigt und von Albrecht nicht lossagen will.


    Meine Meinung
    Es ist ein ganz und gar ungewöhnlicher Stil, mit dem Manfred Böckl seine Leser überrascht, doch konnte er mich vom ersten Augenblick an völlig überzeugen. Viele Ausdrucksweisen und Begriffe, die der Autor verwendet, passen ganz vortrefflich in die Zeit, in der die Geschichte spielt. Und vieles, nicht nur das Ziehen eines Zahnes, schildert er so, dass man meint, mitten im Geschehen zu sein. Überhaupt gelingt es Manfred Böckl meisterhaft, Stimmungen einzufangen. Damals überlegte man sich nicht, ob man sein Gegenüber ohrfeigen, sondern ob man es nicht "maulschellen" solle; Sätze räderten einem durch den Kopf, und der Knochrige oder Totenschädelige sichelte junge Burschen hinweg, während sich der Sommer in den Herbst drehte. So sprachgewaltig geht es weiter, und der Leser wird mühelos in jene ferne Zeit eintauchen, das Schöne und das Grausige der Ereignisse geradezu bildhaft vor sich sehen.
    Da ich das Schicksal der Agnes Bernauer nicht kannte, blieb es für mich auch inhaltlich spannend bis zum Ende. Die Liebe des jungen Herzogs zur schönen Mooräugigen hat mich so sehr berührt, dass ich gerne die volle Punktezahl vergebe.


    5ratten

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    Worum es geht
    Julia ist alleinerziehende Mutter eines autistischen Sohnes, dessen Krankheit erst mit 10 Jahren erkannt wurde. Trotz aller Bemühungen ist es Julia nicht gelungen, eine engere Bindung zu George aufzubauen. Dieses Wunder vollbringt erst Ben, ein Streunerkater, der Zuflucht in Julias Garten gesucht hat, und von ihr gesund gepflegt wird. Mit Ben beginnt ein neues Leben für Mutter und Sohn, doch dann verschwindet der Kater, und Julia setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihn wiederzufinden.


    Meine Meinung
    Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das mich zu Tränen gerührt hat, aber Julia Romp wäre es mit der Geschichte ihres Sohnes und dem Kater Ben beinahe gelungen. Im ersten Teil beschreibt sie die Schwierigkeiten, die sie als junge, arbeitslose Mutter mit einem kleinen Kind hatte, zumal dieses Kind sehr verhaltensauffällig war. Fast alle Menschen, mit denen Julia in Berührung kam, hielten sie mit der Erziehung für überfordert. George war deren Meinung nach nichts anderes als ein äußerst ungezogener Bengel. Dass er in einer ganz anderen Welt lebte, zu der nicht einmal die Mutter Zugang hatte, erkannte viele Jahre niemand, obwohl Julia immer wieder auf seine Eigenheiten hinwies.
    Kaum war die richtige Diagnose gestellt, kam Kater Ben ins Haus, und mit ihm änderte sich alles. Plötzlich begann George über Ben zu sprechen, und so findet auch Julia einen Weg zu ihm. In der Fürsorge um den Kater und durch das Spielen mit ihm lernt George auch seiner Mutter gegenüber endlich Gefühle zu zeigen. Doch während eines Urlaubs, den George wegen Ben lange nicht hatte antreten wollen, verschwindet der Kater spurlos. Julia bricht die Reise sofort ab, und kehrt nach Hause zurück, um eine beispiellose Suchaktion zu starten, aber Ben bleibt wie vom Erdboden verschluckt. George gibt ihr die Schuld an Bens Verschwinden, und zieht sich wieder in seine dunkle Welt zurück.
    Julia Romp beschreibt das schwierige Zusammenleben mit George sehr einfühlsam und berührend, ebenso wie die große Veränderung, die sich mit Bens Auftauchen abzuzeichnen beginnt. Am meisten mit ihr gelitten und gezittert habe ich aber auf ihrer Suche nach Ben, die sie mit vollem Einsatz betreibt, Verwarnungen und Spott in Kauf nimmt, und dennoch nicht aufgibt. Sie weiß, dass sie Ben finden muss, ob tot oder lebendig, weil ihr sonst der Weg zu George für immer verschlossen bleiben wird. Weil ich am Schicksal von Tieren immer besonderen Anteil nehme, und die Spannung fast nicht mehr auszuhalten war, habe ich etwas gemacht, was sonst so gut wie nie vorkommt, ich habe das Ende zuerst gelesen.
    Gerne empfehle ich dieses wunderbare Buch weiter, das berührend und mitreißend gleichermaßen geschrieben ist, eine gelungene Mischung, der sich wohl kaum eine mitfühlende Seele entziehen kann.


    5ratten

    Worum es geht
    Der berühmte englische Dichter Charles Dickens ist einer der wenigen Überlebenden bei einem schweren Zugunglück. Als er, selber unter Schock stehend, bei der Bergung der Opfer hilft, gesellt sich eine unheimliche Gestalt zu ihm, die sich als Drood vorstellt. Seit dessen Erscheinen sterben auch die weniger schwer Verletzten ganz plötzlich, so Dickens Eindruck.

    Um dieses schreckliche Ereignis besser verarbeiten zu können, weiht er seinen Schriftstellerkollegen Wilkie Collins in seine Erlebnisse ein. Die beiden Freunde machen sich auf die Suche nach Drood und müssen in ihnen bisher unbekannte Welten vordringen.
    Doch wer ist dieser unheimliche Geselle, und lässt er sich überhaupt finden? Handelt es sich um eine real existierende Person, oder ist er womöglich doch nur eine Fantasiegestalt opiumumnebelter Nächte?


    Meine Meinung

    Am Ende des Romans erhält der Leser eine eindeutige Antwort auf diese Frage, aber der Weg dahin ist weit und zeitweise auch recht mühsam. So gab es vor allem auf den ersten 500 Seiten durchaus einige Längen zu überwinden. Ab der Hälfte gewinnt die Geschichte jedoch an einer dramatischen Dynamik, die mich völlig in ihren Bann gezogen hat.
    Des Rätsels Lösung ließ im ersten Moment zwar ein Gefühl der Enttäuschung in mir aufkommen, konnte meine Begeisterung aber nur kurzzeitig trüben. Nach intensiverem Nachdenken über den Handlungsverlauf musste ich mir schließlich eingestehen, dass die vom Autor gewählte Konstruktion die einzige Möglichkeit war, wenn er glaubhaft bleiben wollte.
    Dan Simmons hat mit seinem Buch einen spannenden, phantasievollen und dennoch logisch nachvollziehbaren Roman vorgelegt, der mir auch stilistisch gut gefallen hat.


    4ratten



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