Beiträge von Ladybug

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Marc Roger - Die Bücher des Monsieur Picquier


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    Wer sind Deine Helden?


    Monsieur Picquier war Buchhändler. Jetzt ist er pensioniert und lebt im Seniorenheim. Hier her hat er dreitausend seiner dreißigtausend Bücher „gerettet“, wie er das nennt. Es ist eng in diesem Zimmer, aber Monsieur Picquier stört das nicht. Seine Augen und Parkinson machen ihm das Lesen unmöglich und so überredet er den neuen Hilfskoch Grégoire, ihm jeden Tag eine Stunde vorzulesen. Für die beiden Männer, die aus so unterschiedlichen Generationen stammen, beginnt eine außergewöhnliche Zeit, die beide verändert.



    Es ist schwer in Worte zu fassen, wie bezaubernd und bewegend dieses Buch ist. Es werden eine Menge Themen angeschnitten und mehr oder weniger ausführlich dargelegt, allerdings immer ohne moralischen Zeigefinger. Der Umgang mit Senioren, der Umgang mit Gleichaltrigen (sei es nun Jung oder Alt untereinander), das Problem der Vereinsamung, Homosexualität, Liebe, Altersunterschiede, Ausbeutung, Pflegenotstand – das sind nur ein paar der Themen, die im Buch einen Platz finden. Hier wurde wirklich aus dem Vollen geschöpft, das Leben realistisch wiedergegeben. Und doch geht die Geschichte ans Herz und tief unter die Haut.



    Grégoire hat so gut wie kein Selbstvertrauen, weil er in der Schule als Versager galt. Seine Mutter arbeitet hart, um beide über Wasser zu halten. Der Job als Hilfskoch soll sie ein bisschen unterstützen und doch rechnet der junge Mann damit, ihn nicht lange zu haben. Schließlich ist er ja ein Versager! Die schicksalhafte Begegnung mit dem alten Buchhändler gibt ihm den Mut, ganz neue Wege zu gehen und an sich selbst zu glauben. Hier kann sich jeder ein Beispiel nehmen und erkennen, dass viele Wege nach Rom führen – und Rom viele schöne Ecken hat!



    Marc Roger nutzt eine sehr weiche, sanfte Sprache. Da treffen die wenigen derben Stellen im Buch den Leser umso heftiger. Doch dieses Stilmittel verfehlt seine Wirkung nicht. Genau wie die Figuren im Buch, verändert die Begegnung mit dem greisen Mann und dem gerade Volljährigen den Leser auf wunderbare Art und Weise. Die Liebe zu Büchern begleitet den Buchhändler ein Leben lang, wird ihm zum Werkzeug und verändert auch das Leben, Denken und Handeln der Menschen um ihn herum. Es ist eine Metapher, die jeder für sich passend „entschlüsseln“ kann. Es ist tiefgründig und emotional, weise und leise, aber verschafft sich Gehör. Das ist wunderbar!



    Solche Bücher sind seltene Diamanten im Gestein der Bücherberge. Ich bin sehr froh, es gefunden zu haben und lege es allen ans Herz – es fordert den Leser an manchen Stellen stark, doch bereichert ihn von Anfang bis Ende. Humor und Gefühl kommen nicht zu kurz, die eine oder andere Überraschung lauert hinter einigen Ecken und am Ende ist man sicher, neue Freunde gefunden zu haben. Ich gebe die vollen fünf Sterne!



    ★★★★★

    Judith Merchant spielt gekonnt mit dem Leser


    Obwohl ihr Mann Martin sie davon abhalten möchte, fährt Esther zu ihrer Schwester, die im Wald ein großes Haus alleine bewohnt. Am Tag vor Weihnachten möchte sie ihr ein Geschenk und eine Flasche Wein bringen – und sie dazu bewegen, mit zu ihr zu fahren, um nicht allein zu sein. Sue möchte allerdings ihre Ruhe und zwar so richtig, besonders vor ihrer dominanten Schwester. Die eine will die andere überzeugen und auf einmal ist nichts mehr, wie es mal war …




    Für mich ist dies das erste Buch der Autorin Judith Merchant. Ich vermute allerdings, dass es nicht das letzte gewesen ist, denn sie hat mich mit ihrem Stil und ihren schriftstellerischen Tricks komplett abgeholt. Sie lässt sowohl Sue, als auch Esther ihre Sicht der Dinge erzählen und den Leser selbst entscheiden, wem er glauben möchte. Mit der Zeit tauchen noch andere Perspektiven bzw. Einschübe und Rückblicke auf, die den Leser eher verwirren, denn schlauer machen. Und genau das finde ich enorm gelungen, denn so seltsam es aussieht, so gut passen die Puzzleteilchen zusammen und ineinander.



    Permanent wechselt man vom Team Esther ins Team Sue und wieder zurück. Die Kindheit der beiden Schwestern wird ebenfalls zum Thema, genau wie das engere Umfeld damals und heute. Obwohl auf langen Strecken gar nichts Schlimmes passiert, ist man in den Bann der Geschichte geschlagen und kann kaum aufhören zu lesen. Schon allein die recht kurzen Kapitel entwickeln einen gewissen Sog. Die sich geradezu beißenden Aussagen und Ansichten der Schwestern verstärken diesen Sog noch.



    So außergewöhnlich die Charaktere allesamt sind, so glaubwürdig sind sie dennoch. Es ist faszinierend, wie die Autorin den Leser führt und verführt, erleuchtet und blendet, beruhigt und aufregt. Es ist ein Wechselbad der Gefühle und damit ein Leseerlebnis sondergleichen.



    Es gibt allerdings eine Stelle, die in meinen Augen ungeklärt und unvollständig ist. Das stört mich und ich will wissen, was da nun wirklich los ist oder war. Für mich ist das sehr wichtig und deshalb macht es mich unzufrieden. Mehr darüber zu schreiben wäre ein fetter Spoiler, den ich nicht bringen kann und möchte. Für die meisten wird das kein Problem sein, aber für mich ist es Grund, einen Stern abzuziehen.



    Dennoch ist dieser Psychothriller eins der Highlights meines Lesejahres und ich gebe vier Sterne.




    ★★★★

    Tom Grimm - Das kleine Koch- und Backbuch für Potterheads


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    Schlemmen wie ein Zauberer!


    Nicht nur für Fans der Bücher um Harry Potter, auch für das Kochen und Backen rund um Halloween ist dieses Buch der Hit. Doch für alle Potterheads ist es geradezu ein Must-Have! Herrlich, wie viele tolle Ideen hier zusammengetragen wurden, um passend zu den Büchern und Filmen Speisen und Getränke auftischen zu können. Hierbei wird nicht nur an die Kids gedacht, auch die Erwachsenen Fans kommen nicht zu kurz!



    Sieben Themenwelten werden angeboten:

    • Süßes aus dem Honigtopf
    • Leckeres aus dem Drei Besen
    • Das Beste aus Molly Weasleys Zauberküche
    • Köstlichkeiten aus Hogwarts
    • Hagrids Kochversuche
    • Zu Gast bei der Todesfeier des fast kopflosen Nick
    • Magisches aus der Zauberwelt


    Die Zutatenliste ist dabei jeweils in eine „Pergamentrolle“ gedruckt. Daneben findet sich dann immer eine gut beschriebene und leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung. Bei einigen der Rezepte meldet sich der Hauself Dobby mit Tipps zu Wort.



    Ein wenig schade finde ich, dass beim einen oder anderen Rezept nicht Fotos von den tatsächlichen Ergebnissen sind. Gerade bei den Jelly-Beans und Zitronendrops sind es eindeutig gekaufte Produkte. Das könnte die Kids beim Nacharbeiten doch traurig stimmen.



    Ein paar der Rezepte erfordern recht außergewöhnliche Zutaten. Die meisten aber bekommt man mit dem hin, was man entweder ohnehin auf Vorrat hat oder leicht besorgen kann. Bei den Gerichten ist nicht immer angegeben, wenn Alkohol verwendet wurde. Beispielsweise bei den Hackbällchen in Zwiebelsoße fehlt dieser nette „Siegelstempel“ oben rechts, aber auch beim Gulasch. Möglicherweise liegt das daran, dass dies gekochte Gerichte sind, bei denen der Alkohol verfliegt. Allerdings ist es bei der Kürbissuppe erwähnt. Da aber viele Eltern auch den Geschmack von Alkohol vermeiden möchten, fehlt das hier doch.



    Manche Rezepte sind einfach, andere schwieriger. Einen Schwierigkeitsgrad findet man leider bei keinem der Rezepte, auch keine Angaben zu Kalorien, Nährwerten oder Zeitaufwand. Das hätte mir noch sehr gefallen. Auch finde ich es ein bisschen schade, dass Tom Grimm sich selbst kopiert: Manche der Rezepte kennt der Fan seiner Bücher bereits.



    Doch trotz aller Mäkelei – das Buch macht Spaß. Für sich selbst oder als Geschenk für Fans der Bücher und Filme ist es eine schöne Sache. Nicht perfekt, aber reizend. Von daher gebe ich vier Sterne.



    ★★★★

    Tom Grimm - Pimp my Fertiggericht


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    So wird auch aus der TK-Pizza eine kleine Delikatesse!


    Ja, ich gebe gern zu: Manchmal ist ein Tag stressig gewesen und man mag nur noch ein Fertiggericht zubereiten. Zu diesem Zweck steht eine mittelgroße Auswahl an Konserven & Co. in unserer Vorratskammer. Schon immer haben wir aber noch das eine oder andere Extra dazugegeben. Ganz klar, dass mich dieses völlig andere Kochbuch entsprechend angezogen hat!



    Klar, auf die Idee, eine TK-Spinat-Pizza mit frischem Blattspinat und Flusskrebsen zu belegen, kann man selbst kommen. Gar kein Ding. Aber wer noch nie gepimpt hat, wird doch den einen oder anderen „Anfänger-Tipp“ benötigen, so als Anstoß. Außerdem hat es auch etwas ausgefallenere Ideen. Zugegeben, dazu muss man dann auch die nötigen Zutaten im Haus haben. Macht aber nix – man kann sie ja nach Lektüre des Buches mal eben auf den Einkaufszettel setzen und hat sie dann vielleicht ja passend zu den Fertiggerichten zur Hand, wenn nötig …!



    Aufgeteilt ist das Buch in die Kapitel:


    • Einfach posh!
    • Hauptsache yummy!
    • Fleischlos glücklich
    • Leicht und lecker


    Da findet jeder eine tolle Idee für das Veredeln der einfachsten Fertigpackungen! Sogar Ramen kann man pimpen und das so einfach und doch so edel! Manche gepimpte Speisen sind meiner Meinung nach sogar Gäste-tauglich. Da ist es gut, dass die Rezepte immer auch auf einen Blick zeigen, für wie viele Portionen sie ausgelegt sind. Ebenfalls erkennt man, wie lange die Zubereitung dauert und welcher Schwierigkeitsgrad vorliegt. Natürlich findet man auch eine Zutatenliste und eine gut verständliche und übersichtliche Schritt-für-Schritt-Anleitung. Mit wenigen Zutaten und guten Ideen werden die Fertiggerichte nicht nur geschmacklich und optisch gepimpt, sie werden auch ausgewogener und gesünder.



    Das Buch ist nicht nur ideal für Eilige, sondern auch für alle, die nicht gern kochen oder nicht kochen können und meiner Meinung nach besonders für Studenten, deren Küchen doch meist nicht unbedingt Gourmet-Tempel sind, die aber gern in der WG essen. Aber auch, wer sonst „richtig“ kocht, wird hier Appetit bekommen!



    Schön gemacht, mit Fotos zu jedem Gericht. Einzig ein Stichwortregister fehlt mir, aber das ist mir keinen Sterneabzug wert, deshalb gebe ich die vollen fünf Sterne.




    ★★★★★

    Karine Lambert - Die Pension der gebrochenen Herzen


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    Die Schule – ein Ort des Lernens



    Max wollte so gern mit seiner Frau aus einer alten Schule ein Hotel machen und arbeitet mit ganzem Herzen und Körpereinsatz daran. Kurz vor der Fertigstellung verlässt ihn Louise und für Max bricht schlichtweg alles zusammen. Nach und nach ziehen vier weitere Neu-Singles bei ihm ein und so wird aus der Schule eine Männerpension. Die fünf Männer könnten unterschiedlicher nicht sein und entsprechend gestaltet sich das Zusammenleben …



    Ich liebe die Bücher von Karine Lambert. Sie haben alle einen ganz besonderen Zauber und verändern den Leser sanft, aber gründlich. Doch zu diesem Buch fiel mir der Zugang leider erstaunlich schwer. Ich fand so wenig von der wunderbaren Sprache, die die Autorin sonst nutzt. Die Männer haben mich allesamt sehr enttäuscht und keiner konnte meine Sympathie so richtig gewinnen. Doch auch die Frauen blieben mir bis zum Schluss erschreckend fremd und fern. Ich hatte fast die ganze Zeit das Gefühl, ungewollt Dinge mitzuhören, die nicht für mich bestimmt sind. Es war fast, als wüsste nebenan jemand nicht, wie dünn die Wände sind.



    Karine Lambert hat hier viel mit Klischees gearbeitet und für jeden Typ Mann einen Gast in der Pension geschaffen. Gut kommt keiner weg. Der eine ist zu weich, der andere zu arrogant, der dritte wieder zu arbeitsscheu … Doch auch die Frauen sind nicht ohne. Keine hat ihrem Partner überhaupt eine echte Chance gegeben, sondern einfach den Koffer vor die Tür gestellt. Hm!



    Zwar entwickeln sich die Männer im Laufe des Buches, aber mir scheint das nicht in sich stimmig zu sein. Symbolisch ist hier natürlich die Schule – die Männer lernen, über sich selbst, über das Leben und vor allem über Frauen. Die Entwicklung ist wichtig, aber das Ende ein bisschen zu glatt.



    Jeder hat mal einen schlechten Roman in einer Serie genialer Bücher. Deshalb freue ich mich umso mehr auf das nächste Buch der Autorin. Dieses mochte ich nicht so sehr, aber sicher kommt sie beim nächsten Mal wieder mit einem genialen Werk um die Ecke. Von mir bekommt die „Pension der gebrochenen Herzen“ drei Sterne.



    ★★★

    Anne Töpfer - Wildblütenzauber


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    Die Liebe einer Mutter geht über alle Grenzen hinaus



    Sarah hat sich gerade von ihrem untreuen Freund Thorben getrennt und ist zu ihrer Mutter gezogen. Ein Autounfall reißt Sarahs Mutter unverhofft aus dem Leben. Ihre Freundin Doreen ist ihr eine große Stütze. So entschließt sich Sarah, zu ihr in die Boddenlandschaft zu ziehen. Als plötzlich eine ihr unbekannte Großtante auftaucht und Sarah erfährt, dass sie ein Haus in Nürnberg erben wird, wollen viele Fragen beantwortet werden. Sarah und Doreen erinnern sich an die schönen Zeiten mit Sarahs Mutter, die auch Doreen als eine Art Tochter sah. Doch was genau hat sie vor allen verheimlicht? Die beiden begeben sich auf die Suche …



    Die Bücher der Autorin – auch unter anderen Pseudonymen – sagen mir immer sehr zu. Auch wenn es eigentlich gar nicht mein Genre ist, kann sie mich immer mit auf eine schöne Reise nehmen. Ich mag ihre Figuren sehr – männliche wie weibliche! Sie zeichnet sie mit wenigen feinen Pinselstrichen und man hat das Gefühl, sie vor Augen zu haben, ja sogar, sie zu kennen. Beschreibungen von Örtlichkeiten, der Umgebung und des Geschehens sowie der Gedanken und Gefühle der Figuren sind nie langweilig.



    Die Entwicklung der Geschichte ist in sich schon stimmig. Aber der Klappentext verspricht einen spannenden Hauptteil in Nürnberg. Dieser Teil kommt aber sehr spät zum Zuge und so habe ich leider die meiste Zeit das Gefühl gehabt, ich bin bei der falschen Geschichte. Auch kommt mir das Herbarium ein bisschen zu kurz. Die kleinen Einschübe mit Gebäck und der Einsatz von unterschiedlichen Kräutern fallen kaum auf.



    Dass auch die Liebe eine Rolle spielt, war abzusehen. Das gehört ebenfalls zu den Büchern der Autorin. Doch es ist nicht übertrieben schnulzig, sondern lebendig und mit einer schönen Prise Humor. Außerdem weiß Anne Töpfer um den Zauber der Realitätsnähe – und setzt ihn hier sehr gekonnte ein.



    Mir ging besonders nahe, wie Sarahs Trauer beschrieben wurde. In vielem habe ich mich selbst wiedererkannt und so ein kleines Stückchen Trauerbewältigung schaffen können. „Der Tod ordnet die Welt neu“ – oh ja, das ist wohl wahr!



    Es ist für mich nicht das stärkste Buch der Autorin, dennoch habe ich es genossen. Es wirkt auf einer anderen Ebene, hallt auch eine längere Zeit noch nach. Besonders die Schlüsselszene, der „Show-Down“, ist absolut gelungen, mitreißend, überraschend und atemberaubend. So bin ich dann nicht enttäuscht, aber auch nicht so begeistert, wie bei den anderen Büchern der Autorin.



    Sehr schön wie immer: Es finden sich am Ende ein paar Rezepte, die sich auf das Buch beziehen. Das liebe ich und das ist ein echtes Highlight!



    Alles in allem möchte ich „Wildblütenzauber“ gerade noch vier Sterne geben und ich bin gespannt, was als nächstes kommen wird!


    ★★★★

    Andreas Winkelmann - Die Karte


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    Vielleicht ein bisschen zu viele Verwicklungen, um glaubwürdig sein zu können


    Laura Windmüllers Lebensgefährtin Eva geht, wie so oft am Abend, noch Laufen. Doch dann kommt von Evas Handy eine seltsame Nachricht und Laura wird ermordet aufgefunden. Hauptkommissar Jens Kerner macht sich Vorwürfe, Eva nicht eindringlicher aufgehalten zu haben, denn er hat sie wohl als einer der letzte lebend gesehen. Ausgerechnet vor Evas Haus wurde kurz zuvor ein Mann erstochen. Hängen die beiden Morde zusammen? Doch dann wird eine weitere Läuferin tot aufgefunden – in gleicher Weise ermordet, wie Laura. Zusammen mit seiner Kollegin Rebecca Oswald will Jens den Fall so schnell wie möglich aufklären, denn eines ist klar – der Täter wird weitermachen!



    Obwohl der vierte Band für mich der erste war, kam ich gut in die Story und auch die Charaktere musste ich mir nicht sehr erarbeiten. Das Team Jens / Becca ist einfach super eingespielt und das überträgt sich sehr auf den Leser. Die Vertrautheit und das Knistern ist Winkelmann sehr gut gelungen. Klar, wenn man sich erlesen hat, wie das entstanden ist, ist es sicher noch schöner. Der Fall selbst lässt sich prima ohne Vorkenntnisse der anderen Bücher genießen.



    Die Idee, die Karte bzw. die App (aber den Titel gibt es ja bereits) als Schlüssel einzubauen, finde ich gelungen und zeitgemäß bzw. in die aktuelle App-Schwemme passend. Die kleinen und großen Wendungen sind gekonnt und stimmig eingefügt worden. Allerdings gibt es auch ein paar Ungereimtheiten, die mir aufgestoßen sind. Vielleicht erwarte ich auch zu viel von einem Krimi/Thriller? Mir ist immer rätselhaft, wenn ein Ermittler ohne zweite Person unterwegs ist. Meines Wissens nach sind die immer zu zweit unterwegs.



    Die Story entwickelt sich in eine ganz andere Richtung, als ich ursprünglich dachte. Das ist nun weder schlecht, noch besonders raffiniert. Aber es passt nicht so wirklich zum Titel. Die Auflösung ist recht überraschend, auch wenn sie durchaus logisch aufgebaut ist. Mit einem zweiten Faden lockt der Autor den Leser zudem gekonnt auf einige falsche Fährten. Dazu kommt noch ein weiteres Verbrechen, das Jens so nebenbei aufklärt und der Masse an Zufällen ein kleines Krönchen aufsetzt.



    Insgesamt fand ich die Story nicht wirklich schlecht, aber sie bringt mich nun auch nicht dazu, die bisherigen Bände unbedingt noch kennenlernen zu wollen. Auch ist sie nicht gut genug gewesen, dass ich einen vermutlich folgenden fünften Band unbedingt haben muss. Ich wurde gut unterhalten, werde allerdings nicht wirklich viel sehr lange im Gedächtnis behalten. Von daher also ein durchschnittlicher Krimi, dem ich drei Sterne gebe.



    Bisher hatte ich noch kein von Charles Rettinghaus gesprochenes Hörbuch. Seine Stimme gefällt mir, aber er las das Buch ein bisschen wie eine Predigt und das hat mich doch immer mal wieder ins Stolpern gebracht. Ich kann ihm gut zuhören, mein Lieblingssprecher wird er allerdings auf diese Weise definitiv nicht.


    ★★★

    Hape Kerkeling - Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich


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    Das Herz auf der Zunge tragen – Hape Kerkeling kann das super!


    Ich war ein Teenager, als Hape Kerkeling mit Hannilein in mein Leben trat. „Hurtz“ hat mich dann unfassbar fasziniert – ich konnte einfach nicht glauben, dass da so viele Leute drauf reingefallen sind. In all den Jahren danach hat er immer wieder neue wunderbare Ideen umgesetzt und mich begeistern können. Sogar Bücher schreiben kann der Junge! Und wie! Na, und mit dem „Katzenbuch“ rennt er bei mir natürlich offene Türen ein …!



    Es ist wunderbar, wie Hape Kerkeling aus dem Nähkästchen plaudert. Die Geschichte, wie er zur ersten Katzenfreundin kam, ist gleichermaßen urkomisch, wie auch sehr berührend. Überhaupt geht das ganze Buch direkt ins Herz! Und ja, ich habe einige Tränen vergossen. Das liegt mit daran, dass ich gerade in einer schwierigen Situation mit meinem Kater stecke und der Abschied nur eine Frage der Zeit ist. Ja, Herr Kerkeling – oder darf ich „Du“ sagen? – ich werde den richtigen Zeitpunkt finden und keinen Fehler machen. Nicht zuletzt durch dieses Buch, das so liebevoll ist, trotz allem Humor darin!



    Besonders „die zweitbeste Freundin Gisela“ hat es mir ja angetan. Hach! So wunderbar! Ich saß quasi mit im Ferienhaus und auch beim TV-Abend auf der Couch! Überhaupt war ich immer mittendrin, nie daneben – sogar im Messiehaus in Wanne. So vieles erkennt man als Katzenmama wieder, auch wenn niemals eine Katze der anderen gleicht und alle unterschiedliche Charaktere sind.



    Doch es gibt nicht nur einfach Geschichten aus dem Leben der Familie Kerkeling, es gibt auch viele Informationen. Die meisten kennt man vielleicht schon, wenn man selbst mit Katzen zusammenlebt, aber noch mal so wunderbar „serviert“ frischen sie auf alle Fälle die Erinnerung auf und schaden keinesfalls. Neues lernt man meiner Meinung nach immer dazu. Seine Vorstellung der verschiedenen Katzenrassen hat mir besonders gut gefallen.



    Dass Hape Kerkeling das Buch selbst eingelesen hat, ist wunderbar und natürlich auch stimmig. Denn wer könnte seine Gedanken und Gefühle besser in die richtige Tonlage packen, als er selbst? Die Ironie, die Liebe, die Trauer – alles ist nur dadurch enorm authentisch. Ich bin ihm regelrecht an den Lippen gehangen, habe gelacht, habe geweint und fühle mich so wunderbar verstanden und unterstützt.



    Danke, Hape Kerkeling! Genau dieses Hörbuch habe ich genau jetzt gebraucht. Besser hätte es nicht sein können. Einfach großartig und wunderbar. Fünf blitzblank polierte Sterne mit Katzenöhrchen dran!


    ★★★★★

    Max Oban - Blutroter Wein


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    Gemächlicher Krimi mit viel Lokalkolorit


    Südtirol und Wein gehören einfach zusammen. Und als Tiberio Tanner durch den Kauf einer Flasche Rebensaft tatsächlich einen Rebstock gewinnt, macht er sich gleich auf den Weg, um ihn in Besitz zu nehmen. Doch angekommen hat er wenig Lust auf Wein von dieser Pflanze: Ein Toter liegt genau an seinem Weinstock! Da Tanner Privatdetektiv ist, beginnt er mit den Ermittlungen. Das passt nicht jedem, doch mit seiner Art hat er nicht nur die nette Apothekerin Paula für sich gewonnen, sondern mogelt sich prima überall durch. Und er hat viele Gründe, den Fall lösen zu wollen …



    Ich hatte wirklich sehr viel Spaß mit dieser Story, auch wenn sie teilweise ein bisschen zu sehr politisch geraten ist. Der literarische Aufenthalt in Italien und Österreich ist eine gelungene Mischung aus Weinkunde, kulinarischen Highlights, satirischem Humor, spannenden Verwicklungen und klugen Wendungen. Dazu eine Prise Gefühl und schon hat man einen wunderbaren Mix.



    Dem Autor ist eine ganze Reihe wunderbarer Charaktere gelungen. Alle echte Originale, die das Herz berühren, schmunzeln lassen, staunen machen und wirklich einzigartig sind. Trotz ganz viel Humor finden sich hier auch sehr bewegende Szenen und Stellen. Diese Mischung mag ich sehr. Ein recht gemütlicher Regional-Krimi, der aber sehr unterhaltsam ist und auch zum Nachdenken anregt. Das Geplänkel zwischen Tanner und Paula ist wunderbar, aber Oban versteht es vorzüglich, Tanner auch im Gespräch mit anderen schelmisch und gechillt sein zu lassen, ohne ihn komplett zum Trollo zu machen. Ich mag Tanner einfach und ich mag Menschen (und Romanfiguren), die Genießer sind. Der kleine „politische Ausrutscher“ kostet zwar einen Stern, dennoch fand ich die Story sehr unterhaltsam.



    Rolf Berg hat seinen Sprecher-Job super gut gemacht. Man könnte meinen, er identifiziert sich mit Tanner, so wunderbar hat er ihn „belebt“. Die Bandbreite seiner Stimmfarben ist erstaunlich. Besonders seine Art, Tony zu sprechen, hat mich sehr bewegt.



    Alles in allem ein schöner Cosy-Crime, dem ich vier Sterne gebe.


    ★★★★

    Scott Thomas - VIOLET


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    Gefährliches Spiel


    Kris Barlow beschließt, mit ihrer achtjährigen Tochter Sadie ins alte Ferienhaus ihrer Eltern zu fahren. Sadie soll hier den Schock über den Unfalltod ihres Vaters verarbeiten und ihre Seele heilen lassen. Doch am Lost Lake stellt sie fest, dass vom Haus eigentlich nur noch eine Ruine übrig ist. Dennoch will sie in kein anderes Haus und beginnt mit der Renovierung. Und tatsächlich öffnet sich Sadie nach und nach, was Kris als gutes Zeichen nimmt. Doch dann erfährt sie von Dingen, die ein völlig anderes Licht auf Pacinton, das Haus und ihre eigene Vergangenheit werfen …



    Es fällt mir schwer, das Buch zu bewerten. Scott Thomas hat einen wunderbaren Schreibstil, der den Leser in Sicherheit wiegt und vorgibt, es geht um eine harmlose Familiengeschichte. Doch dann zieht er einem ohne Vorwarnung den Boden unter den Füßen weg – nur, um mit demselben Spielchen immer wieder neu zu beginnen und das Ganze dann in einem fulminanten Showdown enden zu lassen. Zwischendurch fand ich die Story sogar langweilig, konnte Krissys Verhalten nicht verstehen und hab mich ein bisschen über sie geärgert. Zwar ist es ein raffiniertes Stilmittel, nicht alle Dinge direkt beim Namen zu nennen und mehr anzudeuten, doch wurde es hier meiner Meinung nach ein bisschen zu oft eingesetzt und hat sich damit abgenutzt.



    Der Autor hat in diesem Buch fast wie nebenbei eine ganze Reihe Themen angeschnitten und verarbeitet, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick bemerkt, dennoch passen sie ins Gesamtbild und haben auch die Wirkung eines roten Fadens. Krankheit, Sucht, Tod, Betrug, Lüge und Liebe sind die vordergründigen Themen, aber es geht auch um Kindheit, Einsamkeit, Verlorensein, Erinnerungen und Abhängigkeiten. Die Macht der Sehnsucht sollte man nie unterschätzen!



    Die Figuren entwickeln sich alle im Laufe der Geschichte weit von ihrer anfänglichen Art weg. Die Ereignisse aus Krissys Vergangenheit reichen bis in ihre Gegenwart. Das ist ihr zwar bewusst gewesen, doch die Ausmaße sind wesentlich tragischer, als man ahnen kann. Der mystische Teil erinnert an Stephen King. Wie bei ihm, so findet sich auch hier damit ein Faktor, der aus einer völlig normalen Handlung einen Thriller macht. Dennoch werden mir manche Szenen zu ausführlich, dafür andere zu oberflächlich behandelt. Und doch bin ich insgesamt von diesem düsteren Buch gefesselt worden. Es lässt sich nicht mit „Kill Creek“ vergleichen, erzeugt völlig andere Gefühle und das nicht nur, weil dort die Hauptfiguren männlich und hier beide weiblich sind. Vier Sterne ist mir „VIOLET“ wert und ich bin auf das nächste Werk von Scott Thomas sehr gespannt.




    ★★★★★

    David Jackson - Der Bewohner


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    Hat mich sehr überrascht!


    Thomas Brody versteckt sich auf dem Dachboden eines leerstehenden Reihenhauses und entdeckt, dass er von dort nicht nur die Bewohner beobachten und ausspionieren, sondern sich auch mit Lebensmitteln und Duschen versorgen kann. Brody ist Serienmörder und sein nächstes Opfer steht schon fest. Doch zunächst möchte Brody spielen …



    Die Stimme seines Alter Egos in seinem Kopf ist beängstigend und quasi das wahre Böse. Jackson schreibt so, dass der Leser (oder auch Hörer) geradezu an der Seite seines Protagonisten ist und damit unfreiwillig zu Voyeur wird. Anfangs ist man einfach nur verstört, doch nach und nach erfährt man Dinge aus Brodys Vergangenheit, die zwar nichts entschuldigen, aber vieles erklären und sehr betroffen machen.



    Es gibt viele Szenen, die mir zu plastisch beschrieben sind. Gewalt und erotische Phantasien (und auch tatsächlich stattfindende Szenen) hätten für meinen Geschmack auch nur angedeutet werden können. So einige Stellen triggern enorm.



    Auf weiten Strecken fragt man sich dennoch, wieso dies ein Thriller ist – doch am Ende haut Jackson so viele Bolzen raus, dass es mir den Atem raubte. Und ja – damit wurde ich mehr als gut entschädigt und das Ruder wurde eindeutig und definitiv herumgerissen. Nichts hätte anders geschehen dürfen, sonst hätte das Ende nicht so reingehauen und gepasst!



    Man hat besonders bei Martyn und Colette ein mulmiges Gefühl, denn hier zeigt Brody seine dunkle und außerordentlich böse, gemeine Seite. Um Elsie hatte ich schreckliche Angst und ausgerechnet hier zeigt Brody plötzlich eine Seite, die ihn sympathisch macht und das schockierte mich fast mehr, als alle anderen Szenen.



    Glaubt man, dass man alles schon kennt und weiß, wie es endet, zieht einem Jackson den Boden komplett unter den Füßen weg. Nichts ist mehr, wie es war. Man erkennt, dass man nie zu voreilig irgendwelche Schlüsse ziehen, aber immer auf der Hut sein sollte!



    Ja, mir hat die Story super gut gefallen! Gerade, weil ich an manchen Stellen innerlich aufstöhnte und am Ende einsehen musste, dass ich auf der falschen Fährte war, gebe ich die vollen fünf Sterne, denn so gekonnt hat mich schon lange kein Autor mehr aufs Glatteis geführt. Zudem hat Peter Lontzek seinen Job einfach perfekt gemacht. Er gab Brody die passende Art zu sprechen und schaffte es, dass man dessen zweites Ich gut von ihm selbst unterscheiden konnte. Zudem klingt es bei ihm nicht so nervig, wenn er den Part der weiblichen Figuren spricht. Mir gefällt seine Art zu lesen sehr gut und ich hoffe, ich werde noch mehr von ihm – und auch David Jackson - hören.



    ★★★★★

    Dietmar Bittrich (Hrsg.) - Ohne Euch wär's super hier


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    Urlaub – nicht immer entspannend!


    Hier bekommt man eine ganze Reihe kleiner Geschichten rund um den Urlaub – mit all den kleinen und großen Dramen, die dabei geschehen und über die normalerweise niemand etwas erzählt. Sonst ist immer alles wunderbar im Urlaub gelaufen, hier definitiv nicht. Mit mehr oder weniger viel Verwandtschaft geht es auf Reisen und dass es schon mal zu viel sein kann, Mann und Kinder unter einen Hut zu bekommen und die komplette Großfamilie erst Recht Chaos verursacht, amüsiert nicht nur, es tröstet zuweilen auch mal – denn es tut einfach gut, zu sehen, man ist nicht allein mit diesen Problemen! Erzählt werden die Geschichten im Wechsel von Mirja Boes und Bernd Stelter und beide haben Stimmen, die ich sehr gerne höre und die sie perfekt für die Geschichten einsetzen.



    So unterschiedlich die Autoren der einzelnen Geschichten sind, so unterschiedlich sind auch die Grundstimmung und der Unterhaltungsgrad. Das ist bei Sammlungen normal und stört mich nicht weiter. Dietmar Bittrich hat zwanzig unterschiedliche Kurzgeschichten zusammengestellt (wobei eine auch von ihm selbst ist), die ebenso unterschiedliche Geschmäcker ansprechen. Mal witzig, mal bissig, mal ein bisschen melancholisch, aber immer mit einem liebevollen Augenzwinkern führen alle Autoren den Lesern und Hörern vor Augen, dass das Leben bunt und unberechenbar ist.



    Für mich war es eine wunderbare Unterhaltung als Begleitung zum Tapezieren. Ich hatte durchweg gute Laune dabei und genau das will das Hörbuch ja auch bezwecken. Von mir von daher fünf Sterne.





    ★★★★★

    Dr. Matthias Riedl, Johann Lafer - Medical Cuisine


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    Gesundes Essen mit Lieblings-Gericht-Potenzial!


    Die ersten gut fünfzig Seiten beschäftigen sich auf informative, verständliche und interessante Weise mit viel Wissen rund um Lebensmittel und deren Einfluss auf unseren Organismus und damit unsere Gesundheit. Achtsamkeit und Umwelt werden ebenfalls mit einbezogen, sogar die Kultur. Es ergibt sich also ein Gesamtbild. An keiner Stelle wird „gepredigt“, es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass man seinen eigenen gesunden Weg finden soll. Wie das geht (kleine Schritte) und wie man erfolgreich seine Ernährung anpasst, kann man hier lernen.



    Danach folgen dann die Rezepte – und spätestens jetzt erkennt man, dass gesunde Ernährung keinesfalls Genussverzicht bedeutet! Zu jedem Rezept gibt es auf der Folgeseite eine Variante. Vegetarische und Vegane Rezepte sind nicht gesondert gekennzeichnet oder aufgeführt, aber durchaus vorhanden. Hier hätte man vielleicht doch eine gute Lösung finden können.



    Aufgeteilt sind die Rezepte in die Bereiche „Salate, Suppen, Vorspeisen“, „Hauptgerichte“ und „Süßes“. Eine volle Seite ist jeweils dem Foto zum Gericht vorbehalten. Mir persönlich ist das sehr wichtig. Ich bin ein optischer Mensch und lasse mich gern durch diese Abbildungen anregen, ein Gericht nachzukochen. Dass meines dann nicht mit dem der Abbildung identisch aussieht, stört mich dabei weniger. Auf der gegenüberliegenden Seite sind dann alle wichtigen Angaben, von den Nährwerten über die Zutatenliste bis hin zur gut verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitung. Auch finden sich häufig zusätzlich noch Tipps. Auf Seite 50 befindet sich die Auflistung der Bedeutung der Symbole, die bei den Rezepten anzeigen, in welchem Bereich sie ihre besonderen Stärken haben: Herzgesund, Antientzündlich, Darmgesund, Immunstärkend, Antidiabetisch, Blutdrucksenkend, Blutfettfreundlich, Sattmacher/Gewichtskontrolle. Hier hätte ich mir ebenfalls eine Übersicht gewünscht, um gezielt an die Rezepte zur jeweiligen Kategorie zu finden.



    Die Zutaten sind alle im gut sortierten Supermarkt zu finden. Es gibt kaum wirklich exotische Produkte, die benötigt werden. Meiner Meinung nach dürfte für jeden Geschmack einiges an Rezepten dabei sein. Dem ersten Schritt zu einer gesünderen Ernährung steht somit nichts mehr im Wege. Unser Körper dankt es uns und unser Gaumen kann sich nicht beklagen – alles ist enorm lecker!



    Bleibt als Fazit: Bis auf meine kleinen Kritikpunkte bezüglich des gezielten Findens bestimmter Rezepte bin ich sehr zufrieden. Deshalb gebe ich vier Sterne.

    Patricia Brandt - Imkersterben


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    Imkern, Sargbau, Yoga und auch mal Drogen


    Kommissar Oke Oltmanns ahnt, dass der Tod von Kurt Tietjen kein Unfall nach einem Dummejungenstreich war, sondern Mord. Bestätigt wird seine Vermutung, als es noch ein Opfer gibt – und er feststellt, dass auch dieses in der Honigbranche angesiedelt war.



    Auf langer Strecke wusste ich gar nicht, wohin mich die Story führen will. Zu ausführlich wird über Tilda Schwanz Privatleben erzählt und ihr Kampf, ohne Hilfe zu Geld zu kommen. Mir ist sie zu verzettelt und die Idee mit dem seltsamen Ferienkurs … nun ja. Vielleicht nicht so ganz mein Humor. Auch tauchen so viele Namen auf, dass ich hin und wieder durcheinander kam. Besonders der Running Gag mit Vincent Gott kam bei mir leider so gar nicht an. Der Name sollte wohl ein bisschen witzig sein und seine Art, in der „Fremde“ weiter ausschließlich Kölsch zu sprechen, hat nur anfangs Lacher ausgelöst – es hat sich dann bald totgelaufen. Überhaupt sind die Figuren sehr überzeichnet.



    Die Themen Insektensterben, Bienen/Imkern und vegetarische Ernährung sind hier Aufhänger, die zwar im Trend der Zeit liegen, aber irgendwie nicht so wirklich im Krimi funktionierten. Ich wurde zwar nett und entspannend unterhalten, hatte aber für meinen Geschmack einen arg flachen Spannungsbogen bekommen. So ist dies für mich also eher ein Frauenroman mit einem zufälligen Kriminialfall. Der Kriminalfall selbst kam sehr kurz und die Lösung dann schon ein bisschen zufällig daher.



    Dass es der zweite Band einer Reihe ist, habe ich erst hinterher gemerkt – aber beim Hören fiel das überhaupt nicht auf. Auch ohne Vorkenntnisse konnte ich diesen in sich abgeschlossenen Fall problemlos genießen. Die eine oder andere Stelle war schon witzig, doch hat mich das Ganze echt nicht mitgerissen oder vom Hocker gehauen. Mittelmaß. Deshalb auch drei Sterne.

    David Safier - Miss Merkel: Mord in der Uckermark


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    Mopsfidel


    Am schönen Dumpfsee in der Uckermark liegt Kleindfreudenstadt. Genau hierhin ist die Bundeskanzlerin in ihrem Ruhestand mit Mann und Mops gezogen. Nur ihr Personenschützer erinnert an die Zeit in der Politik. Angela will Freunde finden und backen, was das Zeug hält. Doch dann findet man den Freiherrn von Baugenwitz tot mit Ritterrüstung im von innen verschlossenen Verlies. In Angela erwacht der Detektiv und sie beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei entdeckt sie das eine oder andere Geheimnis, was das verschlafene Örtchen in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt …



    Ich mag den Humor und die feine Ironie von David Safier, doch nicht alle seine Bücher sind gleich stark. Zwischen „Mieses Karma“ und „Aufgetaut“ liegen Welten – und genau in der Mitte siedle ich diese amüsante, aber doch recht seichte Geschichte an. Hat mir gut gefallen, ist aber kein Meisterwerk!



    Sehr schön finde ich, wie Nana Spiers die Personen mit ihrer Stimme und Tonlage belebt hat. Besonders Angela wird hier super lebendig und gerade die Vorstellung, dass „Frau Bundeskanzlerin“ so zuckersüß mit ihren Lieben umgeht, auch mal ein bisschen gemein über andere denken und ein bisschen herziehen kann, das ist super sympathisch. Ihr Mann wird als liebenswerter Nerd dargestellt und das auf eine so liebe Art, dass es witzig und nicht bissig ist. Ganz besonders zauberhaft ist der große Personenschützer mit dem kleinen Selbstwertgefühl!



    Angela verdächtigt alle und jeden, entwickelt und verwirft Theorien und lernt in ihrem neuen Tätigkeitsfeld unheimlich viel über Menschen. Diese Erkenntnisse, die sie da gewinnt, kommen auch dem Leser zugute. Hier findet sich das typische Safier-Element: Das Gleichnis, das Bild, die Metapher halten dem Leser den Spiegel vor die Nase. Wunderbar!



    Nein, das Buch ist nicht wirklich sehr anspruchsvoll, aber die Geschichte macht Spaß und ist sehr unterhaltsam, trotz aller Gemächlichkeit. Es gibt spannende Momente, auch wenn die Spannung nicht durchgehend ist und man keine Herztropfen braucht, um sie auszuhalten.



    Ich finde die Idee durchaus gelungen und schön umgesetzt – und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Achim, Angela, Putin und Mike noch mehr zu tun bekommen. Ich würde mich jedenfalls darüber freuen! Von mir bekommt dieser „Fall“ vier Sterne!




    ★★★★

    Die Folgen eines Zahlendrehers


    Nach all den achtsamen Morden steuert Björn Diemel geradezu auf die Midlifecrisis zu. Der Rat seines Therapeuten: Pilgerreise! Also macht sich Björn auf den Jakobsweg. Doch dort geschehen Dinge, die nur einen Schluss zulassen: Jemand will Björns Tod! Doch wer?



    Dieser dritte Band gefällt mir nicht ganz so gut, wie die beiden Vorgänger. Das liegt aber nicht am Schreibstil und auch nicht daran, dass sich irgendwas abgenutzt hätte. Im ersten Viertel geschehen Dinge, die für den Verlauf des Buches wichtig sind, für mich aber nicht in einen humorvollen Krimi passen. Es ist nicht einfach, das ohne zu spoilern zu erklären. Für mich sind nicht alle Dinge und Tätigkeiten dazu geeignet, ins Humorvolle gezogen zu werden. Zwar ist ein Mord auch nicht lustig und ich beschwere mich nicht darüber, dass darüber Witze gemacht wird, doch spielen hier ein paar gänzlich anders gelagerte Dinge mit, die mich wohl sehr triggern. Vielleicht erklärt es das am besten.



    Davon abgesehen ist die Sprachmelodie auch in diesem Band wunderbar. Niemand kann normale Sätze so „achtsam“ ausdrücken, wie Karsten Dusse. Ich mache mich nicht über Achtsamkeit lustig und meiner Meinung nach auch nicht der Autor, aber so ausgedrückt ist es einfach urkomisch!



    Joschka Breitner kommt leider nur sehr am Rande vor – aber wie in den vorherigen Bänden fängt jedes Kapitel mit einem Zitat aus einem seiner Ratgeber an. Besonders gut gefällt mir, dass der Autor „so nebenbei“ zeigt, dass eine Scheidung nicht immer in einem Rosenkrieg enden muss und Mann und Frau auch bei einer Trennung gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, wenn das Kind nicht zu sehr unter der neuen Situation leiden soll. Ein wenig erfährt man als Leser auch über diverse Rituale und Eckpunkte beim Pilgern. Dass Björn keine moderne Ausstattung kauft, sondern eine ganz spezielle zum Pilgerwandern nutzt, ist einfach urkomisch. Die Personen, denen er begegnet, sind so einzigartig und wunderbar, wie immer in Dusses Büchern. Auch die Wendungen und Ereignisse passen klasse zusammen und ergeben ein Gesamtbild, das einfach umwerfend ist.



    Björn hat sich verändert. Und Björn möchte sich weiter verändern. Ich liebte die beiden vorherigen Bände zwar mehr, aber ich sehe hier den Weg zu einem gereiften Björn, der seine zweite Lebenshälfte anders gestalten wird und dem das Morden zuwider ist. Dieser Band war wohl tatsächlich nötig, um die Veränderung deutlich zu machen. Das Ende ist umso lustiger und obwohl es unerwartet ist, passt es einfach genial und gefällt mir sehr.



    Fazit: Vier Sterne sind noch immer ein Zeichen, dass ich Spaß hatte. Und mich auf den nächsten Band schon jetzt freue! Am Rande der Welt ist alles ein wenig anders, so auch dieses Buch. Nicht das Stärkste der Reihe, aber durchaus lesenswert!


    ★★★★

    Dirk Bey & Olaf Seidel - #Römertopf


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    Altbewährtes neu entdeckt


    Kochen ist ein Hobby, das immer wieder Neues hervorbringt – aber auch Altbewährtes kommt gern mal wieder! Ich bin hocherfreut, dass der gute alte Römertopf hier ein neues Leben bekommt. Die Rezepte sind modern und super lecker, dennoch gesund (schonende Zubereitung, hochwertige Zutaten) und abwechslungsreich. Kein totgekochtes Essen, sondern neue Erkenntnisse in Rezepte für ein altes Küchenutensil umgesetzt! Wunderbar!



    Zu Anfang erhält man ein wenig Theorie. Wissenswertes rund um den Römertopf und eine Anleitung, wie man Fleisch für einen Rollbraten schneidet, machen den Einstieg leicht. Die Rezepte sind unterteilt in die Kapitel


    • Schwein
    • Rind
    • Lamm
    • Hackbraten
    • Geflügel
    • Wild
    • Beilagen


    Hier „mogle“ ich ganz gern auch mal, weil ich z.B. kein Schweinefleisch esse, die Rezepte aber einfach mit anderem Fleisch ausprobiere. Das schmeckt nicht mit allen Sorten gut, aber Versuch macht nun mal kluch!



    Der Aufbau der Rezepte ist immer gleich und recht klassisch. Links findet sich ein ganzseitiges Foto des Gerichts, rechts in einem gelben Kasten die Zutatenliste. Daneben dann werden die einzelnen Schritte kurz, aber verständlich erklärt und aufgeführt. Gelegentlich findet sich noch eine extra Info und nur wenige Rezepte sind „fotolos“. Besonders gelungen finde ich, dass neben jedem Gericht bzw. dessen Bezeichnung ein stilisierter Römertopf ist, in dem die Angabe zu den Portionen stehen. Angaben über Kalorien oder benötigter Zeit finden sich keine. Mir gefällt das, denn es fokussiert den Leser (und Koch und Esser) auf das Wesentliche: Gutes Essen!



    Die Zutaten sind nicht sehr exotisch. Das meiste kann man bereits im eigenen Repertoire haben, alles andere ist im gut sortierten Supermarkt problemlos zu bekommen. Der Römertopf arbeitet hier mit der Kerntemperatur. Wer diese beachtet (Thermometer sind günstig und sogar im Möbelhaus zu bekommen), wird immer ein saftiges, aromatisches Fleischgericht zaubern. Der Römertopf schützt die Lebensmittel vor der direkten Hitze und gönnt dem Essen die Zeit, die es verdient. Das entschleunigt unsere doch sehr hektische Welt ein wenig und das Ergebnis erdet enorm.



    Dieses Kochbuch gehört in jede Kochbuchsammlung – schon allein deshalb, weil der Römertopf ein echtes Come-Back verdient hat. Ich gebe fünf Sterne!




    ★★★★★

    Sebastian Fitzek - Der erste letzte Tag


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    Was im Leben wirklich zählt – und für wen!


    Nicht nur sein Name ist ausgefallen, der ganze Mensch – und so ist es auch kein Wunder, dass die Reise von Livius Reimer von München nach Berlin nicht so verläuft, wie eigentlich geplant. Der Flug wird gestrichen, weil Schneestürme angesagt sind. Der Run auf die Mietwagen lässt die Preise explodieren und so ergibt es sich, dass er mit der nervigen Lea von Armin, die im Flugzeug so sehr um ihren Seesack gekämpft hat, in einer Fahrgemeinschaft landet. Sie soll zu ihrem Vater, er will seine Ehe retten. Lea schlägt Livius ein Gedankenexperiment vor, um die Fahrt interessanter zu machen. Es beginnt ein irrwitziger, skurriler, dramatischer und unvergesslicher Roadtrip!



    Herr Fitzek kann mich ganz sicher nicht leiden, weil ich immer wieder hinterfrage, ob ein einziger Mensch tatsächlich so viele Bücher schreiben kann und dann noch in so unterschiedlicher Qualität. Und jetzt auch noch in einem gänzlich anderen Genre! Im Grunde ist mir immer völlig egal, wer ein Buch geschrieben hat. Ich mag unterhalten werden. Da ist auch das Genre zweitrangig. Und vor allem das Geschlecht des Autors. Also sagen wir einfach, wer oder was „Sebastian Fitzek“ nun auch ist, das Buch hat mir unfassbar gut gefallen!



    Ja, Lea ist anstrengend! Aber im Grunde ist das Livius, der so vollkommen anders als sie ist, ebenfalls. Wer hier wem mehr gut tut, kann man kaum sagen. Es ist jedenfalls eine wunderbare, schicksalhafte Begegnung und die Story kann auch den Leser oder Hörer verändern. So wahnwitzig die meisten Situationen sind, so logisch und tatsächlich auch vorstellbar sind sie. Eine Idee jagt die nächste, Livius – und der Leser/Hörer – kommt kaum zum Luftholen. Dennoch passt alles herrlich zusammen.



    Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt! Ab und an konnte ich vorhersehen, was geschehen wird, aber das hat der Unterhaltung kein bisschen geschadet. Im Gegenteil, es steigerte die Spannung und die Sympathien zu den Figuren. Simon Jäger erzählt die Story wunderbar. Mal selbstironisch, mal wütend, mal betroffen, mal voller Gefühl – einfach perfekt.



    Ich habe viel gelacht, aber auch ein paar Tränchen vergossen. Und ich trage die eine oder andere Botschaft, die mir Lea mit auf den Weg gegeben hat, tief in meinem Herzen. Solche Bücher brauchen wir viel mehr! Ob von Herrn Fitzek oder Lieschen Müller spielt dabei gar keine Rolle. Weiter so! Fünf Sterne!




    ★★★★★

    Richard Osman - Der Donnerstagsmordclub


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    Eines führt zum andern


    Joyce fühlt sich in der luxuriösen Seniorenresidenz Coopers Chase etwas fehl am Platz. Sind doch alle anderen gut situiert und hatten tolle Berufe und sie war nur Krankenschwester! Doch schnell wird sie von Elizabeth in den „Donnerstagsmordclub“ aufgenommen. Der trifft sich immer donnerstags im Puzzlezimmer und versucht, alte Mordfälle zu klären. Da geschehen zwei Morde und Elizabeth, Ron und Ibrahim beschließen, mit Joyces Hilfe der örtlichen Polizei unter die Arme zu greifen …



    Die Figuren sind herrlich schrullig und ausgefallen. Man muss sie alle einfach mögen! Dass das Durchschnittsalter reichlich hoch bemessen ist, macht das Szenario besonders cool und überraschend. Die vielen Wendungen passen sich prima in die Geschichte ein. Ich muss schon sagen – ich würde in dem Alter auch gern eine solche Truppe um mich haben! Da wird es nicht langweilig und von Einsamkeit auch keine Rede.



    Man muss ein wenig aufpassen, denn insgesamt kommt hier doch eine ganz nette Anzahl an Figuren zusammen. Die scheinen anfangs so gar nichts miteinander gemein zu haben, doch laufen genial gelungen am Ende alle Fäden perfekt zusammen.



    So skurril viele Szenen sind, so haben sie alle eine Logik inne, die man einfach anerkennen muss. Herrlich witzige Dialoge wechseln sich mit anrührenden Tagebucheinträgen und geschickt eingefädelten Taktikzügen ab. Hier kommt der typische britische Humor voll zum Tragen. Wer ihn mag, wird vom Hörbuch begeistert sein, zumal die beiden Sprecher ihren Job perfekt gemacht haben. Johannes Steck belebt besonders die männlichen Figuren wunderbar. Ich finde nur seine Art, die Ladys zu sprechen, ein bisschen tussig. Renate Himmelstoß liest die Tagebucheinträge von Joyce vor. Sie legt die Ruhe und unterschwellige Müdigkeit einer Achtzigjährigen in ihre Stimme und ihren Tonfall, sodass es sehr authentisch wird.



    Mich freut hier außerordentlich, dass es weitere Bände geben wird. Zwar bin ich nicht so sicher, wie der Autor die Ideen des ersten Bandes übertreffen möchte, lasse mich aber gern überraschen. Die Geschichte ist kein bisschen langweilig, auch wenn wir hier natürlich einen relativ gemächlichen, gemütlichen Krimi haben, mit englischem Humor und ein echter Cosy Crime. Hochspannung gibt es nicht, aber man bleibt gern interessiert am Ball, denn alle haben es faustdick hinter den Ohren! Man muss sich ein wenig darauf einlassen und sich von der hektischen Welt „der jüngeren Generationen“ lösen, dann trägt einen die Story ganz von allein mitten ins Geschehen. Deshalb gebe ich sehr gern die vollen fünf Sterne.

    Christina Stein - Searching Lucy


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    Wird noch jemand verschwinden?


    Amber hat ein erschreckendes „Hobby“: sie bricht in Häuser ein! Doch nicht, um sich zu bereichern – Amber ist auf der Suche nach ihrer Schwester und ihrem Vater. Sie sind spurlos verschwunden, erst der Vater, vier Wochen später die Zwillingsschwester. Ambers Mutter ist inzwischen nur noch betrunken und vernachlässigt sie und ihren kleinen Bruder Tom, doch sie ist noch nicht bereit, sich Hilfe zu holen – zuerst will sie alles versuchen, Vater und Schwester zu finden. Doch da wird sie bei einem ihrer Einstiege erwischt …



    Anfangs hatte ich richtig heftige Schwierigkeiten, mit Amber warm zu werden. Ja, klar, sie ist in einer Extremsituation und ich kann absolut verstehen, dass sie etwas tun muss. Doch äußert sich ihre Verzweiflung in einer Art, die nicht sehr sympathisch ist und weniger Mitgefühl denn Zorn weckt. Mit der Zeit habe ich mich an ihre Art ein wenig gewöhnt. Zudem hat sie sich dann doch nach und nach verändert – bis zu einem Level, das ich dann wirklich verstehen konnte. Allerdings hat mich bis zum Ende gestört, dass Die Autorin ihre Figuren immer wieder zu viele englische Ausdrücke benutzen ließ. Zumindest in meinem Umfeld sagen die Teenies nicht wirklich ständig Dinge wie „Really?“. Dagegen flucht sie ständig auf Deutsch – hier höre ich die Jugendlichen dann doch eher „Sh*t“ sagen. Auch leben in Eltville (ein realer Ort) extrem viele Menschen mit amerikanischen/englischen Namen. Das ist der Autorin allerdings selbst aufgefallen und sie liefert auch eine Erklärung. Witzig ist in dem Zusammenhang dann auch, dass selbst der Titel auf Englisch ist. Dennoch – das hat beim Lesen schon ein wenig irritiert, da es mit dem Wissen, dass das Buch in Deutschland (Nähe Frankfurt) spielt, doch kollidierte.



    Spätestens ab Mitte des Buches war ich aber extrem gefesselt und fieberte mit Amber mit. Das Leid von ihr und dem fünfjährigen Tom ging mir schon stark an die Nieren. Da öffnet das Buch wohl bei einigen die Augen und hilft hoffentlich, dass Freunde, Bekannte und auch Nachbarn eher mal hinter die Fassade sehen, wenn in einer Familie ein schwieriges Ereignis stattfand. Nicht einfach denken: Die melden sich schon, wenn sie was brauchen! Leute, achtet aufeinander!



    Das Ende ist fast schon ein Show-Down mit fiesem Cliffhanger. Nicht, dass es auf eine Fortsetzung hindeutet, aber auf „Folgen“, die nicht wirklich erfreulich sind. Dennoch passt es super zur Geschichte insgesamt. Der Weg dahin ist wendungsreich und trotz allem sehr interessant (auch wenn das gerade sehr seltsam klingen mag). Da man auch nicht außer Acht lassen darf, dass es sich hier um einen Jugendthriller handelt, darf ich nicht den Maßstab für ein „Erwachsenenbuch“ anlegen. Zudem liest sich das Buch nach „Anlaufschwierigkeiten“ mit Amber wirklich ratzfatz weg. Es gibt keine Verschwurbelungen, wie sie Autoren für Erwachsenenthriller gern nutzen (und die mich inzwischen echt annerven). Und ganz erstaunlich – mir fehlt nach Beendigung des Buches Amber sehr! Die Streifzüge mit ihr waren also doch „wirkungsvoll“! Die Altersempfehlung ab 13 Jahren halte ich für passend.



    Für die vollen fünf Sterne reicht es nicht ganz, aber dafür poliere ich die übrigen vier auch ganz besonders gut auf!