Beiträge von Doris

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ich habe die Buddenbrooks gerne gelesen - schon eine Weile her, man könnte sagen, Jahrzehnte - kann mich aber an kaum etwas erinnern. Aber es gefiel mir sehr, so dass ich mir das Buch letztes Jahr gekauft habe, um es nochmals zu lesen. Wenn dir das als Empfehlung genügt, Alice... :zwinker:


    Am Zauberberg bin kläglich gescheitert.

    In Branchville, einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA, hat die Familie von Annie Coles nach mehreren Missernten wegen einer Baumwollkäferplage mit ihrer Plantage auf Tabak umgesattelt. Nebenbei betreiben sie eine aufstrebende Großnäherei, die vom jüngeren Sohn geführt wird. Ebenfalls in Branchville, allerdings im Armenviertel, wohnt Gertrude mit ihren vier Töchtern, die sie alleine durchbringen muss, nachdem vor kurzem ihr Mann spurlos verschwunden ist. Auch die Farbige Oretta lebt in dieser Stadt. Sie ist die Haushälterin von Annie und kümmert sich in einer Notlage um Gertrudes jüngste Tochter.


    Auf diese Weise ist das Leben dieser drei Frauen miteinander verwoben. Allmählich wird deutlich, mit welchem ganz persönlichen Problem sie jeweils kämpfen und gleichzeitig in die Situation der beiden anderen verstrickt sind. Es sind nicht nur Altlasten, die deren Auswirkungen nach vielen Jahren immer noch aufgearbeitet werden, sondern auch ganz aktuelle Sorgen, die aus der Bewältigung der Vergangenheit entstehen.


    Die Geschichte entwickelt sich langsam und in leisen Tönen, wirkt aber trotzdem. Besonders bei einer der drei Frauen entsteht während des Lesens eine leise Ahnung, dass noch mehr als das Offensichtliche dahinter steckt, was für Spannung sorgt. Die Art, mit dem Schicksal umzugehen, gefiel mir nicht in allen Fällen, selbst wenn ich in Betracht ziehe, zu welcher Zeit die Handlung stattfindet und welche Möglichkeiten Frauen damals hatten, die ungeachtet der gesellschaftlichen Stellung von ihren Ehemännern abhängig waren.


    Die Charaktere sind sehr schön gezeichnet, auch das Südstaatenflair kommt nicht zu kurz. Der Spannungsbogen war für mein Empfinden allerdings ein bisschen verschoben, da der beste Teil der Handlung schon weit vor dem Ende stattfand und nach dem gefühlten Highlight alles vorzeitig ein wenig abflachte.


    4ratten

    Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass Nancy von ihm erwartet hat, dass er seine gesamte freie Zeit mit ihr verbringt. Das fand ich anfangs ziemlich egoistisch. Sicher hat sie sich das Zusammensein auf See anders vorgestellt, aber ich hätte erwartet dass sie weiß, was bei einem Besuch auf sie zukommt.


    Ich teile Kirstens Eindruck, denn das war doch etwas blauäugig von Nancy. Wenigstens hat sie sich dann relativ schnell den Gegebenheiten angepasst und eine Beschäftigung gesucht, womit allen an Bord gedient war.


    Mir hat diese Geschichte aus der Sicht einer an Land zurück gebliebenen Partnerin gefallen. Dieser Blickwinkel wird in der Regel ziemlich vernachlässigt. Nancys Alltag fand ich nicht ganz so spannend. Wahrscheinlich unterscheidet er sich, abgesehen vom Beruf des abwesenden Lebenspartners, nicht sonderlich von dem anderer Frauen. Die meiste Zeit wird eben gewartet und vermisst, besondere Tage und Momente können nicht mit dem wichtigsten Menschen geteilt werden. Dagegen sind ihre Erfahrungen auf dem Schiff und ein Lebensgefährte, der "im Einsatz" ganz persönliche neue Seiten offenbart, eine völlig andere Welt, die sie erst einmal einordnen muss. Heriberts Berichte waren generell etwas Besonderes, aber diese Wahrnehmung entsteht sicher durch meine persönlichen Vorlieben.


    Was mich erstaunt hat, war, dass Nancy auch Heriberts Briefe in vollem Wortlaut veröffentlicht hat. Immerhin waren das teilweise sehr persönliche Worte. Bei eigenen Briefen ist das die eigene Entscheidung, aber was Heribert anbelangt - wer weiß, ob ihm das recht war? Ich habe dazu keine Erklärung entdeckt, aber sie werden es besprochen haben.


    4ratten

    Meine Liste für den diesjährigen SLW. Mal sehen, ob ich hier weiterkomme als im letzten Jahr, da waren es nur 7 von 20 Büchern, die ich rezensiert hatte.



    Katastrophen:

    Louis Bromfield - Der große Regen

    Christoph Ransmayr - Die Schrecken des Eises und der Finsternis

    Tami Oldham Ashcraft - Adrift

    Swetlana Alexijewitsch - Tschernobyl

    Alberto Vasquez-Figueroa - Bocanegra


    Menschliche Katastrophen:

    A. F. Th. van der Heijden - Das Scherbengericht

    Ralf-Peter Märtin - Das Leben des Fürsten Vlad Tepes

    Rainer K. Langner - Duell im ewigen Eis

    Ch. und B. Müller - Über die Ostsee in die Freiheit

    Deb Spera - Alligatoren


    Inseln

    John Griesemer - Niemand denkt an Grönland

    Heinrich von Kleist - Michael Kohlhaas

    Shaun Bythell - Tagebuch eines Buchhändlers

    Elizabeth Stoddard - Die Morgesons

    Elizabeth Gaskell - Norden und Süden


    DIY - Die Meeresliste

    Nancy Krahlisch - Seemannsbraut

    Michael Pye - Eine Geschichte der Nordsee

    Arturo Pérez-Reverte - Die Seekarte

    Robin Knox-Johnston - In 74 Tagen um die Welt

    Nic Compton - Sailing Solo


    Ich finde übrigens sowohl das englische, als auch das deutsche Cover unglaublich hübsch!

    Ich kann Mungo hier zustimmen - das "Tagebuch eines Buchhändlers" war tatsächlich mal ein Buch, das mir wegen seines Covers auffiel. Die Buchhandlung sieht mit den erleuchteten Fenstern richtig heimelig aus, und die vielen Bücher und die lesenden Menschen sprechen mich als Leserin natürlich auch sehr an.


    Der Titel lässt schon ahnen, dass es sich nicht um eine durchgehende Geschichte handelt, sondern um kleine Begebenheiten im Alltag eines Buchhänders. Amüsant sind die Erlebnisse mit Kunden, Kollegen und anderen Mitmenschen aber trotzdem. Da waren schon einige kuriose Zeitgenossen dabei. Manche Stammkunden oder eine Angestellte mit ihren Marotten wachsen über die Monate richtig ans Herz. Spannend waren für mich auch die Schilderungen über Bythells Bucheinkäufe. Über diesen Aspekt eines Antiquariats hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Sehr interessant sind auch die täglichen Notizen über die Anzahl der Online-Bestellungen und Kunden sowie die Tageseinnahmen. Und - Amazon lässt grüßen - auch der Kampf mit den großen Onlinehändlern wird thematisiert.


    Es steckt viel Unterhaltsames als auch Wissenswertes in diesem Tagebuch. Irgendwann werde ich mir die Fortsetzung vornehmen.


    4ratten

    Ja, es ist schwer zu glauben, dass so viele Menschen für Freiheit und Selbstbestimmung ihr Leben aufs Spiel setzten. Wirklich heftig war es aber auch, zu lesen, was die Grenzbeamten alles unternahmen, um die Flüchtenden aufzuhalten. In einem Fall versuchten sie sogar noch, in westdeutschen Gewässern Geflüchtete zu stoppen. Die Dramatik kommt in dem Buch gut zum Ausdruck, während die amtlichen Meldungen selbst bei Todesfällen so klingen, als handle es sich um einen banalen Sachschaden.

    Christine und Bodo Müller - Über die Ostsee in die Freiheit


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    Auszug aus dem Klappentext

    Die nasse deutsche Grenze. Anders als bei Mauer und Stacheldraht war der Todesstreifen "Ostsee" unsichtbar. Dennoch wagten es in den 28 Jahren deutscher Trennung mehr als 5600 Fluchtwillige aus allen Regionen Ostdeutschlands, die DDR-Seegrenze zu durchbrechen. [...] Nur wenigen gelang die Flucht nach Dänemark, Schweden oder Schleswig-Holstein. Über 4500 Menschen wurden beim Fluchtversuch festgenommen oder mussten für Jahre ins Gefängnis. Mindestens 174 Männer, Frauen und Kinder aus Ostdeutschland bezahlten ihren Freiheitswillen mit dem Leben.


    Vom Format her kleiner als ein Taschenbuch, aber inhaltlich teils schwere Kost. Die Autoren berichten in ihrem Buch über einen Zeitraum von 28 Jahren, in denen der Osten Deutschlands vom Westen durch eine zum Teil unsichtbare Grenze getrennt war, die ohne staatliche Erlaubnis nicht überschritten werden durfte. Im Landesinneren gab es Zäune, Mauern und Grenzposten, doch auf offener See war eine dauerhafte Kontrolle nicht möglich, was manche DDR-Bürger dazu verleitete, auf diesem Weg das Land zu verlassen. Dabei kamen alle möglichen schwimmfähigen Hilfsmittel zum Einsatz, wie z. B. Segel-, Paddel- oder Schlauchboote, aber auch Surfbretter, ein selbst gebautes "U-Boot" oder ein Aqua-Scooter. Ein Kapitel erzählt sogar von einem Schwimmer. Einige dieser Fluchten missglückten, einige gelangen, und von manchen Flüchtlingen fehlt bis heute jede Spur.


    Das Buch ist voll mit Fotografien der Fluchtobjekte und Originaldokumente der staatlichen Behörde, in denen man die Berichte des Grenzschutzes nachlesen kann. Obwohl alles sehr sachlich dargestellt wird, kommt man doch ins Schlucken, wenn man realisiert, wie Flüchtlinge mittels Waffengewalt und sogar dem Einsatz von Handgranaten gestoppt werden. Schwer zu glauben, dass Deutsche auf Deutsche schießen und in welchem Amtsdeutsch diese Tragödien dargestellt werden. Aber es gibt auch Interviews und Fotos von Flüchtlingen, die es geschafft haben.


    Neben den einzelnen Fluchtversuchen verdeutlicht eine ausführliche Schilderung, wie es damals um die Reisefreiheit, die Grenzanlagen und die zuständigen Behörden bestellt war. Insgesamt ein wirklich gelungenes Zeitdokument, das mich nachhaltig beeindruckt hat.


    5ratten


    Falls ich mich in Bezug auf die ehemalige DDR aus Unwissenheit politisch unkorrekt ausgedrückt habe, möge man es mir nachsehen.

    Die Frage stellt sich bei mir nicht. Sollte das Original ähnlich sperrig geschrieben sein, dürfte mein Englisch auf keinen Fall dafür ausreichen. Angesichts der vielen kurz aufeinander folgenden positiven Bewertungen am Anfang dieses Thread hatte ich den Eindruck, dass das Buch in einer gemeinsamen Runde gelesen wurde, und das wiederum hätte bei mir vielleicht dafür gesorgt, dass ich Zugang zu Matts Geschichte bekomme. Zumindest ging mir das in Leserunden schon öfter so. Aber dafür ist es nun zu spät und nochmals werde ich das Buch sicher nicht in die Hand nehmen.