Beiträge von Valentine

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Das müsste Elizabeth George sein, ich habe alle bisher erschienenen Lynley/Havers-Bände von ihr und das Spin-off, müssten dann also 21 Bücher sein. So viele habe ich meines Wissens von keinem anderen Autoren.


    Von Erich Kästner besitze ich eine Gesamtausgabe und habe somit alle Bücher von ihm - allerdings in 9 mehr oder minder dicke Bände gequetscht, also schlägt ihn rein anzahlmäßig Frau George um Längen.

    Arne-Sayles ist aber böse, finde ich. Ketterley ist es nicht, oder zumindest nicht so sehr wie sein Mentor.

    Hm, ja, Ketterley ist wohl eher ein von Laurence Verführter als ein ursächlich Böser.

    Im Anhang meiner Ausgabe steht auch etwas über Angharad Scott. Es heißt, die Figur sei fiktiv. Aber es gibt tatsächlich eine Frau diesen Namens, sie ist eine Produzentin von Doku-Filmen.

    Interessant!

    Ich fand die Bezeichnung "Labyrinth" für das Haus irgendwie merkwürdig, auch wenn man sich da sicherlich gut drin verlaufen kann. Aber ich assoziiere mit einem Labyrinth Wege, die enden, Barrieren, und den einen "richtigen" Weg, der an ein (wie auch immer geartetes) Ziel führt.

    Ich fand es bezeichnend, dass Piranesi selbst das Haus nie so genannt hat, aber Ketterley, der sich ja nie sehr weit vorgewagt hat. Wahrscheinlich kam es ihm gerade deshalb so labyrinthisch vor, weil er nie lange und oft genug unterwegs war, um sich eine Orientierung einzuprägen.

    Als Pfarrerssohn ist Frank der Umgang mit dem Tod nicht gänzlich fremd, wird der Vater doch oft genug zur Unzeit deshalb weggerufen, aber wirklich ernsthaft mit Tod und Verlust in Berührung gekommen ist er nie, bis zu dem Sommer, als er dreizehn Jahre alt ist. Ein Mitschüler kommt bei einem tragischen Unglück ums Leben, Frank und sein Bruder finden beim Spielen am Fluss einen toten Landstreicher, und schließlich schlägt das Schicksal in Franks unmittelbarem Umfeld hart zu und stellt das harmonische Familienleben der Drums auf eine schwere Probe.


    Zu viel möchte ich noch gar nicht vorwegnehmen, weil der Roman meines Erachtens noch stärker wirkt, wenn die Entwicklungen beim Lesen überraschend kommen, doch möchte ich das Buch wärmstens allen empfehlen, die einfühlsame Coming-of-Age-Geschichten mögen. Es spielt ganz genretypisch in einem heißen Sommer in einer amerikanischen Kleinstadt, doch damit enden auch schon die Klischees. Frank erzählt das Buch im Rückblick, Jahrzehnte nach den Geschehnissen, trifft aber perfekt den Ton des Dreizehnjährigen, der an einer entscheidenden Schwelle im Leben steht, nicht mehr Kind, aber auch noch nicht so richtig ein Jugendlicher, und für den dieser ereignisreiche Sommer eine Fülle an Veränderungen und Lernprozessen bedeutet.


    Die Charaktere sind differenziert gezeichnet und das Kleinstadtleben in den Sechzigern wird mit liebevollen Details zum Leben erweckt, doch William Kent Krueger schwelgt nicht in verklärender Nostalgie, sondern zeigt auch die weniger schönen Seiten der vermeintlichen Idylle, die Engstirnigkeit, den Rassismus, den boshaften Tratsch. Die Geschichte des wohl aufwühlendste Sommers in Franks jungem Leben ist ein wundervoller Roman über Familie, Gerechtigkeit, Glauben und den Umgang mit Verlust, Tod und Trauer, der das Zwischenmenschliche in einer schlichten, schönen Sprache großartig einfängt und mich sehr berührt hat.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

    Über Raphael, wie sie in des Haus gekommen ist, warum sie auch länger bleiben kann, ohne ihr Selbst zu verlieren, oder ob das irgendwann auch passieren würde, ...

    Vielleicht liegt der Unterschied auch darin, dass Raphael mehr oder minder freiwillig hinübergegangen ist, während Ritter und Piranesi von Laurence und Ketterley hinüberbefördert wurden?

    Im Original: "The Beauty of the House is immeasurable; its Kindness infinite", wunderschön, man möchte es sich laut vorlesen!

    Oh ja. Überhaupt fand ich das Buch sprachlich sehr ansprechend. So viele wunderschöne Formulierungen.

    Vielleicht ist ihm dieser Satz, dieses Wissen ein Anker, dass ihm in der realen Welt hilft?

    Bestimmt! Das und auch das Wissen, dass er immer wieder zum "Auftanken" ins Haus kommen kann.


    Dass er dort bleiben würde, glaube ich weniger, aber ich vermute, dass er die kleinen Ausflüge beibehalten wird, wenn es ihm in der realen Welt too much wird.

    Und falls er Piranesi bleibt und nicht wieder Matthew wird, dann könnte ich mir auch vorstellen, dass ihm die Einsamkeit im Haus, das er kennt, lieber sein wird, als die Einsamkeit unter Menschen, die ihm fremd sind.

    Auch da bin ich ganz Deiner Meinung. Es gibt ja Einsamkeit, die wehtut, und Einsamkeit bzw. Alleinsein, das stärkt und erdet.


    Aeria: ist in Deinem Glossar eigentlich die Bildsprache der Statuen erklärt? Da hatte ich das Gefühl, dass mir ganz viele Anspielungen entgangen sind, entweder auf tatsächlich existierende Kunstwerke oder auf bestimmte Symboliken, Sagen oder ähnliches.

    Ich bin seit vorgestern schon fertig, kam bisher aber nicht zum Posten, entschuldigt bitte :redface:


    Erst mal ohne Eure Beiträge zu lesen meine Eindrücke zu den letzten 3 Kapiteln:


    Laurence Arne-Sayles ist wirklich ein Widerling, der ohne Rücksicht auf Verluste agiert. Ich war entsetzt, als ich auch noch gelesen habe, dass er Sylvia dazu gebracht hat, einen bösen Streit mit ihren Eltern zu inszenieren.


    Dass das "Haus" insbesondere von Ketterley auch als Labyrinth bezeichnet wird und der Minotaurus immer wieder erwähnt wird, kam mir auch der Vergleich zwischen Laurence und dem Minotaurus in den Sinn, der ja auch alles verschlungen hat, was sein Labyrinth betrat.


    Ketterley steht seinem Lehrmeister tatsächlich in gar nichts nach, auch er will einen gesunden jungen Mann ins "Haus" schicken und führt eiskalt mit Piranesi das Ritual durch. Jetzt wird mir auch klar, wie die Zählweise der Vestibüle und Hallen zustandekommt, das Erste Vestibül ist der Ort des Übergangs und somit der Ankunftsort für Piranesi.


    16 ist, wie vermutet, nicht der große Feind, sondern im Gegenteil Piranesis Verbündete. Zunächst hatte ich überlegt, ob sie vielleicht Sylvia sein könnte, doch es ist eine Polizistin, die von Piranesis (aka Matthews) Familie auf sein Verschwinden angesetzt wurde. Dass eine völlig Außenstehende den Übergang schaffen konnte, hat mich doch sehr überrascht, ich hatte das immer für eine Eingeweihten-Geschichte gehalten.


    Und auch die Frage, wer Raphael sein soll, klärt sich - es ist der Nachname der Frau! Darauf hätte man ja durchaus kommen können :spinnen: Ist der Name vielleicht Programm? Raphael ist in der Bibel, wenn ich's richtig in Erinnerung habe, ein beschützender Wegbegleiter und Sarah Raphael nun diejenige, die Matthew in Sicherheit geleitet.


    Allerdings ist Matthew-Piranesi am Ende gar nicht so glücklich mit dieser Befreiung. Zwar hat das Karma Ketterley eingeholt und seiner gerechten Strafe zugeführt, aber Piranesi fühlt sich verloren, er weiß nicht mehr so richtig, wer er ist, fühlt sich nicht wie Matthew Rose Sorensen, sondern eher wie ein Fremder, der zufällig in dessen Körper gelandet ist, weil ihm immer noch die Erinnerungen fehlen. Auch nach einiger Zeit tut er sich immer noch schwer in der realen Welt, kommt nur schwerlich wieder an.


    Das wirft die spannende Frage auf, was unsere Identität eigentlich ausmacht - unser Körper oder doch vielmehr unsere Erinnerungen und Gefühle?


    Irgendwie hat es mich am Ende auch berührt, dass das "Haus" weiterhin für ihn ein Rückzugsort bleibt, wenn ihm die echte Welt zu viel wird - ein Lob auf die Einfachheit? Ich kann die Sehnsucht nach einem solchen Ort durchaus nachvollziehen und fand auch die letzten Seiten berührend, vor allem wenn er in "unserer" Welt Menschen begegnet, die er aus dem Haus als erhabene Statuen kennt und die hier ein eher ärmliches Dasein fristen. Da ist die Parallelwelt, in der sie eine ganz andere Bedeutung haben, ein tröstlicher Gedanke.


    Insgesamt hat mich das Buch am Ende aber auch ein bisschen ratlos zurückgelassen, weil doch einiges nicht aufgeklärt wird. Aber vielleicht soll das auch so sein, dass jeder für sich seine eigenen Schlüsse ziehen kann oder sich aus dem Buch mitnimmt, was er/sie möchte?