Beiträge von Valentine

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Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ich habe eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe unter dem Titel "Billy & The Joels" gelesen:


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    Billy Joel gehört zu den Musikern, von denen ich vielleicht nicht der weltgrößte Fan bin, deren Lieder ich aber sehr mag und die mich auch schon fast mein ganzes Leben lang begleiten. Über seinen persönlichen Hintergrund wusste ich abgesehen von seiner Ehe mit Christie Brinkley und gelegentlichen Schlagzeilen über Alkoholprobleme bisher sehr wenig.


    In diesem Buch beleuchtet der deutsche Journalist Steffen Radlmaier, der Billy Joel auch persönlich kennt, nicht nur den Werdegang des Sängers, sondern auch die Geschichte seiner Familie. Joel selbst sagte einmal, er verdanke sein Leben den großen Tragödien des 20. Jahrhunderts, weil die Eltern seiner Mutter während des 1. Weltkrieges aus England ausgewandert sind und seine deutsch-jüdischen Vorfahren väterlicherseits in den 30er Jahren Nazideutschland verließen.


    Aber der Reihe nach: Joels Großvater Karl betrieb in Nürnberg einen erfolgreichen Textilversand, der in einer Reihe stand mit heute noch bekannten Namen wie Quelle oder Witt Weiden, Karls Bruder Leon hatte in Ansbach ein ebenfalls gutgehendes Geschäft. Die Religion spielte für die Joels keine herausragende Rolle, im Gegenteil, man feierte sogar Weihnachten mit Christbaum und Festtagsbraten.


    Nach der Machtergreifung Hitlers und den wachsenden Anfeindungen und Schikanen gegenüber jüdischen Geschäftsleuten zog Karl Joel mit seinem Betrieb ins als liberaler geltende Berlin um, wobei ihm bemerkenswerterweise ein Großteil der Belegschaft folgte, doch am Ende war auch das vergebens, es musste ein "arischer" Geschäftsführer eingestellt werden und schließlich verkaufte Joel zwangsweise und mit großem Verlust an den Kriegsgewinnler Josef Neckermann (ja, genau der ...) und entschloss sich, mit seiner Frau und seinem Sohn Helmut das Land zu verlassen, solange das noch möglich war.


    Nach einer längeren Odyssee gelangten die Joels schließlich in die USA und lebten in bescheidenen Verhältnissen. Helmut, der sich inzwischen Howard nannte, trat sogar in die US Army ein und kämpfte in Europa. Nach seiner Rückkehr heiratete er und bekam mit seiner Frau Rosalind einen Sohn namens Billy, doch die Ehe war nicht glücklich, Helmut verließ die Familie und kehrte nie zurück, was Billy nachhaltig geprägt hat.


    Während Rosalind sich abmühte, Billy und seine Adoptivschwester alleine großzuziehen, ging Helmut nach Europa zurück, heiratete später erneut und hatte mit seiner zweiten Frau einen weiteren Sohn, Alexander.


    Billy schlängelte sich mehr schlecht als recht durch die Schule und entdeckte, auch geprägt durch seinen musikalischen Vater, früh die Liebe zur Musik, die ihn schließlich nach einigen Startschwierigkeiten zum Weltstar machte, der nie so recht in eine Schublade passen wollte. Und auch Alexander Joel machte die Leidenschaft für Musik zum Beruf - als erfolgreicher klassischer Dirigent.


    Der biographische Teil über die Laufbahnen der beiden Brüder, die sich in ganz unterschiedliche Richtungen entwickelten, aber beide der Joelschen Passion für die Musik entspringen, liest sich interessant, insbesondere, wenn man sich noch nie weiter mit dem Werdegang der beiden beschäftigt hat, und macht direkt Lust, mal wieder ein Billy-Joel-Album aufzulegen und auf den einen oder anderen Song speziell zu achten.


    Das Spannendste an diesem Buch war für mich jedoch die fesselnde Geschichte der Vorfahren der beiden, die geschäftlichen Erfolge, der dadurch erworbene Wohlstand und dann der tiefe Sturz ohne jegliches eigenes Verschulden, als die Welle des institutionalisierten Antisemitismus über Karl, Leon und ihre Familien hinwegrollt und ihnen alles raubt, was sie sich über Jahrzehnte aufgebaut haben - und manchen sogar das Leben nimmt.


    Die perfiden Methoden, mit denen jüdischen Menschen systematisch ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt wurde, machen immer wieder fassungslos, traurig und wütend, gerade der erste Teil des Buches kann auch als Fingerzeig dienen, stets wachsam zu bleiben gegenüber Ausgrenzung und Diskriminierung.


    Billy Joel selbst erfuhr erst spät von der Geschichte seiner Familie, da nach der Trennung seiner Eltern jahrzehntelang Funkstille zwischen ihm und seinem Vater herrschte, doch er ist danach mehrmals in Nürnberg aufgetreten, ganz bewusst, zur Erinnerung an die Vergangenheit und Mahnung für die Zukunft.


    Ein sehr lesenswertes Buch, teils Zeitgeschichte, teils Künstlerbiographie, das mich ziemlich beeindruckt hat und auch den Künstler Billy Joel in einem neuen Licht erscheinen lässt.


    4ratten


    Danke Doris für diesen tollen Tip!

    Aber es hätte irgendwie bei ihr auch nicht gepasst, wenn sie sich einfach hätte verhaften lassen.

    Da hast Du allerdings recht :breitgrins:

    Da kann sie dann weiter beobachten, allerdings durch Gitter.

    totlach

    Und die Sache mit dem Schulschiff hat mich begeistert, die kam genau richtig. Ich hatte gar nicht zu hoffen gewagt, dass es so etwas tatsächlich gab.

    Dann hat sich dadurch ja alles doppelt gut gefügt, für Dich beim Schreiben und für Alfie in der Geschichte ;)

    Virginia Mitte des 19. Jahrhunderts: Sapphira und Henry Colbert leben auf der abgeschiedenen Mühlfarm, auf die Sapphira ihrem Ehemann als junge Braut gefolgt ist. Die Eheschließung hat für einiges Kopfschütteln gesorgt, hätte Sapphira doch eine viel bessere Partie machen können. Doch Jahrzehnte später ist sie immer noch dort und gar nicht unglücklich, auch wenn sie gesundheitlich starke Einschränkungen hinnehmen muss und Henry seit einiger Zeit fast nur noch in der Mühle übernachtet.


    Das einst gute Verhältnis zwischen Sapphira und ihrer schwarzen Zofe Nancy ist ebenfalls abgekühlt, denn sie glaubt nicht, dass die junge Frau Henry in der Mühle lediglich bei Hausarbeiten zur Hand geht - ohne dass sie dafür einen echten Beweis hätte.


    Nancy hingegen wundert sich, warum ihre Herrin plötzlich so kühl zu ihr ist, doch als Sklavin weiß sie auch, dass sie besser nichts hinterfragen sollte.


    Willa Cather zeichnet hier ein ruhig dahinfließendes Porträt von Zeit, Land und Leuten, das sich vor allem in der ersten Hälfte hauptsächlich dem Alltagsleben widmet. Die Titelfigur ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, Sapphira wirkt oft launisch und ist stark im althergebrachten Denken verhaftet. Sie behandelt die Schar von Sklaven, die die Arbeit in Haus, Hof und Mühle verrichten, zwar anständig, aber es käme ihr nie in den Sinn, sie als etwas anderes als Menschen zweiter Klasse zu sehen oder gar ihre Befreiung zu befürworten.


    Ganz anders ihre Tochter Rachel, eine junge Witwe mit zwei kleinen Töchtern, die eine glühende Gegnerin der Sklaverei ist und es im Zweifelsfall auch auf einen Bruch mit ihrer Mutter ankommen lässt.


    Als Stimmungsbild seiner Zeit ist das Buch gelungen, es hat mich aber erst nach der Hälfte wirklich zu packen vermocht, als ein bisschen mehr Handlung in Schwung kam und sich dramatischere Entwicklungen abzeichneten. Zu Beginn hatte ich etwas Probleme mit den relativ zahlreichen Figuren und vielen Sprüngen, auch wenn einige Szenen unter anderem auf einem Sklavenschiff durchaus eindrucksvoll waren.


    Was für ein 1940 entstandenes Buch gar nicht verwunderlich ist (und vermutlich von Cather wertfrei gemeint war), heutigen Leser*innen aber einfach unangenehm ins Auge sticht, war der rege Gebrauch der N-Wörter. Und was in dieser deutschen Übersetzung kolossal nervt: die falschen Schreibweisen von "Miß" und "Mistreß".


    "Meine Antonia" von Willa Cather hat mir um Längen besser gefallen, aber dieses Buch hat mich nach ein wenig Langeweile am Anfang zum Ende hin noch positiv überraschen können.


    3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Schön fände ich wenn Mrs. Danby und Charlotte wirklich Freundinnen würden. Ich finde, Charlotte kann dringend ein paar dicke Freundinnen gebrauchen - neben ihrem nahezu perfekten Knuddel-Ehemann.

    Das wäre schön, ich könnte mir das sogar ganz gut vorstellen. Das würde bestimmt beiden Frauen guttun, Mrs. Danby kommt mir vor, als könne man mit ihr gute, tiefe Gespräche führen, genau das, was Charlotte mag.

    Trotz der Bedrohung, der unheimlichen Rituale, der Toten an der Themse etc. war es ein richtiges Wohlfühlbuch.

    Das ging mir genauso. Mir hat dieser Teil sogar noch besser gefallen als der erste, weil ich damals fast alle Entwicklungen vorhergesehen hatte und hier sehr lange ziemlich im Dunkeln getappt bin.


    Und es hat Spaß gemacht, mit Euch zu spekulieren! :)

    Ich bin auch durch. Wow, was für ein Ritt dieser letzte Abschnitt war, da konnte ich das Buch noch weniger aus der Hand legen als zuvor.


    Aber bevor es mit der Hochspannung losging, hat mich Alfie noch mal zum Lachen gebracht mit seinem "verdammt prächtig"-Kompliment an Charlotte :lachen: Schön, dass sie nicht so ein viktorianisches Pflänzchen ist, das ihm die Wortwahl übelnimmt! Und dass er das Haus beschützen will, fand ich total süß.


    Bei der Party bei Jellicoes wehte schon von Beginn an so ein kühler Hauch über all der orientalischen Pracht, und dass Tom und Charlotte ihre Karten auf den Tisch gelegt haben, war zwar ein wichtiger Schritt zur Lösung des ganzen Problems, aber auch ganz schön gewagt. Und nicht nur die Ashdowns sind in den Fokus gerückt, sondern auch Mrs. Danbys Interesse an Julias Todesumständen scheinen den Isistöchtern zu Ohren gekommen z usein.


    Toms Idee, Alfie auf einem Schiff sicher unterzubringen, fand ich klasse, viel besser als die mit der Adoption, weil sie Alfie nicht nur hilft, sondern auch ganz auf seiner Wellenlänge ist. Als Adoptivsohn aus gutem Hause wäre er bestimmt nicht so richtig glücklich geworden, aber die Sache mit den Schulschiffen finde ich echt super (und clever gelöst, SusiGo ;) )


    Die ätzende Miss Clovis macht tatsächlich gemeinsame Sache mit Iris und dem Kult! :entsetzt: Ja wunderbar!


    Charlotte hatte einen guten Riecher, als ihr das zweite Telegramm spanisch vorkam, der nützt ihr aber wenig, als sie in diesem fiesen Keller festsitzt. Nur gut, dass Alfie so ein scharfes Auge hat und den Knopf findet, der Tom dann doch noch in letzter Sekunde auf ihre Spur führt. Nicht auszudenken, wenn sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause gegangen wären. Das war ja alles schon so denkbar knapp :entsetzt:


    Was für ein selbstherrlicher Blödsinn diese Sekte ist, die sich anmaßt, "Ungläubige" einfach als "Opfergabe" in den Fluss zu werfen :entsetzt: Zuerst hatte ich gefürchtet, Charlotte würde in dem Schulkeller umgebracht, aber sie langsam ertrinken zu lassen, fand ich fast noch schlimmer.


    Was für ein Glück, dass sie und Tom gemeinsam über die Isistöchter Nachforschungen angestellt und viel darüber geredet habe, sonst hätte er sie im Leben nicht in allerletzter Sekunde gefunden! Phew! Ich war mir zwar fast sicher, dass SusiGo Charlotte nicht umbringen würde, aber man weiß ja nie ... ;)


    Dass Iris sich ihrer gerechten Strafe entzogen hat, hat mich allerdings schon geärgert :grmpf: Aber wenigstens ist Anna mit dem Schrecken davongekommen, um die habe ich ja erneut gefürchtet. Und Miss Clovis ist im Knast gelandet, das freut mich für sie :teufel:


    Das Ende hat mir richtig gut gefallen. Alfies Traum vom Seemannsleben ist in greifbare Nähe gerückt, Tom darf sein Buch schreiben (und zwar genau so, wie er es möchte, ohne dass Sir Tristan ihm reinquatschen kann), und Charlottes Einfall, sich um die "Alfies" dieser Welt zu kümmern, finde ich ganz große Klasse. Da liegt ihre große Begabung, und sie tut etwas Sinnvolleres, als neugierige Nachbarinnen gelangweilt zum Tee zu bewirten. Ich drücke ihr die Daumen, dass ihr Vorhaben gelingt, da wird sie bestimmt Erfüllung finden.


    Und wer weiß, vielleicht wird es ja sogar doch noch irgendwann unverhofft was mit dem Nachwuchs ... ?


    Ich würde mich freuen, den beiden mal wieder zu begegnen, ob in der Triangular Lodge oder woanders! ;) Bis dahin habe ich erst mal eine ganze Litanei an Dingen, Orten, Gemeinschaften, die ich mal genauer nachlesen möchte. Das waren wirklich superspannende Themen!

    Mir kommt sie vor wie eine Spinne in ihrem Netz und unsere beiden Helden zupfen an den Enden und bringen das Netz zum Schwingen.

    Sehr schöner Vergleich!

    Er ist für mich nicht vordergründig ein mutterloses armes Kind sondern ein Teenager, der durch eine harte Lebenssituation nie den Optimismus verloren hat und der ein Zeil vor Augen hat, wo er hin will, was er werden will.

    So sehe ich ihn auch. Dass er in Tom und Charlotte Menschen gefunden hat, die ihn mögen, freut mich aber trotzdem :)

    Alfie ist ein pfiffiges Kerlchen und weiß, was er will. Es ist jammerschade, dass er in so unglücklichen Umständen lebt (auch wenn er selber ja gar nicht so unglücklich scheint und seine Unabhängigkeit durchaus zu schätzen weiß). Ich bin ganz Toms Meinung, dass aus dem Jungen etwas werden kann. Vielleicht hat er ja Glück und kann sogar ein wenig Karriere machen bei der Seefahrt. Die Liebe zum Wasser scheint ihm im Blut zu liegen, so wie er die Themse vermisst hat.


    Der Fund dieser Fluchtafel hat mich überrascht. Das ist ja fies :entsetzt: Die Vermutung, man könne auch dem alten Ned so ein Ding unter seiner Tür durchgeschoben haben, ist durchaus naheliegend. Was wohl die Liste bedeutet, die Charlotte gefunden hat?


    Und ich wette, die Frau, die ihn mitgenommen hat, ist jemand, die wir kennen. Wahrscheinlich will sie wissen, wo die Münze abgeblieben ist.


    Diese grässliche Miss Clovis wird mir immer unsympathischer. Hängt die am Ende auch noch mit drin in all den Geheimbundverstrickungen? Oder ist sie einfach nur die typische Fensterglotzerin?


    Auf jeden Fall gut, dass Alfie wieder da ist und so klug, sich den Ashdowns anzuvertrauen. Bahnt sich da am Ende doch noch ein Happy End an? ;)


    Anna war eine der Teegäste von Iris Jellicoe! So allmählich schließt sich hier ein Kreis, und ich glaube nicht, dass Iris, was Annas Verschwinden betrifft, so unschuldig ist, wie sie tut.


    Der größte Knaller in diesem Abschnitt war die Entdeckung, dass Anna weder tot noch verschwunden ist, sondern bei ihrer Tante zu Hause sitzt! Als von dem Schrei am Ufer die Rede war, dachte ich, sie sei dort umgebracht worden, aber womöglich hat man ihr nur eine Lehre erteilen wollen und sie dann nach Hause geschickt mit der Auflage, dort zu bleiben und sich bloß nicht sehen zu lassen, damit sie weiterhin für tot gehalten wird.


    Nur zu welchem Zweck das passiert ist, bleibt mir noch ein Rätsel. Soll es eine Lektion für die anderen Isistöchter (jetzt hab ich doch glatt erst Iristöchter geschrieben :lachen: ) werden, damit die schön brav die Klappe halten und keine unangenehmen Fragen stellen? Wollte man Anna töten und hat es nicht gewagt? Hat es nicht funktioniert? Oder war es von Anfang an nur als kleine Schocktherapie gedacht, um sie gefügig zu machen? Fragen über Fragen ...


    Im Theater laufen weitere Fäden zusammen. Nicht nur, dass Sally Beacon offenbar auch eine Isis-Verehrerin ist, jetzt wissen wir auch, dass Iris tatsächlich mit dem Bund zu tun hat. Ob das so schlau von Sally war, ihr zu erzählen, dass sie gegenüber Charlotte die Beschwörungsformel aufgesagt hat? :rollen: Das Ende von Kapitel 48 verheißt nichts Gutes für Menschen, die die Isistöchter als Gegner empfinden, und ich hoffe, bei dem Fest bei Jellicoes bringen sich Charlotte und Tom nicht in Gefahr.


    Bei all den gruseligen und ernsten Themen mag ich übrigens auch den Humor, der sich immer wieder ins Buch einschleicht. Charlottes Gesprächsaufhänger mit dem Fischer zum Beispiel, der sie erst mal gepflegt ignoriert :breitgrins: