Beiträge von Valentine

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

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    Jean Perdu ist um die 50 und verkauft auf seinem Bücherboot Lektüre an Pariser Einheimische wie auch an Touristen. Das mag auf Außenstehende ziemlich romantisch wirken, doch Jeans Leben ist alles andere als das. Zwar gilt seine Leidenschaft der Literatur, und er hat eine besondere Gabe, seiner Kundschaft genau die Bücher zu empfehlen, die sie zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben brauchen, doch sich selbst kann er nicht helfen, endlich über den Verlust seiner großen Liebe vor über 20 Jahren hinwegzukommen. Seine Wohnung ist spartanisch eingerichtet, nachdem er vor Kummer das Mobiliar zertrümmert und vieles andere weggeworfen hat, abgesehen von einem Zimmer, in dem er alles weggesperrt hat, was ihn an Manon erinnert. Und auch in seinem Kopf hat er Manon weggeschlossen, will um jeden Preis vermeiden, alte Wunden wieder aufzureißen, und versagt sich gerade dadurch jegliche Chance, mit der Vergangenheit abzuschließen und endlich wieder nach vorne zu blicken.


    Als in seinem Mietshaus Catherine einzieht, kommt es zu einer Annäherung zwischen den beiden, doch bevor sich etwas Tiefergehendes entwickeln kann, öffnet Jean den letzten Brief, den Manon ihm damals geschrieben hat. Was darin steht, wirft ihn völlig aus der Bahn, und er macht spontan die Leinen los und fährt mit seinem Bücherschiff davon, mit kaum mehr an Bord als seinen Büchern, seinen Katzen und einem Jungschriftsteller in der Schaffenskrise. Diese Reise in den Süden Frankreichs führt ihn nicht nur auf Manons Spuren, sondern zwingt ihn schließlich auch, sich endlich "seinen" Themen zu stellen und nicht immer nur zu verdrängen.


    Die Geschichte eines Ausbruchs aus einer unglücklichen Lebensrealität und der darauffolgenden Selbstfindungsphase hat Nina George schon in ihrem Erstling "Die Mondspielerin" erzählt. Jean Perdus Probleme sind zwar anders gelagert als die der anderen Protagonistin, aber der Verlauf der Handlung ähnelt sich durchaus. Sympathisch-schrullige Weggefährten, eine schöne Gegend, kulinarische Genüsse und viel Frankreich-Flair spielen in beiden Büchern eine wichtige Rolle, nur dass hier die Wasserstraßen zwischen Paris und Südfrankreich und schließlich die Provence im Mittelpunkt stehen.


    An diesen Parallelen lag es jedoch nicht, dass mir Georges erstes Buch besser gefiel. Hier fand ich vieles ein wenig aufgesetzt: die aufkeimende Liebelei zwischen Jean und seiner Nachbarin ging mir zu schnell, die meisten Nebenfiguren waren mir ein bisschen zu verschroben-putzig (insbesondere die Lebensweisheiten versprühende Alleskönnerin), und es fügte sich oft alles ein wenig zu gut, etwa wenn Jean und sein Mitreisender es tagelang schaffen, sich ohne Bargeld oder Kreditkarten durchzuschlagen. Die Auszüge aus Manons Tagebüchern, die zwischendurch eingestreut werden, waren ziemlich schwülstig, und die ganze Auflösung ihres plötzlichen Rückzugs aus Jeans Leben war zwar schon berührend, aber auch ganz schön kitschig.


    Ein Buch, in dem mir die Atmosphäre wesentlich besser gefallen hat als die Handlung. Schön ist allerdings, dass sehr viel Liebe zum Lesen und zur Literatur aus den Zeilen spricht. Am Ende des Buches finden sich dann auch einige Tips aus Jeans "Literaturapotheke" für alle möglichen Lebenslagen sowie verschiedene Kochrezepte aus der provenzalischen Küche, eine wirklich schöne Abrundung des Romans, in dem sowohl gute Bücher als auch französisches Savoir-vivre eine wichtige Rolle spielen.


    3ratten

    Ich bin zwar nicht Holden, aber ab und zu gönne ich mir auch mal einen Re-Read. Wir hatten sogar schon ganze Re-Read-Projekte im Forum, die ich mitgemacht habe, einmal die Harry Potters und einmal die Krimis von Elizabeth George. Ich habe noch so einige Bücher rumliegen, die ich gerne noch mal lesen möchte. Das ist wie alte Freunde treffen.


    Ich habe gestern "Das Lavendelzimmer" von Nina George beendet und war so mittelbegeistert ... stellenweise fand ich es richtig schön, aber manchmal war es mir auch zu kitschig oder zu klischeehaft. Womöglich hätte es mich in Filmform mehr begeistert, da verzeihe ich komischerweise oft mehr, wenn die Umsetzung gut gemacht ist. Die Bücherbegeisterung der Hauptfigur mit ihrem Bücherboot ist natürlich wunderschön :)


    Jetzt lese ich "Ganz gewöhnliche Sünden" von Ursula Hegi. Von ihr hatte ich vor Jahren mal "Die Andere" gelesen, ein beeindruckendes Buch über eine kleinwüchsige Frau in der Nazizeit. Das hier ist eine Familiengeschichte, die in New York spielt. Allzu viel ist noch nicht passiert, ich weiß nur, dass der Onkel des jungen Erzählers im Knast sitzt, weil er auf der Arbeit Büromaterial geklaut hat, und die Mutter und die Tante sich nicht ganz grün sind.

    Das kannte ich auch noch nicht, sehr hübsch :lachen:


    Wobei, so hübsch finde ich Ken gar nicht. Der ist so ein Klischeeschönling ohne Ecken und Kanten. Ich glaube, der war mir schon als Kind zu weichgespült mit seiner Betonfrisur und dem blöden Grinsen :breitgrins:

    Ich glaube, mir war es auch ein bisschen zu pädagogisch wertvoll. So sehr ich Lesen geliebt habe, so wenig mochte ich es schon damals, wenn ich etwas zu einem bestimmten Zweck lesen musste. Wahrscheinlich hätte es mir noch besser gefallen, wenn ich es freiwillig gelesen hätte.


    Kleines OT Grisel: ich habe mein Reclamheftchen von "Emilia Galotti" vor lauter Langeweile mit bluttriefenden Dolchen verziert :breitgrins:

    Im Grundschulalter fand ich Barbies toll, meine Mutter fand sie aber blöd :lachen: Ein paar hatten wir aber doch, von wohlmeinenden Leuten geschenkt :breitgrins:


    Ich hatte mal ein paar dieser Barbie-(Werbe)Heftchen, die es damals oft in der Spielwarenabteilung zum Mitnehmen gab, da hab ich mir einiges Wissen angelesen :elch:


    Ken fand ich auch nicht so prickelnd. Wir hatten auch keinen.